Mittelschule Bayern, Erfahrungen

Vorneweg:
wir haben beide über die Hauptschule bzw. die Realschule unseren Weg gemacht, mit Abitur und Studium. Wir wissen also, dass das bayerische Schulsystem sehr druchlässig ist und alle Wege offen stehen. Und wir waren immer total entspannt.

Schon in der 2. Klasse stand fest, dass unsere Tochter nicht der Typ fürs Gymi ist. Also war das "Ziel" die Realschule, immer mit dem Wissen, eine Mittelschule wäre nicht schlimm.

Und jetzt ist sie in der 4. und hat in Deutsch bisher nur 3er und in Mathe eine 4-

Die Realschule ist also fern und sehr unwahrscheinlich, dass sie den 4er in Mathe noch rausbekommt.

Also müssen wir uns mit dem Gedanken "Mittelschule" anfreunden.

Aber plötzlich ist das gar nicht mehr so leicht!
Alle rümpfen die Nase, wenn sie davon sprechen. Befreundete Ärzte, Banker, Verischerungsleute,... beteuern alle, dass sie NIEMALS einen Lehrling von der Mittelschule nehmen würden. Seit 5 Jahren kam kein Kind von unserer Schule (sehr klein und einzügig) mehr auf die örtliche Mittelschule. Das Ansehen ist einfach so extrem schlecht!


Ich bin grad gefühlsmäßig total verunsichert. Ich will meine Tochter nicht zum Lernen zwingen, ihr sicher keine Nachhilfe in der Grundschule geben. Wenn sie es nicht auf die Realschule schafft mit einem normalen Pensum, dann soll es halt nicht sein. Aber die Blicke der anderen.... Ich hör das Dorf schon traschten… :-(

Wie hat denn eure Umgebung reagiert?
Haben eure Kids eine Lehrstelle gefunden danach?
War es wirklich so schlimm?

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Hallo,

meine Tochter ist mit 2 / 2 / 4 auf die Realschule und wir haben uns wirklich massiv Gedanken gemacht, ob wir sie nicht doch lieber an der Mittelschule anmelden.

Sie wollte dann aber doch die Realschule versuchen.

Beim Übertritt sind damals, glaub ich, ca. 4 Kinder auf die Mittelschule. Die hat bei uns auch keinen guten Ruf, aber ich weiß von einigen Kindern, dass sie sich dort sehr wohl fühlen. Kleine Klassen, tolle Lehrer.

Ich kann dir nur eines sagen: Es muss dir/euch egal sein was das Dorf/die Leute tratschen.

Ich kann deine Gedanken nachvollziehen, man kommt sich irgendwie komisch vor. Das finde ich schon schlimm. Sorry, aber früher war das anders und besser, finde ich.

Und sie haben ja wirklich jede Möglichkeit noch einen anderen Weg einzuschlagen.

Bei uns wurde schon komisch geschaut weil unser Kind auf die Realschule gewechselt hat und nicht aufs Gymnasium gehen konnte.

Eine Mutter (Kind am Gymnasium) hat mich angequatscht und gefragt ob meine Tochter denn mit XXX und XXX in die Klasse kommt. Als ich dies verneinte und sagte, dass sie auf die Realschule geht kam nur ein "Oh...." und dann war das Gespräch beendet. Sehr befremdlich!

Hauptsache deinem Kind geht es gut.

Viele Grüße

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Huhu,
wohne zwar nicht in Bayern, aber kenne es zu gut. Ich fange mir auch immer doofe Blicke ein, wenn ich sage ,dass unser kleiner Sohn die Realschule besucht.
Er hätte zwar auch zum Gym gehen können, aber das wäre sehr hart geworden, da er keine Ellenbogen hat, wie der Große.
Lieber von unten nach oben, als tief zu fallen.

Ich kann solchen Menschen mittlerweile sehr selbstbewusst gegenübertreten , da ich sehe wie sehr mein Sohn in den letzten Wochen aufgeblüht ist.

Obwohl mein Kind an einer sehr leistungsstarken und fördernden Schule war, gab es in seiner Stufe nur wenige Kinder die eine volle Empfehlung für das Gym bekommen haben.Lg

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Mach die Pferde nicht scheu.
Auf einer Mittelschule in Bayern besteht nocht die Möglichkeit nach der 5.Klasse mit einem Durchschnitt (aus E/D/M) mit 2,5 auf eine Realschule zu Wechseln, ansonsten ab der 7.Klasse , wenn die Noten passen, in der Mittelschule in eine M-Zug Klasse zu wechseln, wo sie in der 10.Klasse M-Zug auch ihren mittleren Abschluss absolvieren kann. Fällt er gut aus kann sie sogar danach die FOS besuchen, kann sein das sie zum 2.Halbjahr 10.Klasse eine Vorklasse an Samstagen , zwecks FOS-Aufnahme, besuchen muss. Gymnasiumwechsel in eine Einführungsklasse wäre auch noch möglich nach der Mittelschule , wird aber mit Mittelschullaufbahn, zwecks Lehrplan schon sehr arg schwierig.
Meine Nichte hat den M-Zug gemacht und wurde bei ca. 300 engere Bewerber bei 4 freie Ausbildungsplätze für Kauffrau für Büromanagment genommen.

