Ankreuz-Zeugnisse versus Berichtszeugnisse

Hallo zusammen,

ich habe mal eine Frage, die mich schon länger interessiert.

Wie einige hier wissen, bin ich Grundschullehrerin. Jetzt in den Osterferien beginne (!) ich wie immer mit meinen Berichtszeugnissen. Um Missverständnissen vorzubeugen: NEIN, ich schreibe die nicht JETZT FERTIG und dann bleiben die so. ;-) Ich fange jetzt an. Zum Ende wird natürlich nochmal jedes Zeugnis überarbeitet und geguckt, was sich verändert hat. Aber ich beschreibe ja die Entwicklung übers gesamte Jahr. Deshalb kann ich auch früh beginnen und das Ganze mit Ruhe und Zeit machen, damits vernünftig wird.

Nun sitze ich hier, versuche die Entwicklung jedes Kindes genau zu beschreiben und denke gleichzeitig mit einem weinenden Auge daran, dass es bei meinem eigenen Kind "nur" eines dieser Ankreuz-Zeugnisse bekommt. #gruebel

Ich habe Ankreuz-Zeugnisse letztes Jahr zum ersten Mal als Mutter mitbekommen. Bis dahin dachte ich immer: "Hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich mag lieber Berichtszeugnisse, aber jeder Jeck ist anders."
Aber als ich dieses Ankreuz-Monster (7 Seiten) meines Sohnes in der Hand hatte, stellte ich fest: Das beste Ankreuz - Zeugnis kann höchstens ein mittelprächtiges Berichtszeugnis sein. Und ich fand, das Ankreuz-Zeugnis selbst war schon sehr vernünftig entworfen, die Punkte machten alle Sinn - daran scheiterte es nicht!

Ich schreibe mal, wie ich es wahrgenommen habe:

1.) Wenn in einem Bereich alle Kreuzchen vorne sind, ist alles in Butter. Dann gibts auch kein Problem beim Lesen des Zeugnisses. Wenn hingegen die Kreuzchen mal vorne, mal in der Mitte und mal hinten sind, dann ist es furchtbar schwierig, sich daraus ein kohärentes Bild zu "puzzeln". Ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir in solchen Fällen den Bereich zehnmal durchgelesen und hatte noch immer keine vernünftige Vorstellung, wie sich mein Kind denn jetzt im Unterricht verhält.

2.) Das Ankreuz-Zeugnis gibt überhaupt keine Auskunft über die Lernentwicklung. Das ist mir persönlich beim Schreiben immer sehr wichtig. Fällt hier komplett weg.

3.) Manche Dinge kann man überhaupt nicht über ein Kreuzchen-Schema beschreiben. Beispiel: Ein Kind hat große motorische Probleme. Im Kunstunterricht sind seine Ergebnisse also nicht sooo akkurat. Kind ist aber immer mit Feuereifer bei der Sache, mischt stundenlang ganz besondere Farben und füllt das Blatt vollständig. Meist versucht es so lange, die Farben schön kräftig und deckend aufzutragen, bis das Blatt reißt. #schein
Das Ergebnis kann man selten so richtig erkennen, aber die Performance ist der Hammer. #rofl
Tscha. Und dann Ankreuzzeugnis. Nähme ich bei diesem Schüler das Format meines Sohnes, es wären alle Kreuzchen hinten. #schmoll

4.) Eigentlich eine Zusammenfassung von 2 und 3: Ich empfand das Zeugnis meines Sohnes beim Durchlesen als defizitorientiert. Entweder, eine Leistung war "okay" oder es bestand ein Mangel. Wie demotivierend für Kinder, die sich zum Beispiel anstrengen, eine gute Entwicklung machen, aber doch hinten anstehen. Am Ende bleibt: Alle Kreuzchen hinten.
Vielleicht lag das an der Einteilung. Es gab "voll", "größtenteils", "teilweise" und "kaum". Ist vielleicht bei anderen anders. Aber ich habe diese Art als defizitorientiert empfunden.

So. Lange Rede, kurzer Sinn. Was ich euch fragen wollte:
Ich habe der Lehrerin meines Sohnes aus ehrlichem Interesse mal die Frage gestellt, weshalb das Ankreuzformat gewählt wurde.
Ihre Antwort: "Wissen Sie, das ist sooo viel Arbeit mit den Berichtszeugnissen. Die Arbeit wäre für mich okay, wenn ich das Gefühl hätte, die Eltern lesen das auch. Ich glaube aber, was da an Text steht, das interessiert sowieso keinen."

Und genau das würde mich persönlich interessieren. Ich kann mir das nämlich überhaupt nicht vorstellen. Jedenfalls beim Großteil der Eltern nicht. Und habe auch eine andere Wahrnehmung als Lehrerin. Ich habe schon das Gefühl, "meine" Eltern lesen das Zeugnis und sind auch sehr dankbar, mal am Ende des Schuljahrs ausführlich zu erfahren, was ihr Kind gemacht hat und wo es steht.

Hinzufügen möchte ich allerdings: Mir ist klar, dass nicht jeder Lehrer einen hohen Anspruch an Berichtszeugnisse stellt. Ich hab auch schon Zeugnisse von Kollegen Korrektur gelesen, wo ich das Gefühl hatte, da wurden die Satzbausteine des Zeugnisprogramms zusammen geklickt. Und da steht leeres Blabla.
Ich kann natürlich jeden verstehen, der dann sagt: "Davon fühle ich mich nicht gut informiert. Dann habe ich lieber eine Skala mit Kreuzchen und weiß, woran ich bin"

Die Frage ist, ob das denn sooo häufig vorkommt. Oder ob die "handgeklöppelten" Berichtszeugnisse nicht doch ganz dankbar gelesen werden.

Außerdem würde mich interessieren, ob es anderen auch so geht, dass sie Ankreuz-Zeugnisse als schwer lesbar empfinden. Jedenfalls, wenn die Kreuzchen in einem Lernbereich "überall verteilt" sind. Vielleicht bin ich da ja betriebsblind und "normalen" Eltern geht es ganz anders als mir.

Ich bin sehr interessiert an euren Rückmeldungen! :-)

LG

Hallo,
ich bin ebenfalls Grundschullehrerin und hätte liebend gerne Ankreuzzeugnisse. Und ja, ich bin voll auf Linie der Klassenlehrerin deines Sohnes. Ich arbeite an einer absoluten Brennpunktschule im tiefsten Ruhrpott mit über 80% Migrantenanteil und vielen bildungsfernen Familien. Da verstehen viele Eltern schlicht gar nicht, was ich da mühsam ausformuliere. Da ich ja gehalten bin, alles möglichst positiv zu formulieren, denken sie tatsächlich, alles wäre prima und bei den Übergangsgesprächen in Klasse 4 fallen sie dann aus allen Wolken, weshalb es nur die Hauptschule werden kann.
Für mich als Lehrerin wäre es also deutlich ökonomischer.
Als Mutter dagegen bin ich auf deiner Seite und freue mich, dass meine Tochter eine ausführliche und individuelle Beschreibung ihrer Leistungen erhält.
LG

Hallo,

danke für deine Antwort!

