Schulfreundschaft sorgt für Probleme mit der Nachbarschaft

Ich wollte mal eure Meinung hören: vor circa sechs Monaten ist eine neue Familie in unseren großen Wohnblock gezogen. Wir wohnen dort seit 9 Jahren in stets guter Nachbarschaft. Das neue Mädchen ist in meiner Tochter, 8 Jahre, gekommen. Die beiden haben sich angefreundet. Am Anfang war alles ganz nett. Das Mädchen war auch ein paar mal bei uns und sie haben gut zusammen gespielt. Inzwischen fällt mir aber auf, dass sich das Mädchen sehr aufsässig und penetrant verhält. Ein "Nein" akzeptiert sie nur sehr schwer - wenn überhaupt. So kommt es dann, dass sie bis zu 5 mal in einer Stunde klingelt, um nach unserer Tochter zu fragen, wenn sie nicht zu Hause ist oder ich bereits gesagt habe, dass sie heute nicht kommen kann, weil sie z.B. woanders eingeladen ist oder wir noch einen Termin haben. ( Die Klingel abzustellen wäre keine gute Idee, weil mein Kind ja auch nach Hause kommen muss. )

Ich habe in letzter Zeit stark den Eindruck, dass sich der Kontakt mit diesem Mädchen negativ auf meine Tochter auswirkt. Sie tut sich plötzlich mit einem "Nein" ebenso schwer. Sie diskutiert oder verhandelt aber nicht mehr, sondern benimmt sich dann wieder wie ein Kleinkind mit schreien, aufstampfen, Türen knallen, brüllen. ( Es wirkt ziemlich lächerlich, wenn man weiß, dass sie eigentlich schon weiter war.)
Aber: Diese Woche, als wir noch einen Termin hatten, der ihr nicht passte, kam meine Tochter gar nicht nach Hause, sondern ist einfach mit zu diesem Mädchen nach Hause gegangen. Ich habe sie natürlich gesucht als sie nicht pünktlich zu Hause war. Ich denke, ihr könnt euch vorstellen, welche Ängste ich ausgestanden habe! Zumal es vor 2 Monaten an der Nachbarsschule eine versuchte Kindesentführung gegeben hat und wir Eltern alle darüber informiert wurden, besonders wachsam zu sein!
Schließlich hat meine Tochter mein Rufen durchs Fenster gehört und ist doch raus gekommen. Die Mutter Mädchens hat mir dann gesagt, sie hätte ja unsere Tochter aufgefordert, abzuklären ob sie bei ihnen spielen dürfe - sie habe es einfach nicht gemacht. Das hat mich schon etwas gewundert. Denn wenn das bei mir passieren würde, würde ich das telefonisch mit den Eltern abklären. Ich weiß ja schließlich, was man sich für Sorgen macht, wenn das Kind nicht heim kommt. Naja:Ich denke, ich habe meiner Tochter anschließend deutlich genug erklärt, dass ich so etwas nicht noch mal erleben möchte.

Das wesentliche Problem ist jetzt aber:
In den letzten zwei Wochen haben die beiden immer wieder beim Spielen draußen Dinge angestellt, die für Ärger in der Nachbarschaft sorgten wie z.B.: Sich mehrfach in fremden Abstellräumen versteckt (obwohl ganz klar verboten weil gefährlich), die frisch gewischten Glastüren im Eingang mit Schmutzwasser bespritzt und gestern hat das Mädchen "aus Spaß" mit einer Schüssel Erde und feuchtem Lehm nach unserer Tochter geworfen - und teilweise getroffen. Der Großteil lag aber mitten im Weg als mein Mann nach Hause kam (ich kam später und habe das gleich durch den Ärger einer Nachbarin mitbekommen). Weggemacht hat das natürlich nicht das Mädchen - das war plötzlich weg- sondern meine Tochter, mein Mann und die Nachbarin :-( Ein anderer Nachbar meinte noch: "Nichts gegen Ihre Tochter, aber immer wenn dieses Mädchen dabei ist, gibt es Ärger!"
Wie würdet ihr mit der Situation umgehen?
Ich habe schon oft mit meiner Tochter gesprochen, wie sie sich hier im Wohnblock verhalten soll - allein oder mit anderen Freunden klappt das auch echt gut! In der Schule ist das Mädchen wohl eher isoliert, auch weil sie so bestimmerisch auftritt, während meine Freundin noch 3 andere Freundinnen hat.

Der letzte Satz sollte heißen: ...während meine Tochter noch 3 weitere Freundinnen hat.

Und klar gehört Unsinn machen und Spielen zum Kindsein dazu. Aber momentan häuft es sich doch sehr...

