JÜL in 3./4. oder lieber nicht?

    • (1) 24.01.19 - 12:20

      Hi! Mein Sohn kommt nächstes Jahr zur Schule. 1./2. Klasse werden immer gemeinsam unterrichtet. Bei Schulanmeldung muss ich bereits angeben, ob er in 3./4. JÜL gehen soll oder 3. und 4. getrennt voneinander.
      Ich kenne bisher nur einzeln 1., 2., 3., 4. Klasse, höre aber auch Gutes vom JÜL.
      Wie würdet ihr entscheiden und warum? Wir haben ja noch 1 Jahr Zeit, aber ich mache mir Gedanken über das Für und Wider.
      Grüsse!

      • (2) 24.01.19 - 13:26

        Ich muss mir darum leider keine Gedanken machen, denn unsere Schule hat JÜL abgeschafft. Wir hatten teilweise beides also Regelklassen und JÜL und bei uns hat es einfach nicht funktioniert. Zu wenig Lehrkräfte und zu wenig Räume waren die Hauptgründe. Man muss eine JÜL Klasse denke ich auch mal teilen können, gerade wenn welche arbeiten und andere was erklärt bekommen. Ich halte das Konzept ansich schon für nicht schlecht, denn jüngere Kinder lernen immer von den Großen mit. Ich würde also abwägen, evtl auch mal hospitieren in einer Klassenstufe um die es geht und die Schule genau ausfragen wie das so funktioniert.

        • (3) 24.01.19 - 22:11

          *Man muss eine JÜL Klasse denke ich auch mal teilen können, gerade wenn welche arbeiten und andere was erklärt bekommen.*

          Alle Schulen, die ich kenne und die von JÜL zurückgerudert sind, hatten eins gemeinsam: Sie haben die Kinder nie getrennt. ;-)

          In der Regel aus ideologischen Gründen: "Das ist kein echtes JÜL..."

          Die Schulen, die flexibel blieben und auch mal getrennt haben, die haben es beibehalten.

          LG

          • (4) 25.01.19 - 07:02

            Das stimmt wohl. Lieber hat man den Kindern Lärmschutzkopfhörer (Das ist mein ernst) aufgesetzt damit auch mal welche im Arbeitsheft arbeiten könnten und andere an der Tafel arbeiteten.

            • (5) 25.01.19 - 15:54

              Lärmschutzkopfhörer habe ich auch, das ist mein Ernst. ;-)

              Allerdings dienen die zur Abgrenzung bei unvermeidbaren Geräuschen. Wenn Erstklässler zum Beispiel lesen, dann lautieren sie. Geht nicht anders. Wenn Zweitklässler Lernwörter üben, dann sollen sie den Begriff in Silben klatschen und sich langsam (klar, leise) vorsprechen.
              Oder manchmal hilft ein Kind einem anderen Kind. Das will ich nicht verbieten.
              Natürlich flüstern die Kinder, aber manche fühlen sich auch davon gestört.

              Gerade Kinder mit Konzentrationsschwächen können solche Geräusche schwer ausblenden. Denen helfen diese Kopfhörer. Dafür muss auch kein "Lärm" sein.

              Aber wenn der Lehrer vorne etwas erklärt, dann geht das nicht flüsternd. Ausserdem gucken die andern dann. Und ausserdem kann der Lehrer dann den arbeitenden Kindern nicht helfen, die Hilfe brauchen.

              Ich arbeite auch jahrgangsübergreifend. Eine Gruppe nach vorne nehmen,das mache ich auch, aber ganz selten. Und dann immer nur, wenn die Sache in ein paar Minuten gehalten ist. Beispiel: Ich schreibe den neuen Buchstaben an die Tafel, damit die Kinder wissen, wie er bewegungsrichtig notiert wird. Danach drücke ich dem ersten die Kreide in die Hand, denn jedes Kind soll einmal an der Tafel nachspuren. In der Zeit wende ich mich aber schon wieder den Zweitklässlern zu und schaue, ob sie arbeiten und ob jemand Hilfe braucht. Während ich durch die Reihen der Zweities gehe, schiele ich ab und an zur Tafel, ob alles läuft. Wer vorne mit Nachspuren fertig ist, holt sich sein Arbeitsheft und bringt den neuen Buchstaben zu Papier.