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Hi,
kurze Korrektur: es zählen nach der 5. KLasse MIttelschule nur Deutsch und Mathe! 2,0 fürs Gymnasium und 2,5 für die Realschule ...

LG

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grundsätzlich: alle Wege sind offen. später weiter machen mit weiterführenden Schulen geht doch immer noch... der Knopf geht vielleicht einfach noch auf. oder ihr stellt fest, dass sie einfach eine Baustell hat, an der man intensiver arbeiten muss....

jetzt ist erstmal heute wichtig, und nicht der spätere Ausbildungsberuf:
Fakt ist: wer es schafft, in der Grundschule 3er und 4er im Zeugnis zu bekommen, der hat schon in irgendeiner Weise Übe- oder Nachhilfebedarf. Ihr solltet mal rausfinden, woran es denn liegt. - Konzentration oder eine Schwäche oder einfach nur "mehr üben" ...?

du schreibst, du willst sie nicht zum lernen zwingen. -- ja lernt Ihr denn überhaupt nicht? das geht nicht gut bei den heutigen Anforderungen an Grundschüler.

Dann solltest Du vielleicht Deine Einstellung diesbezüglich ändern. So hier und da haben wir IMMER mit unseren Kindern die Lernwörter diktiert oder Matheaufgaben geübt oder regelmässig das einmal-eins im Auto, weil es einfach sitzen muss....

und natürlich waren die Arbeiten in Mensch-Natur-Technik schon ab der 3ten Klasse reine Lernarbeiten bei uns (Abfragen von Fakten aus dem Heft = auswendiglernen+verstehen). das geht ohne lernen gar nicht, wenn man eben eine durchschnittliche oder bessere Note haben will ...

für Euch wird das jetzt entweder harte Arbeit oder es ist zu spät....
aber eins ist wichtig: lasst euch nicht von den Akademikern verunsichern... -- kuckt, dass im hier und heute die schullaufbahn gut vorangeht... das "später" soll jetzt nicht euer Thema sein...

und ja: eventuell solltest Du Deine Einstellung etwas verändern. "Zum lernen zwingen" Klingt jetzt so hart, -- aber mit Spaß und lustigen Aufgaben zusätzlich üben und mit Spaß lernen gehört eigentlich heute schon dazu .... -- es muss ja nicht zum Negativ-Faktor werden....

(Meine Kinder machen seit langem Türen-Rechnen um die Wette: SIe hängen sich in den Türrahmen und hangeln sich je richtige Rechnung immer einen schritt hoch - oder runter... /// oder sie dürfen je richtige Aufgabe eine Fliese weiter laufen bis zum Ende des Raums.... ---- oder statt Diktate schreiben (wenn das heute zum Frustfaktor werden würde), buchstabieren wir einfach hier und da die Wörter ohne sie zu schreiben... -- ist trotzdem geübt....

-- es gibt so viele Möglichkeiten, mit Spaß zu üben...-- vielleicht solltet ihr das wirklich anfangen....

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Es ist richtig was und wie du es sagst. Ohne tägliches Üben und Lernen wird der Erfolg ausbleiben. Wie sagt man in Bayern, von nix kommt nix.

Wir haben ganz gezielt bei unseren Kindern darauf geachtet, dass jeden Tag ab der 1. Klasse der Schulstoff aufgearbeitet wird. jeden Tag 30 Minuten. Und wir lernten für die Prüfungen gemeinsam in der Form, das wir unterstützen und abfragten. das Ergebnis waren Übertritte mit 1,33 und 1,66.

Warum war das so?

Nicht das sie übermäßig pfiffig sind, nein nur organisierter und fleißiger und damit kann man schon etwas ausgleichen.