Bei Brennpunktschulen kann ich dir Entscheidung fürs Ankreuzzeugnis absolut verstehen! Da sehe ich die Sache ähnlich!

Ich habe in der Klasse nur eine Mutter, die nicht ausreichend deutsch spricht, um das Berichtszeugnis zu verstehen. Obwohl man sich im Alltag gut verständigen kann. Die lade ich mir vielleicht ein und spreche mit ihr das Zeugnis durch (sie ist allein erziehend und gerade erst in unsere Region gezogen).

Aber an einer Brennpunktschule ist das eine ganz andere Nummer.

LG

Hi,

in der Schule sind wir schon lange beim Zeugnis mit Noten - was mir sehr gut gefällt :-)

In der Grundschule gab es in der 1. + 2. Klasse nur Berichtszeugnisse. Unsere Lehrerin gab sich auch immer sehr viel Mühe und erläuterte schon bei den Elternsprechtagen Dinge wie Lernverhalten, Verhalten allgemein, Entwicklung, evtl. Defizite.

ABER: ich fand die Zeugnisse trotz der Mühe, die sie sich machte, für mich nicht so wirklich aussagekräftig. Irgendwie habe ich den Eindruck gewonnen (bekam auch andere Zeugnisse gezeigt), dass es eher darum ging, die Kinder nicht zu demotiveren und vieles positiver auf dem Zeugnis zu schreiben, als es wirklich war/ist.

Ankreuz-Zeugnisse kenne ich aus dem Berufsleben. Hier allerdings in aller Regel mit dem Schulnotensystem: 1 - sehr gut bis 6 - ungenügend und dann innerhalb dieser Noten nochmal Kreuz links im Feld +, Mitte volle Note, rechts - (also 2+ / 2 / 2-).
Damit konnte ich immer gut umgehen. Deshalb denke ich, ich könnte auch in der Schule mit einem Zeugis, selbst wenn es nur 4 Möglichkeiten bietet, etwas anfangen. Immer vorausgesetzt allerdings, dass es ein fixes Elterngespräch im Jahr/Halbjahr gibt, wie es bei uns war. Ohne stelle ich es mir nicht so aussagekräftig vor.

Und nun zu meiner persönlichen Meinung:

Ich selbst bekam in der 1. Klasse ein Berichtszeugnis zur Versetzung. Das war in kompletter Textform über den gesamten Unterricht geschrieben und nicht wie bei meinem Sohn pro Fach. Das finde ich immer noch gut - selbst ich kann heute noch nachvollziehen, wie meine Lehrerin mich damals gesehen hat und kann sagen: ja, aus der Erinnerung heraus und wie ich später war/bin - das passt.

Ab der 2. Klasse gab es Noten. Für mich immer noch die besten und aussagekräftigsten Zeugnisse bzw. die, die am einfachsten zu lesen sind. Zumal man ja auch hier Elternsprechstunden hat, Noten der Kinder zu sehen bekommt (ggfs. mit Fußnote) etc.

Die langen und vielen Texte der Grundschulzeugnisse meines Sohnes habe ich schon lange vergessen und kann nicht sagen, wie er eingeschätzt wurde. Ich weiß aber noch sehr genau, das ich in der Grundschule immer nur 2er auf dem Zeugnis hatte - bis auf "Schrift" und "Ordnung" :-) das war meist eine 3.

Gruß
Kim

Hallo,

danke für deine Antwort!

Für mich schaffen Noten nur eine Schein-Klarheit. Aber das ist eine ganz andere Diskussion. ;-)

Ich sprach hier von den Berichtszeugnissen 1.-3. Schuljahr, wobei hier im 3. Schuljahr auch Noten dabei sind.

LG

Hallo,

wir leben in Bayern, aufgewachsen bin ich in NRW.

Wir haben an der Grundschule meines Sohnes in den ersten drei Klassen zum Halbjahr Lernentwicklungsgespräche und nur zum Ende der ersten Klasse ein reines Berichtszeugnis. In Klasse zwei und drei gab es Noten und darunter eine kurze Erläuterung der Entwicklung des Kindes. Passt so, nicht zu viel und nicht zu wenig für UNS als Eltern. In Klasse vier habe ich bisher noch gar kein Zeugnis gesehen, nur einen "Zettel" mit den Noten in D, M und HSU.

Als Logopädin, die viel mit Kindern gearbeitet hat, muss sagen jeder Text in der derzeitigen ist zu viel. Satzbau und Wortschatz entspricht von Akademikern für Akademikern und dann das ganze noch positiv formuliert, das versteht der wenigste. Ich habe x Zeugnisse übersetzt, weil häufig meine Wahrnehmung des Kindes laut Eltern viel schlechter war als die der Eltern. Natürlich waren sie immer wieder "erschrocken" nach der Übersetzung des Zeugnisses. Daher wäre ich für ein Mittelding ohne Schnick und Schnack, gerne in leichter Sprache.

Die wirklich "schlimmste" Zeugnisform habe ich einmal bei meinem Mann gesehen. Der durfte an einer Förderschule Lernen drei Din A 4 Seiten schreiben, in einer Sprache die weder Kinder noch Eltern verstanden haben. So viel Geschwrubbel habe ich selten gelesen. Selbst mein Mann rätselte über die Bedeutung mancher Formulierung, wie sollten dann Eltern dieser Schüler dies verstehen?

Meiner Meinung nach sollten die Schulen selbständig entscheiden dürfen welche Art von Zeugnis sie ausgeben, der schönste Bericht bringt nichts, wenn Eltern diesen nicht verstehen. Wenn Berichte ausgegeben werden, sollte auf eine einfache und leicht verständliche Sprache geachtet werden und nicht auf Teufel komm raus alles positiv formuliert werden.
Die negativ Bemerkung aus dem Zeugnis letztes Jahr in Sport hat Junior sehr gut verstanden und dementsprechend dieses Schuljahr an sich gearbeitet.

Daher weniger ist mehr.

LG Reina

Hallo Reina,

danke für deine Antwort.

Dass du verständliche und nicht zu positive Berichte wünschst, kann ich unterschreiben. Ich weiß nicht, wie es in eurer Gegend gehandhabt wird. Aber ich kenne die Formulierungen aus den Zeugnisprogrammen. Und die sind _gruselig_. Wenn du sowas meinst, bin ich ganz bei dir. Ich kapiere die teilweise auch nicht.

