ADHS keiner fragt warum Medikation!

    • (1) 26.08.18 - 14:24
      Inaktiv

      Ich habe zur Zeit echt ein Problem mit der Berichterstattung zum Thema ADHS, ich lese immer nur, genauso gefährlich wie Heroin und Kokain, Retalin macht abhänig und hat Nebenwirkungen wie crack.  ADHS ist keine Krankheit usw. Und das sind nur einige Beispiele.
      Als Elternteil wird man hingestelt als wenn mann:
      -nicht in der Lage ist unser Kind zu erziehen,
      -Wir nur unsere Ruhe wollten,
      -die Gesundheit unseres Kindes uns egal ist
      -wir uns nicht um unser Kind kümmern wollten
      Glauben die, wir machen es uns leicht?  
      Unser Sohn nimmt seit 3 Jahren, diese Methylphenidat Tabletten (Retalin®, Medikinet®, Equasym® sind da z.B. die Mittel)all diese Verurteilungen musste ich mir mehrfach anhören. Leider hat mich in der Zeit noch nicht einer gefragt, warum er dieses Zeugs nimmt. Man wird als schlechte Mutter/Vater dargestellt und fertig.
      Wir haben unseren Sohn nicht die Medikamente gegeben weil er hibbelig, unruhig, laut und impulsiv ist. Das konnten wir als Eltern gut aushalten, so ist er halt.
      Wir wussten schon im Kindergarten um sein Handycab, doch mit Ergotherapie ging das ganz gut. Die Schule war dann wie so oft das Problem, aber nicht weil die Lehrer druck machten, nein das Problem war er selbst!  Durch seine Unruhe und seine Rastlosigkeit lenkte er alle ab, die anderen Kinder mieden ihn, sie bekamen in seiner nähe nichts mit vom Unterricht, doch zur Verwunderung der Lehrerin, wusste er alles. Die unzähligen Ermahnungen in der Schule sich anzupassen, schärfte bei ihm das Bewusstsein anders zu sein. Da er sehr intelligent ist, suchte er sich Strategien seinen Bewegungsdruck, die Unruhe zu kompensieren um nicht aufzufallen. Statt zappeln, wurden die Ärmel oder der Kragen vom Pullover zerbissen, Radiergummis und die Findernägel mussten auch dran glauben. Er zog sich zurück, war traurig weil er überall aneckte. Einige Abende heulte er, unter Tränen sagte er mir, ich will ja so sein wie die anderen, doch mein Körper macht was anderes als mein Kopf ihm sagt. Er begann nachts einzunässen und schlafwandelte. Morgends hatte er regelmäßig Bauch weh. Kurz um, er war psychisch am Boden, hatte an nichts mehr Freude, kein Selbstwertgefühl mehr und war sozial isoliert!  In meiner Verzeifellung wendete ich mich wieder an den Arzt der das ADHS diagnostizierte, mein Sohn besprach mit ihm seine Probleme, und die beiden kamen über ein, es mal mit den Tabletten zu versuchen. Mir war es recht, weil so konnte es mit ihm nicht weiter gehen.
      Mein Sohn begann also seine Therapie, er wurde wieder glücklich, konnte Freundschaften schließen, eckte nicht mehr überall an, hatte plötzlich Erfolgserlebnisse, ihm gelangen sachen, bekam lob und Anerkennung. Er hatte schnell wieder ein Selbstwertgefühl aufgebaut. War nachts wieder trocken, schlafwandelte nicht mehr und die Kleidung blieb heile. Kurz um, er konnte jetzt endlich das schaffen was er wollte ohne es sich selbst zu verbauen! Er nimmt es jetzt schon ein paar Jahre und es geht ihm gut! Ich habe ihn nie gezwungen, auch beim Arzt halte ich mich raus. Er bespricht mit dem Dr. wie es ihm geht, ob er glaubt das ihm dadurch geholfen wird und so weiter. Er weiß, er muss die Tabletten nicht nehmen, in längeren Ferien testet er für sich das leben ohne Tabletten. Was im kleinen Umfeld Zuhause ohne Leistungsdruck auch echt gut klappt. Dieses Jahr wollte er nach den Ferien auch mal ohne Tabletten zur Schule! Nach vier Tagen, wurde er immer gereizter, unzufrieden, unruhig so das er zu mir kam und mich fragte ob er die Tab wieder nehmen dürfte. Seit dem ist er wieder ausgeglichen. Seine einzige Nebenwirkung ist er hat unter den Tabletten kein Hunger, das heißt für uns vor der Med einnahme unbedingt gut Frühstücken und erst Abends warm essen. Abschließend möchte ich noch was loswerden. Wir geben die Med. nicht um unser Kind Gesellschaftsfähig zu machen, sondern um ihn Lebensqualität zu geben!

