Erfahrung mit Ritalin

    • (1) 28.01.19 - 16:23

      Hallo

      lange haben mein Mann und ich uns gegen die Medikamentengabe gestreubt. Den verdacht auf ADHS hatte ich schon sehr lange. Daher war ich mit Junior als er 2 Jahre alt war schon in einer psychologischen Beratungsstelle. Er war schon immer anderst als andere. Seine unruhige Art tat man am Anfang als motorische Unruhe ab. Aber nun ist er in der 1 Klasse. Hat Probleme sich schnell in Aufgaben einzufinden und länger zu sitzen. Die Aufgaben kann er zwar gut machen aber eben auch etwas schluderig und vergisst schon mal eine Kleinigkeit. Mittlerweile vergeht keine Woche wo sich nicht eine Lehrerin bei uns meldet . Er kommt jetzt langsam auch in die Situation das er ausgegrenzt wird weil er schnell "weinerlich" , überempfindlich etc reagiert. Seine Wahrnehmung ist einfach anderst. Daher hatten wir nun außführliche Gespräche mit Psychologe und Kinderarzt und wollen es nun einfach mal versuchen wie er damit zu Recht kommt. Er leidet nämlich mittlerweile auch darunter das er ausgegrenzt wird.

      Ich möchte hier keine grundsätzliche Diskussion das man das nicht macht oder so. Wir fühlen uns schon schlecht genug aber es geht leider nicht mehr anderst. Alle Dinge beim Psychologen, Kinderspychiater und Motopädin haben nicht geholfen.
      Daher einfach nur mal an diejenigen die auch ein Kind haben welches darunter leidet und ob es durch die Medikamente besser läuft in der Schule, soziales Umfeld?
      Wie lange hält das Medikament so im Schnitt? der Kinderarzt meinte so 4-5 Stunden. Das würde zwar den größten teil der Schule abdecken aber nicht die Hausaufgaben und 2 mal die Woche sport (da kamen auch vermehrt negative Rückmeldungen).

      LG Hexe12-17

      • Ich kann nur aus zweiter Hand berichten. Ein Freund meines Mannes hat ADHS. Mein Mann und er kennen sich aus der Schule bereits vor Ritalin. Sein Werdegang: Mit Mühe und viel Ärger (Lehrerbeschwerden, soziale Ausgrenzung) aufs Gymnasium geschafft, dann als unfähig und blöd stigmatisiert und auf die Hauptschule abgeschoben. Darauf kam Ritalin endlich ins Spiel. Das Fazit sieht man heute: Er ist erfolgreicher Rechtsanwalt. Er selbst meinte, dass er gern viel früher Ritalin hätte nehmen sollen, hätte ihm den riesen schulischen Umweg u d die Demütigung erspart. Er lässt es auch manchmal weg, wenn er weiß, dass es nicht nötig ist, man merkt aber wirklich einen krassen Unterschied. Ihr könntet es ausprobieren und dein Sohn kann selbst entscheiden, ob und wann er das nehmen will.

        Ein guter Arzt sollte euch über die vreschiedenen Medikamente aufklären!

        Ich selbst nehme Medikinet für Erwachsene. Zu dem Zeitpunkt gab es für Erwachsene nur das eine. Ich wurde aufgeklärt beraten, Wirkung/Nebenwirkung, zu beachten und auch, dass es für Erwachsene noch keine Ausweichmöglichkeiten gab.

        Inzwischen gibt es mehr. Aber ich vertrage es sehr, sehr gut und es hilft mir enorm!

        Bei Kindern gibt es eine größere Bandbreite an Möglichkeiten.

        Das eine Kind verträgt Ritalin sehr gut und Medikinet gar nicht.
        Das andere Kind verträgt Medikinet super und Ritalin gar nicht.

        Daher würde ich den Arzt um Aufklärung bitten.
        Warum möchte er welches Präparat. Mit welcher Dosierung beginnen/wann erhöhen?
        Was, wenn Präparat 1 Rückschläge bringt? Unter welchen Umständen würde der Arzt zu einem Wechsel raten?

        Der Basiswirkstoff ist in den meisten Medikamenten der gleiche, die Zusammensetzung wirkt sich bei verschiedenen Menschen, verschieden aus.

        Wie sieht die Begleitung aus?
        Ich wurde bei der Dosierungseinstellung gefragt, wie ich den Unterschied wahrnehme. Wie es mir damit geht. etc.