Nimm das andere Mädchen mal aus deinem Fokus und deine Tochter hinein. Sie ist es die sich auf den Boden wirft und die Mist baut. Und sie ist es die seit 2 Wochen Blödsinn macht. Und darauf würde ich reagieren.

Bei meinem wäre entweder rausgehen, oder mit dem Mädchen spielen erstmal gestrichen. Und ich würde bei der Begründung anführen das ich ihm wohl gerade nicht vertrauen kann und ihn deswegen nicht rausgehen/mit xy spielen lassen kann.

Das andere Kind kannst du nicht ändern. Du kannst dir nur überlegen ob du eure Grenzen noch konsequenter stecken kannst und ob du vielleicht zu freundlich bist beim abwimmeln. Vielleicht versteht sie nur sehr deutliche Worte. Und ansonsten ist es deine Tochter auf die du dich fokussieren solltest um den negativen Einfluss auf sie nicht zu stark werden zu lassen. So dass sie stark sein kann und nicht zum Mitläufer wird.

Ich würde erstmal, wenn beide einen Blödsinn bauen, die andere auch zur Stelle berufen und es gemeinsam ausbaden lassen und auch eine Entschuldigung . Beiden gemeinsam mal eine klare und ernste Ansage machen, das Gewisse Sachen einfach nicht gehen und ihr das nicht mehr länger ohne Konsequenzen so zuseht....dann haben sie es selbst in der Hand, ob sie weitere Treffen möchten oder es lieber auf das Spiel setzen.

Mit welcher "Befugnis" soll sie denn bitte das andere Kind heran zitieren und ihm eine Ansage machen?

Das kann man unter Umständen schon machen, allerdings hängt das davon ab, wie gut man sich auch mit den Eltern der Kinder versteht.

Mein Sohn hat auch mal mit seinen Freunden bei uns im Hof was gebracht, was unsere Nachbarn nicht so toll fanden. Ich habe das mit den Nachbarn hier erst einmal geklärt und dann die Eltern der anderen Kinder darüber informiert. Als die Jungs am nächsten Tag mit gesengtem Kopf vor der Tür standen um meinem Sohn abzuholen, habe ich sie auch erstmal "reinzittiert" und mit ernstem Blick und strengem Ton was zu ihnen gesagt. Der Unterschied hier aber war, dass ich die Eltern und die Jungs sehr gut kenne. Ich weiß auch, dass es gute Jungs sind und das was passiert ist "nur" im Eifer des Spiels passiert ist und sie einfach nur nicht nachgedacht haben. Ich musste mich bei meiner Ansage auch sehr stark beherrschen, dass ich nicht loslache, man hat den Jungs so sehr angesehen, wie unangenehm ihnen das Ganze war! ;-)

Wäre es hier um ein Kind gegangen, dass ich nicht so gut kenne, bzw. seine Eltern nicht so gut kenne, hätte ich ersteinmal die Eltern über das Geschehene trotzdem informiert und wenn dieses Kind nochmal bei uns geklingelt hätte, hätte ich ihm auch was zur Situation gesagt und ihm klar gemacht, dass ich so ein Verhalten hier bei uns nicht dulde und gemeinsames Spielen nur möglich ist, wenn sich an die Regeln gehlaten wird.

Ich denke schon, dass man die Kinder darauf ansprechen darf! Extra "herzittieren" würde ich natürlich niemanden, erstrecht nicht wenn ich merken würde, dass die Eltern das ganze sowieso viel lockerer sehen und es ihnen egal ist. Aber wenn dieses Kind weiterhin bei uns unterwegs ist und mit meinem spielen möchte, hätte ich die Regeln auf jeden Fall klar gestellt und ein Fehlverhalten klar angesprochen! :-)

Bei mir wäre schon nach der Aktion mit dem nicht Heim kommen, der "Spaß" vorbei!

Das andere Mädchen kannst du nicht ändern, sie würde ich erstmal aussen vor lassen.
Deiner Tochter musst du klar und deutlich machen, dass SIE für ihre Entscheidungen verantwortlich ist, sie hat immer die Wahl sich gegen so einen Blödsinn zu entscheiden. Tut sie das jedoch nicht, hat sie erstmal für lange Zeit Kontaktverbot zu diesem Mädchen. Ich bin kein Freund von Hausarrest, aber ich würde unter diesen Umstsänden meinem Kind auch erstmal das Spielen draußen untersagen, wenn es sich nicht an Regeln halten kann. Darüber hinaus würde ich meinem Kind auch klar machen, dass bockiges Verhalten erstrecht nicht ans Ziel führt.
Bei uns hört die Diskussion sofort auf, wenn so ein Verhalten auftritt. Ich kann gerne länger mit meinem Sohn über eine Entscheidung diskutieren, wenn er allerdings bockig wird und so ein Theater macht, ist die Diskussion sofort beendet und er kann sich dann gerne in seinem Zimmer weiter ärgern. Zum Glück war das bei uns nur sehr selten so.