      • (2) 26.08.18 - 14:39

        Sehe ich auch so. Ich kann dich verstehen. Es ist nun mal so.

        (3) 26.08.18 - 15:02

        Was genau möchtest du denn jetzt wissen?

        Gehst du ins Gespräch mit Freunden, Verwandten, vielleicht Eltern von Freunden? Daraus ergibt sich doch das "Warum" - und alle anderen geht es doch überhaupt nichts an, ob dein Sohn Medikamente nimmt und wofür.

        Für mich klingt es so, als würdest du dringend Austausch suchen. Gibt es bei euch einen Stammtisch o.ä. zum Thema?

        Ich kenne niemanden, der eine Familie abstempelt, weil ihr Kind gesundheitsbedingt Medikamente nimmt.

        Alles Gute!

        • (4) 26.08.18 - 16:11

          Hm,
          ich als jemand, der in einer ähnlichen Situation wie die TE ist, weiß sofort, worum es ihr geht.
          Und ehrlich gesagt, finde ich etwas befremdlich, wenn Nichtbetroffene sofort antworten, um so ein wenig (mehr oder weniger subtil) zu maßregeln und solchen Beiträgen eine
          Forenrelevanz abzusprechen.


          “Ich kenne niemanden, der eine Familie abstempelt, weil ihr Kind gesundheitsbedingt Medikamente nimmt.“

          Darum geht es in dem Beitrag nicht.

          • (5) 27.08.18 - 13:55

            Du entscheidest hier, wer "Betroffener" ist und wer nicht? Interessant.

            Jedes Posting hier ist "forenrelevant" - völlig egal zu welchem Thema.

            • (6) 27.08.18 - 14:55

              Ich entscheide gar nichts.

              Betroffen, im Sinne des Anliegens der TE, sind alle, die ebenfalls vor der Entscheidung stehen, ihrem Kind Psychopharmaka zu verabreichen oder nicht.

              Man steht dann in der DIREKTEN Verantwortung
              und nicht in einer, die einem lediglich vom “Hörensagen“ vertraut ist oder durch das Schicksal von Verwandten/Bekannten.

              Dass es dich auch betrifft, wusste ich nicht, sorry!

        (7) 26.08.18 - 21:06

        "Ich kenne niemanden, der eine Familie abstempelt, weil ihr Kind gesundheitsbedingt Medikamente nimmt."

        Vielleicht weil ihr nicht in der Lage seid und nicht wirklich hinhört? Man "lästert" selten über dritte, die Spitzen bekommt meist die Familie selbst zu spüren.

        Bei uns reichte schon dass der Lütte Cortisonzäpfchen bei seinen Pseudokruppanfällen bekommt, wir würden zu voreilig "harte" Medikamente geben, ob wir wüssten was Cortison alles anrichtet, ob wir nicht mal Globuli versuchen, ...

