Schulwechsel Autist - wohin?

    • (1) 01.05.19 - 22:45

      Hallo zusammen,
      ich habe eine Frage, brauche einen Rat. Vielleicht kann mir jemand helfen...

      Unser 7- jähriger Sohn ist Asperger Autist und besucht die erste Klasse einer Regelgrundschule. Durch sein Handicap hat er enorme Probleme im sozialen/emotionalen Bereich. Er ist oft zu wild und wird von den Kindern ausgegrenzt. Darunter leidet er sehr. Seit zwei Monaten hat er eine I-Helferin, lt. Schule und dieser ist es ruhiger geworden, für mein Kind hat sich jedoch nichts geändert. Teilweise kommt er Dinge auch anders wahr, dennoch wird er nicht ohne Grund voller Sorge sein.

      Für die anderen Kinder ist es auch nicht einfach ist einstecken zu müssen. Unser Sohn zieht sich oft von alleine zurück, aus Angst sich nicht unter Kontrolle zu haben oder ein Spiel nicht zu verstehen. Ich kann irgendwo auch die anderen Eltern verstehen, die sich um ihre Kinder sorgen. Für alle ist es schwer.

      Ein Beispiel damit kein falscher Eindruck entsteht. Es wurde fangen gespielt, man muss anklopfen. Unser Kind klopft zu feste, ein Mädchen fällt da mal schnell zu Boden.

      Wir überlegen ob vielleicht eine andere Schule für ihn besser wäre, wo er mehr aufgefangen werden kann. Aber wo? Montessori ? Ich habe echt keine Ahnung und weiß auch gar nicht wo und wie wir anfangen sollen. Seit Monaten gibt es Gespräche etc. Bzgl. einer Autismustherapie stehen wir noch auf der Warteliste.

      Ich weiß einfach nicht weiter. Mit 7 Jahren darf man nicht soviel Kummer haben, es bricht mir das Herz.

      Hat jemand einen Rat für mich?

      • (2) 02.05.19 - 08:22

        Hallo - das ist nicht einfach und vermutlich regional unterschiedlich. Die Frage ist doch: was für Schulen und Einrichtungen habt ihr in fahrbarer Reichweite, die passen können?

        Bei uns gibt es eine Förderschule (für verhaltensauffällige und Lernschwache), dann die Montessori oder Walldorfschulen, - dann natürlich auch eine Schule für geistig behinderte (auch leichtere Fälle darunter oder einfach nur Rollifahrer oder Blinde, -- also ganz gemischt und in KLeingruppen organisiert) und für körperliche.

        Die Frage ist, ob es bei euch irgendwas gibt, wo er einen guten Platz hätte? Wenn Ihr nur eine einzige Sonderschule in der Nähe habt, in der starkt geistig behinderte Kinder betreut werden, dann wäre er vermutlich dort der fitteste und nicht am rechten Fleck.

        Naja: und dann würde ich mir eben überlegen, ob ihr mit der I-Hilfe nicht sowieso auf dem richtigen Weg seid und es einfach mit ihr so weiterlaufen kann. Eine,die immer da ist und immer helfen und vermitteln kann und nicht nur 2 Stunden am Tag. --- vielleicht seid ihr ja zu ungeduldig und mit der I-Hilfe wird das immer besser? -- von den 2 Monaten, die sie jetzt da ist, waren 2 Wochen Ferien... -- das sind nur 6 wochen. -- da können sich doch nur erste SChritte zeigen.... ---- wenn es keine geeignete Schule für ihn in der GEgend gibt, dann wird langfristig die Begeleitung durch die I-Kraft sicher auch bei den mitschülern auswirkungen haben und sich alles langsam bessern.

        • Ja ich weiß und im Grunde habe ich mir die Frage auch schon selber beantwortet. Hier gibt es nichts und auf eine Förderschule gehört er nicht.

          Ich habe nichts persönlich gegen die I-Hilfe und auch weiß ich das es Zeit braucht. Jedoch habe ich das Gefühl, das sie ihn nicht erkennt und das mehr ein Zeitvertreib ist.

