Migräne - Achtung LANG - Erfahrungen Autogenes Training

Hallo ihr Lieben,
mein jüngerer Sohn (9 Jahre) leidet schon seit Jahren an Kopfschmerzen und teilweise auch an schweren Migräneschüben mit Übelkeit. Verschiedenste Trigger würde schon ausgemacht wie Wetterumschwünge, bestimmte Gerüche, zu wenig frische Luft, zu wenig essen oder trinken, zu wenig Bewegung, zu warm (Und dann zu viel Bewegung), zu müde, Brille nicht getragen, zuviel Bildschirm und und und...

Das größte Problem ist aber emotionaler Stress.
Als er eingeschult wurde (2017), hatte er plötzlich 2-3 Migräneattacken pro Woche. Er hatte schon vorher mal Kopfschmerzen, aber nie so schlimm. Er lag dann stundenlang mit Kühlpad im abgedunkelten Zimmer und wollte niemanden sehen. Ich musste ihn mehrmals aus der Schule holen und auch zum Auto tragen, weil der Arme einfach durch war.
Wir waren dann mehrere Tage in der Klinik und er wurde komplett von EEG bis MRT, Augen, Ohren durchgecheckt und nichts gefunden. Nur den Rat bekommen mit Schmerzmitteln nicht zu zimperlich sein.
Bis zu den Weihnachstferien hatte er sich dann in der Schule eingelebt und die Migräneattacken sind seitdem deutlich seltener geworden.

Wir haben geguckt, dass wir die Trigger umgehen bzw. nicht entstehen lassen. Er hat ein Gefühl dafür bekommen, wann die Kopfschmerzen in einen Migräneanfall umzukippen drohen und kann rechtzeitig Nurofen nehmen. Die Lehrer wissen natürlich Bescheid und er weiss, dass ich ihn immer von der Schule hole, wenn er Kopfweh hat. (Mittlerweile sehr selten)

Eigentlich hatte es sich gut eingespielt und wir hatten das Thema Kopfschmerzen nicht mehr täglich auf dem Schirm.
Allerdings ist es so, dass ihn emotionale Geschichten nunmal aus dem Gleichgewicht bringen und er immer wieder mal mit Migräneanfällen reagiert.

Er ist allgemein ein sehr sensibler, empathischer, nachdenklicher Junge.
Als unser Hund gestorben ist (vor 1,5 Jahren) war's wieder ganz schlimm, verständlicherweise. Aber auch wenn ich auf Dienstreise gehe, hat er am ersten Tag Migräne.
Dementsprechend fand er die Coronazeit ganz toll. Keine Verpflichtung, keine Schule, Mama immer da, keine Kopfschmerzen. (Nur bei einem Wetterumschwung einmal)

Da er jetzt seit einigen Wochen wieder tageweise zur Schule geht, geht es wieder los mit den Kopfschmerzen. Ich merke aber, dass er wohl viel öfter Kopfschmerzen hat, als er es mir sagt. Er möchte nicht, dass ich mir Sorgen mache. :(
Ausserdem tut er sich ganz schwer im Einschlafen. Er grübelt stundenlang vor sich hin und schläft selten vor 0.00 Uhr ein. Ich biete ihm an bei mir oder ich bei ihm zu schlafen, was er aber nicht möchte. Bis er dann gegen 0 Uhr doch zu mir oder zu seinem großen Bruder ins Bett krabbelt. Wenn er dann um 7Uhr für die Schule aufstehen muss, weiss ich, das der Tag gelaufen ist und er aufgrund der Müdigkeit spätestens am frühen Nachmittag Kopfschmerzen hat.
Ich habe das Gefühl er kommt innerlich einfach nicht zur Ruhe, er macht sich Sorgen um alles und hinterfragt vieles.
Er ist zu empathisch und sensibel und ich möchte ihm so gerne helfen, wie er lernt damit umzugehen...

Zumal er nächstes Jahr in die Weiterführende Schule kommt, die in der 5. Klasse 7-zügig, gross, laut und nur über Zug und Bus zu erreichen ist. :( Im Moment fährt er mit dem Rad zu unserer 3-zügigen Grundschule (die ihm schon zu laut ist)..

Wie kann ich ihm helfen? Hilft da Autogenes Training (wenigstens für das Einschlafproblem)?
Wer hat auch ein Migränekind und Tipps für mich?

LG tristeis

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Hallo Tristeis,
ist die Migräne diagnostiziert? Du schreibst, es wurde nichts gefunden.
Gegen echte Migräne helfen ausschließlich Triptane (Tabletten, Nasenspray, Pen) und kein Nurofen.
Lasst euch in einer Spezialklinik wie zB Schmerzklinik Kiel beraten.
Wenn er dort gut eingestellt wird, kann man mit Migräne leben.

Hast du den Aspekt „Flucht im die Krankheit“ bedacht? Kann es sein, dass er bei Stress mit Schmerzen reagiert, um Aufmerksamkeit zu bekommen und dem Alltag zu entfliehen?
Alles Gute!

