7jähriger plötzlich Ängste wegen Corona

Hallo,

ich hatte schon öfter die Schlagzeilen zu Studien über psychische Belastungen bei Kindern gelesen aber immer gedacht, mich betrifft das nicht. Meine Kids sind 15, 13 und 7.
Heute Abend hat der 7jährige wieder von Ängsten gesprochen, er hat Angst vor Corona, vor Menschen, vor vielen Menschen.

Hat jemand Erfahrung, wie man jetzt am besten reagiert?
Reflexhaft kommen ja dann Sätze wie "du brauchst keine Angst zu haben", aber die sind ja auch nicht zielführend.

Grüße
awk

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Ja wir hatten vor einigen Tagen auch so ne Situation. Unserer nimmt gerade ausgerechnet jetzt keine Seife mehr erst wenn Wir ihn zwingen. Da kam dann raus dass er Angst hat dass er coronaviren auf die seife bringen könnte und wir uns dann über die Seife anstecken. WIr klären sachlich auf, Wissenssendung über Seife und ein paar Experimente zum Thema und gut war es. Ich finde immer Angst hat man vor allem vor Dingen die man nicht greifen kann. Wir haben diverse Kinderaufklärungsvideos geschaut, ob die Maus oder Checker Julian, man findet ja einiges. Die finden auch oft einen guten sachlich beruhigenden Ton. Wir erklären ihm auch vor allem was er selber tun kann.

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Hallo,

auch ich finde, dass Aufklärung darüber das wichtigste ist und viel miteinander sprechen.

Für Eltern und Kinder gibt es mittlerweile schon gute Infobroschüren, aus denen man Tipps bekommt und die helfen:

https://www.agj-freiburg.de/images/downloads/KJS/ElternWissen_Corona.pdf

Vielleicht hilft es auch, wenn du sachlich erklärst, was jetzt passiert, nämlich dass gegen die Krankheit geimpft wird und dass man irgendwann wieder ohne die Angst vor Corona mit vielen Menschen in Kontakt kommen kann.
Auch betonen, dass bei ganz vielen Menschen die Krankheit nicht so schlimm ist, dass sie sterben müssen. Ich weiß nicht, was Kinder aufschnappen, aber da geht es ihnen mit Sicherheit so wie uns erwachsenen. Man hört immer von negativen Dingen und misst diesen viel mehr Wichtigkeit bei, als es tatsächlich sein müsste. Meine Kinder sind etwas älter als dein Kleiner. Da habe ich schon immer relativiert, auch wenn bei mir am Anfang die Angst vor dieser unbekannten, neuen Krankheit sehr stark war (eben auch, weil ich im Umfeld Risikopersonen habe).

Viele Grüße
Jenny

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Regel Nr 1 bei Ängsten ist eigentlich immer: Zuhören, ggf. Nachfragen, aber nicht zu schnell wegwischen.
Und zu einem gewissen Maß hat er ja Recht, sich jetzt in die dicken Menschenaufläufe reinzuknubbeln ist nicht sinnvoll. Angst ist im richtgen Maß ein gesunder Schutzmechanismus des Menschen.

Handlungsperspektiven eröffnen, d.h. auch betonen, dass wir nicht einem unsichtbaren Virus machtlos ausgeliefert sind: AHA+L hilft wirklich.

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Solche Ängste hatte meine im Grundschulalter immer mal wieder.
Lange vor Corona.

Es waren Dinge, die sie in Gesprächen von Erwachsenen aufgeschnappt hatte, Themen aus der Schule (egal ob Unterricht oder Pausen).

"Reflexhaft kommen ja dann Sätze wie "du brauchst keine Angst zu haben", aber die sind ja auch nicht zielführend."
Die waren schon in meiner Kindheit nicht zielführend. Diese Sätze suggerierten mir: Erwachsene haben kein Interesse daran, wie es mir geht; nehmen mich nicht ernst; übergehen meine Gefühle; wollen nur ihre Ruhe.

Ich bin Kopfmensch. Mir half es schon immer (Kind und Erwachsene) mich sinnvoll mit der Thematik zu befassen. Ja, es gibt Risiken, ja es ist gefährlich. Das kann ich tun. Anschnallen, impfen lassen, Massenverstaltungen meiden, usw.
Eine Freundin macht das wahnsinnig. Ihr half es mehr über die Gefühle zu sprechen. Ja, sie hat Angst. Es ist ok Angst zu haben. Wie kann sie mit der Angst umgehen? Schützt sie diese Angst? Ist es eine Angst, die sie einschränkt / am Leben ausschließt? Wie findet sie heraus, ob es eine hilfreiche Angst ist oder eine die sie überwinden kann?

