Ankreuz-Zeugnisse versus Berichtszeugnisse

    • (1) 17.04.19 - 12:06

      Hallo zusammen,

      ich habe mal eine Frage, die mich schon länger interessiert.

      Wie einige hier wissen, bin ich Grundschullehrerin. Jetzt in den Osterferien beginne (!) ich wie immer mit meinen Berichtszeugnissen. Um Missverständnissen vorzubeugen: NEIN, ich schreibe die nicht JETZT FERTIG und dann bleiben die so. ;-) Ich fange jetzt an. Zum Ende wird natürlich nochmal jedes Zeugnis überarbeitet und geguckt, was sich verändert hat. Aber ich beschreibe ja die Entwicklung übers gesamte Jahr. Deshalb kann ich auch früh beginnen und das Ganze mit Ruhe und Zeit machen, damits vernünftig wird.

      Nun sitze ich hier, versuche die Entwicklung jedes Kindes genau zu beschreiben und denke gleichzeitig mit einem weinenden Auge daran, dass es bei meinem eigenen Kind "nur" eines dieser Ankreuz-Zeugnisse bekommt. #gruebel

      Ich habe Ankreuz-Zeugnisse letztes Jahr zum ersten Mal als Mutter mitbekommen. Bis dahin dachte ich immer: "Hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich mag lieber Berichtszeugnisse, aber jeder Jeck ist anders."
      Aber als ich dieses Ankreuz-Monster (7 Seiten) meines Sohnes in der Hand hatte, stellte ich fest: Das beste Ankreuz - Zeugnis kann höchstens ein mittelprächtiges Berichtszeugnis sein. Und ich fand, das Ankreuz-Zeugnis selbst war schon sehr vernünftig entworfen, die Punkte machten alle Sinn - daran scheiterte es nicht!

      Ich schreibe mal, wie ich es wahrgenommen habe:

      1.) Wenn in einem Bereich alle Kreuzchen vorne sind, ist alles in Butter. Dann gibts auch kein Problem beim Lesen des Zeugnisses. Wenn hingegen die Kreuzchen mal vorne, mal in der Mitte und mal hinten sind, dann ist es furchtbar schwierig, sich daraus ein kohärentes Bild zu "puzzeln". Ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir in solchen Fällen den Bereich zehnmal durchgelesen und hatte noch immer keine vernünftige Vorstellung, wie sich mein Kind denn jetzt im Unterricht verhält.

      2.) Das Ankreuz-Zeugnis gibt überhaupt keine Auskunft über die Lernentwicklung. Das ist mir persönlich beim Schreiben immer sehr wichtig. Fällt hier komplett weg.

      3.) Manche Dinge kann man überhaupt nicht über ein Kreuzchen-Schema beschreiben. Beispiel: Ein Kind hat große motorische Probleme. Im Kunstunterricht sind seine Ergebnisse also nicht sooo akkurat. Kind ist aber immer mit Feuereifer bei der Sache, mischt stundenlang ganz besondere Farben und füllt das Blatt vollständig. Meist versucht es so lange, die Farben schön kräftig und deckend aufzutragen, bis das Blatt reißt. #schein
      Das Ergebnis kann man selten so richtig erkennen, aber die Performance ist der Hammer. #rofl
      Tscha. Und dann Ankreuzzeugnis. Nähme ich bei diesem Schüler das Format meines Sohnes, es wären alle Kreuzchen hinten. #schmoll

      4.) Eigentlich eine Zusammenfassung von 2 und 3: Ich empfand das Zeugnis meines Sohnes beim Durchlesen als defizitorientiert. Entweder, eine Leistung war "okay" oder es bestand ein Mangel. Wie demotivierend für Kinder, die sich zum Beispiel anstrengen, eine gute Entwicklung machen, aber doch hinten anstehen. Am Ende bleibt: Alle Kreuzchen hinten.
      Vielleicht lag das an der Einteilung. Es gab "voll", "größtenteils", "teilweise" und "kaum". Ist vielleicht bei anderen anders. Aber ich habe diese Art als defizitorientiert empfunden.

      So. Lange Rede, kurzer Sinn. Was ich euch fragen wollte:
      Ich habe der Lehrerin meines Sohnes aus ehrlichem Interesse mal die Frage gestellt, weshalb das Ankreuzformat gewählt wurde.
      Ihre Antwort: "Wissen Sie, das ist sooo viel Arbeit mit den Berichtszeugnissen. Die Arbeit wäre für mich okay, wenn ich das Gefühl hätte, die Eltern lesen das auch. Ich glaube aber, was da an Text steht, das interessiert sowieso keinen."

