Vorzeitige Einschulung - welche Erfahrungen habt ihr?

    • (1) 01.01.19 - 21:13

      Hallo,

      unsere Tochter wird im Februar 5, und ist im Vergleich zu Gleichaltrigen im KiGa irgendwie "weiter". Sie spricht sehr gewandt, kann schon lesen und hat fast nur Freunde unter den Vorschulkindern, da sie mit den jüngeren nicht so viel anfangen kann.
      Auch ihre Interessen sind irgendwie nicht typisch für eine vierjährige.
      Nun hat die Erzieherin im KiGa mal das Thema vorzeitige Einschulung angesprochen.
      Wir werden sie deshalb jetzt mal bei der Schulpsychologin vorstellen, um die weitere Vorgehensweise abzustecken.

      Hat jemand von Euch auch ein Kind vorzeitig eingeschult, und wie sind Eure Erfahrungen? Würdet ihr es wieder so machen??

      Ich freue mich auf Eure Antworten!

      • Zwei meiner Schwestern wurden frühzeitig eingeschult, allerdings wurden die schon im September/Oktober 6 -> bei beiden die goldrichtige Entscheidung, beide haben ein 1er-Abi.
        Mein Bruder hatte einen Jungen in seinem Jahrgang, der erst im Dezember 6 wurde - auch der hat Abitur gemacht.
        Bei meiner Schwester im Jahrgang war eine, die erst im Januar 6 wurde - immer gute Noten, Abitur bestanden.
        -> Bei den allen war es die richtige Entscheidung. Sie hatten keine Probleme, mitzukommen, oder dass sie den Mitschülern "zu klein" waren.

        Mein Vater wollte früher eingeschult wurden (Geburtstag im November), durfte damals allerdings nicht und er meinte rückblickend, es wäre besser gewesen, wenn seine Eltern ihm das erlaubt hätten.

        Mein Cousin (Maikind) wurde mit gerade 5 eingeschult, ohne in den Kindergarten gegangen zu sein - zahlreiche Schulwechsel (bei seinen Geschwistern allerdings auch), 2x sitzengeblieben, immerhin noch ein Abi mit 3,0.
        -> Da war es keine gute Idee

        Ich würde mit einer Schulpsychologin sprechen - man muss ja eh immer diesen Test machen.
        Wenn eure Tochter dem Lernen und Stillsitzen gewachsen ist und das auch selber ihr Wunsch ist, dann würde ich es wohl wagen, wenn Erzieher, Psychologe, etc. grünes Licht geben - obwohl Februar natürlich arg jung ist ...

            • Leider nützt einem ein 1er Abi nicht, wenn man zb emotional überfordert war in der Schule und dadurch "Schaden" erlitten hat. Man weis nicht, wie gut seine Resilienz sich entwicheln konnte, wie das Selbstbewusstsein tatsächlich ist usw.. Für gibt es vieeel wichtigers als die Note. Ich möchte einen "stabile" Erwachsene aus meinen Kindern bekommen.Daher bin ich für ein höheres Schuleintrittsalter.

              • Das ist mir durchaus klar.
                Allerdings habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass beides zu einem gewissen Grad Hand in Hand geht.

                Und bei den oben genannten ist es tatsächlich so, dass die einzige Person, bei der die Reife und das Selbstbewusstsein nicht in etwa dem der Mitschüler entspricht, mein Cousin ist.
                Der also schlechtere Noten hat, mehrfach wiederholt hat und dem ich ein Jahr Kindheit mehr gegönnt hätte. Er war tatsächlich überfordert und ist bis heute weniger reif als mein gleichaltriger Bruder.

                Mir ist aber klar, dass man das nicht alles über einen Kamm scheren kann, das wollte ich auch nicht.

      Hallo!
      Auch wir haben unsere Tochter vorzeitig einschulen lassen. Sie ist damals im September mit 5 in die Schule gekommen und dann im Jänner 6 geworden (also ähnlich wie bei euch).
      Die Beschreibung, die du von deiner Tochter gemacht hast, hätte damals auch perfekt auf unser Mädel gepasst.
      Die Volksschule hat sie mit links gemeistert. Inzwischen ist sie 12 Jahre alt und geht in die 4 Klasse eines Gymnasiums ( also 8. bei euch, wir sind aus Österreich). Bis heute gehört sie zu den Überfliegern ( letzte Zeugnis eine 2 sonst nur 1er), geht super gerne in die Schule und hat auch noch Zeit für 4x pro Woche Sport. Sie liest sehr viel, geht noch zusätzliche Physikkurse, weil das ihre Leidenschaft ist. Aber am wichtigsten ist mir: sie hat tolle Freunde, ist gut integriert und ein rundum ausgeglichenes und zufriedenes Kind/Jugendliche.
      Die Pubertät erkennen wir nur an endloser „Klugschwätzerei“ und übertriebenem Augenrollen.
      Wir würden es jederzeit wieder so machen.

