Noten beantragen ab Klasse 3

Moin zusammen,

bei uns in Hamburg kann man in der 3. Klasse beantragen, dass das Kind Noten statt eines Berichtzeugnis bekommt. Ich habe das bei meinem Sohn damals so gemacht und jetzt auch bei meiner Tochter so vor. Bin damit allerdings in der Minderheit bei uns.

Nur mal interessehalber (mein Entschluss steht fest, meine Tochter wünscht sich auch Noten :-)): Wie wird das bei Euch gehandhabt? Und wie ist Eure Meinung dazu?

Beide Lehrerinnen haben bei uns abgeraten mit der Begründung, das fördere die Konkurrenz und die Kinder seien bei einer schlechten Note nur am Heulen. Außerdem sei der Bericht ausführlicher.

Also mein Sohn damals war nicht so dolle in der Schule, aber geheult hat er nicht als das Zeugnis kam #kratz Einige Mädchen (mit Berichtszeugnissen) haben geweint.
Und bei meiner Tochter befürchte ich eh keine 4en und 5en, die kommt gut mit.

Mein Pro-Argument ist, dass ich Noten für klarer halte (statt tw. in typischer Zeugnissprache verfasste/verschleierten Berichte) und ja, auch Konkurrenz eigentlich gut finde. Meine Kinder haben sich beide mit Noten auch irgendwie erwachsener gefühlt.

Wie ist das bei Euch so?

LG, Nele

Ich persönlich halte Noten für hoffnungslos überbewertet und kann mir sehr gut vorstellen die einfach bis zur Oberstufe wegzulassen. Im Prinzip ist ihr einziger Vorteil, dass auch wir beschränkten Erwachsenen gleich verstehen, wo in etwa, dass Kind in seiner Leistung steht. Eher oben, eher in der Mitte, eher unten.

Noten sagen aber rein gar nichts darüber aus, was das Kind im einzelnen nicht kann und wie es besser werden könnte. Kein Kind ist nämlich immer z.B. schlecht in Mathe, aber es war vielleicht schlecht in der Subtraktion im 100er Raum oder es hat Probleme mit Geometrie.

Für mich ist eher entscheidend, dass die Kinder motiviert sind zu lernen und das was sie lernen, verstehen und anwenden können, sicher und qualitativ. Dazu kann es ruhig Tests geben und eine Auswertung. Aber Noten braucht es dazu nicht wirklich. Was es braucht, ist er eine Rückmeldung vom Lehrer, was sehr gut geklappt hat und was nicht so und was das Kind sich wie nochmal anschauen sollte und eine Vereinbarung zwischen Lehrer und Kind für ein davon abgeleiteten neues Lernziel.

So in der Art ist mir das im Übrigen in Schweden begegnet und auch da sind Noten eher was für die höheren Klassen. Da über 90 % der Schweden ihre Hochschulzugangsberechtigung schaffen, kann es nicht so verkehrt sein, was die da tun.

Zwar hat Schweden in Pisa Einbußen in den den letzten Jahren hingenommen. Das geht aber einher mit Einsparmaßnahmen in einigen Regionen in der Bildung und somit einer schlechteren Personallage. Denn für so ein System braucht es eigentlich 2 Lehrer, die eine Klasse betreuen. Da es ja aufwendiger ist mit dem Kind persönlich seine Leistungen durchzusprechen, als einfach überall ein f Ran zu malen und ne 6 hinzukringeln.

Ist am Ende also auch wieder eine Geldfrage. Ich persönlich hätte meinen Kids -hätte ich die Wahl gehabt - das ganze Theater noch 1 Jahr erspart. Sie haben nämlich auch in der 1. - und 2. Klasse fleißig gearbeitet - ohne Noten.

Hallo,
Freunde von uns sind u. a. aus Schweden zurück gekommen, weil das Schulsystem grottig ist.
Ja, da bekommen sehr viele gute Abschlüsse, weil das Niveau vor lauter Angst, dass sich jemand benachteiligt fühlen könnte, so weit gesenkt wurde, dass man sich schon anstrengen muss, damit man keinen guten Abschluss nachgeworfen bekommt. Jetzt sind alle gleich - schlecht.
Auch da gibt es einen Trend zu Privatschulen, wo es anders läuft. Dann wird eben in der Wirtschaft nicht mehr nach Abschluss, sondern nach Schulen gesiebt.

