Schule wechseln / Klasse wiederholen?

Ich muss mir jetzt mal meinen Frust von der Seele schreiben.

Meine Tochter (12) besucht die 6. Klasse Gymnasium. Sie hat nach der Grundschule eine eingeschränkte Empfehlung dafür bekommen, Grund war, dass sie damals schon in Mathe immer ein bisschen Schwierigkeiten hatte.
Soweit so gut.
Mittlerweile hat sie nicht mehr nur noch in Mathe Schwierigkeiten, sondern auch in Englisch. Ich habe den Eindruck, dass sie im Unterricht nichts von dem aufnimmt, was dort erklärt wird. Wir gehen mittlerweile täglich die Hausaufgaben in beiden Fächern durch und üben, zusätzlich hat jetzt eine Nachhilfe in Mathe begonnen.
Aber es funktioniert trotzdem nicht. Sie versteht einfach die kleinsten (logischen) Dinge nicht und wenn sie es dann endlich anwenden kann, hat sie es am nächsten Tag wieder vergessen und wir fangen wieder bei Null an.

Die Ergebnisse der Klassenarbeiten sind entsprechend.

Ich kann das nicht mehr. Das kostet unheimlich viel Zeit und Kraft. Für uns beide. Sie macht irgendwann vollkommen dicht und fängt an zu bocken. Damit drückt sie bei mir genau die richtigen Knöpfe (ja, ich weiß das!) und es artet wieder in riesigen Diskussionen und Streit aus.

So geht es also nicht weiter. In den anderenFächern ist sie gut, steht überall auf 2. Daher meine Frage, was machen wir am besten? Klasse wiederholen bringt glaube ich nicht viel, weil es ja nicht dabei hilft, gewisse Logiken zu verstehen und anzuwenden. Schulwechsel? Will sie nicht, da hier ihre Freundinnen sind...

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Das problem ist, du bist emotional zu viel eingebunden. Da musst du wirklich abgegeben. Hausaufgaben ja, aber lernen nein.
Das gibt nur Frust auf allen Seiten.

Habt ihr Freunde mit älteren Kindern auf dem Gymnasium? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder von Kinder besser lernen. Eventuell kennst du eine ältere Schülerin die ein bisschen Taschengeld verdienen will und selbst eine gute Schülerin ist? Diese könnte 2 mal die Woche kommen für englisch und Mathe. Oder ihr müsst mehr in Nachhilfe investieren.
Da die anderen Fächer gut laufen würde ich noch etwas abwarten. Wäre sie insgesamt schlecht, dann würde ich wechseln.

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Hallo,

was sagen denn die Lehrer?

Zu Englisch muss ich sagen, dass Englisch heutzutage sehr unstrukturiert unterrichtet wird, was vielen Kindern nicht liegt.
Unsere Tochter hat in der 5 mit Französisch bili und Englisch gleichzeitig angefangen und hielt bis zur 7. Klasse Französisch für die einfachere Sprache...

Das Französisch-Buch ist komplett logisch aufgebaut - im Gegensatz zu den aktuellen Englisch-Büchern.

Unser Sohn (6. Klasse) kämpft auch in Englisch. Sie haben Green Line, was ich für eine Vollkatastrophe halte.
Das ist das am schlechtesten aufgebaute Schulbuch, mit dem ich jemals zu tun hatte. Man findet sich nicht zurecht (Ich auch nicht), und es kommt immer wieder Grammatik vor, die erst Wochen später erklärt wird. Irgendwelche unbekannten Vokabeln werden ebenfalls gerne eingestreut.
Taktik: Erstmal Verwirrung stiften, bis die Kinder sich für komplett unfähig halten und Wochen später erklären, wie es geht. #klatsch

Dazu kommt, dass die Lehrerin die Klasse nicht im Griff hat und ständig Unruhe herrscht. Da bekommt unser Sohn nur was mit, wenn er ganz vorne sitzt (was er jetzt tut).

Er ist bei weitem nicht der einzige, der in Englisch Probleme hat. Viele in der Klasse sind schlecht in Englisch. Richtig gut ist keiner. (Warum wohl...)

Wenn bei Euch auch solche Umstände herrschen, wundert mich nicht, dass Deine Tochter Probleme hat.

Bei unserem Sohn habe ich in den letzten Herbstferien in Englisch ganz von vorne angefangen, um das Chaos in seinem Kopf zu entwirren. Auf das, was er im Kopf hatte, konnte man nicht aufbauen.
Wie die letzte Klassenarbeit gelaufen ist, wissen wir noch nicht, aber zumindest habe ich jetzt das Gefühl, dass er etwas mehr Durchblick hat.

