ADHS & Gymnasium

    • (1) 16.03.18 - 15:20

      Gibt es hier Eltern, deren Kinder an ADHS ( mit Medigabe) leiden und die auf´s Gymnasium gehen?
      Wenn ja, kommen die gut in der schule mit?
      Wie ist es mit dem Sozialverhalten?
      Mein Sohn hat ein Zeugnis für das Gymnasium, nur dem Sozialverhalten sieht es nicht so toll aus, aber er gibt sich mühe.
      Aber er soll und will auf´s Gymnasium.

      • Mein Sohn ;-). Vorraussetzung: Gute Nerven bei Dir.
        Das Sozialverhalten ist doch auf jeder Schule ein Problem, aber auf dem Gym findet er vielleicht Kids mit ähnlichen Interessen etc.
        Bei uns gings zwar auf und ab und eine Ehrenrunde und ein dreier Abi. Aber Studium und Job laufen inzwischen prima.
        Und wenn er möchte, warum nicht.

        (3) 16.03.18 - 16:53

        Hallo,
        Hat dein Sohn eine Verhaltenstherapie gemacht?
        Meiner Erfahrung nach, kann ein guter Therapeut mit einem kooperativen Kind recht schnell Verhaltensmuster “eintrainieren“, die der Impulsivität und fehlenden Frustrationstoleranz entgegensteuern.

        Ohne das Erlernen von effektiven Mitteln zur Selbstregulation, wird es ein ADHS-Kind auf der weiterführenden Schule weiterhin sehr schwer haben. Da kann Methylphenidat allein nicht genügend bewirken.
        Erschwerend kommt hinzu, dass aufmerksamkeitsgestörte Kinder dazu neigen, extrem auf Außenbestätigung angewiesen zu sein, welche sie brauchen, um ihr Verhalten danach auszurichten.
        Diese Chance bekommen sie aber leider meist erst gar nicht,
        weil das Umfeld sehr schnell gereizt oder im schlimmsten Fall mit Abneigung auf sie reagiert. Lehrer sind ja auch emotionale Wese und nicht alle reagieren auf anstrengende Kinder mit offenkundiger Begeisterung.

          • (5) 19.03.18 - 14:19

            Genau, deswegen ist es ja so wichtig, das Sozialverhalten zu trainieren.

            Wenn ein ADHS- Kind konfliktanfällig ist, wird es diese Probleme sehr viel schwieriger in den Griff bekommen, als ein neurotypisches Kind.
            Das Gymnasium meiner Kinder kooperiert gut, wenn es klar ist, dass das Elternhaus engagiert ist.
            Ist das Sozialverhalten schlecht, wird erwartet, dass eine Verhaltenstherapie stattfindet.

            • (6) 19.03.18 - 18:25

              Aber nicht jedes Kind mit ADHS hat ein schlechtes Sozialverhalten. Mein Sohn hatte damit keine Probleme. Er hatte nur eine sehr geringe Frustrationstoleranz.
              Und nicht jedes Kind mit auffälligem Sozialverhalten hat ADHS.

              • (7) 19.03.18 - 23:21

                Die TE schreibt doch, dass das Sozialverhalten ihres Sohnes ein Problem sei.
                Darauf habe ich mich bezogen.

                Dass das kein generelles Problem ist, weiß ich.

                • (8) 20.03.18 - 00:01

                  Ich bin ehrlich.
                  Ich halte eine Medikamentengabe ohne begleitende Verhaltenstherapie und Elterncoaching für riskant.
                  Bei Defiziten in der Sozialkompetenz umso mehr.

      Mein Sohn besucht die 8. Klasse auf einem Gymnasium. In seiner Klasse sind zwei Jungen, die sich selbst "geoutet" haben und ganz frei erzählt habe, dass bei ihnen ADHS diagonstiziert wurde.

      Einer davon ist ein Freund von meinem Sohn. Mein Sohn sagt immer, dass sein Freund viel "Feinde" in der Klasse hat und zum Teil gemoppt wird. Da hat aber seine Mutter sofort eingegriffen und mit der Klassenlehrerin gesprochen, damit hat das sofort aufgehört, es hat ihn aber nicht beliebter gemacht. Ich kenne den Jungen und mag ihn auch, aber mein Sohn sagt selber, dass er echt "hochfahren" kann und es dann für alle anstrengend wird.

      Unterm Strich: Ich habe mit der Schule so gut wie nie etwas zu tun, da das Gymnasium absolut KEINEN Wert auf Elternarbeit bzw. -kontakt legt. Die Mutter von besagten Jungen hat die Schule schon auf Kurzwahl. Sie sagt selber es ist sehr anstrengend, aber die Noten sind okay und er wird, wenn es so weiter geht auch das Abitur machen.

      (10) 16.03.18 - 22:18

      Mein Sohn hat erst die Realschule gemacht und ist danach dann aufs Gymnasium. Gerade macht er sein Abi. War wohl schon der richtige Weg für ihn, seit er auf dem Gymnasium ist, geht er aber viel lieber zur Schule, da er sich unterfordert gefühlt hatte auf der Realschule. Wir hatten damals aber keine Wahl, da es noch die verbindliche Grundschulempfehlung in BaWü gab und er nur eine Realschulempfehlung bekam wegen dem ADHS.

      (11) 17.03.18 - 07:16

      Hi, ich war auf dem Gymnasium. Vom ADHS habe ich erst viele Jahre später erfahren. Daher Schule ohne Medikation.