      LG Verena

      P.S.: Obwohl wir uns sehr sicher waren in unserer Entscheidung, hat der Direktor der Volksschule auch bei uns auf ein schulpsychologisches Gutachten bestanden. Danach war auch er überzeugt. 😁

      (8) 01.01.19 - 22:38

      Hallo,

      da Deine Tochter noch nicht einmal ein Kann-Kind ist (jedenfalls in NRW), wäre mir das zu gewagt.
      Zur Schulreife gehört nicht nur, dass die Kinder kognitiv weit sind.
      Wenn es nur das wäre, könnte man eine Menge Kinder früher einschulen.

      Wir haben zwei sehr fitte Kinder.
      Die Große (6. Klasse Gymnasium, im Mai geboren) fiel im Kindergarten ebenfalls durch die Dinge auf, die Du beschreibst. Lesen und Schreiben konnte sie übrigens nicht, weil sie meinte, das würde sie sich für die Schule aufheben. ;-)
      In der Schule war und ist sie sehr, sehr gut, ohne viel dafür tun zu müssen.

      Aber ich muss sagen, dass sie im letzten Jahr vor der Einschulung einen Schub bezüglich Reife durchgemacht hat, der uns als Eltern damals erstaunt hat. Wir hatten bis dahin auch gedacht, sie hätte theoretisch ein Jahr früher gehen können, aber dieser Schub war das, was ihr dann zur Schulreife noch gefehlt hatte.

      Bei Deiner Tochter wäre auch die Frage, wie es mit Fertigkeiten jenseits der reinen Wissensfertigkeiten aussieht.
      Da wäre z.B. Frustrationstoleranz, wenn sie etwas falsch macht oder nicht versteht. Was ist, wenn sie Dinge tun muss, zu denen sie keine Lust hat? Wie organisiert ist sie? Wie lange kann sie sich konzentrieren? Lässt sie sich leicht ablenken? Kann sie lange Zeit am Tisch sitzen bleiben? Kann sie sich wehren, wenn andere Kinder sie ärgern? In der Grundschule sind die Kinder nicht mehr so gut beaufsichtigt, wie im Kindergarten und alleine dadurch, dass Deine Tochter sehr jung ist und vermutlich auch so aussieht, werden einige Rabauken sie als Opfer betrachten.

      Du musst auch bedenken, dass Deine Tochter mit Abstand die Jüngste in der Klasse wäre.
      Unser Sohn ist von der 2. in die 3. Klasse gesprungen. Er war ursprünglich ein spät eingeschultes Dezember-Kann-Kind. Jetzt ist er der Jüngste in der Klasse und das merkt man. Das finde ich z.B. nicht toll.
      Unser Sohn kommt dieses Jahr schon mit 9 auf's Gymnasium, muss dahin mit dem Bus fahren und sehen, wie er in einer Schule mit knapp 1000 Schülern klar kommt. Unser Sohn hat zumindest seine große Schwester, die ihm da helfen kann.
      Wenn Eure Tochter keine großen Geschwister hat, muss sie das alleine meistern. Auch diese Tatsache muss man bedenken, wenn man ein Kind sehr früh einschult.
      Aber leider hatten wir bei unserem Sohn keine andere Wahl, weil seine alte Lehrerin nicht bereit war, ihm Stoff zu geben, der ihn ausgelastet hätte und ihn diese Situation massiv belastete. Da war der Sprung das kleinere Übel.

      Man muss aber sagen, dass es durchaus Lehrer in den Grundschulen gibt, die in der Lage sind, flotte Kinder auszulasten. Unser Sohn hatte da einfach Pech.
      Wenn wir ihn ein Jahr früher eingeschult hätten, hätte es Probleme wegen seiner damals mangelhaften Frustrationstoleranz und seiner Träumerei gegeben, die damals auch noch schlimmer war. Das wäre ebenfalls keine gute Idee gewesen.

      Falls Ihr eine Grundschule in der Nähe habt, wo jahrgangsübergreifend unterrichtet wird, würde ich die nehmen und Eure Tochter regulär einschulen.
      Da langweilt sie sich nicht, weil sie in ihrem Tempo arbeiten kann, hat aber Zeit, um im Kindergarten wirklich schulreif zu werden.
      Falls sie da auf Dauer ein Schuljahr einspart, geht sie trotzdem ein Jahr früher zur weiterführenden Schule, aber dann war es eben nicht anders machbar.