So, wie ich das sehe, hätte unser Sohn an einer Gesamt- oder Realschule mit dem Green Line-Pendant Red Line (was ich von Bekannten kenne) und einer ähnlichen Lehrerin genau die gleichen Probleme.
Bei ihm geht es nicht darum, dass der Stoff zu schnell vermittelt wird, sondern zu chaotisch.
Den Eindruck, dass ihm Sprachen grundsätzlich nicht liegen, habe ich nicht.

Deswegen würde ich bei Euch versuchen, näher zu analysieren, woher die Probleme in Englisch kommen.
Es kann schon sein, dass ein Jahr zu wiederholen Deiner Tochter etwas bringt, weil man den Stoff nochmal ganz in Ruhe wiederholen und festigen kann, um dann mit einer guten Grundlage in die 7. Klasse zu starten.

Mathe scheint Deiner Tochter allgemein nicht zu liegen. Ob man das als KO-Kriterium für's Gymnasium sieht, wäre die Frage.
Dafür müsste man auch erstmal beobachten, ob die Nachhilfe nicht auf Dauer doch wirkt.
Ich hatte damals eine Mitschülerin in der Oberstufe, die mit lauter Fünfen in Mathe trotzdem Abitur gemacht hat (Sie hatte Mathe natürlich nicht als Abi-Fach.) #schwitz
Ich selbst hatte in der Mittelstufe Nachhilfe in Mathe und im Abi dann Mathe als 3. Fach mit einer 2-.

LG

Heike

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Ohhh ja- das mit Englisch vs Französisch kann ich voll unterschreiben!
Ich hatte in der Schule nur Englisch, war auch immer sehr gut, warum ich mich später in Richtung Fremdsprachen orientiert habe.

Mittlerweile habe ich in Englisch UND Französisch meinen Fremdsprachenkorrespondenten-- und was soll ich sagen? Ich war in Französisch besser als in Englisch, einfach weil die Lehrerin da sooo viel strukturierter aufgebaut sind und man sich die Grammatik schön logisch erklären kann. Englisch war für mich immer so ein "Bauchgefühl-Kampf" 😅. Bis ich irgendwann festgestellt habe, dass es eigentlich genauso logisch WÄRE, nur aus unerfindlichen Gründen in den Schulbüchern nie so wirklich logisch aufgebaut ist 🤪.

Eine klare Kaufempfehlung (da löblich Ausnahme) kann ich aber geben für:

ENGLISH GRAMMAR IN USE

Die Bücher sind suuuper und würd ich auch jedem zum Üben empfehlen, der sich in Englisch etwas schwer tut..

LG

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stimmt. Englisch Grammar in use haben wir auch. Allerdings sind dort Vokabeln vorhanden, die die Kids zur 6. Klasse so noch nicht hatten. Mein Sohn kam trotzdem damit klar.

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Weder Schulwechsel, noch Klasse wiederholen macht Sinn. Und dass erstmal im Gynasium nicht alles rund läuft ist normal. Freu dich dass es in den anderen Fächern klappt. Auf jeden Fall solltest Du deine Ansprüche mal überdenken. Auch mit einer fünf kommt man weiter, sogar mit zweien bis zum Abi.

Wahrscheinlich liegt es auch an Dir, dass sie sich nichts merkt - Druck machen, Streiten und Stress sind schlechte Lernbegleiter.

Wenn sie Nachhilfe hat ist dies gut. Du solltest dich total zurückziehen. - Weil nicht Du gehst zur Schule sondern Sie. - Selbst wenn du meinst ist doch alles voll logisch , vielleicht ist deine Tochter ein anderer Lerntyp.
Wenn Sie möchte hör sie Vokabeln ab etc. - aber weil sie dies möchte und nicht weil du meist , es sei nötig.

Ausserdem finde ich baust du ja noch mehr Stress auf - deine Tochter wird das Thema Schulwechsel etc. wahrscheinlich als Bedrohung empfinden.

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Das kann tatsächlich sehr gut sein und das ist mir auch bewusst.
Aber auf der anderen Seite frage ich mich, wie es weitergehen soll, wenn sie in 5&6 die Grundlagen in grade diesen beiden Fächern nicht lernt.
Ohne die passenden Vokabeln wird es in Englisch schwer, die Aufgaben und Texte zu verstehen. Selbst wenn man dann die spätere Grammatik kann (durfte ich selbst mit böser Ernüchterung lernen 🙈). Daher ist mir das wichtig.
Also du meinst, lieber einfach machen lassen, Nachhilfe geben und dann langfristig schauen was passiert?

