Rechtschreibschwäche

    • (1) 26.06.18 - 10:22

      Hallo zusammen,
      ich habe bei meinem Sohn (9, 3. Klasse) den Verdacht, dass er unter einer Rechtschreibschwäche leidet. Er hat enorme Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung, er kennt zwar die Regeln, wendet sie aber nicht an. Da wird der Satzanfang wieder klein geschrieben, Verben auf einmal groß, Buchstaben fehlen oder werden vertauscht. Wörter, die er bislang richtig geschrieben hat, werden auf einmal permanent falsch geschrieben. Vor allem, wenn er frei muss, geht alles in die Hose. Gestern kam ein Aufsatz zurück....auf einer DIN A 4 Seite hatte er 26 (!) Fehler, fast alles vollkommen überflüssige Fehler, weil er Groß- und Kleinschreibung verwechselt hat oder Buchstaben zuviel oder zu wenig sind. Ich übe schon fast jeden Tag ca. 10 Minuten mit ihm (ich habe mir da ein Buch angeschafft, in dem empfohlen wird, nicht länger zu üben).
      Was ich allerdings komisch finde, ist die Tatsache, dass es am Anfang nicht so schlimm war (trotz Schreiben nach Gehör). Er liest auch sehr viel, das gehört abends im Bett einfach dazu.
      Kennt das jemand so in der Art?
      Morgen habe ich jetzt erstmal einen Termin mit der Klassenlehrerin, ich will mal hören, was sie dazu sagt und ob es besondere Fördermöglichkeiten gibt.
      LG
      Elsa01

      • (2) 26.06.18 - 10:41

        Für mich klingt es eher nach einem Konzentrationsproblem als nach einem echten Rechtschreibproblem, wenn es beim freien Schreiben auftritt, aber nicht so sehr beim konkreten Üben (ist das bei euch so?).
        Wenn mein Sohn gezielt Rechtschreibung üben soll, hat er so gut wie keine Fehler. In Aufsätzen sieht es dann wieder ganz anders aus, da er sich auf den Inhalt konzentriert. Es ist dann so, dass er die Regeln verwechselt und z. B. zwischendrin lange Vokale mit Doppelkonsonant schreibt. Bei den Hausaufgaben (ruhiges Umfeld) macht er kaum Rechtschreibfehler, in der Schule (sehr unruhige Klasse) macht er viel mehr. Bei ihm ist es definitiv ein Konzentrationsproblem. Er liest auch sehr viel und gerne.

        LG, Felisha

        PS: Ich habe hier immer den Drang, klugzuscheißen, auch wenn es nervt ;-): Es heißt nicht "Schreiben nach Gehör". Die ursprüngliche Methode heißt "Lesen durch Schreiben", aber die wird eigentlich nicht mehr eingesetzt. Ich vermute, dass in der Schule mit irgendeiner Form der Anlauttabelle und begleitenden Übungen zu den Rechtschreibregeln gearbeitet wurde/wird.

        • Hallo,
          Danke für Deine Antwort.
          Es wird wohl zum Teil auch ein Konzentrationsproblem sein. Aber ich denke, das ist es nicht nur.
          Es gibt z.b. auch Wörter, die hat er bereits 100te Male (undauch von Anfang an) richtig geschrieben und schreibt sie auf einmal konstant falsch. Aktuelles Beispiel ist u.a. gibt....schreibt er seit einiger Zeit nur noch giebt....#augen...oder ihr statt hier ...... da könnte ich jetzt Unmengen von Aufschreiben.
          Neue bzw. fremde Wörter, die wir hier geübt haben und richtig waren, werden auf einmal ganz anders geschrieben.
          Vor einigen Monaten gab es VERA. Eine Deutsch-Aufgabe konnte nicht bewertet werden bzw. wurde als nicht gelöst gewertet, weil sie vor lauter Schreibfehlern nicht zu entziffern war.
          Aber egal, was es ist. Wir brauchen eine Lösung. So kann es ja nicht weiter gehen. Ich schiebe im Moment zwar so einiges auf den Baulärm (bei uns wird seid dem letzten Herbst die Schule saniert, Krach ohne Ende und dabei sollen die Kinder vernünftig lernen und Klassenarbeiten schreiben :-[), aber das Problem haben die anderen Kinder ja auch.
          Davon ab, die Schule betitelt es tatsächlich als Schreiben nach Gehör und arbeitet mit Anlauttabellen. Die Kinder dürfen erstmal schreiben, wie sie wollen und müssen nur geübte Wörter richtig schreiben können (zumindest bis einschl. des 2. Schuljahres). Allerdings findet die Klassenlehrerin das total doof und hat die falsch geschriebenen Wörter von Anfang an korrigiert. Es zählte nicht als Fehler, aber die Kinder sollten die richtige Schreibweise sehen.
          LG
          Elsa01

          • (4) 26.06.18 - 11:23

            Oh je, wenn die Schule nicht mal weiss wie die Methode richtig heisst...
            Da ist es kein Wunder wenn sie falsch angewendet wird und bei den Eltern so negativ bewertet wird.
            Hier gab es Lernwörter ab den Herbstferien der 1. Klasse, ebenso wie die ersten Rechtschreibregeln und diese wurden auch als falsch angestrichen und bewertet.