        Genauso ist es mit den Therapien, er ist ein Extremfrühchen, also jetzt nicht ein normal entwickeltes Kind das wegen Kinkerlitzchen gleich zur Therapie geschleppt wird, sondern wirklich ein Kind mit "Geschichte" bei dem fast auszugehen war dass er Förderbedarf haben wird, und auch da geht es bei manchen "muss das denn sein, könnt ihr ihm nicht einfach Zeit lassen, der macht das doch bestimmt auch so".

        Es ist ein Unding und sowohl im RL aus auch hier im Forum kann man es auch oft lesen dass Probleme von Außenstehenden bagatellisiert werden, dass dann Klopse kommen wie "ich sehe nicht dass Dein Kind anders ist als andere, es ist halt "anders normal"... Viele fühlen sich toll weil ihr Kind ein behindertes I-Kind im Kindergarten hat dass sie ja "Integration leben" aber im normalen Leben ist es leider oft noch so dass man von "Abweichlern" nix wissen will, egal ob sie Ritalin oder auch sowas wie Cortison nehmen oder zur Logopädie müssen.

        Mach doch mal den Selbsttest!

        Und ins Gespräch gehen hilft leider nicht weil die Leute die sowas denken sich schon aufgrund irgendwelcher Stimmungsmache oder aufgebauschter Berichte eine Meinung gebildet haben und genau wissen dass es ADHS nicht gibt und dein Kind einfach nur jeden Tag ne Stunde mehr raus zum austoben müsste damit alles ok ist, spätestens wenn er Karate macht hat sich das Thema bestimmt erledigt, Karate hilft bei vielem.

        LG
        WuschElke

    (8) 26.08.18 - 15:13

    Lass die Leute reden, aber lass Dich nicht dumm anreden. Wenn das alles für Dein Kind so passt und es ihm so viel besser geht, wieso diskutierst Du das dann ständig? Niemand muss außerdem wissen, dass er Medikamente nimmt, das ist reine Privatsache.

    Ich finde es übrigens besonders positiv, dass er sich selbst mit dem Arzt bespricht. Damit kann er jetzt schon Eigenverantwortung für sich übernehmen. Respekt auch an euch Eltern, dass ihr seine Entscheidungen nicht helikopterartig überwacht.

    (9) 26.08.18 - 16:18

    Hallo,

    Du tust, was sinnvoll und hilfreich ist und ermöglichst es deinem Sohn, einen guten Weg zu gehen.
    Es geht ihm gut, schreibst du.

    Das ist wichtig, alles andere nicht.

    LG

    (10) 26.08.18 - 16:20

    Hi, ich nehme es selbst, kenne daher die Wirkung und nicht-Abhängigkeit (keine Probleme, als ich es mal nicht nehmen konnte).

    Es ist ärgerlich, ja. Andererseits: die die meckern, meckern sowieso immer.

    Kind einer Freundin nimmt es auch.
    Vorher: warum gibt die **** nicht endlich ihrem Kind was, das ist unverantwortlich.
    Nachher: warum gibt die **** ihrem Kind so verantwortungslos Chemie. Chemie ist böse.

    In meiner Kindheit war ich in einem Verwandtschaftszweig das von Eltern gepeinigte Kind, das eine Brille trägt. Wie unverantwortlich mich dadurch zu quälen.
    Heute bin ich mit Brille akzeptiert. Dennoch besteht unterschwellig noch die Meinung: dass ich Single bin, liegt daran, dass ich eine Brille trage.

    Beim Medikament:
    ich ohne: wie kannst du nur?!
    ich mit: wie kannst du nur?!

    Daher rede ich nur noch mit Menschen, mit denen ich mich darüber austauschen kann.
    Durchaus auch mit Kritik oder die mir Fragen stellen, die ich überdenken kann, die mir auch sagen, wenn sie anderer Meinung sind.
    Aber eben nur Menschen, die mich dennoch respektieren und deren Ton angemessen ist.

    Bei dem sensiblen, von vielen vorgeprägten "Informationen" geprägtem Thema besonders.

