Montessorischule - wer hat sein Kind dort?

Seid ihr zufrieden mit der Entscheidung?

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    • (1) 14.06.18 - 11:28

      Hallo ihr Lieben,

      nachdem ich mich jetzt intensiv mit Montessori beschäftigt hat und ich von dem Konzept schon sehr überzeugt bin, überlegen wir nun unseren Sohn schon in einer Schule (direkt bei uns in der Nähe) anzumelden, da die Wartelisten dort sehr lang sind.
      Ich frage mich nun, wie man am besten herausfindet, ob sein Kind wirklich geeignet dazu ist. Und man liest ja auch immer von "negativen" Erfahren wie: das Kind hat Defizite, kommt bei einem Wechsel in eine weiterführende Schule nicht klar, schaffen selten Abi oder mittlere Reife etc.
      Wie sind eure Erfahrungen?

      LG Sandra

      • Hey, das Konzept ist das eine - die SCHULE aber eine ganz andere Sache! Bevor du dein Kind anmeldest, solltest du dich über DIESE Schule in eurer Gegend erkundigen, wie wird das Konzept umgesetzt, welchen Einfluss nimmt diese Schule auf euer Leben zuhause, welche Atmosphäre herrscht vor, was sagen ältere Schüler, wie hoch ist die Schüler-Fluktuation, wieviele machen Abi usw.usf.
        Das Gesamtbild jeder einzelnen Schule ist unterschiedlich - ob Montessori oder eine andere!

        • Hallo!

          Ja, das würde ich so unterstreichen.

          Dazu kommt mnoch, das meiner Meinung nach so gut wie jedes Kind für Montessori geeignet ist – aber nicht alle Eltern!

          Ich empfinde es als sehr wichtig, dass die Eltern hinter dem Konzept stehen und es mittragen. Bedeutet: Grosses vertrauen ins Kind, aber auch in die Lehrer. Vergleiche zum Leistungsstand mit Schülern von Regelschulen funktionieren nicht. Das muss man aushalten können und wollen ;-)

      (4) 14.06.18 - 12:39

      Hallo,

      Ich habe keine eigenen Erfahrungen, kenne aber einige Familien, die ihre Kinder auf Montessorischulen hatten und haben und unisono sagen, dass sie es wieder so entscheiden würden.
      Wichtig ist, ähnlich wie bei der Waldorf-Pädagogik, dass das gesamte Konzept als alltägliche Lebenseinstellung übernommen wird und man sich von Vergleichen mit Kindern in Regelschulformen befreit.

      Es ist ein anderer Zugang zur Bildung, eine andere Sicht auf das, was einen Menschen in Bezug auf sein kognitives und kreatives Potential ausmacht und auf welche Art er dieses in Leistung umsetzt. Denn für letzteres gibt es keine Orientierungsnorm und genau das muß man verinnerlichen und akzeptieren.
      Das Individuum soll sich selbstständig und frei, nur durch VIEFÄLTIGE Anregung von außen, ohne Druck und vorgesteckten Erwartungshorizont, entwickeln und bilden.

      Dieses Konzept setzt auf die Theorie, dass der Mensch über eine hohe intrinsische Motivation verfügt, die Welt um ihn herum zu begreifen (zu Anfang sogar buchstäblich), zu verstehen und dass er nachfolgend freiwillig Fertigkeiten erlernt, um Sinnzusammenhänge herzustellen und darstellen zu können, die ihn begeistern und von denen er immer mehr möchte.

      Ein schöner Ansatz, der gut umgesetzt, bestimmt keinem Kind schadet.

      Aber auch kein Muß, denke ich.:-)

      lg

      • "Ein schöner Ansatz, der gut umgesetzt, bestimmt keinem Kind schadet."

        Ich stimme Dir völlig zu. Ein SEHR schöner Ansatz. Das "Problem" dabei ist nur, dass er häufig nicht in die Gesellschaft passt, in der sich das Kind bewegt. Damit muss man als Elternteil klarkommen, dass das Kind nicht der "Norm" entsprechen wird, mit allen Vor- und Nachteilen, die das so mit sich bringt.

