Diafö oder Montessori

    • (1) 20.05.18 - 13:23

      Hallo!

      Wenn ihr die Wahl hättet für ein Kind mit Förderbedarf, würdet ihr da eher Förderschule oder Montessori bevorzugen und Warum?

      Hallo,
      Das kommt doch darauf an, WIE das Montessori-Konzept bei der Schule umgesetzt wird, ob IHR hinter den Konzept steht und last but not least ob dein Kind mit dieser Arbeitsweise klar kommt, die, wenn richtig umgesetzt, einem Kind doch ein sehr hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung abverlangt.

      Für meine (recht cleveren) Kinder wäre es nix und ich kenne auch verhältnismäßig viele Kinder, die von der ersten Klasse an an einer Montessori-Schule sind und jetzt eine Dyskalkulie oder Legasthenie haben.

      VG
      Delfinchen

    • Unser Kind hat sehr gute Erfahrung mit einer Diagnoseförderklasse gemacht. Er hatte eine Wahrnehmungsstörung, war extrem schüchtern und hat sich nichts zugetraut. In der Diafö ist er ein Jahr in einer kleinen Klasse (10 Kinder) von einer darauf spezialisierten Lehrkraft individuell gefördert worden, hat dann die reguläre Grundschule durchlaufen und eine klare Gymnasial-Empfehlung bekommen. Jetzt besucht er die sechste Klasse eines G8-Gymnasiums.

      Ich weiß noch wie viele Sorgen ich mir damals gemacht habe und dass ich Tränen in den Augen hatte, weil ich ihn soo gerne mit seinen Kindergartenfreunden eingeschult hätte. Rückblickend hätte ihm nichts besseres passieren können. Dieses Jahr hat ihm die Zeit gegeben, seine Verzögerung aufzuholen und Selbstvertrauen zu schöpfen.

      Montesori wäre für unser Kind der falsche Weg gewesen, weil er sich eben wenig zugetraut hat und immer "auf sicheres Land" zurückgezogen bzw. beschränkt hätte.
      Gegenüber Förderschulen gibt es oft Vorurteile. Ich sehe diese Schulform mit meiner Erfahrung sehr positiv. So engagiert und individuell gefördert wie in der Diafö wird anderswo nicht.

      • Toll das ihr euch für diesen Weg entschieden habt und du von euren Erfahrungen hier so offen berichtest.

        Ich arbeite als Förderschullehrerin und wenn ich Schulanfänger begutachte ist es oftmals schwer, die Eltern davon zu überzeugten, dass der Weg von der Förderschule/ Diagnoseförderklasse (gibt es in NRW so nicht) oftmals der richtige Weg für die Kinder ist. In Grundschule zu starten und dann zu scheitern und zur Förderschule zu müssen ist für Kinder ein sehr schwerer Weg! Besser an den Schwierigkeiten arbeiten und dann erfolgreich in die Regelschule wechseln.

        Lg Basket

    Wir hatten die Wahl. Vorweggenommen, wir haben die Montessori gewählt.
    Allerdings war zumindest mein Ältester auch schon in einer Förderschule. Beide Kinder haben auch inklusiv eine staatliche Grundschule besucht - die übrigens super war. Nur als es eben um die weiterführende Schule ging, gab es nur noch die Alternative Förderschule oder Privatschule. Eine staatliche Schule, die inklusiv unterrichtet gibt es hier nicht.

    Es kommt natürlich immer auf die Schule selbst an. Bei uns habe ich hier nur miserable Förderschulen. Wirklich richtig grausam und katastrophal. Keiner schickt seine Kinder hier freiwillig auf diese Förderschulen. Wir haben im Schullandkreis unglaublich hohe Inkluionsraten. Mein Jüngster hat FB GE - dort wird er auf der Schule verwahrt. Da gibt es keine Förderung und nichts. Wenn ich bedenke, was die Grundschule da hier alles geleistet hat.
    Ich hätte nie eine Privatschule gewählt wenn es eine Alternative gegeben hätte. Ich muss meine Kinder nicht in so eine Schule schicken, aber es gibt keine Alternative. Ich habe einige Bundesländer durchgekämmt...es gibt keine Schulen, die behinderte Kinder aufnehmen und sich zugetrauen diese zu fördern.
    Die eher offene Art von Montessori ist für meine Kinder nicht ganz so optimal. Allerdings ist das auch wieder egal, da sie eh eine Teilhabeassistenz haben, die ihren kompletten Schulalltag strukturiert.
    Es ist auch unglaublich schwer bei den Ämtern irgendetwas durchzuboxen an Hilfen fuer die Kinder, wenn sie eine Privatschule besuchen. Dazu braucht man eine Schulzuweisung vom Schulamt und die zu bekommen ist extrem schwierig.
    Es kommt halt auf das Komplettpaket an.
    Wir sind extra für die Montessori umgezogen. Also gab es auch "neue" Ämter, die dann zuständig waren. Wir hatten aber das Glück, dass unser altes Sozialamt- und Jugendamtsachbearbeiter mit den neuen zuständigen Behörden geredet und klargestellt hat, dass die Hilfen absolut notwendig sind. So ist bei uns alles genehmigt wurden.

    • Ihr habt auch echt Glück mit eurer Grundschule (wir hatten uns ja vor längerer Zeit ja mal ausgetauscht).

      Schön, dass ihr eine gute weiterführenden Schule gefunden habt. Lg Basket

Hallo!
Wenn dein Kind Förderbedarf in Form von Lernschwierigkeiten hat, dann ist die Montesorischule eher der falsche Ansatz. Die Kinder müssen sich von Beginn an sehr selbstständig organisieren und das fällt Kindern mit Förderbedarf in der Regel deutlich schwerer, als Grundschulkindern ohne Förderbedarf.

