ADS- bitte um Erfahrungen Und Empfehlungen

    • (1) 15.03.19 - 20:52

      Bei meiner 9. Jährigen Tochter ist die Diagnose frische 3 Tage alt :-(
      Ein Schock für uns! Aber wenn ich mich so um"lese" sind alle ADSler sooo gleich.
      Bei uns werden die Hausaufgaben seit der 2 Klasse in der hausaufgabenbetreuung gemacht - da funktioniert es wenigstens. Zu Hause ist es der reinste Horror. In der Schule werden die Probleme zunehmend sichtbarer. Sie ist mehr und mehr in ihrer Persönlichkeit gehindert. Auf ritalin möchte ich vorerst verzichten. Brauche jedoch Tipps die schnell umsetzbar sind. Ich möchte unserer Familie ein harmonisches Miteinander ermöglichen. Es ist sooo schlimm wenn dein Kind zu dir sagt: "Mama hilf mir bitte, ich will endlich ein normales Leben führen ".

      Besten Dank im Voraus

      • (2) 15.03.19 - 21:33

        Schnell umsetzbar ist schwierig.

        Hilfreich können sein
        - Elterntraining
        - Begleittherapie von jemand, der sich mit ADS/ADHS wirklich auskennt
        - Besprechung mit dem behandelnden Arzt
        - Aufklärung zu dem Thema

        und die Info, dass der Wirkstoff nicht Ritalin ist, sondern Methylphenidat und dass es verschiedene Medikamente gibt. Nicht jedes passt zu jedem. Da ist Aufklärung wichtig


        Auch wenn es schwer fällt, sich nicht gegen die Diagnose wehren.

        "Es ist sooo schlimm wenn dein Kind zu dir sagt: "Mama hilf mir bitte, ich will endlich ein normales Leben führen "."

        Das sagt so viel.

        Ihr vermitteln, dass man auch mit ADS/ADHS sehr gut leben kann. Die Diagnose sollte der Anfang der Hilfe sein. Nicht Endstation.

        (3) 15.03.19 - 21:38

        Ich war letztes Wochenende auf einem ADHS Symposium in Bonn im Wissenschaftszentrum. Fazit: egal was für Therapien du machst - am besten funktionieren sie, wenn du zeitgleich gut auf Methylphenidat eingestellt bist. Du ersparst deinem Kind, seine Energie auf die Anstrengung zu verschwenden, sondern sie fließt ungehindert in die Therapie.
        Übrigends: Methylphenidat wirkt an den Rezeptoren, verändert sie jedoch nicht. Deswegen ist es auch folgenlos wieder absetzbar, wenn das nötig/möglich ist.
        Wende dich bei Fragen an das Bonner Lern- und Therapiezentrum!
        Gruß Anja

      Wie kommst du darauf, dass alle ADHSler gleich sind?🤔 Bitte nicht in so Stereotypen denken, das ist eines der größten Stigmas in Bezug auf ADHS!!

      Wichtig ist, dass du dich ausgiebig informierst, das geht mit lesen, lesen und lesen, hier bitte unbedingt auf gute Quellen achten.

      Ich kann dein Gefühl, erstmal auf methylphenidat verzichten zu wollen nachvollziehen.. ABER: stelle dir Fragen wie : was haben wir bereits unternommen, damit sich mein Kind besser fühlt?
      .. Und : was muss (noch) passieren, damit ich diese Option beanspruchen möchte? Unter Berücksichtigung, dass dein Kind offenbar sehr unter der Situation leidet..

      Wer sich ausreichend mit der Thematik befasst hat, weiß, dass methylphenidat oder auch andere Wirkstoffe die eingesetzt werden, einen wichtigen Baustein in der ADHS Therapie darstellen. Ist natürlich auch alles mit Geduld verbunden, die Einstellung kann schon mal etwas dauern und muss aufgrund Wachstum und hormonellen Veränderungen hin und wieder mal umgestellt werden, aber dabei wird man ja gut von dem behandelnden Arzt unterstützt.

      Lg

      • Auf den ersten Blick sind bei allen Betroffenen sie Symptome gleich. Sicher wenn man in die Tiefe geht, hat jeder sein Päckchen zu tragen.
        Ich sehe schon, ich muss mich ausgiebig dem Thema widmen.
        Meine Erstreaktion gegen Medikamente war sehr ablehnend aber ich bin dennoch offen und werde das nicht ausschließen.

