Ängstliches, anhängliches Kind - hilft Montessori-Schule?

    • (1) 12.12.18 - 10:08

      Hallo liebe Mamis!
      Ich wende mich an diejenigen von euch, die Einblick in Montessori-Schulen haben. Wir spielen mit dem Gedanken, unsere Tochter, die bald wird und im Herbst dann in die Schule kommt, in einer privaten Montessori-Schule einzuschulen. Sie ist extrem ängstlich und anhänglich, kognitiv aber total fit. Eine Rückstellung aus emotional-sozialen Gründen kommt für uns nicht in Frage, weil sie im Kindergarten leidet und sich ihre Ängste und ihr vermeidendes Verhalten dort von Tag zu Tag verfestigen. Sie blockiert inzwischen Entwicklungen total, aus verschiedensten diffusen Ängsten heraus. Es geht nicht nur darum, dass sie nicht alleine zu Kindergeburtstagen oder Sportkursen geht, sondern sie bleibt nicht mal 2 Minuten allein in ihrem Zimmer, betritt keine Rutsche, weigert sich im Kindergarten, Aufgaben für Vorschulkinder zu übernehmen - aus Angst, zu scheitern, ausgelacht zu werden, es nicht zu schaffen, was auch immer. Sie ist auch anhänglich, schläft nicht alleine ein und nicht durch, weint jeden Morgen im Kindergarten, fühlt sich nirgends wohl außer zu Hause mit mir, fährt nicht gerne in den Urlaub, hasst alles Ungewohnte, fühlt sich immer verloren. Da wir schon eine größere Tochter haben, die völlig anders ist, dachten wir, sie ist halt so, warten wir mal ab. Aber nun haben uns auch die Erzieherinnen angesprochen, die den Schuleintritt bei ihr in Frage stellen. Wir denken eher, sie bräuchte ein sensibleres Umfeld, das ihr die Ängste nimmt, anstatt wie jetzt im Kindergarten, wo sie einfach immer übersehen wird, weil sie sich zurückzieht, und niemals auffällt. Das tut ihr bestimmt nicht noch ein weiteres Jahr lang gut. Da ich von meiner Größeren weiß, was in sozial-emotionaler Hinsicht in der Grundschule dann alles ansteht, wird mir nun Angst und Bange. Und wir überlegen, unsere Kleine auf eine Montessori-Schule zu geben; in der Hoffnung, dass dort mehr auf sie geachtet und eingegangen wird. Oder ist es grade falsch, weil ihr vermeidendes Verhalten dann weiter gefördert wird, da sie das, was sie nicht kann und sich nicht zutraut, auch nicht machen muss, jedenfalls nicht so viel? Geht sie in altersgemischten Klassen evtl. unter weil sie so "unsichtbar" (und auch körperlich klein) und still ist? Sie braucht immer Bezugspersonen, ohne Erwachsene, bei denen sie sich sicher fühlt, geht bei ihr gar nichts; da die Lehrerinnen in der Montessori-Schule ggf. anders geschult sind, dachte ich, könnte ihr das dort vielleicht alles leichter fallen. Aber ist das wirklich so oder in der Realität vielleicht doch eher kontraproduktiv für solche Kinder? Und falls ihr auch solche Kinder habt: habt ihr über eine Psychotherapie nachgedacht oder hat jemand Erfahrung mit einer Verhaltenstherapie für solche Kinder...? DANKE für eure Ratschläge! Insa

      • (2) 12.12.18 - 10:25

        Der Unterricht mag in einer MS anders sein, - aber alle sozialen Dinge werden gleich sein (Verhalten, Zeit auf dem SChulhof, KLassengemeinschaft) und deshalb solltet ihr das als getrennte Dinge betrachten.

        aufgrund einer aktuellen Angstphase(störung?) würde ich nicht die Schulwahl beeinflussen lassen. -- sondern: ihr habt jetzt ein dreiviertel Jahr Zeit, auch mit Hilfe von Pschologen, Kinderarzt usw... an den Ängesten zu arbeiten.

        Zur Schule sollte sie da gehen, wo es am Besten für sie passt. (Umfeld, Nähe zum Wohnort, Freundinnen, Ganztagesangebot oder was auch immer ihr als Schulwahlkriterium wichtig findet).

        Täusch dich nicht.... in einem halben Jahr passiert sowieso schon bei jedem Kind vor der Einschulung eine Menge an Entwicklung. .... und wenn ihr jetzt positiv bestärkt (eventuell mit Hilfe), dann packt sie das auch... sofern sie eben auf einer Schule ist, die für sie passt... --- schaut sie euch an ... und entscheidet hier aufgrund des Schuleindruckes, den SIE hat ... und nicht, was ihr vielleicht denkt...

        langfristig wäre eine Schule um die ecke immer die bessere Wahl (wenn keine anderen driftigen Argumente stärker wiegen)

        Ich denke, ihr solltet mal nach einer psychotherapie gucken.
        Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, sich immer an die ängste des kindes anzupassen. Sie benötigt die kompetenz, sich anzupassen.
        Für die erziehung mancher kinder braucht man manchmal mehr als den gesunden menschenverstand. Die psychotherapie wird nicht nur dein kind sondern auch dich verändern.