      Hallo,

      Autisten fallen leider in unserem Schulsystem häufig durch's Raster.
      Die Förderschulen sind für sie auch nicht unbedingt passend, weil Autisten da nicht selten mit dem Stoff unterfordert sind.

      Es gibt ein paar wenige spezielle Schulen für Autisten. Vielleicht habt Ihr Glück und eine in der Nähe.

      Ansonsten würde ich mir mal Schulen in der Umgebung ansehen und zwar alle, von den Förderschulen bis zu den freien Schulen.
      Es kann aber sein, dass das alles nicht besser ist und dass die I-Kraft an der Regelschule schon die beste Lösung darstellt.

      Es wird immer viel von Teilhabe und Inklusion geredet, aber Autisten haben an unseren Schulen wirklich die A***karte.
      Eine Freundin von uns hat einen Sohn (13) mit Asperger, der seit Jahren als nicht beschulbar gilt und stundenweise, hauptsächlich von ihr, zu Hause unterrichtet wird. Die Schule für Autisten, die es dort mal gab, wurde geschlossen, weil es ja Inklusion gibt. Dumm nur, wenn die Autisten sich schlecht unter Kontrolle haben und von den Schulen raus geworfen werden, weil Mitschüler Angst vor ihnen haben und die Lehrer sich überfordert fühlen. #contra

      Ich wünsche Dir alles Gute und hoffentlich findet ihr eine Lösung für Deinen Sohn. #klee

      LG

      Heike

      • Hallo Heike, danke für deine lieben Worte. Du hast leider völlig, traurig aber wahr. Weißt du, die Schule unseres Sohnes ist eine Inklusionsschule. Leider merkt man das kaum....

        (6) 02.05.19 - 14:38

        Weißt du wie man diese Schulen im Internet finden kann?

        Eine Freundin sucht gerade für ihr Kind.
        Bei den Schulen, bei denen sie angefragt hat, hieß es nur, sie würden sich auskennen, weil sie schon Kinder mit Autismus gehabt hätten. Auf konkretere Nachfrage kam dann heraus, dass die Schulen zwar einzelne Schüler mit I-Kraft schon hatten, vom sich auskennen jedoch weit entfernt sind. So lange Kind nicht durch's Raster fällt, ist es gerne willkommen (mit Begleitung), sobald es durch's Raster fällt, heißt es: sie seien ja nicht dafür ausgelegt und Inklusion hätten sie sich nicht ausgesucht.

        Gerne auch Tipps, wo man sich informieren kann, welche Schulen es in der Umgebung gibt.

        Mit "Inklusion, wir nehmen auch auf" ist ihr nicht geholfen.

    Hallo,
    meine 2 Jungs sind zwar Frühkindliche Autisten, aber der Große ist HFA...das passt also bis auf die Sprache schon. Er ist nun vom Körperbau auch ziemlich groß und überragt seine Klassenkameraden alle um mindestens einen Kopf und vom Gewicht ist er auch nur geradeso noch im Normalgewicht.

    Ansonsten kann man für Autisten gut bei solchen Spielen andere Regeln suchen, die dann natürlich für Alle gelten und deutlich mehr Spaß machen. Das ist Aufgabe der I-Kraft. Sie soll ihn begleiten und inkludieren. Ein Asperger (wenn keine weiteren Behinderungen existieren) braucht allzumeist keine Hilfe IM Unterricht, er braucht Hilfe in den Pausen. Mach das beim HPG deutlich und fordere das auch ein. Deutsch, Mathe, Sachunterricht,...sowas muss dein Kind allein schaffen. Alles wo Teamarbeit gefragt ist und es etwas wilder werden könnte ... Pausen, Sport/Schwimmen, Musik, ggf. Kunst, Klassenrat/Stuhlkreis (habt ihr sowas?) und natürlich Ausflüge/Klassenfahrt - da wäre eine Schulbegleitung gut. Meist wollen Schulen das nur anders herum.

