Schüchternheit erzeugt Probleme in der Schule

    • (1) 19.02.18 - 21:50

      Hallo

      wir haben nun das erste Gespräch mit der Lehrerin hinter uns. Ganz anders als zuhause ist meine Tochter sehr schüchtern und spricht kaum. Dies zeigt sich auch ganz deutlich in der Beurteilung.
      Nach Gesprächen mit meiner eigenen Mutter habe ich nun herausgefunden, dass es bei mir früher auch so war. Sogar bis zur dritten Klasse. Ich bin in meiner gesamten Schullaufbahn hinter meinen Möglichkeiten zurück geblieben.
      Die Lehrerin meinte, sie habe die Vermutung ADS wobei sie jetzt noch abwarten würde, weil sie das Gefühl hat, da ist grade was im Umbruch.
      Meine ersten Zeugnisse habe ich gelesen und im Internet recherchiert. Das klingt ganz nach Mutismus psychogenes Schweigen/ Kommunikationsstörung. Und da steht auch, das es vererbbar ist.

      An meiner Tochter erkenne ich die Züge wie ich früher war, im normalen Umgang nicht. Sie traut sich viel, geht auch zum Beispiel zu einer fremden Bedienung und sagt wir möchten Bezahlen und ähnliches. Deshalb bin ich am überlegen, ob ich sie irgendwie unterstützen könnte?

      LG
      Jenny

      • Hallo Jenny,

        wie lange ist deine Tochter jetzt in der Schule? Ein gutes halbes Jahr vermutlich?
        Ich würde ihr ehrlich gesagt einfach noch ein bischen Zeit lassen. Bin selbst Lehrerin und manche brauchen einfach ein Schuljahr, bis sie sich mal trauen. Für deine Tochter ist das doch alles noch recht neu mit der Schule, oder? Das braucht bei manchen einfach lange. Wie verhält sie sich denn sonst in Gruppen? In der Klasse sind vielleicht auch viele, die sie noch nicht wirklich kennt etc.
        Wenn die Lehrerin ADS vermutet ist deine Tochter wohl sehr verträumt im Unterricht. Die Lehrerin sagt ja selbst, mal abwarten und das würde ich auch. Vielleicht bekommst du ja raus, warum sich deine Tochter nicht traut?

        LG

        Isabel

        Ich denke, Du würdest Deiner Tochter am meisten helfen, wenn Du nicht irgendwelche Symptome googlest. So wie Du Deine Tochter beschreibst, quatscht sie ja überall, nur nicht in der Schule. Die Vermutung liegt also nahe, das die Situation in der Schule sie noch ein bißchen überfordert.

        Und 'hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben' habe ich noch nie verstanden. Wenn ich mir meine Schulzeugnisse anschaue, wäre da auch mehr drin gewesen. Das lag aber nicht an mangelnder Förderung oder irgendwelchen Defekten, sondern daran, das Schule in meiner Prioritätenliste sehr weit unten platziert war.

        Die entscheidende Frage ist doch, ob Deine Tochter unter ihrer Schul-Schüchternheit leidet. Will sie unbedingt etwas sagen und traut sich nicht oder will sie einfach nix sagen? Im zweiten Fall bis höchstens Du es, die leidet und dann musst Du Dein Verhalten / Erwartungen hinterfragen.

        Grüsse
        BiDi

        • Hallo BiDi

          vielleicht habe ich etwas überreagiert.
          In den ersten vier Zeugnissen die ich in der Schule hatte stand jeweils, das ich im Unterricht nicht oder kaum teilgenommen habe schriftlich aber sehr gut war.
          Da die Noten aber viel auch vom mündlichen her rühren und ich mich auch nicht getraut habe mich zu melden, selbst wenn ich etwas ganz sicher wusste, hatte ich nie richtig gute Noten.
          Dies hing mir lange nach und erst später im Beruf habe ich es geschafft aus mir raus zu gehen. Damit es ihr nicht genau so geht, möchte ich sie unterstützen und frage deshalb hier, wie ich das anstellen kann.

          LG
          Jenny

      Wenn sie überall sonst gut drauf ist, nur nicht in der Schule, ist ADS ziemlich unwahrscheinlich.