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Ich stand in der 5. in Englisch auf 4 und in der 6. und 7. sogar auf 5. Ich habe mein Englischabi mit 15 Punkten gemacht und nach dem Abi eine Sprachausbildung gemacht. Ab der 8. Klasse hatte ich einen anderen Lehrer. Ich würde sie am Gym lassen und es mit Nachhilfe in Englisch und Mathe probieren.

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Die Probleme habe ich und auch die KL bei dem Jüngsten gesehen. Er hatte ein super Zeugnis in der GS und hätte rein von den Noten her locker aufs Gym gekonnt. Aber er hat sich schwer damit getan, neue gedankliche Bögen zu schlagen. Eingeübtes konnte er wunderbar abrufen, aber sobald die Aufgabe anders gestellt war, brauchte er erst den gedanklichen Anstupser. Das war nicht viel und es musste ihm auch niemand alles vorsagen, aber das reichte uns und daher ist der Jüngste auf die Gesamtschule gekommen. Dort kann er auch Abi machen, aber die arbeiten da deutlich "softer".
Mein Großer hatte eine eingeschränkte Empfehlung und ist anfangs in den Sprachen abgesackt, aber das kann man ja gut mit Nachhilfe oder in seinem Fall mit Förderunterricht kompensieren.
Was will deine Tochter denn?

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Hi das mit den Grundlagen stimmt sicher - aber auch nur eingegrenzt - weil da kann man sehr viel schnell nachholen, wenn man will.
Ich würde definitiv stärker auf das hören, was sie möchte.
Vielleicht hilft euch beiden ja auch ein Plan - zum Beispiel dreimal die Woche Englisch Vokabeln lernen. Aber nicht jeden Tag.
Hausaufgabenhilfe, wenn sie fragt.
Mathe mit der Nachhilfe sich, zusammen mit ihr, abstimmen.
Am Wochenende definitiv kein Stress von deiner Seite. ( Auch kein Nachfragen - da musst du dich bremsen), aber nur so kommt ihr zum durchatmen.

Bis zum Schuljahresende ist ja noch reichlich Zeit.

Ansonsten würde ich für Englisch , mal schauen welche Vorlieben sie hat - z.B. Serie auf Englisch - zunächst mit deutschen Untertiteln, Onlinegame in Englisch, Youtube Video ( auch Schminktipps und Katzenvideos - verbessern das Englisch :-D )-

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Wenn sie jetzt tatsächlich in allen anderen Fächern auf 2 steht, ist sie auf der Schule m.E. richtig. Sie hat vermutlich die Anfänge in Englisch nicht richtig gelehrt bekommen oder selber nicht richtig gelernt oder verstanden. Ich habe hier den Eindruck, dass gerade die Anfänge sehr wichtig waren. Mein Sohn ist jetzt in der 10. Klasse auf dem Gym. und hatte nie Probleme in Englisch. Hat aber von Anfang an die Grammatik und Vokabeln sehr geübt. Ich würde so schnell wie möglich zu den Anfängen zurück und diese Themen wiederholen. Die müssen einfach sitzen. Auch Mathe baut ja aufeinander auf.

Ich persönlich empfinde in Mathe den Unterricht als unlogisch aufgebaut. Immer stückchenweise. Haben sie es verstanden, kommt das nächste große Thema und in der nächsten Klassenstufe wird wieder ans Vorjahr angeknüpft und das bedeutet, dass die Probleme zur jetzigen Klassenstufe verstanden werden müssen. Auf dem Gymnasium wird nicht mehr viel erklärt und vieles müssen sie sich selbst erschließen. Wir hatten hier zum Ende der 9. Klasse mit Funktionsgleichungen einen Nachhilfelehrer und das nicht, weil er immer schon Probleme mit Mathe hatte, sondern weil während der Coronazeit nur noch Übungszettel kamen und Erklärungen fehlten. Die Nachhilfe war sehr kurzfristig und war super. Kann ich wirklich nur empfehlen und es nimmt einem den Streß sich selbst mit etwas beschäftigen zu müssen, was einem entweder nicht liegt oder aber wo man längst raus ist.

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Englisch lässt sich super üben, wenn man die Lieblingsserien auf Englisch guckt.
Bei Sprachanfängern empfiehlt es sich, das bei schon bekannten Folgen zu machen oder deutsche Untertitel mitlaufen zu lassen, sonst wird es schnell frustig.

