ADHS und Schule....immer Ritalin?

    • (1) 02.09.17 - 16:44

      Hallo

      mein Sohn wird Ende des Jahres getestet weil der Verdacht auf ADHS ist. Er war gerade beim Kinderzentrum wo ein Psychologe die weitere vorgehensweise mit uns besprochen hat. Die Einschulung findet daher auch erst im nächsten Jahr statt. Allerdings wollte ich jetzt mal von euch wissen, ob eure Kinder immer ein Medikament bekommen wenn sie Schulzeit haben? Versucht ihr es auch ohne? Alternativ Medizin wie z.B chinesische Medizin? Es interessiert mich einfach was so in Zukunft auf uns zukommen könnte.

      LG Hexe12-17

      • Natürlich gibt es Kinder, bei denen klappt die Kombination ADHS und Schule ohne Medikamente. Kommt nebst der Symptomausprägung natürlich auch darauf an, wie die Schulsituation ist.

        Persönlich bin ich ein Gegner von diesem Trend 101 Therapien auszuprobieren, im Sinne von "nützt es nichts, so schadet es nichts", denn: doch es schadet! Es schadet wenn sich das Kind wie ein Versuchskarnickel vorkommt und es schadet, wenn das Kind dank der x Therapien sich permanent als defizitär wahrnimmt. Deshalb, bitte lass den Quatsch mit chinesischer Medizin und ähnlichem.

        Hi,

        mein Mittlerer hat ADS und bekommt keine Medikamente--es war mit Ergotherapie, Konzentrationstraining und VIEL Geduld und enge Zusammenarbeit mit den Lehrern auch so zu schaffen.
        Wenn sich die Probleme verschärft hätte, hätte ich aber auch über Medikamente nachgedacht. Kommt halt auch auf die Form an, unser Sohn war immer Gesprächsbereit und zugänglich, das ist nicht selbstverständlich bei AD(h)S.

        lg

        (4) 02.09.17 - 20:12

        Chinesische Medizin basiert wie fast alles, was alternativ ist auf Placeboeffekten.

        Man verschwendet damit gewöhnlich seine Zeit.

        ADHS-Therapie ist immer multimodal, es gibt mehrere Ansätze: Elterntraining gehört dazu, Verhaltens-/Ergotherapie und Medikamente.

        Mein Sohn bekam Medikamente und vertrug sie gut.
        Sie halfen ihm auch. Er war jetzt ein Jahr ohne und das lief nicht toll.
        Jetzt sollte er neu eingestellt werden, darf aber nicht, da er eine Auffälligkeit im EKG hat. Er muss weiter ohne zurechtkommen. Das fällt ihm sehr schwer.
        Es ist als würde man von einem Kurzsichtigen fordern, ohne Brille zurechtzukommen.

        Es kommt auf die Stärke der Symptome an. ADHSLER müssen lernen durch durch günstiges Verhalten die Defizite in der Reizfilterung auszugleichen. Das ist sehr anstrengend und erfordert viel Geduld und Übung.

      • (5) 02.09.17 - 20:59

        HI,
        vor kurzem war ein Bericht von einem Prof. das überwiegend AHDS in der Stadt nachgewiesen worden ist. Kinder vom Dorf scheinen angeblich weniger betroffen zu sein. ...

        Mene Nachbarin hat es gut in den Griff bekommen in dem die Kids kein Zucker essen durften.

        Dann gibt es noch die Möglichkeiten die Augen komplett testen zu lassen. Es gibt hier spezielle Augendiagnostik....AHDS und Augen scheinen oftmals zusammen zu hängen.

        LG
        Lisa

        • (6) 02.09.17 - 21:45

          Dorfkinder sind in der Regel deutlich weniger Reizen ausgesetzt.

          Eine hohe Zufuhr kurzkettiger Kohlenhydrate in Form von Saccharose wird bei ADHS-Kindern mit großer Wahrscheinlichkeit die motorische Überaktivität befeuern, ursächlich für die Störung ist aber
          eine hirnorganisch bedingte Schwäche unwichtige Reize auszufiltern.

          Zuckerkonsum ist nicht die Ursache, kann die Symptomatik aber ungünstig verstärken.