      Und genau das würde mich persönlich interessieren. Ich kann mir das nämlich überhaupt nicht vorstellen. Jedenfalls beim Großteil der Eltern nicht. Und habe auch eine andere Wahrnehmung als Lehrerin. Ich habe schon das Gefühl, "meine" Eltern lesen das Zeugnis und sind auch sehr dankbar, mal am Ende des Schuljahrs ausführlich zu erfahren, was ihr Kind gemacht hat und wo es steht.

      Hinzufügen möchte ich allerdings: Mir ist klar, dass nicht jeder Lehrer einen hohen Anspruch an Berichtszeugnisse stellt. Ich hab auch schon Zeugnisse von Kollegen Korrektur gelesen, wo ich das Gefühl hatte, da wurden die Satzbausteine des Zeugnisprogramms zusammen geklickt. Und da steht leeres Blabla.
      Ich kann natürlich jeden verstehen, der dann sagt: "Davon fühle ich mich nicht gut informiert. Dann habe ich lieber eine Skala mit Kreuzchen und weiß, woran ich bin"

      Die Frage ist, ob das denn sooo häufig vorkommt. Oder ob die "handgeklöppelten" Berichtszeugnisse nicht doch ganz dankbar gelesen werden.

      Außerdem würde mich interessieren, ob es anderen auch so geht, dass sie Ankreuz-Zeugnisse als schwer lesbar empfinden. Jedenfalls, wenn die Kreuzchen in einem Lernbereich "überall verteilt" sind. Vielleicht bin ich da ja betriebsblind und "normalen" Eltern geht es ganz anders als mir.

      Ich bin sehr interessiert an euren Rückmeldungen! :-)

      LG

      • (2) 17.04.19 - 13:19

        Hallo,
        ich bin ebenfalls Grundschullehrerin und hätte liebend gerne Ankreuzzeugnisse. Und ja, ich bin voll auf Linie der Klassenlehrerin deines Sohnes. Ich arbeite an einer absoluten Brennpunktschule im tiefsten Ruhrpott mit über 80% Migrantenanteil und vielen bildungsfernen Familien. Da verstehen viele Eltern schlicht gar nicht, was ich da mühsam ausformuliere. Da ich ja gehalten bin, alles möglichst positiv zu formulieren, denken sie tatsächlich, alles wäre prima und bei den Übergangsgesprächen in Klasse 4 fallen sie dann aus allen Wolken, weshalb es nur die Hauptschule werden kann.
        Für mich als Lehrerin wäre es also deutlich ökonomischer.
        Als Mutter dagegen bin ich auf deiner Seite und freue mich, dass meine Tochter eine ausführliche und individuelle Beschreibung ihrer Leistungen erhält.
        LG

        • (3) 17.04.19 - 14:02

          Hallo,

          danke für deine Antwort!

          Bei Brennpunktschulen kann ich dir Entscheidung fürs Ankreuzzeugnis absolut verstehen! Da sehe ich die Sache ähnlich!

          Ich habe in der Klasse nur eine Mutter, die nicht ausreichend deutsch spricht, um das Berichtszeugnis zu verstehen. Obwohl man sich im Alltag gut verständigen kann. Die lade ich mir vielleicht ein und spreche mit ihr das Zeugnis durch (sie ist allein erziehend und gerade erst in unsere Region gezogen).

          Aber an einer Brennpunktschule ist das eine ganz andere Nummer.

          LG

      (4) 17.04.19 - 13:27

      Hi,

      in der Schule sind wir schon lange beim Zeugnis mit Noten - was mir sehr gut gefällt :-)

      In der Grundschule gab es in der 1. + 2. Klasse nur Berichtszeugnisse. Unsere Lehrerin gab sich auch immer sehr viel Mühe und erläuterte schon bei den Elternsprechtagen Dinge wie Lernverhalten, Verhalten allgemein, Entwicklung, evtl. Defizite.

      ABER: ich fand die Zeugnisse trotz der Mühe, die sie sich machte, für mich nicht so wirklich aussagekräftig. Irgendwie habe ich den Eindruck gewonnen (bekam auch andere Zeugnisse gezeigt), dass es eher darum ging, die Kinder nicht zu demotiveren und vieles positiver auf dem Zeugnis zu schreiben, als es wirklich war/ist.