Zum Thema 4. Klasse denke ich das es das zunächst war. In der 3.Klasse Bayern wird doch schon gesehen wohin die Reise geht. Die 22 Prüfungen in der 4.Klasse sind doch nur noch ein Abfragen des Stoffes und der Lernsystematik des Kindes auf Basis der 3.Klasse

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Lass doch deine fiktiven Kinder aus dem Spiel. Setz dich lieber ans fiktive Anschreiben. Herr der Ringe, super Idee! #rofl

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Erstmal kann ich dich beruhigen, ich arbeite seit Jahren mit Schülern zusammen und wirklich alle Mittelschüler, die nicht völlig unmotiviert sind, bekommen bei uns einen Ausbildungsplatz. Oft haben sie den schon richtig lange vor dem Quali sicher und es sind durchaus attraktive Berufe.
Und wie du schon weißt, ist unser Schulsystem sehr durchlässig, es gibt zig Möglichkeiten, die auch immer wieder genutzt werden, wenn auch natürlich nicht von allen.

Zum anderen kann ich dich aber auch verstehen. Meine Tochter stand in der 4. Klasse auch nicht besonders und es "drohte" die Hauptschule. Zwar ist es hier bei uns nicht weiter ungewöhnlich, dass es nur für die Hauptschule reicht, max 60% der Schüler schaffen bei uns den Übertritt zu Gym oder RS, aber ich habe unserer Tochter einfach nicht dort gesehen. Durch meine Arbeit weiß ich, was dort verlangt wird, und es hätte sie unterfordert. Also haben wir wirklich auf den Übertritt hingearbeitet (entgegen meiner eigentlichen Einstellung) und mit viel Mühe und ein paar Tricks hat sie den Schnitt geschafft, sehr zum Ärger ihrer GS-Lehrerin.
Heute ist sie in der 7. Klasse, gehört zu den besten und schreibt Noten, von denen sie in der GS nur träumen konnte. Und das ohne große Mühen.

Die Schulart muss einfach zum Kind passen. Lass dich nicht vom gerede der anderen beeinflussen, mach dir selbst ein Bild. In den nächsten Monaten gibt es doch überall Infoveranstaltungen. Und im Zweifelsfall hat deine Tochter nichts davon, wenn sie überfordert auf der falschen Schule landet.

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Hallo.

Meine Tochter geht auch auf eine Mittelschule (aktuell 5. Klasse). Na und??
Aus diversen Gründen gings halt nicht anders und ich/wir sind keinem Rechenschaft dafür schuldig. Das wäre ja noch schöner!
Und wer sagt denn, dass alle, die übertreten auch erfolgreich RS/Gym abschließen?!?
Bei uns kommen die Kinder im zweistelligen Bereich wieder an die Mittelschulen zurück, weils einfach nicht klappt auf RS/Gym.

Und überhaupt..... Wer will denn schon ne Ausbildung in Bank/Versicherung beginnen...#schein

Es gibt doch noch genügend andere Möglichkeiten, die man ergreifen kann.

Sollte deine Tochter evtl. mal nen Beruf in der sozialen Schiene anstreben, gäbe es die Möglichkeit über eine Berufsfachschule für Kinderpflege. Im Anschluss daran kann man auch Erzieherin werden usw.

Oder denn, sie wechselt ab der 7./8./9. Klasse Mittelschule auf eine Wirtschaftsschule. Diese sind bei uns hier sehr begehrt. Die Kinder, die dort abschließen, können kaufmännische Berufe mit Ausbildungsverkürzung auf 2 Jahre erlernen. Ist doch super. Sie landen letztendlich auf dem selben Level wie die Realschüler.

Lass dich nicht irre machen!

Alles Gute!#winke

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... Und überhaupt..... Wer will denn schon ne Ausbildung in Bank/Versicherung beginnen...#schein ...

Meine Rede! Hatte erst gestern ein Gespräch mit so einen Quatsckopp ähhh Bähnkah von der Hypo. Alle paar Wochen bauen sie sicher dort zu Recht Stellen ab und schließen Filialen, weil diese Typen keiner mehr brauch. Sie wollten mir mal wieder etwas andrehen.

Jeder Handwerker verdient doch mehr als diese Typen im Banken-Call-Center und sich dann noch Berater schimpfen. Ich will mich doch nicht von solchen Losern beraten lassen, die es noch nicht mal selbst beraten können und es niemals aus dem Call Center schaffen werden - lächerlich!

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Eben! Und für sowas hätten die am liebsten Abiturienten als Azubis.#rofl

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Lass die anderen doch tratschen! Leben die anderen dein Leben oder lebst du dein eigenes Leben? Die anderen sind nicht für dein Kind verantwortlich, du bist es. Wenn du dich so verunsichern lässt, merkt es deine Tochter und du überträgst deine Unsicherheit auf sie.

