Ist das bereits Mobbing?

    • (1) 06.06.19 - 10:05

      Hallo zusammen,

      Meine Tochter (9) geht in die 3. Klasse. Unter anderem zusammen mit ihrer besten Freundin, sie kennen sich schon seit dem sie 3Jahre alt sind. Der Großteil der Klasse ist sei dem Kindergarten zusammen und alle kennen sich.
      Nun kam letztes Jahr, Mitte der 2.Klasse ein neues Mädchen in die Klasse. Soweit so gut...Meine Tochter und dieses neue Mädchen verstanden sich auf Anieb gut und freundeten sich ebenfalls an. Ich habe dieses Mädchen auch als sehr nett kennengelernt. Deren Mutter erzählte mir, das ihre Tochter in unsere Schule gewechselt hat, weil sie in deren alter Schule ganz schlimm gemobbt wurde.
      Nun plötzlich, seit ein paar Wochen gab es immer wieder Konflikte und Streit zwischen den beiden. Erst dachte ich, das ist eben ganz normaler Zickenkrieg unter Mädels, aber meine Tochter wird zunehmen trauriger und berichtet mir, das dieses Mädchen sie vor allen anderen auslacht, ausgrenzt und nun das schlimmste, ihre beste Freundin rüberzieht und mit ihr über sie tuschelt und hinter ihrem Rücken lacht. Zählt das schon zu Mobbing?
      Ich weiß nicht, wie ich meiner Maus helfen kann. Sie ist sehr traurig und möchte ihre beste Freundin nicht verlieren.
      Der Lehrer interessiert sich leider nicht dafür und mischt sich nicht ein.
      Kann ein Kind, das angeblich selber gemobbt wurde, so gemein sein? Was würdet ihr an meiner Stelle machen? Abwarten, oder eingreifen?

      • Eingreifen und zwar schnell.

        Kinder, die mal gemobbt wurden, neigen meiner Erfahrung nach zum Mobben. Die Ursachen sehe ich darin, dass erstens durch die eigene Mobbingerfahrung der Selbstwert so angegriffen ist, dass sie sich durch Mobbing versuchen aufzuwerten und zweitens sie solche Angst haben, wieder am unteren Ende der Hackordnung anzukommen, dass sie alles tun, damit das nicht passiert.

        Eigentlich finde ich, dass das Sache der Klassenleitung ist, hier ein Gespräch zu führen oder das zu begleiten. Da du da offenbar Pech hast, würde ich mich nicht scheuen, selbst das Gespräch mit dem Kind zu suchen.
        Ich würde sie nicht beschuldigen oder schimpfen, sondern ihr gemeinsam mit deiner Tochter schildern, wie sehr sie dein Kind durch ihr Verhalten verletzt und sie einen Perspektivwechsel vornehmen lassen. Sie soll sich in die Lage deiner Tochter versetzen.

        Parallel würde ich mit der Mutter des Kindes sprechen, ebenfalls ohne Vorwurfshaltung.

        Und ich würde mein eigenes Kind stärken. Sie soll laut und selbstbewusst in solchen Situationen der Ausgrenzung sagen, wie sie sich fühlt und dass sie nicht so behandelt werden will. Das kann man sogar in kleinen Rollenspielen üben.

        Viel Erfolg!!

        Wer weiß, ob sie in der alten Schule gemobbt wurde und evtl. nicht selbst der Unruhestifter war , wo sie dadurch von den anderenSchülern ignoriert/ausgegrenzt wurde. Ich sehe es als "leichtes Mobbing" eher Gehetzte....wichtig ist, dass es nicht so weit geht, dass weitere Schüler , nicht auf den Zug mit aufspringen.

        (4) 06.06.19 - 12:13

        "Kann ein Kind, das angeblich selber gemobbt wurde, so gemein sein? "

        Ja, ,kann es.

        Bei uns lief vor kurzer Zeit eine Reportage im Radio zu diesem Thema. Dort haben viele Jugendliche, die vormals gemobbt wurden, zugegeben, dass sie den Spieß später einfach umgedreht hätten. Für sie war es eine Art von "Befreiung" selbst zu mobben und damit nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen.

        Ich denke auch, dass Du dringend das Gespräch suchen solltest. Vor allem auch mit dem Mädchen selbst. Aber bitte keine Vorwürfe machen. Ich denke ihr ist nicht wirklich bewusst, was sie Deiner Tochter antut. Für sie ist es erst einmal die Befreiung und das gute Gefühl, dass sich für sie selbst alles zum Guten gewendet hat.