        Ich würde definitiv mal eine Therapie angehen! Es schadet ihr zum einen nur, wenn ihr Umfeld sich an ihre Ängste anpassen muss und sie nie lernt, sie selbst zu überwinden. Des weiteren glaube ich nicht das ihr eine montessorischule hilft. Du sagst, sie kann nicht mal zwei Minuten alleine sein - die Pädagogik bei montessori sieht vor, das die Kinder sich eigenständig ein Material nehmen oder Aufgaben und sie selbstständig erledigen! Das wäre für deine Tochter dann ja praktisch nicht möglich.
        Geht zum Arzt, lässt euch jemanden für die Therapie empfehlen und startet so schnell wie möglich, damit sie fit für die Schule wird. Parallel vllt noch ein Hobby für sie suchen, damit sie mehr Selbstvertrauen entwickelt. Ideal wäre etwas mit Tieren; Tiere wirken sich sehr positiv auf Kinder aus, nicht umsonst gibt es so viele therapietiere. :)

      • Hallo!

        Ohne es jetzt böse zu meinen aber kann es sein, dass dein Kind eventuell eine sozial-emotionale Störung hat?
        Ich würde das an deiner Stelle dringend abklären lassen.

        Du schreibst ihr seid gegen eine Rückstellung aus diesem Grund. Eventuell benötigt eurer Kind eine Förderschule mit dem Hintergrund sozial-emotional (also Erziehungshilfe). Ich weiß klingt gleich wieder gruselig aber damit kann man Kindern helfen. Auch eine integrative Beschulung wäre denkbar.

        Wende dich an deinen Kinderarzt mit deinen Sorgen bzw. an spezielle Fachärzte, in jeder Großstadt gibt es solche Zentren.
        Jedes Kind ist nunmal anders.

        Alles Gute

        (6) 12.12.18 - 13:57

        Hallo,

        auch in einer Montessori-Schule wird es nicht nur nette Kinder geben, und auch da können die Lehrer nicht die ganze Zeit auf Deine Tochter aufpassen.
        Aufgaben, an denen man scheitern kann, gibt es da ebenfalls. Die gibt es überall.

        Habt Ihr denn mal probiert, Eure Tochter aus der Reserve zu locken, oder seid Ihr bisher immer nur auf sie eingegangen?

        Da ich selbst als Kind sehr unsicher war, und meine Mutter mir immer alles abgenommen hat, was total kontraproduktiv war, haben wir das bei unseren Kindern genau andersherum gemacht.
        Sie mussten quasi schon immer selbst in Geschäften bestellen, dort selbst fragen, wenn sie etwas wissen wollten, mit den Erzieherinnen oder Lehrern über Dinge sprechen, die sie in dem Alter selbst klären konnten usw.
        Wenn sie das nicht wollten, war das Thema leider erledigt, weil wir es ihnen nicht abgenommen haben.
        Je öfter Kinder solche Aufgaben schaffen, um so mehr Selbstbewusstsein gibt ihnen das.

        Aber bei Deiner Tochter klingt es danach, als ob sich das Problem schon so sehr verfestigt hat, dass man es als Eltern nicht mehr alleine in den Griff bekommt.
        Daher würde ich an Eurer Stelle schleunigst nach einer Therapie für sie Ausschau halten, damit das Thema bis zur Einschulung zumindest schon einmal angegangen worden ist.

        LG

        Heike

      • Hallo,

        im Prinzip ist Montessori gar nicht so schlecht für Kinder, die sensibel sind und nicht auf Knopfdruck Leistung präsentieren können. Die Kinder werden angenommen wie sie sind, das Ankommen im Schulalltag geht auch mal langsamer vonstatten.
        Allerdings sind die Kinder auch gefordert, sich Hilfe zur Selbsthilfe zu beschaffen und die Lehrer sind auch nicht dafür da, das Kind stets sanft zu ermutigen und ihm Schulstoff schmackhaft zu machen.
        Wenn es und auch ihr das Konzept von Montessori überhaupt nicht kennt, kann es gut möglich sein, dass es heillos überfordert ist.
        Aus deinem Beitrag kann man aber schwer Rückschlüsse ziehen, ob dein Kind schon immer all die Päckchen hatte oder ob es aus irgendeinem Vorfall resultiert, wo das Kind all sein Selbstvertrauen verloren hat.

        In jedem Fall würde ich dieses Kind nicht zur Schule schicken bevor es nicht genug Selbstvertrauen hat und emotional soweit gefestigt ist, dass es den Alltag, gleich an welcher Schule gut überstehen kann.

        Ich finde es ebenso bedenklich, dass du anscheinend auch die Augen verschließst und hoffst, mit der richtigen Schule löst sich alles in Wohlgefallen auf. Da würde ich, wie schon geraten, Experten hinzu ziehen und nicht länger die Hände in den Schoß legen.

        VG, midnatsol

        Hallo,
        ich kann Dich gut verstehen. Meine Tochter ist genauso, ich erwäge sie auf die Waldorf Schule zu schicken. Auch keine Turnen Reiten oder Schwimmen ohne Mama. Sie hat große Angst vor allem. Es ist sehr schwierig und auch sehr anstrengend. Menschen, die das nicht erleben wissen nicht wie schwierig das sein kann. Unser Leben hat sich seit der Geburt unserer Tocher sehr verändert, und wir haben schon zwei Söhne, die ganz "normal" sind. Unsere Tochter war von Geburt an wirklich ganz anders, da hatte unsere Erziehung keinen Einfluss. Ich kann Dir nur raten, folge Deinen Instinkt! Du weißt was gut für sie ist. Zwinge sie nicht zu irgendwas, das wird sicher nicht helfen.
        Ich versuche auch immer wieder mir das zu sagen, obwohl man auch echt an seine Grenzen kommt. Lass Dir bitte nicht einreden, es wäre anerzogen!
        Ich habe ein Buch über hochsensible Kinder gelesen. Das hat mir sehr geholfen! Wir können uns gerne austauschen!

        Liebe Grüße

        (9) 16.12.18 - 08:57

        Hast du dir mal professionelle Hilfe gesucht?

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