Aber die sind wohl juristisch nicht anfechtbar. Na dann. #gruebel

LG

Hallo,

die meisten Zeugnisse werden liebevoll selbst formuliert, aber die ganze Arbeit nützt nichts, wenn die Eltern es nicht oder nur gering verstehen. Mein Eindruck ist immer wieder, dass Eltern das Lesen was sie lesen wollen und so mehr geschrieben wurde, umso weniger wird dies aufgenommen.

Als ich zur Grundschule ging, in NRW von 1979 bis 1983, wurden die Zeugnisse mit Füller geschrieben auf einer DIN A 4 Seite. Als ich meinen Mann 1997 kennenlernte, tippte er Zeugnisse auf der Schreibmaschine und diese waren nicht länger als 1 1/4 Din A 4 Seite. Vor drei Jahren waren die Zeugnisse fast zwei kleingedruckte DIN A 4 Seiten, dies ist meiner Meinung nach zu viel.

Gut haben mir die Lernentwicklungsgespräche gefallen, auch wenn dieses Gespräch zwischen Kind und Lehrkraft stattfindet, so kann man als Eltern dazwischen fragen bzw. hinterfragen. Juniors Rechtschreibung zeigt eine gewisse kreative Ader, angekreuzt war hat eine gute Rechtschreibung. Mein Gedankenkarussel drehte sich wie man dem Kind eine gute Rechtschreibung bescheinigen konnte. Auf Nachfragen war dies gemessen an der Rechtschreibleistung der Klasse und nicht am Durchschnitt der Altersklasse.

Ich finde, wir müssen wieder zu einer klaren und manchmal auch wieder reduzierten Sprache, vor allem im Satzbau zurückfinden. Hauptsätze mit maximal einem Nebensatz, die Wortwahl dem "Kundenkreis" angemessen und nicht nach meiner/unserer Ausbildung. Wenn wir dies schaffen, können wir vielleicht eine überzogene Erwartungshaltung an Lehrer, Ärzte und Therapeuten durchbrechen. Sind wir echt und scheuen uns nicht die Wahrheit zu sagen/schreiben ist die Landung in der Realität für die Eltern, Angehörige etc. nicht ganz so hart.


LG von Reina, deren Beruf eher Hexe und Wahrsagerin ist und nicht mehr Logopädin

Ankreuzzeugnisse kenne ich nicht.

Ich kenne nur Notenzeugnisse
Berichtszeugnisse
Ankreuzformulare für Testungen, wenn bei einem Kind Auffälligkeiten bestehen, die durch Arzt/SPZ etc. geklärt werden sollen. Da werden dann Fragebögen an Lehrer/Erzieher weiter gegeben.


Berichtszeugnisse wurden wirklich kaum gelesen. Wenn keine Probleme bestanden, wurden sie überflogen und zur Seite gelegt.

Gelesen wurden sie von Eltern, deren Kinder Hilfe brauchen/brauchten. Dann können diese Berichtszeugnisse hochinteressant sein. Beispielsweise wurde bei meiner ADHS Testung als Erwachsene genau nach meinem Berichtszeugnis der ersten und zweiten Klasse gefragt!
Spätere Noten interessierten dabei nicht, weil Noten nichts zur ADHS Problematik aussagen können. Gute Noten (Ausgleich durch Hochbegabung, strenge Eltern, eigener Ehrgeiz, einfach gestellte Klassenarbeiten), schlechte Noten (Faulheit, Desinteresse, ADS/ADHS, falsche Lerntechniken, Krankheiten, andere Umstände, sonstiges).

Da bei Auffälligkeiten nach Berichtszeugnissen ohnehin Lehrer/Erzieher/Trainer mit ins Boot geholt werden und seitenweise Fragebögen zum Ankreuzen ausfüllen sollen, wirkt es auf mich so, als würde man das gleich zusammen legen.


Interesse für dienigen, die an der Entwicklung interessiert sind bzw. Ansatzpunkte brauchen um zu wissen, wann wo wie ob sie ansetzen sollten bezüglich Förderung, Forderung, Druck rausnehmen etc.

Die meisten, könnte ich mir vorstellen, werden es überfliegen und auch dann zur Seite legen. Es klappt ja alles, wird schon passen.


Bei denen es Auffälligkeiten gibt, die im Berichtszeugnis erfasst werden müssten, sollten, wussten es alle betroffenen Eltern schon während des Schuljahres. Gespräche, Interaktion zwischen den Erwachsenen teilweise mit Kinderarzt etc.

Bei denen es lief, lief es. Dann gab es zum Halbjahr eine mündliche Sprechstunde. Schriftliches Halbjahreszeugnis der ersten Klasse gab es nicht. Nur auf Wunsch einen Kurzbericht für andere Stellen, wenn nötig.

Zum Schuljahresende gab es in der Grundschule ebenfalls mündliche Berichterstattung. Wer wollte konnte mitschreiben.
2. Klasse war noch schriftlich in Berichtform, zum Halbjahr auch.

3. und 4. Klasse waren Notenzeugnisse und mündliche Gespräche mit den Eltern bezüglich weiterführender Schule. 10 Minuten Austausch über die wichtigsten Entwicklungspunkte und welche Schulform passen könnte. Dazu eine Seite mit Kreuchen (Empfehlung) und Unterschrift. Haupttext rechtliches.


Eine Lehrerin fragte auch mal, warum es so ausführlich sein müsste.
Antwort der Lehrerin meines Kindes: sie sei sich bewusst, dass es die wenigsten lesen würden. Die aber, die es lesen, würden es brauchen und da käme es auf jede Formulierung an.

In meinem Fall knapp 30 Jahre später #schein Das hat mir damals sehr geholfen.
Ankreuzzeugnis hätte es vielleicht auch getan. Vielleicht. Fragebögen für Eltern/Bezugspersonen aus einem damaligen Umfeld bekamen solche Fragebögen um dem Arzt bei meiner Diagnose zu helfen. Die Fragebögen waren schon fertig erstellt und sind standatisiert.

Und ich vergaß die Eltern, die jeden einzelnen Satz auf die Goldwaage legten. Zum Glück nur wenige, diese umso intensiver.

Warum schreiben Sie mein Kind könne nicht...
könnten Sie das nicht schöner ausdrücken? So sieht es aus, als würde mein Kind das nicht können
- eben, das schrieb ich doch: Ihr Kind kann es noch nicht, wird es aber lernen. Ihr Kind ist nicht schlecht, sondern braucht einfach nur mehr Übung.

Dann können Sie das doch auch so schreiben.


Ähnlich wie bei Arbeitszeugnissen: es soll schön formuliert sein, Kind gut dastehen, aber ehrlich sollte es auch sein und dazu noch so formuliert, dass es passt.


