Sohn (10) ohne Freunde und Ärgereien

    • (1) 26.09.18 - 16:30

      Hallo,

      mein Sohn besucht die 5. Klasse einer Realschule. Mit dem Freunde finden tut er sich generell schwer und hat nun dort auch keine Freunde. Natürlich kennt er einige Kinder aus früheren Klassen, mit denen er manchmal auch spielt, aber echte Freundschaften sind das nicht.

      Er hatte in der 4. Klasse massive Probleme, seinen Platz in der Klasse zu finden, wurde später auch ausgegrenzt, gehänselt, getreten und gehauen. Er ist jemand, der bei einem kleinen Pieks leider ungewöhnlich schnell in die Luft geht. Wir arbeiten daran und er hat das zunehmend besser im Griff. Aber in dem vergangenen Schuljahr ging es ihm gar nicht gut mit der Situation.

      Unser Problem sind nun eigentlich zwei:
      1. von seinen ehemaligen Mitschülern aus der 4. Klasse sind auch ein paar in die Realschule gewechselt (aber nicht in seiner Klasse). Und die nehmen den roten Faden nun wieder auf und provozieren und stänkern meinen Sohn an. Immer mehrere zusammen gegen ihn alleine. Er ist immer unterlegen.
      2. in seiner Klasse merken ein paar Jungs, dass er relativ alleine ist und fangen ebenfalls an zu ärgern. Er versucht sich dagegen zu wehren.

      Mir ist klar, dass er in der Schule Anschluss braucht - festen Anschluss - und ich gebe ihm Ratschläge, dass er sich mal am Nachmittag mit jemandem aus seiner Klasse verabreden soll oder dass er sich zu den anderen beim Spielen dazu gesellen soll. Aber da ist er ganz schwerfällig. Heute hat er wohl einige gefragt, ob sie sich nach der Schule mit ihm treffen, aber keiner konnte (oder wollte). Ausserdem würden die Kinder in der Pause oft Sachen spielen, auf die er nicht so große Lust hat, sagt er.

      Mal abgesehen davon, dass ich keine Klassenliste habe, meine ich eigentluch auch, dass er alrt genug ist, um seine Nachmittage mit anderen Kindern selber zu organisieren. Am Anfang der Grundschule habe ich manchmal immer noch bei den Eltern mancher Kinder angerufen und gefragt, ob der X oder Y zum Spielen vorbei kommt.

      Ich habe die Klassenleitung über die vergangene und die aktuelle Situation informiert. Sie will sich kümmern. Aber was kann man machen, wenn sich das da an der Schule zu was Größerem entwickelt und mein Sohn wieder Bauchschmerzen kriegt und Angst vor der Schule hat?

      Das Schuljahr hat grade erst begonnen und ich denke schon über Umschulung nach. Gibt es Schulen mit kleineren Klassen? Private Schulen? Schulbegleitung?

      In mir macht sich schon wieder so eine Ohnmacht breit!

      Hat jemand eine Idee?

      Gruß,
      mare88

      • Unsere Lehrerin (damals in der 5. Klasse), lag viel Wert darauf , nach den Herbstferien, Winterferien und Faschingsferien, die Sitzordnung komplett zu ändern, damit sich die Kinder unteinander besser kennenlernen und nicht von Anfang an Grüppchenbildung gibt. Nur bei der Einschulung bis zu den Herbstferien (zwecks Eingewöhnung) und nach den Osternferien, gab es nur freie Sitzwahl.
        Da hatte jeder die Chance an 5-6er Gruppentische, inkl. auch mit viel bewußten Gruppenarbeit, die anderen besser kennenzulernen und selbst besser kennengelernt zu werden, um auch oberflächliche Vorurteile/Vorabneigung evtl. zu widerlegen.
        Falls sowas bei euch nicht gibt, evtl. der Lehrerin mal den Vorschlag machen.


        Meine Tochter fand es anfangs blöd, weil ihre Freundin meistens woanders sagt, aber im Nachhinein fand sie es gut, da sie durch engeren Kontakt zu den fremden, neuen Schüler, wieder neue gute Freundschaften fand, was evtl. länger gedauert hätte.
        Jetzt ist sie in der 8.Klasse und ihre Freundin ist trotzdem noch "BFF" ;)

        • Danke Dir für die Info!

          Es gibt bei uns Kennenlerntage, die aber erst im Oktober stattfinden. Ich hoffe, die bringen was. DAs mit der Gruppenarbeit wäre natürlich auch hilfreich. Muss ich ihr mal sehr vorsichtig vorschlagen.

          Gruß
          Mare88

      (4) 27.09.18 - 09:12

      Hallo,

      unsere Tochter ist an einem ganz normalen staatlichen Gymnasium ohne kleine Klassen und ohne Inklusion.
      Trotzdem wird sich da intensiv darum gekümmert, dass kein Schüler ausgegrenzt wird. Es gibt Schülerstreitschlichter und wenn die nicht weiter kommen, kümmern sich speziell ausgebildete Lehrer. Mobber, die nachaltig nicht aufhören zu mobben, fliegen von der Schule.