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Hallo,
vielen Dank für Deine Antwort. Ja, es wurde eine Auschlussdiagnose gestellt: Frühkindliche Migräne. Da die Hauptauslöser für die "richtigen" Migräneattacken Stress war/ist wurde mir dort auch geraten mit ihm Enstpannungsübungen durchzuführen. Auch wurde mir dort geraten, wenn es nicht besser mit der Migräne wird, dass wir dann zu einer Spezialklinik sollten.

Da es aber mit dem Einleben in den Schulalltag mit den Migräneanfällen (teilweise nur 1-2 im halben Jahr) deutlich weniger wurde (den Tod unserer Hündin ausgenommen) hatten wir davon Abstand genommen und gehofft, dass es sich "verwächst" (lt. den Ärzten kann das in der Pubertät durch Hormonumstellung durchaus passieren). Nur die blöden Kopfschmerzen blieben und bleiben hartnäckig.

Und es ist richtig, bei einem richtigen Migräneanfall (mit Übelkeit, Lichtempfindlichkeit u.ä.) hilft Nurofen natürlich nicht. Wir haben Novalgintropfen da, aber die möchte er nicht. Wenn er so einen schlimmen Anfall hat (meist erst am späten Nachmittag, wenn mehrere Faktoren wie müde, Stress und Wetterwechsel zusammenkommen), legt er sich ins Bett und schläft relativ schnell ein und dann auch mindestens 14/15 Stunden und ist meist (nicht immer) am nächsten Tag topfit. Aber diese Anfälle haben sich drastisch reduziert in der Coronazeit. In den letzten 4 Monaten hatte er nur einen und Kopfschmerzen sehr selten.
Aber trotzdem hat er, seit er wieder in die Schule geht, wieder regelmäßig Kopfschmerzen (und da hilft ihm Nurofen) und er hat mittlerweile richtig Angst das daraus ein Migräneanfall wird.. :(
Sorgen macht mir halt der Wechsel auf die Weiterführende Schule.

Ich glaube Dein zweiter Ansatz trifft es daher eher :(
Er reagiert auf den normalen Alltag mit Kopfschmerzen. Ich kann ihn ja aber nicht vom normalen Leben abschneiden. Und das mit der Suche nach Aufmerksamkeit werde ich beobachten, aber da sein großer Bruder immer viel unterwegs war (vor Corona) hat er eigentlich sehr viel Zeit nur mit mir oder meinem Mann schon immer gehabt.
Daher war meine Idee ihn erst innerlich - also durch das Erlernen des Umgangs mit Stress - zu stärken und sollte das nicht helfen, dann in einer Spezialklinik vorstellig zu werden.

Er ist halt sehr sensibel und empathisch und die Vorstellung, dass er deswegen nur beschwerdefrei durch die Welt kommt, indem er medikamentös eingestellt wird, gefällt mir nicht. Aber mir muss es auch gar nicht gefallen, er sollte unbeschwert durchs Leben gehen können.

Danke für Deinen Denkanstoss. #herzlich

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Hallo,
in Hinblick auf seine Lebensqualität, mit der eine optimale Schullaufbahn verbunden ist, ist es sinnvoll abzuklären, ob er wirklich Migräne hat. Die Diagnose des Kh mit Ausschlussdiagnose halte ich für nicht aussagekräftig; ebenso ist eine adäquate Medikamentation wichtig. Triptane wirken gut und sicher bei Migräne und ermöglichen eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht.
Sollte es das sein, ist es behandelbar und die Medikamente machen nicht abhängig.


Sollten die Kopfschmerzen aufgrund von individuell empfundener Überlastung auftreten, ist es sinnvoll sich professionelle Unterstützung zu holen, damit er selbstsicherer in das nächste Schuljahr starten kann.
Ich sehe wie du den Aspekt, dass er nicht im einer Käseglocke leben kann. Leben kann er allerdings mit Hilfsmitteln wie helfenden Medikamenten und Reduzierung von Triggern wie wenig Schlaf.
Wenn er nicht schläft, ist die Frage, ob er sich genügend bewegt hat/ intellektuell ausgelastet ist?

Eine andere Idee: habt ihr ihn auf Borreliose testen lassen?
Alles Gute für euch

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das sind aber ganz schön viele Trigger.... sicher, dass es keine andere Ursache hat?

Ansonsten sind die meisten Trigger, die du aufzählst psychologischer Art und damit umzugehen wäre eine Möglichkeit zu lernen, -- also aktive Entspannungsübungen lernen, z.B., --- da wäre dann ein Ergotherapeut (oder etwas in psychologischer Richtung) wohl mal ein Gedanke wert., -- also nicht selber mit youtube autogenes Training oder so ... -- sondern angeleitet mit psychologisch fachlich ausgebildetem Personal.
Ein Versuch ist es allemal wert.

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Hallo und danke für deine Antwort.

