Gemeinschaftsschule BW - wer kann berichten....

Hallo zusammen,

Bei uns steht in einem Jahr der Wechsel an die weiterführende Schule an.
Meine Tochter ist sehr sensibel und kommt nur schwer mit Druck klar. Aus diesem Grund wollen wir sie nicht, trotz deutlicher Empfehlung, aufs Gymnasium schicken (bei uns ist nur G8 möglich was mit vielen Schulstunden verbunden ist).
Nun sind wir am Überlegen ob die Gemeinschaftsschule eventuell eine Alternative zur Realschule wäre. In der Theorie hört sich das Konzept wirklich super an - kleine Klassen, lernen auf individuellem Niveau, keine Noten... Allerdings weiß ich, dass der Anteil der leistungsschwachen Schüler auch sehr hoch ist. Da stellt sich mir natürlich die Frage wie die stärkeren Schüler in diesem Gefüge gefördert werden können, bzw. wie dann ein Übergang nach der 10. Klasse auf ein weiterführendes Gymnasium aussehen kann.
Hat da jemand Erfahrung? Gibt's vielleicht sogar Lehrer hier die offen darüber berichten?

Vielen Dank schon voran.
Grüße, Lilli

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Hi,
sicherlich wird es im Frühjahr dort eine Infoveranstaltung geben, es sei denn wegen Corona abgesagt. Da würde ich kritisch nachfragen, wie denn der E-Niveau-Unterricht in den höheren Klassen abläuft und wie viele SuS direkt auf‘s Gymnasium übergehen.
Ich mache das jetzt schon ein paar Jährchen und habe zwischenzeitlich die Schule gewechselt. An meiner alten Schule wurde ab Klasse 8 in den Hauptfächern eingekurst (zwar völlig entgegen dem GMS-Gedanken), aber so konnte man sicherstellen, dass die E-SuS auch genug Futter bekamen. Das wurde tatsächlich meist von Gymnasialkollegen übernommen und hat gut geklappt. Aus 3 Klassen waren es dann ca. 15 SuS, die direkt übergegangen sind. Viele von ihnen waren aber auch Wechsler vom Gym, die irgendwann bei uns landetet.
An der jetzigen Schule sieht das im aktuellen Jahrgang (Pilotjahrgang) anders aus, das liegt aber auch daran, dass es hier ein sehr großes berufliches Gymnasium gibt und klar kommuniziert wurde, dass man mit RS-Abschluss die besseren Chancen hat aufgenommen zu werden. Somit möchte nur eine Schülerin direkt übergehen. Gekurst wurde zwar in Klasse 9, aber letztendlich nur dahingehend, dass die G-SuS einen eigenen Kurs hatten, die beiden anderen Niveaus wurden nicht getrennt.
Es wird überall ein bisschen anders verfahren...

vlg tina

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Hallo Tina,

Ganz lieben Dank für deine ausführliche Antwort!
Darf ich fragen ob du in Bawü unterrichtest? Ganz oft lese ich nämlich, dass Gemeinschaftsschule in anderen Bundesländern besser funktioniert und in Bawü wirklich nur ein geringer Prozentsatz der leistungsstarken Schülern an die Gemeinschaftsschule wechselt (da es in der selben Stadt noch drei allgemeinbildende Gymnasien gibt). Dennoch finde ich das Konzept in der Theorie wirklich sehr vielversprechend.

LG, Lilli

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Ja, in BaWü.

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Hallo unsere Tochter geht nun in die 7 klasse einer GMS wir hatten eine Realschul Empfehlung ihre Freundin ist auch dabei hat eine gym Empfehlung.

Nur mal so als Anhaltspunkt wir lassen sehr wohl Noten in den Zeugnissen geben.

Seit klasse 6 ist es bei uns wie folgt wir haben je Hauptfach 2 Lehrer die Schüler werden in 2 Gruppen geteilt stärkere/schwächere so das die stärkeren Schüler eben im Unterricht ihre realschul bez Gymnasium Aufgaben erledigen.