    (6) 14.06.18 - 13:05

    „...schaffen selten Abi oder mittlere Reife etc.“
    Solche „Statistiken“ sind immer mit Vorsicht zu genießen. Gerade Schulen in privater Trägerschaft, die Schulgeld nehmen, ziehen natürlich ein bestimmtes, oft bildungsnahes Elternklientel an und sind daher nicht vergleichbar mit normalen Schulen, was den „Output“ angeht.
    Habe ich eine Schule, Inder vorwiegend Akademikerkinder aus solventen Elternhäusern gehen, habe ich immer auch erfolgreichere Schüler. Nicht unbedingt nur, weil diese Kinder intelligenter sind - Gott bewahre! - sondern weil ganz andere außerschulische Unterstützung möglich ist.

    Der Leitgedanke von Montessori ist toll! Allerdings sehe ich es wie einige Vorschreiberinnen: Es hängt stark von der jeweiligen Schule ab!
    Und oft habe ich den Eindruck, dass Eltern ihren Kindern die intrinsische Motivation regelrecht aberziehen und gegen ihr persönliche Motivation ersetzen. Man muss schon sehr viel Vertrauen ins Konzept und ins eigene Kind haben, um nicht durch eigene Erwartungen eben dieses Konzept zu torpedieren.

  • "Ich frage mich nun, wie man am besten herausfindet, ob sein Kind wirklich geeignet dazu ist. Und man liest ja auch immer von "negativen" Erfahren wie: das Kind hat Defizite, kommt bei einem Wechsel in eine weiterführende Schule nicht klar, schaffen selten Abi oder mittlere Reife etc."

    In dem man sich die Schule in der Nähe genauer ansieht. Mit anderen Eltern redet, deren Kinder dort sind usw.

    Das Konzept ist toll. Aber ob die jeweilige Schule auch toll ist, ist was anderes.

    Bps. mein Kindergarten, in dem ich damals war, hatte ein super tolles geniales Konzept.
    Problem: es wurde nichts umgesetzt.

    Kindergarten meines Kindes hatte kein definiertes Konzept. Menschlichkeit und wir geben unser bestes. Hat prima geklappt war super. Wenn man es mit Montessori vergleicht, waren davon auch Elemente dabei. Aber nicht als solches festgelegt. Definiert: staatlicher Kindergarten.
    Dann kam es zum Erzieherwechsel. Danach war es ein völlig anderer Kindergarten. Andere Atmosphäre usw. ein zweites Kind würde ich da jetzt nicht hinschicken. Einfach weil sich zu viel verändert hat. Vielleicht auch doch, weil sich bis dahin wieder alles verändern könnte ;-)

    Bei Schulen ähnlich: bei der weiterführenden Schule haben wir es wie bei der Kindergartenwahl gemacht: alle in frage gekommenden angesehen, mit Lehrern gesprochen, mit Eltern gesprochen, mit Kindern gesprochen
    Mein Kind hat sich die Schulen selbst auch angeschaut und fühlt sich wohl.

    Konzept? Keine Ahnung. Menschlichkeit.


    Wenn dir das Montessorikonzept zusagt, dann geh hin. Prüfe die Schule
    Rede mit den Menschen vor Ort.

    Auch jenen, die vielleicht gewechselt haben.

