Strafarbeit gerechtfertigt?

Guten Morgen,

mein Sohn 10 Jahre geht in die 4. Klasse. Ich bekam am Donnerstag einen Anruf von der Direktorin ( das kam zum ersten mal vor).

Folgendes ist laut Aussage der Direktorin vorgefallen: Ein Mitschüler hat bei einem anderen Mitschüler ein Hakenkreuz ins Heft gemalt und mein Sohn hat darüber gelacht! Jetzt sollen der Mitschüler, der das gemalt hat und mein Sohn einen Vortrag über Nationalsozialismus halten!



Als mein Sohn heim kam habe ich mit Ihm darüber gesprochen und er hat eine etwas andere Geschichte erzählt:
Der Mitschüler hat gesehen, wie ein Junge aus der 5. Klasse ein Hakenkreuz gemalt hat und hat dieses bei einem Mitschüler UND auch bei meinem Sohn ins Heft gemalt und alle drei hätten darüber gelacht bzw gekichert.
Der Direktorin war das allerdings bei der Vergabe der Strafarbeit egal.


Mein Vorschlag an die Direktorin war, dass man das Thema doch im Unterricht aufgreifen könne und es den Kindern ganz sicher nicht bewusst war worüber dort gelacht wird. Wir sind in keinster Weise rechts und in der Schule wurde das Thema noch nie besprochen, ich denke genau dort sollte es besprochen werden. Das interessierte Sie herzlich wenig. Strafarbeit und gut ist.

Findet Ihr die Strafarbeit auch etwas überzogen ? Oder sehe ich das falsch?
Das Thema ist selbstverständlich ernst zu nehmen und wir haben auch nochmal ausführlich darüber gesprochen.
Mir stößt die ungerechte Behandlung etwas auf weil entweder Alle drei hätten " bestraft " werden müssen oder es man hätte es im Unterricht sofort besprochen.!?

Bin auf Eure Meinung gespannt...

Also erstmal interessieren mich bei solchen Dingen nicht die anderen, sondern lediglich mein Kind. Was andere gemacht oder getan haben ist nicht mein Problem.

Sooo schlimm finde ich die Strafe jetzt nicht. Sind wir mal ehrlich, es ist ein komplexes Thema, aber ein 4. Klässler wird und kann es doch kurz und knapp zusammen fassend vortragen ohne dramatisch ins Detail zu gehen.
Es ist noch kein Thema für den Unterricht, daher finde ich diese Lösung in Ordnung.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Wobei ich nicht weiß, was es bei einem Hakenkreuz zu kichern gibt. Gerade wenn man es nicht kennt,...ist es doch nicht spektakulär lustig. Das es also was verbotenes ist, werden die Jungs schon gewusst haben.

Ich würde wegen sowas kein Fass aufmachen. Man muss nicht wegen jedem bißchen sein Kind vor allem was der Lehrer möchte retten wollen.

Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen 👍

Was die anderen getan oder nicht getan haben interessiert mich nicht, nur mein Kind (ebenfalls 4. Klasse). Und da würde ich die Strafe als angemessen und richtig empfinden.

Wie gesagt, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Und da er darüber gekichert hat und im weiteren Sinne mitgemacht, war ihm wohl bewusst, dass es etwas Verbotenes ist.

LG

Vielen Dank für deine Meinung, wir haben den Vortrag vorbereitet und werden kein Fass aufmachen :)
Es kam eben nur immer wieder zu Wort, dass es ungerecht ist und es gab schon einige Vorfälle, wo andere ungerecht behandelt wurden. Vielleicht hat mich es so gewurmt weil nu mein Kind mitbetroffen ist.

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Theoretisch wäre ich zwar schon dafür, dass alle gleichwertig bestraft werden, aber der eine Junge hat sich eben schneller aus dem Schussfeld gezogen und es ist am Ende einfach....nicht deine Baustelle. Wenn der zum Nazi wird....ist das Sache seiner Eltern...

Dein Sohn ist aber deine Baustelle. Und ich verstehe zwar, dass es gut sein kann, dass das Thema noch nicht im Unterricht behandelt worden ist....aber ganz ehrlich....offenbar hat dein Sohn schon genug Halbwissen darüber angesammelt um überhaupt etwas damit anzufangen und das lustig zu finden.