      Ankreuz-Zeugnisse kenne ich aus dem Berufsleben. Hier allerdings in aller Regel mit dem Schulnotensystem: 1 - sehr gut bis 6 - ungenügend und dann innerhalb dieser Noten nochmal Kreuz links im Feld +, Mitte volle Note, rechts - (also 2+ / 2 / 2-).
      Damit konnte ich immer gut umgehen. Deshalb denke ich, ich könnte auch in der Schule mit einem Zeugis, selbst wenn es nur 4 Möglichkeiten bietet, etwas anfangen. Immer vorausgesetzt allerdings, dass es ein fixes Elterngespräch im Jahr/Halbjahr gibt, wie es bei uns war. Ohne stelle ich es mir nicht so aussagekräftig vor.

      Und nun zu meiner persönlichen Meinung:

      Ich selbst bekam in der 1. Klasse ein Berichtszeugnis zur Versetzung. Das war in kompletter Textform über den gesamten Unterricht geschrieben und nicht wie bei meinem Sohn pro Fach. Das finde ich immer noch gut - selbst ich kann heute noch nachvollziehen, wie meine Lehrerin mich damals gesehen hat und kann sagen: ja, aus der Erinnerung heraus und wie ich später war/bin - das passt.

      Ab der 2. Klasse gab es Noten. Für mich immer noch die besten und aussagekräftigsten Zeugnisse bzw. die, die am einfachsten zu lesen sind. Zumal man ja auch hier Elternsprechstunden hat, Noten der Kinder zu sehen bekommt (ggfs. mit Fußnote) etc.

      Die langen und vielen Texte der Grundschulzeugnisse meines Sohnes habe ich schon lange vergessen und kann nicht sagen, wie er eingeschätzt wurde. Ich weiß aber noch sehr genau, das ich in der Grundschule immer nur 2er auf dem Zeugnis hatte - bis auf "Schrift" und "Ordnung" :-) das war meist eine 3.

      Gruß
      Kim

      • (5) 17.04.19 - 14:10

        Hallo,

        danke für deine Antwort!

        Für mich schaffen Noten nur eine Schein-Klarheit. Aber das ist eine ganz andere Diskussion. ;-)

        Ich sprach hier von den Berichtszeugnissen 1.-3. Schuljahr, wobei hier im 3. Schuljahr auch Noten dabei sind.

        LG

    (6) 17.04.19 - 13:53

    Hallo,

    wir leben in Bayern, aufgewachsen bin ich in NRW.

    Wir haben an der Grundschule meines Sohnes in den ersten drei Klassen zum Halbjahr Lernentwicklungsgespräche und nur zum Ende der ersten Klasse ein reines Berichtszeugnis. In Klasse zwei und drei gab es Noten und darunter eine kurze Erläuterung der Entwicklung des Kindes. Passt so, nicht zu viel und nicht zu wenig für UNS als Eltern. In Klasse vier habe ich bisher noch gar kein Zeugnis gesehen, nur einen "Zettel" mit den Noten in D, M und HSU.

    Als Logopädin, die viel mit Kindern gearbeitet hat, muss sagen jeder Text in der derzeitigen ist zu viel. Satzbau und Wortschatz entspricht von Akademikern für Akademikern und dann das ganze noch positiv formuliert, das versteht der wenigste. Ich habe x Zeugnisse übersetzt, weil häufig meine Wahrnehmung des Kindes laut Eltern viel schlechter war als die der Eltern. Natürlich waren sie immer wieder "erschrocken" nach der Übersetzung des Zeugnisses. Daher wäre ich für ein Mittelding ohne Schnick und Schnack, gerne in leichter Sprache.

    Die wirklich "schlimmste" Zeugnisform habe ich einmal bei meinem Mann gesehen. Der durfte an einer Förderschule Lernen drei Din A 4 Seiten schreiben, in einer Sprache die weder Kinder noch Eltern verstanden haben. So viel Geschwrubbel habe ich selten gelesen. Selbst mein Mann rätselte über die Bedeutung mancher Formulierung, wie sollten dann Eltern dieser Schüler dies verstehen?

