Stilles Kind, Gymnasium

Hallo,

Unsere Tochter geht in die 5. Klasse Gymnasium.

Grundschule hatte sie eine tolle Lehrerin. Hier wurde sie immer selbstsicherer und hat sich auch mündlich gut beteiligt. Sie ist generell eher still und introvertiert. Braucht Zeit, um sich einzugewöhnen. Meldet sich nur, wenn sie sicher ist, dass es richtig ist.

Nun ist sie auf dem Gymnasium. Die ersten Wochen war sie wohl sehr still. Hat viel aus dem Fenster geschaut. Aber immer mitgearbeitet, wenn es ans Schriftliche ging. Die letzten vier Wochen ist es wohl etwas mehr mit dem Melden geworden. Sie steht aber in einigen Fächern mündlich auf 4. Auch in Mathe und Englisch.

Schriftlich ist sie im 2-3 Bereich. Durch Corona ist die Klasse momentan im Szenario B. Das tut ihr gut, sie ist jetzt wohl etwas aktiver. Die große Klasse, vieles Neues hat sie wohl sehr eingeschüchtert.

Ich mache mir trotzdem Sorgen. Das es ihr alle zu viel wird. Die Lehrerin meint, sie fühlt sich nicht unwohl. Ich habe auch nicht das Gefühl. Aber etwas Angst, dass es mit dem immer schwierigeren Stoff eventuell noch weniger wird, was die mündliche Mitarbeit angeht.

Hat jemand von euch Erfahrung dahingehend, dass die Kinder mit steigendem Alter mündlich doch mehr Gas gegeben haben?

Finde das so schade, dass die stillen Kinder damit ins Abseits rücken, obwohl sie schriftlich zeigen, dass sie es können

LG

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Ich vermute, sie geht erst seit zwei Monaten aufs Gymnasium oder? Dann vermute ich einfach mal, dass sie vielleicht einfach etwas mehr Zeit braucht.

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Mein Kind ist auch 5. klasse Gymnasium. Er hat kein Problem mit der mündlichen Mitarbeit, ich hingegen hatte das als Kind sehr wohl. In jedem meiner Zeugnisse steht dass ich mich mündlich unbedingt mehr beteiligen müsste, meine Eltern haben bei jedem elterngespräch gehört ich wäre zu still... hab mich auch nur gemeldet wenn ich ganz sicher war, dass es richtig ist. Geändert hat sich das bis zum Abitur nicht. Auch heute noch (mit fast 40 Jahren) mag ich keine großen Auditorien und hasse es Vorträge im großen Stil zu halten. Zum Medizinstudium hat es trotzdem gereicht und zur mittlerweile eigenen Praxis auch! Ich spreche da mittlerweile täglich mit ganz vielen Menschen und habe damit auch überhaupt keine Probleme. Es ist sicher wichtig deine Tochter positiv zu bestärken und ihr Selbstvertrauen zu stärken, aber oft ist es auch einfach eine Charaktereigenschaft!

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Hallo
So ist leider Schule. Wenn man Pech hat, sitzt man leider mit einer Gruppe Leute da, mit denen man sich absolut nicht wohl fühlt. Dann gibt es auch Lehrer, die das Klima nicht gerade verbessern. Da ist reinrufen erwünscht, man muss sich im Leben schließlich durchsetzen, laute Kommentare werden dann natürlich auch stehen gelassen.
Mein sehr ruhiges, bedachtes Kind hat Abitur gemacht. Das geht durchaus. Wenn es nötig war, konnte sie sich durchsetzen. Wenn sie Fragen hatte, fragte sie. Von sich aus hat sie sich jedoch weniger gemeldet. War halt so. Bei vielen Lehrern konnte ich das bei ihr ehrlich gesagt auch nachvollziehen. Aber es gibt zum Glück nicht nur solche. Sie hatte auch genug Lehrer, die sowas wie eine Mitarbeitsnote generell eher kritisch sahen.
Die Noten waren trotzdem gut. Sie war engagiert und hat gemacht was extra nur ging, wenn es denn möglich war, was andere eher liegen gelassen haben.
Sie kam und kommt gut klar. Introvertiert Menschen gehen dann doch ganz anders auf, wenn sie sich ihr Leben und Umfeld selbst gestalten können. Für ihre Zukunft muss das wirklich nichts heißen.
Wenn sie auch eher der introvertierte, sensible Typ ist, ist so ein neuer Schritt ja so schon ein großes Ding. Dann noch unter ganz anderen Bedingungen. Ich würde mir da noch keine großen Sorgen machen. Besonders wenn es „nur“ das melden ist.

