ADHS keiner fragt warum Medikation!

    • (1) 26.08.18 - 14:24
      Inaktiv

      Ich habe zur Zeit echt ein Problem mit der Berichterstattung zum Thema ADHS, ich lese immer nur, genauso gefährlich wie Heroin und Kokain, Retalin macht abhänig und hat Nebenwirkungen wie crack.  ADHS ist keine Krankheit usw. Und das sind nur einige Beispiele.
      Als Elternteil wird man hingestelt als wenn mann:
      -nicht in der Lage ist unser Kind zu erziehen,
      -Wir nur unsere Ruhe wollten,
      -die Gesundheit unseres Kindes uns egal ist
      -wir uns nicht um unser Kind kümmern wollten
      Glauben die, wir machen es uns leicht?  
      Unser Sohn nimmt seit 3 Jahren, diese Methylphenidat Tabletten (Retalin®, Medikinet®, Equasym® sind da z.B. die Mittel)all diese Verurteilungen musste ich mir mehrfach anhören. Leider hat mich in der Zeit noch nicht einer gefragt, warum er dieses Zeugs nimmt. Man wird als schlechte Mutter/Vater dargestellt und fertig.
      Wir haben unseren Sohn nicht die Medikamente gegeben weil er hibbelig, unruhig, laut und impulsiv ist. Das konnten wir als Eltern gut aushalten, so ist er halt.
      Wir wussten schon im Kindergarten um sein Handycab, doch mit Ergotherapie ging das ganz gut. Die Schule war dann wie so oft das Problem, aber nicht weil die Lehrer druck machten, nein das Problem war er selbst!  Durch seine Unruhe und seine Rastlosigkeit lenkte er alle ab, die anderen Kinder mieden ihn, sie bekamen in seiner nähe nichts mit vom Unterricht, doch zur Verwunderung der Lehrerin, wusste er alles. Die unzähligen Ermahnungen in der Schule sich anzupassen, schärfte bei ihm das Bewusstsein anders zu sein. Da er sehr intelligent ist, suchte er sich Strategien seinen Bewegungsdruck, die Unruhe zu kompensieren um nicht aufzufallen. Statt zappeln, wurden die Ärmel oder der Kragen vom Pullover zerbissen, Radiergummis und die Findernägel mussten auch dran glauben. Er zog sich zurück, war traurig weil er überall aneckte. Einige Abende heulte er, unter Tränen sagte er mir, ich will ja so sein wie die anderen, doch mein Körper macht was anderes als mein Kopf ihm sagt. Er begann nachts einzunässen und schlafwandelte. Morgends hatte er regelmäßig Bauch weh. Kurz um, er war psychisch am Boden, hatte an nichts mehr Freude, kein Selbstwertgefühl mehr und war sozial isoliert!  In meiner Verzeifellung wendete ich mich wieder an den Arzt der das ADHS diagnostizierte, mein Sohn besprach mit ihm seine Probleme, und die beiden kamen über ein, es mal mit den Tabletten zu versuchen. Mir war es recht, weil so konnte es mit ihm nicht weiter gehen.
      Mein Sohn begann also seine Therapie, er wurde wieder glücklich, konnte Freundschaften schließen, eckte nicht mehr überall an, hatte plötzlich Erfolgserlebnisse, ihm gelangen sachen, bekam lob und Anerkennung. Er hatte schnell wieder ein Selbstwertgefühl aufgebaut. War nachts wieder trocken, schlafwandelte nicht mehr und die Kleidung blieb heile. Kurz um, er konnte jetzt endlich das schaffen was er wollte ohne es sich selbst zu verbauen! Er nimmt es jetzt schon ein paar Jahre und es geht ihm gut! Ich habe ihn nie gezwungen, auch beim Arzt halte ich mich raus. Er bespricht mit dem Dr. wie es ihm geht, ob er glaubt das ihm dadurch geholfen wird und so weiter. Er weiß, er muss die Tabletten nicht nehmen, in längeren Ferien testet er für sich das leben ohne Tabletten. Was im kleinen Umfeld Zuhause ohne Leistungsdruck auch echt gut klappt. Dieses Jahr wollte er nach den Ferien auch mal ohne Tabletten zur Schule! Nach vier Tagen, wurde er immer gereizter, unzufrieden, unruhig so das er zu mir kam und mich fragte ob er die Tab wieder nehmen dürfte. Seit dem ist er wieder ausgeglichen. Seine einzige Nebenwirkung ist er hat unter den Tabletten kein Hunger, das heißt für uns vor der Med einnahme unbedingt gut Frühstücken und erst Abends warm essen. Abschließend möchte ich noch was loswerden. Wir geben die Med. nicht um unser Kind Gesellschaftsfähig zu machen, sondern um ihn Lebensqualität zu geben!

