Sohn so traurig

    • (1) 30.09.17 - 13:01

      Hallo,
      Lange habe ich überlegt, ob ich hier schreibe. Aber vielleicht habt ihr einen Rat für mich.
      Es geht um meine 7 jährigem Sohn. Er besucht die 2. klasse. Im erstem Jahr hatte er es schwer anzukommen trotz seiner Zwillingsschwester (gleiche Klasse). Nun im 2. Schuljahr hat er sich sehr verändert. Er ist traurig, lacht wenig und sieht alles negativ. Was ist bloß los?
      Er wurde in der ogs leider gemoppt, was wir aber jetzt zum Glück wissen und es nun nicht mehr passiert. Man hat ihn weggeschubst, beschimpft (f...dich, hau ab etc.) , einfach grausam. Das hat große Wunden auf seiner Seele hinterlassen. Zudem fragte er öfter, ob er dumm sei. Nein, natürlich nicht. Schulleitungen sind gut.
      Er hat Anfang des Jahres eine kleine Schwester bekommen und wir haben die Zwillinge räumlich getrennt (Wunsch der Schwester! Nicht seiner, ging aber auch nicht mehr zusammen).
      Ist das alles Zuviel?
      Ich weiß nicht mehr weiter. Ich kann es so nicht mehr ertragen, das mein Junge so traurig ist. Er verliert dadurch den Klassenanschluss. Er hat es jetzt noch schwerer. Ist das vielleicht eine Entwicklungsphase in dem Alter? Kennt das noch jemand, diese Traurigkeit?
      Ich weiß, das er emotional empfindlich ist und noch nicht so weit, aber ich mache mir schon sorgen. Er macht schon Ergotherapie .
      Lg

      Kann ich nachvollziehen. Ablehnung zu Hause durch die Schwester, Ablehnung in der Schule. Wundert mich nicht, dass er so traurig ist, seine beiden Hauptlebensräume glänzen gerade nicht sonderlich durch Zuneigung.

      Ich würde die Ergotherapeutin um Rat bitten und ggf. eine Adresse zur psychologischen Unterstützung dort erbitten, bevor sich das noch tiefer frisst.

    • Aus eigener Erfahrung heraus würde ich versuchen Kontakt zu einem Kinder- und Jugendpsychologen zu bekommen.
      Das kann z.B. über die Ergotherapeutin, die Schule oder den Kinderarzt laufen.
      In unserer Stadt gibt es auch eine Art Notfalltelefon. Da kann man sich beraten lassen und bekommt die erste Einschätzung eines Experten.

      Ich hatte selber schon Depressionen, Auslöser war, dass ich unseren Umzug nach Deutschland nicht vekraftet haben. Ich war damals einige Jahre älter als dein Sohn jetzt, aber deine Beschreibung kommt mir trotzdem bekannt vor. Ich habe mich lange gequält bis ich dann während meines Studiums einen Zusammenbruch hatte und dann in Behandlung ging. Da war natürlich vieles schon festgefahren und die Therapie hat länger gedauert. Geholfen hat sie natürlich trotzdem.
      Aus dieser Erfahrung heraus würde ich es also “abklären“ lassen. Wenn wirklich ein größeres Problem vorliegt, hast du rechtzeitig gehandelt und wenn nicht, dann wird das nach 2-3 Gesprächsterminen feststehen und du bist etwas beruhigter.

      Wie läuft es denn jetzt in der Schule? Emotional, sozial?

      Zwischen er wird nicht mehr gemobbt, nicht mehr ausgestoßen und er wird akzeptiert, können Welten liegen. Selbst wenn jetzt keine Schimpfwörter mehr fallen, wie gehen sie jetzt mit ihm um? Als der, der mal nicht dazu gehörte, na ja, wir machen was mit ihm, aber auch nur weil wir müssen oder ist da jetzt Freude da, ein schön dass du dabei bist?

      Selbst wenn er jetzt nicht mehr gemobbt wird, kann Außenseiter sein auch hart sein. Daher meine Frage.