    Meiner Meinung nach sollten die Schulen selbständig entscheiden dürfen welche Art von Zeugnis sie ausgeben, der schönste Bericht bringt nichts, wenn Eltern diesen nicht verstehen. Wenn Berichte ausgegeben werden, sollte auf eine einfache und leicht verständliche Sprache geachtet werden und nicht auf Teufel komm raus alles positiv formuliert werden.
    Die negativ Bemerkung aus dem Zeugnis letztes Jahr in Sport hat Junior sehr gut verstanden und dementsprechend dieses Schuljahr an sich gearbeitet.

    Daher weniger ist mehr.

    LG Reina

    • (7) 17.04.19 - 14:07

      Hallo Reina,

      danke für deine Antwort.

      Dass du verständliche und nicht zu positive Berichte wünschst, kann ich unterschreiben. Ich weiß nicht, wie es in eurer Gegend gehandhabt wird. Aber ich kenne die Formulierungen aus den Zeugnisprogrammen. Und die sind _gruselig_. Wenn du sowas meinst, bin ich ganz bei dir. Ich kapiere die teilweise auch nicht.

      Aber die sind wohl juristisch nicht anfechtbar. Na dann. #gruebel

      LG

      • (8) 17.04.19 - 20:23

        Hallo,

        die meisten Zeugnisse werden liebevoll selbst formuliert, aber die ganze Arbeit nützt nichts, wenn die Eltern es nicht oder nur gering verstehen. Mein Eindruck ist immer wieder, dass Eltern das Lesen was sie lesen wollen und so mehr geschrieben wurde, umso weniger wird dies aufgenommen.

        Als ich zur Grundschule ging, in NRW von 1979 bis 1983, wurden die Zeugnisse mit Füller geschrieben auf einer DIN A 4 Seite. Als ich meinen Mann 1997 kennenlernte, tippte er Zeugnisse auf der Schreibmaschine und diese waren nicht länger als 1 1/4 Din A 4 Seite. Vor drei Jahren waren die Zeugnisse fast zwei kleingedruckte DIN A 4 Seiten, dies ist meiner Meinung nach zu viel.

        Gut haben mir die Lernentwicklungsgespräche gefallen, auch wenn dieses Gespräch zwischen Kind und Lehrkraft stattfindet, so kann man als Eltern dazwischen fragen bzw. hinterfragen. Juniors Rechtschreibung zeigt eine gewisse kreative Ader, angekreuzt war hat eine gute Rechtschreibung. Mein Gedankenkarussel drehte sich wie man dem Kind eine gute Rechtschreibung bescheinigen konnte. Auf Nachfragen war dies gemessen an der Rechtschreibleistung der Klasse und nicht am Durchschnitt der Altersklasse.

        Ich finde, wir müssen wieder zu einer klaren und manchmal auch wieder reduzierten Sprache, vor allem im Satzbau zurückfinden. Hauptsätze mit maximal einem Nebensatz, die Wortwahl dem "Kundenkreis" angemessen und nicht nach meiner/unserer Ausbildung. Wenn wir dies schaffen, können wir vielleicht eine überzogene Erwartungshaltung an Lehrer, Ärzte und Therapeuten durchbrechen. Sind wir echt und scheuen uns nicht die Wahrheit zu sagen/schreiben ist die Landung in der Realität für die Eltern, Angehörige etc. nicht ganz so hart.


        LG von Reina, deren Beruf eher Hexe und Wahrsagerin ist und nicht mehr Logopädin

(9) 17.04.19 - 14:28

Ankreuzzeugnisse kenne ich nicht.

Ich kenne nur Notenzeugnisse
Berichtszeugnisse
Ankreuzformulare für Testungen, wenn bei einem Kind Auffälligkeiten bestehen, die durch Arzt/SPZ etc. geklärt werden sollen. Da werden dann Fragebögen an Lehrer/Erzieher weiter gegeben.


Berichtszeugnisse wurden wirklich kaum gelesen. Wenn keine Probleme bestanden, wurden sie überflogen und zur Seite gelegt.

Gelesen wurden sie von Eltern, deren Kinder Hilfe brauchen/brauchten. Dann können diese Berichtszeugnisse hochinteressant sein. Beispielsweise wurde bei meiner ADHS Testung als Erwachsene genau nach meinem Berichtszeugnis der ersten und zweiten Klasse gefragt!
Spätere Noten interessierten dabei nicht, weil Noten nichts zur ADHS Problematik aussagen können. Gute Noten (Ausgleich durch Hochbegabung, strenge Eltern, eigener Ehrgeiz, einfach gestellte Klassenarbeiten), schlechte Noten (Faulheit, Desinteresse, ADS/ADHS, falsche Lerntechniken, Krankheiten, andere Umstände, sonstiges).