    Ich rede drüber. Aber eben nur noch mit jenen, die angemessen, respektvoll damit umgehen können.

    • (11) 26.08.18 - 16:21

      Deinen Frust verstehe ich sehr gut.

      Bei mir ist es das Thema Teilzeit, das noch am stärksten ungefragt kommentiert wird.
      Aber auf ähnliche wie von dir beschriebene Weise.

      Und eben so:
      die die am lautesten schreien, sind die, die bei Änderung der Entscheidung wieder am lautesten schreien.

(12) 26.08.18 - 16:24

“Ich habe zur Zeit echt ein Problem mit der Berichterstattung zum Thema ADHS, ich lese immer nur, genauso gefährlich wie Heroin und Kokain, Retalin macht abhänig und hat Nebenwirkungen wie crack. ADHS ist keine Krankheit usw. Und das sind nur einige Beispiele.“

In seriösen, wissenschftsbasierten Abhandlungen zu Methyphenidat steht sowas nicht.

(13) 26.08.18 - 16:45

Hallo,

ich sehe das so, wie Du.

Ein Freund unserer Tochter hat ADHS und nimmt Medikamente. Mit seiner Mutter habe ich mich recht ausführlich über das Thema unterhalten.
Unser Sohn (8) hat leichtes ADS, und das verursacht schon genug Schwierigkeiten.
Ich kann verstehen, dass Eltern am Stock gehen, wo die Kinder auch noch hyperaktiv und/oder schwerer betroffen sind. #schwitz

Das Problem ist, dass Behinderungen, wie AD(H)S nicht offen sichtbar sind, wie ein Kind, das im Rollstuhl sitzt oder ähnliches.
Diese Kinder wirken einfach schlecht erzogen und "beratungsresistent".

Es gibt aber heutzutage eine ganze Reihe Kinder, bei denen die Eltern zu faul sind, sie zu erziehen, oder wo die Eltern auf diese modernen Erziehungsmethoden stehen, die darauf hinaus laufen, dass sich das Kind frei und ohne Rücksicht auf andere ausleben darf.
Diese Kinder sind tatsächlich schlecht erzogen.
Aber deren Eltern suchen die Schuld natürlich nicht bei sich, sondern bei anderen Faktoren. (Wenn die vernünftig wären, hätten die schon gemerkt, dass sie etwas falsch machen, bevor das Kind komplett aus dem Ruder gelaufen ist.)

Ich denke, ADHS ist eine der am meisten falsch positiv diagnostizierten oder falsch behaupteten Behinderungen, die es gibt.

Und ich denke auch, dass eine ganze Reihe Kinder Medikamente dagegen bekommen, obwohl sie eigentlich ein anderes Problem haben.
(In den USA ist das übrigens ein noch viel größeres Thema als hier.)

Deswegen haben die Eltern, deren Kinder wirklich ADHS haben, die Popo-Karte, weil ihnen keiner glaubt.
Die machen und tun meistens alles, was sie können, damit das Kind nicht ständig aneckt, weil das nämlich nicht nur den Rest der Welt nervt, sondern dem Kind letztendlich selbst schadet, weil es sich isoliert und nicht leisten kann, was es gerne leisten würde.

Aber ich fürchte, die einzige Möglichkeit, etwas an der öffentlichen Wahrnehmung zu ändern, wäre, dass die Leute echte AD(H)S-Kinder länger live und in Farbe erleben.
Ich finde, man merkt dann nämlich sehr wohl einen Unterschied zwischen schlecht erzogen und AD(H)S.

LG

Heike

(14) 26.08.18 - 17:33

Hey, manche fahren leider extrem festgefahren die Schiene "schick das kind halt ein paar Runden laufen, dann ist es ruhiger","adhs gibt es nicht, ist doch nur ne ausrede für unausgelastete Kinder" usw...