      Dass er Freunde hat, ist super. Wie verhalten diese sich in der Klasse/Schule?


      Trennung zu seiner Schwester ist ok. Kann aber auch ein harter Schlag sein. In der Schule wurde er nicht gemocht, seine Schwester will ihn nicht haben.
      Auch wenn es ein natürlicher Entwicklungsgrund ist, wie kommt es bei ihm an?
      Die mag mich auch nicht? Ich muss dumm/böse/abartig sein? Sie hält lieber zu den anderen als zu mir? usw.

      Das kann schon alles zu viel sein. Nachwuchs allein ist auch schon nicht einfach.

      Da würde ich schon einen Kinderpsychologen hinzuziehen.
      Wenn es nur ein Entwicklungsdings ist, ist es super. Wenn nicht, kann er vielleicht mit ihm reden.
      Vielleicht mal beim Kinderarzt fragen oder bei Anlaufstellen, die sich auch mit Zwillingen auskennen.
      Mobbing allein ist schon Grund genug. Trennung/Rausschmiss von der Zwillingsschwester... bei manchen ist es wie Geschwister, wo man nichts beachten braucht und bei manchen, die ich kenne, ist eine ganz andere Art von Bindung da. Z.B. 7 Geschwister, mit allen gibt es mal Streit oder Versöhnung, alles soweit ok, aber beim Streit mit dem/der Zwillingsgeschwister ist es bei beiden ganz anders, intensiver irgendwie.
      Vielleicht ein Psychologe, der anerkennt, dass Zwillinge zwar Geschwister sind, aber vielleicht doch nicht so einfach ist - oder noch besser, der unterscheiden kann, wie das in der Konstellation einzuschätzen ist ;-)

    • (7) 01.10.17 - 12:16

      Hallo,

      das tut mir sehr leid, dass dein Sohn so traurig ist. Mobbing&Co. haben wohl ihre Spuren hinterlassen.
      Habt Ihr Haustiere? Ein vierbeiniger Freund kann zwar keinen zweibeinigen Freund ersetzen, aber ein soziales Tier (Hund, Katze, Kaninchen,...🐶) könnte deinem Sohn Trost und Geborgenheit spenden. Ihm die Verantwortung für ein Tier zu übertragen, könnte ihm auch Selbstvertrauen geben.
      Ich kenne auch eine (behinderte) Erwachsene, die aufgrund eines Todesfalls in der Familie sehr niedergeschlagen war und eine Reittherapie gemacht hat. Es hat anscheinend geholfen (Ob Kind oder erwachsen, behindert oder nicht spielt ja hierbei keine Rolle.). Vielleicht wird bei Euch sowas in der Nähe angeboten?

      Alles Gute!

      Da würde ich auch zu einem Gespräch mit einem Profi raten, wenn diese Phase schon seit Schulwiederbeginn anhält.

      Frag mal an der Schule nach einem Schulsozialpädagogen, das wäre meine erste Anlaufstelle.

      Du sagst, er ist nicht dumm, die Schulleistungen stimmen - und dann schreibst du, er verliert den Klassenanschluss. Entweder meinst du den Zugang zu den Klasssenkameraden oder es ist widersprüchlich.

      Wenn er keine Freunde in der Klasse findet, dann hilft ihm ggf. die Lehrerin oder du, indem du z.B. Klassenkameraden einlädtst.
      Wenn die Leistungen sinken, musst du wohl erst sein allgemeines Wohlbefinden steigern, bevor du daran arbeiten kannst.

      Ich denke, bevor du das Problem in der Schule ortest, wäre es gut, alles daheim dafür zu unternehmen, dass es ihm gut geht und er seinen Platz in der Familie findet. Klar war das alles viel: Aber auch schon einfach eine Schwester zu bekommen UND das Zimmer nicht mehr mit dem Zwilling zu teilen ist viel - und in die Schule zu gehen ebenso. Das alleine reicht für viele Probleme.. bei den einen. Andere schaffens locker.
      Da seine Schwester so locker damit umgeht, kommt er sich noch kleiner vor...

