ADS- bitte um Erfahrungen Und Empfehlungen

    • (1) 15.03.19 - 20:52

      Bei meiner 9. Jährigen Tochter ist die Diagnose frische 3 Tage alt :-(
      Ein Schock für uns! Aber wenn ich mich so um"lese" sind alle ADSler sooo gleich.
      Bei uns werden die Hausaufgaben seit der 2 Klasse in der hausaufgabenbetreuung gemacht - da funktioniert es wenigstens. Zu Hause ist es der reinste Horror. In der Schule werden die Probleme zunehmend sichtbarer. Sie ist mehr und mehr in ihrer Persönlichkeit gehindert. Auf ritalin möchte ich vorerst verzichten. Brauche jedoch Tipps die schnell umsetzbar sind. Ich möchte unserer Familie ein harmonisches Miteinander ermöglichen. Es ist sooo schlimm wenn dein Kind zu dir sagt: "Mama hilf mir bitte, ich will endlich ein normales Leben führen ".

      Besten Dank im Voraus

      • Schnell umsetzbar ist schwierig.

        Hilfreich können sein
        - Elterntraining
        - Begleittherapie von jemand, der sich mit ADS/ADHS wirklich auskennt
        - Besprechung mit dem behandelnden Arzt
        - Aufklärung zu dem Thema

        und die Info, dass der Wirkstoff nicht Ritalin ist, sondern Methylphenidat und dass es verschiedene Medikamente gibt. Nicht jedes passt zu jedem. Da ist Aufklärung wichtig


        Auch wenn es schwer fällt, sich nicht gegen die Diagnose wehren.

        "Es ist sooo schlimm wenn dein Kind zu dir sagt: "Mama hilf mir bitte, ich will endlich ein normales Leben führen "."

        Das sagt so viel.

        Ihr vermitteln, dass man auch mit ADS/ADHS sehr gut leben kann. Die Diagnose sollte der Anfang der Hilfe sein. Nicht Endstation.

        (3) 15.03.19 - 21:38

        Ich war letztes Wochenende auf einem ADHS Symposium in Bonn im Wissenschaftszentrum. Fazit: egal was für Therapien du machst - am besten funktionieren sie, wenn du zeitgleich gut auf Methylphenidat eingestellt bist. Du ersparst deinem Kind, seine Energie auf die Anstrengung zu verschwenden, sondern sie fließt ungehindert in die Therapie.
        Übrigends: Methylphenidat wirkt an den Rezeptoren, verändert sie jedoch nicht. Deswegen ist es auch folgenlos wieder absetzbar, wenn das nötig/möglich ist.
        Wende dich bei Fragen an das Bonner Lern- und Therapiezentrum!
        Gruß Anja

      Wie kommst du darauf, dass alle ADHSler gleich sind?🤔 Bitte nicht in so Stereotypen denken, das ist eines der größten Stigmas in Bezug auf ADHS!!

      Wichtig ist, dass du dich ausgiebig informierst, das geht mit lesen, lesen und lesen, hier bitte unbedingt auf gute Quellen achten.

      Ich kann dein Gefühl, erstmal auf methylphenidat verzichten zu wollen nachvollziehen.. ABER: stelle dir Fragen wie : was haben wir bereits unternommen, damit sich mein Kind besser fühlt?
      .. Und : was muss (noch) passieren, damit ich diese Option beanspruchen möchte? Unter Berücksichtigung, dass dein Kind offenbar sehr unter der Situation leidet..

      Wer sich ausreichend mit der Thematik befasst hat, weiß, dass methylphenidat oder auch andere Wirkstoffe die eingesetzt werden, einen wichtigen Baustein in der ADHS Therapie darstellen. Ist natürlich auch alles mit Geduld verbunden, die Einstellung kann schon mal etwas dauern und muss aufgrund Wachstum und hormonellen Veränderungen hin und wieder mal umgestellt werden, aber dabei wird man ja gut von dem behandelnden Arzt unterstützt.