Wir haben vor den Sommerferien die Diagnose bekommen bei der Großen (9)
Große Schwierigkeiten mit der Konzentration in der Schule sowie zuhause, bei der diagnostik der IQ test gerade noch so in der Norm und ich weiß das sie definitiv mehr drauf hat. Leider sind die Ergotherapeuten hier überlaufen und kaum eine praxis bietet die vom Kinderarzt genannte Therapie an :-/
Medikation ist ab herbstferien angedacht und ich muss gestehen, begeistert mein Kind über Jahre Medikamente auf dauer zu verabreichen bin ich nicht, aber es geht um ihr Wohlbefinden, darum den Druck von ihr zu nehmen.
Sie hat sozialverhaltenstechnisch leider auch durch das adhs viele Probleme, angefangen bei ihren extremen stimmungsschwankungen bis zu in den meisten Fällen absolut keiner impulskontrolle, unter der ihr Bruder neben ihr selbst wohl am meisten zu leiden hat.

Das oft angepriesene "auspowern" hat natürlich nichts positives gebracht, ehr das Gegenteil, es wurde schlimmer...

Lg

(15) 26.08.18 - 17:36

Den einzigen Fehler machst du, in dem du mit jemand außer dem Vater, dem Psychiater und der Lehrerin darüber sprichst.

Oder wer verurteilt dich?

  • (16) 26.08.18 - 21:02

    Mein Sohn ist 10 und ich habe ihm nicht den Mantel des schweigens auferlegt! Da kommen schon mal Fragen!

    • (17) 26.08.18 - 21:20

      Dann solltest du dringend mit ihm reden!

      (18) 27.08.18 - 13:32

      Ich habe meinem Sohn auch nicht den Mantel des Schweigens auferlegt, aber ihm auch gesagt er soll sehr aufpassen welche Gehemnisse er über scih preisgibt. Es gibt ein Recht auf Persönlichkeitsschutz, aber wenn man selber diverse Sachen ans schwarze Brett häöngt darf man sich nicht wundern, wenn Kommentare kommen.

      ADHS ist halt nun leider auch schwer zu diagnostizieren (eine vernünftige Diagnostik dauert nun mal mindestens 3 Tage) - aber Frau Nachbarin und Herr Saubermann aus der Schule erkennen das selbstverständlich aus der Ferne an der Nasenspitze, inkl. Therapieform.
      Also unser Psychiater (offensichtlich ist er ein besonders dummes Exmeplar) hat für die Auswahl der Therapien und für die Einstellung 2 Monate gebraucht.

      Diskutier doch nicht mit Hinz und Kunz über solche Sachen!

      Übrigens wenn mir ganz ohne Not was aufdrückt wird zum Thema ADHS, es wäre nur eine Erfindung der Pharmaindustrie bin ich auch ganz schnell dabei zu erklären, dass Migräne derselbe Fall wäre. ICH habe nie Kopfschmerzen, nur wenn ich ihn mir stoße, also gibt es keine Kopfschmerzen, ganz zu schweigen von Migräne und die Pharmaindustrie hat es geschafft Kopfschmerztabletten rezeptfrei verteilen zu lassen .... udn die vielen Krankschreibungen zu Kopfschmerzen, dabvei kann man die gar nicht messen ....

      LG, I.

      • Vielen Dank für Deinen anschaulichen Beitrag. So etwas sollte viel öfters geteilt werden.

        Mein Kind hat ebenfalls ADHS, ebenfalls gründlich diagnostiziert, und ist auf Ritalin LA eingestellt, erfolgreich. Ich hänge es innerhalb der Familie nicht an die große Glocke. Außerhalb rede ich durchaus darüber, weil man ja durchaus schreckgespenstische Vorstellungen darüber ausmerzen kann, allen voran, dass man das Medikament von Lehrern oder Erziehern aufoktruiert bekommt und nicht aufgrund langwieriger und umfassender Diagnostik durch einen Facharzt und dann fortlaufender engmaschiger Kontrolle und mannigfaltiger zusätzlicher Therapien. Diese Vorstellung herrscht leider oftmals und so etwas macht ja keiner freiwillig.