Manche Menschen haben ein Händchen dafür, andere so gar nicht.
Manche können es in Elterngesprächen super ausdrücken.

Bei einer anderen Lehrerin hätte bei 50% der Kinder im Zeugnis gestanden, dass diese ADS/ADHS hätten. Den Eltern der Kinder, die es wirklich hatten, sagte sie es auch. Lassen Sie Ihr Kind testen. Ja, wissen wir, die Diagnose steht: Medikation, Begleittherapie und und und. Lehrerin: Ihr Kind hat bestimmt ADHS, lassen Sie es testen. #klatsch Auch bei jenen anderen, die es bewiesenermaßen nicht hatten. #winke
Meine Freundin hat mir davon erzählt. Ihr Kind hat ADS. Sie wussten es lange bevor das Kind diese Lehrerin bekam. In diesem Schuljahr war sie froh, dass es reine Notenzeugnisse gab. Die Erklärungen der Lehrerin brachten ihr so gar nichts.

Auch nicht, als die Lehrerin feststellte, dass das Kind eine Brille bräuchte. Welche das Kind tagtäglich und im Unterricht immer aufgesetzt hatte :-p



Zeugnisse können hilfreich sein, in welcher Form auch immer
mündlich, schriftlich, x-chen, langform, Kurzform, formell, beschreibend, Noten
und sie können weit daneben liegen.

Schwierig wird es, wenn sie völlig daneben liegen oder wenn Eltern wegen einzelner Formulierungen, die wohlwollend gemeint sind, klagen wollen, weil sie es anders sehen.

Ganz ehrlich? Ich finde beides nicht gut. Diese Berichtszeugnisse wären (außer in Brennpunktschulen) sicher nicht schlecht, dürfte man einfach schreiben, was Sache ist. Aber was nützt es mir, wenn ich lese, beherrscht den Zahlenraum von 1-20 sicher.
Da denke ich doch.....super!
Aber da steht nicht, dass das Kind den Zahlenraum bis 100 nicht beherrscht.
Und auch nicht, dass es den Zahlenraum sehr sicher beherrscht.
Das ist so ein Humbug!
Warum nicht einfach Noten von 1-6.........das hat vor Jahrzehnten schon dazu geführt, dass man verstanden, hat, dass man irgendwo gut oder schlecht ist.
;-)
LG

*Aber da steht nicht, dass das Kind den Zahlenraum bis 100 nicht beherrscht.*

Ähm - warum nicht? #kratz Selbstverständlich steht in Berichtszeugnissen auch, was nicht funktioniert.

*Warum nicht einfach Noten von 1-6.........das hat vor Jahrzehnten schon dazu geführt, dass man verstanden, hat, dass man irgendwo gut oder schlecht ist.*

Und was hilft es dir, zu wissen: "Ist in Mathe schlecht"? Dann weißt du immer noch nicht, wo genau die Schwierigkeiten liegen und was deinem Kind hilft.
Wovon weißt du bei einer drei, was dein Kind schon kann und was es noch üben muss?
Und warum liefert dir ein Berichtszeugnis weniger Infos, in dem steht: "Hat den Zahlenraum bis hundert durchschaut und rechnet einfache Aufgaben mühelos. Bei zweistelligen Aufgaben über den Zehner sollte X die Rechenschritte notierten, weil er sonst ins zählende Rechnen verfällt. Dies sollte X so lange tun, bis er die Rechnung im Kopf durchführen kann. Die einfachen Einmaleinsreihen beherrscht X, die schwierigen sollte er weiter üben..."

Echt jetzt, da sagt dir das Wort "DREI!" mehr? Mir nicht.

Das ist hier allerdings kein Thread gegen Noten, vielleicht habe ich mich da missverständlich ausgedrückt. Ich spreche von den Berichtszeugnissen in der Grundschule. In Klasse 3 gibts zum Beispiel Bericht PLUS Noten. ;-)

LG

In einem Berichtzeugnis gilt zwar die Vorgabe positiv zu formulieren, die Grundlage ist jedoch das Ziel der jeweiligen Klasse.
Es kann dort also nicht stehen, dass der ZR bis 20 super beherrscht wird, wenn - wie im 2. Schuljahr - der ZR bis 100 beherrscht werden soll.

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Hm bei der Bewertungen von schulischen Leistungen oder auch der direkten Noten Vergabe ging es doch schon immer schlicht um Leistung.

Liefert das Kind nicht, ist das Zeugnis nicht berauschend. Da hilft es dann auch nicht dass es etwas leider so gar nicht kann - aber mit Feuereifer dabei war.

Das ist jetzt nix neues für mich 🤷🏼‍♀️

Hallo,

in der Grundschule ist das etwas anders. Da steht eben auch die Leistungsentwicklung stark im Fokus.

Wobei ich denke, dass das im Berufsleben auch nicht so unerheblich ist. Jemand, der wenig kann, sich aber Mühe gibt und eine gute Entwicklung macht, wird unter Umständen eher übernommen als jemand, der zwar zu Beginn mehr kann. Aber durch die falsche Arbeitseinstellung nicht wirklich in der Lage ist, sich weiterzuentwickeln.

Ich hatte zum Beispiel in Pädagogik eine fünf im Abi. #schein

Die Hochschule habe ich mit 1,3 abgeschlossen. *schulterzuck*

Ich habe bei uns oft in den Einstellungsgespächen beigesessen. Da waren Einserkandidaten, die bekamen keinen Ton raus. Und antworteten auf die Frage: "Warum haben Sie sich bei uns beworben?" - "Weil ich in der Nähe wohne."

Und Dreierkandidaten, die haben uns beim Gespräch vom Stuhl gehauen. Einen davon haben wir eingestellt, der hat zwei Einser-Kandidaten ausgeknockt. Wir haben es bis heute nicht bereut.

Oh je, das sollte eigentlich keine Notendiskussion geben. Das ist echt ne ganz andere Baustelle. #rofl

Wahrscheinlich kommt das Thema auf, weil das eben das ist, wo alle mitreden können. Die anderen kennen ENTWEDER Ankreuzzeugnis ODER Berichtszeugnis.
Noten und Berichtszeugnisse kennen alle.

LG

"in der Grundschule ist das etwas anders. Da steht eben auch die Leistungsentwicklung stark im Fokus."

Ähm... NEIN!

Ich habe bereits mehrere Kinder durch die Grundschule begleitet.

Auf das bayerische Schulsystem trifft das definitiv (!) nicht (!) zu !