Da bei Auffälligkeiten nach Berichtszeugnissen ohnehin Lehrer/Erzieher/Trainer mit ins Boot geholt werden und seitenweise Fragebögen zum Ankreuzen ausfüllen sollen, wirkt es auf mich so, als würde man das gleich zusammen legen.


Interesse für dienigen, die an der Entwicklung interessiert sind bzw. Ansatzpunkte brauchen um zu wissen, wann wo wie ob sie ansetzen sollten bezüglich Förderung, Forderung, Druck rausnehmen etc.

Die meisten, könnte ich mir vorstellen, werden es überfliegen und auch dann zur Seite legen. Es klappt ja alles, wird schon passen.


Bei denen es Auffälligkeiten gibt, die im Berichtszeugnis erfasst werden müssten, sollten, wussten es alle betroffenen Eltern schon während des Schuljahres. Gespräche, Interaktion zwischen den Erwachsenen teilweise mit Kinderarzt etc.

Bei denen es lief, lief es. Dann gab es zum Halbjahr eine mündliche Sprechstunde. Schriftliches Halbjahreszeugnis der ersten Klasse gab es nicht. Nur auf Wunsch einen Kurzbericht für andere Stellen, wenn nötig.

Zum Schuljahresende gab es in der Grundschule ebenfalls mündliche Berichterstattung. Wer wollte konnte mitschreiben.
2. Klasse war noch schriftlich in Berichtform, zum Halbjahr auch.

3. und 4. Klasse waren Notenzeugnisse und mündliche Gespräche mit den Eltern bezüglich weiterführender Schule. 10 Minuten Austausch über die wichtigsten Entwicklungspunkte und welche Schulform passen könnte. Dazu eine Seite mit Kreuchen (Empfehlung) und Unterschrift. Haupttext rechtliches.


Eine Lehrerin fragte auch mal, warum es so ausführlich sein müsste.
Antwort der Lehrerin meines Kindes: sie sei sich bewusst, dass es die wenigsten lesen würden. Die aber, die es lesen, würden es brauchen und da käme es auf jede Formulierung an.

In meinem Fall knapp 30 Jahre später #schein Das hat mir damals sehr geholfen.
Ankreuzzeugnis hätte es vielleicht auch getan. Vielleicht. Fragebögen für Eltern/Bezugspersonen aus einem damaligen Umfeld bekamen solche Fragebögen um dem Arzt bei meiner Diagnose zu helfen. Die Fragebögen waren schon fertig erstellt und sind standatisiert.

(10) 17.04.19 - 14:39

Und ich vergaß die Eltern, die jeden einzelnen Satz auf die Goldwaage legten. Zum Glück nur wenige, diese umso intensiver.

Warum schreiben Sie mein Kind könne nicht...
könnten Sie das nicht schöner ausdrücken? So sieht es aus, als würde mein Kind das nicht können
- eben, das schrieb ich doch: Ihr Kind kann es noch nicht, wird es aber lernen. Ihr Kind ist nicht schlecht, sondern braucht einfach nur mehr Übung.

Dann können Sie das doch auch so schreiben.


Ähnlich wie bei Arbeitszeugnissen: es soll schön formuliert sein, Kind gut dastehen, aber ehrlich sollte es auch sein und dazu noch so formuliert, dass es passt.


Manche Menschen haben ein Händchen dafür, andere so gar nicht.
Manche können es in Elterngesprächen super ausdrücken.

Bei einer anderen Lehrerin hätte bei 50% der Kinder im Zeugnis gestanden, dass diese ADS/ADHS hätten. Den Eltern der Kinder, die es wirklich hatten, sagte sie es auch. Lassen Sie Ihr Kind testen. Ja, wissen wir, die Diagnose steht: Medikation, Begleittherapie und und und. Lehrerin: Ihr Kind hat bestimmt ADHS, lassen Sie es testen. #klatsch Auch bei jenen anderen, die es bewiesenermaßen nicht hatten. #winke
Meine Freundin hat mir davon erzählt. Ihr Kind hat ADS. Sie wussten es lange bevor das Kind diese Lehrerin bekam. In diesem Schuljahr war sie froh, dass es reine Notenzeugnisse gab. Die Erklärungen der Lehrerin brachten ihr so gar nichts.

