AO SF Schwerpunkt Lernen und LRS - Erfahrungsaustausch

    • (1) 28.01.19 - 12:11

      Hallo an Alle!

      Ich hab mich im November schon mal hier im Forum ausgeheult und um Hilfe gebeten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade von der Schule erfahren, dass mein 8 jährige Sohn den Anschluss verliert, obwohl er die erste Klasse bereits wiederholt hatte. Es haperte von Anfang an am Lesen und Schreiben. Nun wurde es auch in Mathe immer schwieriger für ihn. Es war die Rede von einem AO SF Verfahren mit Schwerpunkt Lernen. Hinzu kamen massive Stresssymptome in der Schule, v.a. in Testsituationen.

      Heute möchte ich die Interessierten auf den aktuellen Stand bringen. Und suche nach Eltern mit ähnlichen Erfahrungen zum Austausch.

      Ich hatte sehr schnell mit meinem Sohn einen Ersttermin beim KJP wegen der massiven Stresssymptome. Dieses ergab erstmal die Empfehlung zur ausführlichen Diagnostik v.a. auf LRS. Denn bei LRS habe mein Sohn jedes Recht, sich so gestresst zu zeigen.

      Dann gab es nochmal ein ausführliches Gespräch mit der Klassenlehrerin und dem Schulsonderpädagogen. Dabei einigten wir uns auf das Beantragen des AO SF Verfahrens durch die Schule. Außerdem auf andere HA, die für meinen Sohn einfacher und kürzer sind. Zusätzlich nahm die Klassenlehrerin bereits den Druck raus und legte mir das auch ans Herz. So bekam mein Sohn in den Diktaten nur noch die Lernwörter diktiert, nicht mehr die ganzen Sätze. Dies zum Glück zusammen mit zwei anderen Mitschülern.

      Gleichzeitig wand ich mich ans Jugenamt und fand heraus, wo ich mein Kind auf LRS testen lassen kann, um einen Antrag auf Paragraf 35a Sozialgesetzbuch stellen zu können, ohne das mein Sohn dafür erneut getestet werden musss. Ich muss zumindest versuchen, die super teure, aber dringend notwendige eins-zu-eins LRS-Förderung finanziert zu bekommen.

      Am letzten Donnerstag war der dazu notwendige IQ Test (WISC), heute nun der LRS Test. Mein Sohn hat bei beidem gut und bemüht mitgemacht. Heute beim LRS Test aber natürlich seine Probleme gezeigt. An diesem Donnerstag sollte das Auswertungsgespräch statt finden. Nun wurde ich aber schon heute zum kurzen Gespräch gebeten. Denn der WISC Test ist leider unterdurchschnittlich ausgefallen (79)... Wieder ein Schock, auch wenn ich sowas befürchtet habe. Und es waren auch die erwarteten Teilbereiche Sprache und Gedächnis, sowie der Zeitfaktor. Mir wurde empfohlen, auch den zweiten IQ Test dort machen zu lassen. Es handelt sich dann um den CFT, bei dem die Sprache außen vor gelassen wird. Dieser wird nun Mitte Februar statt finden. Danach dann das Auswertungsgespräch. Nun bleibt nur die Hoffnung, dass dieses Ergebnis dann besser ist, so dass der Antrag auf §35a überhaupt noch Sinn macht. Ach ja, wir leben in NRW.

      Mein Sohn ist nicht dumm. Er hat z. B. auch in einem Teilbereich besonders gute Ergebnisse erziehlt (Formen) und zeigt sich auch im Alltag nicht als unterdurchschnittlich intelligent. Aber die Lernprobleme lassen sich ja nun nicht weg reden...