    Hallo,
    ich weiß nicht, wie es in anderen Montessori-Schulen läuft, es gibt aber definitiv große Unterschiede - sowohl in den Lehrmethoden als auch preislich. Ich kann dir nur sagen, wie es bei uns war.
    Unsere Schule nimmt die Kinder ab einem Alter von 6 Wochen auf und bietet jeden Abschluss inklusive Abitur. Die Kinder verlassen also die Schule weder für eine externe Prüfung, noch nach irgendeinem bestimmten Schuljahr um dann einen Abschluss zu machen.
    Die Schule ist eine Ganztagsschule, wobei das auch wirklich so gemeint ist. Die Kinder können ganz früh 6:00 Uhr gebracht werden und die Schule bietet eine Betreuung bis 18:00 Uhr an. Der Unterricht selbst geht allerdings nur von 8:00 - 16:00 Uhr.
    Ich kann nicht behaupten, dass die Kinder weniger lernen, eher mehr. Sie lernen den gesamten Schulstoff, den das Schulamt für das jeweilige Schuljahr vorgibt... eben nur anders. Zusätzlich gibt es dann eben noch Reiten, Bogenschiessen, Schulgarten, Holzwerkstatt,.... als Fächer, die je nach Lust und Laune täglich frei gewählt werden können.
    Meine Kinder kamen von einer staatlichen Schule und hatten also einige Jahre Vorerfahrung aus diesem Schulsystem. Sie haben beide jeweils 1 Woche hospitiert. Danach konnten wir und die Schule sagen, ob das eine Option für uns ist. Erst danach gab es den Vertrag.

    Mein Sohn war Integrationskind (extreme Schüchternheit und motorische Defizite) und uns wurde empfohlen, ihn in eine Montessori Schule zu tun. Wir wohnen in einer Stadt nahe München, die eine eigene Montessori Schule hat.
    Die Schule hat einen sehr guten Ruf und Johannes hat es gut getan, die 4 Grundschuljahre dort zu verbringen. Dort waren jahrgangsgemischte Klassen. Durch die Freiarbeit und viele Gruppenarbeiten wurden die Kinder selbständig in einem geschützten Rahmen erzogen.

    In der 4. Klasse machten von den 8 Kindern seiner Klasse 6 den Probeunterricht fürs Gymnasium mit und alle haben ihn bestanden. Natürlich musste man sich darauf vorbereiten. Mein Sohn geht jetzt in die 9. Klasse vom Gymnasium und befindet sich mit seinen Leistungen im Mittelfeld.

    Für ihn war es die richtige Entscheidung, ihn in die Montessori-Schule einzuschulen

    LG
    Monika

    (10) 14.06.18 - 21:21

    Ich schreib hier einfach mal meine Erfahrung. Wir sind umgezogen als meine Tochter im letzten Kindergartenjahr war. 50m neben uns ist eine Montensori Grundschule (50 Kinder).
    Auch in den Nachbarorten gab es nur diese Schulart.
    Erst habe ich gehört, dass die Kinder in solchen Schulen nur “Klatschen und singen“ lernen. Ich hatte große bedenken.
    Ich war mit ihr bei Therapeuten etc., weil sie schüchtern und verträumt ist (auch nur weil die Erzieherinnen das unbedingt wollten). Es hieß, meine Maus würde in einer “normalen“ Schule untergehen. Mittlerweile ist sie mit der 1. Klasse fast fertig. Sie kannte fast keine Buchstaben bei der Einschulung und macht jetzz seit einigen Wochen bereits teilweise den Stoff der 2. Klasse, weil sie alles super schnell lernt. Dafür hat sie aber mehr Probleme mit Kontakten zu anderen Kindern, mit Gruppenarbeit, Präsetationen etc. Also wird mit ihr ihr Schwachpunkt mrhr geübt. Ich finde es super. Jeder lernt on seinem eigenen Tempo. Wo das Kind stark ist ist es schneller und hat so mehr Zeit für die Schwachstellen.
    Mein 5 jähriger Sohn guckt viel von ihr ab. Er kennt schon sehr viele Buchstaben, große und kleine. Kennt die Zahlen bis über 20, fängt jetzt mit rechnen und lesen an. Er kommt erst in einem Jahr in die Schule. Ich muss mir aber dann keine Sorgen machen, dass er sich dann dort langweilt. Er kann den Stoff überspringen. Er muss mir Tests beweisen was er kann zum Überspringen.
    Sachkunde wird kaum theoretisch durchgenommen. Bzw. es gibt wöchentlich einen Thementag und da wird dieser Stoff per Experimente etc. durch genommen.

