Welche Schule ist besser? Achtung lang!

    • (1) 05.04.18 - 15:10

      Hallo ihr lieben,

      uns steht eine wichtige Entscheidung bevor, und ich weiß momentan echt nicht, was wir tun sollen.

      Zur Zeit wohnen wir (eine 4-köpfige Familie) in einer Wohnung in einer Kleinstadt (24.000 Einwohner). Mein Man und ich sind beide berufstätig (Vollzeit), unsere Tochter ist im KiGa, unser Sohn wird ab Januar die Krippe besuchen. Ich habe einen Arbeitsweg von 1,2 km und auch bis zum KiGa sind es nur 5 min. Fahrt. 2020 wird unsere Tochter eingeschult.

      Meine Schwiegereltern wohnen auf dem Dorf ca. 20 km weg, die Schwiegermutter arbeitet nicht.

      Unsere Wohnung ist uns leider zu klein geworden, deshalb suchen wir nach einem Haus. In dem Dorf meiner Schwiegereltern entsteht gerade ein Neubaugebiet, da könnten wir hin ziehen. Es ist aber wirklich nur ein kleines Dorf, wo es nicht einmal einen Bäcker gibt. Im Nachbardorf gibt es eine Gemeinschaftsschule mit Grund- und Werksrealschule. Ein Gymnasium gibt es nicht, man müsste entweder in unsere Stadt oder in eine andere benachbarte Stadt fahren.

      In unserer Stadt gibt es eine sehr gute Privatschule. Da gehen viele Nachbarkinder hin und sind alle sehr zufrieden. Theoretisch könnten wir auch aufs Dorf ziehen und unsere Tochter in diese Schule bringen, da ich ja sowieso in der Stadt arbeite.

      Außerdem gubt es hier in der Stadt noch zwei anderen Grundschulen.

      Alle Schulen, von denen ich geschrieben habe, haben einen Hort. Nach der Grundschule müsste unsere Tochter aber alleine nach Hause fahren. Der Bus in den Dorf fährt einmal pro Stunde und die Fahrtzeit beträgt ca. 30-40 min. Allerdings könnte dann meine SchwieMu sie betreuen. Kann ein 10-jähriges Kind überhaupt so einen langen Weg allein bewältigen? Wenn wir in der Stadt bleiben, ist sie aber den ganzen Nachmittag allein zu Hause - auch blöd :(

      Nun weiß ich nicht, was am besten für unsere Kinder ist. Bildung ist mir sehr wichtig, wichtiger als ein großes Haus. Ich selber bin in einer Großstadt aufgewachsen, wir hatten immer Vorurteile gegen "Dorfschulen". Außerdem hört man immer vom Lehrermangel auf dem Land. Wie sind euere Erfahrungen: Bedeutet eine Schule in der Stadt ein besseres Bildungsniveau? Was würdet ihr machen in meiner Situation?

      Danke fürs Durchlesen! #blume

      • Ich denke nicht, das es eine per se bessere Bildung in der Stadt gibt. Und Lehrermangel ist in der Stadt auch.
        Da dein Kind noch nicht mal zur Schule geht, weiß du ja noch nichtmal ob es mal zum Gymnasium gehen wird.

        Ich denke, ich würde mir einen schönen Wohnort suchen und dann alles andere "gestalten", wenn ich weiß was ich eigentlich benötige.
        Ich denke, du solltest die Sache ruhiger angehen und nicht nur die Schulbildung deiner Tochter im Fokus haben. Da gibt es doch sicher noch andere wichtige Argumente.
        Was denkt denn dein Mann über das Thema?

        • Mein Mann hat Zweifel, dass es mir auf dem Dorf gefällt. Dazu muss ich sagen, dass ich ursprünglich nicht aus Deutschland komme :) Hier in der Stadt bin ich bestens integriert, keiner guckt mich komisch an, aber in einem oberschwäbischen Dorf könnte es anders aussehen. Ich habe auch ein bisschen Bedenken, dass ich da keinen Anschluss finde, da jeder jeden kennt und alle waren bereits als Kinder befreundet. Da kommt man einfach schwerer rein, denke ich. Ansonsten befürchtet mein Mann, dass wir es mit unseren Arbeitszeiten evtl. nicht packen, da man für alles fahren muss.

          • Ja, die Intergration im oder auf einem Dorf ist manchmal etwas kniffelig.

            Und wenn man erstmal ein Haus da hat, iat es auch meist finanziell nicht möglich mal eben nochmal woanders etwas zu bauen.

            Und die Fahrdienste für das Kind kann man sich nur mit anderen teilen, wenn man auch zum Dorf "gehört".
            Ja, da kann ich verstehen, dass es nicht so einfach ist. Ich glaube ich würde mich dagegen entscheiden, bevor ich viel Geld ausgebe für ein Haus in dem ich nicht leben mag.