Und man kann es sich bei solchen heiklen Sachen auch nicht so einfach machen und alles der Schule überlassen. Die hat einen Plan, den sie durchbringen muss und die kann letztlich nicht kontrollieren wie viel dann bei jedem Schüler überhaupt hängen geblieben ist, nicht nur fachlich, sondern auch ethisch und moralisch! Wie soll das gehen? Noch dazu bei vermutlich vollen Klassenräumen.

Das kann eine Schule einfach nicht leisten. Wir leben auch nicht in der DDR, wo uns täglich in einer Tour erklärt wird, wer hier Freund und wer hier Feind sein soll. DAS ist eine Mitaufgabe des Elternhauses. Wie sensibilisiert wir bzgl. der Themen rechte Gewalt, Migration, Toleranz für unterschiedliche Glaubensweisen und Herkünfte sind, liegt daran wie in der Familie damit umgegangen wird und wie wir darüber reden. Und da wir vermutlich alle irgendwo einen Onkel haben der Stammtischparolen raushaut oder ne Oma, die "Ausländer" unheimlich findet, brauchen wir uns ohne Gespräche mit dem Kind auch nicht wundern, wenn das am Ende dabei rum kommt.

Ich finde die Strafe super und würde da gut drauf achten, dass er sich nicht nur mit Kriegsfakten, Waffen und Panzern beschäftigt, die Jungs ja gerne cool finden, sondern mit den emotional härteren Fakten wie Massenmord, Verfolgung, Ghettobildung..... Da würde ich mit ihm gemeinsam mögliche Quellen, die man Kindern zumuten kann, erschließen und ihn dann selber den Vortrag basteln lassen.

Sicher ist das heftig. Aber wenn er das nächste Mal so ein Zeichen sieht, wird er wissen, dass es für den Mord an vielen Unschuldigen steht und dass es viel Leid über unser Land gebracht hat und das es alles andere als lustig ist ...

Es ist gut, dass diese Lücke besser früh als spät geschlossen wird und der Vortrag kommt der ganzen Klasse zu Gute. Finde das eine prima Idee vom Lehrkörper und mein Kind würde nicht eher das Haus verlassen bis es einen Zippo Zippo nachdenklich machenden Vortrag ausgearbeitet hätte.

Zippo Zippo=tip top Handy T9

Ich finde die Strafarbeit so gut, wie sie ist. Ich hoffe, alle Beteiligten lernen daraus.

ich sehe das losgelöst vom Thema: eben: sie wissen nicht, über was sie gelacht haben.

Aber: -- es wurde in fremden Heften rumgeschmiert, kein Respekt vor Fremden Eigentum gezeigt und deshalb gelacht: -- also hier irgendeine Strafarbeit anzusetzen kommt mir nicht falsch vor.
Wobei ich da eher gesagt hatte: reisst die Seite raus und schreibt sie nochmal... oder die Hausordnung. --- Das mit einem komplett fremnden Thema in der 4. Klasse zu machen ist vielleicht vom Arbeitsaufwand echt heftig ... aber das ist Sache der Lehrerin.....

dass hier und da mal dritte ungesehen gut wegkommen, passiert, .... das interessiert mich aber als Mutter nicht... --- mich interessiert mein Kind ....

In dem Fall würde ich mein Kind bei dem Thema und Vortrag unterstützen.

Es soll ja kein Referat werden, kein langes Thema, sondern eher ein bewusst werden.
Auch wenn das Thema in der Schule noch nicht dran war, ein bisschen weiß mein Kind etwas dazu, weil es mir wichtig ist, nicht damit bis zum Unterricht zu warten.

Kinder schnappen immer mal wieder etwas auf (Gespräche von Erwachsenen, Medien/Nachrichten, sonstiges). Daher war es mir wichtig, dass sie am Rande bescheid weiß und auch offen damit zu mir kommen kann.


Dass Verbotenes interessant sein kann, weiß meine natürlich und ich auch.
Gerade bei ernsten Themen weiß sie aber auch, dass Lachen/Kichern nicht angebracht ist.

In diesem Fall wäre die Unterstützung bei der Vorbereitung für mich die Chance mit meinem Kind noch mal darüber zu sprechen.
Details kennt sie nicht!