      • Sehe ich auch so. Ich kann dich verstehen. Es ist nun mal so.

        Was genau möchtest du denn jetzt wissen?

        Gehst du ins Gespräch mit Freunden, Verwandten, vielleicht Eltern von Freunden? Daraus ergibt sich doch das "Warum" - und alle anderen geht es doch überhaupt nichts an, ob dein Sohn Medikamente nimmt und wofür.

        Für mich klingt es so, als würdest du dringend Austausch suchen. Gibt es bei euch einen Stammtisch o.ä. zum Thema?

        Ich kenne niemanden, der eine Familie abstempelt, weil ihr Kind gesundheitsbedingt Medikamente nimmt.

        Alles Gute!

        • (4) 26.08.18 - 16:11

          Hm,
          ich als jemand, der in einer ähnlichen Situation wie die TE ist, weiß sofort, worum es ihr geht.
          Und ehrlich gesagt, finde ich etwas befremdlich, wenn Nichtbetroffene sofort antworten, um so ein wenig (mehr oder weniger subtil) zu maßregeln und solchen Beiträgen eine
          Forenrelevanz abzusprechen.


          “Ich kenne niemanden, der eine Familie abstempelt, weil ihr Kind gesundheitsbedingt Medikamente nimmt.“

          Darum geht es in dem Beitrag nicht.

          • Du entscheidest hier, wer "Betroffener" ist und wer nicht? Interessant.

            Jedes Posting hier ist "forenrelevant" - völlig egal zu welchem Thema.

            • (6) 27.08.18 - 14:55

              Ich entscheide gar nichts.

              Betroffen, im Sinne des Anliegens der TE, sind alle, die ebenfalls vor der Entscheidung stehen, ihrem Kind Psychopharmaka zu verabreichen oder nicht.

              Man steht dann in der DIREKTEN Verantwortung
              und nicht in einer, die einem lediglich vom “Hörensagen“ vertraut ist oder durch das Schicksal von Verwandten/Bekannten.

              Dass es dich auch betrifft, wusste ich nicht, sorry!

        "Ich kenne niemanden, der eine Familie abstempelt, weil ihr Kind gesundheitsbedingt Medikamente nimmt."

        Vielleicht weil ihr nicht in der Lage seid und nicht wirklich hinhört? Man "lästert" selten über dritte, die Spitzen bekommt meist die Familie selbst zu spüren.

        Bei uns reichte schon dass der Lütte Cortisonzäpfchen bei seinen Pseudokruppanfällen bekommt, wir würden zu voreilig "harte" Medikamente geben, ob wir wüssten was Cortison alles anrichtet, ob wir nicht mal Globuli versuchen, ...

        Genauso ist es mit den Therapien, er ist ein Extremfrühchen, also jetzt nicht ein normal entwickeltes Kind das wegen Kinkerlitzchen gleich zur Therapie geschleppt wird, sondern wirklich ein Kind mit "Geschichte" bei dem fast auszugehen war dass er Förderbedarf haben wird, und auch da geht es bei manchen "muss das denn sein, könnt ihr ihm nicht einfach Zeit lassen, der macht das doch bestimmt auch so".

        Es ist ein Unding und sowohl im RL aus auch hier im Forum kann man es auch oft lesen dass Probleme von Außenstehenden bagatellisiert werden, dass dann Klopse kommen wie "ich sehe nicht dass Dein Kind anders ist als andere, es ist halt "anders normal"... Viele fühlen sich toll weil ihr Kind ein behindertes I-Kind im Kindergarten hat dass sie ja "Integration leben" aber im normalen Leben ist es leider oft noch so dass man von "Abweichlern" nix wissen will, egal ob sie Ritalin oder auch sowas wie Cortison nehmen oder zur Logopädie müssen.