      (8) 03.09.17 - 10:54

      Moin!

      Mein Sohn (Dorfkind) hat ADhS. Da die Hyperaktivität nicht zu stark ausgeprägt ist, ist er grade so ohne Medikamente durch die Schule gekommen. Ich denke jedoch, dass es mit Medikamenten wesentlich einfacher für ihn gewesen wäre. Er hat sich jedoch selbst gegen die Einnahme entschieden nachdem uns von unserem KJP diese Möglichkeit genannt wurde.
      Was mir sehr geholfen hat, war das Elterntraining, die Unterstützung durch einen tollen Lerntherapeuten und der Austausch mit anderen betroffenen Familien.

      Durch den Verzicht auf Geschmacksverstärker (Glutamat/Hefeextrakt), eine möglichst zuckerarme Ernährung, sinnvoll begrenzten Medienkonsument und körperliche Auslastung (auch schon morgens vor der Schule) konnten wir die Symptome soweit mindern, dass sie meinen Sohn kaum einschränkten. Sein Lerntherapeut war ein wichtiger Ansprechpartner für ihn (wie für mich und die Lehrer), da er selbst ADHS und somit ein besonders Verständnis für alle Betroffenen hat. Außerdem hatten unsere Tiere (Hund, Pferde, Kühe) einen beruhigenden Effekt auf ihn.

      Globuli und Ergotherapie brachten bei ihm keine spürbaren Veränderungen.

      Seit mein Sohn die Schule abgeschlossen hat und eine Lehre im Handwerk macht, merkt man ihm eigentlich hat nichts mehr vom ADhS an.
      Sein KPJ meinte bei unserem letzten Gespräch (Ende 2015) auch, dass sich die Pubertät wohl positiv auf ihn auswirkt (was häufig vorkommt) und dass er keinen weiteren Therapiebedarf sieht :-D

      Aber ich habe auch Kinder kennen gelernt, die trotz aller genannten Maßnahmen Medikamente nehmen mussten um beschulbar zu sein. Dann sind die Mittel wirklich ein Segen für das Kind und sein gesamtes Umfeld.

      LG nobyna

      Mein Sohn hat eine ADS und ASS Diagnose. Er kommt jetzt in die dritte Klasse, hat eine Schulbegleitung und bekommt Ergo sowie eine heilpädagogische Therapie. Bisher kommt er ohne Medikamente aus, das liegt u.a. an der großen Unterstütztung die er hat, aber auch an einer sehr positiven Entwicklung. Trotzdem habe ich die Vermutung, dass irgendwann auch bei uns das Thema auf den Tisch kommen wird. Da derzeit alles gut läuft, werden wir aber erstmal ohne weiterarbeiten.

      (10) 03.09.17 - 13:28

      Hallo

      ich danke euch allen für eure Erfahrungen. Wie kommt man zu einem Lerntherapeuten bzw Schulbegleiter? Ich denke das wir nach dieser Testung ende des Jahres auch Ergotherapie bekommen. Ansonsten versuche ich ihn auszulasten aber auch Konzentrationsübungen mit ihm zu machen....Memory etc.

      LG

      • (11) 03.09.17 - 18:47

        Hallo,

        ich bin Lehrerin und antworte mal stellvertretend ;-) :

        Eine Schulbegleitung "nur" wegen ADHS zu bekommen ist äußerst schwierig bis unmöglich. Ich denke, beim Kind der Userin war die Autismusspektrumsstörung der Grund, weshalb die Begleitung genehmigt wurde.

        Ansonsten, zu deiner Frage: Ich habe durchaus schon Schüler erlebt, die ohne Medikamentierung gut durch die Grundschulzeit gekommen sind.
        Entgegen der landläufigen Meinung kenne ich auch viele Kollegen, die gerne mit ADHS Kindern arbeiten. Denn diese können einem zwar mit beiden Beinen auf den Nerven herumtrampeln, sie haben aber auch ganz eigene und faszinierende Stärken.

        Ausschlaggebend für die Entscheidung sollte der Leidensdruck des Kindes sein bzw. die Gefahr für seine erfolgreiche Schullaufbahn.