Schweden ist kein Wunderland mit lauter glücklichen, entspannten und trotzdem leistungsstarken Schülern.

LG
Heike

Ja, ich weiß, dass es diese Entwicklung gibt, aber wie gesagt, dass liegt eher an dem was die Politik in den letzten 8 Jahren verbockt hat, weil teilweise radikale Einsparmaßnahmen vor allem in den Städten durchgedrückt wurden, wo es zeitgleich auch zunehmend Probleme mit Migration und Vorortbildung gibt. Das hat es zu meiner Zeit dort alles nicht gegeben. Und der Hang zu Privatschulen ist ein Trend der sich daraus entwickelt hat. Aber es hat durchaus mal funktioniert. Und zwar besser. Punkt.

Und dass das allgemeine Bildungsniveau niedrig ist, halte ich für ein sehr lustiges Gerücht. Der Abfall hat etwas mit Geld und Politik zu tun, nicht mit der Idee ansich.

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Hallo!

Bei uns (Hessen) gibt es Berichte nur in der ersten Klasse, ab der 2. Klasse bekommen die Kinder Noten im Zeugnis.
Die Meinung vieler, ein Berichtszeugnis sei viel ausführlicher und aussagekräftiger, kann ich mittlerweile gar nicht mehr teilen. Bei meiner Tochter konnte ich aus dem Zeugnis noch entnehmen, in welchen Bereichen sie besonders gut oder auch eher schlecht ist. Jetzt hat mein Sohn die erste Klasse hinter sich, und ich kann mit dem Zeugnis mal so gar nichts anfangen. Es sind alles Floskeln, hinter denen sich alles verbergen kann. Wenn ich ein Arbeitszeugnis mit derartigen Formulierungen in die Hand bekäme, würde ich den Bewerber vermutlich noch nicht einmal zu einem Gespräch einladen, und die Formulierungen im Zeugnis meines Sohnes erinnern arg an ein Arbeitszeugnis. Die einzige Aussage, die ich kapiert habe, ist "... muss sich bemühen, im Kunstunterricht sorgfältiger und detailreicher zu arbeiten." - Allerdings fand sich die gleiche Formulierung im Zeugnis eines Klassenkameraden :-p - Jungs halt!
Naja, die Klassenlehrerin hat immerhin angeboten, das Zeugnis nach den Ferien zu besprechen, aber im Großen und Ganzen weiß ich ohnehin über die Schwächen und Stärken meines Sohnes Bescheid. Trotzdem bin ich froh, dass es nächstes Jahr Zensuren gibt.

LG

Hallo,
hier (NRW) gibt es ab Klasse 3 immer Noten.
Bei mir früher fand ich die Berichtszeugnisse von Klasse 1 und 2 auch ok, weil in klaren Sätzen drin stand, was die Kinder konnten und was nicht.
Bei unserer Tochter war aber alles positiv formuliert, wie bei Arbeitszeignissen, so dass alle Kinder sich für super hielten, während die Eltern rätseln durften, wie es wirklich gemeint war.
Da die Eltern damit auch die Lehrer genervt haben, wurde auf Zeugnisse mit vier Stufen in Form von Smileys umgestellt.

Ob Noten oder Smileys oder eindeutige Worte finde ich wiederum egal. Hauptsache, es ist klar, was Sache ist.
Wenn das klar ist, sind immer einige Kinder mit schlechten Leistungen traurig, aber falsches Lob bringt den Kindern auch nichts.

LG

Heike

Wobei bei uns in Klasse 3 und das Halbjahreszeugnis der 4. zu den Noten auch ein ewig langer Text dazu kommt. Für mich die perfekte Ergänzung. Unsere Texte sind nicht aus irgendwelche Bausteine, sondern liebevoll und trotzdem deutlich von der Lehrkraft formuliert.

