Lerntypen /Lernstrategien

Hallo,

mich würde mal interessen, was eure Kinder so für Lerntypen sind bzw. welche Vorgehensweise bei Ihnen gut funktioniert. Wie habt ihr rausgefunden, wie eure Kinder am Besten lernen?

Könnt Ihr Bücher/Literatur zum Thema empfehlen?

Vielen Danke schonmal

1

Zunächst mal: Vergiss den Quatsch mit den Lerntypen. Da schlägt jeder Neurowissenschaftler die Hände über dem Kopf zusammen. Zum einen, weil es nicht den einen Typ gibt, der bei jedem Lernstoff für ein Kind funktioniert und zum anderen, weil das Muster verfestigt, die früher oder später an Grenzen stoßen.

Was funktioniert, hängt extrem vom Stoff ab. Vokabeln lernt man anders als das Aufstellen von chemischen Reaktionen oder das Wahlsystem in der BRD.
Da hilft eigentlich nur ausprobieren und dem Kind verschiedene Möglichkeiten zeigen. Häufig binden das Lehrer an der weiterführenden Schule auch in den Anfangsunterricht im jeweiligen Fach ein.
Hier gibt es Karteikärtchen für Vokabeln und Definitionen, Zusammenfassungen schreiben und Stoff anderen erklären. Mnemotechniken können noch ganz interessant sein, sind für den gängigen Schulstoff aber meistens etwas zu viel des Guten.

2

Bei mir kam das im Erwachsenenalter. Also, dass mir das bewusst wurde.

Irgendwann merkte ich: was ich 1000 mal höre, bleibt nur manchmal hängen.
Was ich sehe oder aufschreibe, merke ich mir besser.

Rückblickend: Schulstoff von vor 20-30 Jahren weiß ich noch, wenn ich dazu den Lehrer vor Augen sehe. Ein Bild vor mir habe. Das kann auch der T-Shirt-Aufdruck des Vordermanns sein. Hauptsächlich aber eben Lehrerhaltungen.

Eine Lehrerin fühlte sich während der Klassenarbeit beobachtet. Mh, nun ja, ich konnte durch ihre Bewegungen ganze Tafelaufschriebe ins Gedächtnis rufen.

Vokabeln lerne ich besser, wenn ich sie aufschreibe. Aber nicht nur stur aufschreibe, sondern mit anderen Bildern verknüpfe. Etwas, das ich in dem Moment sehe.

Mein Kind lernt gut durch Bewegung. Wenn Bewegung und Inhalt gut zusammen passen. Mich macht das wahnsinnig.

Eine Freundin lernt durch Gehör. Alles was sie einmal hört/vorgelesen bekommt, hat sie drauf. Was sie sieht, schreibt oder liest, dauert deutlich länger.

Bei meiner merke ich, dass das "am Tisch sitzen und lernen" nicht zu ihr passt.Damit quält sie sich ähnlch wie ich früher. Nur eben anders. Wir probieren aus. Sie macht es wahnsinnig, wenn sie mir Inhalte erkklären soll. Mir hilft das z.B. besser. Ihr hilft es, wenn sie es für sich vor sich hinspricht. Mir überhaupt nicht.

Was wir beide nicht leiden können: Unruhe beim Lernen. Also zu viel in kurzer Zeit ausprobieren, bewirkt das Gegenteil. Zufallsfunde bringen umso mehr. Ah, das klappt gut, das nutzen wir weiter. Eine Wissenschaft würde ich jetzt nicht daraus machen. Beobachten, was gut tut, was weniger... das würde ich schon. Das entsprechend ausbauen oder mal was anderes ausprobieren.
In der Schule ist es oft eine Mischung aus mehrerem.

3

#pro

*Irgendwann merkte ich: was ich 1000 mal höre, bleibt nur manchmal hängen.
Was ich sehe oder aufschreibe, merke ich mir besser.*

Das herauszufinden, finde ich auch wichtig. Es ist ja bei sehr vielen Menschen so, dass sie einen Sinn dafür gut nutzen können und man kann es relativ leicht heraus finden.

