Leistungsdruck im Sportunterricht

Hallo in die Runde,
gestern Abend flossen bei uns mal wieder Tränen, weil meine große Tochter (11) mit dem Druck in manchen Schulfächern nicht klarkommt. Im Sommer ist sie ins Gymnasium gewechselt und da änderte sich eben auch ein vorher sicheres soziales Umfeld und nun ja, in dem Alter tauchen auf einmal Selbstzweifel auf, mit denen man umgehen lernen muss.
Bei ihr ist es das Thema Sport. Sie ist im letzten Jahr extrem gewachsen, ist mit ihren 11 Jahren bereits bei 165 cm und hat Schuhgröße 41. Dünn wie ne Bohnenstange. Man mag meinen, das seien die besten Voraussetzungen, um im Sportunterricht zu glänzen, aber nein. Sie kommt mit ihrem Körper nicht klar und ist eher tapsig. Turnen ist ihr ein Graus. Jetzt stehen ständig Leistungskontrollen an: Handstand, Kopfstand, Liegestütz, Bodenturnen. Sie scheitert an ihren Selbstzweifeln (Das schaff ich eh nicht) und blockiert damit total, möchte nicht mal üben (ich hab ihr angeboten, das zusammen anzugehen, aber selbst da macht sie dicht). Ich selbst finde nicht, dass solche Leistungen unbedingt benotet gehören, da das schon immer zu solchen bescheuerten Situationen geführt hat und diese Selbstzweifel und das "Ich bin nicht gut genug" fördert. Aber offenbar ist das noch nicht in den Lehrplänen angekommen.
Ihr geht das sehr nahe, das ist ihr mega peinlich und sie hat ständig Kopfschmerzen. Hat Angst, wegen der schlechten sportlichen Leistungen als Außenseiterin zu gelten (das ist wohl gerade Thema in der Klassse, ein Junge wurde gemobbt und sie meint, sie käme nicht so richtig im Klassengefüge an – dabei hat sie öfter mal Besuch hier oder geht mit den neuen Klassenkameradinnen lernen o zu denen nach Hause. Daher hat mich ihre Angst ehrlich überrascht). Gestern hat sie nach einem langen Gespräch selbst festgestellt, dass ihre Zukunft wohl nicht daran scheitern wird, dass sie keine Rolle mit Ansprung auf die Kette kriegt, aber ob diese Erkenntnis morgen bei der Leistungskontrolle noch da ist, bezweifel ich.
Wie baut ihr eure Kinder auf? Ich erzähle ihr immer, dass wir Erwachsene das auch lernen mussten und auch nicht alles können müssen, jeder seine Stärken und Schwächen hat und sie toll ist, so wie sie ist. Sie macht halt viel mit sich aus und da staut sich manches auf. Puh, schwierig. Und das wird ja die nächsten Jahre nicht besser. Wir haben ein sehr enges Verhältnis zueinander und ich erkenne mich auch oft in ihr wieder. Vor diesen Problemen standen wir ja alle mal. Und ich habe Bodenturnen auch gehasst wie die Pest und mich furchtbar ungelenk angestellt. Kann mich aber nicht daran erinnern, was mir geholfen hat, diese Selbstzweifel abzulegen.
Her mit euren Ideen! Wie fördert ihr das Selbstbewusstsein eurer Kinder, wenn mal was nicht so klappt, wie es die Schule erwartet?

Hast du ihr gesagt, wie es dir ging?
Mir hat es ja immer geholfen, dass ich nicht die einzige war. Ich denke mehr kann man nicht machen.
Ich weiß noch: meine einzige sechs in meiner Schullaufbahn war bei Liegestützen. Ich kann die nicht. Nichtmal einen. Heute noch nicht. Da war ich echt die Schlechteste und es war mir peinlich, aber sonst, es gibt immer Kinder die etwas besser als andere können. da würd ich ansetzen....

Ja, ich habe ihr erzählt, dass ich im Sport in manchen Dingen echt gut war, aber beim Bodenturnen auch das Loch im Boden gesucht habe, in dem ich verschwinden konnte. Und ich habe nachgefragt, ob sie denn tatsächlich die Einzige sei, die mit diesen Problemen zu kämpfen hat.
Und ich habe ihr empfohlen, nach der verhauenen Leistungskontrolle zur Lehrerin zu gehen und ihr zu erzählen, wie sie sich gerade fühlt, dass sie das gern können wollte, aber es einfach nicht hinbekommt, und sie von ihr Tipps braucht, wie sie daran arbeiten kann. Nicht um nächstes Jahr eine 1 zu bekommen (diesen hehren Anspruch muss sie nicht an sich haben), sondern vor allem, um die Angst davor zu verlieren und eine Technik an die Hand zu bekommen. Sowas wie Liegestütze wird ja jedes Jahr getestet, dann ist sie vielleicht beim nächsten Mal besser vorbereitet. Jetzt ist es auch zu spät, eine Körperspannung aufzubauen.
Meine Hilfe dabei habe ich ihr auch angeboten. Auch ich bin nicht der Knaller bei Muskelübungen und Körperspannung, würde da aber auch gern dran arbeiten. Zusammen ist man da doch motivierter.
Sie verliert halt fix die Geduld (auch das hat sie von mir und das versuche ich ihr zu kommunizieren, dass auch Erwachsene Schwachstellen haben und die auch okay sind, man sich aber nicht darauf ausruhen muss) und gibt viel zu schnell auf. Ich versuche ihr zu vermitteln, dass niemand im Sport ne Leuchte sein muss. Aber so ein wenig Ehrgeiz würde ich hilfreich finden – ohne dabei Druck auszuüben. Schwierige Balance.

manche Dinge muss man einfach akzeptieren

1. Pubertät+Wachstum: man wird schlaksig, wenn man schnell wächst und mit der Zeit kommen die Muskeln nach. - In dieser Zeit klappt eben Sport nicht mehr wie "vorher". Ebenso baut sich in einer Zeit auch das Hirn "um" und manche Dinge klappen auch da nicht mehr wie vorher.

2. nicht jeder muss in Sport eine Elfe sein. -- bzw. nicht jeder muss in jedem Fach ein AS sein -- Mathematiker müssen keine Symphonien schreiben und Chemiker brauchen kein Profi in Gedichtinterpretation sein. -- es gibt einfach Dinge, die kann man besser, - und es gibt Dinge, die kann man durchschnittlich. -- auch das muss man lernen - besonders im Gym.
(Auch Eltern, die zu viel von den Kindern in allen Fächern verlangen müssen das lernen, denn aus dem einheitlichen Bild in der Grundschule wird ein differenziertes in der weiterführenden Schule).

