Mündliche Noten, Gymnasium

    • (1) 19.10.17 - 13:21

      Die Vorgeschichte:
      Meine Tochter (11, 6. Klasse) ist durch die Klassenstärke, den Lärmpegel und einige garstige Kinder ein wenig eingeschüchtert. Sie ist nicht grundsätzlich schüchtern, sodass ich da keinen Handlungsbedarf sehe. Es ist vielmehr so, dass ihr das Wissen fehlt, etwas "Gescheites" zu sagen. Wenn sie nichts weiß, sagt sie nichts.

      D.h. es wäre angebracht, dass sie gut vorbereitet in den Unterricht geht. Doch wie geht gute Vorbereitung?

      1. Unterrichtsnachbereitung
      Sie schaut sich den Stoff der letzten Unterrichtsstunde nochmal an.
      Das ist sicherlich für Fächer wichtig, wo der Stoff aufeinander aufbaut wie Sprachen und Mathe. Für Fächer, bei denen das Thema wechselt, scheint diese Strategie jedoch nicht zu funktionieren, weil einfach wenig wiederholt wird.

      2. Unterrichtsvorbereitung
      Sie blättert im Buch und arbeitet etwas vor in der Hoffnung, dass genau das in der nächsten Unterrichtsstunde erfragt wird.
      Das scheint eine Strategie zu sein, wenn der Lehrer nach dem Lehrbuch arbeitet. In z. B. Geschichte benutzt die Lehrerin das Buch jedoch nicht und ein Zusammenhang zwischen Buch und Unterrichtsstoff ist kaum erkennbar.

      3. Erweiterte Unterrichtsvorbereitung
      Sie besorgt sich zusätzliches Material zu dem Thema (Internet, Bücherei) und macht sich selbst zum Experten.
      Manchmal habe ich den Eindruck, dass das so verlangt wird. Allerdings ist diese Strategie sehr zeitaufwendig und doch auch recht unfair, weil es bei komplexeren Themen Glückssache ist, ob man die richtigen Themenbereiche lernt. Ein Beispiel dafür ist Geschichte: Die Lehrerin eröffnet das Thema Mittelalter damit, dass sie einen Fisch an die Tafel zeichnet und die Kinder auffordert, dazu etwas zu sagen. Meine Tochter wird drangenommen. Da sie jedoch keine Ahnung hat, könnte sie maximal die Antwort raushauen, dass es sich um einen Fisch handelt. Da sie aber selbst weiß, dass das wohl nicht die Antwort ist, die man von ihr erwartet, bekommt sie einen roten Kopf und schweigt, was die Lehrerin mit einer abfälligen Geste quittiert und ein anderes Kind dran nimmt. Dies ist nur eins von vielen Beispielen. Vielleicht muss man damit leben... keine Ahnung, ganz fair ist das doch aber nicht?!?

      • (2) 19.10.17 - 13:46

        Hallo,

        gleich zu Beginn möchte ich sagen, dass ich dich nicht angreifen möchte.

        Das "Nichtwissen" ist nicht das Problem der Klassenstärke oder der garstigen Schüler, sondern eher das Problem deiner Tochter.
        Deine Tochter kann halt keinen Bezug vom Fisch zum Mittelalter herstellen, was andere können.

        Auf dem Gymnasium werden viele Transferleistungen erwartet, das "um die Ecke denken" usw.
        Daraus werden die mündlichen Noten gebildet.

        Würde sie von den garstigen Mitschülern wegen einer falschen Antwort ausgelacht? Dann würde ich die Zurückhaltung verstehen.

        Als anderes Problem, als Klassenstärke / Mitschüler sehe ich die abfälligen Gesten der Lehrkraft.

        Vor- und Nachbereitung können nicht schaden, aber nicht in dem Ausmaß, wie du es hier schilderst. Das finde ich persönlich schon recht übertrieben.

        VG

        • (3) 19.10.17 - 14:04

          "Deine Tochter kann halt keinen Bezug vom Fisch zum Mittelalter herstellen, was andere können."

          Hilf mir mal bitte auf die Sprünge - worin besteht den der achso offensichtliche Zusammenhang.

          • (4) 19.10.17 - 15:02

            Ist diese Fisch Symbol nicht irgenwie Kirche? Hab da mal irgendwas gelesen, aber was das mit Mittelalter zu tun hat, erschließt sich mir spontan nicht und einem 6. Klässler sicherlich auch nicht.

            • (5) 19.10.17 - 15:10

              Ja, zu Beginn des Christentums als dieses im römischen Reich noch verboten war, war der Fisch ein geheimes Zeichen der Christen - soweit ich mich erinnere.