Ich denke du musst deiner Tochter die Konsequenzen ihres Verhaltens deutlich machen. Freiheiten müssen eingeschränkt werden, wenn Regeln nicht beachtet werdet.

#winke

Danke für eure Antworten. Gut zu wissen, dass sich mindestens zwei von euch auch in Richtung Kontaktverbot bewegen würden! Das stärkt mich.
Zumal die Geschichte noch weiter ging (ich nenne das Mädchen jetzt hier einfach Sonia, so heißt sie natürlich nicht wirklich):
Am Montag kam meine Tochter dann weinend nach Hause. Ein Nachbar aus dem Vorderhaus habe sie angeschrien und damit gedroht "alles" meinem Mann zu erzählen, dann gäbe es "wirklich Ärger". Ich forderte sie auf, von sich aus zu erzählen, was passiert sei.
Vor drei Wochen habe ein etwas zurückgebliebener Klassenkamerad - auf "Befehl" von Sonia - das neu geleaste Auto des Mannes mit angekautem Mais beschmiert. Mein Sohn hat das vom Fenster aus gesehen - war wohl tatsächlich so. Aber meine Tochter war eben dabei. Sie sei auch mit Sonia - trotz meines Verbots - im Keller des Vorderhauses gewesen. Und von diesem Nachbarn dabei gesehen worden. Sie hätte ihm "Briefchen" mit Bienen drauf geschrieben und eingeworfen. Den Briefkasten hätte Sonia jetzt mit Stiften bemalt. Und sei dabei erwischt worden.
Ich beschloss, mit meiner Tochter zum Nachbarn zu gehen, damit sie sich entschuldigen könne. Dem Nachbarn habe ich versprochen, dass die beiden in nächster Zeit nicht mehr zusammen draußen spielen werden.

Der Nachbar war eigentlich recht freundlich. Er fand es gut, dass wir von uns aus kamen. Obwohl - zu all dem, was ich schon wusste - sein Briefkasten in letzter Zeit mit Blättern, Blüten und allerlei Plastikmüll befüllt worden war. Ursache war wohl, dass er die Mädchen Anfang Mai da im Keller erwischt und zur Rede gestellt hatte. Sonia ist es nicht gewohnt, dass sie jemand kritisiert oder ihr etwas verbietet. Also "rächte" sie sich und stiftet auch andere dazu an.
Der Nachbar war gerade bei den Eltern von Sonia gewesen. Und klar: Sonia behauptete ,dass das alles von meiner Tochter ausginge.
Die war total entsetzt und enttäuscht, als sie das erfuhr. Ich dachte, das reicht und sie lernt daraus. Gestern Abend aber kam sie nach Hause und wollte wieder raus und mit dem anderen Klassenkamerad spielenund fragte, ob sie mit ihm spielen dürfe. Ich fragte: "Was ist mit Sonia?"
"Die muss drinn bleiben. Ihre Mutter hats ihr verboten, raus zu gehen."
Daraufhin ließ ich sie raus gehen. Etwas später brachte ich den Müll runter. Da saßen alle drei auf dem Rasen - genau vor dem Hauseingang des Nachbarn, den sie so geärgert haben:!
Ich war stinksauer! Hatte sie mich angelogen? Wenn Sonias Mutter ihr es verboten hatte, rauszugehen- was machte die dann da? Ich holte meine Tochter herein - jetzt war sie natürlich sauer.
"Ja, Sonias Mama hats ihr verboten. Aber dann hat sie gebettelt und gebrüllt und dann durfte sie doch.":wall::speechless:

Das Problem ist : Ich kann ihr ja den Kontakt nicht voll verbieten, sie gehen ja in eine Klasse und haben den gleichen Weg. Die Eltern von Sonia sehen in ihr eher die kleine Prinzessin, als ein zu erziehendes Wesen. Wenn ich meine Tochter drin behalte, bestrafe ich sie dafür, dass die anderen ihre Freundin nicht einschränken. Das ist auch nicht in Ordnung. Heute werde ich mit meinen Kindern nach der Schule noch raus gehen und grillen. Da ist das Mädchen nicht dabei. Aber ich kann nicht jeden Tag "Ablenkungsprogramm bieten und die sollen ja auch spielen können....