      Ich denke auch Du solltest da jetzt nicht zuviel hinein interpretieren. Gib ihr Zeit, spricht regelmäßig mit der Lehrerin und motivier sie sich einzubringen. Wir hatten uns am Anfang bei meiner Tochter, die sich wenig in der Schülerpracht, das Ziel gesetzt, dass sie versuchen soll sich jede Woche ein paar Mal zu melden und die Lehrerin hat dann darauf geachtet, dass diese Erfahrung für sie positiv ausfällt und dann hat es sich bei uns mit der Zeit gegeben.

      Sollte es sich aber weiter einfahren, würde ich eher Richtung selektiver Mutismus gehen, aber ehrlich dafür ist es jetzt noch viel zu früh. Und man muss auch sehr damit aufpassen immer von sich auf das Kind zu schließen. In unsicheren Situationen spiegeln die einen oft zuerst, können sich mit mehr Selbstvertrauen und der Gewöhnung an die neue Situation, aber auch davon lösen und eigene Wege beschreiten, wo man dann oft gar nicht mit gerechnet hat.

    Ich glaube auch, bei deiner Tochter ist die Schüchternheit nur ein ortsbedingtes Problem und keine Diagnose... Ich finde es von der Lehrerin auch sehr gewagt, da Diagnosen in den Raum zu werfen... Ich finde, da urteilen Lehrer heutzutage einfach viel zu schnell und interpretieren viel zu viel hinein, ohne selber mal tätig zu werden...

    Unser Sohn (9, 3. Klasse) ist auch sehr schüchtern und zurückhaltend, schon immer gewesen und in nahezu allen Bereichen, die nicht mit der Familie zu tun haben... Auch im Freundeskreis ist das sehr auffällig, selbst jahrelnage Freunde von uns würde er niemals von sich aus ansprechen, in der Familie dagegen schnattert er wie eine Ente, ohne Punkt und Komma...

    Immer haben wir in Elterngesprächen gehört, wie schüchtern und zurückhaltend er ist, er bekommt auch Förderung durch Ergo gegen dieses "Problem" und die Lehrer fordern ihn, indem sie ihn einfach ansprechen im Unterricht und ihn einfach aus seinem Schneckenhaus locken... Bei der Ergo war er anfangs auch sehr schüchtern, bekam kaum ein Wort raus, und auch dort wird er einfach nach seinen Interessen gefordert und gefördert...

    Mittlerweile hören wir aus unserem Freundeskreis schon immer wieder mal, dass sie unseren Großen noch nie so viel haben reden hören, er ist zwar immer noch recht leise und man muss ihm dann wirklich genau zuhören, aber er spricht auch von sich aus jemanden an und stellt fragen, wenn er was möchte...

    Auch im letzten Elterngespräch war seine Klassenlehrerin überaus begeistert und voll des Lobes, da er sich nun von sich aus einbringt und wirklich auch von sich aus mal was erzählt... Er bleibt zwar weiterhin weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil er sich dadurch ein bisschen selbst im Weg steht, ist aber trotzdem noch mit Klassenbester...

    Es hat gute 2 1/2 Jahre gedauert, bis er soweit gekommen ist, aber ich würde ihm da nie einen Stempel in Form einer Diagnose verpassen, denn er ist einfach nur ein schüchternes Kind... Da das auch bei uns beiderseits in der Familie liegt, denke ich schon, dass da ein Stück weit die Genetik mit reinspielt, aber trotzdem interpretiere ich nicht mehr rein als wirklich da ist... Man muss nur mit allen zusammenarbeiten und das Kind ermutigen, dass gibt sich irgendwann auch ein Stück weit die Schüchternheit...

    LG

    • Danke für deine Antwort.
      Nicht jedes schüchterne Kind braucht Ergo deshalb oder? Wie kann ich feststellen, ob meine Tochter mehr Hilfe - also eben auch in eure Richtung gehend braucht, oder ob es irgendwann von alleine Klick macht? Wie war der Weg dahin bei euch?

