Was haltet ihr von Kombiklassen???

    • (1) 19.10.17 - 12:05

      Hallo ihr Lieben,

      mich beschäftigt in letzter Zeit die Frage, was ich von Kombiklassen halten soll. Meine Tochter wird nächstes Jahr eingeschult. Wir haben eine kleine Grundschule mit 55 Schülern im Ort, d.h. wir fahren einzügig. Nun steht aber aufgrund der geringen Schülerzahlen die Bildung einer Kombiklasse im Raum :-(

      Ich mache mir diesbezüglich Sorgen, ob das gutgehen kann, wenn Erstklässler und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet werden. Meine große Tochter ist auch auf der Schule und daher weiß ich, dass es doch inhaltlich in der 2. Klasse schon ganz andere Themen gibt als in der 1. Klasse.

      Wie soll denn so was von einer Lehrkraft geschafft werden?

      Ich bin am Überlegen, ob unter diesen Umständen doch die Ganztagsschule zwei Orte weiter in Frage käme?
      Eigentlich möchte ich nicht, dass meine Tochter ganztags gehen müsste. Sie wäre nicht mit ihrer Schwester in der gleichen Schule. Das wäre auch irgendwie blöd.

      Ach ich weiß auch nicht....vielleicht habt ihr Erfahrungen mit Kombiklassen und könnt mir ein wenig die Ängste nehmen???

      Liebe Grüße!

      • Hallo,

        meine Tochter hat in der ersten Klasse eine Kombiklasse aus 1. und 2. Klasse mit 2 Lehrern besucht. Danach wurde das System an ihrer privaten Schule abgeschafft, weil es zum einen sehr schwer war, dem dann noch größeren Leistungsspektrum aller Kinder gerecht zu werden, und zum anderen, weil die Lehrer die Erfahrung gemacht haben, dass die Kinder dadurch jedes Jahr, wenn ein Teil der Kinder in die nächst höhere Klasse wechselt, großen emotionalen Schmerz hatten. Meist gehen gute Freunde, die zwar noch auf dem Pausenhof präsent sind, die Nähe geht aber verloren.

        Die Erstklässler profitieren von solchen Klassen, da sie größere Kinder zur Orientierung haben und diese zum Teil den lehrenden Part mitübernehmen. Für die älteren Kinder ist es eher nachteilig. Auch beträgt der Altersunterschied bis zu 2 Jahren und die Kinder finden bei einer solche Klasse weniger entwicklungsentsprechende Kinder. Bei ca. 22 Kindern stammen je ca. 5 aus jeder Alterstufe und Geschlecht. Das kannes für das Klassenklima und das einzelne Kind schon mal schwierig machen.

        JUL ist meist nur eine Notlösung für kleine Dorfschulen und wurde - so meine ich mich zu erinnern - in den Stadtstaaten wieder abgeschafft.

        Hallo,

        meine beiden Kinder besuchten jeweils die Grundschule mit Kombiklassen (1.+2 gemeinsam und 3. und 4.). Das Niveau entspricht dem einer vierzügigen Grundschule.
        Ob es funktioniert, hängt aber von der Lehrkraft ab, sag ich mal.
        Ich kenne eine Lehrerin einer Minischule, die 4 Schulstufen in einer Klasse unterrichtete. Alle sprechen in höchsten Tönen von ihr. Sowohl die Kinder als auch die Eltern.

        Der Vorteil war der größere Zusammenhalt innerhalb des Klassengefüges und dass die jüngeren von den älteren Schülern profitieren.

        Der Nachteil eine gewisse Unruhe, mit der man wahrscheinlich auch umzugehen lernt. Man kennt es ja nicht anders.

        LG

        Karin

        Meine große besucht die 3. Klasse einer kombi 3/4. es ist großartig!

        Nicht nur die kleinen profitieren von solchen Klassen, auch die älteren. In Deutsch und Mathe werden sie getrennt unterrichtet (ein Nebenzimmer, das nur durch Glas getrennt ist). In allen anderen Fächern sind sie zusammen. Es ist hsu völlig egal, wann die welches Thema durchnehmen, ob in der 1. oder 2., also klappt das sehr gut.

        Und es ist emotional keineswegs belastend, wenn die großen nach einem Jahr gehen. Schließlich sind die Kinder ja dann selbst die großen, helfen den neuen, werden zu Vorbildern- und haben die Möglichkeit, neue Freunde zu finden. Gerade für Kinder, die sich in einer Konstellation nicht so wohl fühlen ist das toll, dass sie dann die Möglichkeit haben, neu zu starten quasi.