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Unsere Söhne haben ein sog. Ankreuzzeugnis bekommen. Ich muss sagen, ich als Mutter hab das nie ernst genommen und auch nicht wirklich als Beurteilung gesehen. Zu viele Kreuze auf zu vielen Seiten, da hab ich mich ehrlich oft gefragt ob das auch wirklich so ist. Bei rund 25 Schülern scheint mir das schwierig zu beurteilen. Ausserdem, wie Du schon sagst ist darin keinerlei Lernentwicklung abzulesen, was ja in den ersten Schuljahren doch gut zu wissen ist. Unsere Tochter wird nun ein Textzeugnis bekommen und da freue ich mich sehr drauf. Das ist wenigstens etwas was auch ein Kind in dem Alter versteht was man ihm damit sagen möchte. Was schon gut klappt und was noch geübt werden muss werden wir dem wohl entnehmen können. Unsere Söhne konnten damals mit dem Ankreuzzeugnis nichts anfangen, dabei wollen doch gerade die Kinder doch wissen wo sie stehen.

Unsere bekommen Ankreuzzeugnisse und ich finde die sogar sehr aussagekräftig. V.a. werden sehr viele Aspekte betrachtet. Ich war positiv überrascht.
Aus meiner Kindheit kenne ich Noten mit kurzem Bericht. Das war weit weniger aussagekräftig. Da gab es dann z.B. nur eine Mathenote und vielleicht noch einen kurzen Satz dazu. Im jetzigen Zeugnis besteht der Matheteil bestimmt aus 8....10 Kategorien. Soviel wirst du doch gar nicht betrachten können , oder?

Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass die Lehrer beim Bericht Textbausteine verwenden würden, die von Zeugnis zu Zeugnis ähnlich sind...

Hallo, danke für deine Rückmeldung, finde ich sehr interessant!

Nee, bei Berichtszeugnissen gibts zu jedem Fach inzwischen einen recht ausführlichen Text, da kann man auch verschiedene Aspekte betrachten.

Beim Schreiben kann ich mir oft nicht vorstellen, die Leistung des Schülers mit Kreuzchen richtig wiederzugeben.

Bei meinem Sohn fiel mir das auf, als ich den Teil zum Arbeitsverhalten las. Bei den Leistungen zu den Fächern waren die Kreuzchen alle vorne. Im Arbeitsverhalten war auch ganz vorne angekreuzt "arbeitet konzentriert" Und dann war das Kreuzchen aber hinten bei "wird in der vorgesehenen Zeit fertig." #kratz Da fragte ich mich: "Wus?" und konnte mir keinen Reim drauf machen.

Im Berichtszeugnis steht dann gerne sowas wie: "X fasste alle Unterrichtsinhalte schnell auf und konnte sie in Arbeitsphasen sicher anwenden. Dabei arbeitete er konzentriert. Allerdings ging er sehr gewissenhaft und gründlich vor, manchmal verlor er sich in Details. Deshalb wurde er nicht immer in der vorgesehenen Zeit fertig."

Naja. Aber für letzteres gibts dann kein Ankreuzfeld, weil das sehr individuell ist.

Das meinte ich, als ich schrieb, dass man sich bei sehr "gemischt angekreuzten Bereichen" nur schwer ein Bild puzzeln kann.

LG

Hallo,

ich sehe bei beiden Varianten Vor- und Nachteile.

In unserem Bundesland ist das "Problem", dass im Zeugnis nur stehen darf, was das Kind kann - nicht, was es (noch) nicht kann. Das ist natürlich motivierender, weil nicht defizitorientiert, aber manchen Eltern fehlt daher völlig der Bezug zur Realität und das, obwohl zusätzlich zum Zeugnis auch Lernentwicklungsgespräche geführt werden müssen. Das Zeugnis klingt einfach immer toll, weil es das muss.

Ob ich ein Ankreuz-Zeugnis bevorzugen würde, weiß ich nicht. Als Mutter wäre es mir in den ersten zwei Jahren wohl egal. Ich habe auch so einen guten Blick dafür, was mein Kind kann und was nicht. Ich lese die Berichtszeugnisse trotzdem aufmerksam, aber ich weiß, dass das nicht alle Eltern tun.

Viele Eltern bevorzugen das klassische Zeugnis mit Noten. Sie wollen nicht nur wissen, wie sich das Kind an sich selbst gemessen entwickelt hat, sondern wo es in der Menge an Schülern steht. Was es "eigentlich" können sollte. Das steckt in vielen Köpfen einfach so drin. Daher kann ich mir vorstellen, dass so ein Ankreuz-Zeugnis auch bei Eltern gut ankommt.

LG

Hallo,

ein Berichtszeugnis wie du es beschreibst, ist natürlich überhaupt nicht aussagekräftig. Ich sehe den Sinn in diesen positiven Formulierungen auch nicht wirklich. Das führt doch eher zum Gegenteil, dass Eltern sich in etwas positiv gemeintes nachher etwas schlechtes hineinfabulieren, weil sie "zwischen den Zeilen lesen".
Welches Bundesland ist das denn?
Oder wird da bei euch vielleicht "positiv" mit "wohlwollend" verwechselt?

Ich meine, ich muss ja nicht schreiben: "X hat keine Ahnung vom Zwanzigerraum".
Es geht auch: "X kann sich noch nicht sicher im Zwanzigerraum orientieren. Er benötigt viel Begleitung und Anschauungsmaterial, um sich die Zahlen vorzustellen und einfache Rechnungen durchzuführen. Oft verfällt er noch ins zählende Rechnen"

Wäre das zweitere denn bei euch schon verboten?

LG

Ich schreibe nicht so gern, woher ich komme. Ich hoffe, das siehst du mir nach.

Man kann das für das ganze Bundesland auch nicht verallgemeinern. Es ist von Schule zu Schule sehr unterschiedlich, der/die Schulleiter/in liest ja noch mal drüber und fordert ggf. Veränderungen. Manche Zeugnisse sind daher wohlwollender als andere.

Grundsätzlich sollen aber Formulierungen wie "kann noch nicht" nicht im Zeugnis stehen. Das Berichtszeugnis der 1. und 2. Klasse soll widerspiegeln, was das Kind kann, nicht was es können sollte. Hilfe und Anschauungsmaterial dürfen dann schon erwähnt werden, aber das allein nützt Eltern nicht so viel.

Hier sind Klasse 1 und 2 eine Einheit, schafft ein Kind den Sprung in die 3 nicht, wird das Zeugnis in Klasse 2 realistischer formuliert, bzw. wird dann mehr am Soll-Stand Ende Klasse 2 gemessen. Zumindest ist das meine Beobachtung.

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Ich persönlich schätze ein echtes Berichtszeugnis wirklich wert. Ich lese sie mehrmals, kopiere sie mir und lese sie auch innerhalb der Familie (also Kind, Eltern und Geschwister, manchmal Großeltern) vor. Ein sogfältig erstelltes Zeugnis zeigt, dass ein Kinde seiner Lehrerin wichtig ist, und dass es wirklich als Mensch gesehen und wahrgenommen wird.