    Ich stimme hier den Aussagen zu, dass jede Schule für sich anders ist. Von meiner bin ich begeistert. Die Lehrerinnen haben ihren Beruf nicht verfehlt.

    Hallo,

    es wurde hier schon das Wichtigste angesprochen, in erster Linie steht und fällt es mit der Umsetzung an der Schule.
    Zudem stimmt es auch, dass tatsächlich die bildungsnahe Schicht umdenkt und die Kinder nicht mehr in ein konformes Konzept pressen will sondern den Kindern ermöglichen möchte, sich selbst zu entfalten ohne im Gleichschritt der Regelschule unterzugehen.

    Aber es wird natürlich auch geschaut, dass es nicht am Geldbeutel der Eltern hängt.
    Die Eltern müssen sich aber einig sein und möglichst schlüssig begründen können, warum ihr Kind gerade auf diese Schule sollte. Logisch, dass sie voll und ganz hinter dem Konzept stehen und auch bereit sind, sich selbst intensiv einzubringen- die ganze Schulzeit lang.

    Die gängigen Vorurteile sind schon hinreichend widerlegt, halten sich aber hartnäckig. Und kommen meist von Eltern, die erfolgsorientiert denken.
    Das ist nämlich das Wichtigste: Ihr Eltern müsst es aushalten können, dass das Kind vielleicht erst in der dritten Klasse richtig lesen lernt und sich vorher mit anderen Dingen beschäftigt, die im Regelschulalltag diese Wichtigkeit evtl. nicht haben.

    Wenn man nicht darauf vertraut, dann wird es auch nichts und das Kind lieber in die Regelschule schicken.

    Unter anderem deshalb geht unser Kind auch nicht zur Montessorischule. Zum großen Teil auch, weil es selbst Bestätigung für Erfolg sucht und auch, mit am Wichtigsten, alle seine Freunde zur Regelschule gehen und es große Schwierigkeiten gehabt hätte, das zu verkraften.

    Viel Glück bei der Entscheidungsfindung, midnatsol

    (12) 15.06.18 - 15:34

    Moin!

    Grundsätzlich stimmt es sicher auch, dass es von der jeweiligen Schule abhängt, wie sich ein Kind dort entwickelt.

    Ich habe jedoch auch die Erfahrung gemacht, dass ganz viel vom Kind selber abhängt.

    Mein großer Sohn ging 10 Jahre früher in dieselbe Schule, mit derselben Lehrerin wie später meine Tochter.

    Mein Sohn ist eher extrovertiert. Er kam mit allen Dingen dort super zurecht. Hat sich überall entfalten können und auch gut gelernt. Später dann Gymnasium. (Abitur zwar verkackt, das hatte aber andere Gründe, die mit Montessori nichts zu tun hatten)

    Und genau 10 Jahre später geht meine Tochter auf dieselbe Schule, bei eben jeder Lehrerin von früher. Ich war ganz happy, denn die Erfahrungen waren ausgezeichnet.

    Aaaaber: das Kind ist eher introvertiert, sucht klare Regeln, kam mit den jahrgangsübergreifenden Klassen nicht klar, wollte eine Lehrkraft, die vorne steht und unterrichtet. Ein klassisches Frontalunterrichtskind.

    Nach der 3. Klasse sind wir (unter anderem wg. der schlechten Schulleistung) umgezogen. Andere Schule. Dann Schullaufbahn über Hauptschule, Realschule und heute Gymnasium mit einem glatten 2er Zeugnis mit Versetzung in die 10. Klasse.

    Und sie lernt immer noch am besten bei Lehrkräften, die genau wissen, was sie tun, die klare Regeln aufstellen und die Schüler auch daran erinnern, dass Regeln im allgemeinen Miteinander durchaus nützlich und somit einzuhalten sind.

    To keep a long story short:

    Schau auf dein Kind und schätze es realistisch ein.
    Nicht deinem Wunsch entsprechend, sondern wirklich klaren Auges: was kann mein Kind, wie ist es? Danach dann die Schule auswählen.

    Mit Gruß
    vom Klos

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