        Es kommt aber halt sehr viel auf die Lehrkraft an, wie immer.

        Generell müssen Kinder in konbiklassen sehr selbstständig lernen können, weil sie eben doch öfter mal alleine ohne Lehrkraft sind. Sie müssen sich mehr auf ihre arbeit konzentrieren können und sich von Umständen nicht ablenken lassen.
        Das sind die "Kriterien", die unsere Schule hier immer erwähnt. Wir haben die wahl zwischen einer regelklasse und einer kombi.

        Ob meine zweite nächstes Jahr auch in die kombi kommt, werde ich sehen. Je nachdem, wie sie sich bis zur schuleinschreibung im Frühjahr entwickelt

      • Hallo,

        meine Kinder besuchen / besuchten eine JÜL GS mit den Jahrgängen 1-4 in einer Klasse.

        Das System dort ist recht ausgereift, so dass alle Kinder voneinander profitieren. Allerdings steht und fällt der Unterricht mit der Lehrkraft, da haben meine beide sehr viel "Glück" gehabt.

        Wenn Mathe ist, dann rechnen alle Schüler in "Ihrem Zahlenraum", bei deutsch halt auf dem jeweiligen Niveau und in sachunterricht bearbeiten auch alle ein Thema. Das "Ergebnis" wieder auf dem jeweiligen Niveau. Zusätzlich gibt es pro Jahrgang Individualstunden.

        So können alle Kinder gefordert und gefördert werden.

        Ich glaube kaum, dass es in einer solchen klasse lauter oder leiser ist als in homogenen Klassen. Auch das hängt von der Lehrkraft ab.

        Eines unserer Kinder ist durch und besucht das Gymnasium, wo keinerlei Unterschiede zu homogen unterrichteten Mitschüler sind.

        Allerdings muss ganz klar gesagt werden, dass nicht jedes System zu jedem Kind passt.

        Die Kinder können eine Klassenstufe höher besuchen oder sollten sie wiederholen müssen, bleiben sie immer im klassenverband.

        Als einzigen "Nachteil" sehe ich, die Jungen / Mädchenzusammensetzung. Gegen ca 5 Kinder beispielsweise in den Jahrgang eins, dann ist es blöd, wenn es vier Mädchen und ein Junge ist.
        Aber nach meinem Erleben bilden sich auch Freundschaften zwischen den einzelnen Jahrgangsstufen.

        Ich kann nur positiv berichten, vllt auch, weil "wir" sehr gute Lehrer erwischt haben und meine Kinder von dem System profitieren.

        VG

        Hallo.

        Natürlich funktioniert eine Kombiklasse. In den Hauptfächern werden sie ja getrennt unterrichtet und somit muss ein Erstklässler auch nicht dieselben Aufgaben wie der Zweitklässler lösen.

        Ich finde Kombiklassen immer noch besser, als wenn die Schule wegen mangelnder Schülerzahlen geschlossen werden würde.

        LG

      • (7) 19.10.17 - 20:50

        In unserer Schule werden 1./2. Klässler und 3./4. Klässler gemeinsam unterrichtet. Genug Kinder für mehrere einzügige Klassen gäbe es.

        Ich war anfangs skeptisch, aber es probiert prima. Ich hab nun schon meine beiden Großen an der Schule.

        Ich finde die Ideen von Jül durchaus gut und schön.

        Leider hapert es sehr, sehr oft an der Umsetzung, meist aus personellen Gründen.

        An unserer Grundschule gab es bis vor kurzem beides, und ich habe um Einschulung in eine Regelklasse gebeten. So viel zu meiner persönlichen Einstellung dazu.

        Wenn die "Kombiklasse" aufgrund der rückläufigen Schülerzahlen stattfinden soll, dann würde ich davon ausgehen, dass die personelle Besetzung dafür eher dürftig sein wird.

        Da Deine Große schon an der Schule ist und ich Ganztag auch nicht für sehr erstrebenswert halte, würde ich es vermutlich probieren und dann bei Bedarf wechseln, wenn Du merkst, dass es nicht gut geht. Manchmal kommen ja Kinder auch unter weniger optimalen Bedingungen besser zurecht als man erwarten würde.

        Hallo,

        ich habe damit die allerbeste Erfahrungen. Eins würde mir Sorgen bereiten und das ist die. ,,Notlösung". Keiner hat damit Erfahrung, Man macht es nicht aus Überzeugung. Fraglich.
        Bei uns darf es nicht jeder Lehrer machen. Sie werden eigens dafür ausgebildet.

        Wenn es eine direkte Busverbindung gibt, würde ich mir die andere Schule anschauen.