LG

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Am Gymnasium hat sie da eigentlich ganz gute Chancen. Viele wollen eben doch mitarbeiten, mitkommen und dazu ist dann Ruhe im Raum sinnvoll.
Natürlich wird da auch viel Blödsinn gemacht. Die Lernatmosphäre ist aber doch meist recht ruhig.

Mündlich ist ja auch nicht gleich mündlich.

Lehrer A benotet vor allem das inhaltliche Wissen. Wenig sagen, das aber richtig.
Lehrer B benotet eher viel sagen. Wer 100 mal etwas sagt, kann 15 mal daneben liegen. 85% richtig. Jemand der 1 mal was sagt und das ist richtig, ist es 100%. Aber eben nicht einschätzbar, wie der Rest wäre.
Lehrer C möchte ruhigere gerne motivieren
Lehrer D schätzt ruhig und besonnen.

Am Anfang sind fast alle Fächer neu. Und auch wenn Mathe, Deutsch, Englisch schon bekannt sind, so ist doch die Atmosphäre neu. Worauf will der Lehrer hinaus usw.

Mit zunehmendem Jahrgang wird der Stoff zwar schwerer. Aber eigentlich auch nicht. Wenn die Grundlagen gut sitzen, ist es einfach nur ein neuer Stoff. Der zuvor erscheint dann nur leichter, weil er schon gut bekannt ist.

Dafür kristalliesieren sich auch Vorlieben heraus. Sprache, naturwissenschaftlich, musisch usw. In Sprachen wird sie nicht drumherum kommen, mündlich einiges zu sagen. In anderen Fächern kann man sich auch eher drücken - und auch wieder nicht.
Dort wo ich zur Schule ging, wurden die Nebenfächer schriftlich / mündlich 2/1 benotet.
Dort wo ein Freund zur Schule ging, wurden die Nebenfächer zu 100% mündlich benotet. Anderes Bundesland.

Jedenfalls entwickeln viele ihre Vorlieben, Interessen und Stärken. Das gibt dann Selbstvertrauen.
Das, wo sie gut gelernt hat, kann sie auch gut anwenden und traut sich dann vielleicht auch mehr.

Bei mir war es eher: Lehrer, mit denen ich gut konnte: mündlich sehr viel mitgemacht.
Lehrer, mit deren Fragestellung ich nicht so gut klar kam, habe ich fast gar nichts gesagt.
Der eine Lehrer lobte meine hohe Mitarbeit, der andere prüfte den Namen, weil ich fast nichts sagte. Beide sprachen vom gleichen Kind ;-)

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Im Abi zählt auch das schriftliche und die "mündliche Prüfung" ist ja was ganz anderes als "Mitarbeit im Unterricht"

Klar: ich versuche, mein Kind zu bestärken und auch mal zu sagen: heute meldest Du Dich jede Stunde mindestens 3 mal usw... -- aber Fakt ist: das ist doch wie Aufsatz bewerten. - Subjektives Benoten eines Lehrers, der eigene Maßstäbe ansetzt.

Ich hab mir irgendwann selbst gesagt, dass man es einfach so hinnehmen muss. Man ändern wesendliche Charakterzüge nicht und man ändert auch selbst erfundene Bewertungsschemen der Lehrer nicht.
Keine mündliche Note ist so schlecht, dass die Versetzung gefärdet wird. Punkt.

eine 3 im Zeugnis kann eine 3,5 sein oder eine 2,5. -- das sieht auf dem Zeugniszettel keiner, - ich aber sehr wohl, -- und das reicht mir zur eigenen Bewertung der Leistung meines Kindes.
Mach dir keinen Stress. -- Du änderst Dein Kind nicht und hast keinen Einfluß auf die Lehrer. Nimm den Stress raus und handle nur oder unterstütze oder fordere bewusst NUR, wenn da was in ganz schiefe Bahnen gerät.