LG

Bei uns gibt es ab Klasse 3 generell Noten und ich bin klar dafür! Ich arbeite momentan nur in der 1/2 (ok, bin aktuell im MuSchu aber vorher und danach) und die Berichte die wir schreiben müssen sind zwar sehr ausführlich aber doch irgendwie "beschönigt" - Vorgabe ist, ein positives Zeugnis zu formulieren. Gegenüber den Kindern ist das richtig aber manche Eltern bräuchten klare Worte, spätestens in Klasse 2. Da wünschte ich mir ergänzend Noten.

In Klasse 3 / 4 finde ich hier gut, dass die Noten um ein Worturteil ergänzt werden können. So ist es eigentlich am eindeutigsten...

Es gibt auch viele Argumente kontra Noten, die ich einleuchtend finde, aber im Schulalltag bin ich doch immer wieder dafür...

***
Gegenüber den Kindern ist das richtig aber manche Eltern bräuchten klare Worte, spätestens in Klasse 2.
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Mein Sohn hatte immer ein Zeugnis mit deutlichen Stärken und Schwächen, aber mein Ex-Mann hat mir (und dem Junior auch) jedes Mal erzählt "wiesoooo, da steht doch nur Gutes" #rofl
Und so dumm ist er nicht, nur eben nicht eingelesen in Zeugnissprache. Ich frage mich, wie Eltern das verstehen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist oder die tatsächlich intellektuell eher einfach sind. Barrierearm ist das zumindest nicht so...

Ich hätte gern am liebsten ab Klasse 2 Noten mit ergänzendem Kommentar - aber in deutlicher Sprache in der Art "xy rechnet sicher im Zahlenraum bis 20. Beim Kleinen Einmaleins zeigte er/sie noch deutliche Lücken". Und nicht "xy, du rechnest ganz toll bis 20. Bemühe dich nun noch weiter beim Einmaleins, dann klappt das ganz prima". #gruebel

LG, Nele

Bei uns gibt es in der Grundschule keine Noten. Wir haben dafür einen sehr ausführliches Entwicklunsbuch. Nein Sohn vermisst auch keine Noten.

Hallo,

wir leben in Bayern und so war es bei Junior an der Grundschule:

1. Klasse: 1. HJ - Lernentwicklungsgespräch
2.HJ - Berichtszeugnis

2. Klasse: 1. HJ Lernentwicklungsgespräch
2. HJ Zeugnis mit Noten und Erläuterung

3. Klasse: wie 2. Klasse

4. Klasse: 1. HJ ein Elternsprechtag, eine Noteninformation (Mathe, Deutsch, HSU),
und ein Zwischenzeugnis
2. HJ Elterngespräch, Übertrittzeugnis und Jahreszeugnis mit Noten und
Erläuterung

LG Reina

Hallo.

Wir leben in Bayern und bei uns gibt es ab der 2. Klasse Noten und dementsprechend auch (neben einem Mini-Teil an Bericht) für jedes Fach Noten im Zeugnis.

Bis zu welcher Klasse ist es denn bei euch möglich, ein Berichtszeugnis zu erhalten? #gruebel

LG

Nur in der 3. Klasse - in der 4. Klasse 1. HJ gibt's Noten für die Anmeldung an der weiterführenden Schule.

Ich hätte ja am liebsten schon ab Klasse 2 Noten (gern mit ergänzendem Kommentar).

LG, Nele

In Baden-Württemberg bekommen die Kinder in Klasse zwei eine Note in Mathe, eine Note in Deutsch und einen vierfach gegliederten Bericht…

Sohn eins bekam zwei und zwei und einen Bericht, der wenn man die Sprache kennt irgendwo zwischen fünf und sechs liegt.

So ein zwei bekam eins & eins und ein Bereich der irgendwo zwischen eins und drei liegt.

Mit den Noten waren beide mehr als zufrieden, als ich ihnen erklärt habe, was der Bericht bedeutet hat der eine geweint und der andere war stinksauer.