So, "Ansehen" ist das eine, die Kenntnisse deiner Tochter eine andere. Bei 4- in Mathe würde ich mir wegen Nachhilfe schon Gedanken machen. Es geht nicht um die höhere Schulform, sondern dass sie das Fach Mathe versteht.

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Bei einer 4 in Rechnen ist dies eine prima Mittelschulempfehlung. Alles andere ist Utopie. Mäckes brauch auch immer Leute und ich schätze es durchaus, wenn ich dort gut und schnell bedient werde

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Hallo,

zum einen steht eure Tochter an erster Stelle und nicht der Tratsch im Dorf. Der sollte euch egal sein. Euer Kind steht im Mittelpunkt, um dessen Zukunft geht es und nichts anderes. Das ist Punk 1. Punkt 2 ist, dass mit der Auswahl der weiterführenden Schule noch gar nicht feststeht, welchen Weg sie einmal gehen wird. Mein ältester Sohn ist jetzt in der 10. Klasse eines Gymnasiums. Er ging in der 5. auf die Realschule, weil ihn die Grundschule für nicht gymnasialtauglich hielt und seine Noten auch nicht dafür sprachen. Er biss sich durch und schaffte es aufs Gymnasium. Die meisten dachten, dass er scheitert, ist er aber nicht. In der Klasse meines Sohnes sind von anfänglich 29 Schülern nur noch 18. 4 davon haben die Schule letztes Schuljahr mit dem Hauptschulabschluss beendet. Die sind von Gym zur Hauptschule durchgerauscht. Ein Schulkamerad von mir war auf der Hauptschule, ging danach auf Real und nach der Realschule aufs Gym. Er machte den besten Abschluss des Jahrgangs mit 1,0 Abitur, studierte erfolgreich Medizin und ist nun Chirurg. Das hätte nach Ende der Grundschule keiner von ihm erwartet. Andere wiederum machten Abi, schafften kein Studium und haben nun irgendwelche Helferberufe weil sie auch nach misslungenem Studium nie eine Ausbildung gemacht haben. Was ich damit sagen will, deiner Tochter stehen alle Wege offen. Fangt klein an, ihren Leistungen entsprechend. Die Tochter meiner Freundin schloss die Grundschule mit einer 5 in Mathe und 4en in den restlichen Fächern ab. Meine Freundin dachte das Gleiche wie du. "Oh Gott, sie bekommt nie eine Lehrstelle." Sie ging auch den Weg über die Hauptschule, hatte dort Erfolgserlebnisse, die sie motiviert haben. Nun ist sie 10. Klasse Realschule, steht sogar in Mathe auf 2 und hat eine Lehrstelle sicher. Setzt eure Tochter nicht unter Druck. Die Auswahl der weiterführenden Schule sagt noch rein gar nichts aus. Bestärkt sie und baut sie auf. Und das funktioniert nur, in dem ihr euch bewusst macht, dass die Mittelschule nichts schlimmes ist.

LG
Michaela

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Hallo

meine große Tochter hat vor 4 Jahren den Abschluß an unserer Mittelschule gemacht und ich halte in der Tat große Stücke auf diese Schule und ihre Lehrer. Jetzt ist sie im 4. Jahr ihrer Erzieherausbildung und schreibt da auch dann das Fachabi mit.

Unsere jüngste ist jetzt auch in dieser Schule seit dem aktuellen Schuljahr und ja ich durfte mir von vielen Menschen anhören wie schade es doch ist das sie dahin gehen muss. Ich bin eigentlich ganz froh. Sie ist in einer kleinen Klasse (19 Schüler) einer davon Autist mit Schulbegleitung und einer wirklich tollen Lehrerin.

Ich finden es gelinde gesagt zum kotzen das Kinder abgewertet werden nur weil sie nicht in die "richtige" Schule gehen.

Ich frage mich immer wer den mal so die normalen Jobs macht? Oder braucht man dann für den Bäcker auch ein Abitur? Als ob nur studierte Menschen glücklich sind.

Jeder nach seinen Möglichkeiten und bitte nicht einem Kind das Gefühl geben es wäre minderwertig weil es eben nicht zur Realschule oder aufs Gymnasium geht.
Was vermitteln wir denn bitte unseren Kindern?

LG
Corinna

P.S. Meine Schwester war auch in der Mittelschule und studiert im letzten Semester Soziale Arbeit.

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Hallo,
sorry das das jetzt vll nicht hilfreich ist. Aber was ist denn so schlimm an einer Mittelschule?
In der Region aus der ich komme gibt es entweder die Mittelschule oder das Gymnasium. Mehr steht gar nicht zur Auswahl. Und es hat nie jemand etwas abwertendes gesagt. Aus uns ist allen etwas geworden.