Ja, wir haben durch ewiges Kopfschmerztagebuch führen die Ursachen klar herausfiltern können.
Deutlich wurde es in der Coronazeit, da hatte er fast keine Kopfschmerzen und nur einen MIgräneanfall (bei Wetterwechsel und müde und viel getobt). Aber ich kann ihn ja nicht für immer zuhause lassen. Obwohl ihm das gefallen würde ;)

Ich hatte gestern Abend noch mit unserem Kinderarzt gesprochen. Von Autogenem Training hat er abgeraten, da es viel Übung und lange dauert bis Erfolge ersichtlich sind.

Wir sollten wie Du schon geschrieben hast nach Ergotherapeuten gucken, die mit Entspannungstechniken arbeiten. Er hat mir eine Liste mit entsprechenden Kontakten rausgesucht, die ich mir rausholen kann.
Zum Beispiel KInderyoga oder ähnliches.
Auf jeden Fall werden wir in der Richtung -mit fachlicher Anleitung- etwas ausprobieren.

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Ich bin selber migränepatient. Allerdings erst im Jugendalter und stark hormonell getriggert. Soweit ich das bei Freunden mitbekommen habe, wird bei migränekindern oft hochdosiertes Magnesium gegeben. Entspannungsübungen schaden sicher nicht. Aber ich würde es unter fachlichen Anleitung machen. Habt ihr eine Kinderklinik/kinderneurologie mit kopfsprechstunde in der Nähe?

Wenn du so Bammel vor dem schulwechsel hast, gibt es keine alternative zu dieser riesigen Schule?

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Hallo und danke für Deine Antwort.

Nach einem u.a. wetterbedingten katastrophalen Wochenende, werde ich definitiv einen Termin bei einem Neurologem für ihn machen. Im Moment bin ich noch am recherchieren, parallel guck ich nach einem Physiotherapeuten, der Entspannungsübungen/Kinderyoga o.ä. anbietet.

Leider gibt es keine wirkliche Alternative zu der Schule. Es ist das Landkreisgymnasium auf das sein großer Bruder geht und er wollte da schon immer hin.
Hier bei uns im Ort gibt es nur eine Oberschule, allerdings sind da Kinder, die ihn jetzt schon auf dem Schulweg ärgern, deshalb will er da auf keinen Fall hin. Ausserdem hat die Oberschule ab der 5. Klasse bereits 2 Tage Ganztag, das Gymnasium geht nur bis 13 Uhr. Ganztag findet er natürlich auch voll doof.
Ich zähle ihm dann zwar regelmäßig die Vorteile der Oberschule auf, aber keine Chance, da rede ich gegen eine Wand. Da ist er stur :)
Da der Schulwechsel erst 2021 ist, hoffe ich bis dahin, dass wir die Kopfschmerzen in Griff bekommen.

LG tristeis

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Entspannungstechniken sind auf jeden Fall sinnvoll - ich habe diese wegen Migräne als Jugendliche gelernt und sie helfen mir noch viele Jahre später.
Ich würde schauen ob ihr einen Kurs in der Nähe habt, aber auch an Kinder Yoga denken als Alternative. Es muss deinem Sohn gefallen.
Habt ihr schon mal Entspannungsmusik/ Geschichten am Abend nachgedacht.

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Hallo und danke für Deine Antwort.
Ja, das mit den Entspannungstechniken werden wir auf jeden Fall angehen.

Und mit Hörbüchern zum Einschlafen haben wir ausprobiert und klappt, wenn ich dabei bin. Aber er möchte alleine sein.
Allerdings hatte er Harry Potter, Teil 4, gehört und zum Einschlafen und alleine anhören, finde ich es zu gruselig. (Er natürlich nicht) Daher suchen wir grad nach was nicht so gruseligen, sind aber noch nicht fündig geworden.... Hörspiele sind nicht so seins, da haben wir schon viele durch...
Entspannungsmusik wäre auch eine Idee...

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Harry Potter ist viel zu spannend ;-). Wenn keine Musik dann wirklich eine etwas "langweilige" Geschichte. Und am besten jeden Abend die gleich. Es geht ja nicht um Unterhaltung sondern um Ritualisierung und Entspannung.
Und das kann man bei Benjamin Blümchen wirklich super .

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Hi,

ich hab als Erwachsene festgestellt, dass mir Yoga hilft.
Die ersten Kopfschmerzerfahrungen kamen bei mir in der Grundschule, und als Jugendliche wurde es dann richtig schlimm. Phasenweise hab ich 1 bis 2 Tage pro Woche in der Schule gefehlt. Ich hab allerdings keine echte Migräne, weil die Übelkeit fehlt. Der Arzt nannte es vasomotorische Kopfschmerzen. Und ich hab von Schmerztabletten gelebt; kann nicht gesund gewesen sein.

Jedenfalls hilft bei mir die wechselseitige Nasenatmung und Übungen wie der Pflug. Und wenn ich regelmäßig Dinge mache, die den Schulter-/Nackenbereich auflockern, kommt auch weniger.

Viele Grüße