Verdacht auf LRS wird nicht ernstgenommen

    • (1) 27.04.19 - 15:53

      Hallo zusammen,

      mein Sohn besucht die 3. Klasse und ist ein guter Schüler.
      Allerdings hat er massive Probleme mit der Rechtschreibung.
      Als Beispiel:
      - er lässt Buchstaben weg
      - er verdreht Buchstaben innerhalb eines Wortes
      - er verwechselt Buchstaben (b und d, q und p usw.)
      - er beherrscht einfache Regeln nicht (Satzanfang immer groß, Punkt am Satzende usw.)
      - er schreibt nach Gehör (ich schbiele)

      Es gibt noch mehr, was mir aufgefallen ist.

      Seine Lehrerin aus Klasse 1 und 2 hat gesagt, dass das noch "klick" machen wird. Nun hat er seit der 3. Klasse eine neue Lehrerin. Diese sieht das auch nicht so dramatisch und befürchtete, dass das daran liegt, dass mein Sohn ein versteckter Linkshänder sei. Ich fühle mich überhaupt nicht ernst genommen.

      Die aktuelle Lehrerin bat uns, ihn nicht zu korrigieren, damit es ihn nicht frustriert. Alles schön gut und wir halten uns auch daran. Nur so lernt er es doch auch nicht richtig! Er denkt doch, dass es richtig sei, wie er es schreibt.

      Wir haben ihn testen lassen auf LRS (lesen kann er aber und macht er such gerne). Der Psychologe sagte, dass der Rechtschreibtest auffällig sei und typische Fehler gemacht wurden, die für eine Schwäche sprechen. Allerdings waren die anderen Tests (Intelligenztest usw.) unauffällig und er müsse die Ergebnisse im Ganzen sehen und könne sie nicht einzeln betrachten. Somit war die Diagnose der Rechtschreibschwäche und die damit verbundene Lerntherapie vom Tisch.

      Ich weiß leider nicht, wie ich meinem Kind, das im nächsten Jahr auf die weiterführende Schule wechselt, helfen soll.

      • Hallo,

        das Credo lautet schlicht und ergreifend üben.

        Macht man in einer LRS Therapie auch, nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern nach einer Fehleranalyse. Die Fehleranalyse hast du gemacht, also wird dies geübt. Man muss sich manchmal auch über den Rat der Lehrer hinwegsetzen, insbesondere dann, wenn sie Schwachsinn sind.

        Ansonsten, mit dem KIA sprechen über ein Diagnostikrezept für die Ergotherapie, hier dann jemanden suchen der sich mit Linkshändigkeit in allen Facetten auskennt. Den Gang zum Augen- und Ohrenarzt.

        Ach so, auch die Akzeptanz, dass es schlechte Rechtschreiber gibt hilft allen beteiligten, denn die Welt geht davon nicht unter, sagt die Logopädin.


        LG Reina

        • Danke Reina für deine Antwort.
          Sicher geht die Welt nicht unter. Nur baut doch eins aufs nächste auf. Es beginnt in Deutsch und geht querbeet durch alle Fächer.
          Ich, als Mutter, sehe mich überfordert, ihm richtig zu helfen. Meiner Meinung nach gehört das in die Hände von Fachleuten.

          Das mit der möglichen Linkshändigkeit sehe ich als absoluten Quatsch an. Er wurde als Baby/Kleinkind nie gezwungen, irgendwas mit rechts zu greifen. Er hat auch nie Anzeichen gehabt, die linke Seite zu präferieren.
          Ich würde gerne Tipps und Hilfestellungen von der Schule bekommen. Stattdessen bekam ich die "Diagnose" der versteckten Linkshändigkeit und das war es.

          • Die Lehrer haben dir/euch ja einen Tipp gegeben, woran das liegen könnte, dies finde ich sollte abgeklärt werden und das können die Ergos ganz gut. Auch die Wahrnehmungsprobleme im Bereich Raum-Lage klären diese ab ( p -q, d-b, 3-E Verwechslungen), diese können verstärkt bei Linkshändigkeit auftreten.

            Hilfreich könnte eine gute Nachhilfe sein. Auch gibt es Kinder, deren Rechtschreibbewusstsein sich erst in der weiterführenden Schule entwickelt und es gibt mündlich sehr viel stärkere Kinder, als sie dies schriftlich zeigen können. So ein Exemplar ist mein Sohn.

            Schreiben lernt man durch schreiben und dies tun wir inzwischen viel zu selten.