          • >>>Ich habe auch ein bisschen Bedenken, dass ich da keinen Anschluss finde, da jeder jeden kennt und alle waren bereits als Kinder befreundet.<<<

            Ich denke, dein Mann kennt dort auch die meisten. Der kann dich erst mal vorstellen. Über eure Kinder und über den Fakt, dass es im Dorf ein Neubaugebiet geben wird, werdet ihr sicher schnell die anderen "Neulinge" kennenlernen.
            Desweiteren befindet sich euer derzeitiges Zuhause ja auch nur 20 km entfernt, da ist es relativ leicht realisierbar, dass man für einen Nachmittag seinen alten Freunde dort trifft.

            Ich weiß ja nicht, wie das in Westdeutschland so ist, aber wir im Osten Deutschlands fahren (zum Teil seit Jahrzehnten) und manche so gar mehr als 20 km pro Strecke. Das halte ich für ein lösbares Problem.

            Und den Schulbesuch der Kinder, da würde ich erst mal abwarten, was sich so ergibt. Die Grundschule auf dem Land muss nicht schlechter sein als eine in der Stadt. Und über eine weiterführende Schule jetzt schon nachzudenken ist echt sehr viel verfrüht.

            Wenn ihr ein Haus kaufen/bauen wollt, macht das, aber hängt es nicht an Umstände, die morgen schon ganz andere sein können.

      Hallo,

      ich glaube, du kannst nicht sagen Dorfschulen = schlecht, Stadtschulen = besser. Stadtschulen haben oft mit größeren Problemen zu kämpfen: mehr Sozialfälle, höherer Migrantenanteil.

      Außerdem verändern sich Dinge schnell: Unsere Dorfschule hatte einen supertollen Ruf, da kamen sogar Kinder aus der Stadt, sie wurde dann aber überraschend zu einer Ganztagesschule umgebaut (man wählte die Schule wegen des Rufs, da man sich eine schnelle Akzeptanz des neuen Modells erhoffte) und das Klientel wechselte sofort, viele Lehrer gingen und schon war die ehemals gute Schule nicht mal mehr Mittelmaß.

      Daher gingen meine Kindern in Dorf B in die Schule - das erste Kind war begeistert und wir auch - es war eine kleine, familiäre Schule, das Kollegium älter und erfahren, viele Lehrer unterrichteten schon sehr lange dort und wohnten auch vor Ort (was sich positiv auswirkte). Es wurde viel differenziert, es fanden viele Projekte statt, es war eine tolle Schulzeit mit kleinen Wehwehchen.

      Mein letztes Kind besuchte die Schule fünf Jahre später - ich hätte ihn mehrfach am liebsten abgemeldet. Bei uns ist unklar, ob diese Schule weiterbesteht oder an die Schule in unserem Dorf angegliedert wird - daher hat nun das gesamte Lehrerkollegium gar nicht abgewartet, sondern sich aktiv um neue Stellen bemüht - auf der Schule ist Chaos, der ganze alte Lehrerstamm ist weg und das Konzept haben sie mitgenommen, es gibt nun ständig schwangere Lehrerinnen, Vertretungslehrer und haufenweise Unterricht, der zwar nicht ausfällt, aber wo die Klasse einfach mit Aufgaben ruhig gestellt wird - die Unterrichtsqualität hat so rapide abgenommen. ich zähle die Tage, bis die Grundschulzeit endlich vorbei ist. So kann es gehen.

      Ein Schulweg von 20 Kilometer finde ich für einen Grundschüler zu weit, wenn es Alternativen gibt. Im Idealfall finden die Kinder ja auch Freunde in der Schule, werden zu Geburtstagen eingeladen, treffen sich mal spontan nach der Mittagsschule. Das fällt dann alles weg. Zudem ist ja meistens die Busanbindung ans Dorf überhaupt nicht prickelnd - meine Kinder haben nun einen Schulweg von 10 Kilometer (eine Buslinie) und was da alles vorkommt ... dabei haben wir noch Glück und im Dorf kreuzen sich bei uns zwei Buslinien.

      GLG
      Miss Mary

    Hallo!

    Ich musste gerade ein wenig schmunzeln, als ich Deinen Text gelesen habe:
    Bei uns (wir wohnen SEHR ländlich) ist es genau umgekehrt: Hier sind die Dorfschulen sehr beliebt und die städtischen Grundschulen haben einen schlechten Ruf.

    Gründe dafür könnte ich jetzt aufzählen, führt aber sicher zu weit.

    Ich liebe unsere 'Dorfschule'. Sie ist für die Kinder perfekt. Klein, überschaubar, 'kuschelig'. Kleine Klassen, engagierte Lehrer, jeder kennt jeden, jeder hilft jedem.
    Ist nicht jedermanns Sache, aber ich finde es toll und meine Kinder fühlen sich sehr sehr wohl.