        • Ein paar bestimmte Kernsymptome sind sicherlich gleich, wie unzureichende Konzentration, da hast du recht..

          Lass es erstmal ein paar Tage sacken, das braucht alles seine Zeit. Ich habe weiter unten gelesen, dass du eigentlich erst auf Medikamente zurück greifen möchtest, wenn "nichts mehr geht", das würde ich nochmal überdenken.

          Dass Ärzte schnell auf ritaln und Co zu sprechen kommen, liegt einfach daran, dass die Wirksamkeit wissenschaftlich bestätigt ist und es vielen Kindern Abhilfe schafft.

          Ich möchte das Ganze auch gar nicht verherrlichen, ich verstehe die Gedanken absolut und befand mich ebenfalls in dieser Zwickmühle. Erst versuchten wir es mit Neurofeedback, der Nutzen ist fraglich, bei dem einen klappts, bei dem anderen nicht, das muss vielleicht einfach mal ausgetestet werden. Bei uns brachte es leider nicht den gewünschten Erfolg. Durch die Medikation gelang es meiner Tochter überhaupt konzentriert den Unterricht zu folgen, bis dahin fühlte sie sich ständig unter Druck und verglich sich natürlich auch mit anderen Kindern, was dazu führte, dass sie einfach nur noch mies drauf war. Das zeigte sich auch deutlich in ihren Stimmungsschwankungen, was uns ganz schön an die Grenzen brachte..

          Es hat schon ne Weile gedauert, bis wir a) das richtige Medikament für sie gefunden haben und b) die richtige Dosierung eingestellt war.

          Alles Gute

    (8) 16.03.19 - 06:51

    Was rät der Psychiater bezüglich Medikation? Als Denkansatz- hätte deine Tochter etwas „organisches“, würdest du dann vorerst auf eine Meditation verzichten? Ich verstehe deine Bedenken, deine Tochter und ihr als familie leidet jedoch und eine Mediation könnte ihr helfen.

    • (9) 16.03.19 - 07:12

      In meinen Augen war die Diagnose nicht durchreift... zwar hat sie zwei Tests gemacht und wir Eltern und Schule je einen Fragebogen ausgefüllt aber irgendwas sträubt sich in mir, ob es denn wirklich so weit fortgeschritten ist, dass Medikamente nötig sind.
      Er kam sehr schnell auf Ritalin zu sprechen und meinte es gäbe keine Alternative. Und da mach ich unwillkürlich gleich zu.

      • (10) 16.03.19 - 07:21

        Wenn du bei dem Psychiater kein gutes Gefühl hast, würde ich wechseln. Ich glaube jedoch, dass es ein normaler Prozess ist, sich erstmal gegen die Diagnose zu sträuben. Natürlich wünscht man sich für sein Kind dies nicht. Soweit ich weiß sind die Tests standardisiert. Vielleicht musst du erstmal alles sacken lassen. Die medikation wird ja an den ausprägungsgrad angepasst. Alles gute

        (11) 16.03.19 - 08:44

        AD(H)S beruht auf einer Botenstoffstörung im Gehirn, dem Stoff Dopamin.
        Bei AD(H)S sammelt sich dieser Stoff in den Synapsenspalten (Nerventelle) an und liegt im Überfluss vor.
        Methyldephinat bindet sich an die Rezeptoren und ermöglicht so einen Abbau des überschüssigen Dopamins.
        Wird das Medikament abgesetzt. Verändern sich die Rezeptoren nicht und der Überschuss wird wieder produziert. Aaaaber: deine Tochter kommt ja noch in die Pubertät und somit in die Neuausrichtung ihres Gehirnes - oft reguliert sich der Stoffwechsel von alleine.
        Somit kann eine Medikamentierung minimiert werden, manchmal auch abgesetzt werden.

        Der Prof auf dem Symposium sagt: wenn Sie Zweifel haben, dann probieren Sie es doch aus. Zeigt es nach 6-8 Wochen keine Wirksamkeit, kann es problemlos abgesetzt werden.

        Das soll Dir bei deinen Zweifeln helfen. Wenn es nicht wirkt, ist es kein AD(H)S, denn bei gesunden Menschen kann das Medikament aufgrund des ausgeglichenen Hormonhaushaltes nicht wirken.....