            Es gibt inzwischen sehr gute Übungshefte im gut sortierten Buchhandel u. a. von Klett und Duden. Vielleicht gibt es auch Übungshefte speziell für euer Bundesland mit Berücksichtigung des Lehrplanes, gibt es zumindest für Bayern. Und dann heißt es wirklich schlicht und ergreifend üben, dies mag nicht immer spaßig und cool sein, aber es hilft ungemein. Unser Sohn darf dies übrigens auch immer wieder, besonders zum Ende der Sommerferien oder wenn wir feststellen, er versteht irgendetwas nicht.

            Als Therapeutin kann ich dir noch den Tipp der Zielvereinbarung geben. Dies mache ich immer mit meinen Patienten, mein Mann mit seinen Schülern und wir mit unserem Sohn. Der formuliert inzwischen sehr klar seine Ziele und arbeitet dann darauf hin, sei es in der Schule oder auch im Sport.

        (5) 03.05.19 - 09:53

        Hallo,

        Erstmal zu unserer derzeitigen Situation, mein Kind 1. Klasse verhält sich in der Klasse wohl auffällig was die Konzentration betrifft, bekommt nicht mit was die Lehrerin von ihr will wenn sie zur Allgemeinheit spricht, schreiben klappt auch nicht immer bestens aber davon geht man ja auch in der 1. Klasse noch nicht aus, sie kann auch lesen und laut ihrer Lehrerin für die 1.Jahrgangsstufe relativ gut.. Verstehen tut sie alles nur an der Umsetzung scheitert es. Die Lehrerin vermutet ein Aufmerksamkeit Defezit Syndrom kurz ADS. Also sind wir erstmal zum Kinderarzt mit unserer Tochter, der machte einen Hörtest (war unauffällig) und der nächste Schritt war ab zum Logopäden auf Auditive Wahrnehmung testen zu lassen, sie hatte da Auffälligkeiten aber nicht gravierend, der Logopäde empfahl und daraufhin unsere Tochter auf eine Winkelfehlsichtigkeit prüfen zu lassen und gab uns die Adresse eines Optiker mit Spezialisierung darauf. JA sie hat auch eine winkelfehlsichtigkeit und braucht demnächst eine Prismenbrille bzw. Die Gläser..
        Was dass jetzt mit deinem Beitrag zu tun hat? Google mal winkelfehlsichtigkeit und wie sich diese auswirkt. Ja dazu gehören die von dir beschrieben Symptome.. Ich würde erstmal alles testen lassen und wenn dabei nichts rauskommt, dann würde ich darauf bestehen dass es anerkannt wird mit dieser Rechtschreibschwäche.

        LG, Marie

    LRS wird dann diagnostiziert, wenn der sprachbasierte Test und der nonverbale (Intelligenztest) auffällig unterschiedlich ausfallen. Da in der 3. Klasse naturgemäß die Schriftsprache noch nicht sehr weit sein kann, ist's in diesem Alter mit der Diagnose vermutlich nicht ganz so eindeutig.

    So oder so: Letztendlich wird dein Kind mit dieser Schwierigkeit leben und zurecht kommen müssen. Habe auch ein Kind, das sich rechtschreibtechnisch sehr schwer getan hat, ist aber schon merklich besser geworden. Braucht halt Arbeit, das Leben ist nicht immer gerecht.

    Ich finde die Bücher von Günther Thomé sehr nützlich. Und, auch wenn das kein Trost ist: die Rechtschreibung ist generell heute bei sehr vielen Kindern deutlich schlechter geworden aufgrund des unsäglichen "Schreiben nach Gehör" und anderen Experimenten auf dem Rücken der Kinder.

    Ich würde seine Aufgaben mit ihm immer wieder durchgehen und ihn seine Fehler selbst suchen lassen, egal was die Lehrerin zum Thema "Korrigieren" sagt. Aber nicht jeden einzelnen Fehler, sondern alles, was er schon wissen kann: Groß und Kleinschreibung (Wortarten), und die üblichen Techniken wie Silbenschwingen, Verlängern etc. So zumindest mache ich es bei meiner Drittklässlerin.
    LG d.

  • Üben, üben, üben...

    Meine Kinder haben beide mit dem Rechtschreibtrainer (Selbstlernheft) vom Jandorf Verlag gearbeitet.
    Das hat beiden sehr geholfen.

    Kurzum:

    Ich erkenne meine Kleine in der Beschreibung deines Sohnes wieder.