      Abitur habe ich nicht geschafft. Das war mir auch nicht so wichtig. Ich kam bis zur Oberstufe durch.

      Gymnasium heute würde ich ohne Medikation allerdings nicht schaffen (gleiche Schule von damals). Dazu hat sich vieles verändert.

      Soziale Probleme, Selbstorganisation wird es wahrscheinlich an allen Schulformen geben.
      Die Frage ist: wo ist er unterfordert, wo überfordert.
      Welche Schule ist gut strukturiert? Welche Schule ist gut organisiert und klar aufgebaut? Welche Schule ist von den Grundregeln her schon so chaotisch, dass er keinen/kaum Halt finden würde?
      Wie ist die Lautstärke, die Basis etc. Welche Einstellungen gibt es dort.

      Da würde ich mir bei Auswahl verschiedene Schulen ansehen. Dort auch mit Lehrern sprechen. Wie ist dein Eindruck? Wo fühlt er sich wohl.

      Unterstützung wird er u.U. auf jeder Schule brauchen. Soziales, Selbstorganisation usw.

      Bekommt er Begleittherapie? ADHS-Gruppe, ADHS-Ergo oder ähnliches? Wenn ja, was wird dort gesagt? Wie wird er dort eingeschätzt?

      Welche Schulen außer Gymnasium stehen zur Auswahl?
      Schulformen wie auch Schulen selbst. Nicht jedes Gymnasium ist = Gymnasium. Nicht jede Gesamtschule = Gesamtschule.

      Inzwischen kenne ich einige mit ADS/ADHS, die Abitur am Gymnasium gemacht haben und welche, die nicht auf dem Gymnasium waren. Abi später, kein Abi und Ausbildung, kuriosen Arbeitsweg und trotzdem glücklich, mit/ohne Abi abgerutscht.

      Bezüglich Sozialverhalten ist es an allen Schulformen wichtig daran zu arbeiten.
      Abgerutscht sind vor allem die, die merkten: ich kann mehr und kann es doch nicht. Dieses: theoretisch etwas super gut können und praktisch auf der Vollbremse stehen. Von anderen, die weniger Energie reinstecken und einen trotzdem überholen, obwohl man selbst weiß, wie es eigentlich geht. Oder auch Erwartungen des Umfeldes: das kannst du doch, warum machst du nicht. :-(

      Das kann einem auf allen Schulformen begegnen.
      Nutze seine Motivation. ;-)
      Unterstütze ihn, wo er deine Unterstützung braucht (nicht abnehmen, sondern Auge drauf haben und unterstützen). Mit Lehrern sprechen. Schulen ansehen. Informieren wie es bei euch im Bundesland läuft.
      Falls es z.B. mal nicht so klappt, hilft es mir einen Plan B im Hinterkopf zu haben. Das motiviert mich dann Plan A weiter zu machen, weil es nicht mehr schwarz weiß gibt, sondern ein "oh, es würde auch anders im Guten weiter gehen" ;-)

      • Uff, dein Text ist aber lang.
        Wir haben 3 Schulen zur Auswahl......Gymnasium, Oberschule und die IGS, aber IGS ist schon mal raus, da es ein sehr weiter Schulweg mit dem Bus ist. Er müssten dann schon um 5:50 Uhr das Haus verlassen und das schafft er alleine nicht.

    (13) 17.03.18 - 09:49

    Unser Sohn ist in der 6. Klasse eines Gymnasiums und hat ADHS. Seit der 3. Klasse bekommt er Medikinet allerdings haben wir es nach der 5. Klasse abgesetzt. Ich weiß nicht, ob ich dir helfen kann denn unser Sohn war nie aggressiv und hat auch nie andere geärgert oder gestört. Er war einfach nur sehr unkonzentriert und hibbelig. Mit dem Medikament konnte er sich besser konzentrieren, leider wurde er auch immer teilnahmsloser, lustloser bei Freizeitaktivitäten, hat sich nachmittags lieber mit einem Buch ins Bett gelegt anstatt mit uns und seinem Bruder zu spielen, usw. als dann auch noch Tics dazukamen, haben wir das Medikinet abgesetzt. Er kommt im Prinzip jetzt auch ohne aus. Die Noten haben sich ganz leicht verschlechtert, aber das ist ok denn er ist wieder vom Wesen her der Alte. Was das Gymnasium angeht war nichts anders als auf der Grundschule auch. Außer dass es natürlich immer schwerer wird.

    • (14) 17.03.18 - 12:45

      Hallo,
      mein Sohn bekommt Medikenet 30 mg retrad und kommt damit seit gut zurecht.
      Ohne Media würde er es glaub ich nicht in der Schule schaffen, vor allem nicht auf dem Gymnasium.
      Ich weiß echt nicht was ich machen soll.
      Er sagt aber, er möchte hin.
      Ich glaube wir versuchen es einfach.

      Und ich finde deine Antwort hilfreich. ;-)

      • (15) 17.03.18 - 15:57

        Wenn Bei uns keine Nebenwirkungen aufgetreten wären, hätten wir uns wahrscheinlich auch nicht getraut es abzusetzen. Es war so schon eine schwere Entscheidung. Wir haben es in den Sommerferien weggelassen und jeden Tag ein bisschen mit ihm gelernt. Es klappte ganz gut, deshalb haben wir uns dann getraut und ihn auch ohne zur Schule geschickt. Kein Lehrer wusste Bescheid und niemandem ist es bis heute aufgefallen. Ich bin so froh, dass er es nicht mehr nehmen muss. Aber jedes Kind ist anders und für viele ist es ein Segen.

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