    Dagegen könnte ich mir nicht vorstellen, die Schule meines Kindes von meinem Arbeitsplatz abhängig zu machen. Was, wenn man die Arbeit wechselt. Muss dann das Kind auch die Schule wechseln?

    LG

hi,
wir leben auch auf dem Dorf und es ist normal , das die kids schon mit dem Bus in die Grundschule fahren, auf der weiterführenden ist es auch normal, 3/4 Std. im Bus zu verbringen.
Das machen 100000 Kinder in Deutschland so....also ist es kein Einzelfall bei Dir.

Wenn ihr Hort habt, warum braucht ihr denn die Schwiegermutter zur Betreuung? Gibt es bei Euch in der Kleinstadt kene Häuser/gr. Wohnungen?
Du darfst nicht vergessen, das Deine Fahrzeit um einiges länger wird, mehr kosten wird, etc. und wer weiss, ob deine Schwiegermutter fit bleibt. Daher würde ich immer ohne Hilfe planen und da scheinst du jetzt besser aufgehoben zu sein.

lg
lisa

  • Ja, das stimmt, die Fahrzeit wird länger, das ist auch ein Problem. Bei uns in der Stadt werden in den nächsten Jahren definitiv keine Neubaugebiete mehr entstehen, da keine freien Flächen mehr vorhanden sind. Für ein 50 Jahre altes nie renoviertes Haus verlangt man hier 500-600 Tausend und auf jedes Haus gibt es 20-30 Bewerber. Wir suchen schon seit über einem Jahr und lsngsam kommen mir Zweifel, dass wir überhaupt je etwas finden.
    Das mit der Schwiegermutter meinte ich für die Zeitvan der weiterführenden Schule.

Hallo
mal ganz von der Schule abgesehen solltet ihr auch eventuelle Hobbys berücksichtigen. Gerade bei 2 Kids finde ich es nicht ohne.
Bei mir zb. Gehen beide Kids schwimmen dazu der große zum Karate und die kleine zum reiten.
Ich konnte mir Vereine suchen wo die Kids früher oder später auch allein hin können.
Denn aktuell muss ich beide fahren und es ist schon echt etwas jonglieren das ganzen mit Arbeit zu kombinieren. Zumal der große jetzt vom schwimmen zum Fussball wechseln möchte.
Ich bin also eher für Stadt.
Liebe Grüße

(14) 05.04.18 - 16:52

Hallo,

wenn Ihr ins das Dorf zieht (was ich für Kinder schöner finde, als in der Stadt) würde ich es so organisieren, dass der Lebensmittelpunkt der Kinder auch das Dorf ist, also, dass sie dort in die Schule gehen und dann auf eine der benachbarten weiterführenden Schulen wechseln. Sonst haben sie ihre Freunde in der Stadt und finden im Dorf keinen Anschluss.

Falls Ihr nicht unbedingt zwei volle Gehälter braucht, um über die Runden zu kommen, würde ich empfehlen, dass einer von Euch seine Stunden reduziert, damit mehr Zeit für die Kinder da ist. Dann wird auch einfacher mit der Organisation, wenn die Kinder irgendwo abgeholt werden müssen.

Was Grundschulen auf dem Land oder in der Stadt angeht, ist es hier so, dass die Grundschulen in den Städten häufig ein niedrigeres Niveau haben, weil da mehr soziale Brennpunkte sind und Kinder, die schlecht Deutsch sprechen. Da kommen die Lehrer nur langsam voran, weil die Kinder sich nicht benehmen, bzw. nur die Hälfte verstehen.
Hier im Dorf sprechen fast alle Kinder gut Deutsch, egal, wo ihre Eltern herkommen.

Man kann aber an jeder Schule Glück oder Pech haben. Unsere Tochter hatte eine tolle Grundschullehrerin, unser Sohn an der gleichen Schule anfangs eine ziemlich schlechte und jetzt ebenfalls eine gute. Auch die Klassen sind verschieden. Die meisten Klassen hier sind ok. Aber in der alten Parallelklasse unseres Sohnes gibt es aus irgendeinem Grund einen Haufen verhaltensgestörter Jungs, die im Unterricht über Tische und Bänke gehen und sich prügeln. #schwitz

Ich glaube, Lehrermangel gibt es überall. Es wollen vielleicht grundsätzlich mehr Lehrer in der Stadt wohnen, aber an Schulen mit problematischen Schülern wollen die meisten nicht so dringend arbeiten...
Hier an der Grundschule gibt es eigentlich genug Lehrer, nur wenn eine schwanger wird oder krankheitsbedingt länger ausfällt, wird es auch schwierig.

LG

Heike

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