      Unsere Kinder haben sich übrigens beide im Kindergarten nicht mehr gelangweilt, als alle anderen Vorschulkinder am Ende auch. Bis dahin war der Kindergarten in der Lage, ihnen genug Anregung zu bieten.

      LG

      Heike

      • Irgendwie habe ich den Abschnitt in meinem anderen Text gelöscht, weshalb ich der TE an der Stelle nochmal ans Herz legen möchte, deinen Text genau zu lesen und wirklich alle Fragen im Mittelteil genau zu durchdenken!
        Einfach toll und durchdacht deine Worte! 😊

    Ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung als Lehrerin berichten, dass vorzeitig eingeschulte Kinder es zwar durchaus meistern können, ich aber schlichtweg keinen Sinn darin sehe, ein Kind vorzeitig einzuschulen. Das Kind selbst hat rein gar nichts davon. Häufig sind die Kinder sozial- emotional noch gar nicht bereit für Unterricht bzw. den Schulalltag... Selbst wenn es gut geht - welchen Vorteil hat das Kind davon? Ich kann nur immer wieder empfehlen, dem Kind im letzten Kiga-Jahr lieber noch etwas anderes zu ermöglichen, um es "auszulasten", da ja Langeweile ein häufig genanntes Argument ist: Anfangen ein Instrument zu spielen, einen Sport intensiv ausüben o.ä. - was dann auch mit Schule weitergeführt wird.
    Wie gesagt, es kann sicher gut gehen aber viel häufiger sehe ich, dass "alt" eingeschulte Kinder es einfacher haben (nur bezogen auf die Gruppe, bei denen es fraglich war)...

    • Hallo,

      Das ist aber ein SEHR pauschales Urteil. Unsere Tochter ist als Kann-Kind früher zur Schule gekommen (wenn auch als September-Kind als kein besonders junges) . Das war allerdings nicht unser primärer Wunsch. Wir haben nach einer einfachen Maßgabe entschieden: schadet das Jahr im Kindergarten? Da wir das mit "ja" beantworten mussten, ist sie früher gegangen. Was uns zu dem Entschluss hat kommen lassen? Sie war schon früh recht reflektiert - sie war bspw. feinmotorisch sehr geschickt und konnte toll malen. Kurz vor ihrem 4. Geburtstag kam sie nach Hause und verkündete: "Ich male jetzt im Kindergarten nur noch Krickelkrakel, weil alle anderen das auch machen." Das hat sie dann auch durchgezogen. Außerdem wurde sie irgendwie unsozialer, weil sie immer mit irgendwelchen Extraaufgaben in Schach gehalten werden musste. Im letzten Jahr war es wirklich für alle offensichtlich: noch ein Jahr länger im Kindergarten bringt ihr rein gar nichts außer Frust.

      Inzwischen ist sie in der 6. Klasse, hat weder sozial noch schulisch Probleme, war im Gegenteil stets bei den Klassenbesten und auch immer mal wieder Klassensprecherin. Hätten wir sie nicht früher geschickt, hätten wir mit ziemlicher Sicherheit irgendwann darüber nachdenken müssen, sie eine Klasse überspringen zu lassen - das wäre aus sozialen Gründen aber die letzte Alternative gewesen.

      Ich denke also, dass es für sie die richtige Entscheidung war und habe sie noch nie bereut und auch meine Tochter ist sehr Happy mit der Entscheidung.

      LG Soley

      • Natürlich habe ich etwas pauschalisiert aber es sollte doch auch an mehreren Stellen in meinem Text deutlich werden, dass es immer auch Ausnahmen gibt. Ich habe ja geschrieben, dass es gut gehen KANN und es meine persönlichen Beobachtungen sind.
        Und ich habe in 10 Jahren nunmal eher Kinder gesehen, bei denen ein weiteres Kiga-Jahr nicht geschadet hätte.

    Ich sehe das ähnlich... ich würde meine Tochter meinen Sohn lieber noch ein Jahr spielen lassen und für die Freizeit eine anspruchsvolle Gestaltung wählen! Mein Sohn war ein Kann Kind er blieb im Kiga und es war die richtige Entscheidung so unbeschwert ist ein Kind nie wieder wie im Kiga. Der Ernst der Leben beginnt so früh und mit dem richtigen Angebot gibt es keine Langeweile. Und damit sich ein Kind im Kiga nicht langweilt sind die Erzieher zuständig, sie müssen sich Gedanken machen wie man die großen fördern und fordern kann! Ich bin Erzieherin daher ....! Aber die Entscheidung beleibt bei den Eltern was sie für Vorstellungen und Wünsche haben. Jedes Elternpaar wird im Interesse seines Kindes handeln. Und das best mögliche tun!