            Das die Lehrerin wenigstens einigermaßen richtig arbeitet ist ja schon etwas.

            Tippe bei deinem Sohn auch auf Konzentrationsschwäche, da er zudem noch gerne zu lesen scheint. Das kenne ich von keinem Kind mit LRS.

      Keine Ahnung, ob das normal ist...hier haben alle 3 grade beim Aufsatz schreiben arge Probleme mit der Rechtschreibung.
      Genau wie du beschreibst, Satzanfänge klein, Nomen klein, dafür Verben und Adjektive groß #klatsch
      Beim Großen zog sich das bis 7. Klasse Gym! Der Mittlere hat sich inzwischen gefangen und da er bei anderen sieht, wie peinlich teilweise die Rechtschreibfehler in den WA Chats sind, achtet er da sehr drauf.
      Der Kleine ist in der 2. und schreibt grade erst Aufsätze, da achtet er natürlich nur auf den Inhalt und nicht noch auf die RS. Ich werde das in der 3. Klasse mal beobachten.

      Wie ist es bei Diktaten oder wenn er vorgegebene Texte schreiben soll/muss?

      Ich selbst stand in Diktaten immer auf 1 (gibt es heute nicht mehr als Klassenarbeit, weiß ich). Bei freien Texten gab/gibt es noch heute 2 Möglichkeiten

      1. ich brauche mehr Zeit und lege Wert auf die Rechtschreibung
      2. ich schreibe innerhalb der Zeit, lege mehr Wert auf den Inhalt. Dann geht die Rechtschreibung schon mal sehr daneben. Vor allem, wenn ich müde bin.

      Es sind mehrere Anforderungen im Gehirn, die gleichzeitig ablaufen.
      Grammatik, Rechtschreibung, verständlich schreiben, nachdenken, Inhalt (Geschichte), Inhalt Folgerichtig (gleiche Reihenfolge)


      Wann ist es bei ihm am Stärksten?
      Tritt es ab und zu auch gar nicht auf?
      Wie ist es, wenn er Texte abschreiben soll?

      Mit der Lehrerin reden, ist eine gute Idee.

      Ach so, ich habe kein LRS.
      Freunde haben es. Da zeigt sich dann z.B., dass sie große Schwierigkeiten bei vorgegebenen Texten haben. Sowohl als Diktat, als auch beim Abschreiben. Das zieht sich dann auch durch alle Schulfächer hindurch und ist nicht nur bei Aufsätzen so. Wobei es sich in Aufsätzen natürlich verstärkt.

    • (7) 26.06.18 - 14:01

      Hallo
      Bevor dir hier jeder sagt, dass dein Kind keine Rechtschreibschwäche hat...mein Sohn hat eine liebt es aber zu lesen. Er liest gut hat aber trotzdem eine Rechtschreibschwäche. Sein erstes Diktat in der 3. Klasse war eine Katastrophe und aus diesem Grund hat die Schule rechtzeitig uns empfohlen ihn darauf hin zu testen.
      Und ja er hat es ohne eine Leseschwäche.
      Seit dem bekommt er einen Nachteilsausgleich. Und die Motivation ist wieder enorm hoch die hat nämlich gelitten!
      Ich rate dir nimm Kontakt zu einer Stelle auf die das testen( bei uns war es die Psychologin der Erziehungsberatungsstelle unseres Landkreises)und vereinbare einen Termin.
      Liebe Grüße Maria

      • (8) 26.06.18 - 16:06

        Hallo,

        das unterstreiche ich vollkommen.

        Mein großes Kind hat auch eine isolierte Rechtschreibschwäche, die aber erst in klasse 6 vom schulpsychologischen Dienst getestet wurde.

        Das Kind hat Stufe 5 (also die höchste Wertung) bei Vera in klasse 3 geschafft, da ging es aber um lesen und verstehen.

        Der erste Aufsatz in klasse 5 hatte ungelogen 96!!!! Rechtschreibfehler. Als es anfing, dass auch die Sprachen im schriftlichen mit ähnlichen Fehlern besetzt waren kam es zur offiziellen Testung.

        Wir als Eltern entschieden uns gegen den Nachteilsausgleich, den das Kind bekommen hätte. Inzwischen könnte einiges aufgeholt werden. Leider kam es schon oft zu schlechteren Noten. Inhaltlich 2, aber durch Rechtschreibung und Zeichensetzung gab es fast immer die 3.

        Also, lieber durch eine Testung Klarheit verschaffen als sich quälen, ohne dass eine Verbesserung erzielt wird. Das kann unheimlich frustrierend sein.