Der komplette Lehrplan ist in die 3 Stufen eingeteilt meine Tochter arbeitet so konstant auf Realschule ab dieses Jahr.
Letztes Jahr hab ich sie noch gym probieren lassen aber mit unserer Entscheidung kein französisch zu belegen müsste sie also sowieso über einen 2. Bildungsweg das gym machen.

Nur sehr wenige gms haben Oberstufen uns wurde erklärt das wenn sie französisch belegt hätte und auf gym gearbeitet nach der 10 klasse auf ein reguläres Gymnasium wechseln könnte.

Wir sind zu dem ein ganztags Betrieb sprich normalerweise 4x die Woche bis 15.30Uhr und nur Freitag um 13Uhr Schluss.
Aber dafür wenn die Kinder gut in der Schule Arbeiten wenig Hausaufgaben oft gar keine.

Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden mit der Entscheidung allerdings muss ein Kind in der Lage sein Selbstständig zu lernen und zu erarbeiten.
Unsere Kinder bekommen ein input und dann ein Plan was abgearbeitet werden muss. Es ist also weniger frontal Unterricht als an normalen Schulen würde ich sagen.

Liebe Grüße

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Danke auch für deine Antwort!

Unsere Tochter kann sehr selbständig abeiten. Das wäre kein Problem für sie. Mir geht es eben eher darum ob sie tatsächlich adäquat gefördert werden kann, da die Kinder mit Gymnasialempfehlung wohl eher direkt aufs Gymnasium gehen.

LG, Lilli

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Also ich denke das kommt leider stark auf die Schule an durch unser 2 Lehrer System ist das bei uns natürlich super ob das überall so ist weiß ich nicht.
Meine Tochter wurde auch immer animiert gym auszuprobieren usw.
Bei uns merkt man eher das sie auf die guten Schüler angewiesen sind um dieses Hauptschul Image los zu werden.
Lg

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Guten Morgen,
wir haben leider keine guten Erfahrungen mit der GMS gemacht. Unsere Große ist jetzt nach den Ferien auf die Realschule gewechselt und besucht jetzt dort die 7. Klasse 👌🏻 Sie hatte in der Grundschule eine „eingeschränkte“ Gym-Empfehlung. Sie wollte mit 2-3 Freunden auf die GMS und da uns das theoretische Konzept gefallen hat waren wir damit einverstanden. Aber schon nach einem halben Jahr wurde klar dass das tolle Konzept wirklich umgesetzt werden konnte. Zum Einen war der Fokus bei den schwächeren SuS und zum anderen war das soziale Miteinander eine mittlere Katastrophe 🙄😬
Da wir aber nicht gleich aufgeben wollten blieb sie auch in der 6. dort. Aber schnell war klar dass sie spätestens zum Sommer die Schule wechselt! Und so geht sie jetzt in die 7. der RS und ist mega glücklich 😊

Also wir würden die GMS nicht mehr wählen! Unsere Kleine geht ja noch in den Kindergarten aber wenn es bei ihr mal soweit ist, wird die GMS definitiv KEINE Option mehr sein!

Vielleicht hatten wir mit dieser GMS einfach nur Pech, aber die allgemeine Meinung zu dieser Schulform ist bei vielen gleich schlecht...

Viele Grüße

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Genau die beiden Punkte: "Zum Einen war der Fokus bei den schwächeren SuS und zum anderen war das soziale Miteinander eine mittlere Katastrophe" sind das, was mich im Moment noch von einer GMS abhält.

LG, Lilli

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Das kommt wohl auf die Schule selbst an.
Freunde standen vor der gleichen Wahl. Auch BaWü, auch Gymnasialempfehlung.

Wobei ich jetzt nicht sicher bin, ob ich Gemeinschaftsschule mit Gesamtschule verwechsele!

