Sohn (6) hat emotionale Schwierigkeiten - Kennt ihr das?

    • (1) 01.11.17 - 22:07

      Hallo zusammen,

      ich habe eine Frage an Euch. Mein Sohn ist eigentlich ein sehr pfiffiges Kerlchen, offen und freundlich zu anderen Kindern, kümmert sich gern um Jüngere (dann finde ich auch sehr einfühlsam, auch mit seiner kleiner Schwester), aber: er hat ein Problem mit dem Umgang seiner eigenen und der Gefühle von anderen. Er kriegt normalerweise direkt Ausraster. Auch wenn er nach seinen Gefühlen gefragt wird. Wenn ich z.B. frage "Bist Du trauig, weil,,,?" rastet er aus. Er sagt nie "traurig", "wütend" , auch wenn er stolz sein kann auf sich, kann er es zwar mimisch zeigen, kann aber nicht darüber sprechen und wird sauer, wenn man es versucht. Wenn ich sage, er kann "stolz auf sich sein" oder ähnliches, dann sagt er, ich solle so etwas nicht sagen, oder er sagt "nein, kann er nicht". Er hat ein Problem mit der eigenen Gefühlfindung und dessen Ausdruck. Das schrieb auch die Kita im Abschlussbericht vor der Einschulung.
      Ich muss dazu sagen, dass sein Vater auch nicht so der Held ist, was das angeht, ich neige bei ihm sogar dazu, von leichter bis mittelschwerer Alexithymie zu sprechen. Allerdings finde ich auch, dass mein Mann meistens recht einfühlsam mit den Kindern umgeht. Es gab allerdings bei unserem Sohn auch schon wirklich schwierige Zeiten, er hat sehr schlecht geschlafen, ich ging am Stock, war psychisch völlig fertig, als er ein Kleinkind war, die Beziehung mit meinem Mann war schlecht (eben weil er so emotionslos unempathisch ist und mich z.B. nie in den Arm nimmt; er sorgt(e) sich jedoch praktisch (kochen, aufträumen usw.) sehr gut um uns).
      Ich denke, dass unser Sohn in der Kleinkindzeit auch gelitten hat, vielleicht hat er durch das ständige Theater auch ein Trauma erlitten, ich weiß es nicht.

      Meine Frage: Wie können wir die emotionale Stabilität unseres Sohnes stärken? Könnt Ihr Übungen usw. empfehlen?

      Ich habe in Kürze auch einen Termin bei einer Kinderpsychologin, um ihr die Situation darzustellen. Dann wird abgewogen, ob unser Sohn dort eventuell Untersüttzung bekommen kann und auch mal mit dorthin kommt.

      Unsere Tochter ist übrigens das absolute Gegenteil von ihm. Sie hat schon immer Emotionen geäußert, sagt, dass sie traurig ist, weint, lacht, spring vor Freude in die Luft...es ist eine Freude, das sehen zu dürfen. Ich würde es mir so für meinen Sohn wünschen!

      Schöne Grüße
      kleinefee

      • KInderpsychologin ist gut. Aber kennt sie sich auch DAMIT aus?
        Meine Erfahrung mit Psychologen ist, dass auch sie ihre Fachgebiete haben. Ein Herzchirurg und ein Orthopäde sind zwar beides Ärzte, aber der eine hat Schwierigkeiten das Feld des anderen zu behandeln. Ähnlich auch bei Psychologen. Grade wenn es um eher speziellere Themen geht.

        Hat dein Sohn schon eine Diagnose?
        Die Frage wäre nicht unwichtig. Ist es eine Folge durch die "Art" deines Mannes, wäre die Behandlung wahrscheinlich anders, als wenn euer Sohn es auch hat.
        Dann ist auch die Frage, was dein Mann hat. Trauma oder das von dir genannte oder was anderes? Das wäre nicht ganz so wichtig, aber evtl. hilfreich, wenn es darum geht, in wie weit er eurem Sohn helfen/beistehen kann.

        Asperger Autismus können übrigens ähnliche Symtome zeigen. Trauma und andere Sachen übrigens auch.

        Je nachdem was dein Mann hat, könnte es erblich sein. Oder durch Verhalten in der Erziehung weitergegeben werden. Oder eine Mischung aus beidem.

        Fachmann ist gut, wenn ihr Glück habt, vielleicht sogar jemand, der sich WIRKLICH damit auskennt.

        "Meine Frage: Wie können wir die emotionale Stabilität unseres Sohnes stärken? Könnt Ihr Übungen usw. empfehlen?"