      Lg

      • Auf den ersten Blick sind bei allen Betroffenen sie Symptome gleich. Sicher wenn man in die Tiefe geht, hat jeder sein Päckchen zu tragen.
        Ich sehe schon, ich muss mich ausgiebig dem Thema widmen.
        Meine Erstreaktion gegen Medikamente war sehr ablehnend aber ich bin dennoch offen und werde das nicht ausschließen.

        • Ein paar bestimmte Kernsymptome sind sicherlich gleich, wie unzureichende Konzentration, da hast du recht..

          Lass es erstmal ein paar Tage sacken, das braucht alles seine Zeit. Ich habe weiter unten gelesen, dass du eigentlich erst auf Medikamente zurück greifen möchtest, wenn "nichts mehr geht", das würde ich nochmal überdenken.

          Dass Ärzte schnell auf ritaln und Co zu sprechen kommen, liegt einfach daran, dass die Wirksamkeit wissenschaftlich bestätigt ist und es vielen Kindern Abhilfe schafft.

          Ich möchte das Ganze auch gar nicht verherrlichen, ich verstehe die Gedanken absolut und befand mich ebenfalls in dieser Zwickmühle. Erst versuchten wir es mit Neurofeedback, der Nutzen ist fraglich, bei dem einen klappts, bei dem anderen nicht, das muss vielleicht einfach mal ausgetestet werden. Bei uns brachte es leider nicht den gewünschten Erfolg. Durch die Medikation gelang es meiner Tochter überhaupt konzentriert den Unterricht zu folgen, bis dahin fühlte sie sich ständig unter Druck und verglich sich natürlich auch mit anderen Kindern, was dazu führte, dass sie einfach nur noch mies drauf war. Das zeigte sich auch deutlich in ihren Stimmungsschwankungen, was uns ganz schön an die Grenzen brachte..

          Es hat schon ne Weile gedauert, bis wir a) das richtige Medikament für sie gefunden haben und b) die richtige Dosierung eingestellt war.

          Alles Gute

    Was rät der Psychiater bezüglich Medikation? Als Denkansatz- hätte deine Tochter etwas „organisches“, würdest du dann vorerst auf eine Meditation verzichten? Ich verstehe deine Bedenken, deine Tochter und ihr als familie leidet jedoch und eine Mediation könnte ihr helfen.

    • In meinen Augen war die Diagnose nicht durchreift... zwar hat sie zwei Tests gemacht und wir Eltern und Schule je einen Fragebogen ausgefüllt aber irgendwas sträubt sich in mir, ob es denn wirklich so weit fortgeschritten ist, dass Medikamente nötig sind.
      Er kam sehr schnell auf Ritalin zu sprechen und meinte es gäbe keine Alternative. Und da mach ich unwillkürlich gleich zu.

      • (10) 16.03.19 - 07:21

        Wenn du bei dem Psychiater kein gutes Gefühl hast, würde ich wechseln. Ich glaube jedoch, dass es ein normaler Prozess ist, sich erstmal gegen die Diagnose zu sträuben. Natürlich wünscht man sich für sein Kind dies nicht. Soweit ich weiß sind die Tests standardisiert. Vielleicht musst du erstmal alles sacken lassen. Die medikation wird ja an den ausprägungsgrad angepasst. Alles gute

        (11) 16.03.19 - 08:44

        AD(H)S beruht auf einer Botenstoffstörung im Gehirn, dem Stoff Dopamin.
        Bei AD(H)S sammelt sich dieser Stoff in den Synapsenspalten (Nerventelle) an und liegt im Überfluss vor.
        Methyldephinat bindet sich an die Rezeptoren und ermöglicht so einen Abbau des überschüssigen Dopamins.
        Wird das Medikament abgesetzt. Verändern sich die Rezeptoren nicht und der Überschuss wird wieder produziert. Aaaaber: deine Tochter kommt ja noch in die Pubertät und somit in die Neuausrichtung ihres Gehirnes - oft reguliert sich der Stoffwechsel von alleine.
        Somit kann eine Medikamentierung minimiert werden, manchmal auch abgesetzt werden.

        Der Prof auf dem Symposium sagt: wenn Sie Zweifel haben, dann probieren Sie es doch aus. Zeigt es nach 6-8 Wochen keine Wirksamkeit, kann es problemlos abgesetzt werden.