        Bei Freunden mit Kindern ist es ähnlich. Da werden die Eltern gefragt, wie es läuft. Ganz wichtig: die Kinder werden auch gefragt. Wie fühlen sie sich mit der jeweiligen Dosierung.

        Es gibt auch retardierte Medikamente und unretardierte. Retardiert heißt, dass 2x eine Dosierung an den Körper abgegeben wird. Somit sollte die Wirkung länger sein.
        Bei manchen wirkt es wirklich vom Frühstück bis zum Abend. Bei anderen bis zum frühen Nachmittag.

        Es gibt auch nicht retadierte Medikamente. Diese wirken kürzer und einmalig.

        Manche nehmen auch eine Kombination aus 2x unretardiert das gleiche Medikament
        oder 2x verschiedene. Da das eine morgens super hilft, aber abends schlafen schwieriger wird. Damit nachmittags nicht ohne Wirkung ist, da ein anderes.


        Da sollten Ärzte wirklich aufklären bzw. auf Fragen antworten.

        Die meisten Medikamente wirken schon ab der ersten Einnahme.
        Das kann ich von mir bestätigen.


        Wichtig ist eine gute ärztliche Begleitung!
        Sobald euch etwas auffällt, dass euch der Arzt ernst nimmt. Sowohl wenn es gut läuft, als auch, wenn die Dosierung oder das Präparat verändert werden sollte.

        • Hallo

          vielen Dank für deinen Bericht. Wir stehen in gutem Kontakt mit Psychologe und Kinderarzt. Wenn irgendetwas nicht stimmen sollte werde ich das auch gleich weiterleiten. Nächste Woche hat er erstmal die Voruntersuchungen und dann wird geschaut wieviel mg er bekommt. Nach 2 Wochen sollen wir dann berichten ob es so gut läuft bzw ob wir denken das etwas geändert werden muss.
          Ich bin einfach auch gespannt ob es dann etwas besser laufen wird in der Schule. Mittlerweile ist fast jeden Tag etwas anderes und ich habe schon Bauchschmerzen wenn ich die Nummer von der Schule am Telefon sehe.

          LG

      Hallo,
      Ich melde mich mal als Mama von Kindern die Medikinet retard nehmen. Mein großer hat ADHS und mein zweiter ADS. Die Entscheidung Medikamente zu geben haben wir uns auch nicht leicht gemacht. Wenn es dann soweit ist und man über alles aufgeklärt ist, zweifelt man wieder. Ich glaube das ist normal.
      Was uns geholfen hat eine Entscheidung zu treffen sind 2 Sachen. unser Ergotherapeut sagte uns: Diabetikern würde man auch nicht das Insulin verweigern ( weil die Umwelt uns immer wieder suggeriert hat, wir würden das schlimmste machen, was es gibt) und 2. Man kann jeder Zeit die Medikamente absetzen!

      Für meine Kinder war es die beste Entscheidung Medikamente zu geben. Mein großer ist nicht mehr frustriert, weil er endlich zeigen kann was er schulisch leisten kann. Er hat sogar die Empfehlung für das Gymnasium bekommen, über die er extrem glücklich war. Seine Lehrerin sagt mir in dem Gespräch, dass er ohne die Medikamente eine Realschulempfehlung gegeben hätte, was natürlich auch nicht schlecht ist.
      Mein zweiter hat in der Schule so gut wie nicht arbeiten können und wir mussten alles zuhause nachholen. Er bekam erst eine schulbegleiterin, was schon etwas half, und dann Medikamente. Nun ist er einer der besten Schüler in der Klasse. Die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen. Sie nehmen die Tabletten nach dem Frühstück und halten ca. 8 std. In der Zeit haben sie etwas weniger Hunger aber das holen sie am Nachmittag wieder auf 😉. Bei meinem ADHS Kind merke ich wenn die Tabletten nachlassen, dann hat setzen die Stimmungsschwankungen wieder ein von denen er genervt ist. Er sagte mal: Mama, ich werde gerade sauer, weil ich wieder sauer werde und das will ich garnicht!

      Was mir als Mama geholfen hat, ist eine Selbsthilfe Gruppe. Alle Eltern machen ungefähr das gleich durch und keiner verurteilt einen.
      Sorry für den langen Text, ich hoffe es waren ein paar Infos dabei, die du wolltest.