Wahre Worte. Allerdings finde ich es ihre Grundhaltung, dass sie das einfach nicht kann und dann hinschmeißt, schwierig. So ein wenig mehr Ehrgeiz würde ihr guttun. Aber ich weiß, dass Druck gar nicht hilft, kenne ich auch von mir. Beim Klavierspielen ist irgendwann der Knoten geplatzt, von ganz allein. Dauerte, aber jetzt setzt sie sich jeden Tag freiwillig ans Klavier und kann sich darin total verlieren.
Mir tut sie leid, wie sie gerade an sich zweifelt, und ich würde ihr gern helfen, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen. Der Leistungsdruck im Sport arbeitet allerdings voll dagegen.

Das Mädchen braucht keinen Ehrgeiz. Davon hat sie zu viel. Ganz typisches Verhalten. Sie will das nicht üben, weil es sich dann noch viel schlimmer anfühlen könnte, wenn man das nicht schafft.

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Hallo!
So schwer es für deine Tochter ist...aber sie muss lernen, dass es eben auch Dinge im Leben gibt, die man nicht so gut kann. In ihrem Fall ist es eben Sport. Das ist doch auch nicht schlimm. Wenn sie auf dem Gymnasium ist, hatte sie bestimmt in allen anderen Fächern ja gute oder sehr gute Noten. Also gibt es ja eigentlich keinen Grund für Selbstzweifel. Und es ist bei ihr ja auch nur das Turnen. Dann kommt wieder was anderes, was sie vielleicht besser kann. Vielleicht kannst du ihr das in Aussicht stellen? Gibt ja so viele Sportdisziplinen und nur weil man nicht gut turnen kann, ist man doch keine Niete im Sport. Ich denke prinzipiell musst du ihr helfen an ihrem Selbstvertrauen zu arbeiten . Etwas nicht zu können ist ja auch keine Schande!
Macht sie denn irgendeinen Vereinssport? Wäre das was für sie? Dann würde sie dadurch vielleicht mehr Selbstvertrauen Im Sport gewinnen.

Gruß Lilia

Sie ist ne gute Schülerin, in manchen Fächern sehr gut. Aber ihre Schwächen überlagern ihre Stärken in ihrer Wahrnehmung. Kennt man ja auch von sich.
Irgendwie haben wir aber tatsächlich noch keine Sportart gefunden, die sie gut kann und die ihr Spaß macht. Ich hätte ja immer getippt, dass Ballsportarten wie Volleyball oder basketball was für sie wären, weil sie mit ihrer Größe einen Vorteil hat. Aber nutzt nix, wenn man über die eigenen Beine stolpert ;-)
Dafür spielt sie toll Klavier. Daran kann man sie immer erinnern.

Hat denn Selbstzweifel nicht jeder mal ? Außerdem gerade in der Pubertät klappt manches nicht so, wie man sich das vorstellt. Meist gehörte man ja zu den Besten, wenn man aufs Gymnasium gewechselt ist. Jetzt sind aber viele gute Schüler dort. Man muss sich also durchsetzen oder mitschwimmen oder einen anderen Weg finden. Du erwähntest, dass dein Kind bereits 11 Jahre alt ist und jetzt gewechselt hat. Das hat mich etwas verwundert, denn hier waren die Kids 9 bis 10 Jahre alt. Vielelicht ist sie vom Wachstum einfach schon weiter als die anderen und bemerkt jetzt, dass die anderen Kinder flinker sind, weil sie halt diesen Wachstumsschub noch nicht haben. Ich kenne es von meinem Sohn, der ist jetzt 14 und hat die Schuhgröße 46 und eine Körperlänge von 182, dass ihm immer irgend etwas weh tut. Das Gelenk, dann wieder das Knie und dann die Rippen und dann kommt noch diese blöde Klammer dazu, die auch nicht schmerzfrei bei Neueinstellung ist und ja, keiner nimmt Rücksicht. Das stimmt schon. Die Kids müssen tatsächlich schon auch funktionieren. Gerade auf dem Gymnasium hat man manches Mal das Gefühl, es interessiert überhaupt keinen, wie es den Kindern geht und das ist halt anders als in der Grundschule.

Schau, meiner bekommt in Kunst immer ne 4- oder 4+. Sein Spruch: Versaut mir etwas mein Zeugnis - aber wenn sie (Lehrerin) nicht mein Fan sein will......er hat sich einfach damit abgefunden. Gibt sich allerdings trotz allem Mühe und ist zum Teil natürlich dann gefrustet, wenn es wieder eine 4 wird.

Lustig wird das werden, wenn es um die Wahl der Fächer geht......Musik oder Kunst.....beides nichts, wobei bei Musik die Logik ihm hilft.

Und Noten ändern sich doch auch. Sohnemann hatte von 1 bis 3 schon Sportnoten. Und da wirklich "Holland in Not". Einer, der immer ne 1 in Sport hat und dann ne 3....wer mag Hockey? Wohl kein Kind im Wachstum und so ist das halt....umarme sie und tröste aber ändern wirst du es nicht können.

Sie ist mit 7 eingeschult worden (Julikind) und kam ganz regulär mit der 5. Klasse aufs Gymnasium. Aber sie war immer die Größte, das kennt sie eigentlich.
Sie weiß, dass sie immer zu mir kommen kann. Wahrscheinlich ist diese Sicherheit das Wichtigste, was ich ihr vermitteln kann. Und dass man nicht perfekt sein muss. Gar nicht sein kann. Wir haben uns gestern schlappgelacht am Ende, weil sie meinte: "Nur weil man ne Rolle vorwärts machen kann, kommt man auch nicht schneller voran." Und ich mit ihr zusammen gesponnen haben, dass man selbst mit Flic Flac, Purzelbaum und Handstand die Bahn nicht erwischt, wenn man zu spät dran ist – und wie das denn aussähe. Mit Humor ging es schon besser.

Hallo,

auch, wenn es viele anders sehen, Schulsport ist nicht lebensnotwendig. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob man einen Purzelbaum kann oder nicht. Deshalb würde ich deinem Kind vermitteln, dass eine schlechte Sportnote überhaupt nicht schlimm ist. Sie soll sich halt bemühen. Das reicht den meisten Lehrern. Auch Lehrer wissen, dass sich die Kinder in der Pubertät befinden.