              Wenn es aber "richtig" etwas zu erklären gibt, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

              1.) ALLE hören zu, weil das gerade passt (Beispiel: Die Erstklässler rechnen Plusaufgaben im Zehnerraum (2+4) und die Zweitklässler das gleiche im Hunderterraum (32+4)
              DAS sind ja die Stunden, die im jahrgangsübergreifenden Unterrichten so wertvoll sind, weil sie die ganze Bandbreite an Können ansprechen.

              2.) Wir trennen die Kinder nach Jahrgängen, weil es NICHT passt. Ich kann nicht den einen das Einmaleins beibringen und den anderen gleichzeitig das zehnerüberschreitende Rechnen. Das macht überhaupt keinen Sinn.

              LG

          (6) 25.01.19 - 08:05

          Huhu. Wir mischen 1 bis 4 und trennen in dem Sinne nicht. Und wenn wir trennen (für Radfahrausbildung, Hospis der Referendarin o.ä.) dann in 1/2 & 3/4. Das klappt seit 12 Jahren reibungslos. Unser Unterricht ist so organisiert, dass wir uns Kleingruppen nehmen, während der Rest der Klasse selbstständig arbeitet.

          • (7) 25.01.19 - 12:11

            Bei uns genau so 👍 Klappt prima

            (8) 25.01.19 - 17:22

            Hallo,

            wenn das so prima klappt, weshalb muss die Referendarin für ihre Unterrichtsbesuche trennen? ;-)

            Ich glaube dir sofort, dass das mit den Kleingruppen klappt.
            Klappen tut das.
            Die Frage ist, wie sehr die Qualität des Unterrichts darunter leidet.

            Denn seien wir mal ehrlich: Die Lerngruppe, in der man Kinder nach vorne holen kann und die 20 hinten arbeiten selbstständig weiter, die gibt es nicht. Jedenfalls nicht an normalen Regelschulen. An Privatschulen vielleicht, die ausschliesslich von den Charlottes und Maximilians dieser Welt besucht werden. Aber nicht an der Regelschule.

            Da sitzt hinten immer einer, der sein Arbeitsheft nicht findet (und dem man die Seite kopieren müsste), drei die lieber quasseln, zwei mit ADHS, die angestupst werden müssen und drei, die eine Frage haben. Oder keine Frage haben, aber die Aufgabe falsch verstehen und falsch bearbeiten. Das R von unten schreiben, bei den Ergänzungsaufgaben das Ergebnis und den Summanden zusammenzählen - sowas.
            Und das siehst du dann nicht. Du kannst erst eingreifen, nachdem das R schon dreissig mal falsch herum geschrieben (und somit falsch eingeübt) wurde.

            Ich gebe mal ein Beispiel aus meinem Unterricht diese Woche: Die Erstklässler sollten Wörter schreiben. Und zwar nach einem ganz bestimmten System: Erst Silben klatschen, dann das Wort abhören und für jeden Laut einen Punkt malen, das Wort schreiben und anschliessend überprüfen, ob in jeder Silbe ein Vokal steht.

            Da hatten wir eine Erklärungsphase von fünfzehn Minuten. Ganz viele Dinge mussten besprochen werden. Wir haben zum Beispiel nochmal alle Laute gesammelt, die durch mehrere Buchstaben abgebildet werden. Darüber gesprochen, dass man das ch schnell mit dem r verwechselt (denn unter den Wörtern kam das "Buch" vor). Nochmal überlegt, wie man ähnlich klingende Vokale leichter voneinander unterscheiden kann (die Kinder sollten unter anderem "Turm" schreiben)

            Wie hätten meine zwölf Zweitklässler denn da ruhig arbeiten sollen, während alle Erstklässler Silben klatschen, das "r" rollen und die Hand an den Hals halten, um das "r" zu spüren oder überlegen, ob es "Schirm" oder "Schürm" heisst?