        Desertieren kannst du ja ein
        Neurofeedback machen lassen (Bildgebendes Verfahren mittels Elektrodenkäppi a la EEG). Dort kann man AD(H)S „sehen“. Das erkläre ich aber jetzt nicht, sprengt den Rahmen.

        Alles Gute
        Anja

        (12) 16.03.19 - 09:20

        Hallo

        Unser Sohn hat auch diese Diagnose. Und ich fühle ganz genau wie du es beschreibst bezogen auf eine medikamentöse Therapie.

        Das folgende ist nur meine persönliche Gedankenlage. Nichts was irgendwie einen wissenschaftlichen Hintergrund aufweist. Das Gehirn ist noch voll in der Entwicklung und ich habe die Sorge, dass unser Kind nicht lernt sich selbst zu regulieren. Muss es dann lebenslang Medikamente nehmen um zurecht zu kommen? Wie sieht es mit Nebenwirkungen und Langzeitstudien aus?

        Ich selbst nehme Medikamente nur mit wirklichem Leidensdruck. Auch auf Hormone (Verhütung) verzichte ich. Bei unseren Kindern sehe ich das genauso. Wenn etwas wirklich medizinisch angeraten ist, dann bin ich dankbar für alle Möglichkeiten die es so gibt. Daher schließe ich die diversen Ad(H)S Medikamente nicht kategorisch aus. Ich möchte jedoch diesen Entschluss reifen lassen und erst die, offensichtlich sehr begrenzten, Alternativen ausgereizt haben. Da kommt es sicherlich auf den Schweregrad und den Leidensdruck an.

        Liebe Grüße

        • (13) 16.03.19 - 09:34

          Genau das denke ich mir auch. Medikamente kommen bei uns wirklich erst zum Einsatz wenn es nicht mehr anders geht.
          Der Arzt hat uns versichert, dass es nichts schlechtes anrichtet und dass es keine körperliche Abhängigkeit gibt. Was ist aber mit der psychischen? Ich hätte Angst davor, dass meine Tochter irgendwann meint, sie kann ohne Medikamente kein vernünftiges Leben führen. Und sie ist eine, die gerne nach Hustensaft & Co. fragt. Sie ist da schon sehr empfänglich meiner Meinung nach.

          • (14) 16.03.19 - 09:52

            "Genau das denke ich mir auch. Medikamente kommen bei uns wirklich erst zum Einsatz wenn es nicht mehr anders geht. "

            Hierbei ist aber auch die Gefahr, dass dann der Punkt überschritten ist.
            Also dass sich auf das ADS noch Depressionen oder andere Erkrankungen drauf gesetzt haben.

            ADS und schlechte Erfahrungen toppen sich häufig mehr, als bei anderen. Das Gehirn speichert diese anders ab.


            Die Anfälligkeit für andere Drogen ist bei ADSlern/ADHSler sehr viel höher.
            Z.B. hat Rauchen bei ADS eine ähnliche Wirkung wie Methylphenidat. Nur mit Abhängigkeit.
            Auch andere Drogen greifen intensiver. Während nicht ADSler high werden, macht das ADS-Gehirn die Erfahrung, dass es zum ersten Mal klar sieht.


            Durch den Leidensdruck anders zu sein, viel Energie für wenig Ergebnis aufzuwenden, kann es auch leichter zu anderen Anfälligkeiten/Suchterkrankungen kommen. Als Verarbeitung mit dem Frust umzugehen.

            Suchterkrankungen docken im ADS-Gehirn noch schneller/intensiver an.



            "Ich hätte Angst davor, dass meine Tochter irgendwann meint, sie kann ohne Medikamente kein vernünftiges Leben führen."

            Dafür sind Begleittherapien wichtig!

            Aufklärung für Eltern (Elterntraining!)
            Lernen für den Betroffenen.

            Bsp.

            ich bis als Erwachsene ohne Medikation, ohne WIssen, dass ich ADHS habe.
            Anstrengend. Es ging, aber es brauchte sehr viel Kraft und Willensstärke!

            Seit ich es weiß, lerne ich.
            Mit Medikament kann ich das Gelernte umsetzen. Automatisieren!!! (bei ADS/ADHS ganz wichtig)

            Wenn ich das Medikament wegen Krankheit oder anderen Gründen nicht nehmen kann, dann ist es, als wenn ich keine Brille aufhabe.
            Ich habe es sehr viel schwerer. Aber mit den gelernten ADHS-passenden!!! Überlebensstrategien komme ich gut durch.