        LG

        (12) 04.09.17 - 02:33

        Zur Lerntherapie sind wir durch eine Bekannte gekommen, deren Tochter dort hin ging. Die Kosten (ca. 160 € monatlich) wurden leider nicht von der Krankenkasse übernommen.

    (13) 03.09.17 - 15:10

    Das ist jetzt eigentlich Off-Topic, aber ich muss das mal loswerden:

    Ich danke allen, die hier geantwortet haben, für diese wohltuend objektive Diskussion mit sinnvollen Beiträgen, ohne Schuldzuweisungen oder der starrköpfigen Behauptung, es gäbe diese Krankheit nicht.

    Danke! Danke! Danke!

    LG

(15) 03.09.17 - 16:39

Hi, hier mal aus Erwachsenensicht: ich habe es selbst ;-)

Damals bin ich ohne Medikament durch die Schule gekommen. Das ging durchaus. In der heutigen Schulzeit würde ich das aber nicht schaffen. Dazu hat sich zu viel verändert.

Inzwischen nehme ich das Medikament für Erwachsene selbst. Freiwillig. Weil es mir gut tut. Der Unterschied ist enorm. Nach vielen Jahren "unscharf sehen" eine geeignete Brille haben. oder ein Hörgerät. Ich brauche nicht mehr 95 % Energie, um mit den restlichen 5 % Energie 30% Ergebnis zu wuppen.
Mit Medikament brauche ich 1% Energie für lockere 80% Ergebnis.

Das heißt aber nicht, dass jeder mit der Diagnose das Medikament nehmen sollte. Sondern ist nur ein Beispiel.
Wichtig ist, neben der Diagnose, zusätzlich zum Medikament auch eine geeignete!!! Ergo- oder Verhaltenstherapie. Jemand der sich WIRKLICH mit ADHS auskennt.


Nicht geeignet empfinde ich:
- herumexperimentieren um partout das Medikament zu vermeiden
ja, ZU VIEL experimentieren kann schaden. Es verwirrt, es macht unsicher, wenn sich jemand nicht auskennt, kann das bei ADHS einiges verschlimmern!, als Kind sich nicht angenommen fühlen usw.
- wenn Medikament ohne geeignete Begleitherapie verordnet wird

sinnvoll empfinde ich:
- dem Medikament nicht verschlossen gegenüber sein. Ja, es ist Chemie. Aber von der Wirkung her ist es wie eine Kombination aus Brille und Hörgerät
- einen guten Arzt an der Seite zu haben, der sich damit auskennt
- Elterntraining
- sich mit dem Thema ADHS auseinandersetzen
- begleitende Therapien, die sich ebenfalls mit ADHS auskennen. Kontinuierlich.
- Umgebung sinnvoll gestalten. In vielen Bereichen. Auch mit Medikament ist das seeeehr hilfreich :-p

einen guten Arzt in dem Zusammenhang meine ich: wenn einer offen dem Medikament gegenüber steht, jedoch nicht zwanghaft verschreibt, sondern sich das Kind/den Betroffenen genauer anschaut. Bei manchen geht es ohne, bei manchen eher mit. Hier ist wichtig, individuell zu schauen. Vor allem auch, wie geht es dem Kind selbst! Wie ist der Leidensdruck des Kindes? Kommt er gut klar? Tut er sich schwer? Steht er sich selbst im Weg? Nicht so sehr den Fokus auf Schule, Konzentration und Verhalten legen, sondern viel mehr darauf: wie geht es dem Kind in den Situationen.

Wie gesagt, ich nehme es frewillig, weil es mir sehr vieles erleichtert. Dennoch macht es nicht abhängig. Als ich es aus anderen Gründen eine Zeit lang nicht nehmen konnte, hatte ich keinerlei Entzugserscheinungen!
Ständig wechseln oder nur an bestimmten Tagen nehmen, würde ich nicht machen. Das verwirrt den Körper. Meinen jedenfalls. Es für einige Zeit abzusetzen war jedoch kein Problem.