Allerdings gibt des auch sogenannte Berichtszeugnisse, denen man zehn Meter gegen den Wind anmerkt, dass sie aus Textbausteinen generiert sind. Die wirken austauschbar und lieblos. (Spürt man tatsächlich auf den ersten Blick.)

Ich finde ein Ankreuzzeugnis dahingehend sinnvoll als Vergleich ob es sich mit der Selbsteinschätzung des Kindes deckt (die Lehrerin meiner Drittklässlern hat zum Halbjahr die Kinder selbst eines für sich ausfüllen lassen und Kind- und Lehrerzeugnis wurden dann gemeinsam durchgesprochen).

Als Endjahreszeugnis einer Pädagogin finde ich es (zu) wenig aussagekräftig, denn da interessiert mich eben auch die Art der Mitarbeit, die Rolle innerhalb der Klasse, die Fähigkeit außerschulisches Verständnis mit einzubringen, die Teamfähigkeit, die Weiterentwicklung, viele Faktoren, die man nicht in Doppelsmilie, Einfachsmilie, Glattstrich-Smilie und Traurig-Smilie pressen kann. Zumal zum Schuljahresende ja auch kein Elterngespräch stattfindet, das Zeugnis also die einzige Info ist.

Ich finde es daher toll, dass du dir diese Mühe machst! Und ich denke, dass die Eltern deiner Schüler das ebenfalls so sehen.

Hallo,

danke für deine differenzierte Rückmeldung, die ich nur unterschreiben kann.

Ja, ich weiß, dass "meine" Eltern mir da dankbar sind. Ich bekomme ab und an eine Mail nach den Zeugnissen. ;-) Und für eine Mail, die geschrieben wird sind sicher zehn dankbar, ohne etwas zu sagen (was ich auch nicht erwarte!)

Ich wollte hier mal wissen, wie es im Allgemeinen aussieht. :-)

Diese lieblosen Bausteine-Monster nerven mich tierisch, wenn ich sie mal Korrektur lesen muss. Ja gut, ich meine, ich formuliere auch nicht bei jedem Kind "rechnet sicher im Zahlenraum bis zwanzig" um, damit es individuell ist. #rofl

Aber wer ein vernünftiges und kohärentes Textzeugnis schreibt, der hat einen treffenden Satz schneller selbst geschrieben, als ihn aus einem Wust von Formulierungshilfen rauszusuchen.
Von Berufsanfängern mal abgesehen. Denen spreche ich durchaus zu, mal ein paar Formulierungsbeispiele zu nutzen, um "reinzukommen". Aber das ist ja ein Sonderfall.

LG

Hallo

Ich bin gerade in der ADS Diagnose und benötige dafür meiner 80er Jahre Grundschulzeugnisse. Handgeschrieben, eine Din A 4 Seite voll. Ich war zu Tränen gerührt als ich sie heute erstmals selbst gelesen habe. Jemand hat sich so viele Gedanken um mich gemacht. Ich fand es richtig schön. Meine Leistungen und mein Wesen wurde gut beschrieben. Was mir Richtung Diagnose helfen wird. Ich freue mich trotz der nicht so tollen Leistung damals heute darüber.

Wenn ich da im Vergleich die Kreuze unserer Kinder sehe, ist das viel unpersönlicher aber schön übersichtlich. Mir fällt es leicht zu erkennen wo die Stärke
sind und wo Unterstützung notwendig ist . Zusätzlich wird an unserer GS noch ein relativ umfangreicher Kommentar frei formuliert ergänzt.
Was ich bei den Kreuzen schade fand, war das schon beim ersten Zeugnis in der Klasse von Kind 2 verglichen wurde. Du hast aber mehr Mitte oder rechts.... kannte ich von Kind 1 nicht so. Beim Text hätte es diese Möglichkeit nicht gegeben.

LG

Hallo,
in meinem Berichtszeugnis von früher (NRW) stand Kind kann A gut oder sehr sicher, kann sich in B noch steigern und ist in C unsicher.
Da wussten Kinder und Eltern, was Sache ist.
Bei unserer Tochter (auch NRW) war alles positiv formuliert. Jedes Kind hielt sich daher für super in der Schule, und die Eltern rätselten, welche Formulierung in Wirklichkeit wie gemeint war und nervten damit die Lehrer.
Daraufhin ist die Schule auf Ankreuz-Zeugnisse umgestiegen.
Das war mir sehr recht, denn so entfällt diese blöde Raterei, was welche Formulierung in Wirklichkeit heissen soll. Das finde ich auch bei Arbeitszeugnissen furchtbar.
So sehen Kinder und Eltern auf einen Blick, wo es hapert. Genaueres kann man immer noch mit dem Lehrer besprechen.

LG

Heike

Hallo,

ich komme auch aus NRW. Hier MUSS niemand ein Schleifchen um die Formulierungen binden. Ich sage den Eltern auch immer ausdrücklich: Das sind KEINE Arbeitszeugnisse, das ist gemeint wie es da steht.

LG

Ich kenne Ankreuzzeugnisse nicht, kann daher nicht vergleichen 🤗
Ich denke, sie haben schon auch ihre Vorteile und wenn man die richtigen Aussagem formuliert, kann es auch weniger defizitorientiert sein.
Mein Neffe hat in Klasse 1 Honigtöpfe als Rückmeldung erhalten - unterschiedlich hoch gefüllt mit Honig (natürlich nur als Bild). Das fand ich sehr eindeutig. 😅 Aber ja, letztlich ist da kein Prozess abzulesen. Das ist dann wie bei den Noten - die spiegeln auch nur den Ist-Stand und nicht, ob z.B. eine Steigerung oder ein Leistungsabfall vorhanden war.

Ich bin ebenfalls Grundschullehrerin und kenne nur das Berichtszeugnis. Ich empfinde es als genauer und man bringt hier und da auch z.B. das Arbeitsverhalten u.a. mit ein oder eben den gesamten Lernprozess. Dennoch müssen(!) wir ja das Zeugnis sehr wohlwollend und positiv formulieren, sodass ich mir nicht sicher bin, ob alle Eltern die "Codes" verstehen. Ganz abgesehen davon, dass viele Eltern es eh gar nicht / nicht richtig lesen. Ich hatte mal Eltern, die haben erst in der 3. Klasse angemerkt, dass ich den Zweitnamen ihrer Tochter falsch geschrieben habe - auf 4 Zeugnissen...

Am effektivsten finde ich tatsächlich das persönliche Elterngespräch oder wie wir es machen - ein Zeugnisgespräch mit Eltern und Kind. Lieber würde ich mir für jedes Gespräch 1 Stunde Zeit nehmen und ausführlich mit den Eltern sprechen, statt diese blöden Berichte formulieren. Im Gespräch kann man gleich Fragen beantworten und viel besser den Lernstand darstellen... Da gibt es mMn viel weniger Missverständnisse. Leider müssen wir beides machen - Zeugnis und Gespräch, was wiederum vom Zeitaufwand (zu) heftig ist...