    Sie ist tatsächlich versteckter Linkshänder. Da ich selbst extremer (!) Linkshänder bin, hab ich das von Anfang an beobachtet (die Beobachtung liegt auf BEOBACHTET).

    Sie hat sich im Alter von 4 selbst "umgewöhnt" (sozusagen für das entschieden, was alle machen), kam mit 6 (Februar-Kind) in die Schule und war eine tolle Schülerin - außer der Rechtschreibung.

    Sie selbst wusste, dass das ihre absolute Schwäche ist und hat sich TROTZDEM in der 4. Klasse für eine Begabtenklasse beworben.

    Dort im Bewerbungsgespräch (!) hat sie tatsächlich von ihrer Abneigung zur Rechtschreibung berichtet.

    Sie besucht seit knapp 2 Jahren diese Klasse. Sie schreibt viel, viel mehr als in der Grundschule. Und siehe da - das war nach einem guten Jahr nie wieder ein Thema.

    Nix Schwäche. Nix Therapie. Nix Problem. Es hat einfach "Klick" gemacht - einfach deshalb, weil sie jetzt viel schreibt!!!!

    Im übrigen war ICH diejenige, die der Grundschule erklärt hat: Ruhe bewahren!

    Die wollten mich zur Diagnostik - und bevor das überhaupt stattfinden sollte - im gleichen Atemzug zur Ergo und Logo schicken.

    Aus meiner Sicht in einem solchen Fall vollkommen übrig! Mein Kind war stattdessen im Wald spielen - und ist damals wie heute ein glückliches Kind!!!

    • Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass mein Sohn wegen einer Dyslalie bereits 2,5 Jahre beim Logopäden in Behandlung war. Gleichzeitig fand Ergotherapie statt, da er Probleme in der Feinmotorik aufwies. Er kann z. B. keine Schreibschrift schreiben und darf stattdessen in Druckbuchstaben schreiben. Das hat ihm schon sehr geholfen. Er vermeidet es, mit dem Füller zu schreiben. Stattdessen favorisiert er den Bleistift. Da achtet auch keiner drauf, dass e den Bleistift mal beiseite legt und stattdessen den Füller nutzt.

      • Ich verstehe dein Problem noch immer nicht...

        Hast du meinen Text gelesen?

        Entspanne doch bitte mal und lass dein Kind in SEINEM Tempo wachsen!!!!

        Den Füller habe ich (als Linkshänder) lange Zeit abgrundtief gehasst. Heute (mit Mitte 30) ist er mein bester Freund.

        Nur weil dein Kind schon mit 2 in der Therapie war, rechtfertigt das nicht jetzt eine weitere - möglicherweise unnötige Therapie.

(11) 27.04.19 - 18:56

Der Intelligenztest muss doch bei einer LRS normal sein? Geh nochmal zu einem Diagnostik-Zentrum, SPZ oder Ähnliches hin und lass dich von erfahrenen Leuten beraten! Mir kommt das sehr seltsam vor!

  • (12) 27.04.19 - 19:02

    Der Intelligenztest war leicht überdurchschnittlich. Das war ja das "Problem".

    SPZ sagt, dass sie nicht zuständig sind. Ich fühle mich total unverstanden. Man hat als Mutter doch einen Instinkt?!

    Ich arbeite selbst an einer Schule und selbst "meine" Schulleitung sagt, dass es sehr auffällig sei. Sie kennt die Arbeiten meines Sohnes.

(15) 27.04.19 - 19:11

Hallo,
https://www.legakids.net/eltern-lehrer/kinder-mit-lrs/kleine-checkliste-lrs/

Unter Hilfe vor Ort findest du Ansprechpartner. Es klingt durchaus nach isolierter Rechtschreibschwäche. Es kann natürlich auch andere Ursachen haben.

Gruß Sol

Du hast schon einige Tipps bekommen. Zur Abklärung lass dir einen Termin bei einem
speziellen HNO-Arzt geben, einen sogenannten Pädaudiologen

http://www.phoniatrie-saar.de/diagnostik-und-therapie/info/der-phoniater-und-paedaudiologe/

Wegen der LRS, daraus kann auch schnell Legasthenie werden, würde ich einen Kinderpsychiater oder eine Sozialpädiatrie (kurz SPZ) zur Diagnostik aufsuchen.