      Liebe Grüße
      Lachmaus

      • Hallo

        vielen herzlichen Dank für deine Antwort. Ja es fällt schwer diese Entscheidung zu treffen aber es wird nicht anderst gehen . Er hat jetzt schon soziale Probleme und die Kinder grenzen ihn aus. Ich muss mich mal bezügl. Selbsthilfegruppen erkundigen.
        Das wg dem Hunger hat mir der Kinderarzt auch schon gesagt. Er meinte allerdings das es sich einpendeln würde innerhalb von 3 Monaten.
        Wir haben jetzt erst noch einmal Termin beim Psychologen und die Untersuchungen beim Kinderarzt. Dann werden wir sehen mit wieviel mg er starten wird. Ich denke auch das man es doch relativ gut merken wird ob das Kind sich sehr verändert um dann ggf mit einem anderen Medikament gegenzusteuern.

        LG

        • Das mit dem Hunger würde ich beobachten, aber erst mal keine Angst davor haben.

          Ich selbst (allerdings erwachsen) bekomme eher Heißhunger statt Appetitlosigkeit. DA bin ich aber eher die volle Ausnahme.

          Bei Kinder von Freunden ist es sehr unterschiedlich.
          Von gar nichts mehr essen bis weiterhin normal essen, ist alles dabei.
          Je nachdem kann man die Mahlzeiten ein wenig anpassen (einplanen, dass es zu manchen Uhrzeiten mehr/weniger ist).

          "Ich denke auch das man es doch relativ gut merken wird ob das Kind sich sehr verändert um dann ggf mit einem anderen Medikament gegenzusteuern."

          Diese Erfahrung habe ich bisher bei allen KIndern gemacht, die ich mit Medikation kenne (vorher nachher).
          Ich selbst habe keine Wesensveränderung gemacht! Nur, dass ich entspannter und glücklicher bin. Ich fühle mich besser, weil ich weniger Energie aufwende und mehr Erfolg habe ;-)

          Meinem Umfeld fällt nur wenig auf. Ich habe mit viiiiiiiiiiiiiiel Energie Eigenheiten unterdrückt. Negative Auffälligkeiten.

          Dass ich entspannter wirke, weniger zerstreut wirke, merken viele. Um wie viel enorm das ist, merken fast nur die, die mich wirklich sehr gut kennen (sie kennen auch mein Vollchaos oder wenn ich mich trotz Bemühen nicht stoppen konnte).

          Bei allen anderen wirke ich einfach entspannter.

          Bei Kinder von Freunden kam es zur Medikationsumstellung.
          Noch weniger schlafen, nichts mehr essen, gegenteilige Wirkung als erhofft.

          Mit Wechsel klappte es aber sehr gut und den Kindern geht es mit der danach erfolgt richtigen Einstellung richtig gut. Daher Mut zum durchhalten.

          Bei anderen Medikamenten ist es oft ähnlich. Meine Eltern waren beide Diabetiker und brauchten unterschiedliches Insulin. Auch da kam es zum Umstellungen. Nicht mehr durch Wachstum, aber durch andere Lebensveränderungen.
          Das kann bei ADHS/ADS auch vorkommen.
          Wenn man das weiß, crashed es einen nicht so sehr, wie wenn man nicht darauf vorbereitet ist.

          Bei mir wurde die Dosierung angepasst. Das Medikament selbst war vom ersten Moment an der volle Erfolg. ;-)


          Tief durchatmen. (auch selbst immer mal wieder zwischendurch)

          Und wenn es Nebenwirkungen gäbe etc. mit dem Arzt sprechen. Es gibt viele Möglichkeiten das ganze zu justieren und anzupassen, so dass es deinem Sohn besser/gut geht .... und euch somit dann auch. Das Gute ist, dass es nicht mehr nur das eine oder keines gibt, sondern eben mehrere Möglichkeiten, das so einzustellen, dass es passt.

          Bei Wachstumsschüben etc. kann auch mal nachjustiert werden. Aber das ist bei allen anderen Medikamenten ja auch so. Insulin, Schilddrüse, auch bei Brillenstärke usw. ;-)

    Ich erlebe Kinder in der Schule, vor der Medikamentengabe und danach.