    Mein Ältester hat sich in der Grundschule auch immer total zurückgenommen. Er hat sich nichts getraut, alles in sich hineingefressen...tja und als Autist...ist er irgendwann explodiert. Danach gab es ein Gespräch in der Schule, er wurde besser wahrgenommen und seine Bedürfnisse berücksichtigt.
    Ich glaube für meinen Ältesten wurde es damals wirklich besser, als wir ihm erzählt haben, was er genau hat und warum er „anders“ ist.

    Seit der weiterführenden Schule gehen meine Jungs in eine inklusive Montessori Schule. Ist teuer, ja...aber der Betreuungsschlüssel und das Angebot dort ist um Welten besser.

    Die Wartezeit mit der Autismustherapie kenne ich. Die Nachmittagsplätze sind begehrt. Mein Ältester hat 3 Jahre gewartet. Hatte aber dann den Vorteil, dass er zu Beginn der Pubertät dort noch einen Platz hatte...und Pubertät ist nicht einfach ;).

    • Da stimme ich dir zu. Wir benötigen die I-Hilfe in den Pausen, Sport und beim freien Spiel. Leider klappt es nicht immer so, wie es sein sollte. Unsere I-Hilfe ist keine ausgebildete Fachkraft, was im Grunde nicht schlimm ist, solange sie min Kind erkennt. Und ich befürchte da liegt das Problem. Es ist zwar ruhiger geworden, aber das sich nur, weil sich unser Sohn zurück gezogen hat uns alles um sich rein frisst.

Hey, sieh es positiv, deiner klopft beim Fangen nur zu fest....
Meiner hat über JAHRE trotz höchster Intelligenz nie begriffen, dass ein kreischendes Mädchen, welches vor einem Jungen davon rennt meist in KEINER Notsituation ist, sondern sich im Spiel befindet. Also hinterher, den Jungen eingefangen, zu Boden geworfen, mit letzter Kraft so fixiert, dass der "Täter" nicht aufstehen konnte und auf Hilfe gewartet.....

Versuch für deinen Sohn schnellstmöglich eine Sozialverhaltenstherapie zu organisieren. Das musst du dir vorstellen wie eine Sprachschule samt Dolmetscher. Dein Sohn soll nicht geändert oder therapiert werden, er ist nicht defizitär, er ist anders, seine Gedankengänge sind anders, seine Wahrnehmung, seine Schlussfolgerungen. Er muss sich nicht ändern, er muss nur lernen sich zurechtzufinden, die (aus seiner Sicht) unlogische und unstrukturierte Umwelt zu verstehen und auszuhalten und sein Verhalten an die Regeln der Mehrheit anzupassen.

Ja, vielleicht wäre eine andere Schule besser, aber letztendlich ist es ein Lottospiel.

  • Genau....Im Grunde fühlt er sich doch sich wohl. Wie du schon sagst, er hat eine andere Wahrnehmung. Bei ihm geht fast alles über Logik.

    Eigentlich kannst du ja stolz auf deinem Sohn sein, das er dieses Empfinden hat. Auch wenn es in diesen Momenten vielleicht nicht so schön ist.

Hallo :)
Zum Schulwechsel selber kann ich dir leider auch keine Tipps geben.
Ich bin aber selber diagnostizierte Asperger Autistin und kann deswegen vielleicht versuchen das ganze aus der anderen Sichtweise zu beschreiben.
Ich wurde auch bis zum Ende meiner Schulzeit immer wieder von den anderen Schülern ausgegrenzt. Mir haben damals Einzelgespräche mit den Lehrern sehr geholfen. Meine Mutter hat sich mit mir zusammen gesetzt und mich gefragt was ich glaube was mir helfen könnte. Welche Situationen ich schwierig finde und in welchen Momenten ich gerne hätte, dass Dinge anders laufen. Natürlich konnte das nicht alles genauso umgesetzt werden, aber man konnte eben damit arbeiten und die meisten Lehrer waren auch sehr kooperativ. Für mich war damals das wichtigste, dass ich mich dadurch endlich verstanden gefühlt habe. Die Probleme mit den Mitschülern haben zwar kaum aufgehört, aber es war schön zu wissen, dass es Leute gibt (hier die Lehrer) die nicht gegen mich waren.