Mein Sohn stand auch auf 1,4 und hat dann doch eine 2 gekriegt, wegen "mündlich" -- das muss "egal" sein, --- schließlich weiß man ja , was man kann. -- darauf kommt es an und nicht diese eine Note, die gerundet im Zeugnis steht am Jahressende.

Okay: bei einem Fach war das mündliche 2 NOten schlechter als das schriftliche, sodass ich dann doch gesagt hab, es wäre noch gut, ein Referat zu machen oder sich mehr zu beteiligen, weil der Lehrer 40% mündlich zählt.
Aber im großen und ganzen würde ich mir da keinen Kopf machen. Das rüttelt sich hin und ändert sich nach der Pubertät auch bzw. mit den Jahren und der Sicherheit.

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Wir sind auch gerade im ersten Gym Jahr mit 2 Kindern und ich kann dir sagen, es ist normal. Mach dich nicht verrückt. Es ist alles neu. Es ist Corona dazu. Bei den Lehrern muss man erst einmal raus bekommen wie die ticken und worauf die so stehen, um gute Noten zu bekommen. Mit den Mitschülern muss man auch erstmal warm werden. Neue Fächer. Neue Ansprüche. Neues Gebäude. Neue Regeln. Neuer Schulweg.....Das ist einfach eine riesen Sache. Das ist phasenweise zu viel. Das geht allen so. Dagegen kann man auch nicht viel machen. Augen zu und durch. Für sie da sein. Pausen schaffen, sie beim lernen unterstützen wenn es geht. Sie motivieren sich zu trauen was zu sagen. Und alles andere bringt die Zeit.
Im ersten Jahr geht es für viele Kinder echt nur ums Überleben.

Wenn sie normalerweise im Bereich 2-3 steht, ist doch alles bestens. Nächstes Jahr weiß sie schon viel mehr wie es läuft und Stück für Stück wird sie daran wachsen. Irgendwo bekommt doch fast jeder seine 4 weg. Es ist doch auch normal, dass man schüchtern ist, wenn vieles neu ist. Das wird schon noch.

Unsere eine Tochter hat auch manchmal ne riesen Klappe vor uns und mit ihren Freunden, aber Mitarbeit in so manchen Fach war jetzt auch nur ne 4. Ist teilweise schon besser geworden, weil sie dann gemerkt hat, nix sagen ist keine so gute Idee. Es ist eben anders als in der Grundschule. Das muss man halt manchmal erstmal zu spüren bekommen, um etwas zu verändern.

Unsere andere Tochter hat raus bekommen, dass sie sich viel mehr melden kann, wenn ein neues Thema ansteht, das nur angerissen wurde und sie sich in Vorbereitung auf die nächste Stunde dazu einfach auf YouTube eine Doku rein zieht oder Wissensclips von Youtubern. Dann kommt meist in der nächsten Stunde genau der Kram den sie schon mal gehört hat und dann kann sie sich mehrmals die Stunde melden, weil sie sich tatsächlich sicher ist, es zu wissen. Vielleicht probiert ihr das mal. Dann ist zumindest ab und zu zu spüren, dass sie sich auch mündlich beteiligt. Und vielleicht verliert sie dann insgesamt etwas an Redeangst.

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Hallo,

ich war auch immer zu still in der Schule. Das lag daran, dass ich mich nur gemeldet haben, wenn ich mir zu 150% sicher war, dass die Antwort stimmt.

Manche sind eben so. Dafür war ich schriftlich gut und kam damit trotzdem insgesamt auf 2en und 3en und zu einem Abi mit 2,4.

Die Extrovertierten haben es auch im Berufsleben leichter, selbst, wenn sie weniger können als introvertierte Mitarbeiter. Viel Getöse zu veranstalten, wird leider eher belohnt, als echte Kompetenz.
Das ist nicht toll, aber so ist es eben.

