Wie Autisten für Sportunterrricht begeistern?

    • (1) 03.06.19 - 21:46

      Hallo.

      Mein Sohn (7) besucht die 1.Klasse. Er hat viele große und kleine Probleme rund um das Übliche (Pausen, Essen, Miteinander). Im Unterrricht klappt einigermaßen gut, aber der Sport... . Er möchte einfach nicht mitmachen. Hat jemand eine Idee, wie ich ihn überzeugen kann, Sport als ganz normales Unterrichtsfach zu sehen und sich daran zu beteiligen? Ab der 2.Klasse gibt es Noten und ich befürchte, dass es die ein oder andere 6 geben wird, weil er sich weigert am Unterricht teilzunehmen:(

      LG.
      aloah

      • (2) 03.06.19 - 22:04

        Bekommt er keinen Nachteilsausgleich für Sport?
        Der Sohn einer Freundin hat einen Nachteilsausgleich im Sport. Er ist Autist. Lg

        (3) 04.06.19 - 04:55

        Ein Freund meines Sohnes (ebenfalls Autist) macht beim Sport nur bei den Sachen mit, bei denen er mitmachen will. Benotet wird er dank Nachteilsausgleich nie.

        Grüsse
        BiDi

        (4) 04.06.19 - 07:33

        Nun ja, aus Sicht vieler Autisten ist Sport wirklich ein schwer zu verstehendes Phänomen.
        Da ist der Geräteraum voller Bälle und trotzdem holt man nur einen raus und kloppt sich darum.
        Das Verletzungsrisiko dabei scheint kein Nicht-Austist einzukalkulieren, schon gar nicht der Lehrer. Wie möchtest du das einem Autisten logisch erklären? Ansonsten sagst du bei vielen GElegenheiten "pass auf, du könntest dich sonst verletzen" möchtest aber, dass das Kind sich im Sportunterricht jeglichem Verletzungsrisiko aussetzt? ;-)

        Ältere Autisten kennen meist Phänomene wie Ozonbelastung, Gefahren von Überhitzung, einfach weil sie sich für Umweltphänomene interessieren, und sollen dann um 13 Uhr im Hochsommer ohne Schatten draussen rumrennen? Während sie sich zur gleichen Uhrzeit in der Freizeit am Schatten aufhalten sollen?

        Wie du es ihm schmackhaft machen kannst? Vemutlich gar nicht.
        An seine Vernunft zu appellieren, ihm aufzuzeigen, dass die Mehrheit nun mal nicht-autistisch ist und Sport in der Form wichtig finden, und er sich wie in einer Demokratie üblich dieser Mehrheit anpassen muss, das könnte erfolgversprechend sein.
        Das Ganze als Sozialstudie anzusehen kann auch helfen. So lernen die lieben Kleinen wenigstens zeitnah Ironie, Sarkasmus usw.

        Ihm zudem die Freude an Bewegung/Sport erhalten ist wichtig, mit Tätigkeiten die er mag, die ihm sinnvoll erscheinen oder Spass machen, wie wandern, mit dem Hund laufen gehen, auf Bäume klettern, eventuell schwimmen, Fahrrad fahren.

      (6) 04.06.19 - 08:50

      gute Vorbereitung und Ankündigung?
      Manchmal hilft es, mit dem Lehrer zu sprechen, was in der nächsten Stunde als Thema gemacht wird. -- Sich dann ein Stichwort rauspicken und "vereinbaren", dass bei dieser Aktivität dann mitgemacht wird, funktioniert ganz gut. -- Immer kleine Schritte, einzelne Aufgaben. -- der Rest kommt mit den Jahren und dem Kennenlernen des Ablaufs...

      Vielen hilft, vorher Bescheid zu wissen, sich im Kopf ein Konzept zu machen und sich vorzubereiten, bei Aufgabe "x" eine gewisse Anzahl mitzumachen.

      Beispiel: -- es sollen Rollen geübt werden. -- Das vorab zu wissen und dann mit Plan 5 Mal eine Rolle mitüben kann ganz gut funktionieren, um die Teilnahme am Sportunterricht SChritt für SChritt zu erlernen.