Auch nicht, als die Lehrerin feststellte, dass das Kind eine Brille bräuchte. Welche das Kind tagtäglich und im Unterricht immer aufgesetzt hatte :-p



Zeugnisse können hilfreich sein, in welcher Form auch immer
mündlich, schriftlich, x-chen, langform, Kurzform, formell, beschreibend, Noten
und sie können weit daneben liegen.

Schwierig wird es, wenn sie völlig daneben liegen oder wenn Eltern wegen einzelner Formulierungen, die wohlwollend gemeint sind, klagen wollen, weil sie es anders sehen.

(11) 17.04.19 - 14:40

Ganz ehrlich? Ich finde beides nicht gut. Diese Berichtszeugnisse wären (außer in Brennpunktschulen) sicher nicht schlecht, dürfte man einfach schreiben, was Sache ist. Aber was nützt es mir, wenn ich lese, beherrscht den Zahlenraum von 1-20 sicher.
Da denke ich doch.....super!
Aber da steht nicht, dass das Kind den Zahlenraum bis 100 nicht beherrscht.
Und auch nicht, dass es den Zahlenraum sehr sicher beherrscht.
Das ist so ein Humbug!
Warum nicht einfach Noten von 1-6.........das hat vor Jahrzehnten schon dazu geführt, dass man verstanden, hat, dass man irgendwo gut oder schlecht ist.
;-)
LG

  • (12) 17.04.19 - 15:25

    *Aber da steht nicht, dass das Kind den Zahlenraum bis 100 nicht beherrscht.*

    Ähm - warum nicht? #kratz Selbstverständlich steht in Berichtszeugnissen auch, was nicht funktioniert.

    *Warum nicht einfach Noten von 1-6.........das hat vor Jahrzehnten schon dazu geführt, dass man verstanden, hat, dass man irgendwo gut oder schlecht ist.*

    Und was hilft es dir, zu wissen: "Ist in Mathe schlecht"? Dann weißt du immer noch nicht, wo genau die Schwierigkeiten liegen und was deinem Kind hilft.
    Wovon weißt du bei einer drei, was dein Kind schon kann und was es noch üben muss?
    Und warum liefert dir ein Berichtszeugnis weniger Infos, in dem steht: "Hat den Zahlenraum bis hundert durchschaut und rechnet einfache Aufgaben mühelos. Bei zweistelligen Aufgaben über den Zehner sollte X die Rechenschritte notierten, weil er sonst ins zählende Rechnen verfällt. Dies sollte X so lange tun, bis er die Rechnung im Kopf durchführen kann. Die einfachen Einmaleinsreihen beherrscht X, die schwierigen sollte er weiter üben..."

    Echt jetzt, da sagt dir das Wort "DREI!" mehr? Mir nicht.

    Das ist hier allerdings kein Thread gegen Noten, vielleicht habe ich mich da missverständlich ausgedrückt. Ich spreche von den Berichtszeugnissen in der Grundschule. In Klasse 3 gibts zum Beispiel Bericht PLUS Noten. ;-)

    LG

    • (13) 17.04.19 - 18:13

      "Und was hilft es dir, zu wissen: "Ist in Mathe schlecht"? Dann weißt du immer noch nicht, wo genau die Schwierigkeiten liegen und was deinem Kind hilft."

      Wo die Schwierigkeiten liegen weiß ich, weil ich hin und wieder in den Ranzen gucke, die Arbeiten unterschreibe und mit meinem Kind zusammen durchgehe und zum Lernentwicklungsgespräch in die Schule gehe.

      Wobei ich das auch einem Berichtszeugnis entnehmen könnte, wäre es so wie deins formuliert. Das ist bei uns aber zum Beispiel nicht der Fall und anscheinend bei anderen auch nicht.

      • (14) 17.04.19 - 19:26

        Hallo,

        in Mathe und Deutsch ist das sicherlich so. Aber fürs Arbeits- und Sozialverhalten reicht ein Blick in den Ranzen nicht. ;-) Und da können sich die Kinder in der Schule ganz anders verhalten als zu Hause.

        Und ja, ich schrieb oben schon: Bei einem schlechten Textzeugnis kann ich gut verstehen, wenn Eltern lieber Noten oder Ankreuzzeugnisse nehmen.