        Eine weitere Mär darüber: "ich will ja nicht meinem Kind jahrelang ein Psychopharmakum verabreichen." Macht ja keiner, man bereitet ja das Kind von Beginn an auf ein Leben ohne MPH vor, indem man während der Auslasstage schaut, welche Fertigkeiten sich das Kind unter MPH bereits angeeignet hat. Wir hatten unsere Auslasstage gleich zu Anfang, 4 Wochen nach der ersten Verschreibung.

        Schlimm finde ich auch: man stelle sein Kind ruhig durch das Medikament. Man denkt an eine ans Bett gefesselte sabbernde Kreatur, wenn man so etwas hört. Liebe Leute: die Dopaminzufuhr in den Synapsen wird durch das Medikament einfach nur zentralisiert, so dass das Kind fokussierter ist. Die Wirkung lässt am selben Tag nach. Mein Kind macht trotzdem Leistungssport, könnte es das, wenn es denn ruhiggestellt wäre? Nein, aber es ist in der Lage, dem Trainer konzentriert zuzuhören und das Gehörte dann umzusetzen.

        Ein Abhängigkeitspotential besteht auch nicht (ich höre schon die Kokain-Fraktion rufen), vielmehr steigt das Suchtpotential bei unbehandelter ADHS.

        Welch ein Leidensprozess der Diagnostik und Einstellung auf das jeweilige Medikament vorangegangen ist, habe ich auch erst im Nachhinein realisiert und mich gefragt, warum ich das mir und vor allem meinem Kind so lange habe antun können. Mein Kind ist jetzt 11, es wurde vor einigen Monaten diagnostiziert, da sein schulisches Potential von seinen Defiziten stark negativ überlagert wurde und der Klassenfrieden sogar in Mitleidenschaft gezogen war. Jetzt ist es so, dass er fokussierter ist, konzentrierter, die motorische Unruhe weniger geworden ist und was am meisten auffällt: er knabbert keine Nägel mehr. Das Schönste: keine täglichen Schimpftiraden mehr, weil dies und das und jenes nicht erledigt, notiert, etc wurde. Ich denke, das ist am besten für das Gemüt meines Kindes an der ganzen Therapie.

        Mein Fazit: mehr darüber reden hilft ungemein der Aufklärung. Man muss sich ja nicht in eine Opferrolle begeben und in Rechtfertigungen ergehen. Einfach unerschrocken schildern, ganz unemotional und gut ist. Sicher auch gut fürs Kind, was dann fühlt, dass man hinter ihm steht.

        Daher allen Betroffenen (klingt irgendwie doof) viel Gelassenheit mit den Mitmenschen. Ihr geht mit euren Kindern schon den besten Weg. Die Entscheidung macht sich ja schließlich keiner leicht und Ritalin bekommt man ja auch nicht gerade bei dm in der Nahrungsmittelergänzungsabteilung.

(20) 26.08.18 - 21:19

Am meisten verurteilt mich mein Bruder und seine Frau eine Dinkel-Helikopter-Familie die löst alles mit Homöopathie und Globolis. Ich persönlich hänge das Thema im auch nich öffendlich aus doch mein Sohn ist 10 und ich habe ihn nicht zum schweigen vedonnert!

  • (21) 26.08.18 - 21:22

    Der Grund, weshalb mein Bruder so etwas nicht (mehr) erfährt. Ich weiß ganz genau, was du meinst. Es ist besser, wenn dein Sohn auch nicht darüber redet.

(22) 26.08.18 - 18:49

Hallo,

ich kann dich sehr gut verstehen!

Bei uns war der Punkt, als unser Sohn, sagte...
das er nicht mehr leben möchte!
Das aus dem Mund eines 6 jährigen,es war schlimm ihn so verzweifelt zu sehen.
Seit einem Jahr nimmt er nun die Tabletten und ist viel ausgeglichener, glücklich, integriert.