Mathe: So einen Kandidaten habe ich auch geboren ;). Irgendwie scheint das Gehirn von K2 nur eine begrenzte Menge Mathe aufnehmen zu können. Steckt man was neues 'rein, fällt was altes raus. Ich habe zwei Jahre lang versucht ihn zu unterstützen - entweder ich wurde wahnsinnig oder er frustriert oder beides (meistens).
Mittlerweile hat er YouTube Lernvideos für sich entdeckt und hält sich damit wacker im Mittelfeld. Es gibt dort massenhaft Tutorials zu (fast) allen Themen. Deine Tochter muss schauen, welche Erklärweise ihr am ehesten entgegenkommt.
Ausserdem sind Apps zum Üben und Vertiefen eine schöne Sache. Frag' doch mal den Mathelehrer danach.

Grüsse
BiDi

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Hallo,

ich würde dir gerne aus meiner Kindheit bzw. Jugend berichten.

Ich war ein Kind, dass im Unterricht aufgepasst hatte und ich konnte den Stoff. Auf Klassenarbeiten musste ich so gut wie nichts lernen wodurch ich das Lernen lernen auch nie richtig gelernt habe. Ich hätte aufs Gymnasium gehen können aber ich wusste, da muss man lernen und meine beste Freundin hatte „nur“ eine Realschulempfehlung (damals noch bindend). Also bin ich auf die Real... es war alles easy durchweg nur 1er und 2er im Zeugnis.
Ausnahme Mathe: Hier nur gerade so eine 3 in Klasse 5 & 6. in Klasse 7/8 einen fürchterlichen Lehrer bekommen und ich war raus - Mathe durchweg 5er!
Mein Papa ein absolutes Matheass - 1er Matheabi! Ebenso mein großer Bruder und meine große Schwester (später auch mein kleiner Bruder) - dafür war ich das Englischass der Familie 😉. Meine Eltern waren grundlegend sehr entspannt, liebevoll, verständnisvoll, einfühlsam usw.! Aber das hat meinen Papa dann doch gewurmt - Warum versteht sie es nicht? Es ist doch (für ihn) so logisch! Er meinte es absolut nicht böse aber es baute sich nach und nach immer mehr Druck auf und wir haben uns richtig gezofft bei dem Thema. Und als Teenie hab ich dann natürlich dicht gemacht. Und so immer mehr den Anschluss verpasst!
Nachhilfe die meine Eltern organisierten hab ich sozusagen boykotiert.

Mit Klasse 9 wurde es ganz langsam besser. Wir haben einen anderen (den besten und beliebtesten) Lehrer in Mathe bekommen. Nach und nach bekam ich etwas mehr selbstvertrauen. Das 1. Thema war zudem auch noch unabhängig, völlig neu und ohne das man viele Grundlagen oder Wissen aus Klasse 5-8 benötigt. Ich schrieb 3er in Mathe!
2. Halbjahr - Themen die auf Stoff von Klasse 5-8 basierten und ich war wieder weg und frustriert. Mit meinen Papa lernen ging nicht aber ich hatte nun den Willen es zu lernen. Ich wollte es verstehen. Ich wollte keine 5 im Zeugnis mit dem ich mich bewerben muss und ich wollte einen guten Abschluss in Klasse 10.

Ich habe dann einen Aushang im Gymnasium gemacht und mir einen Oberstufenschüler zur Nachhilfe gesucht. Er hat mir wirklich alle Grundlagen beigebracht und mich (für meine Verhältnisse) perfekt auf die Prüfung vorbereitet und in Klasse 9 und 10 hatte ich jeweils eine gute 3 im Zeugnis!

Kleine Anekdote am Rande: Wir wurde in den 1,5 Jahren bis zu Prüfung sehr gute Freunde, etwas später ein Paar und inzwischen sind wir verheiratet und haben 2 Kinder 😉.

Was ich damit sagen will: Nimm den Druck raus!!! Spreche ganz in Ruhe mit ihr und überlegt euch einen Plan der für deine Tochter passt - nicht für dich!
Aus eigener Erfahrung würde ich auch sagen, bleib dran damit sie die Grundlagen versteht. Wichtig ist nur das WIE? Nachhilfe (auch da kommts auf die Person an), YouTube Video, Lernplattformen, Mitschüler... gib ihr nichts vor, unterstütze sie aber den für sie passenden Weg zu finden!

Alles Gute euch!