      • (5) 06.06.19 - 12:53

        Es ist völlig unerheblich, ob das Mobbing ist, oder nicht.
        Fakt ist, dieses ungerechte, verletzende Verhalten muss aufhören!
        Parallel zu den schon genannten Tipps:
        bitte sprich mit Deiner Tochter und sage ihr, dass sie sich auf keinen Fall in die Opferrolle drängen lassen soll. Stärke ihr den Rücken und bitte sie, sobald wieder so eine Situation eintritt, dass die Mädchen über sie tuscheln oder über sie lachen, dann soll sie auf keinen Fall weggehen oder so tun, als hätte sie nichts gehört. Das wäre die Opferhaltung, die die "Angreifer" nur noch mehr bestärkt, weiter zu machen.
        Sie soll erhobenen Hauptes zu den Mädchen hingehen und direkt ansprechen: "Da ihr ja mit dem Finger auf mich zeigt, habt ihr bestimmt eine Frage an mich. Bitte fragt mich direkt, ich kann euch betimmt eine Antwort geben."
        Oder wenn sie lachen: "Was ist denn so lustig? Lacht ihr über euch oder über mich?"
        Letztlich ist gar nicht entscheidend, WAS sie zu den Mädels in der Situation sagt.
        Wichtig ist nur, dass sie überhaupt direkt reagiert und nicht so tut, als sei nichts geschehen.

        Ist das Mobbing?
        Was du erzählst, klingt eher so als wäre es noch nicht Mobbing, hab aber natürlich nicht alle Infos.
        Muss es Mobbing sein, damit man handelt?
        Nein, ist doch viel besser, wenn man handelt, bevor es systematisches Mobbing wird.

      • (7) 07.06.19 - 06:48

        Hallo,

        das Verhalten von dem Mädchen ist gar nicht so unüblich, wenn es vorher gemobbt wurde.
        Bevor mein Großer in der 6. Klasse aufs Gymnasium wechselte, wurde er in seiner alten Klasse stark gemobbt. In der 6. Klasse wechselte er die Schule und wurde auch gleich gut aufgenommen und integriert. Irgendwann fing er an gegen gewisse Kinder zu schießen und auch zu provozieren und zu sticheln. Mich sprach eine andere Mutter darauf an, deren Tochter nicht so beliebt in der Klasse war und auf die es mein Sohn besonders abgesehen hatte. Ich habe zuerst meinen Sohn strack gestellt. Ihm war das gar nicht so richtig bewusst was er da anrichtete. Normalerweise sollte man vermuten, dass gerade ehemalige Mobbingopfer wissen müssten wie es ist. Ich habe auch mit dem Lehrer meines Sohnes das Gespräch gesucht, ihm gesagt, dass mein Sohn den dicken Macker spielt, andere herablassend behandelt, sich Kinder gemobbt fühlen und ihn gebeten, dass er das ganze im Auge behält. Meist bekommen Lehrer Mobbing ja als letztes mit. Er sagte, dass es oft vorkommt, dass Mobbingopfer im neuen Umfeld zu Mobbern werden. Getreu dem Motto: Angriff ist der beste Weg zur Verteidigung. Sie haben Angst wieder Opfer zu werden und springen daher gleich auf den anderen Zug auf. Mobbing verursacht etwas bei Menschen. Entweder leidet das Selbstbewusstsein so dermaßen, dass sie wieder zum Opfer werden weil sie sich von vornherein ins Abseits stellen oder sie gehen in die Offensive, zeigen wie stark sie sind und mobben selbst um nicht wieder Opfer zu werden. Sie treiben Freundschaften auseinander um sich neue Freunde und Anhänger zu schaffen. Je mehr ich hinter mir stehen...

        • (8) 07.06.19 - 06:52

          .... habe, umso weniger können gegen mich sein. Das geht natürlich auch nach hinten los.

          Sprich am besten mit der Mutter des Mädchens. Ich war dankbar, dass mir gesagt wurde was mein Sohn macht. Das Mädel wird sich keiner Schuld bewusst sein und macht es wahrscheinlich aus reinem Selbstschutz. Ihr muss genauso geholfen werden wie den anderen Kindern. Auch wenn es noch kein Mobbing sein sollte, kann es schnell Mobbing werden. Ebenfalls würde ich auch die Lehrerin ins Boot holen. Nicht mit der Keule "die böse xy ärgert meine Tochter", sondern schildere ihr was los ist und welche Bedenken du hast.

          LG
          Michaela

      (9) 07.06.19 - 09:23

      Hallo,

      ob die Vorfälle die Definition von Mobbing erfüllen ist doch vollkommen unerheblich.
      Der Begriff Mobbing ist in Deutschland ziemlich neu. Trotzdem wurden auch in unserer Schulzeit und garantiert auch davor nicht wenige Kinder "gemobbt". Man nannte das damals bloß ärgern oder ausgrenzen.