Ich würde den Lehrer darüber informieren, dass deine Tochter sehr gewachsen ist und sich nicht so wohl fühlt. Berichte ihm von ihren Ängsten und schildere ihm die Situation. Wenn man dies höflich per Mail tut, kommt das eigentlich bei den Lehrern gut an. Lobe den guten Sporunterricht. Frage den Lehrer, was deine Tochter tun kann, um vielleicht auf eine 3 zu kommen.

Schildere deiner Tochter, dass du auch Probleme hattest. Sport soll schließlich Freude machen, aber tut dies Schulsport.




gestern Abend flossen bei uns mal wieder Tränen, weil meine große Tochter (11) mit dem Druck in manchen Schulfächern nicht klarkommt. Im Sommer ist sie ins Gymnasium gewechselt und da änderte sich eben auch ein vorher sicheres soziales Umfeld und nun ja, in dem Alter tauchen auf einmal Selbstzweifel auf, mit denen man umgehen lernen muss.
Bei ihr ist es das Thema Sport. Sie ist im letzten Jahr extrem gewachsen, ist mit ihren 11 Jahren bereits bei 165 cm und hat Schuhgröße 41. Dünn wie ne Bohnenstange. Man mag meinen, das seien die besten Voraussetzungen, um im Sportunterricht zu glänzen, aber nein. Sie kommt mit ihrem Körper nicht klar und ist eher tapsig. Turnen ist ihr ein Graus. Jetzt stehen ständig Leistungskontrollen an: Handstand, Kopfstand, Liegestütz, Bodenturnen. Sie scheitert an ihren Selbstzweifeln (Das schaff ich eh nicht) und blockiert damit total, möchte nicht mal üben (ich hab ihr angeboten, das zusammen anzugehen, aber selbst da macht sie dicht). Ich selbst finde nicht, dass solche Leistungen unbedingt benotet gehören, da das schon immer zu solchen bescheuerten Situationen geführt hat und diese Selbstzweifel und das "Ich bin nicht gut genug" fördert. Aber offenbar ist das noch nicht in den Lehrplänen angekommen.
Ihr geht das sehr nahe, das ist ihr mega peinlich und sie hat ständig Kopfschmerzen. Hat Angst, wegen der schlechten sportlichen Leistungen als Außenseiterin zu gelten (das ist wohl gerade Thema in der Klassse, ein Junge wurde gemobbt und sie meint, sie käme nicht so richtig im Klassengefüge an – dabei hat sie öfter mal Besuch hier oder geht mit den neuen Klassenkameradinnen lernen o zu denen nach Hause. Daher hat mich ihre Angst ehrlich überrascht). Gestern hat sie nach einem langen Gespräch selbst festgestellt, dass ihre Zukunft wohl nicht daran scheitern wird, dass sie keine Rolle mit Ansprung auf die Kette kriegt, aber ob diese Erkenntnis morgen bei der Leistungskontrolle noch da ist, bezweifel ich.
Wie baut ihr eure Kinder auf? Ich erzähle ihr immer, dass wir Erwachsene das auch lernen mussten und auch nicht alles können müssen, jeder seine Stärken und Schwächen hat und sie toll ist, so wie sie ist. Sie macht halt viel mit sich aus und da staut sich manches auf. Puh, schwierig. Und das wird ja die nächsten Jahre nicht besser. Wir haben ein sehr enges Verhältnis zueinander und ich erkenne mich auch oft in ihr wieder. Vor diesen Problemen standen wir ja alle mal. Und ich habe Bodenturnen auch gehasst wie die Pest und mich furchtbar ungelenk angestellt. Kann mich aber nicht daran erinnern, was mir geholfen hat, diese Selbstzweifel abzulegen.
Her mit euren Ideen! Wie fördert ihr das Selbstbewusstsein eurer Kinder, wenn mal was nicht so klappt, wie es die Schule erwartet?

Meine Älteste (10 Jahre alt, 5. Klasse Gymnasium) hat auch ein großes Problem mit ihren sportlichen „Leistungen“.

Sie ist klein und zierlich,...daher bezweifel ich, dass das alles mit der Körpergröße zu tun hat. Sie ist einfach unsportlich! Sie tanzt seit 7 Jahren, das macht sie super toll, also grundsätzlich kann sie sich bewegen, aber eben nur beim Tanzen.

Aktuell spielen sie Basketball, hat sich letzte Woche dabei den Finger verstaucht. Das Problem ist, das sie sich auch viel einredet. Heute erzählte sie, das „alle“ auch die Lehrerin sich über sie lustig machen. Es stellte sich raus, dass die Klassenkameraden lediglich sagten, nachdem sie einen Korb traf „wow, auch ein blondes Huhn findet mal ein Korb“..., beim Passen und Korbleger üben sagte die Lehrerin nur, sie solle sich mal konzentriere und mit Spaß dabei sein. Nichts schlimmes - kommt aber bei einer 10-jährigen so an.
Dazu haben alle (!) Kinder in ihrer Klasse Bronze (mindestens), sie nicht. Schon blöde. Schwimmen kann sie trotzdem, aber nicht so wie die anderen.

Was ich sage? Das Sport Spaß machen soll. Man soll alles wenigstens versuchen und sein Bestes geben. Wirklich relevant ist das Fach für später nicht, höchstens für den Durchschnitt. Genau so sage ich das. Sie wird wohl in keinen sportlichen Beruf gehen, und Kaufleuten usw. wird die Sportnote total egal sein.
Und ich sage, dass sie dafür super in Englisch und Deutsch zB ist, das kann auch nicht jeder so wie sie.
Ich versuche ihr zu sagen, was sie alles toll kann. Da ist Sport so dermaßen unwichtig! Ich kann auch viel, und manches gar nicht. Auch das sage ich.
Und dann kommt unser Witz „Papa kann noch so oft tanzen üben, klappt auch nie und er ist gut durchs Leben gekommen“. 🤣

Diese blöden Hormone machen aber auch echt so einiges schwer.