        Das soll Dir bei deinen Zweifeln helfen. Wenn es nicht wirkt, ist es kein AD(H)S, denn bei gesunden Menschen kann das Medikament aufgrund des ausgeglichenen Hormonhaushaltes nicht wirken.....

        Desertieren kannst du ja ein
        Neurofeedback machen lassen (Bildgebendes Verfahren mittels Elektrodenkäppi a la EEG). Dort kann man AD(H)S „sehen“. Das erkläre ich aber jetzt nicht, sprengt den Rahmen.

        Alles Gute
        Anja

        (12) 16.03.19 - 09:20

        Hallo

        Unser Sohn hat auch diese Diagnose. Und ich fühle ganz genau wie du es beschreibst bezogen auf eine medikamentöse Therapie.

        Das folgende ist nur meine persönliche Gedankenlage. Nichts was irgendwie einen wissenschaftlichen Hintergrund aufweist. Das Gehirn ist noch voll in der Entwicklung und ich habe die Sorge, dass unser Kind nicht lernt sich selbst zu regulieren. Muss es dann lebenslang Medikamente nehmen um zurecht zu kommen? Wie sieht es mit Nebenwirkungen und Langzeitstudien aus?

        Ich selbst nehme Medikamente nur mit wirklichem Leidensdruck. Auch auf Hormone (Verhütung) verzichte ich. Bei unseren Kindern sehe ich das genauso. Wenn etwas wirklich medizinisch angeraten ist, dann bin ich dankbar für alle Möglichkeiten die es so gibt. Daher schließe ich die diversen Ad(H)S Medikamente nicht kategorisch aus. Ich möchte jedoch diesen Entschluss reifen lassen und erst die, offensichtlich sehr begrenzten, Alternativen ausgereizt haben. Da kommt es sicherlich auf den Schweregrad und den Leidensdruck an.

        Liebe Grüße

        • Genau das denke ich mir auch. Medikamente kommen bei uns wirklich erst zum Einsatz wenn es nicht mehr anders geht.
          Der Arzt hat uns versichert, dass es nichts schlechtes anrichtet und dass es keine körperliche Abhängigkeit gibt. Was ist aber mit der psychischen? Ich hätte Angst davor, dass meine Tochter irgendwann meint, sie kann ohne Medikamente kein vernünftiges Leben führen. Und sie ist eine, die gerne nach Hustensaft & Co. fragt. Sie ist da schon sehr empfänglich meiner Meinung nach.

          • "Genau das denke ich mir auch. Medikamente kommen bei uns wirklich erst zum Einsatz wenn es nicht mehr anders geht. "

            Hierbei ist aber auch die Gefahr, dass dann der Punkt überschritten ist.
            Also dass sich auf das ADS noch Depressionen oder andere Erkrankungen drauf gesetzt haben.

            ADS und schlechte Erfahrungen toppen sich häufig mehr, als bei anderen. Das Gehirn speichert diese anders ab.


            Die Anfälligkeit für andere Drogen ist bei ADSlern/ADHSler sehr viel höher.
            Z.B. hat Rauchen bei ADS eine ähnliche Wirkung wie Methylphenidat. Nur mit Abhängigkeit.
            Auch andere Drogen greifen intensiver. Während nicht ADSler high werden, macht das ADS-Gehirn die Erfahrung, dass es zum ersten Mal klar sieht.


            Durch den Leidensdruck anders zu sein, viel Energie für wenig Ergebnis aufzuwenden, kann es auch leichter zu anderen Anfälligkeiten/Suchterkrankungen kommen. Als Verarbeitung mit dem Frust umzugehen.

            Suchterkrankungen docken im ADS-Gehirn noch schneller/intensiver an.



            "Ich hätte Angst davor, dass meine Tochter irgendwann meint, sie kann ohne Medikamente kein vernünftiges Leben führen."

            Dafür sind Begleittherapien wichtig!

            Aufklärung für Eltern (Elterntraining!)
            Lernen für den Betroffenen.