      Es gab auch gerade wieder ein Gespräch in der Schule. Der AO SF Antrag musste von mir ja als informiert unterschrieben werden. Dabei bekam ich auch den von der Schule ausgearbeiteten Förderplan erläutert und wir besprachen erneut die HA, die immer noch sehr zäh liefen. Ich muss dringend erwähnen, dass ich den Eindruck habe, dass mein Sohn an dieser Grundschule, bei dieser Lehrerin und den Sonderpädagogen sehr gut aufgehoben ist und dort auch bleiben wird. Man vermittelt mir den Eindruck, dass es völlig ok, ja normal ist, dass mein Sohn seine Probleme hat und dass ihm die Förderung schlicht zu steht und das auch für die Schule ganz normal ist. Das ist in dieser schwierigen Situation ein echter Lichtblick. Ach ja, seit dem letzten Gespräch zeigt sich mein Sohn in der Schule dank des gesenkten Druckes bereits weniger gestresst. Trotzdem soll v.a. ich zu Hause noch mehr Druck raus nehmen und erstmal nur die Schule machen lassen. Also außer darauf achten, dass die HA gemacht werden, soll ich erstmal alles Schulische zu Hause mit meinem Sohn sein lassen! Das nimmt tatsächlich mir eine Menge Druck und ich darf erstmal wieder nur Mama sein.

      So, Roman beendet. Ich würde mich über einen Austausch mit ähnlich betroffenen Eltern freuen. Aber auch über konstruktive Beiträge von anderen Usern.

      Danke fürs Lesen!

      Bethmoonlight

      • Hallo, ich habe hier einen ähnlichen Fall, allerdings warten wir noch auf den Termin bei der KJP. Vortests ergaben einen IQ von 78 ( Bereich lernbehinderung)und vor allem im Bereich lesen und schreiben mässive Probleme. (Das es auch Ausschläge nach oben gibt, ist soweit ich verstanden habe normal). Dazu noch neurologische Auffälligkeiten, Frühtraumarisierung. Mit Hilfe des Gutachtens und Therapie wollen wir versuchen ihn weiter inklusiv beschulen zu lassen. Viele Alternativen gibt es hier nicht... Im Alltag merken wir das auch eher weniger. Er braucht viele Wiederholungen, ist sehr impulsiv aber nun ja. Wir sind darauf eingestellt. wegen einer Legasthenie Therapie muss ich noch schauen, die Adressen die mir gegeben wurden, sind alle über eine Stunde Fahrtzeit entfernt...

        • Hallo beffy!

          Wie alt ist denn dein Sohn? Eine Stunde Fahrtzeit zur Therapie ist echt heftig!

          • Ja, für finde ich auch. Er ist 8 Jahre und dort wäre eben eine Therapie Stelle nach LOS. Die müssten wir neben den Fahrtkosten auch selbst tragen... aktuell weiß ich nicht ob und wie ich das hinbekomme. Es wird ja noch Termine bei der Psychologin geben zur Stärkung seines Selbstbildes. Vielleicht noch Diagnostik in eins zwei anderen Stellen. Arbeiten gehe ich auch, dann hat die Schule noch ein Ganztageskonzept, also muss ich mich dann langsam mit der Schulleitung in Verbindung setzen, damit die Nachmittagsstunde ausgesetzt werden können. In der Schule spitzt sich die Situation derweil zu. Für einen Schulbegleiter ist er aber nicht auffällig genug, dass obwohl sie es zu zweit in der Klasse kaum schaffen. Er ist ein liebes Kerlchen aber er bräuchte jemand beständig an seiner Seite, der ihn hilft und seine Fortschritte lobt. Wir sind im engen Austausch mit der Lehrerin, sie will ihn helfen und nimmt Ratschläge an. Wir unterstützen so gut es eben geht.

            • Hallo beffy,

              Klingt bei euch so stressig und emotional anstrengend wie bei uns. Ich wünsche dir ganz viel Kraft, Durchhaltevermögen und Ausgleich. Versuche, nicht so viel zu grübeln, das hilft uns ja doch nicht. Und nicht am Kind zweifeln! Ich versuche mir immer wieder zu sagen, dass mein Sohn genau so richtig ist wie er ist und mit unserer Hilfe schon seinen Weg gehen wird. Es muss nicht jeder Abitur machen. Hauptsache, er ist und wird glücklich! ...

      Hast du die Ergebnisse der Untertests aufgeschlüsselt bekommen? Es wurde mit dem WISC V getestet, ja?
      Den anderen Test, der im Februar gemacht werden soll, kenne ich nicht. Es ist aber sicherlich richtig, da noch genauer hinzuschauen.

      • Das ausführliche Auswertungsgespräch folgt noch. Heute war ja nur kurz das Zwischenergebnis, damit wir uns noch auf den Sprachregeln IQ Test einlassen.