Ich muss gerade schmunzeln. Meine Enkelin ist die dritte Generation, die Bodenturnen samt Geräteturnen hasst wie die Pest - und sie ist nicht groß und schlaksig, sondern recht klein für ihre 13 Jahre.
Wir haben ihr ein Argument beigebracht, was sie immer wieder mal in Abwandlungen verwendet, wenn etwas garnicht klappt beim Boden- oder Geräteturnen, nämlich "die sportlichen Stärken sind eben in meiner Familie anders positioniert" - sie bringt das so cool rüber, dass die Sportlehrerin losprustete beim ersten Mal.
Wenn sowas die Grundeinstellung des Kindes wird, stresst sie sich auch nicht mehr. Meine Tochter und ich waren in der Jugend hervorragende Schwimmer (beide Rettungsschwimmer) und sehr gute Tänzerinnen - beide tanzten wir vereinsmäßig.
Dazu noch kilometerlange Wanderungen bergauf bergab (wird ja heute auch wieder modern #freu) also alle nicht faul.
Aber Boden/Geräteturnen und Leichtathletik - nein danke.
Mag Deine Tochter garkeinen Sport? Meine Enkelin schwimmt zwar nicht im Verein, aber zuverlässig wie ein Fisch und tanzt seit vielen Jahren vereinsmäßig, derzeit Hiphop.
Stärke Deine Tochter so gut es geht in dem, was sie gut kann, ob das sportlich ist oder was anderes, ist egal. Dann kriegt sie soviel Selbstbewusstsein, dass sie einen überkippenden Kopfstand hoffentlich auch nicht mehr so tragisch nimmt.
LG Moni

Der Satz ist doch schon mal mindestens genauso gut wie der von meiner Enkelin,
"dass ihre Zukunft wohl nicht daran scheitern wird, dass sie keine Rolle mit Ansprung auf die Kette kriegt" - sie soll das einfach selbstbewusst mal verkünden ;-)

Hallo
Ist sie generell eher der ruhige Typ, der nicht so gerne im Mittelpunkt steht (zB. bei mündlicher Mitarbeit)? Sport ist schon etwas undankbar. Insbesondere wie es von so manch einem Lehrer umgesetzt wird. Bei einer meiner Töchter gab es da auch mal eine größere Ausseinandersetzung, da die gleichen Dinge wie jetzt bei euch einzeln vor den Augen vor 4 Klassen vorgeturnt werden sollten. Kann ich absolut verstehen, das hat ja schon was von vorführen.
Auf der anderen Seite wird ja zum Glück auch sehr viel anderes gemacht. Ich würde behaupten, mein Töchter sind extrem sportlich. Grazil turnen zählt aber ganz klar nicht zu ihren Talenten.
Die jüngere macht ich auch sehr sehr großen Druck bis hin zu körperlichen Symptomen und wenn man generell so ist, gibt es leider nicht einfach die Lösung. Eine Sache die mal mehr, mal weniger, hilft, sind ein paar Gedankengänge zum durchgehen wenn sie in so eine Situation kommt. Auch finde ich es wichtig, die Gefühle und Gedanken grunsätzlich ernst zu nehmen und nicht abzusprechen. Die richtige Formulierung ist da manchmal schwer.

LG

Hallo,

ich persönlich kann keinen Unterschied feststellen, ob man nun in Mathe, Deutsch, Kunst oder Sport eine Leistung nicht erbringen kann. Es ist doch völlig egal, warum ich Selbstzweifel habe. Sind die Selbstzweifel weniger wert, weil ich in Mathe versagt habe als in Sport?

Ich würde ihr vermitteln, dass sie zwei Möglichkeiten hat. Entweder sie priorisiert ihren Anspruch (also Sport nicht so wichtig, Mathe und Deutsch wichtiger …) oder aber sie akzeptiert, dass sie für die sportliche Leistung genauso üben muss wie für eine Arbeit in Mathe oder Englisch oder eben mehr tun muss als andere.

Beide Ansätze sind in meinen Augen ok und ich würde hinter meinem Kind stehen und sie unterstützen.
Was ich nicht unterstützen würde ist, sich über eine schlechte Note aufregen, aber nichts dafür zu tun.
So halte ich es auch bei meinem Sohn, 6. Klasse Gymnasium, der es auch nicht leicht hat. Er hat in beiden Händen einen Tremor (Handzittern) und ist dadurch beim Schreiben langsamer als andere und muss sich auch mehr konzentrieren. Das entlastet ihn aber nicht davon, dass er seine Arbeiten in der gleichen Zeit und Sorgfältigkeit wie alle anderen auch erledigen muss. Sprich, er übt zwischendurch auch das "schnellere" lesbare Schreiben und ja, das ist ziemlich anstrengend für ihn.

Auch ist er in Sport keine Leuchte und wird es nie sein (Körperspannung). Er bekommt aber in diesem HJ trotzdem eine 2 auf dem Zeugnis, weil bei uns auch das Verhalten in der Gruppe zählt, Disziplin, wie verhalte ich mich im Mannschaftssport, bin ich fair, helfe ich beim Auf- und Abbau usw..

Ich finde es wichtig, dass Kinder lernen sich nicht aufzugeben und eine Note nicht die Bewertung der Person ist, sondern ausschließlich der erbrachten Leistung. Dabei müssen wir ihnen helfen und da hilft nicht unbedingt, dass wir ein Fach schlechtreden, weil es das eigene Kind nicht so gut kann. Das setzt nämlich die anderen Kinder, die dies vielleicht gut können herab.

VG
B

Hallo,

das war bei uns damals doch nicht anders.

Ich war fast immer schlecht im Schulsport. Im Alter Deiner Tochter war ich auch lang und dünn und bekam meine langen Armen und Beinen schlecht koordiniert.
Ich konnte nur Sportarten gut, die im Schulsport entweder gar nicht oder alle Jubeljahre mal dran kamen.

Im Bodenturnen war ich in etwa so gut, wie eine Giraffe. #schwitz

Ich hatte ebenfalls wenig Selbstbewusstsein, aber im Sport hatte ich damit trotzdem keine Probleme, weil ich nicht die einzige war, die sich einen zurecht gestümpert hat.
Außerdem waren die Sport-Asse in anderen Fächern schlechter als ich.

Wir "Loser" haben uns damals im Bodenturnen zusammen getan und uns darüber amüsiert, wer die merkwürdigsten Verrenkungen zustande brachte. ;-)
Was anderes bleibt einem da eh nicht übrig.
Die Sportnote interessiert später doch sowieso niemanden.