      Such auf der Nicht-Schul-Ebene nach Problemlösungen: Hobbies, Sportverein, Musik und zwar ohne die Schwester. Etwas, wo er Stolz auf sich sein kann.

      Ebenso gilt es, in der Familie seinen Platz zu definieren. Man muss Probleme erst daheim lösen, bevor man sie woanders sucht. Gib ihm ein Feld, wo er der Chef ist: Katze, Tischdecken, Hund Gassi führen, lern ihm kochen, Wäsche sortieren... alle einfachen Tätigkeiten, die er selber lernen und ausführen darf werden ihn stolz machen. Und ihm selbstvertrauen geben.

      Dann sagst du, er ist noch nicht so weit.. .wofür?

      Depressionen gibt es im Kinder- und Jugendalter mehr als man denkt. Das heißt nicht, dass dein Sohn gleich ein Depression haben muss, aber das heißt, dass man es im Auge behalten muss und vorbeugen, damit es nicht so weit kommt. Irgendwelche Couchpsychologie von uns hier bringt gar nichts. Es gibt im Umfeld Kind/Schule mittlerweile so viele Beratungs- und Hilfsangebote, und so viele Kinder nehmen solche wahr, dass du dich nicht scheuen solltest, welche anzunehmen. Ich geb dir jetzt mal eine (sicher unvollständige) Liste und dann kannst du dir raussuchen, wo du dir und ihm Hilfe suchst. Aber Hilfe suchen würde ich unbedingt.

      -Klassenlehrer oder Schulleitung: Oft können dir die auch einen Hinweis geben, welche Stelle gut ist, denn sie hören ja viel von anderen Kindern, und der Klassenlehrer kennt dein Kind am besten. Allerdings nützt das nur, wenn du Vertrauen zu denen hast und die ein gewisses Interesse für die Thematik mitbringen - leider gibt es immer noch Kollegen, die psychische Erkrankungen/Auffälligkeiten/... im Kindesalter als "Schmarrn" abtun.

      -Beratungslehrer: Dieser ist speziell darin geschult, dir mögliche Stellen anzubieten. Allerdings kennt er dein Kind evtl. gar nicht und ist auch nur "Ratgeber", hilft selber nicht, sondern vermittelt nur Adressen. Aber auch er kennt die lokalen Stellen oft gut und kann welche besonders empfehlen.

      -Schulsozialarbeiter: Gibt es in Bayern mittlerweile an allen GS. Oft sind das gute Anlaufstellen, da sie zwar "in der Schule" arbeiten, aber nicht direkt zum Kollegium gehören und somit einen Blick von innen und von außen haben können. Liegt aber natürlich auch an der Person, klar.

      -Schulpsychologe: Ähnlich wie der -Sozialarbeiter, aber halt ein Lehrer und oftmals nicht so kompetent im Umgang mit den "alltäglichen" Dingen. Die sind oft hauptsächlich mit LRS-Gutachten etc. befasst.

      -Kinderarzt

      -SPZ: Sozialpädiatrisches Zentrum, zuständig für allerlei Probleme in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen - psychisch, geistig, körperlich. Meist an Kinderkliniken angegliedert. Interessant finde ich da die Telefonsprechstunde, da kann man einfach völlig unverbindlich mal anrufen, braucht nichts zu organisieren, keine AOK-Karte vorlegen oder sonstwas, sondern kann einfach mal reden. Die Mitarbeiter haben oft viel Erfahrung und können eine vernünftige Einschätzung geben und dir dann ggf. weitere Stellen nennen.

      -Kinderpsychologe oder -Psychiater: Da würde ich aber über den Kinderarzt gehen und mich ggf. überweisen lassen.

      -Familienberatungsstellen: Gibt es meist in jeder kleineren Stadt, sind oft vom Landratsamt betrieben und können auch weiterhelfen.

      Letztlich ist es eine Frage, ob einem die betreffende Person sympathisch ist oder nicht. Da kann es auch mal sein, dass man mehrere Stellen "abgrasen" muss.

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