        • Ok. Dann bekommst du die Informationen ja noch. Gäbe es denn eine Förderschule in erreichbarer Nähe? Oder ist die einzige Option in der Regelschule zu bleiben?

          • Es gibt eine Förderschule in der Nähe, die auch Schwerpunkt Lernen Klassen hat. Kommt zur Zeit aber nicht in Frage, weil ein Schulwechsel für meinen Sohn gerade eine massive Zusatzbelastung wäre. Er ist im Klassenverband sehr gut eingefügt und hat gute Freunde. Und musste ja schon einmal die Klasse wechseln. Die Förderschule behalte ich als Option ab Klasse 5 im Auge und werde sie mir dafür auch auf jeden Fall mal ansehen.
            Im Moment kümmert man sich in der Regelschule richtig prima!

    Hallo
    Bin hier ja bisher nur stiller Mitleser.Unser Junge hat auch LRS und ist im AOSF Verfahren.Er hat zusätzlich Förderung in einer Einrichtung der LOS bekommen.Gibt es die auch bei euch?Wir sind aus NRW.
    Kannst ja gerne PN schreiben,bin über Austausch mit Eltern selber sehr froh.
    LG

    • Hallo Chaoshoch6,

      Schön, dass du geschrieben hast. Wie alt ist denn dein Sohn? Und was ist LOS?

      Unsere Lehrerin empfiehlt dringend eine 1 zu 1 LRS Förderung in einem guten LRS Zentrum. Wir haben ein gutes in der Nähe. Aber das wird richtig teuer, wenn §35a nicht greifen wird. Und besonders ärgerlich ist, dass das alles so lange dauert, bis man mal Klarheit hat und anfangen kann. Wenn letztlich die Finanzierung klappt, hat sich die Warterei gelohnt. Wenn nicht, hätten wir schon mit der Förderung anfangen können. Im besten Fall reduziert sich dann zumindest der Stress meines Sohnes schnell. Dass die Förderung selbst über einen langen Zeitraum, ja Jahre, nötig sein wird, wurde mir schon gesagt.

      Tausche mich sehr gern mit dir aus! LG Bethmoonlight

(12) 28.01.19 - 15:56

Hallo!
Wen sich durch den CFT der Förderschwerpunkt Lernen bestätigt, ist es sinnvoll, diesen festschreiben zu lassen. Er hat ja die Möglichkeit in seiner Klasse zu bleiben und wird ja auch schon gut unterstützt. Die Lehrer scheinen sich sehr viele Gedanken zu machen, wie sie euch helfen können.

Eine allgemeine Lernschwäche zu haben (wird heute nicht mehr als Lernbehinderung bezeichnet) darf dein Kind in seinem individuellen Tempo lernen ohne den Druck der Noten. Leider wird dann in der Regel die Lerntherapie vom Jugendamt nicht finanziell übernommen😢

Viele Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen fallen im Alltag nicht auf, Lernen aber in der Schule nicht so schnell, wie der Lehrplan es vorsieht.

Ich erkläre meinen Eltern beim AOSF, dass das Kind länger und sich andere Weg braucht, um ans Ziel zu kommen. Je nach Ausprägung lernt es bestimmte schulische Dinge auch nie.
Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen brauchen Zeit, bessere Anschauung und verständnisvoll Menschen.

Meine Lernen Kinder in der Klasse sind ganz wunderbar, machen Fortschritte in ihrem Lerntempo und haben ganz viele Stärken, vor allem im sozialen Bereich.

Glg Basket

PS: Der CFT ist ein sprachfreier IQ Test

  • Hallo Basket,

    Verstehe ich das richtig:
    Entweder niedriger IQ, dafür AO SF
    Oder
    Normaler IQ mit LRS, dann aber ohne AO SF?

    Die Schule ist sich bereits ziemlich sicher, dass sie das beantragte AOSF Verfahren durch kriegen werden...

    Ansonsten wieder einmal vielen Dank für die wertvollen und Mut machenden Infos!

    • Huhu!
      Eine LRS (im Verständnis von Paragraph 35a) benötigt einen Norm IQ, da sonst eine allgemeine Lernschwäche vorliegt. Der Paragraph soll ja Einschränkung und „Behinderung“ „verhindern“.