      Ein Freund unserer Tochter hatte anfangs auch Probleme mit einigen Mitschülern. Aber mittlerweile klappt es mit ihm und der Klasse.

      Ich würde an Deiner Stelle mal beobachten, was weiter passiert und wenn das den Eindruck macht, dass es nicht funktioniert, würde ich mich im Bekanntenkreis umhören, wie das an anderen Schulen läuft.

      Privatschulen sind nicht automatisch besser als staatliche Schulen. Dieser Freund unserer Tochter war an einer privaten Grund- und Gesamtschule und wurde da die ganze Zeit über geärgert und verprügelt.

      LG

      Heike

    • (5) 27.09.18 - 12:24

      Hallo,

      Ich würde Nachmittags auf andere Aktivitäten setzen.
      Such ihm Vereine, Pfadfinder leiten bspw. tolle Gruppenangebote. Oder eine Sportart die nicht jeder macht.
      Dort kann er Sozialkontakte und Frustrationstoleranz üben, aber ohne das jemand aus der Schule ihn schlecht macht und er kann später mal interessante Dinge erzählen wenn er will.
      Ansonsten würde ich der Lehrerin eine Chance geben und erstmal abwarten solange nichts eskaliert.
      Falls doch dann klar eine Schule wählen und das Jugendamt informieren.
      Bei uns gehen die im Notfall auch in die Schule und beraten und wissen welche Schule Mobbern keine Chance bietet.
      Alles Gute

      • (6) 27.09.18 - 17:52

        "...und er kann später mal interessante Dinge erzählen, wenn er will."

        Da hast Du vollkommen recht. Andere scheinen leider tatsächlich nicht so wahnsinnig spannend zu finden, was er tut oder sagt.

        Bei den Pfadfindern ist er bereits, aber beim Bogenschiessen habe ich jetzt um eine Schnupperstunde für ihn gebeten. Er meinte, das könnte ihn interessieren.

        Danke für Deine Antwort!

    (7) 27.09.18 - 15:53

    Hallo!

    Ärgern und Ausgrenzen geht nicht!
    Das gehört zu den Regeln des Zusammenlebens - man muss sich nicht mögen oder lieben, oder gute Freunde sein, aber respektieren sollte drin sein. - Dauerte in der 5. Klasse auch ca. 1 Jahr bis 80% der Kinder das umgesetzt haben.
    Es gibt / gab auch immer Kinder, die recht kompromisslos waren / sind und nur nach "ihren eigenen Bedingungen" mitmachen. Es gibt immer so ein paar Kinder der Sorte und die lernen das dann auch irgendwann. Wichtig ist, dass in der Zeit diese Kinder nicht abgehängt werden. - Darauf hatte die KL einen Blick und ungebührliches Verhalten hat sich ganz schnell ganz drastisch geahndet.
    Wenn es also droht schief zu laufen, dann würde ich recht früh mit der Lehrerin sprechen. Sie wird auch ihre Beobachtungen machen und manchmal ist es auch ganz nützlich sich da auszutauschen, was das Kind besser machen kann - das kommt aber auch ganz auf die KL an .... Am besten ihr macht es an typischen aber konkreten Begebenheiten fest, dann kann sie was damit anfangen und Dein Sohn kann das nachvollziehen.

    Da man nicht unbedingt Freunde in der Klasse haben muss, suche Interessensfreundschaften: Vereine, AGs in der Schule, Pfadfinder, Kurse (Werkstatt, Kunst, Musik), Pfadfinder, Rotes Kreuz, Feuerwehr. Gerade bei den letzten beiden muss man nichts können und das Ganze ist nicht ausgelegt auf Konkurrenz oder Vorwissen sondern auf Teamarbeit. - Das sollte Deinem Sohn ohnehin helfen soziale Kompetenzen zu stärken.

    LG, I.

    • (8) 27.09.18 - 17:55

      Hallo,

      seine KL hat beim ersten Elternabend schon betont, dass sie sowas nicht duldet. Naja, mal sehen. Sie hat bereits bei der Schulleitung Bescheid gesagt und die Schulpsychologin eingeschaltet. Nun müssen wir schauen, wie es weiter läuft.

      Ich glaube, ich werde jetzt nochmal bei der Feuerwehr nachfragen, die suchen ja auch immer Nachwuchs. Und da ist Teamarbeit das Stichwort.

      Danke für Deine Antwort!

Hallo mare88,

ich kann nur ein paar Tipps am Rande beisteuern.

Das Kernthema ist, dass Dein Sohn mehr gesundes Selbstbewusstsein aufbauen muss und anders auftritt.

Wir hatten das Thema die Tage erst,
Bei uns ist es zwar kein Mobbing, aber ich hatte in einem Gespräch mit der Klassenlehrerin gesagt bekommen, dass meine Tochter (7) oft recht ängstlich und schüchtern wirkt, weil es in ihrer Klasse 1-2 Mädchen gibt, die sehr kess auftreten.