            Bsp.

            ich bis als Erwachsene ohne Medikation, ohne WIssen, dass ich ADHS habe.
            Anstrengend. Es ging, aber es brauchte sehr viel Kraft und Willensstärke!

            Seit ich es weiß, lerne ich.
            Mit Medikament kann ich das Gelernte umsetzen. Automatisieren!!! (bei ADS/ADHS ganz wichtig)

            Wenn ich das Medikament wegen Krankheit oder anderen Gründen nicht nehmen kann, dann ist es, als wenn ich keine Brille aufhabe.
            Ich habe es sehr viel schwerer. Aber mit den gelernten ADHS-passenden!!! Überlebensstrategien komme ich gut durch.

            Früher: mehr schlecht als recht
            mit Medikation: super
            ohne Medikation aber durch passend gelerntes: ganz ok.



            Zum Hustensaft
            1. prüfe mal die Inhaltsstoffe
            bei ADS docken manche Stoffe Stellen im Gehirn leichter an und können Abhängigkeiten (psychisch, körperlich) sehr stark begünstigen!

            2. wirken manche Stoffe bei ADS anders.
            Z.B. macht manche (nicht alle) Koffein müde und Baldrian putscht auf

            3. dockt bei ADS das "es hilft, also nehme ich mehr" oft sehr viel stärker an, als bei anderen.


            Wenn du dahin gehend schon Tendenzen beobachtest,
            ist eine Begleittherapie sehr wichtig.

            Suchtprävention sollte aber unter Berücksichtigung der Grunddiagnose statt finden. Eben weil das Gehirn in dem Punkt anders funktioniert.



            Da ich an anderer Stelle schon schrieb, dass ich die Diagnose bei der Vorgehensweise eures Arztes noch mal überprüfen lassen würde:

            wenn es ADS ist: siehe wie beschrieben.
            wenn nicht: wurde ein Blutcheck gemacht, Mangelerscheinungen ausgeschlossen?


            Mein Körper holt sich das, was er braucht, wenn ich zu wenig davon habe.
            Plötzlich mag ich, was ich sonst nicht mag.
            Medikamente nehme ich nur nach Abwängung, Aufklärung und so wenig wie möglich.

            Dennoch merke ich, dass ich anfälliger für Lebensmittel, Medikamente, Geschmacksrichtungen etc. bin, wenn in einem Bluthaushalt etwas nicht stimmt.

        (15) 16.03.19 - 09:53

        Liebe Tosse,
        Verhalten ist etwas, das durch Nachahmung und Wiederholungen angeeignet wird. Das ist unabhängig von Medikation.
        Wenn die Medikation hilft, verhalten durch bessere Konzentration überhaupt wahrzunehmen, dann kann es nur hilfreich sein.

        Muss mein Kind ein Leben lang Tabletten nehmen?
        Nein.
        Ab einem gewissen Alter kann das Kind selbst entscheiden, ob es die Medis absetzen will. Aber bis dahin hat sich das (falsch/nicht oder gut) erlernte Verhalten manifestiert!
        Ich spreche aus Sicht einer Sonderpädagogin.
        Wie soll ich schreiben lernen, wenn die Buchstaben vor meinen Augen tanzen?
        Wie soll ich rechnen lernen, wenn das Geräusch draußen so interessant ist?
        Wie soll ich mich konzentrieren lernen, wenn ich neben 20 anderen Kindern sitze?
        Wie soll ich stillsitzen, wenn in meinem Körper Anspannung ist?
        Wie soll ich zuhören, wenn .....

        In der Verhaltenstherapie klappt es oft besser, weil die Reizüberflutung minimiert wird.

        Nur mal zum nachdenken 👋🏻

        Und: dein Leidensdruck war so groß, dass du dich für Medis entschieden hast.
        Wo legst du denn die Grenze für Leidensdruck bei deinem Kind fest? Wenn es ganz „offensichtlich“ leidet, dann besteht schon lange Leidensdruck! Die Probleme in der Schule sind Leidensdruck!
        Kommt noch Versagen dazu, können die Kommorbiden Krankheiten dazu kommen (u.a Depression etc), lies mal über Kommorbidität!

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