            Die Zweitklässler haben währenddessen eine Stunde gehabt, in der geklärt wurde, wie man Schlüsselwörter in einem Sachtext findet,unterstreicht und den Text anhand dessen wiedergibt.

            Natürlich hätte ich meinen Erstklässlern auch den Zettel in die Hand drücken und sagen können: "Hört das Wort auf Laute ab, klatscht die Silben und dann schreibt"

            Dann hätte ich aber in der anschliessenden Arbeitsphase 12 mal "bur" statt "Buch" zu lesen bekommen und der "Turm" wäre bei fast allen ein "Toam" gewesen (bestenfalls).

            Und ich denke, genau aus solchen Gründen müsst ihr für die Unterrichtsbesuche der Referendarin trennen. Die muss nämlich Stunden zeigen, in denen sie mit den Schülern reflektiert und ihnen die Möglichkeit zum Austausch gibt.

            Und das ist etwas, das - nach meiner Erfahrung - im komplett jahrgangsübergreifenden Unterricht viel zu kurz kommt. Für die Qualität des Unterrichts aber enorm wichtig ist.

            LG

            • (9) 25.01.19 - 19:16

              Hey. Das ist falsch angekommen. Wir trennen nicht grundsätzlich für Hospitationen der LAA. Aber wenn sie ein Thema hat, dass nur im Lehrplan der Großen bzw der Kleinen steht (neulich waren das die Sinne), dann nimmt sie die entsprechende Gruppe. Üblich ist aber die 1 bis 4. Wir haben auch nicht nur einen Raum zur Verfügung. Und leider ist es bei uns auch so, dass sich in einer Gruppe von 12 Kindern welche abducken und nicht das machen, was sie sollen. Denn leider haben wir nur wenig Konstantins. ;-) Und trotzdem arbeitet der Großteil, wenn wir was mit einzelnen Kursen machen. Wir hatten bis vor 6 Jahren 1/2 und 3/4. Auch da haben wir nicht getrennt.

              • (10) 25.01.19 - 19:47

                Hallo,

                wie gesagt: Meine Erfahrung ist, dass man ohne Trennung die Basics durchbekommt. Viel mehr nicht. Denn entweder kommt die Zeit für Unterrichtsgespräche zu kurz ODER du kannst die Kinder in Eigenarbeitsphasen nicht vernünftig begleiten. Denn du musst dich immer für eines von beidem entscheiden.

                Ich finde es auch etwas in die Tasche gelogen, zu sagen: "Wir trennen nicht, das klappt- wir nehmen Teilgruppen raus." Eine Teilgruppe rausnehmen, das IST trennen. Es ist nur ein trennen, das mit mehr Belastung für die gesamte Gruppe verbunden ist. Die Arbeitenden sind gestört und den Kindern, die eigentlich Hilfe brauchen, geht viel Lernzeit verloren. Die Kinder, die in der Teilgruppe sitzen werden ebenfalls gestört, wenn hinten jemand rumhampelt oder der Lehrer das Gespräch unterbrechen muss, um jemanden der nicht arbeitet zu ermahnen.

                Ich arbeite seit fünfzehn Jahren jahrgangsübergreifend. Wir hatten einmal ein Jahr, in dem wir nur wenig trennen konnten, weil wir nur drei Lerngruppen mit zwei Schuljahren hatten. Hätten wir da getrennt, so hätten im zweiten Schuljahr 3 Kinder gesessen. Das haben wir dann eher vermieden.

                Dieses Jahr war sehr anstrengend und viele Kinder kamen zu kurz.

                Im Moment trennen wir ein bis zweimal die Woche für eine Stunde. Das planen wir jede Woche neu im Team, je nachdem, was ansteht.
                Wir überlegen aber, dieses trennen auszuweiten und zu ritualisieren, zum Beispiel immer in der zweiten Stunde. Um dem entdeckenden Lernen und den gemeinsamen Gesprächen mehr Raum geben zu können. In Situationen, in denen das eben jahrgangsübergreifend nicht geht.