    Das kann ich nur bestätigen! Meine Tochter wurde im August 7 Jahre alt und fühlt sich sehr wohl in der Schule. Ich denke, sie ist ein gut integriertes, beliebtes Kind.
    Schulisch komm sie locker mit- so neben bei. Sie kann sich selbst organisieren, macht alles selbststädnig. ich muss bisher sogut wie nichts kontrollieren bzw sie zu irgendetwas auffordern.

Hallo,

unsere drei Kinder wurden vorzeitig eingeschult, jeweils als so genannte "Kann-Kinder" (NRW). Zwei haben im Oktober (also kurz nach dem Stichtag 30.09.) Geburtstag, eines Anfang Dezember.

Die "Großen" besuchen inzwischen Klasse 7 und 5 eines Gymnasiums, das läuft gut und weitgehend selbständig. Unser jüngstes Kind wurde Ende August 2018 eingeschult, auch da läuft alles "rund" und der Start ist super.

Wichtige Kriterien für uns waren u.a. die Rückmeldungen aus dem Kindergarten sowie die soziale/emotionale Entwicklung unserer Kinder. Allem voran deren EIGENER Wunsch, zu diesem Zeitpunkt und gemeinsam mit guten Freunden eingeschult zu werden. Wir wohnen eher ländlich in unmittelbarer Nähe zur Großstadt. Das bedeutet, die Kids kommen gemeinsam in den Kindergarten und wechseln aus der gleichen Gruppe meist auch in die gleiche Klasse (jahrgangs-übergreifende Konzeption). Zumindest jedoch gemeinsam mit zwei "besten Freunden".

Bezüglich des Wechsels zur weiter führenden Schule ist es leider so, dass unsere beiden älteren Kinder ohne ihre Freunde dorthin gehen. Das war für wenige Tage "ein Sprung ins kalte Wasser", sie sind aber in jeder Hinsicht schnell und gut "angekommen" und es haben sich (bereits) neue, weitere Freundschaften entwickelt. Seit Jahren bestehende werden ebenfalls weiterhin aufrecht erhalten, obwohl die Kindergarten- und Grundschul-Freunde diverse andere Schulen besuchen.

Der Altersunterschied ist übrigens längst nicht so groß/signifikant, wie bei vorzeitig eingeschulten Kindern oft angenommen wird. Bei unserem jüngsten Kind ist es so, dass die Freunde alle zwischen Mai und September Geburtstag haben, also maximal ein knappes halbes Jahr älter sind. Bei unseren beiden älteren Kindern sind ebenfalls Kinder in den Klassen, die bis kurz vor dem Stichtag (z.B. August) bzw. auch erst danach Geburtstag haben. Bezüglich der sozialen/emotionalen Entwicklung gibt es in jeder Klasse/jedem Jahrgang teils erhebliche Unterschiede. Diese lassen sich jedoch nicht am Alter "fest machen", sondern begründen sich vielmehr mit Sozialisation, Charaktereigenschaften und individuellem Entwicklungsstand. Sprich', "je älter, desto vernünftiger/ruhiger/entspannter/whatever ... funktioniert so pauschal nicht.

Oft bekommen Eltern, die ihre Kinder vorzeitig einschulen lassen, ja den unsinnigen Spruch zu hören, dass "die Kindheit dieses armen Kindes ja dann wohl vorbei sei", es keine Zeit mehr zum Spielen habe, etc. #augen. Völliger Blödsinn #sorry#schein, selbst in der 7. Klasse gibt es an der Schule unserer älteren Kinder nur ein Mal pro Woche Nachmittags-Unterricht, beim zweiten Kind dank G9 selbst dann noch nicht. Unser jüngstes Kind besucht die Schule stunden-mäßig weniger lange als den Kindergarten, hat also mehr Freizeit zu Hause. Hausaufgaben und Lernen bewegen sich ebenfalls in einem überschaubaren Rahmen, so dass an den meisten Tagen viele freie Stunden zur Verfügung stehen.

Unsere Erfahrungen sind bisher also ausschließlich positiv. Man sollte jedoch- wie gesagt- explizit für das einzelne Kind schauen bezüglich der Rahmen-Bedingungen. Es gibt wichtigere Kriterien, die für eine vorzeitige Einschulung sprechen, als "bereits lesen oder rechnen können". Stichworte (u.a.): Frustrations-Toleranz, Selbstwertgefühl, Geduld, Flexibilität. Das "pro & contra" zum Thema sollte man entsprechend nicht pauschalisieren.

Viele Grüße,

Kathrin

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