            Früher: mehr schlecht als recht
            mit Medikation: super
            ohne Medikation aber durch passend gelerntes: ganz ok.



            Zum Hustensaft
            1. prüfe mal die Inhaltsstoffe
            bei ADS docken manche Stoffe Stellen im Gehirn leichter an und können Abhängigkeiten (psychisch, körperlich) sehr stark begünstigen!

            2. wirken manche Stoffe bei ADS anders.
            Z.B. macht manche (nicht alle) Koffein müde und Baldrian putscht auf

            3. dockt bei ADS das "es hilft, also nehme ich mehr" oft sehr viel stärker an, als bei anderen.


            Wenn du dahin gehend schon Tendenzen beobachtest,
            ist eine Begleittherapie sehr wichtig.

            Suchtprävention sollte aber unter Berücksichtigung der Grunddiagnose statt finden. Eben weil das Gehirn in dem Punkt anders funktioniert.



            Da ich an anderer Stelle schon schrieb, dass ich die Diagnose bei der Vorgehensweise eures Arztes noch mal überprüfen lassen würde:

            wenn es ADS ist: siehe wie beschrieben.
            wenn nicht: wurde ein Blutcheck gemacht, Mangelerscheinungen ausgeschlossen?


            Mein Körper holt sich das, was er braucht, wenn ich zu wenig davon habe.
            Plötzlich mag ich, was ich sonst nicht mag.
            Medikamente nehme ich nur nach Abwängung, Aufklärung und so wenig wie möglich.

            Dennoch merke ich, dass ich anfälliger für Lebensmittel, Medikamente, Geschmacksrichtungen etc. bin, wenn in einem Bluthaushalt etwas nicht stimmt.

        (15) 16.03.19 - 09:53

        Liebe Tosse,
        Verhalten ist etwas, das durch Nachahmung und Wiederholungen angeeignet wird. Das ist unabhängig von Medikation.
        Wenn die Medikation hilft, verhalten durch bessere Konzentration überhaupt wahrzunehmen, dann kann es nur hilfreich sein.

        Muss mein Kind ein Leben lang Tabletten nehmen?
        Nein.
        Ab einem gewissen Alter kann das Kind selbst entscheiden, ob es die Medis absetzen will. Aber bis dahin hat sich das (falsch/nicht oder gut) erlernte Verhalten manifestiert!
        Ich spreche aus Sicht einer Sonderpädagogin.
        Wie soll ich schreiben lernen, wenn die Buchstaben vor meinen Augen tanzen?
        Wie soll ich rechnen lernen, wenn das Geräusch draußen so interessant ist?
        Wie soll ich mich konzentrieren lernen, wenn ich neben 20 anderen Kindern sitze?
        Wie soll ich stillsitzen, wenn in meinem Körper Anspannung ist?
        Wie soll ich zuhören, wenn .....

        In der Verhaltenstherapie klappt es oft besser, weil die Reizüberflutung minimiert wird.

        Nur mal zum nachdenken 👋🏻

        Und: dein Leidensdruck war so groß, dass du dich für Medis entschieden hast.
        Wo legst du denn die Grenze für Leidensdruck bei deinem Kind fest? Wenn es ganz „offensichtlich“ leidet, dann besteht schon lange Leidensdruck! Die Probleme in der Schule sind Leidensdruck!
        Kommt noch Versagen dazu, können die Kommorbiden Krankheiten dazu kommen (u.a Depression etc), lies mal über Kommorbidität!

    (16) 16.03.19 - 09:38

    "ob es denn wirklich so weit fortgeschritten ist, dass Medikamente nötig sind."

    Der Satz deiner Tochter, dass du ihr bitte helfen mögest, drückt ihren Leidensdruck soweit aus, dass es soweit "fortgeschritten" ist.

    Wobei ich bei ADHS nicht als "fortgeschritten" sprechen würde. Entweder man hat es oder man hat es nicht.
    Wenn, dann ist der Leidensdruck soweit fortgeschritten! Den drückt deine Tochter durchaus aus.

    Das Problem kann auch sein: wenn der Leidensdruck ZU weit fortgeschritten ist, dass weitere Therapien schlechter wirken und es insgesamt länger dauert, wieder grünen Boden zu finden. Daher würde ich aus Erfahrung nicht ZU lange warten.