                LG

                • (11) 25.01.19 - 19:49

                  Tippfehler: "Hätten wir da getrennt, so hätten im zweiten Schuljahr 34 Kinder gesessen."

                  (12) 25.01.19 - 19:56

                  Bei uns war damals die Erfahrung, dass in den Kursstunden (so hieß es zu Beginn) so viel Unruhe war, weil ja Kinder aus 2 Gruppen plötzlich zusammen waren, dass wir das immer weiter eingekürzt haben.
                  Schon interessant wie unterschiedlich so etwas wahrgenommen wird.

    (16) 24.01.19 - 13:51

    Ja, schau dir die Bedingungen an. Für Jül sollte ausreichend Platz oder eine geringere Schülerzahl vorhanden sein und/oder mehrere Lehrkräfte. Sonst ist es kaum möglich 25-30 Kinder von einer Lehrkraft auf verschiedenen Kompetenzstufen zu unterrichten. Jül funktioniert schon, aber nicht mit dem deutschen Sparsystem und Personalmangel ;). Ich würde nur der 3./4. zustimmen, wenn eine solide Jül taugliche Lernumgebung dafür vorfinde und von Lehrern und Eltern gute Rückmeldungen dazu erhalte.

    (17) 24.01.19 - 14:27

    wo man liest und was man so von Freunden hört...

    JÜL funktioniert nur befriedigend (und das leider nicht oft), mit einer EXTREM engagierten Lehrerin und ohne viele Kinder mit Migrationshintergrund oder anderen Förderschwerpunten in der Klasse ...

    also komplett von Jahr zu Jahr selbst an der selben Schule unterschiedlich...
    Ich habe mehrere Grundschullehrerinnen im Bekanntenkreis ... sie wünschen sich mehrheitlich die Einzelklassen zurück und erzählen so viel, was nicht rund läuft usw.... ... obwohl ich diese zum Teil auch als sehr engagiert einstufen würde...

    In meinen Augen steht und fällt JÜL mit der Lehrerin. Kann sie das und WILL sie das, dann ist das eine prima Sache. Leider, leider können und werden Lehrerin dahin auch gedrängt und dann kann es einfach nicht gut sein.

    Hallo!
    Wir hatten hier beides.
    Sohn 1: JÜL in 1 und 2 / 3 und 4 klassisch.
    Sohn 2: JÜL in 1 und 2 / 3 klassisch / 4 dann wg. Neueinführung JÜL
    Ich muss sagen, ich habe es bei Sohn 2 verflucht.
    In 1 und 2 finde ich JÜL echt toll, als fließender Übergang vom Kindergarten.
    Der Schritt auf die weiterführende Schule ist aber so einschneidend. Die Vorbereitung darauf ging bei uns durch dieses dauernde Gemische mit den Drittklässlern zu oft unter.
    Von der sentimentalen Seite rede ich jetzt mal gar nicht. Die vierte Klasse finde ich was ganz Besonderes. Da sind die Kids die größten an der Schule. In der JÜL haben sie aber zur Hälfte immer die Dritten mit dabei. Von der Kennenlernzeit, in der dann auch noch die künftigen Dritten dazu kommen, ganz zu schweigen.
    Von mir also ein klares Contra JÜL in 3/4.
    LG #stern

    (20) 25.01.19 - 06:45

    Hallo.

    Bei uns sind die Flexklassen auch nur 1. und 2. Klasse. Ab der dritten werden sie "getrennt". In 3. und 4. Klasse als Flex kann auch Vorteile haben. Aber ich finde es blöd, dass man sich dann schon vorab entscheiden muss. Man weiß ja nicht, wie sich das Kind in der Schule macht. Den Vorteil, den ich kenne ist, wenn ein Kind leistungsschwach ist, kann es eben "springen" in den Klassen innerhalb der Flex. Oder auch wenn ein Kind leistungsstark ist, dann kann es zeitweise in die höhere Stufe eingegliedert werden.

    LG

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