Meine Tochter spielt zwar mit denen auch, jedoch ändern die spontan und nach Lust und Laune auch mal die Regeln und dann wird u.a. meine Tochter aus dem Spiel geschmissen und darf nicht mehr mitmachen.
Besonders das eine Mädchen gibt dann freche Antworten, macht sie blöde an, äfft sie im Unterricht nach, usw.

Dieses Mädel ist äusserst kess und auf eine gewisse Weise clever.
Die Eltern lassen sie einfach machen, stehen sogar manchmal dabei, wenn sie frech ist.
Die Tage erst holte ich meine Tochter abends vom Sport ab.
Eine Freundin reichte ihr gerade mit "Hier, für Dich!" ein Gummibärchen aus der Tüte, als dieses Mädel vorbeiging, sich das Gummibärchen schnappte, es in den Mund steckte und grinsend weiterlief.

Das Problem war/ist, dass meine Tochter sich das im Moment zu sehr gefallen lässt.
Sie ist traurig und frustriert, wenn sie von dem Mädel ausgegegrenzt wird, aber springt am nächsten Tag wieder sofort, wenn sie mit ihr spielen soll.
Das blockiert sie z.B. auch beim Arbeiten in der Schule, sie hat "Angst", etwas zu sagen, weil sie befürchtet, dass das Mädchen sie leise nachäfft oder einen dummen Kommentar ablässt oder eine Grimasse zieht. Sie vergleicht sich auch sehr mit dem Mädchen (die "leider" beim Lernen recht fix ist und sich damit natürlich brüstet), was natürlich dann ein Teufelskreis ist.


Die Klassenlehrerin sagte mir bei dem Gespräch, dass das fehlende Selbstbewusstsein das Hauptproblem beim Ärgern, Tratzen und auch Mobben ist.

Warum ärgert das Mädel meine Tochter? - Weil sie es kann!
Warum schnappt sie das Gummibärchen weg? - Weil sie es kann!
Warum wickelt sie meine Tochter um den Finger? - Weil sie es kann!

Und später ist es genauso - warum mobben andere das eigene Kind?
Weil sie es KÖNNEN!

Am Beispiel meiner Tochter ist das Problem, dass sie diesem frechen Mädel nachläuft wie ein Hund. Dass sie nichts sagt, als ihr das Gummibärchen vor der Nase weggeschnappt wird, sondern eher unsicher lächelt.
Dass sie sich frech anmachen lässt, aber am nächsten Tag sich wieder einlullen lässt.

Und wir arbeiten gerade daran, dass meine Tochter sich mehr wehrt.
Dass sie sich nicht mehr jeden Mist gefallen lässt, sondern auch mal aufsteht
(Dabei muss man aber die richtige Balance finden, eben dass sie auch nicht gleich bei jedem Mucks in die Luft geht).

Dumme Sprüche ignorieren, blöd fragen "Hast Du was gesagt?" oder beim Nachäffen einfach mit "Gesundheit, Lara!" antworten.
Und bei der Szene mit dem Gummibärchen auch mal ruhig "Ey!!!" rufen.

Sie beginnt nun auch mit neuen Programmen am Nachmittag.
Sie verabredet sich auch mal mit Mädels aus der Klasse, mit denen sie sonst bislang weniger Kontakt hatte.
Dann startet eine "Spieltherapie", in der das Miteinander gefördert wird, Probleme angegangen und gelöst werden und den ruhigeren Kindern durchaus auch mal gezeigt wird, dass man sich nicht unterbuttern und alles gefallen lassen muss.
Zudem geht sie ab November tanzen (Hiphop).
Wichtig war uns, dass sie dabei mal "neue Gesichter" kennen lernt, weitere Freundschaften aufbaut und so erkennt, dass sie auf diese eine "freche Wanze" da nicht angewiesen ist.

Ich bin gespannt auf die Entwicklung.
Vielleicht wäre sowas auch eine Lösung für Euch - mal neue Vereine (nicht die Vereine, in die Hinz und Kunz aus seiner Klasse hingehen), sondern was Besonderes, wo er auch neue Leute kennenlernen kann.

LG

  • (10) 28.09.18 - 16:12

    Hallo,

    ja bei den Vereinen bin ich dran, dass er da mal schnuppert, ob was für ihn dabei ist.

    Dem Kind mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln ist auch nicht so einfach und vor allem eher eine langwierige Angelegenheit. Und zwischendrin immer wieder diese Übergriffigkeiten - furchtbar!

    Er braucht ein paar echte Freunde. Daran arbeiten wir nun. Damit er nicht immer alleine 'rumhängt'. Es werden auch gerne Kinder aufs Korn genommen, die in irgendeiner Weise anders oder sonderbar sind. In Eurem Fall ist sie ruhig und schüchtern. Bei uns ist das sein schnelles in die Luft gehen und teilweise seine Interessen oder eben auch, dass er viel alleine ist auf dem Pausenhof.

    Wir arbeiten - wie Ihr auch - an der Situationsverbesserung, mal besser, mal schlechter. Und werden sehen, wie es sich entwickelt und entsprechend reagieren.

    Danke für Deine Antwort!

    Mare88

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