              Ich kann auch keinen Zusammenhang erkennen und auch Goggle hilft nicht weiter, deswegen fand ich die Aussag, der ersten Antwortgeberin etwas anmaßend, die die Tochter der Fragestellerin hinstellt, als würde sie einfache Zusammenhänge nicht erkennen.

              • (6) 20.10.17 - 09:55

                Hallo,

                ich frage mich bei dieser Diskussion, warum Sichtbarkeit am Fisch hochziehen?

                Es geht nicht um den Fisch, sondern es geht um die mündliche Mitarbeit, die weit aus mehr als der fisch ist!

                Es werden sich dich ganz andere Fragen auf siehe meinen Beitrag etwas weiter unten.

                In dem geschildertem Beispiel mit dem Fisch konnte das Mädchen neunmal keinen Bezug herstellen. Ob wir oder die Mitschüler können ist doch unerheblich.
                Wenn ich keinen Bezug zu irgendetwas herstellen kann, dann weiß ich es schlicht und einfach nicht!

                VG

          • Ich finde schon, dass man da viel zu sagen könnte. Meiner Tochter, 7 1/2, fielen spontan viele Dinge ein, als ich sie vorhin fragte:

            1.) Damals waren viele arme Menschen Fischer, weil Fleisch teuer war

            2.) das ist das Zeichen für Jesus (irgendwer in der Nachbarschaft fährt mit so einem Sticker am Wagen rum)

            3.) Den hat man auf dem Markt verkauft

            4.) die reichen mussten den Fisch nicht selber kochen

            5.) Den Müllhat man einfach auf die Straße geworfen - das hat bestimmt gestunken!

            Soooo schwer kann es also nicht sein 😉 Ich finde es nicht so weit hergeholt, dass Kinder frei azoziieren und man so Unterrichtsthemen aufgreift.

            Frag doch mal, warum sie sich nicht traut. Angst, einen Fehler zu machen? Angst, die Meinung frei zu äußern?

            Vielleicht hat die Spass an einer Theater AG oä, wo sie sprechen vor anderen üben kann?

            Mehr fällt mir gerade auch nicht ein, sorry...

        (12) 19.10.17 - 16:32

        Danke! Ich grübel auch noch😂

        (13) 20.10.17 - 09:48

        Hallo,

        es geht nicht darum, ob du oder ich einen Zusammenhang zwischen Fisch und Mittelalter herstellen können.
        Die lehrkraft wird sich dabei schon etwas gedacht haben.

        Viel mehr geht es darum herauszufinden, wie es im allgemeinen um die mündliche Leistung des Kindes steht.
        Ist es das nicht vorhandene Wissen des Kindes? Betrifft es nur das Fach Geschichte? Sind die garstigem Mitschüler schuld, dass sie sich nicht traut? Ist es die Lehrkraft? Da spielen wesentlich mehr Faktoren mit rein als der Fisch.

        Ich frage mich, warum sich alle am Fisch hochziehen? Es geht doch um die Verbesserung der mündlichen Leistung!

        Diese mit den von der TE aufgezählten Möglichkeiten zu verbessern erachte ich für überzogen.
        Die Kinder sollen in der Schule neue Wissensgebiete erlernen, da kann es doch nicht sein, dass ich zur Steigerung meiner mündlichen Leistung im Buch vorarbeite oder Bibliotheken besuche.

        Fakt ist, im Gymnasium werden Transferleistungen erwartet. Das eine Kind kann es besser als das andere.

        VG

        • (14) 20.10.17 - 17:08

          "Fakt ist, im Gymnasium werden Transferleistungen erwartet. Das eine Kind kann es besser als das andere."

          Der Fisch ist keine Transferleistung, sondern Vorwissen/Allgemeinbildung.

          Eine Transferleistung wäre beispielsweise folgende Aufgabe in Mathe:
          Ordne die Brüche der Größe nach: 1/3, 4/5, 6/8, 3/7 usw.
          Die Antwort muss dann mit "größer als" oder "kleiner als" aufgeschrieben werden.
          Transfer: Das Thema sind Brüche. Die "größer als" hat man schon in der 1. Klasse gehabt. Man transferiert Wissen aus der 1. Klasse in die 6. Klasse.

          "Die Kinder sollen in der Schule neue Wissensgebiete erlernen, da kann es doch nicht sein, dass ich zur Steigerung meiner mündlichen Leistung im Buch vorarbeite oder Bibliotheken besuche."

          Das sehe ich ja grundsätzlich genauso. Fakt schein aber zu sein, dass genau das erwartet wird. So sieht es zumindest aus und meine Frage war im Wesentlichen: Ist das normal auf dem Gymnasium? Denn mit Transferleistungen habe ich gerechnet, nicht aber mit dem was jetzt passiert.

