Deutschland deine Schulen - Quo vadis?

    • (1) 25.08.18 - 10:40

      Ich möchte ein wenig ausholen.

      Im Alter von 19-24 Jahren, arbeite ich in den Semesterferien für den Kreisjugendring als Betreuerin. Der Kreisjugendring bot allen Familien mit Kindern für wirklich kleines Geld (70,- Mark) je Kind) einen 3-wöchige Ferienaufenthalte in Deutschland, Österreich, Südtirol oder Frankreich an.

      In dieser Zeit begleitete ich als Betreuerin also in den Sommerferien 2x 3 Wochen Kindergruppen im Alter von 7-14 Jahre. Es waren oftmals Geschwisterpaare dabei und eben auch Einzelkinder.

      Das Interessanteste war nachträglich betrachtet, die ausgewogene und komplett sozial durchmischte Gruppe. Jeder konnte es sich wenn man nur wollte sich eine solche Ferienreise leisten.

      Man sah den Unterschied eigentlich nur an der mitgegebenen Höhe des Taschengeldes, das wir für die Kinder verwalteten und Buch führten.

      Das mitgegebene Taschengeld ging bei den einzelnen Kindern von 0 bis 500 Mark.

      Das Sozialverhalten wich untereinander kaum merklich voneinander ab, anders als heute oftmals zu erleben.

      Heute viele Jahre später sehe ich, dass es solche Angebote, obwohl sie dringender denn je sind, nicht mehr angeboten werden. Warum eigentlich?

      Mehrmals im Jahr bekommen heute in unserem Ort per Post die hiesigen Ferienangebote inkl. Preise. Ich frage mich jedes Mal wer sich dies eigentlich mit zwei oder drei Kindern leisten soll bzw. kann.

      Da kosten 4 tägige Ausflüge schon fast so viel wie eine Woche Türkei oder Ägypten in einem 4 Sterne Hotel. Was soll das?

      Das Ergebnis ist, dass sich entsprechend finanzstarke Haushalte in solche Reise einkaufen und buchen. Damit beginnt im Kleinen schon das zunehmende Zerfallen und die Separation der Kinder in eine sich immer weiter um sich greifende Klassengesellschaft, die auch von den Kindern wahrgenommen wird.

      Die Kinder bleiben zunehmend mit ihren möglichen Aktivitäten und Angeboten unter sich.
      Unsere Kinder waren diese Ferien auch wie jedes Jahr in einem Sommercamp in Schottland.

      Ich hatte sie danach auch darüber befragt woher die Kinder kamen und wie so der Eindruck war. Arm waren die Familien von diesen Kindern nicht. Das war früher schon deutlich anders, da war eben alles dabei.

      In den Schulen geht es dann weiter mit der wohl gewünschten Trennung, die meiner Meinung nach schädlich für uns alle ist. Der Anteil von Schülern in privater Trägerschaft liegt heute bei über 10%, Tendenz weiter steigend. Ich wage die Prognose, dass es in 20 Jahren einen Anteil von 25-30% geben wird, die dem stattlichen Schulsystem, gerechtfertigt oder nicht den Rücken kehren werden.

      Nun mag die eine oder andere sagen ist mir ja egal. Dieses Phänomen zieht sich jedoch in die Arbeitswelt in seiner vielfältigsten Form hinein. Oftmals landen diese Schüler in Entscheidungspositionen in Industrie, Verwaltung, Politik, Kirche und Sicherheitsorgane.

      Was denkt man wer sich helfen wird um „nach oben zu kommen“?

      Dadurch zementieren sich diese Gefüge die zunehmend undurchlässiger werden, obwohl das Gegenteil laut und medienwirksam behauptet werden wird.

      Bei uns im Verein und im Club, gibt es kaum Kinder die in staatliche Schulen gehen. Die Leute helfen sich gegenseitig für ihre Kinder das passende Praktikum, die passende Firma, den passenden Kontakt zu vermitteln. Klar bin ich damit zunächst zufrieden, da es meine Kinder betrifft. Fair, ehrlich und gleichberechtigt ist ein solches System nicht. Es ist höchst ungerecht, da es viele andere mit gleicher oder besserer Qualifikation nicht durchlässt.

      So, das musste mal mitgeteilt werden. Wer was dazu sagen möchte gerne, ansonsten weiter klicken und wer das Gegenteil sollte sich mal genau umsehen was um uns herum gerade passiert