        LG

(15) 17.04.19 - 15:45

In einem Berichtzeugnis gilt zwar die Vorgabe positiv zu formulieren, die Grundlage ist jedoch das Ziel der jeweiligen Klasse.
Es kann dort also nicht stehen, dass der ZR bis 20 super beherrscht wird, wenn - wie im 2. Schuljahr - der ZR bis 100 beherrscht werden soll.

  • (16) 17.04.19 - 18:09

    Doch, natürlich gibt es das. Hier bei uns werden die Kinder in Klasse 1 und 2 an sich selbst gemessen. Grundlage ist die individuelle Bezugsnorm. Da steht im Zeugnis, dass das Kind im ZR bis 20 addiert und subtrahiert. Dass es in Klasse 2 mehr können sollte, wissen Eltern eben einfach oder sie erfahren es im Lernentwicklungsgespräch.

Hm bei der Bewertungen von schulischen Leistungen oder auch der direkten Noten Vergabe ging es doch schon immer schlicht um Leistung.

Liefert das Kind nicht, ist das Zeugnis nicht berauschend. Da hilft es dann auch nicht dass es etwas leider so gar nicht kann - aber mit Feuereifer dabei war.

Das ist jetzt nix neues für mich 🤷🏼‍♀️

  • Hallo,

    in der Grundschule ist das etwas anders. Da steht eben auch die Leistungsentwicklung stark im Fokus.

    Wobei ich denke, dass das im Berufsleben auch nicht so unerheblich ist. Jemand, der wenig kann, sich aber Mühe gibt und eine gute Entwicklung macht, wird unter Umständen eher übernommen als jemand, der zwar zu Beginn mehr kann. Aber durch die falsche Arbeitseinstellung nicht wirklich in der Lage ist, sich weiterzuentwickeln.

    Ich hatte zum Beispiel in Pädagogik eine fünf im Abi. #schein

    Die Hochschule habe ich mit 1,3 abgeschlossen. *schulterzuck*

    Ich habe bei uns oft in den Einstellungsgespächen beigesessen. Da waren Einserkandidaten, die bekamen keinen Ton raus. Und antworteten auf die Frage: "Warum haben Sie sich bei uns beworben?" - "Weil ich in der Nähe wohne."

    Und Dreierkandidaten, die haben uns beim Gespräch vom Stuhl gehauen. Einen davon haben wir eingestellt, der hat zwei Einser-Kandidaten ausgeknockt. Wir haben es bis heute nicht bereut.

    Oh je, das sollte eigentlich keine Notendiskussion geben. Das ist echt ne ganz andere Baustelle. #rofl

    Wahrscheinlich kommt das Thema auf, weil das eben das ist, wo alle mitreden können. Die anderen kennen ENTWEDER Ankreuzzeugnis ODER Berichtszeugnis.
    Noten und Berichtszeugnisse kennen alle.

    LG

    • "in der Grundschule ist das etwas anders. Da steht eben auch die Leistungsentwicklung stark im Fokus."

      Ähm... NEIN!

      Ich habe bereits mehrere Kinder durch die Grundschule begleitet.

      Auf das bayerische Schulsystem trifft das definitiv (!) nicht (!) zu !

      • Okay, alles klar. Ich hörte davon. Nein, da trifft das nicht zu. #schwitz

        LG

        • (21) 17.04.19 - 20:51

          Nee, ganz so ist es nicht mehr, der Lehrplan plus hat schon einiges verändert.

          Bonuskind wurde 1998 eingeschult, da war noch mehr friss oder stirb, vor allem in Richtung Übertritt.

          Die individuelle Entwicklung über drei Schuljahre wurde jetzt beim Elterngespräch zum Übertritt noch einmal vom Klassenlehrer thematisiert, auch wenn er die Klasse erst dieses Schuljahr übernommen hat.

          Wenn ich die Durchlässigkeit nach oben und unten betrachte und mit meiner Schulzeit in NRW vergleiche, da gefällt es mit hier besser. Auch versuchen die Hauptschullehrer ihre sehr guten Schüler auf die Realschulen und Gymnasien zu senden, leider verlassen diese ungern ihrer Komfortzone.