Gerade diese Bodenturn-Geschichten haben viel mit Talent zu tun. Das merkt man ja schon daran, dass sich die Unfähigkeit in dem Bereich bei vielen Familien über Generationen fortsetzt. #schwitz

LG

Heike

Hallo,

versuche ihr die Unsportlichkeit mit Humor zu vermitteln. In unserer Familie sind alle weiblichen Personen absolute Bewegungslegastheniker. Meine Mutter hat dieses Gen bis zu ihren Enkelkindern gestreut. Ich bin nicht mal in der Lage einen Purzelbaum zu machen. Meine Mutter hat mir damals schon ihre Anekdoten aus dem Sportunterricht erzählt, meine Nichten bekamen die von Oma und meine zu hören und meine jüngste Tochter bekommt jetzt noch die ihrer Cousinen dazu. Ich musste zum Beispiel mal in die Notaufnahme, weil ich mir beim Purzelbaum die Halswirbelsäule verstaucht habe. Meine eine Nichte ist beim Weitwurf bald vom Ball erschlagen worden, weil er hoch flog und an der gleichen Stelle wieder runter kam. Die andere Nichte hat es geschafft -2 m zu werfen, weil der Ball nach hinten flog. Ich bin mal beim Bock springen mit dem kompletten Bock umgefallen. Handstand oder Kopfstand war ne Lachnummer, das funktionierte gar nicht. Das können aber meist 90 % der Klasse nicht. Wenn man alles mit Humor nimmt und über sich selbst lachen kann, ist vieles leichter. Sport, Musik und Kunst sind Talentfächer. Musik und Kunst kann man wenigstens mit Theorie ausgleichen. Entweder man hat das Talent oder eben nicht. Ich kann weder singen, noch bin ich sportlich und in Kunst kann man mich auch vergessen. Dafür hatte ich in sämtlichen Sprachen eine 1. Da liegt mein Talent und meine Stärke. Deine Tochter spielt unheimlich gut Klavier und ist eine gute Schülerin. Lerne ihr über ihre Schwächen zu lachen und sie mit Humor anzunehmen. Schwächen sind nichtig, wenn man seine Stärken richtig nutzt. Und ganz ehrlich, welchen Nutzen hat es im Leben eine Sportskanone zu sein?

LG
Lotta

"Meine eine Nichte ist beim Weitwurf bald vom Ball erschlagen worden, weil er hoch flog und an der gleichen Stelle wieder runter kam."

Die muss mit mir verwandt sein #rofl #rofl
Beim Weitsprung hopste ich gerade mal eben so in den Sandkasten, vom Stufenbarren stürzte ich ab und blieb japsend liegen. Meine arme Tochter machte Ähnliches durch, wobei sie aber äußerst behende in alle Bäume klettern konnte #cool
Neee Schulsport hat mit sportlichen Neigungen wirklich nichts zu tun. Man macht aus einem Fußballer auch keinen Reckturner.
LG Moni

Ich bin beim Weitsprung regelmäßig über das Absprungbrett gestolpert und in die Sandkiste gefallen. Beim Stangenklettern habe ich es hoch geschafft und oben war ich so überrascht wie ich da hoch gekommen bin, dass ich mich nicht mehr runter getraut habe. Der Sportlehrer musste mich mit der Leiter runter holen. Da war mit Abstand das peinlichste Sporterlebnis.
Du hast vollkommen Recht. Sportlich ist nicht gleich sportlich. Ich habe in meiner Kindheit und Jugend Gardetanz im Meisterschaftsbereich getanzt. Im Schulsport hatte ich mit Hängen und Würgen eine 4. Mein Sohn hat bis vor kurzem im Leistungszentrum Fußball gespielt. Er war/ist ein extrem guter Fußballer und unheimlich talentiert im Umgang mit dem Ball. Geräteturnen, Bodenturnen und Kraftübungen kann er trotzdem nicht. Das einzige worin er gut ist, ist Ausdauer und Hochsprung. Auch bei ihm reicht es nur für eine 3 am Zeugnis. Sein Glück ist es, dass Ballsportarten wie Handball und Volleyball benotet werden und es Epochalnoten auf Diziplin etc. gibt. Sonst stände bei dem Spitzenfußballer in Sport auch ne 4 am Zeugnis.

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Ich antworte mal allgemein, ohne auf jeden einzelnen Beitrag einzugehen: Diesem Druck mit Humor zu begegnen, das schafft sie noch nicht. Hätte ich in dem Alter auch noch nicht gepackt, auch wenn es mit unserer jetzigen Erfahrung wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist, um nicht zu verzweifeln.
Dass sie nicht die Einzige ist, die im Sport nicht glänzt und dass das kein Weltuntergang ist, weiß sie, aber glücklich wird sie damit nicht.
Heute kam noch raus, dass bei dem Klassengespräch mit der Lehrerin über Außenseiter auch Namen gefallen sind. Und dabei auch ihrer. Ich kenne jetzt nur die Geschichte aus Sicht meiner Großen und finde es äußerst ungeschickt, weil es meine Tochter gefühlt noch mehr in eine Außenseiterposition drückt, wenn ihr Name in diesem Zusammenhang explizit fällt. Denn da bleibt bei den Mitschülern hängen: L.=Außenseiter.
Es ging wohl darum, dass sich beim Sport immer Vierergruppen bilden sollen für irgendwelche Spiele, und dass meine Große häufig übrigbleibt und dann mit den Jungs zusammen in Gruppen muss. Nicht weil sie unbeliebt ist, sondern weil die Mädelsgruppen durch vorherige Freundschaften (viele Kinder kannten sich schon von der Grundschule, sie kam "einzeln" und kannte niemanden zuvor) schon gefestigt waren und sie nach 3 Mnaten Gymnasialzeit da eben noch nicht ihren Platz gefunden hat.
Und da verschärfen eben diese Versagensangst und peinlichen Momente beim Turnen das Ganze und sie hat Angst, dass die anderen sie auslachen und dann irgendwann vielleicht meiden. Und das ist halt echt nicht witzig.
Ich habe ihr geraten, die Lehrerin danach mal zur Seite zu nehmen, ihr zu erzählen, dass sie Hilfe braucht, um eine für sie halbwegs gängige Technik zu erlernen, um immerhin ein paar Liegestütze o.Ä. zu schaffen. Denn sie will es ja können, weiß nur den Weg dahin nicht. Damit vermittelt sie ja der Lehrerin auch, dass sie ihr entgegenkommen will.
Sie kann es mit Ausdauerlaufen ausgleichen, aber die anderen Sportarten liegen ihr einfach bisher auch nicht. Beim Weitsprung und Sprinten stolpert sie über ihre eigenen Beine, beim Weitwurf ist sie auch nicht gut (das könnte ich mit ihr lernen und Steine in die Elbe schleudern), bei Ballsportarten hat sie auch noch nicht den Dreh raus. Schwimmen wird im Sportunterricht nicht gewertet, sowas macht sie ganz gern. Bockspringen ging wohl auch gut letztens.