4

Hallo,

unsere Kinder und ich lernen am besten strukturiert und visuell.

Dass sie strukturiert lernen, haben wir an dem Grundschulenglisch gemerkt. Da ist hier die Theorie, wenn man die Kinder lange genug beschwafelt, bleibt schon was hängen.
Das funktionierte bei unseren beiden Kindern überhaupt nicht.

Unsere Tochter hatte dann Schnuppertag am Gymnasium für Französisch bilingual und war total begeistert.
Ich habe nachgefragt, warum sie das so toll fand und heraus kam, dass da erklärt wurde, was die Worte bedeuten und dass dann erst mit ihnen gearbeitet wurde. Ein bisschen Grammatik wurde auch erklärt.
Eigentlich war es stinknormaler, klassischer Sprachunterricht, aber für unsere Tochter offenbar der Himmel auf Erden nach dem Grundschul-Englisch. ;-)

Mittlerweile ist sie in Klasse 8, hat Französisch bili, Englisch und Latein und kommt bestens zurecht. Englisch mag sie am wenigsten, weil es am unstrukturiertesten unterrichtet wird. Es lag in der Grundschule also definitiv am der Lernstrategie und nicht an der Sprachbegabung.

Unser Sohn (6. Klasse) kämpft am Gymnasium nach wie vor mit den auch dort eher chaotischen Strukturen in Englisch. (Unsere Tochter hatte in der 5. und 6. Klasse eine Lehrerin, die das chaotische Lehrwerk besser abgefangen hat.)

Besonders unser Sohn bekommt eher wenig mit, wenn es nur im Unterricht gesagt wird. Das ist bei mir auch so. Ich muss es sehen, damit es hängen bleibt. Am allerbesten sind bei mir Grafiken, die Fakten und Zusammenhänge verdeutlichen.
Witzig waren bei mir früher Vokabeln. Da wusste ich teilweise, dass die Vokabel das fünfte Wort auf der rechten Seite ist, aber nicht, was es heißt. ;-)

Wenn Du wissen willst, wie Deine Kinder lernen, würde ich erstmal von mir und dem Papa ausgehen. Ich habe den Eindruck, das vererbt sich.
Außerdem merkt man doch, ob das Kind gehörtes gut wiedergeben kann oder eher gelesenes oder Bilder.
Wie die Kinder auf die Lernstrategien der Lehrer reagieren, merkt man auch.

Unser Sohn kam z.B. in Deutsch in der Grundschule mit Lernworten nicht klar, aber mit Rechtschreibregeln. Leider hielt die Lehrerin mehr von Lernworten als von Rechtschreibregeln. (Es ging da nicht um Worte mit besonderen Schreibweisen, sondern um normale Worte, wie "Affe", die man auch mit Regeln erfassen kann.)
Wir haben ihm dann Rechtschreibregeln zu Hause beigebracht und damit erübrigten sich die meisten ihrer Lernworte.

LG

Heike

5

ausprobieren und machen, was funktioniert. Ohne Fachbuch-Schubladen.
Wir haben über die Jahre selbst etwas entwickelt -- das geht nicht über Nacht, sondern "wächst".
Kommt ja auch an, wie alt Dein Kind ist.
Mein Sohn BRAUCHT Listen. --- steht etwas auf der Liste, fühlt er sich verpflichtet und macht es auch.
Also schreibt er (anfangs mit unserer Hilfe) wir Listen und Lernpläne für die Wochen/Tage an das Whiteboard, das wir ihm neben den Schreibtisch gehängt haben. Die Liste arbeitet er jeden Tag ohne Murren ab. -- Seht es mal nirgends, gibts krach. --- so ist es bei uns (er ist 12).

Die kleine findet das gut und macht das wohl auch ... mal sehn ... sie kommt gerade in die 5te, da war das bisher nicht nötig.