    "Er kam sehr schnell auf Ritalin zu sprechen und meinte es gäbe keine Alternative."

    Das kann ich bei KEINEN Ärzten leiden.
    Wer mir sagt, ich soll Medikamente nehmen ohne wirkliche Diagnose, ist bei mir unten durch.

    Ritalin ist definitiv nicht die einzige Alternative!

    Grund:
    1. der Wirkstoff heißt Methylphenidat und NICHT Ritalin
    2. der Wirkstoff Methylphenidat ist in verschiedenen Medikamenten. Ritalin, Medikinet und weitere.
    Jeweils in unterschiedlicher Zusammensetzung. Manche reagieren auf Ritalin super und Medikinet so gar nicht. Andere reagieren gut auf Medikinet und sehr schlecht auf Ritalin. Das ist zu beachten.
    3. inzwischen gibt es wohl noch andere Präperate, andere Grundwirkstoffe, die dann eine Alternative bieten, wenn Medikinet / Ritalin nicht das sind, was hilft.

    Meinte er, dass es nur mit Medikament in den Griff zu bekommen ist? Dann könnte ich die Aussage HALBwegs nachvollziehen, aber auch hier wäre ich skeptisch.


    Ein guter Arzt, der sich mit ADS/ADHS auskennt, verschreibt beides in Kombination.
    Medikament UND Begleittherapie.
    Begleittherapien können sein
    - spezialisierte Ergo
    - Elterntraining
    - usw.

    Wenn du unsicher bist, welcher Arzt sich bei euch auskennt, suche nach Erfahrungen von Betroffenen!

    Aus Erfahrung mit dem Thema (habe selbst ADHS) finde ich folgende Punkte wichtig bei der Arztwahl

    - echte Erfahrungen / Kenntnisse
    - Elternfragen ernst nehmen
    - Kind ernst nehmen, wenn Kind erzählt
    - regelmäßige Kontrolltermine bei Medikation (mit Besprechung, wie das Medikament wirkt, sowohl das Kind fragen, als auch die Eltern)
    - Aufklärung!
    wie sollte das jeweilige Medikament wirken; warum; was ist zu tun, wenn nicht; bei welchen Symptomen sollte man sich sofort melden; bei welchen kann man beruhigt sein; wie verläuft die Einstellungszeit ab; warum wann welche Dosierung; Hinweise zur Einnahme;
    uvm.



    Auch wenn mir selbst das ADHS Medikament sehr gut hilft.
    Und durchaus den Leidensdruck bei deiner Tochter herauslese:

    würde ich trotzdem noch mal die Diagnose überprüfen lassen
    und die Beratung (ggf. Medikation) von einem Arzt einstellen lassen, der sich damit auskennt. Siehe Punkte oben.


    Dazu würde ich nicht nach Facharztbegriff suchen, sondern wirklich nach Erfahrungen von Betroffenen!

    Ich kenne Psychiater, die haben null Ahnung und einen, der sich auskennt.
    Ich kenne Psychologen, die sich null damit auskennen, manche aber schon.
    Manche schreiben sich auch ganz groß drauf, sich damit auszukennen und stellen sich dann als :-[ heraus.

    Die besten Tipps habe ich von Betroffenen erhalten, die selbst nach langer Suche endlich einen Glücksgriff hatten und gut aufgehoben sind beim jeweiligen Arzt.
    Wenn dann noch die Chemie passt, ist das echt hilfreich und super.

(17) 16.03.19 - 11:20

Wir bekamen die Diagnose mit 7, es betraf Mittelsohn. Wir haben dann bei der Ergo das Marburger Konzentrationstraining gemacht, das hat gut geholfen. Wir hatten noch ein Rezept für das Ritalin in der Tasche, falls es nicht anders geht.
Hier war es so, dass der Leidensdruck bei meinem Mittleren nicht vorhanden war--eher bei seinem Umfeld und seinen Lehrern. Auch habe ich die stetigen Verbesserungen in seinem Verhalten gesehen, auch wenn er den anderen in den Verhaltensweisen immer hinterher hinkte.
Jetzt ist er fast 14 und man merkt da quasi nichts mehr von. Er kann sich gut konzentrieren, ist beliebt in der Klasse und hat jetzt die Leitung der Schulcafeteria übernommen, also genießt er in der Schule auch volles Vertrauen.
Jetzt muss nur noch an seinem Fleiß gefeilt werden #zitter