Aber eben das Thema: lachen/kichern, wenn andere etwas verbotenes tun. Was das zwischenmenschlich bedeutet.
Hefte der Mitschüler sind tabu! Wer kritzeln will, kann das in seinem eigenen Heft oder auf einem Schmierpapier oder Block.

Gerade bei diesem Thema finde ich wegsehen oder "was andere machen" gefährlich, schwierig. Das würde geschichtlich jetzt zu weit ausufern; ist aber das, was ich im Ansatz meinem Kind beibringen möchte.

Egal, was andere tun ob sie bestraft werden oder nicht: du bist für dein eigenes Verhalten verantwortlich.
Ungerecht finden darfst du alles.
Wie geht man damit um?
Wann lohnt es sich, sich zu wehren?
Wann lohnt es sich, sich mit dem Thema zu befassen - und dabei was zu lernen?
Handwerkszeug um langfristig (in kleineren Schritten) zu lernen, selbst zu reflektieren, mit eigenem Handeln umzugehen. Wie umgehen bei dem Gefühl von Ungerechtigkeit?

"Wir sind in keinster Weise rechts und in der Schule wurde das Thema noch nie besprochen, ich denke genau dort sollte es besprochen werden."

Na, da hat sich aber jemand schnell wieder verkrümelt...

Wenn ihr doch so "in keinster Weise rechts" seid, warum kann das Thema nicht genauso gut zuhause besprochen werden?! Zusätzlich zur Schule!

Sagen wir mal so--es schadet nicht, sich mit dem Thema zu beschäftigen und es ist auch keine sinnlose Aufgabe, wie 3 mal einen Text abschreiben oder so.
Ich verstehe bei dem Thema auch keinen Spaß, von daher hätte die Direktorin meine volle Unterstützung und ich würde mit meinem Kind zusammen das Thema aufarbeiten.

Hallo,

einen solchen Vortrag in der 4. Klasse ohne Hintergrundwissen zu halten ist etwas überzogen und auch nicht zielführend. Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg sind übrigens laut Lehrplan erst in der 9. Klasse an der Reihe.

Ich fände es gut, wenn die Lehrerin in der Klasse erklärt, was das Symbol bedeutet und warum wir es nicht benutzen. Andere Kulturen benutzen es auch aktuell noch und es hat dort eine völlig andere Bedeutung. Meiner Meinung nach bringt das mehr als ein Vortrag und das würde ich in einem persönlichen mit der Lehrerin anbringen.

Viele Grüße
lilavogel

Wenn er noch gar nichts über den Nationalsozialismus weiß (schwer vorstellbar bei einem Viertklässler), dann schadet es ja nichts, wenn er sich jetzt ein bisschen informiert. Der, der nicht erwischt worden ist, hat halt Glück gehabt, das wäre mir egal.

Ich hätte es auch besser gefunden, das Thema im Unterricht zu besprechen, aber ich würde das jetzt gar nicht so sehr als Strafarbeit sehen, sondern eher denken, wie schön, dass er was lernt.

Schwer vorstellbar? Also hier kommt zur 9./10. Klasse Nationalsozialismus dean. Wenn wir als Eltern das Thema nicht anschneiden würden, wäre mein Sohn auch unwissend. Das ist genau das, was mich stört, man setzt Dinge voraus, die aber nicht gelehrt werden. Geschuchtsunterricht ab 5. Klasse und da beginnen sie mit Mittelalter

Ja, ich meine ja die Eltern. Ich finde es schwer vorstellbar, dass ein Kind nie irgendwas fragt, was früher war, dass es nie was im Fernsehen sieht, dass das nie Thema zuhause ist. Schon klar, dass die Schule da nichts abfragen kann, aber schwer vorstellbar, dass ein Kind noch nichts mitbekommen hat.

Ich finde diese Projekt, das die Kinder ausarbeiten sollen ("Strafarbeit"), sinnvoll und lehrreich. Dann können sie danach beurteilen, ob es da tatsächlich etwas zu lachen gibt...

Hey,

ich finde es gerechtfertigt. Wer weiß, wie die Lehrerin oder die Direktorin die Inhalte der Strafarbeiten aufgreifen...!
Zwischen der Version deines Sohnes und der der Direktorin kann ich keinen großen Unterschied feststellen. Belass es dabei. Alles andere wäre wirklich Kindergarten.

Schöne Grüße