        VG

    (9) 27.06.18 - 18:37

    Hallo,

    zum lesen braucht das Gehirn ganz andere Bereiche/Prozesse als für die Rechtschreibung.
    In Wahrheit lesen wir automatisierte Abbilder der Worte, nicht die Buchstaben. Aus Buchstaben Wörter bilden machen nur Leseanfänger.
    Beim freien schreiben muss zum einen die Geschichte im Kopf gebildet und gemerkt werden und zusätzlich müssen die Buchstaben noch in die richtige Reihenfolge.

    Sollte die Rechtschreibung plötzlich nachgelassen haben sollte er zum Hörtest und zum Sehtest.
    Selbstverständlich gibt es jede Schwäche auch isoliert also auch eine isolierte Rechtschreibschwäche.

    Gruß Sol

    • (10) 27.06.18 - 20:37

      Ganz plötzlich nachgelassen hat es nicht, das kam eher so schleichend.
      An den HNO hatte ich auch schon gedacht. Beim Augenarzt waren wir erst in der letzten Woche noch routinemäßig, da war soweit alles o.k. (oder den Umständen entsprechend o.k.). Aber danke für die Tips. Morgen habe ich den Termin bei der Lehrerin. Heute musste sie leider verschieben, weil sie krank geworden war. Mal sehen, was sie so meint. Irgendwie muss dem Kind ja geholfen werden. Das ist nämlich im Moment für beide Seiten nervenaufreibend und endet leider Gottes immer mal wieder im Streit, weil der junge Mann nicht einsehen will, dass er ein bisschen tun muss. ich verstehe ihn ja auch, dass er da nicht immer große Lust zu hat..habe ich ja auch nicht (aber das zeige ich ihm nicht), aber was muss, das muss. Wir machen fast jeden Tag so ca. 10 Minuten zusätzlich zu den HA's, mehr soll ja angeblich kontraproduktiv sein und die Luft ist ja auch irgendwann raus.
      LG
      Elsa01

(11) 29.06.18 - 08:31

Hallo,
erstmal vielen Dank an alle Rückmeldungen.
Ich hatte gestern ein Gespräch mit der Klassenlehrerin. Sie sagt, das eine echte Rechtschreibschwäche ganz anders aussehen würde, da hätte sich schon den ein oder anderen Schüler gehabt, der das Handicap hatte.
Es liegt wohl einzig und alleine daran, dass er sich schlecht konzentriert und oft anfängt zu schreiben ohne zu denken. Wir müssen also weiter üben, üben und nochmals üben. Nicht nur Schreiben, sondern auch die Konzentration. Aber ich bin nach dem Gespräch ganz optimistisch, das das klappt. Seine Lehrerin ist ansonsten mit seinen Leistungen in Deutsch, vor allem im Sprachgebrauch, und auch in den anderen Fächern sehr zufrieden.
Sie fand es aber gut, das wir uns bei ihr diesbezüglich gemeldet haben. Es gibt wohl mittlerweile viele Eltern, auch in der Klasse unseres Sohnes, denen das alles egal ist, auch wenn von der Schule aus auf Defizite hingewiesen wird. Sie sagte auch, wenn sie den Verdacht gehabt hätte, hätte sie schon längst das Gespräch mit uns gesucht.
LG
Elsa01

  • Hallo!

    Ich wollte gerade schon schreiben, dass echte Legasthenie anders aussieht und dein Sohn die Gott sei Dank wohl eher nicht hat. Da wäre auch das Lesen sehr problematisch, Buchstaben würden spiegelverkehrt geschrieben, und es gäbe keine Regelmäßigkeit - immer giebt ist ja schon Mal was. Ein echter Legastheniker erfindet 5 Schreibweisen für Milch auf einem Einkaufszettel.

    Wegen dem Baulärm: wie wäre es mit einem Gehörschutz für Tests? Damit hat er weniger Ablenkung.

    Darf er für Aufsätze z.B. mit Konzeptpapier arbeiten? Erst ohne auf Rechtschreibung zu achten ganz kurz den Gedanken skizzieren, dann erst richtig ins Reine schreiben? Das kostet zwar Zeit, hilft aber.

    • Hallo,
      es gibt wohl tatsächlich eine Art der Legasthenie, bei der Kinder zwar gut lesen, aber dennoch Probleme mit der Rechtschreibung haben. Das kennt seine Lehrerin auch. Aber ich bin echt froh, dass es das nicht ist. Und: er macht wirklich konsequent die gleichen Fehler. In seiner letzten Arbeit kam mehrmals das Wort "Mannschaft" vor.....er hat es jedesmal mit einem "n" geschrieben. Immerhin etwas.
      Gehörschutz gibt es zwar an der Schule, aber er mag diese Ohrenschützer nicht tragen.
      Und zum Vorschreiben fehlt bei Aufsätzen leider die Zeit. Aber da kann er GsD seine Rechtschreibung durch seinen guten Sprachgebrauch wieder ausgleichen.
      Sollte er nächstes Jahr auf seine Wunschschule wechseln können, werde ich sehen, dass er dort zusätzlich an dem Rechtschreibprogramm teilnimmt, was dort angeboten wird. Bis dahin üben wir halt zuhause. Irgendwann wird es schon besser werden....ich gebe die Hoffnung nicht auf.

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