        Mach doch mal den Selbsttest!

        Und ins Gespräch gehen hilft leider nicht weil die Leute die sowas denken sich schon aufgrund irgendwelcher Stimmungsmache oder aufgebauschter Berichte eine Meinung gebildet haben und genau wissen dass es ADHS nicht gibt und dein Kind einfach nur jeden Tag ne Stunde mehr raus zum austoben müsste damit alles ok ist, spätestens wenn er Karate macht hat sich das Thema bestimmt erledigt, Karate hilft bei vielem.

        LG
        WuschElke

    Lass die Leute reden, aber lass Dich nicht dumm anreden. Wenn das alles für Dein Kind so passt und es ihm so viel besser geht, wieso diskutierst Du das dann ständig? Niemand muss außerdem wissen, dass er Medikamente nimmt, das ist reine Privatsache.

    Ich finde es übrigens besonders positiv, dass er sich selbst mit dem Arzt bespricht. Damit kann er jetzt schon Eigenverantwortung für sich übernehmen. Respekt auch an euch Eltern, dass ihr seine Entscheidungen nicht helikopterartig überwacht.

    (9) 26.08.18 - 16:18

    Hallo,

    Du tust, was sinnvoll und hilfreich ist und ermöglichst es deinem Sohn, einen guten Weg zu gehen.
    Es geht ihm gut, schreibst du.

    Das ist wichtig, alles andere nicht.

    LG

    (10) 26.08.18 - 16:20

    Hi, ich nehme es selbst, kenne daher die Wirkung und nicht-Abhängigkeit (keine Probleme, als ich es mal nicht nehmen konnte).

    Es ist ärgerlich, ja. Andererseits: die die meckern, meckern sowieso immer.

    Kind einer Freundin nimmt es auch.
    Vorher: warum gibt die **** nicht endlich ihrem Kind was, das ist unverantwortlich.
    Nachher: warum gibt die **** ihrem Kind so verantwortungslos Chemie. Chemie ist böse.

    In meiner Kindheit war ich in einem Verwandtschaftszweig das von Eltern gepeinigte Kind, das eine Brille trägt. Wie unverantwortlich mich dadurch zu quälen.
    Heute bin ich mit Brille akzeptiert. Dennoch besteht unterschwellig noch die Meinung: dass ich Single bin, liegt daran, dass ich eine Brille trage.

    Beim Medikament:
    ich ohne: wie kannst du nur?!
    ich mit: wie kannst du nur?!

    Daher rede ich nur noch mit Menschen, mit denen ich mich darüber austauschen kann.
    Durchaus auch mit Kritik oder die mir Fragen stellen, die ich überdenken kann, die mir auch sagen, wenn sie anderer Meinung sind.
    Aber eben nur Menschen, die mich dennoch respektieren und deren Ton angemessen ist.

    Bei dem sensiblen, von vielen vorgeprägten "Informationen" geprägtem Thema besonders.

    Ich rede drüber. Aber eben nur noch mit jenen, die angemessen, respektvoll damit umgehen können.

    • Deinen Frust verstehe ich sehr gut.

      Bei mir ist es das Thema Teilzeit, das noch am stärksten ungefragt kommentiert wird.
      Aber auf ähnliche wie von dir beschriebene Weise.

      Und eben so:
      die die am lautesten schreien, sind die, die bei Änderung der Entscheidung wieder am lautesten schreien.

(12) 26.08.18 - 16:24

“Ich habe zur Zeit echt ein Problem mit der Berichterstattung zum Thema ADHS, ich lese immer nur, genauso gefährlich wie Heroin und Kokain, Retalin macht abhänig und hat Nebenwirkungen wie crack. ADHS ist keine Krankheit usw. Und das sind nur einige Beispiele.“

In seriösen, wissenschftsbasierten Abhandlungen zu Methyphenidat steht sowas nicht.