Wobei uns am Anfang der 1. Klasse schon erklärt wurde, dass man so ein Zeugnis nicht wie ein Arbeitszeugnis lesen und interpretieren darf.

Ich lebe im Ausland. Bei uns gibt es ab dem ersten Tag nur Noten. Auch 5en werden da gerne schon großzügig verteilt. Für die Kinder, die sich nicht so leicht tun, ist das im höchsten Maße frustrierend und de motivierend.

Und bei den Kindern, bei denen die Noten OK sind, fragen sich die Eltern oft trotzdem, was sie nun können und wo es hapert. Mein Sohn hat auf dem Zeugnis fast überall eine Notenstufe schlechter als in den Arbeiten. Ist das nun, weil er sich im Unterricht nicht genug beteiligt? Oder weil seine Schrift eher unordentlich ist? Oder liegt es an seiner allgemeinen Arbeitseinstellung? Ich habe keine Ahnung.

Ich würde mir schon einen ergänzenden Bericht wünschen.

Guten Morgen,

in NRW gibt es ab Jahrgang 3 Noten inkl eines ausführlichen Berichts, der eher positiv formuliert ist, aber bei genauem Lesen ganz klar auch Schwächen aufzeigt.

Wir kennen seit Jahrzehnten nichts anderes als Schulzeugnisse mit Noten, von daher tun wir uns schwer, wenn es Berichtszeugnisse gibt, weil diese gefühlt nicht vergleichbar sind.
Wir vergleichen doch gerne, denn das Auto des Nachbarn ist größer, der Rasen grüner, ...

VG

Hier gibt es ab Klasse 3 Noten. Und zusätzlich zum Halbjahr einen kurzen Bericht mit Lernzielen, die gemeinsam mit Lehrkraft, Kind und Eltern zuvor besprochen werden. Auch auf der weiterführenden Schule noch bis zum Beginn der Oberstufe.
Generell gehören hier Zeugnisgespräche dazu. Eben auch, um in den ersten beiden Klassen zu erläutern, was denn diese 2 Seiten Prosa im Berichtszeugnis bedeuten und der Möglichkeit Fragen zu stellen. Aber eben auch, um individuelle Förderung und Forderung abzusprechen.
An der weiterführenden Schule gibt es zusätzlich in der Mitte jedes Halbjahres eine schriftliche Noteninformation sowie einen festen Elternsprechtag, bei dem sowohl Lehrer als auch Eltern bei Bedarf Termine vereinbaren.

Gerade diese Kombination finde ich sinnvoll. In Mathe ist es eben ein Unterschied, ob da eine 3 steht, weil man alles so mittelmäßig kann oder weil man im Rechnen ne absolute Niete ist und sich nur durch Geometrie irgendwie retten kann. Letzteres ist perspektivisch ja durchaus problematisch. Gleiches gilt, wenn man in den Fremdsprachen irgendwie mit Vokabeln und Kulturkunde noch die Kurve bekommt. Ich versuche da zwar möglichst den Überblick zu behalten - unterschreiben muss ich ja ohnehin jede Note - aber eine fachliche Einschätzung ist eben nochmal was ganz anderes.
Richtig toll finde ich auch, wenn Lehrkräfte trotz Noten noch einen kleinen Kommentar drunter schreiben. Wer sonst immer 1 und 2 bekommt, kann bei ner 3 schon mal nen kleinen Hinweis bekommen, dass da doch eigentlich mehr geht. Genauso wie jemand, für den in einem Fach eine 3 echt eine super Leistung ist, dafür auch mal ein kleines Lob verdient hat. Da habe ich bisher den Eindruck, dass das auch bei den Kindern gut ankommt, wenn die Lehrkräfte sie eben nicht nur auf der Notenskala von 1 bis 6 sehen.

Verglichen wird auch bei Berichtszeugnisse. Das ist ein bisschen komplizierter, aber wenn Kinder das wollen, bekommen sie das ab Ende der ersten Klasse hin. Und vergleichenden Eltern lässt es natürlich zusätzlichen Interpretationsspielraum #augen