lg

(18) 16.03.19 - 20:47

Bei meinem Sohn würde mit 6 Jahren ADS diagnostiziert. Wir haben es ein Jahr mit Ergotherapie, Konzentrationstraining und Elterntrainig probiert. Als nach einem Jahr er anfing depressiv zu werden und Sätze fielen wie "Ich bin einfach zu doof für die Schule, es wäre besser, wenn es mich gar nicht geben würde." haben wir uns in Sachen MPH aufklären lassen.
Und es ausprobiert.
Der Effekt war erstaunlich. Kind kam deutlich besser klar und die Therapien laufen weiter.
Einmal im Jahr wird ein Auslass ersuche gestartet. Bisher stellte sich raus, dass er es noch braucht. Mal sehen wie lange.
Aber im Endeffekt habe ich es bereut, nicht früher mit MPH angefangen zu haben. Dann hätte sein Selbstwertgefühl nicht so gelitten...

(19) 17.03.19 - 14:41

Ich kenne viele Erwachsene die sich alle gewünscht hätten,früher Medikamente zu bekommen um ihr Leben auf die Reihe zu bekommen....

(20) 17.03.19 - 20:28

Hallo!
Ich würde immer eine 2. oder 3. Meinung einholen und zwar bei unterschiedlichen Institutionen, Psychiatern und KJPs. Dass AD(H)S immer öfter, und auch oft falsch diagnostiziert wird, ist ja kein Geheimnis, ebenso wie die "alternativlose" Psychopharmakotherapie. Dass sich Symptome in bildgebenden Verfahren abbilden lassen, bedeutet nicht, dass sie mit Medikamenten behandelt werden müssen. Depressionen (die sich nicht selten hinter einem angeblichen AD(H)S verbergen), lassen sich auch darstellen, trotzdem würde niemand ernsthaft behaupten wollen, man könne sie nur mit Antidepressiva behandeln. Man muss sehr genau und vorsichtig diagnostizieren und sich die Mühe machen, hinter die offensichtlichen Symptome gucken. Alles Gute! n.

(21) 18.03.19 - 10:28

Hallo,

ich würde mir als erstes jemanden suchen, bei dem Ihr Euch gut aufgehoben fühlt.
Deine Aussage zu der Dame, wo Ihr da gewesen seid, zeugt davon, dass das bei Ihr nicht der Fall ist.

Es gibt Fälle von Kindern mit ADS, wo es nicht ohne Medikamente geht, aber ich würde das auch nicht als erstes ausprobieren wollen.
Ein guter Kinderpsychiater sollte Euch andere Tips geben können, was man davor ausprobieren kann.

Wichtig ist, solchen Kindern, Struktur vorzugeben.
Umfangreichere Aufgaben muss man in kleine Schritte unterteilen.
Die Kinder brauchen 1000 Wiederholungen, wenn sie etwas nicht wirklich interessiert, damit es beim 1001. mal hängen bleibt.

ADS-Kinder können sich übrigens sehr wohl konzentrieren, wenn sie etwas interessiert. ;-)

Unser Sohn (9) hat (angeblich leichtes) ADS und nimmt keine Medikamente. Man muss aber zu Hause ständig hinter ihm her sein, damit er irgendwelche Alltagsdinge erledigt und nicht nur träumend in der Gegend herum steht oder mit Playmobil spielt.
Schule findet er zum Glück interessant, solange es da zügig vorwärts geht. Deswegen läuft das gut. (Wenn er nicht so viel herum schusseln würde, würde es sogar sehr gut laufen.)
Wir wiederholen aber vor jeder Klassenarbeit mantraartig, dass er die Aufgabenstellung konzentriert lesen soll, dass er ausführlich schreiben soll, dass er am Ende sorgfältig lesen soll, was er geschrieben hat und dass er nicht vor Ende der Zeit abgeben soll.
Das bessert sich aber in letzter Zeit.
Anfangs musste ich immer hinter ihm her sein, dass er seine Materialien dahin räumt, wo sie hin gehören und seine Kleidung nicht quer durch die Schule verteilt.
Offenbar habe ich ihn damit irgendwann so genervt, dass er beschlossen hat, selbst darauf zu achten. ;-)

LG

Heike

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