        Wenn ihr wisst, was los ist.
        Vorher schwierig. Bsp. ich habe ADHS. Das ist super, vor allem seit ich es weiß und lerne damit umzugehen. 08/15 Übungen oder was anderen im Alltag sehr gut hilft, schadet mir, frustriert mich und/oder macht Situationen noch schlimmer.

        Bei Freunden mit Asperger ist es teilweise ähnlich. Sie können sehr gut mit dem leben, was sie haben. Aber Übungen für Menschen ohne Asperger, können sie überfordern, emotional ungünstig prägen oder aus der Überforderung heraus Verhaltsmuster und/oder Symptome verschlimmern.
        Mit für sie geeigneten Strategien können sie lernen und fallen im Alltag teilweise kaum auf - mit dem Hintergrund, dass es ihnen selbst besser damit geht.

        Ihre Strategien und Übungen sind aber verschieden zu meinen und verschieden zu "normalen" Erziehungstipps ;-)

        (4) 02.11.17 - 08:51

        Hallo,

        Das Beschriebene könnte auch für eine leichte Ausprägung aus dem Autismus-Spektrum sprechen.
        Autisten haben keinen intuitiven, sondern nur einen rationalen Zugang zu ihren Emotionen.
        Durch Erfahrung und Lernen am Vorbild kompensieren begabte und leicht betroffene Autisten im Laufe ihrer Entwicklung ihre intuitiven Defizite und imitieren das Gefühlserleben ihrer Umwelt, indem sie es rational analysieren und bewußt nachbilden.
        Das kann ein 6jähriger noch nicht.
        Für ihn ist die Welt der Gefühle fremd und überfordernd, wahnsinnig kompliziert und hochkomplex.
        Mein Sohn hatte mit 3 eine Vorstellung von Unendlich und das Zahlensystem verstanden. Mit 6 verfügte er über das Abstraktionsvermögen eines Erwachsenen und mathematisch hätte man ihn in die 6. oder 7. Klasse stecken müsse, fragte man aber
        -Wie geht es dir?- -Wie fühlst du dich?-
        fing er an zu weinen und war durch solche Fragen total überfordert.:-(

        Vielleicht behältst du auch eine solche Möglichkeit im Hinterkopf.


        viel Erfolg bei der Psychologin

        lg

      • Wartet doch erst einmal ab, bis man die Ursache gefunden hat.

        Vor allem weil er so ungehalten und überfordert reagiert, würde ich nicht rumprobieren und versuchen wahllos die Symptome zu beheben ohne die Ursache zu kennen.

        Hallo zusammen,

        Danke für eure intensiven Antworten. Über die Diagnose Asperger habe ich auch schon oft nachgedacht, sie aber immer wieder ausgeschlossen, da unser Sohn in vielen Bereichen definitiv keine charakteristischen Asperger Züge hat. Ich habe auch einen Online Test für Kinder gemacht, dieser schließt eine Form von Autismus als mehr als unwahrscheinlich aus. Allerdings habe ich den Test auch für mich gemacht, auch hier keine Auffälligkeiten, aber meinen Mann habe ich in einigen Bereichen doch wiedererkannt. Seit 13 Jahren kommen wir immer wieder an den Punkt, an dem ich ihm sage, dass er etwas tun müsste, um besser kommunizieren zu können und seine Gefühle darstellen zu können. Er kann z.b. auch sehr schlecht Entscheidungen fällen. So ganz normal ist mein Mann in diesen Bereichen nicht, würde ich sagen, aber ich glaube, er wird sich niemals in Behandlung begeben, vielleicht jetzt, wo er sieht, dass sein Sohn in einigen Bereichen Defizite hat, aber eigentlich glaube ich daran nicht, für ihn sind Psychologen, psychische Erkrankungen und alles was damit zusammenhängt ein NoGo. Seine Mutter ist hier auch sehr geprägt. Sein Vater ist schon früh gestorben.
        Ich werde beim Kinderpsychologen die Entwicklung unseres Sohnes schildern, vielleicht gibt es ja hilfreiche Tipps, im Zweifelsfall vielleicht sogar eine Diagnose, die uns und insbesondere ihm weiterhelfen kann. Was meinen Mann angeht, bin ich ratlos, ich fürchte, ich muss weiterhin lernen, ihn so zu akzeptieren, wie er ist. Er hat ja auch viele tolle Seiten, die auch überwiegen. Allerdings finde ich Kommunikation, Grfuhlsäußerungen und Nettigkeiten wie in den Arm-nehmen, was Nettes sagen oder auch mal was Kleines mitbringen schon mal schön 😐

        Schöne Grüße
        Kleinefee

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