Ich könnte auch ohne. Ich könnte auch ohne Brille. Anderen würde an meinem Verhalten nur wenig auffallen. Aber ich selbst würde mich selbst damit quälen, bräuchte ständig mehr Zeit für weniger Ergebnis.

  • Ein RiesenDANKE für deinen fundierten Beitrag!

    (17) 04.09.17 - 16:57

    Ich danke dir sehr für deinen ausführlichen Beitrag. Wenn es ok ist würde ich dich gerne das eine oder andere mal anschreiben . Noch ist ja alles am Anfang und die Fragen kommen bestimmt auch mit der Zeit.
    Also im Kindergarten ist es im Moment so das er gerne hier und da dabei wäre und sich oft am liebsten teilen würde. Er hat da aber auch Freunde. Also es ist nicht so das er alleine dasteht. Allerdings wird er nicht nach Hause eingeladen wie andere Kinder weil er halt als "schwierig" und laut eingestuft wird. Manchmal steht er sich auch im Wege. Ist schnell weinerlich und beleidigt. Das ist auch nicht so schön aber wurde schon besser ;-)

    LG

Hallo,

nur als kleiner Hinweis: Ritalin ist ein Handelsname. Der Wirkstoff heißt Methylphenidat(hydrochlorid)..

Die Handelsnamen sind Ritalin, Medikinet und andere.

Liebe Grüße Andrea

Hi,
nein und es sollte auch nur verschrieben werden wenn wirklich nötig. Bei Kindergartenkindern und Grundschulkinder ist die Diagnose eh sehr schwer da sie entwicklungsbedingt oft schon "auffällig" sind. Darum erstmal abwarten und andere Dinge ausschöpfen: Ergo, KonzentrationstrainIng, Tipps vom Psychologen umsetzten.....

LG

(20) 04.09.17 - 15:45

...angeblich gibt es Lehrer, die quasi "darauf bestehen" dass ein diagnostiziertes ADHS-Kind mit Empfehlung für Ritalin dieses auch bekommt. "Angeblich" deshalb, weil die Eltern das behaupten. Rechtlich geht das wohl kaum. Aber es könnte sein, dass der Lehrer Druck ausübt, dass das Kind ohne nicht beschulbar wäre. Was in der Schweiz eine Sonderschule bedeuten würde. Was viele Eltern nicht wollen. Nicht zwingend aus Gründen im Kontext des Kindeswohls, sondern aus Prestige-Gründen.
"Angeblich" auch deswwegen, weil viele Eltern denken, sich rechtfertigen zu müssen und dann das lieber auf andere schieben. Was ich bescheiden finde.

Ich sehe, dass es Alternativen gibt. Nicht in Sachen Heilpraktiken, dafür kenne ich mich zu wenig aus, sondern in Bezug auf andere Schulen, die auch ohne Ritalin dafür mit Kleinkassen mit Kindern arbeiten können. Das sind dann aber spezialisierte Schulen. Eben "Sonderschulen". Ziel ist, das Kind in eine Regelklasse zu reintegrieren. Das klappt oft er in der Oberstufe.

Ich sehe aber auch, dass es Familien gibt, die eben erst alles andere ERNSTHAFT versuchen, bevor sie Ritalin geben. Den ganzen Familienalltag umstellen, selber aktiver werden, das Kind anders fördern, anders Erziehen als sie es ursprünglich vor hatten.

Das alles finde ich gute Ansätze. Was sicher dem Kind gegenüber unfair ist: Weitermachen wie bisher und dem Kind Medikamente geben. Damit es so geht, wie man das Leben kennt. Ein bisschen die Ratschläge annehmen, die der Psychologe / Kinderarzt anbot, müsste zwingend Pflicht sein. Auch bringt es sicher was, dem Lehrer im Vorfeld von der allfälligen Medikation zu erzählen oder / und zu erwähnen dass das Kind zwar ADHS hat, man sich aber entschied, es ohne Medikamente zu probieren. Dass sie übermässig darauf eingehen, kann man in einer öffentlichen, "normalen" Schule aber nicht erwarten.

Lass doch mal Zeit ins Land gehen. Hast ja jetzt nochmals ein Jahr Zeit. Guck mal, wie sich das entwickelt.

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