(13) 26.08.18 - 16:45

Hallo,

ich sehe das so, wie Du.

Ein Freund unserer Tochter hat ADHS und nimmt Medikamente. Mit seiner Mutter habe ich mich recht ausführlich über das Thema unterhalten.
Unser Sohn (8) hat leichtes ADS, und das verursacht schon genug Schwierigkeiten.
Ich kann verstehen, dass Eltern am Stock gehen, wo die Kinder auch noch hyperaktiv und/oder schwerer betroffen sind. #schwitz

Das Problem ist, dass Behinderungen, wie AD(H)S nicht offen sichtbar sind, wie ein Kind, das im Rollstuhl sitzt oder ähnliches.
Diese Kinder wirken einfach schlecht erzogen und "beratungsresistent".

Es gibt aber heutzutage eine ganze Reihe Kinder, bei denen die Eltern zu faul sind, sie zu erziehen, oder wo die Eltern auf diese modernen Erziehungsmethoden stehen, die darauf hinaus laufen, dass sich das Kind frei und ohne Rücksicht auf andere ausleben darf.
Diese Kinder sind tatsächlich schlecht erzogen.
Aber deren Eltern suchen die Schuld natürlich nicht bei sich, sondern bei anderen Faktoren. (Wenn die vernünftig wären, hätten die schon gemerkt, dass sie etwas falsch machen, bevor das Kind komplett aus dem Ruder gelaufen ist.)

Ich denke, ADHS ist eine der am meisten falsch positiv diagnostizierten oder falsch behaupteten Behinderungen, die es gibt.

Und ich denke auch, dass eine ganze Reihe Kinder Medikamente dagegen bekommen, obwohl sie eigentlich ein anderes Problem haben.
(In den USA ist das übrigens ein noch viel größeres Thema als hier.)

Deswegen haben die Eltern, deren Kinder wirklich ADHS haben, die Popo-Karte, weil ihnen keiner glaubt.
Die machen und tun meistens alles, was sie können, damit das Kind nicht ständig aneckt, weil das nämlich nicht nur den Rest der Welt nervt, sondern dem Kind letztendlich selbst schadet, weil es sich isoliert und nicht leisten kann, was es gerne leisten würde.

Aber ich fürchte, die einzige Möglichkeit, etwas an der öffentlichen Wahrnehmung zu ändern, wäre, dass die Leute echte AD(H)S-Kinder länger live und in Farbe erleben.
Ich finde, man merkt dann nämlich sehr wohl einen Unterschied zwischen schlecht erzogen und AD(H)S.

LG

Heike

Hey, manche fahren leider extrem festgefahren die Schiene "schick das kind halt ein paar Runden laufen, dann ist es ruhiger","adhs gibt es nicht, ist doch nur ne ausrede für unausgelastete Kinder" usw...

Wir haben vor den Sommerferien die Diagnose bekommen bei der Großen (9)
Große Schwierigkeiten mit der Konzentration in der Schule sowie zuhause, bei der diagnostik der IQ test gerade noch so in der Norm und ich weiß das sie definitiv mehr drauf hat. Leider sind die Ergotherapeuten hier überlaufen und kaum eine praxis bietet die vom Kinderarzt genannte Therapie an :-/
Medikation ist ab herbstferien angedacht und ich muss gestehen, begeistert mein Kind über Jahre Medikamente auf dauer zu verabreichen bin ich nicht, aber es geht um ihr Wohlbefinden, darum den Druck von ihr zu nehmen.
Sie hat sozialverhaltenstechnisch leider auch durch das adhs viele Probleme, angefangen bei ihren extremen stimmungsschwankungen bis zu in den meisten Fällen absolut keiner impulskontrolle, unter der ihr Bruder neben ihr selbst wohl am meisten zu leiden hat.

Das oft angepriesene "auspowern" hat natürlich nichts positives gebracht, ehr das Gegenteil, es wurde schlimmer...

Lg

(15) 26.08.18 - 17:36

Den einzigen Fehler machst du, in dem du mit jemand außer dem Vater, dem Psychiater und der Lehrerin darüber sprichst.

Oder wer verurteilt dich?

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