Ich sage unseren Kindern immer, dass sie sich melden sollen. Die Lehrer merken sich vor allem, dass man etwas gesagt hat, nicht, wie gut es war.
Wenn man wiederholen soll, was letzte Stunde war oder Fragen stellt, kann man wenig falsch machen, es wird aber als Mitarbeit vermerkt. ;-)

Aber mal anders gefragt: Glaubst Du, dass Deine Tochter auf der Gesamtschule oder auf der Realschule im Unterricht mehr sagen würde?
Ich nicht.
Ich denke, da wäre sie in der mündlichen Mitarbeit genauso schlecht. Vielleicht käme sie da schriftlich auf 1-2 und wäre damit insgesamt teilweise eine Note besser.

Aber will man das Kind deswegen auf eine Schule schicken, wo das Niveau sie eventuell unterfordert und wo häufig mehr Kinder mit problematischem Sozialverhalten sind?
Mit denen haben schüchterne Kinder ja auch mehr Probleme, als selbstbewusste.

LG

Heike

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Allein an der mündlichen Mitarbeit kann man das glaube ich nicht ablesen, ob sich deine Tochter wohl fühlt oder nicht.
Es ist einfach sehr viel im Moment. Neues Umfeld, neuer Stoff, dazu die Corona Situation und jeder Lehrer bewertet mündliche Mitarbeit anders.
Dass sie eher introvertiert ist, hat absolut nichts über ihre Laufbahn zu sagen und die Einschätzung der Lehrer würde ich in Bezug auf mündliche Mitarbeit nicht allzu schwerwiegend beurteilen.
Ich war auch schon immer eher introvertiert, auch zu Gymnasiumzeiten. Selbst im Job wurde ich als introvertiert bezeichnet, mit dem großen Aber dass meine anderen Kompetenzen das wieder aufwiegen und es umso überraschender ist, wenn jemand eher ruhiges dann mit Fachwissen, Sorgfalt, und anderen Kompetenzen hintenraus ganz stark kommt, entgegen aller Erwartungen.

Deine Tochter wird sich ihren Weg schon noch selbst bahnen, sobald sie sich an die neue Situation gewöhnt hat. Wahrscheinlich wird sie das nie laut tun und auf den Tisch hauen, aber ich bin ganz sicher dass sie euch und ihre Lehrer noch überraschen wird.

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Hallo Juma,

meine Tochter ist mittlerweile in der 10. Klasse im gymnasialen Zweig.
Still ist für sie noch untertrieben ;-)
In der ersten Klasse hat sie die ersten 3 Monate mit der Klassenlehrerin kein Wort geredet. Selbst wenn sie gefragt wurde, hat sie die Antwort ihrer Sitznachbarin ins Ohr geflüstert...
Im Laufe der Grundschulzeit, je länger sie die Kinder und Lehrer kannte, wurde das zwar besser - aber ich habe mir ständig anhören müssen, dass sie zu wenig mitarbeitet, zu leise ist usw., inhaltlich aber alles gut sei.
Der Wechsel auf die weiterführende Schule war nicht ganz so schlimm wie der Schulstart, aber auch hier hat sie mindestens 1 Jahr gebraucht um sich zu trauen, etwas zu sagen. Sie selbst sagt auch, dass sie sich nur meldet, wenn sie ganz sicher ist. Leider bedeutet bei uns bei ca. 95% der Lehrer Mitarbeit = Häufigkeit der Meldungen. Dabei wird nicht auf die Qualität der Antworten geachtet, Mitarbeit im Unterricht wie Mitschreiben usw. wird nicht einbezogen. Das Ergebnis ist hier - immer noch - meistens eine mündliche 4. In Fächern, in denen sie fit ist, z.B. Englisch oder Musik hat sie manchmal sogar eine 3 ;-)
Da hier alle 2 Jahre die Lehrer komplett durchwechseln, ist es auch kaum möglich, dass die Lehrer sich mit dem "Typ" der Kinder auseinander setzen und unterschiedliche Maßstäbe, eben nach Charakter, anzuwenden.

Für mich war immer wichtig, meiner Tochter mitzugeben, dass diese Mitarbeits-Note sich zwar auf die Zeugnis-Note auswirkt, aber nichts mit ihrer Leistung zu tun hat.
Sie passt halt nicht in die Schablone, aber das ist ok so. Sie ist richtig wie sie ist!

Meiner Tochter geht es im Übrigen gut damit, sie hat ein gesundes Selbstbewusstsein, hat Freunde und wird ihren Weg gehen.