      Der Punkt ist doch, dass das Benehmen der Mädchen Deine Tochter belastet und dass es nicht um Sticheleien geht, die morgen wieder vergessen sind.

      Wenn Du ein gutes Verhältnis zu der Mutter hast, würde ich die ansprechen.
      Ansonsten ist der Lehrer dafür zuständig, ob er Lust dazu hat oder nicht. Wenn er sich weigert, würde ich einen Vertrauenslehrer/Streitschlichter-Lehrer oder so jemanden ansprechen.
      Falls Eure Schule solche Lehrer nicht hat, würde ich den Direktor ansprechen, wie das Vorgehen der Schule in solchen Fällen aussieht. Ich schätze, der wird dann erwarten, dass der Klassenlehrer sich kümmert.

      Das Problem an solchen Sachen ist, dass die immer schlimmer werden, je länger sie laufen, weil die ärgernden Kinder merken, dass ihnen niemand eine Grenze setzt.
      Deswegen ist es keine gute Idee, sich das lange anzugucken.

      Das Gymnasium unserer Tochter kümmert sich z.B. sehr zügig mit Schüler- und Lehrerstreitschlichtern um solche Vorfälle. Schüler, die das Mobben nachhaltig nicht einstellen, fliegen raus.
      In der Grundschule hier kommt es darauf an, wie die Klassenlehrerin gestrickt ist. Die Direktorin spielt hier alles herunter, was unter Schülern stattfindet.
      Dreimal darfst Du raten, wo der Umgang der Schüler untereinander besser ist...

      LG

      Heike

      (10) 07.06.19 - 15:20

      Nach Definition ist das kein Mobbing, weil kein Mob (also keine Menge Leute) involviert sind. Das Mädel lacht sie aus - aber die anderen mobben nicht zurück.

      Was bleibt: Es ist fies und dein Kind ist traurig.

      Ich hatte was ähnliches. Ein neues Kind in der Klasse, hat meinem Sohn den besten Freund "ausgespannt". So weit so normal, der sucht ja auch Freunde. Er hat den Jungen richtig mit Beschlag belegt und dessen Eltern sind dann mal eingeschritten - weil bei uns eher normal ist, dass alle zusammen spielen -und eher bei schlechtem Wetter mal zweier- dreiergrüppchen gebildet werden.
      Also schnappte er sich ausgerechnet noch den zweitbesten Freund meines Sohnes und versuchte, mit diesen zwei zusammen immer bei sich abzumachen. Und log meinen Sohn dann immer am Telefon an, dass sie nicht da wären oder sie nicht wollten, dass er auch kommt.

      Ich habe dann nicht mit dem "Klammerer" geredet - sondern mit den Müttern der besten Freunde (die ich eh gut kenne und ständig sehe). Ihnen ist auch aufgefallen, dass was nicht richtig läuft und sie haben mit ihren Söhnen geredet. Da kam raus, dass ihnen die Situation auch nicht gefällt, sie aber keine Worte fanden, dem Klammerer klar zu machen, dass sie zwar Freunde sind, aber sie nicht "seine" Dreierbande sein wollen. Sondern eben mit meinem Sohn und noch anderen Kids... Jeder war wieder sensibilisiert, sie fanden Worte, er Klammerer musste erleben, dass man ihm halt sagte: "Halt, wenn wir nicht alle zusammen spielen, kommen wir nicht zu dir heim. Wir wollen mit X und Y wie früher auch spielen können.

      Mit dem Klammerer oder dessen Eltern geredet habe ich nie. Es hätte nichts gebracht. Er suchte halt einfach Freunde oder seine Position in der Gruppe. Und die Eltern hätten eh nur gesagt, das wäre Kinderkram. Eltern vom "dominanten Kind" sehen das meist so.
      Es gilt, die Kinder zu stärken, die mobbing - Klammerer - fiese Mädchen - daran hintern können, ihr Ding durchzuziehen. Sind alle mal sensibilisiert, läufts besser.

      Was ich sagen will: Mit dem heute "bösen" Mädchen zu reden wird kaum was bringen. Sie kann sie einmal höflich fragen was los ist - mehr bringt nichts. Und du kannst mit der Mutter des ein oder anderen Kindes reden und fragen was los ist und dass deines gerne wieder mitspielen würde - aber sich ausgeschlossen fühle. Frag ruhig, ob es einen Vorfall gab. Sie sollen einfach mit ihren Kis ins Gespräch kommen.