Ich habe ihr auch noch geraten, sich einfach mal in der Freizeit gern mit ein paar Mädels aus der Klasse fürs Kino usw zu verabreden, um neben der Schule gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Sie ist ne total soziale und hatte noch nie zuvor Probleme, auf Menschen zuzugehen. Als sie aufs Gymnasium wechselte, hatte sie keine Angst vor dem Neuen, sondern sagte: "Cool, 27 neue Mitschüler. Das heißt ja auch, dass ich 27 neue Freunde finden kann." Tja, und dann wird sie in ihrer Freude so ausgebremst. Sie geht trotzdem noch gern zur Schule, hat da auch ihre Kontakte, aber eben noch nicht den Platz gefunden, wo sie sich wohlfühlt, was ihr Sicherheit vermittelt. Und dann noch dieser Scheiß im Sport mit den Gruppen und der Unsportlichkeit. Ich leide schon ein wenig mit als Mutter (wurde als Jugendliche teilweise wegen meiner damals roten Haare gemobbt und weiß, wie beschissen sich das anfühlen kann), weiß aber auch, dass man durch solche Schwierigkeiten auch irgendwann stark rausgehen kann. Ich bin selbst eine sehr selbstbewusste Person geworden und habe kein Problem, in meinem Job neben teilweise durchaus bekannten Personen in der Öffentlichkeit zu stehen, ohne dass ich mich denen unterlegen fühle. Aber das war ein langer Weg dahin.

Ich denke, das Problem deiner Tochter liegt nicht im Sport, sondern generell an ihrem wenig vorhandenen Selbstwertgefühl. Und nein, dass ist nicht zwingend typisch für das Alter. Denn dann würden alle Schüler mit diesen Problemen kämpfen, denn keiner ist perfekt. Wäre deine Tochter gut in Sport, würde sie etwas anderes finden und dies zum Problem für sich machen. Dieses mangelnde Selbstwertgefühl hemmt sie auch im Umgang mit ihren Mitschülern und macht sie somit unscheinbar. Außenseiter würde ich nicht sagen, da die anderen sie nicht meiden. Deine Tochter hat aber Angst Dinge falsch zu machen und somit ist sie zurück haltend. Und zurück haltende Menschen haben es schwer, sich in bestehende Gefüge zu integrieren. Und da müsst ihr ansetzen. Deine Tochter zu bedauern und zu bemitleiden bringt genauso wenig, wie mit ihr krampfhaft für ein paar Liegestütze zu trainieren. Denn das wird das Problem nicht lösen. Wenn du sie bemitleidest, verstärkst du nur ihr Gefühl, dass mit ihr was nicht stimmt. "Wenn ich Mama schon leid tue, muss ich wirklich ein Außenseiter sein." Ermutige deine Tochter auf die anderen Mädels zuzugehen und sich zu verabreden. Nicht zum Lernen, sondern um Spaß zu haben. Ladet anderer ein, schmeißt eine Party. Bau ihr Selbstwertgefühl auf, in dem du ihr sagst, dass sie kein Außenseiter ist, sondern einfach nur neu. Jeder der neu irgendwo ist, muss sich integrieren und Anschluss finden. Das geht als Teenager schwerer als in der Grundschule. Aber da muss sie durch. Stelle deine Mobbingerfahrung ganz weit nach hinten. Das verunsichert sie. Sag ihr hingegen: "Du bist kein Außenseiter, die anderen müssen dich nur erst mal kennenlernen um zu wissen, wie toll du bist. Lass uns ein paar Mädels einladen." Nach so einer gemeinsamen Aktivität hat man in der Schule anschließend Gesprächsstoff. Da müsst ihr ansetzen, nicht beim Sportunterricht.

Dass ich sie bedaure oder wie es mir früher ging, behalte ich natürlich für mich. Und wir haben gestern auch genau das gemacht: Mal überlegt, was sie mit den Mädels machen könnte aus ihrer Klasse. Kino, Eis essen gehen, bei uns treffen, irgendwas Außerschulisches.
Du hast schon recht mit der Angst, versagen zu können. Da steckt was in ihr drin, was ich zwar verstehen kann, aber nicht den Supertipp weiß, wie man diese Ängste überwindet. Stark machen, heißt wohl das Motto. Mal sehen, wo ihr Weg hingeht.

Hallo,

ich war zu Schulzeiten wirklich sportlich, aber ich konnte weder einen Handstand, noch einen Kopfstand und auch unsere Kinder können das leider nicht. Aber nur, weil man eine spezielle Turnübung nicht beherrscht bricht doch nicht das Lebensgerüst zusammen? Oder ist Deine Tochter in allen Schulfächern unbeholfen und steht überall mangelhaft?

Natürlich gehört eine sportliche Leistung benotet. Allerdings wird auch die Mitarbeit, das Engagement, das Sozialverhalten etc. benotet.

Unsere Jungs sind in Ballsportarten sehr ungeschickt und bekommen regelmäßig die Note Mangelhaft im Tischtennis (ist an der Schule eine beliebte Sportart). Trotzdem bekommen sie mindestens ein ausreichend auf dem Zeugnis, da sie sich nicht verweigern, sondern den Ball einfach nicht treffen.

In anderen "natürlichen" Sportarten (Schwimmen/Leichtathletik) klappt es besser. Dann bekommt man auch mal ein Sehr Gut oder Gut.

Aber deswegen die Benotung in der Schule anzweifeln? Nein!