      LG
      Jenny

      • Die Ergo bekommt unser Sohn nicht allein aufgrund der Schüchternheit, da spielen mehrere Probleme wie Wahrnehmungsstörung und falsche Stiftführung mit rein... Da bekamen wir die Empfehlung tatsächlich von unserer Klassenlehrerin, dass ihm das gut tun würde und wir haben das beim Hausarzt angesprochen und die fand die Idee auch nicht schlecht... Die Ergo kümmert sich halt gleich ganzheitlich um ihn und behandelt ihn dahingehend mit... Wir stehen da in engem Kontakt zu seinen Lehrern, zu unserer Ärztin und auch zur Ergo, das ist eine Hand in Hand Arbeit...

        Ich denke, ich würde da einfach mal das Gespräch mit der Lehrerin und auch eurem Arzt suchen... Wichtig ist, dass ihr im Gespräch bleibt, damit eure Tochter von allen Seiten gefördert werden kann... Ich könnte mir vorstellen, dass euch auch Ergo helfen würde und zumindest von unserem Sohn kann ich sagen, dass er wahnsinnig Spaß bei der Ergo hat...

        • Die Stifthaltung ist bei ihr auch falsch. Allerdings sagt man hier, dass man da nicht mehr so stark eingreift wie früher noch.

          • Wir haben eine recht erfahrene Lehrerin mittlern Alters, die da sagte, wenn er es gleich falsch lernt, wird er später in der weiterführenden Schule Probleme bekommen beim Mitschreiben, wenn er schnell schreiben muss... Das klang für alle plausibel und er hat es mit Hilfe der Ergo korrigieren können...

            Allerdings war es wirklich ein gravierendes Problem, er schrieb normal mit der rechten Hand und führte mit dem linken Zeigenfinger die Stiftspitze mit, also wirklich sehr ungewöhnlich...

            Ich denke, ihr solltet es einfach probieren... Ich glaube nicht, dass hinter der Schüchternheit eurer Tochter mehr steckt, aber helfen kann man ihr so vielleicht trotzdem...

(13) 20.02.18 - 08:05

Guten Morgen,

meine Kinder haben in der GS auch kaum / selten mit Lehrern gesprochen. Bei Kind 1 zog sich das bis in die 6. klasse hin.

Kind 2 ist noch auf der GS, da kam es zu Problemen, weil es so zurückhaltend ist. Wurde vollkommen anders eingeschätzt und nich heute haben wir manchmal Sorgenfalten im Gesicht. Aber wir lernen es so hinzunehmen.

Zuhause und innerhalb von Familie und ihren Freunden sind beide aufgeschlossen.

Für die Kinder ist Schule ein komplett neuer Lebensabschnitt, da kommen einige schneller an und andere brauchen halt länger.

Lass dich nicht verunsichern und beobachte erstmal weiter.

VG

(15) 20.02.18 - 08:17

Hallo,

das Hauptmerkmal von AD(H)S ist, dass die Kinder Konzentrationsschwierigkeiten haben. Man kann aber auch schüchtern sein, ohne dass man Konzentrationsschwierigkeiten hat.

Ich kenne das Problem mit der Schüchternheit auch von mir selbst. Ich hätte ein besseres Abi haben können, wenn ich mündlich nicht so schlecht gewesen wäre.

Aber wenn Deine Tochter im normalen Umgang nicht so schüchtern ist, würde ich darauf tippen, dass Problem mit der Schule zusammen hängt. Ich war auch im normalen Umgang mit fremden Leuten schüchtern.
Vielleicht hat Deine Tochter Angst vor der Lehrerin, oder sie ist mal ausgelacht worden, ohne dass das von der Lehrerin unterbunden wurde. Leider machen das nicht alle Lehrer. Die Lehrerin unseres Sohnes lässt das z.B. zu. #aerger
Vielleicht ist auch nur ein anderes Kind ausgelacht worden, und das hat Deiner Tochter schon gereicht, um zu befürchten, dass es ihr genauso gehen könnte.
Oder Deine Tochter wird von Klassenkameraden gemobbt.

Ich würde Dir raten, mal mit Deiner Tochter über die Lehrerin, Mitschüler und die Situation in der Klasse zu sprechen. Eventuell findet Ihr da die Ursache des Problems.

Ansonsten kannst Du da schlecht etwas dran tun, weil Ihr das Problem im Alltag ja nicht habt.

LG

Heike

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