        #winke

        Guten Morgen,

        Meine Tochter ist auch in einer Kombiklasse. Bei uns gibts Regel und Kombi. Ich hab mich nach langem überlegen und zöger und hadern für Kombi entschiedenund zwar aus folgenden Gründen:

        - Bei uns sind die Kombiklassen immer kleiner (18 Kinder) als Regelklassen (derzeit 26 Kinder).
        - In den Hauptfächern wie Mathe und Deutsch gibts bei neuen Themen getrennten Unterricht. In meinem Fall 12 Kinder lernen im 100er Raum zu rechnen oder was Nomen sind und nicht 26 Kinder. In HSU haben alle das gleiche Thema, aber die 1. Klässler viel mit malen und kleben und die 2. Klässler viel detaillierter und viel mit schreiben.
        - ich hab mit vielen Mamis geredet und grad die im
        Kindergarten recht wilden und lautstarken Kinder (von denen meine Tochter eher negativ im Kindergarten berichtet hat) wurde bei uns mit Wunsch Regelklasse angemeldet. Da wollte ich meine Tochter nicht haben.

        Es steht und fällt aber mit dem Lehrer. Wir haben eine relativ große Grundschule für unser kleines Dorf. Sprich eine Regelklasse für Jahrgang 1 eine Regelklasse für Jahrgang 2 und noch 2 Kombiklassen 1/2. Die Lehrerinnen der Kombiklassen haben Zusatzschulungen und sind davon überzeugt. Außerdem wird es bei uns bereits seit 6 oder 7 Jahren praktiziert.

        Was ich bei uns schade finde ist, dass es für 3/4 keine Kombi sondern nur Regel gibt. Ich find das Konzept in Kombination mit unserer Schule/Lehrer super.

        In Deinem Fall würde ich mich mal an der Schule informieren bzhgl. Weiterbildung der Lehrer. Ich würde mich aber so jetzt vom Bauch raus zu 90% für die Kombivariante entscheiden.

        Lg
        Cora

        Lieb Claudeline78,

        Auch wenn deine Frage schon ein paar Tage alt ist, möchte ich dir meine Meinung zu gemischten Klassen geben.

        Ich persönlich halte nicht viel davon, jedoch nicht, weil mir das Konzept nicht gefällt, sondern, da in aller Regel die versprochenen und als besonders positiv dargestellten Sachen, nicht eingehalten werden können.

        Dazu gehören z.B. Zusätzliche Stunden, Beschränkung der Klassengröße, Weiterbildung der Lehrer, Engagement der Lehrer ( die werden nämlich nicht gefragt, ob sie diese Form Unterricht geben wollen). Für mich steht und fällt das Konzept mit der Einstellung der Lehrer sowie den Bedingungen, wie ausreichende Anzahl an Lehrkräften, keine Klassengrößenüberschreitung, gleich gar nicht mit Flüchtlingskindern, Sicherstellung des Unterrichtes bei längerfristigem Ausfall des Lehrers.

        Ob das System was für dein Kind ist, ist m.E. auch abhängig von seiner Persönlichkeit.

        In jahrgangsgemischten Klassen profitieren in der Regel die schwächeren Schüler sowie der Klassenpart mit den größeren Schüleranzahl. Für Kinder, die strukturiert, selbständig und zuverlässig ihre Arbeiten erfüllen, ist es kein Problem. Für die, die lieber trödeln und eine Struktur brauchen, ist die viele Freiarbeit und das selbständige Einteilen der Arbeit eher ein Nachteil.

        All dies sind meine Erfahrungen mit meinen Kids, wobei eines erst in der 4. Klasse in eine 3/4 -er Mischung gekommen ist und dort alles daran gesetzt wurde, diesesExperiment gut ausgehen zu lassen. Mein zweites Kind "durfte" von Anfang an in eine Kombiklasse, kommt gut mit, hat aber jetzt in der 4.Klasse lange nicht den Stand meines ersten Kindes. Dies ist vor allem auf ein katastrophales 3. Schuljahr zurückzuführen, in dem nach massiven Beschwerden durch die Eltern, wenigstens in den Hauptfächern Deutsch und Mathe die Mischung nach den Winterferien aufgehoben wurde. Lehrer, die eine Weiterbildung in diesem Bereich hatten, haben im 3 Schuljahr überhaupt nicht an dieser Schule unterrichtet...

        In der Summe will ich sagen, prüfe genau, welche Einstellung die Lehrer haben, wie der Direktor dazu steht und welche Erfahrungen Eltern gemacht haben, die ein charakterlich ähnliches Kind wie deines ist, haben.

        LIebe Grüße
        Daniela

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