Sie haben sich mehrere angesehen. Die Infoabende waren wohl sehr unterschiedlich. Eine der Schulen wäre in Frage gekommen. GMS seit ca. 30 Jahren. Etabliertes Konzept. Super umgesetzt. Andere entstanden aus ehemaligen Hauptschulen. Hauptschulzweig mit an der Realschule eingegliedert. GMS wirbt sehr für Gymnasialempfehlungen, um ihren Schnitt und ihren Ruf aufzupeppen.
Das Konzept klingt toll. Es passt aber nicht für jeden.

Die Umsetzung des Konzepts wird vom Infoabend , von Eltern und von Lehrern als sehr unterschiedlich beschrieben. Wobei Lehrer und Eltern eine nicht ganz so weit auseinander liegende Version berichteten. Der Werbe-Infoabend war wohl komplett an der Realität vorbei.
Noten gibt es weiterhin, nur heißen die nicht Noten und sind für Eltern anders zugänglich. Kleine Lerngruppen klingen toll, werden aber entgegen dem Konzept häufiger gemischt, was Unruhe reinbringt.

Erzählt haben sie noch von ein paar mehr. Das sind, die, die ich mir merken konnte. Engere Auswahl und abschreckendes Beispiel.

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Danke auch für deine Rückmeldung!

LG, Lilli

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Eher würde ich das Kind bestärken, an sich zu glauben als eine unterfordernde Schulform zu wählen. Interessanterweise sind es meist Mädchen, die auf diese Weise kleingehalten werden.
Nur Mut, sonst wird das nie was mit der Gleichberechtigung in diesem Land!

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Auch dir danke für deine Antwort.

Allerdings gestaltet sich die Situation bei uns nicht ganz so einfach wie sich das eventuell anhört. Ich traue meiner Tochter durchaus sehr viel zu, aber sie ist extrem sensibel und perfektionistisch und mit einem G8 Abitur in BW würde ich niemandem aus der Familie einen Gefallen tun. Aber das näher zu erläutern würde hier den Rahmen sprengen.

Grüße, Lilli

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Hi,
meine Tochter war in Kl. 5 in der Gemeinschaftsschule in BaWü.
Wir waren auch von der Schulform angetan, hörte sich toll an aber es war dann tatsächlich so, dass die schlechteren Schüler die Besseren ausbremsten. Es waren auch nur 3 oder 4 dabei, die wirklich gute Schüler waren und dann auf erweitertem Niveau lernten. Bei meiner Tochter ging das dann leider zum Teil soweit, dass sie sich manche Sachen selbst beibringen sollte/musste, da der Lehrer mit den schlechteren Schülern beschäftigt war.
Sie hat dann nach der 5. Klasse die Gemeinschafttschule auf eigenen Wunsch verlassen und ist aufs Gymnasium gewechselt. Dort ist sie jetzt in KS1 und zufrieden und die Noten passen auch.
Allerdings ist meine Tochter nicht sensibel und kommt auch mit Druck gut klar. Wenn Deine Tochter da etwas zaghaft ist, wäre vielleicht erstmal die Option Realschule besser und danach eine Wechsel auf ein berufliches Gymnasium?

Alles Gute#winke

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Hallo,

Bei uns war es eine Katastrophe. Fast nur Jungen, viele lernsschwache und verhaltensauffällige Kinder, Lehrer, die nur als Betreuer da waren und nichts richtig erklärt haben. Keine Bücher, kein vernünftiges Material.

Meine Tochter war auf einer GMS in BA-Wü. Sie ist jetzt auf einer Realschule und muss die Lücken schließen.

Lg

Carola

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Ich kann dir nur von uns berichten, dass die Gemeinschaftsschulen hier am Ort im M-Niveau ein geringeres Niveau fahren als die Realschulen. Der Grund ist, wie du selbst sagst, dass die Spitze fehlt, die Leistungsträger. Auf der Gemeinschaftsschule sind hier vor allem die Kinder mit Werkrealschulempfehlung oder Kinder, deren Eltern die Betreuung brauchen.
Ich würde bei klarer Gymnasialempfehlung eher zur Realschule tendieren, da knüpft man tatsächlich nahtlos an das berufliche Gymnasium an.

Grüße