    • (7) 04.06.19 - 14:31

      Wie ausgeprägt ist sein Autismus?
      Wie ausgeprägt ist seine motorische Fähigkeit?

      Als nicht Autist ist es schon schwierig sich zu motivieren, wenn es motorische Probleme gibt. Das würde sich dann evtl. toppen.

      Hat er Freude an Bewegung?
      Wie kommt er sonst klar in der Schule?

      Wenn er komplett verweigert, wird "motivieren" wenig bringen. Dann würde ich eher Tipps von einem Autismuszentrum oder Therapeuten holen, der sich mit Autismus (seiner Autismusform besonders) gut auskennt!

      Wenn er Spaß an der Bewegung hat, aber Schwierigkeiten im Unterricht: woran liegt es?
      Große Gruppe? Großes Gewusel? Etwas tun müssen, was er nicht mag?

      Kann er Sport in KLEINEN Gruppen mit festen Regeln machen? Kampfsport z.B.?
      Sich wiederholende, gleiche Abläufe, Verlässlichkeit.
      Daran könnte er üben und wachsen, dass Bewegung und Schulsport nichts Schlimmes sind, sondern hätte Anhaltspunkte, die er aus einer kleinen Gruppe mit verlässlichen Regeln lernt.

      In einer Schule von einem Kind auch akzeptiert, wenn es außerhalb der Schule an einem Verein teilgenommen hat. Hierzu musste aber die Diagnose nachweisen, dass Schulsport als solches nicht zumutbar war. Besser Sport im Verein, als gar kein Sport. Eine Note gab es dann natürlich nicht, aber weit gedehnt, wurde es als "teilgenommen" akzeptiert.
      Für den Lehrer war es so auch einfacher, weil er die Verantwortung nicht hätte tragen können. Für das Kind war es super, weil so Bewegung stattgefunden hat, lernen, dass Sport nichts schlimmes ist, abr gleichzeitig nicht dem vollem "System an was muss das muss" ausgesetzt zu sein. Eine Mischung eben.

      Das war wohl eine Einzelfallregelung mit Diagnose und einigen Stellen gemeinsam.
      Sonst passte schulisch alles und wegen Sportverweigerung oder Sportproblemen eine Sonderschule hätte für das Kind nicht gepasst.


      Evtl. mal bei Rehakids fragen. Dort gibt es eher Eltern mit Autistischen Kindern, mit Tipps oder Regelungen. Zumal manche Autismusformen auch etwas unterschiedlich verlaufen. Entwicklung etc. auch.

      Bei den Asperger Autisten, die ich kenne, kann man viel mit Logik, Erklären etc. erreichen. Bei einem anderen, geht gar nichts.

      (8) 04.06.19 - 21:45

      Kuck mal hier rein: http://www.igel-of.de/de/praktische-hilfen/inklusion-und-schulrecht/nachteilsausgleich-bei-autismus
      "Sport
      Bestehende Schwierigkeiten beim Erfassen und Umsetzen sozialer Zusammenhänge und einer schwachen Handlungsautonomie können dazu führen, dass diese Jungen Menschen nicht in der Lage sind, komplexere Handlungsmuster selbständig umzusetzen und mehrere Wahrnehmungsbereiche gleichzeitig zu koordinieren. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für Mannschaftsspiele. In diesem Fall sollte der Schwerpunkt der Bewertung auf den Individualsportarten liegen. Motorische Probleme sollten nicht in die Bewertung einfließen. Gegebenenfalls kann über ein Aussetzen der Bewertung reflektiert werden."

      LG Hinzwife

      Wenn es ihm um Logik dabei geht, würde ich ein Buch besorgen welches erklärt warum der Körper vom Sport profitiert. Was da mit den Muskeln passiert, den Organen usw.
      Vielleicht macht Sport dann Sinn!
      Kenn mich mit Autismus nicht aus, ist nur so ein Gedanke ;)

      (10) 05.06.19 - 18:17

      Hilft es dir, wenn ich dir sage, dass es besser wird, wenn die Mannschaftsspiele vorbei sind?
      Im Unterricht werden auch andere Sachen benotet. So schlimm wird das nicht.

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