Ich stand damals auch vor dieser Problematik in der 4. Klasse wegen den Übergang weiterführender Schule. Die Rechtschreibung eine absolute Katastrophe und Mathematik sehr überspitzt gesagt war mein Kind "Einstein". Krasser ging es nicht. Er war schon mit 5 Jahren beim Neuropädriater (Kinderneurologe mit kleinem SPZ) wegen seiner feinmotorischen Probleme. Dort war er ein Jahr in Behandlung. In der Zwischenzeit war (bin ich immer noch) mit dem kleinen Bruder (Autist) dort in Behandlung. Als mein Großer 10 Jahre wurde, fragte ich wegen den ganzen Verdachtsmomenten wegen Legasthenie, bekam auch einen Termin. Mit dem Diagnostiktermin musste ich mich auch beeilen, weil ich das Jugendamt wegen Antrag auf Eingliederungshilfe nach gemäß § 35a SGB VIII gestellt hatte:

https://www.bvl-legasthenie.de/beratung-und-service/finanzierung.html

Unser Neuropädriater hat unseren Großen getestet und zusätzlich eine Überweisung zum Pädaudiologen gegeben. Es kam zwei Diagnosen raus: Legasthenie (bei recht hoher Intelligenz, der Teil der für die Legasthenie war im unteren Bereich der normalen Intelligenz) und AVWS (auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungstörung)

Mein großer Sohn hatte ab der 5. Klasse Realschule Nachteilsausgleich gehabt. Die Noten für die Rechtschreibung wurde in den Fächern Deutsch und teilweise auch in Englisch nicht erteilt.. Mein Sohn ist heute 20 Jahre alt, ist fertiger Metallbau-Geselle.
Und beruflich hat er mehrere Optionen. Und Plan B ist eventuell ab Sommer ein Jahr zur Schule zu gehen und die Fachhochschulreife zu machen und eventuell zu studieren.

LG Hinzwife

  • (17) 27.04.19 - 19:44

    LRS nannte man früher, teilweise auch jetzt noch Legasthenie. Ist aber das Selbe.

    • (18) 27.04.19 - 21:36

      Nicht wirklich.

      Legasthenie ist eine angeborene, genetisch vererbbare Störung.
      LRS ist eine erworbene Schwäche (schwere Erkrankungen, familiäre Probleme,...).
      Legasthenie und LRS werden vollkommen unterschiedlich therapiert.

      • (19) 28.04.19 - 18:16

        Bei meinem Sohn wurde eine sehr schwere LRS diagnostiziert im SPZ in Kombination mit einer visuellen Wahrnehmungsstörung und er bekam Einzelförderung, viele Therapien und Nachteilsausgleich bis zum Abi. Uns wurde dort gesagt, das "Legasthenie" ein veralteter Begriff ist und man jetzt nur noch LRS sagt. Und erworben war da nichts, die Probleme hatte er rückblickend schon im Kindergarten. Liegt bei uns auch in der Familie.

        • (20) 28.04.19 - 23:49

          Das ist falsch. Sind 2 unterschiedliche Diagnosen

          (21) 29.04.19 - 18:03

          Dann hat man es Dir falsch gesagt.
          Es stimmt, in einigen Bundesländern gibt es für LRS Nachteilsausgleiche und Legasthenie ist da noch nicht mal erwähnt und trotzdem fällt es mit drunter. Das ist aber ein Fehler der jeweiligen Schulgesetze. Es sind definitiv 2 vollkommen verschiedene Dinge.

          Wenn dein Sohn das schon im Kiga hatte und das bei euch in der Familie liegt, dann hat er (Achtung Ferndiagnose) wohl eher Legasthenie. Wie sah denn seine Therapie aus?

          Mein Sohn hat LRS. Er hatte das quasi schon „ab Geburt“ - erworben durch Frühkindlichen Autismus und eine damit einhergehende Sprachentwicklungsstörung (heute ist er 13 und kann noch immer nicht korrekt deutsch sprechen) und AVWS.

          • (22) 29.04.19 - 20:16

            Er war 4 Monate in einer LRS-Klasse, wo er einzelne Silben lernte und somit endlich anfing zu lesen. Vorher sollte er "lesen durch schreiben" machen, was überhaupt nicht funktionierte. Dann bekam er über das Landratsamt Einzelförderung in einem speziellen Lerninstitut für Kinder mit LRS und Dyskalkulie.

      (24) 28.04.19 - 23:47

      Genau

(25) 28.04.19 - 23:47

LRS und legasthenie sind 2 verschiedene Dinge

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