Alles gute für euch

Vielleicht kommen die Verurteilungen, weil ADHS eine Modediagnose zu sein scheint.
Nicht jedes zapplige, laute Kind hat ADHS. Aber es passiert eben schon, dass zu schnell ,nach dem Schablonenprinzip diagnostiziert wird.

Ich habe erlebt wie es Eltern ging mit ihrem Kind und dass das Medikament dann letztlich doch gegeben wurde, weil die Eltern unter dem Druck zusammen brachen.
Das Kind wollte die Medikamente nicht nehmen, weil es ihn so veränderte und er es nicht ertragen wollte. Er nahm zu. Und nachdem man ihm die Schulbegleitung strich ging gar nichts mehr,trotz Medikamente!
Es war der Horror für die Eltern und das Kind.

Eine andere Mutter ist ebenfalls unter dem Druck durch Schule und Ärzten zusammengebrochen. Der Erfolg ist mäßig. Das Kind ist nicht glücklicher dadurch

Nicht jede Medikation bringt ein gutes Ende und den erwünschten Erfolg.
Nicht jedes Kind wünscht Medikamente.
Es passiert , dass Kinder medikamentiert werden, damit sie Ruhe geben.

Ich sag mal so.
In unserer Familie gibt es den Fall, dass auch ADHS und LRS festgestellt worden.
Das Kind bekam Medikamente und veränderte sich dadurch sehr.
Nach einigen Wochen hat die Mutter die medikamente abgesetzt .
Das Kind ist heute Erwachsen, hat zwei abgeschlossene Ausbildungen, Familie und alles ist gut.

Du siehst es gibt viele Geschichten mit ADHS.

Ich verurteile Eltern , die sich dafür entscheiden nicht.
Ich bin nie "in ihren Schuhen" gegangen von daher maße ich mir das nicht an.

Allerdings verstehe ich nicht wieso du dir den Schuh anziehst, wenn Medien das bringen.
In den Medien wird viel gebracht, je nachdem von wo der Wind kommt.
Es ist eure Geschichte, euer Leben eure Entscheidung.
Was interessiert euch dann , was andere dazu meinen?

LG

(24) 27.08.18 - 07:45

Ich denke ADHS ist nicht nur eine Krankheit sondern ein Deckmantel für alles mögliche. Deshalb werden Menschen die es wirklich haben manchmal halt auch abgestempelt. Mein Sohn hatte im Kiga Freunde wo die älteren Geschwister ADHS hatten. Durch die Medikamente könnten sie sich zwar besser konzentrieren aber sie hatten Essstörungenen und waren sehr aggressiv. Ich denke sie waren damals nicht richtig eingestellt.
Die Schule wollte auch das wir unseren Sohn mit Medikamenten ruhig stellen. Die Lehrerin war der Ansicht er hat schweres ADHS. Die Schule war richtig sauer als vom Kinderzentrum die Mitteilung kam ,sie sehen keine Notwendigkeit einer Medikation. Mein Sohn hat Probleme aber die lassen sich nicht mit ADHS erklären. Es gibt Kinder da wirkt das Medikament und sie können wieder ein normales Leben führen, andere sollen nur ruhiggestellt werden damit die Schule und manchmal auch die Eltern mehr Ruhe haben.

Ich denke die meisten machen es sich schwer ehr sie ihren Kindern solche Medikamente geben, meist ist es der letzte Weg. Ich würde mich daher nie über sie aufregen, ich denke das muss jeder für sich entscheiden und wenn es den Kindern hilft, warum nicht.

LG
Visilo

  • (25) 27.08.18 - 11:21

    "andere sollen nur ruhiggestellt werden damit die Schule und manchmal auch die Eltern mehr Ruhe haben. "

    ... mit Stimulanzien wird keiner "ruhigestellt", im Gegenteil!

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