    Bis jetzt habe ich kein Kind gehabt, dass sich nach der Gabe unglücklich gefühlt hat. Ganz im Gegenteil, die meisten Kinder fühlen sich zum ersten Mal wohl. Sie sind mal nicht das Kind, das auffällt, mal nicht das Kind, das nochmal extra ermahnt werden muss, nicht das Kind, das sich wegsetzen muss u.s.w.
    Und auch die anderen Kinder reagieren positiver, weil ihr gegenüber wie gewohnt reagiert und nicht schreit, schlägt oder was auch immer macht.

    Für das Selbstwertgefühl des Kindes ist das eine gute Strategie.

    Klar, nur Ritalingabe ist zu wenig. Das muß begleitet werden, aber in meinen Augen ein guter erster Schritt um aus dem Teufelskreis rauszukommen.

    • Hallo
      wir waren heute beim Psychologen und er meinte das wir neben dem Ritalin dann noch eine Verhaltenstherapie machen sollen. Allerdings wäre das eher was für ältere Kinder. Hast du da auch Erfahrungenß

      LG

      • Hallo,

        nein, dazu kann ich dir nichts sagen, weil die Eltern das auch nicht so gerne an der Schule erzählen. Von einem Kind weiß ich, dass es regelmäßig bei der Psychologin vorstellig wird. Allerdings weiß ich nicht ob das eine bestimmte Therapie ist.

        VG

        Damit habe ich Erfahrung.

        1. durch mich selbst
        2. Kinder von Freunden mit ADHS/ADS

        Medikation ist ein super Baustein, der mit Verhaltenstherapie oder einer anderen ähnlichen Therapie in Kombination am besten hilft.


        Das Medikament hilft mir, die Tipps und Tricks aus der Verhaltenstherapie anzunehmen.
        Was ich mir über viele Jahre angeeignet habe, funktioniert zwar, kostet aber viel Kraft.

        Wie ein schlecht isoliertes Haus, das man noch mit Kohle schaufeln heizt.

        Mit dem Medikament muss ich keine Kohle mehr schaufeln, sondern habe Gasleitungen.
        Aber auch: ich könnte stundenlang Kohle schaufeln, weil ich dadurch die Ausdauer habe.

        Die Verhaltenstherapie zeigt mir, wie ich die neuen Erfahrugen besser umsetzen kann.

        Aber auch: wie ich es mir selbst einfacher machen kann, wenn die Wirkung des Medikaments nachlässt.


        Die Kinder von Freunden bekommen zudem Konzentrationstipps, Tipps zur Organisation, Eigenstrukturierung, wie sie die STÄRKEN des ADS/ADHS für sich im Alltag einsetzen können
        wie sie gezielt ihre "SCHWÄCHEN" durch das ADS/ADHS anders nutzen können.

        Wie sie sich selbst austricksen / überwinden. Den normalen Schweinehund zu bezwingen ist eben doch anders, als den ADS-Schweinehund zu bezwingen. Beides geht! Nur beide mögen anderes Futter ;-)

        Je nach Alter der Kinder lernen sie auch was in ihrem Kopf passiert. Wie sie es umsetzen können. Wie sie Anzeichen bei sich selbst wahrnehmen (lernen) und damit umgehen können. Wut-Impulse, Hauruck-Impulse, aber auch wegträumen.... wie sie selbst ihre Punkte erkennen und wie sie selbst lernen handeln damit umzugehen.

        Bei manchen schon ab Anfang Grundschule/letztes Kindergartenjahr.
        Eben unter Berücksichtigung des ADS/ADHS und entsprechenden darauf zugeschnittenen Tipps.

        Bsp. einer Person meiner Größe würde ich dazu raten: nimm eine Leiter.
        Einer Person, die sehr viel größer ist, würde ich an der gleichen Stelle raten: duck dich, du bist größer als der Tunnel.

        Entsprechend würde ich einem Asperger, einem ohne was, einem Brillenträger und jemandem mit ADS/ADHS etwas anderes raten, um ans gleiche Ziel zu kommen: sich selbst wohlfühlen und lernen mit sich selbst und der Umwelt klar zu kommen.

        08/15 Standardtipps haben mir mit ADHS noch nie wirklich was gebracht. Bestenfalls nichts. Schlechtestenfalls vergeudete Energie und noch mehr Umwege, das wieder auszugleichen.

        Durch die Kombi aus Medikation und Verhaltenstherapie weiß ich jetzt auch warum und kann es für mich sinnvoller einsetzen. Das hilft sooo viel.
        Die Person kennt sich aber auch wirklich gut mit der Thematik aus.

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