      Ein Kind mit einem IQ unter 85 fällt dann nicht mehr da rein und das Jugendamt zählt nicht. Das bedeutet im Umkehrschluß nicht, dass ein Kind mit einem unterdurchschnittlichen IQ keine LRS hat.

      Bei einer LRS kann ein Nachteilsantrag gestellt werden und mit der Lerntherapie die LRS abgebaut/gemindert wird. Daher ist eine LRS bei Norm IQ eigentlich kein Grund für ein AOSF, sofern nicht weitere Förderbereiche hinzukommen, wie Sprache oder ESE.

      Wenn ein unterdurchschnittlicherIQ festgestellt wird ist ein AOSF Antrag sinnvoll, da das Kind es sehr schwer hat, den Stoff der Grundschule in der vorgesehenden Zeit ansatzweise zu schaffen.
      Kinder wiederholen dann, haben aber weiterhin Probleme mitzukommen. Förderung in Schule und privat bringen nur wenig. Die Kinder lernen und lernen, haben kaum Erfolge, da der Anspruch immer weiter steigt und reagieren mit Bauchweh, Stress, Angst, Depressionen oder Frust, Wut und Aggression. Ein Teufelskreis.

      Warte das Gutachten vom KJP ab. Ich habe es immer sehr gerne, wenn in einer Praxis bereits Diagnostik gelaufen ist, auf die ich zurückgreifen kann.
      In einem AOSF kann auch festgestellt werden, dass kein Förderbedarf vorliegt.
      In eurem Fall glaube ich aber eher, dass es Förderbedarf gibt, wenn ich deine Onfos so lese.
      Lg Basket

      • (15) 28.01.19 - 22:43

        Kinder mit dem Förderschwerpunkt Sprache oder ESE werden nach den Richtlinien der Grundschule unterrichtet.

        Hallo Basket,

        Danke für die ausführlichen Infos. Hab ich jetzt verstanden. Aber hach, irgendwie fühle ich mich bestraft in diesem System! LRS-Therapie ist so oder so notwendig. Bezahlt bekommen sie aber wenn überhaupt nur Kinder, die einen Norm-IQ haben. Das soll fair sein? Mein Kind leidet doch auch darunter!

        Ja, ich bin mir auch sicher, dass Förderbedarf besteht. Es hapert ja auch in Mathe. Da ist er beim Zählen stehen geblieben, rechnet also nicht. Er braucht definitiv mehr Zeit und bekommt sie ja nun auch schon. Darunter geht es ihm bereits besser, er zeigt in der Schule weniger Stress.

        Nun, ichbin trotzdem auf das Ergebnis vom CFT gespannt...

        • Ja es ist echt unfair. Ich habe auch Kinder in der Klasse, die dringend zusätzlich Förderung bräuchten. Die Eltern (können/wollen) ihr Kind nicht unterstützten und das Kind an das ich denke, steuert drauf zu Analphabet zu werden.
          Halt mich mal auf dem Laufenden, wie es weitergeht

So, wir sind nun durch mit der Diagnostik und ich habe die Auswertungsergebnisse bekommen:

Beim WISC-V: Insgesamt ein IQ von 79. Allerdings sind daran die Teilbereiche Arbeitsgedächnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit Schuld. Etwas rausgerissen hat uns der Teilbereich Visuell- räumliche-Wahrnehmung mit 104.

Der CFT20 ergab dafür einen IQ von 94, also normal! Juhu!

Und der LRS- Test hat den Verdacht voll bestätigt. Im Schreiben ein Prozentrang von 5,2! Und im Lesen ein Quotient von 64!

Dazu die emotionale Belastung. Das erlaubt uns nun den Antrag auf Finanzierung der LRS-Förderung nach §35a Sozialgesetzbuch zu beantragen. Wenn dem statt gegeben wird, bekommen wir zwei Jahre lang die LRS-Förderung voll bezahlt. Bei Kosten von knapp 200€ im Monat wäre das schon genial! Allerdings müssen wir nun aber eben mit der Förderung warten, bis der Antrag entschieden ist...

Und was diese Ergebnisse nun mit dem AO SF Antrag machen, bleibt auch abzuwarten...

Trotzdem. Bin erleichtert!!!

Gruß Bethmoonlight

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