(22) 17.04.19 - 16:36

Unsere Söhne haben ein sog. Ankreuzzeugnis bekommen. Ich muss sagen, ich als Mutter hab das nie ernst genommen und auch nicht wirklich als Beurteilung gesehen. Zu viele Kreuze auf zu vielen Seiten, da hab ich mich ehrlich oft gefragt ob das auch wirklich so ist. Bei rund 25 Schülern scheint mir das schwierig zu beurteilen. Ausserdem, wie Du schon sagst ist darin keinerlei Lernentwicklung abzulesen, was ja in den ersten Schuljahren doch gut zu wissen ist. Unsere Tochter wird nun ein Textzeugnis bekommen und da freue ich mich sehr drauf. Das ist wenigstens etwas was auch ein Kind in dem Alter versteht was man ihm damit sagen möchte. Was schon gut klappt und was noch geübt werden muss werden wir dem wohl entnehmen können. Unsere Söhne konnten damals mit dem Ankreuzzeugnis nichts anfangen, dabei wollen doch gerade die Kinder doch wissen wo sie stehen.

(23) 17.04.19 - 17:58

Unsere bekommen Ankreuzzeugnisse und ich finde die sogar sehr aussagekräftig. V.a. werden sehr viele Aspekte betrachtet. Ich war positiv überrascht.
Aus meiner Kindheit kenne ich Noten mit kurzem Bericht. Das war weit weniger aussagekräftig. Da gab es dann z.B. nur eine Mathenote und vielleicht noch einen kurzen Satz dazu. Im jetzigen Zeugnis besteht der Matheteil bestimmt aus 8....10 Kategorien. Soviel wirst du doch gar nicht betrachten können , oder?

Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass die Lehrer beim Bericht Textbausteine verwenden würden, die von Zeugnis zu Zeugnis ähnlich sind...

  • (24) 17.04.19 - 18:41

    Hallo, danke für deine Rückmeldung, finde ich sehr interessant!

    Nee, bei Berichtszeugnissen gibts zu jedem Fach inzwischen einen recht ausführlichen Text, da kann man auch verschiedene Aspekte betrachten.

    Beim Schreiben kann ich mir oft nicht vorstellen, die Leistung des Schülers mit Kreuzchen richtig wiederzugeben.

    Bei meinem Sohn fiel mir das auf, als ich den Teil zum Arbeitsverhalten las. Bei den Leistungen zu den Fächern waren die Kreuzchen alle vorne. Im Arbeitsverhalten war auch ganz vorne angekreuzt "arbeitet konzentriert" Und dann war das Kreuzchen aber hinten bei "wird in der vorgesehenen Zeit fertig." #kratz Da fragte ich mich: "Wus?" und konnte mir keinen Reim drauf machen.

    Im Berichtszeugnis steht dann gerne sowas wie: "X fasste alle Unterrichtsinhalte schnell auf und konnte sie in Arbeitsphasen sicher anwenden. Dabei arbeitete er konzentriert. Allerdings ging er sehr gewissenhaft und gründlich vor, manchmal verlor er sich in Details. Deshalb wurde er nicht immer in der vorgesehenen Zeit fertig."

    Naja. Aber für letzteres gibts dann kein Ankreuzfeld, weil das sehr individuell ist.

    Das meinte ich, als ich schrieb, dass man sich bei sehr "gemischt angekreuzten Bereichen" nur schwer ein Bild puzzeln kann.

    LG

(25) 17.04.19 - 18:02

Hallo,

ich sehe bei beiden Varianten Vor- und Nachteile.

In unserem Bundesland ist das "Problem", dass im Zeugnis nur stehen darf, was das Kind kann - nicht, was es (noch) nicht kann. Das ist natürlich motivierender, weil nicht defizitorientiert, aber manchen Eltern fehlt daher völlig der Bezug zur Realität und das, obwohl zusätzlich zum Zeugnis auch Lernentwicklungsgespräche geführt werden müssen. Das Zeugnis klingt einfach immer toll, weil es das muss.

Ob ich ein Ankreuz-Zeugnis bevorzugen würde, weiß ich nicht. Als Mutter wäre es mir in den ersten zwei Jahren wohl egal. Ich habe auch so einen guten Blick dafür, was mein Kind kann und was nicht. Ich lese die Berichtszeugnisse trotzdem aufmerksam, aber ich weiß, dass das nicht alle Eltern tun.

Viele Eltern bevorzugen das klassische Zeugnis mit Noten. Sie wollen nicht nur wissen, wie sich das Kind an sich selbst gemessen entwickelt hat, sondern wo es in der Menge an Schülern steht. Was es "eigentlich" können sollte. Das steckt in vielen Köpfen einfach so drin. Daher kann ich mir vorstellen, dass so ein Ankreuz-Zeugnis auch bei Eltern gut ankommt.

LG

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