(15) 19.10.17 - 13:51

Hallo,

ich möchte zu deinem Punkt 3 etwas sagen. Dort finde ich liegt der Fehler bei der Lehrerin.
1. bei einem neuen Thema zu erwarten das die Kinder reichlich sinnvolle Antworten haben (ich wär auch nicht auf Mittelalter gekommen)
2. ein Kind dran zu nehmen das sich offensichtlich nicht gemeldet hat
3. dann auch noch abfällig mit dem Kopf zu wackeln, wenn es keine Antwort weiß

Diese Lehrerin erwartet zu viel m.M. nach.

Unser Sohn (auch 6. Klasse, Realschule) bereitet sich so vor, das er in Nebenfächern (Geschichte, Erdkunde, Physik usw.) sich vor der nächsten Stunde die Mappe nochmal durchsieht da manche nur 1 x die Woche stattfinden. Die Hauptfächer sind so regelmäßig da macht er nichts. Durch den Ganztag hat er auch keine HA auf, außer Vokabeln lernen in Englisch und Französisch, das macht er alle 2 Tage.

Deine Tochter sollte sich entspannen, sie hat keine Glaskugel und ich finde man muss auch nicht auf jedes, vor allem Neue,Thema super vorbereitet sein.

LG
Tanja

(16) 19.10.17 - 14:00

"Die Lehrerin eröffnet das Thema Mittelalter damit, dass sie einen Fisch an die Tafel zeichnet und die Kinder auffordert, dazu etwas zu sagen. "

Mal ganz doof gefragt - welche "Transferleistung" sollten die Schüler in diesem Zusammenhang erbringen? Mir erschließt sich da kein Zusammenhang und ich bin bestimmt nicht auf den Kopf gefallen.

  • (17) 19.10.17 - 16:53

    Welche Transferleistung?
    Nun zum Grundwissen von Grundschülern gehört, dass Fisch dort wo Wasser war ein Hauptnahrungsmittel war.
    Fern vom Wasser eher selten, da die Wege lang waren.
    Im Mittelalter hatte man keinen Kühlschrank, deshalb konnte man Fisch nicht aufbewahren, es sei denn er wurde getrocknet.

    Solche Transferleistungen können durchaus im Gymnasium erwartet werden.
    Ansonsten hilft wohl nur bei der Wieso, weshalb, warum Junior Buchserie neu anzusetzen.
    Auf dem Gymnasium geht es nicht ausschließlich um das Abfragen von bereits gelerntem Wissen, sondern auch darum logisches Wissen anzuwenden und da muss mehr drin sein als "das ist ein Fisch".

    • (18) 19.10.17 - 17:08

      "Nun zum Grundwissen von Grundschülern gehört, dass Fisch dort wo Wasser war ein Hauptnahrungsmittel war.
      Fern vom Wasser eher selten, da die Wege lang waren.
      Im Mittelalter hatte man keinen Kühlschrank, deshalb konnte man Fisch nicht aufbewahren, es sei denn er wurde getrocknet."

      Naja nimm`s mir bitt enicht übel, aber das klingt für mich sehr weit hergeholt und ist aus meiner Sicht als Einstieg in das Thema "Mittelalter" völlig ungeeignet..

      "Nun zum Grundwissen von Grundschülern gehört, dass Fisch dort wo Wasser war ein Hauptnahrungsmittel war."

      Das mag vielleicht in Bundesländern, die am Meer liegen, der Fall sein, aber meine Tochter hat gerade die Grundschule hinter sich - und da war die Ernährung im Mittelalter ganz bestimmt kein Thema.

      (19) 19.10.17 - 18:22

      Der Zusammenhang zum Mittelalter erschließt sich aber nicht wirklich.
      Sicherlich war Fisch ein häufiges Nahrungsmittel, wenn man nahe am Wasser gelebt hat, vermutlich schon in der Steinzeit, ganz sicher auch im Mittelalter und in der Neuzeit und im Altertum... sicherlich wurde auch in Gegenden, die nicht nahe am Wasser lagen, eingesalzene Fische verzehrt, aber wohl kaum als Hauptnahungsmittel.

      Niemals kann man also von einem Fisch eindeutig aufs Mittelalter schließen, das als Transferleistung zu erwarten ist schlicht und einfach Blödsinn.