Ich zweifele die Sinnhaftigkeit der Benotung an, weil es bei Liegestütze tatsächlich nicht um soziales Verhalten und "sie hat es wenigstens probiert" geht, sondern ob sie in 20 Sekunden eben X Liegestütze rockt für ne 1. Sport muss Spaß machen und nicht so einen Druck erzeugen, finde ich. Das Fach an sich finde ich total wichtig, die Benotung dahinter nicht. Man kann Mitarbeit, Engagement usw auch ohne Noten im Sport belohnen, ohne dass da eine Note im Zeugnis stehen muss.
Von einer schlechten Sportnote bricht nicht die Welt zusammen, das stimmt schon. Aber wenn es durch den Sportunterricht ständig zu Außenseiterpositionen kommt, weil man irgendjemanden nicht in seiner Mannschaft haben will, der eine sich blamiert und alle lachen ... finde ich das nicht unbedingt hilfreich. Und das passiert beim Sport gehäufter als in anderen Unterrichtsfächern.

Mein Großer (7.Klasse) ist auch eine "Sportskanone", meistens mit einer 4 auf dem Zeugnis. Da gabs auch schon die eine oder andere 6, die ihn frustriert hat.

Das hat ihm den Sport leider ziemlich verleidet, wobei er eigentlich nicht so den Drang hat, unbedingt gut zu sein. Sportlicher Ehrgeiz ist nicht so seines.

Jetzt hat er einen anderen Sportlehrer, der es scheinbar schafft, ihn mehr zu motivieren und Sport ist nicht mehr so sein Hassfach.

Der Kleine (4.Klasse) ist eigentlich recht sportlich, bekommt aber manche Sachen einfach nicht hin, wie zum Beispiel Seilspringen. Da waren 2 Durchsprünge vor kurzem sein "Rekord".

Auch er weigert sich eigentlich, zu üben und gibt schnell auf (generelles Problem). In diesem Fall habe ich ihn aber "genötigt, haben auch vorher ein Video geschaut, in dem es Tips gab. Nach einigem Üben wurde es dann immer wieder etwas besser und ab dann hat es ihn gepackt, so dass er auch für sich weiter probiert hat.

Jetzt schafft er schon 30 Sprünge in 30 Sekunden, ist also von der 6 runter. Ich hoffe, dass er dadurch auch für die Zukunft lernt, dass sich Mühe lohnen kann, auch wenn es anfangs vielleicht aussichtslos erscheint.

Er braucht also etwas leichten Druck, muss viel gelobt werden, mag es aber nicht, wenn man ihm zuviel reinredet. Er macht es dann eher mit sich aus. Beim Schwimmen war es ähnlich. Es ging ewig kein Weg rein und mit einem Mal schwamm er los, als ob er nie etwas anderes gemacht hat.

Ach ja - der Große hat inzwischen auch seinen Sport gefunden. Erst machte er Orientierungslauf, was aber leider zeitlich nicht mehr möglich war und jetzt geht er zum Schießen. Das ist zwar kein Sport in diesem Sinne, scheint ihm aber gut zu tun, soll wohl die Konzentration fördern. Ich weiß nicht, ob es da wirklich einen Zusammenhang gibt, aber seine Schludrigkeit hat sich doch verbessert und damit auch seine Noten.

Ich mach da keinen Wirbel drum. Ich hab meinen Kindern zu Talentfächern von Anfang an gesagt.....wenn sie eine schlechte Note bekommen, weil sie zu faul waren, ihre Sachen nicht mit hatten oder es gar nicht erst versucht haben, ist Polen offen. Aber wenn sie ihr bestes geben, sich anstrengen und Leistungsbereitschaft zeigen, auch wenn es Ihnen nicht liegt und andere doof tun, dann können sie auch freudestrahlend ne 5 nach Hause bringen. Wenn das ihre beste Leistung ist, ist das dann so. Aber wenn sie sich wirklich bemühen, werden sie vermutlich eh eher wenigstens ne 4 bekommen. Da ich selber ein Kind in der Klasse hatte, dass ne total komische Stimme hatte und eigentlich keine Singstimme besaß und Musik ne Tortur für das Kind war und ich selbst auch mega unsportlich war....und Schulsport immer eine mittlere Katastrophe war....muss ich einfach sagen....der Mensch kann nicht in allem Top sein. Blöd gelaufen, wenn's Noten drauf gibt. Trotzdem sollte man einfach sein bestes geben und dazu stehen.

Ich mag Sport z.B. total gerne und gehe auch als Erwachsene regelmäßig zum Sport. Und wenn ich den Grundkurs 5x mache, mir wurscht. Nur Sport in der Schule war immer schwierig. Letztlich hab ich aber mit meiner Einstellung dazu alles zu geben doch immer wenigstens ne 4 oder 3 geschafft und es hat mich nicht vom Abi abgehalten. Und genauso sage ich das auch meinen Kindern.

Bei der Kleinen war eh klar, dass sie kein Sport-Ass wird. Die hat ja eh Motorikprobleme. Aber die nimmt immer ihr Sportzeug mit und probiert alles und trotzdem sie echt nicht gut ist, hat sie keine Probleme mit den Lehrern, weil die sehen, dass sie alles gibt. Und Schüler.....es gibt immer ein paar dumme Nüsse....als sie mal geärgert worden ist....hab ich gleich ein riesen Fass aufgemacht....sie hat genug Freunde gefunden, die sie so akzeptieren wie sie ist. Und die anderen 2-3 Handeln können ihr mal den Buckel runter rutschen. Die sind eh keine echten Freunde. Man muss ja auch nicht alle mögen und von allen gemocht werden. Man muss es ich nur behaupten und selbst lieben. Ich finde, da kann man seinen Kindern schon an der Art wie man selbst auftritt und die Dinge sieht viel mitgeben. Niemand ist perfekt. So what?

Hallo,

Mit den Noten im Sport sehe ich das anders als du, ich bin Sportlehrerin. Allerdings benote ich auch, wie die Kinder zu den Sachen stehen.
Ich hatte mal ein adipöses Kind und es hatte Höhenangst. Beste Voraussetzungen für den Schwebebalken... 🙈 ich habe dem Kind gesagt, wo ich seine Angst sah, dass es hier sehr höchstwahrscheinlich keine 1 bekommen wird, das Kind konnte nicht mal draufsteigen. Habe ihm auch gesagt, dass es niemanden interessiert, was für eine Note man im Sport hat und es auch nicht schlimm ist, wenn er jetzt eine schlechte Note bekommt. Ich habe das Kind in seinem Selbstwertgefühl gestärkt, die Klasse lachte ihn plötzlich nicht mehr aus, alle wollten ihm helfen, er wollte über seine Grenzen hinaus und hat es geschafft. Sah jetzt nicht aus, wie ne Gazelle auf dem Ding.... ich habe ihm aber eine 2 gegeben.
Was ich sagen will, meine Noten spiegeln auch die persönliche Entwicklung.
Ich würde deine Tochter auch stärken wollen. Wenn sich aber das Kind sich wehrt und nicht will, gibt es dann auch eine schlechte Note. Aber dazu sage ich auch, es ist eben so, man kann nicht überall gut sein und zu allem Lust haben. So ist das Leben.
Und wenn deine Tochter jetzt plötzlich so sehr gewachsen ist, das dauert bis sie mit ihrem Körper klar kommt. Augen zu und durch. Die 45 Bzw 90 Minuten kann man überleben.