Hier auch Bayern...
Es gab in den ersten beiden Klassen Ankreuzzeugnisse in Verbindung mit einem Gespräch mit Lehrerin, Schüler und Elternteil. Das Endzeugnis in der zweiten Klasse war mit Noten, soweit ich mich erinnere. Oh Gott, bin ich alt, jetzt habe ich das schon wieder vergessen! Jetzt in der dritten Klasse zum Halbjahr konnten sie es sich aussuchen und sie wollten auf jeden Fall ein ganz normales Noten Zeugnis. Ich war da auch sehr dafür, ich will einfach wissen, wie sie stehen. Und die Kinder wollen es auch sehen. Liegt vielleicht auch daran, dass sie sehr gute Noten haben, da Können wir alle natürlich auch bei Notenzeugnissen sehr entspannt sein. Inwieweit sie sich bemühen oder nicht bemühen und wo ihre Einzelschwächen sind oder nicht sind, sehe ich selber anhand der Hausaufgaben oder häuslichen Übungen, dazu brauche ich nicht unbedingt lange Ausführungen von der Lehrkraft.
Berichtszeugnisse, so wie du sie beschreibst, kenne ich überhaupt nicht, zum Glück, ganz ehrlich gesagt, das wäre mir echt zu umständlich zu lesen. Was für eine immense Arbeit für den Lehrer, da würde ich mich jetzt auch fragen, ob das überhaupt gelesen und honoriert wird. Nachdem ich Personalerin bin und schon viele Arbeitszeugnisse verklausulieren musste, bin ich da möglicherweise auch schon vorgeschädigt, dieses „um jeden Preis positiv formulieren müssen“ führt bei mir manchmal nur zum Kopfschütteln. Was ich jetzt aber bei kleinen Kindern eher noch verstehen kann als bei Erwachsenen Menschen im Arbeitsverhältnis.
Aber natürlich toll, dass du dir so viel Arbeit machst und nicht einfach nur irgendwas hin schreibst!

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort!

Einge hier haben beschrieben, dass bei ihnen die Zeugnisse auf Teufel komm raus positiv klingen müssen. Bei uns ist das nicht so. Wobei da manchmal auch Schulleitung ein Wörtchen mitredet. Und wenn die dann der Ansicht ist, man müsse alles in Watte packen - naja.

Also ich schreibe da durchaus Sachen rein wie: "War häufig in Konflikte verwickelt und wurde dabei auch handgreiflich. In klärenden Gesprächen fiel es ihm schwer, seinen Eigenanteil am Streit zu sehen." Da weiß dann auch jeder Bescheid, noch negativer muss ja nun wirklich nicht sein. Aber man kann halt noch dazu schreiben: "Wenn man ihm Zeit einräumte, sich zu beruhigen, war er anschließend offen für Schlichtungsgespräche." Das ist dann nicht so bodenlos wie "alle Kreuzchen hinten".

Wenn negative Zeugnisse verboten wären in NRW, dann wären ja auch Ankreuz-Zeugnisse verboten. ;-)

LG

Die Lernentwicklungsberichte waren immer so positiv bei meiner Tochter, dass ich befürchtete, dass sie wie Arbeitszeugnisse erstellt wurden.
Mit versteckten negativen Punkten, die eben schöngeredet wurden.

Dann gab es ein paar Jahre Ankreuzzeugnisse. So grob konnte man, meiner Meinung nach, eine Note ermitteln.

Jetzt gibt es endlich Noten!!! #schwitz

Hallo,

ich kenne keine Ankreuzzeugnisse, sondern nur die Berichte. Natürlich liest man sich die als Eltern aufmerksam durch. Ich zumindest. Als mein ältester Sohn in der 8. Klasse war, halfen uns die ausführlichen Zeugnisse der ersten beiden Schuljahre deutlich weiter. Mein Sohn war schon immer sehr unkonzentriert und hibbelig. Seine Leistungen waren aber stets sehr gut und gut. Gegen Ende der 7. Klasse fielen seine Leistungen massiv ab. Auch den Lehrern fiel auf, dass es nicht am Verständnis des Stoffes liegt, sondern an seiner Konzentration und rieten dazu, dies klären zu lassen. Wir rannten von Arzt zu Arzt um eine Überweisung zu bekommen. Überall wurden wir abgewimmelt mit den Worten: "Das ist die Pubertät und völlig normal. Die Leistungen sind noch zu gut um von Schulproblemen zu sprechen." Ich merkte aber, dass es nichts mit Pubertät zu tun hat und mein Sohn sagte selbst, dass ihn das tierisch nervt und er nicht anders kann. Er war innerlich extrem unruhig und angespannt. Die Ärzte stellten mich als Mutter hin, die eine 3 für eine schlechte Note hält und deshalb ihrem Sohn eine Krankheit andichten will und verharrten weiterhin auf der These, dass dies die Pubertät sei. Als es Zeugnisse gab, schaute ich mir die Zeugnismappe an und las die ausführlichen Zeugnisse der ersten beiden Schuljahre. Die Lehrerin hatte treffend die Probleme beschrieben, die ihm 8 Jahre später zum Verhängnis wurden. Konzentrationsprobleme, Unruhe etc. Diese Zeugnisse habe ich dann mit zum Arzt genommen und hatte nun endlich den Beweis, dass mein Sohn das schon immer hat. Wir bekamen eine Überweisung zur Diagnostik. Es kam ein verkapptes ADHS heraus mit einer Konzentrationsstörung, die er bis dahin mit seiner überdurchschnittlichen Intelligenz verstecken konnte. Hätte es die Zeugnisse nicht gegeben, hätte uns keiner ernst genommen.

LG
Michaela

Meine Kinder sind mit der GS durch und haben in Schuljahr 1 und 2 Berichtszeugnisse bekommen in 3 und 4 Noten.

Ich war immer zufrieden mit dem, was es gab, ich habe meine Kinder in jedem ihrer Zeugnisse erkannt und konnte so von einer ehrlichen Bewertung ausgehen.

Freunde meiner Kinder (andere Lehrerin) haben aber in Schuljahr 1 und 2 verwirrende Botschaften erhalten. In meinen Augen wurden bei ihnen wilkürlich Textbausteine aneinander gereiht. Bei einem Kind, okay, passiert mal, aber bei dreien von denen ich weiß????.
Will sagen: Es gibt auf beiden Seiten der Zeugnisse ( Ersteller und Betrachter) Menschen, die sich intensiv damit auseinandersetzen, sich Gedanken machen, hinterfragen, Bedeutungen entschlüsseln und eben die jenigen, für die ein Zeugnis nur ein weiteres Schulhalbjahr beendet.