Sprich doch mal ganz offen mit der Sonderschullehrerin der Schule. Die haben Schulen in deiner Nähe für Kinder mit besonderen Bedarfen viel besser im Blick, als wir hier im Netz.

Wärst du Mutter an unserer Schule, dann würde ich dir wahrscheinlich (aber eben nicht 100%, weil es so viele unterschiedliche Autisten gibt) die Montessori- Schule empfehlen.

Ich kann nur von meiner Tochter berichten, die jetzt 13 ist. Sie wurde vorzeitig mit 5 eingeschult und war bis zur 7. Klasse auf drei verschiedenen Regelschulen und hat immer gelitten. Ab der 7. Klasse ging dann nichts mehr und sich hat sich geweigert, noch weiterhin in die Schule zu gehen, und zwar mit allen Konsequenzen.

Dann war sie ein Jahr lang zuhause, nur in ihrem Zimmer, richtig depressiv, hat angefangen sich selbst zu verletzen, weil sie überzeugt davon war, dumm zu sein und nirgendwo zurechtzukommen. Sie war bereits in der Autismustherapie, aber das hat alles noch viel schlimmer gemacht. Man muss extrem aufpassen, was für eine Therapie die Kinder bekommen. Bei uns war der Kontekt, dass sie lernen muss, sich normal zu verhalten, sich anzupassen. Was bei ihr wiederum angekommen ist: So, wie du bist, bist du nicht in Ordnung. Lass die anderen bloß nicht merken, wie du wirklich bist!

Irgendwann hat sie sich dann auch geweigert, die Autismustherapie zu besuchen. Und dann habe ich erstmal eine Privatrechnung bekommen, weil ich nicht spätestens 24 Stunden vorher abgesagt habe.

Nach einem Jahr haben wir dann einen Platz auf einer Förderschule für Kinder mit sozial-emotionalem Förderbedarf bekommen. Und seitdem läuft es. Meine Tochter geht jeden Tag hin und macht plötzlich Dinge, die sie vorher noch nie mitgemacht hat. Sportunterricht, Vorträge halten, Tanzaufführung, einen Text auf Englisch vorlesen, Hausaufgaben (!!) usw. Und auch zuhause eröffnen sich gerade Welten. Sie geht jetzt eine halbe Stunde am Tag spazieren, letztens sogar mit ihrer Schwester. Sie ist wieder alleine Bus gefahren, was sie nach diesem Theater nach den Fahrten zur Schule mit dem Linienbus nie wieder wollte.

Man kann es nicht erzwingen. Weder das eine noch das andere... Das Kind entwickelt sich da gut, wo die Schule gut ist. Entwickelt sich da nichts oder das Kind entwickelt sich zurück, solltest du das Konzept der Inklusion kritisch betrachten und über Alternativen nachdenken. Bei uns auf der Grundschule war ein Asperger-Autist, der dank seines Lehrers supergut eingebunden war und sich auch toll entwickelt hat. Dann kam der Wechsel in die Weiterführende Schule und er hat innerhalb von 6 Monaten zwei Schulen durchlaufen (IGS und Oberschule), bis er dann letztlich doch in sich zusammengefallen ist. Die Pubertät schüttelt alles noch mal durcheinander.

  • Danke für deine offenen Worte. Es tut lur sehr sehr leid was deine Tochter für einen Leidensweg hinter sich hat, umso schöner das es für sie doch noch eine positive Richtung gegangen ist :-) das freut mich euch.

    Wir haben eine sehr engagierte Klassenlehrerin, das ist sehr schön. Diese Woche beginnt die Autismustherpie, es ist eine Art Erlebnispädagogik. Uns gefällt das Konzept sehr gut, mal schauen wie unser Sohn zurecht kommt.

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