      • (11) 08.06.19 - 11:08

        Vielen lieben Dank für Eure vielen Antworten und Tipps!

        Ich hatte jetzt am vergangenen Donnerstag die Gelegenheit mit den Eltern der besten Freundin meiner Tochter unter 6 Augen zu sprechen und ihnen die Situation zu schildern.
        Sie haben am Rande mitbekommen, daß es Streit und Konflikte gab/gibt aber so richtig wussten sie nicht Bescheid. Sie werden mit ihrer Tochter reden und sie etwas sensibilisieren.

        Gestern war ja der letzte Schultag vor den Pfingstferien (Bayern) und meine Tochter war ganz happy nach der Schule, weil das besagte Mädchen, das sie sonst immer ärgert, plötzlich wieder ganz nett war...
        Auch mit ihrer besten Freundin lief es gestern ganz toll. Sie haben einen schönen Nachmittag zu zweit im Freibad verbracht. Und in den nächsten Tagen übernachtet die Freundin bei uns.
        Wir warten jetzt einfach mal ab, wie es nach den Ferien weitergeht....

    (12) 12.06.19 - 11:47

    Die Hauptaufgabe ist es, das Kind zu beruhigen und ihm das Gefühl von Sicherheit und emotionalem Komfort zu geben. Wie auch immer man dabei aufspringen und laufen möchte, um den Täter zur Verantwortung zu bringen und die Lehrer zu beschuldigen. Das Letzte, was das Kind jetzt braucht, ist gereizte und aufgewühlte Mutter außer Kontrolle. Machen Sie dem Kind klar, dass Sie seine Offenheit schätzen. Für viele Kinder ist es sehr sehr schwierig, ein solches Problem mit einem Erwachsenen zu teilen. Angst, die Situation zu verschlimmern, Selbstzweifel, Zurückhaltung, Scham wirken sich immer nur negativ aus.

    (13) 19.06.19 - 10:08

    Ich würde mich an deiner Stelle sofort mit der Mutter des Mädchens in Verbindung setzen und ihr sagen was los ist.

    Bei uns war es ähnlich. Unser Sohn geht in die 5. Klasse, mit dabei ein ehemaliger Freund. Seit der ersten Klasse eng befreundet.
    Unser Sohn hatte jetzt in der 5. Klasse seine erste "Freundin". Waren ein paar Monate zusammen, dann gab es Streit und sie haben sich getrennt. Der "Freund" ging dann plötzlich dermaßen gegen unseren Sohn, hat alles was er gesagt hat in Frage gestellt, in beschimpft, andere Kinder gegen ihn aufgehetzt. War dann zwischenzeitlich mal wieder okay aber als dieser "Freund" mitbekommen hat das unser Sohn ihn kurz darauf nicht zu seiner Geburtstagsfeier einlädt ging es wohl noch schlimmer wieder weiter.
    Leider habe ich nur mitbekommen das sie nicht mehr befreundet sind, die genauen Hintergründe habe ich vor knapp 2 Wochen von unserer Tochter (13) erfahren. Sie hat das Gespräch mit mir gesucht und gemeint das sie es mir von unserem Sohn eigentlich gar nicht sagen darf aber sie wurde an diesem Tag aus ihrer Klasse geholt weil unser Sohn weinend auf dem Schulhof saß, eine Lehrerin nichts aus ihm raus bekommen hat. Als sie zu ihm kam ist er ihr bitter weinend in die Arme gefallen und hat gesagt das K*** ihn nur noch beschimpft, andere Kinder auf ihn aufhetzt, Lügen über ihn verbreitet und sogar eine WhatsApp-Gruppe mit dem Namen "M*** ist ein Arschloch" erstellt hat.

    Das hat mir dann gereicht, hab sofort der Mutter gesagt was da los ist und ihr ganz klar gesagt das wenn sie es nicht hinbekommen das er SOFORT aufhört dann wenden wir uns an die Schule.
    Sie war echt dankbar das ich erst zu ihr gekommen bin (wir Eltern verstehen uns recht gut), sie hätte das Mobbing so satt. Ihr Mann hat dann gleich die WhatsApp-Gruppe gelöscht. Anscheinend haben sie auch gleich deutlich mit ihrem Sohn gesprochen, am nächsten Tag in der Schule war er plötzlich wieder recht normal zu unserem Sohn. Unser Sohn möchte nun aber, was ja auch verständlich ist, nicht mehr mit ihm befreundet sein. Ein normaler Klassenkamerad - was mir ganz recht ist.

    Ich werde es aber weiter beobachten und beim nächsten Vorfall in der Schule stehen!

    Daher kann ich dir nur den oben genannten Rat geben, bevor es noch schlimmer wird.

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