Hallo,

ich finde, im Sportunterricht ist das Thema "Leistungsbewertung" ein Thema für sich.

Klar hat jeder seine Stärken und seine Schwächen. Aber in Mathe z. B. wird die Leistung nicht benotet, indem man die Kinder einzeln an die Tafel geholt werden und vorrechnen. Da schreibt jeder seine Mathearbeit und der eine verhaut sie, der andere nicht.

Im Sportunterricht gucken alle zu, wenn man gegen den Bock rennt, statt drüber zu springen.

DAS macht den Schülern solche Probleme. DAS sorgt besonders schnell für Blockaden und verleidet vielen die lebenslange Lust am Sport.

Ich bin Lehrerin und im Lehrplan Grundschule ist eben das ein erklärtes Lernziel: Die lebenslange Lust am Sport wecken und erhalten. In der Grundschule fließt auch sportlich faires Verhalten bis zu einem Drittel in die Note ein. Soll heißen: Das Sport-As, das andere auslacht und den Ball im Spiel nur an andere Asse abgibt, bekommt trotz Top-Leistungen nur eine 2 auf dem Zeugnis. Hui, was sorgt das für Diskussionen, wenn die betreffenden Eltern genauso gestrickt sind wie ihre Kinder!

Ich weiß nicht, wie das an der weiterführenden Schule ist. Ich denke, es kommt auch viel auf die Sensibilität des Lehrers an. Ich kann mich an eigene Lehrer erinnern, die ein gutes Händchen hatten und zum Beispiel nie Mannschaften wählen ließen - aus Gründen ("Miiiist, jetzt müssen wir DEN nehmen, weil wir den LETZTEN nehmen müssen!")

Und an... andere. #aerger

Vielleicht kannst du es so versuchen: Erkläre deiner Tochter, dass es in jedem Fach Schüler gibt, die sich schämen, weil sie etwas nicht können. Dass sie vielleicht mal darauf achten und denjenigen vielleicht mal helfen/ Mut machen könnte.

Vielleicht hilft ihr das dann ja, die eigene Scham zu überwinden. Wenn sie es bei anderen beobachtet.

Viel mehr fällt mir leider nicht ein - weil ich finde, es ist in erster Linie Aufgabe des Lehrers, solchen Problemen entgegen zu wirken.

LG

Ende vom Lied: Eine Liegestütze wurde geschafft, danach kamen nur noch Tränen. Immerhin wurden die von den anderen Mädels getrocknet, so dass meine Große wenigstens erfahren hat, dass die anderen zu ihr stehen. Das Gespräch mit der Lehrerin hat sie nicht gesucht bzw. sich wahrscheinlich nicht getraut. Mal sehen, ob sie das nachholt u fragt, wie sie ihr helfen kann und das nächste Mal nicht so ein Drama stattfindet.

Dass deine Tochter das Gespräch mit der Lehrerin nicht gesucht hat, verstehe ich gut. War ihr sicher unangenehm. Wer Liegestütze können möchte/ muss, muss sie üben. Das ist reine Kraftsache, spezielle Techniken gibt es nicht. Ich bezweifle, dass sie die einzige war, die nur 1 geschafft hat. Ist mittlerweile fast Standard. Will sie wirklich üben, sollte sie das täglich tun. Die erste Zeit am Besten an einer (Sprossen)wand, je senkrechter sie ist, desto leichter ist es. Sie muss sich da erstmal eine Position suchen, die sie 20x schafft. Klappt das gut, geht sie eine Sprosse tiefer. Würde auch am Tisch oder einer Treppe klappen, Hauptsache wäre, dass die sich langsam der Waagerechten annähert und es täglich übt (dauert ja nicht mal 1 Minute).
Viel Erfolg!

Von meinem Sportunterricht:

Ich war als Teenie pumelig.
Wir mußten Bodenturnen machen. Als Pflicht: Handstand - Rolle vorwärts - Rolle rückwärts - Rad mit nur einer Hand ! - als Kür sollten wir das auch noch tänzerisch zeigen. Ich habe alles daran gehaßt.
Ich konnte auch nur die Rolle vorwärts, obwohl wir geübt haben - Horror - ganz schrecklich für mich. Ich habe meine 5 schon gesehen. An dem Tag der "Prüfung" war ich eigentlich "krank" vor Angst und Peinlichkeit mich so vor meiner Klasse, meinen Freundinen, zu blamieren.
Aber die Sportstunde kam trotzdem und ich auch irgendwann an die Reihe.
Ich machte alles so gut wie ich konnte, aber das war nicht viel. Keiner aus der Klasse hat gelacht - da war ich sehr dankbar - und als der Lehrer dann sagte: "Okay, eine vier minus." Regten sich fast alle Mädchen auf und sagten dem Lehrer, ob er nicht gesehen hätte was ich für Fortschritte gemacht hätte im Vergleich zur ersten Bodenturnstunde. Und die Mädchen verlangten für mich eine 3 mindestens.

Na, die habe ich nicht bekommen, aber dass die Mädchen mich 1!! so sahen tat einfach nur gut. Alle wußten welche Angst ich gehabt habe und wie schlecht es mir ging. Nur der Lehrer hat das nicht geschnallt.

Reden hilft und Freunde auch.

LG

da kann man nur zuhause zusammen üben oder ganz einfach die wahrheit sagen: schulsport ist so ein unnötiges fach, das hat meist nix mit sport zu tun und die bewertung ist für das spätere leben genau so unwichtig wie schwimmen und kunst.

vielleicht bringt es ihr was, wenn sie in ihrer freizeit einem sportverein beitritt?