      (20) 19.10.17 - 18:54

      Das ist mit Sicherheit KEIN Grund(schul)wissen, in der Grundschule wird das Mittelalter nicht behandelt. Ich kenne keinen Grundschüler, der das Mittelalter nur ansatzweise richtig historisch einordnen kann.
      Grundwissen in dem Alter ist, dass es im Mittelalter Ritter und Burgen gab, Adlige und Bauern, Mönche, Robin Hood und König Artus, Ritterrüstungen, Burgfräuleins, ... viel mehr ist da nicht. Wenn man 9jährige fragt, wann das Mittelalter war, sagen die meisten Kinder sowas wie "vor 200 Jahren". Wenn ich in die Was ist Was Bücher schaue, steht da bei Ernährung mehr über Getreidebrei und Eintopf als über Fisch drin.
      Die Frage ist auch, wie die Frage gestellt wurde.
      Was hat ein Fisch mit dem Mittelalter zu tun?
      Oder
      Wir fangen heute ein neues Thema an. Ich hab hier mal etwas gezeichnet, was fällt euch dazu ein?
      Bei letzterer Frage hätte ich z. B. damals gesagt: esse ich nicht gerne. :-p

      Will sagen: ein Fisch als Nahrungsmittel ist nichts, was speziell mit dem Mittelalter zu tun hat. Deine Aussage über die Haltbarkeit von Fisch gilt genauso für die Steinzeit und die Antike. Da hätte die Lehrerin auch ein Glas Milch oder ein Brot malen können, das ist genauso allgemein.

      Der Fisch könnte, wenn es das typische christliche Symbol war, maximal noch als religiöses Symbol erkannt worden sein. Das ist m. E. Grundschulwissen, aber auch nur, wenn man Religion hat oder wenn man Kirchgänger ist, oder wenn man seine Eltern gefragt hat, warum so viele Menschen einen Fischaufkleber auf dem Auto haben. ;-)

(21) 19.10.17 - 14:37

> 3. Erweiterte Unterrichtsvorbereitung
> Sie besorgt sich zusätzliches Material zu dem Thema (Internet, Bücherei) und macht
> sich selbst zum Experten.
> Manchmal habe ich den Eindruck, dass das so verlangt wird.

Wenn man unbedingt eine mündliche 1 will, kann man das natürlich so machen, aber dafür der Aufwand? Ich würde mich mit den Themen beschäftigen, die mich völlig unabhängig von der Schule selbst interessieren. Alles kann und muss man nicht wissen.

Dass sowas erwartet wird, kann ich mir nicht vorstellen. Vielmehr sehe ich hier die große Gefahr, dass sich deine Tochter im Unterricht dann langweilt und auf Dauer dadurch eher verschlechtert.

Welchen Zusammenhang der Fisch mit dem Mittelalter haben soll, verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht. Da wird es wahrscheinlich auch nichts helfen, schon x Bücher übers Mittelalter gelesen zu haben, worauf die Lehrerin da rauswollte, wird nur sie selbst wissen. Wahrscheinlich gibts darauf gar keine richtige oder falsche Antwort, sondern es geht mehr im eine Ideensammlung, um ins Gespräch zu kommen. Es geht bei der mündlichen Mitarbeit auch weniger darum, auswenig gelerntes Wissen wiederzugeben, sondern ums selbständige Mitdenken. Wobei die Lehrerin bei einer so offen und seltsam gestellten Aufgabe damit rechnen muss, dass jemand nichts sagen kann. Dafür wirds schon nicht gleich eine mündliche 6 geben.

  • (22) 19.10.17 - 14:49

    Ich vermute, dass sie auf das Thema Fasten ansprechen wollte, dass damals einen viel höheren Stellenwert hatte als heute.

    Ich habe meinem Kind (4.) die Situation beschrieben.
    Ihre Antwort war: Damals mussten die Leute, die nicht am Meer gelebt haben Lebertran trinken. Sie hat gerade Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt gelesen und hatte das Thema Ernährung in der 3.
    2. Antwort war "der christliche Fisch", Quelle Klassenfahrt in ein christliches Bildungshaus.

    Was haben denn eigentlich die anderen Kinder in der Klasse gesagt?

(23) 19.10.17 - 15:02

Hallo,

die Lehrerin in Geschichte wäre bei meiner Zwillingsschwester aufgelaufen, deren Hobby war Dokus übers Mittelalter ankucken. Der Fehrnseher stand in unseren Zimmer, ein bisschen weiß ich daher auch.
Dieser Lehrerin scheint es ums vorführen der Schüler zu gehen!
Welcher der heutigen Kinder weiß denn das die normale Bevölkerung fast nur Fisch gegessen hat? Es gab mehr Fastentage als normale Tage und da durfte nur Fisch auf den Tisch. Und jagen war am Ende des Mittelalters für die Bevölkerung verboten, die durften aber angeln.

Erst wenn das Thema dran ist kann man dafür lernen. Aber man kann im Satz antworten das man Keine Ahnung hat.

Gruß Sol

  • (24) 19.10.17 - 18:59

    Fisch gab es doch "nur" freitags, oder?
    Ich habe gelernt, dass die meisten Menschen eigentlich überwiegend Porridge gegessen haben.

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