      • Hallo kessebiene,
        was Du feststellst, kannst Du viel weiter fassen. Unstreitig hatte man damals, in den 50er, 60er,70er Jahren weniger Geld zur Verfügung. Das war im öffentlichen Etat so wie auch bei den Privatleuten.
        Trotzdem war das Leben da besser geregelt. Es gab genug Lehrer, in die Schulen regnete es nicht hinein, beim Arzt wurde nicht gefragt, ob das Budget noch für die Patienten reicht. Operationen im Krankenhaus wurden gemacht, wenn es nötig war, nicht, weil man damit Geld verdiente. Das Gesundheitssystem war noch nicht auf Profit ausgelegt.
        In den öffentlichen Verkehrsmitteln, die man sich noch leisten konnte und auch musste, die wenigsten Leute hatten Autos, konnte man sich das Ticket kaufen, man bekam Hinweise, wann man aussteigen musste, weil ein Schaffner da war.
        Uns Kindern wurde eingeschärft, bei Problemen einen Polizisten zu fragen, das konnte man auch, weil eigentlich immer eine Polizeistreife auf der Strasse war, und zwar zu Fuss. Jeder Polizist hatte ein kleines Ledertäschchen am Gürtel mit Unterlagen, die er dann zur Hand hatte, wenn er nach einer Adresse gefragt wurde.
        Wenn man mal ein Bedürftnis hatte, war das immer möglich, weil es öffentliche Bedürftnishäuschen in genügender Menge gab. Versuche das mal in den Hauptbahnhöfen. Einer der grössten Bahnhöfe hat eine!!! öffentliche Toilette, da muß man 1 Euro parat haben, sonst geht nichts. Auf kleinen Bahnhöfen gibt es nichts.

        Gut, man ist nicht zweimal im Jahr in den Urlaub gefahren, man hatte kein Auto.
        Aber jeder, der die Schule beendete, konnte lesen und schreiben, anders als heute. Und die Ferien konnte man auch angenehm verbringen, teils mit Hilfe von Menschen, wie Dir.

        Ich komme aus armen Verhältnissen, Mutter mit mehreren Kindern, durch den Krieg allein erziehend.
        Aber ich bin froh, dass wir damals arm waren und nicht heute. Heute muss man für Hartz4 die Würde abgeben. Essen muss man sich schenken lassen, wenn man Glück hat und eine Tafel findet.

        Die Hauptsache in allen Gebieten heute ist Geld, dann kommt lange nichts. In den 50ern und weiteren Jahren hatte man kein Geld, aber alles funktionierte.
        Ok, die Personalausweise hatten die Fingerabrücke drin, was ja heute stark diskriminierend wäre. Als Halbwaise musste ich jährlich zur Polizei mit meiner Mutter, um zu beweisen, dass ich noch lebe. Aber ich glaube, so etwas würden die Menschen heute gerne hinnehmen, wenn sie in damaligen Verhältnissen leben könnten.
        Ich rede natürlich nicht von den Reichen.

        Gruss Bernd

      Hi,

      ich kann keiner deiner "Beobachtungen" zustimmen #kratz
      Ich war als Kind in den 80ern 3 Wochen in Tirol mit einem Feriencamp und das hatt 500 DM gekostet.
      Meine Söhne fahren zum zelten nach Holland für 3 Wochen und zahlen 400 Euro.
      Auch einen Trend zu privaten Schulen kann ich hier nicht erkennen...aber vielleicht ticken die Uhren in Regensburg anders.

      lg

          • Ja, hast recht. Der Zustand der Schulen als die dort bestehenden Verhältnisse sind eine Erfindung der sog, Lügenpresse. Alles was du in der Presse dazu findest sind Fake-News

            (10) 25.08.18 - 17:52

            ? Dein Beitrag behandelt dieses Thema (Zustände von Schulen) doch gar nicht, es geht um teure Ferienfreizeiten.
            Du wirkst etwas durcheinander...

            Ferienfreizeiten von AWO, Kreisjugendring, Kirchen, Vereinen, Gemeinde, ... gibt es in allen Preisklassen und sie werden auf Antrag bezuschusst, wenn man es sich nicht leisten kann. Das ist seit meiner Kindheit so und die Fördermöglichkeiten haben sich auch wenig verändert.

            Euer Feriencamp in Schottland, war das ein privater oder gemeinnütziger Veranstalter?

Ach Maike / malfrei oder wie auch immer Du Dich hier schon genannt hast und nennen wirst:
Willst Du jetzt Dein 'Wir Elite, ihr nix' nun als politische Besorgnis verkaufen?

Da kann ich Dich beruhigen:
Ein Löwenanteil der Privatschulen sind Grund- und Förderschulen. Keineswegs Gymnasien, wo gemeinhin die zukünftigen Eliten verortet sind. Und das hat Gründe: Gerade in strukturschwachen Gebieten werden immer mehr Grundschulen geschlossen (von den Förderschulen gar nicht zu reden), so dass diese Kleinstschulen dann eben in Elternregie weiter betrieben werden. Das hat wenig mit Eliten, sondern viel mit Pragmatismus zu tun.

Und ich denke, ein 2wöchiges Schülerpraktikum in Klasse 9 sagt nicht viel über die Karrierechancen nach einem Studium aus. Selbst wenn der 9.Klässler dank elterlichen Vernetzung bei McKinsey Akten sortiert hat.

Interessanter wird der Blick auf die privaten Universitäten. Und da gibt es in D gerade mal 23, deren Forschung weit genug gediegen ist, das dort promoviert werden kann. Und nicht eine der privaten Hochschulen taucht im Uni-Ranking der besten deutschen Hochschulen auf.

Grüsse
BiDi

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