Und wenn es an deiner Schule irgendwann zum Kreuze machen kommt, die Option eines Kommentars bleibt ja. Also kannst du weiterhin alles mitgeben, was du zu dem KInd zu sagen hast.

Verstehe das bitte nicht falsch. Ich habe wirklich eine Menge Respekt vor dem Lehrerinnen Beruf.

Hallo,

nein, ich verstehe das nicht falsch. Mich nerven schlechte Berichtszeugnisse genauso. Wobei das an unserer Schule zur Zeit eher nicht vorkommt. Hier und da ein Berufsanfänger, der aus Unsicherheit lieber schwammig formuliert - sonst alles gut. ;-)

Wobei ich selbst diese Form als angenehmer empfinde, weil wenigstens ein kohärenter Text rauskommt. Bei den Kreuzchen war für mich das Problem, dass ich gedanklich immer "springen" und "puzzeln" musste, wenn die Kreuzchen mal hier und mal da waren. Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll. Aber ich fands halt schwer zu lesen.

Ankreuzzeugnisse wird es bei uns keine geben.

LG

Also ich weiß nicht so genau wie umfangreich bei dir ein Berichtszeugnis ist, aber bei uns standen in den "Textzeugnissen" dann so ein paar Sätze, die ich mir selber hätte zusammen reimen können und die ich im Grunde als "nett" aber Recht wertlos empfunden habe.

Vor dem Schulwechsel gab es bei meiner einen Tochter ein Ankreuzzeugnis, dass war in meinen Augen sehr ausführlich und in so viele Teilbereiche untergliedert, dass ich Ruckzuck ableiten könnte, wo man was tun könnte und wo alles in Butter ist.

Ich fand dieses Zeugnis viel besser.

Kein Zeugnis ersetzt aber das Entwicklungsgespräch mit dem Klassenlehrer vorab.

Von mir aus können sich die Klassenlehrer die Aufsätze über die Kinder sparen, aber dieses Gespräch sollte verpflichtend gemacht werden.

Ich finde das Ankreuz-Zeugnis genauso dämlich wie das Lernentwicklungsgespräch. Absolut nichtssagend, im schlimmsten Fall verwirrend.

Ich finde es toll wie es unsere Grundschule macht. Da setzt sich die Lehrerin mit Schülerin und Eltern zusammen (30 min). Dann holt sie Kärtchen raus, auf denen z.B. steht "rechnen bis 20", "lesen", "an Regeln halten", "Schriftbild", "Vortrag halten" usw. Diese soll das Kind unter 4 Kategorien (kann ich sehr gut, kann ich gut, muss ich noch üben etc.) legen, nach der eigenen Einschätzung. Lehrerin macht ein Foto. Dann legen die Eltern die Karten und sie macht ein Foto. Zum Schluss legt sie die Karten nach ihren Eindrücken und es wird grob besprochen. Im Zeugnis gibt es einen Bericht (der mich natürlich sehr interessiert). Da kann man Fragen stellen.

Hallo,

das klingt super und sehr anschaulich. Danke für deinen Beitrag!

LG

Ich bin selbst Lehrer - die meisten Eltern können mit Berichtszeugnissen nichts anfangen („Und welche Note ist das jetzt?“) und Profis lesen aus den Berichten die Noten raus. Machen wir uns nix vor, da sind Noten drin verschlüsselt.

„Max hat unter Anleitung das 1x1 vorgetragen“ => 5

Hallo,

das ist natürlich so, wenn man nur in Noten denkt. Das tut aber nicht jeder.

Beispiel: Für deine Zeugnisformulierung "trägt das Einmaleins unter Anleitung vor" gebe ich dir die Note vier.

Und jetzt? Welche Erkenntnis ziehst du daraus?

Hier meine Erklärung dazu: Wenn du solche Berichtszeugnisse schreibst, musst du dich nicht wundern, wenn sie nicht verstanden werden. Natürlich hat man eine Ahnung, was du meinst. Deshalb geb ich dir ja auch noch ne vier.

Aber: Wie trägt man denn das Einmaleins vor? Bei der Einerreihe anfangen und bei der Zehnerreihe aufhören? Und wie leitet man das an? "Jetzt kommt die Fünferreihe" oder wie?

Das Kind kann keine Reihe auswendig, oder nur die leichten (2er 5er 10er-Reihe), oder es macht bei den schwierigen Reihen noch vereinzelt Fehler, oder es nennt jedes Ergebnis wie aus der Pistole geschossen.

Wenn es ein Ergebnis nicht auswendig kann, dann leitet es entweder eine schwierige Aufgabe aus einer leichten her (9*8=10*8-1*8) oder es geht die Reihe durch und addiert. Oder es kann nicht mal addieren und zählt. Dann sollte aber schleunigst ein Dyskalkulie-Test gemacht werden. Kind kann aber auch Dyskalkulie haben und jede Aufgabe wie aus der Pistole geschossen nennen. Weil es gut auswendig lernen kann.

Dann steht da "Beherrscht das Einmaleins", aber ein Einserkandidat ist das Kind bestimmt nicht.

LG

Das ist mir bewusst - war ein einfaches Beispiel schnell ausgedacht. Aber 99% aller Berichtszeugnisse enthalten verklausulierte Noteb

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Hallo, am Anfang bekam meine Tochter Bausteinzeugnise und diese waren fürchterlich. Diese Satzbausteine haben irgendein Kind beschrieben aber nicht meines. Jetzt gibt es Notenzeugnisse und damit kann ich mehr anfangen.

Gruß Sol

Hallo,

ja, das mit den Satzbausteinen scheint immer noch ein weit verbreitetes Phänomen zu sein.

Ich meinte gar nicht die Diskussion "Berichte versus Noten". Da sehe ich bei beidem Vor- und Nachteile. Und solange noch so viele "Satzbaustein-Zeugnisse" geschrieben werden, kommen wir ohnehin nicht ohne Noten aus.

Ich denke auch, dass es an der weiterführenden Schule überhaupt nicht zu schaffen wäre, zu jedem Fach Beurteilungen zu schreiben. So ein Fachlehrer hat locker mal 200 verschiedene Schüler. #schock Was soll denn dabei rauskommen, wenn nicht Satzbausteine mit unterschiedlichen Belobigungs-Abstufungen. Und dann kann man auch gleich Noten hinschreiben.
Zumal dann schriftliche Beurteilungen z. B. im Fach Physik für Otto Normalo ganz sicher nicht verständlich wären.

Ich meinte diese Ankreuz-Zeugnisse in der Grundschule und wollte wissen, ob andere Eltern diese auch als so schwer lesbar empfinden.

LG

Meine Tochter ist noch in der Grundschule.

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