In welchen Bereichen liegt der Förderbedarf denn genau? Ist der IQ im Normbereich?

In einer Diagnoseförderklasse (gibt es in NRW nicht so) werden die Kinder gezielt gefördert in kleinen Gruppen. Kinder mit dem Förderbedarf Sprache haben oftmals gezielte Sprachförderung. Bei uns an der Schule ist es so, dass wir den Kindern zum Beispiel 2 Jahre für den Leselehrgang geben. Alle Schüler bei uns durchlaufen die verlängerte Schuleingangsphase. Rückschulungen der fitten Kinder (in der Regel mit Förderschwerpunkt Sprache oder ESE) schulen wir nach 2, spätestens 3 Jahren zurück.

Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen profitieren oftmals von dem System, bleiben aber bei uns (im Notfall bis Klasse 10). Inklusion funktioniert in unserer Stadt leider sehr schlecht, da es viel zu wenig Sonderpädagogen gibt.

Meine langjährige Erfahrung zeigt, lieber in der Förderschule starten und eine echte Chance haben ins Regelsystem zurückzukehren, als in der Grundschule (egal welcher Ansatz) zu starten, total überfordert zu sein in großen Klassen und einer Sonderpädagogin die zweimal in der Woche für eine Stunde vorbeikommt. Diese Kinder kommen dann nach spätestens 2 Jahren zu uns, sind total frustriert und oftmals weiter zurück als unsere schwächsten Förderkinder. Bis das Selbstbewusstsein dann wieder mühsam aufgebaut ist und den Kinder deutlich wird, dass sie doch Stärken haben, vergeht wieder wertvolle Zeit. So werden Regelkinder mit Förderbedarf oftmals zu Förderkinder Lernen, da sie durch zu wenig Unterstützung in den ersten Jahren so große Lücken haben, dass sie nicht mehr im Regellehrplan unterrichtet werden können.

Als Mutter entscheidest du, aber schaue dir beide Schulformen an, um einen guten Eindruck zu erhalten.

VG Basket

Ich denke ich würde die Montessorischule wählen, einfach weil mir die Grundidee: -Hilf mir, dass ich mir selber helfen kann.- einfach gut finde.

  • Also das Kind wurde damals zurückgestellt, war somit 1 Jahr länger im Kiga. Nun hat es in der 1. Klasse massive Probleme, so dass es die 1. Klasse nicht schaffen wird. Es gäbe jetzt die Möglichkeit das Kind durchfallen zu lassen und nochmal zu wiederholen oder Diafö. Oder aber halt dann die Montessori, wo mir gesagt, dass es dort nicht nochmal 1 Jahr verlieren würde und dort sogar gleich in die 2. Klasse aufgenommen werden würde. Was ich schade finde ist die Tatsache, dass Legasthenie und Dyskalkulie im Raum steht, dies aber erst in der 2. Klasse getestet werden kann. Wenn es aber jetzt durchfällt oder in die Diafö käme, müsste mit der Testung wieder 1 Jahr gewartet werden.

    • (12) 21.05.18 - 07:53

      Warum kann nicht in der Diagnoseförderklasse getestet werden?
      Wenn es solche Schwierigkeiten hat, ist es doch schon ein Zeichen!

      Habt ihr die allgemeine Intelligenz schon mal überprüfen lassen?

      Ich würde mir einen guten KJP suchen und mein Kind testen lassen. Die Erziehungsberatung oder der Schulpsychologen können da auch weiterhelfen.

      Lg

      Schwierig. Wenn eine Intelligenzminderung im Raum steht, kann man die Dyskalkulie und/oder LRS vergessen. Das schließt sich gegenseitig aus.
      Mein Ältester hat auch LRS ... aber bei einem IQ von 101. So eine Diagnose bedingt immer einen durchschnittlichen IQ.

      Aber ganz ehrlich. Meine persönliche Meinung ist die zu der Sache:
      Ein Kind welches die 1. Klasse schon nicht schafft, hat arge Probleme in der Schule. Verdammt, verdammt große Probleme. Wenn hier nicht ein einschneidendes Erlebnis dahinter steht, dann wird eine erneute Rückstellung absolut nichts bringen. Ich würde das Kind außerhalb der Schule diagnostizieren lassen.
      Eine Schule die hier als einzigste Lösung die Rückstellung sieht, empfinde ich als vollkommen falsche Schule. Hier kann das Kind nicht mehr richtig gefördert werden. Dein Post klingt mir jedoch danach, als ob bei dem Kind nicht bekannt ist, was es genau hat. Ich würde Montessori hier auch als falschen Ansatz sehen. Dem Kind würde ohne Diagnosen und ohne jegliche Vorerfahrung bei den Eltern im Umgang mit den Behörden und Versicherungen nichts genehmigt werden.
      Ich würde hier auch die Förderschule empfehlen, falls Sie annehmbar ist und Abwehr ZWANGSWEISE gleichzeitig wirklich privat die Diagnostik starten.
      Im übrigen kann nicht nur die Schule auf Legasthenie und Dyskalkulie testen. Auch mein Sohn wurde von einem privaten Institut getestet - die Schule hat das Ergebnis anerkannt und entsprechende Nachteilsausgleiche gewährt. Du kannst natürlich auch zu einem Arzt gehen und dort testen lassen. Es gibt einfach anerkannte Testverfahren, nach denen gegangen werden muss.

Unbedingt Förderschule, kleine Klassen und speziell ausgebildete Kinder sind immer super!

Montessori ist total überlaufen und die Lehrer sind zumindest bei uns nicht so toll oder gar keine richtigen Lehrer.

Mein Sohn musste eine Klasse wiederholen, weil er dort nichts gelernt hatte.

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