Auch ihr hat der reflexartige Satz mehr geschadet. Genutzt hat er ihr nie. Geschadet schon. Sie fühlte sich zusätzlich zur Angst noch zusätzlich alleingelassen und entwickelte dann auch Verlustängste / Krisen alleine durchstehen zu müssen / niemanden in der Not haben. Sie kam da zwar als Erwachsene raus, geprägt hat es sie trotzdem.


Daher von dem Satz "du brauchst keine Angst haben" halte ich nichts. Vor Corona nicht und jetzt auch nicht. Schon meine Oma fand den Satz doof.


Was uns hilft: ich befasse mich ernsthaft und sinnvoll mit den Themen.
Da mir Nachrichten für Erwachsene selbst oft zu anstrengend sind, hole ich mir Infos auch gerne von Nachrichtenseiten für Kinder. Informativ, weniger krass formuliert. Weniger erschlagend.
Damit gehe ich dann mit meinem Kind ins Gespräch.

Es gab auch schon Themen, die an mir vrübergingen. Weil andere Kinder es mitbekommen hatten, wurde in der Schule besprochen. Das beunrunruhigte wiederum mein Kind. Also fing ich sie zu Hause auf; befasste mich selbst mit dem Thema (worum geht es, was ist los, wie groß ist die Gefahr / für wen / was war da eigentlich) und bin dann mit ihr ins Gespräch gegangen.
Im Gespräch fand ich auch heraus, ob es die Sache an sich war, die Angst machte / die Stimmung in der Schule / innerfamiliäre Ängste, die sich über den Auslöser zeigten.

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Hallo,
ich denke schon, dass die Ängste der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen sind. Sie sind auch nicht zu vergleichen mit dem, was wir aus unserer Kindheit kennen. Ich habe zwar einiges selbst mitgemacht in meiner Kindheit, aber die nackte Angst ums Überleben kenne ich aus meiner Kindheit nicht. Ganz besonders nicht im Kampf gegen einen unsichtbaren Feind.

Vor einigen Monaten kam mein Ältester auch damit an. Es war nicht nur so, dass er darüber sprach, es beeinflusste auch massiv seinen Alltag. Er sprach nur noch von Corona, wieviel Tote heute, wie hoch die Inzidenz, was sagt welcher Politiker, ... In der Schule weigerte er sich selbst seinen einzigen Freund mal „Hallo“ zu sagen (geschweige denn, ihm näher zu kommen) jede Pause verkroch er sich zwischen dem Schulgebäude und dem Wald - dort kommt garantiert Niemand hin.
Wir haben daher mit unserer KJP gesprochen. Unsere Kinder sind Autisten und daher sowieso bei der KJP in Behandlung.
Ihr im Grunde allerwichtigster Rat, der wirklich geholfen hat: Nachrichtensperre.
Mein Sohn hat keine „Erwachsenen-Nachrichten“ geschaut, nur LOGO. Aber auch dort wurde Corona täglich thematisiert. Jetzt darf er noch 2 mal pro Woche Nachrichten schauen...nur zusammen mit uns (das war früher nicht notwendig). Danach können wir bei Bedarf darüber sprechen. Wichtige Informationen, die ihn persönlich betreffen (z.B. Schulschliessungen) teilen wir ihm natürlich selbst mit.
Unsere KJP ist davon ausgegangen, dass die extreme psychische Belastung durch die Medien und hier insbesondere durch die Nachrichten noch massiv verstärkt wird. Kinder sind nicht in der Lage, alles so zu filtern, wie Erwachsene. Ein paar Tage ohne Nachrichten und mein Sohn war ok. Natürlich haben wir ihm erklärt, warum er nicht Nachrichten schauen soll.

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"Die nackte Angst ums Überleben"? Das kennen unsere Kinder und der Großteil von uns ja Gott sein Dank immer noch nicht.

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Echt? Glaubst du das ernsthaft?
Jeden Tag sehen sie dass es „gestern“ wieder mehr Tote gab als „vorgestern“. Die Tausendermarke pro Tag ist längst überschritten. Und ja, das macht Angst. Wie würdest du denn die Angst benennen, bei der es um das eigene Überleben geht?

Ein Kind, welches sich nicht die Hände waschen will, weil es Angst hat, dass auf der Seife eventuell Coronaviren sind. Das ist keine Angst vor Corona selbst. Das ist Angst vor dem eigenen Tod. Gesunde Kinder sind normalerweise in dem Alter nicht darauf vorbereitet zu sterben.

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Bei uns haben das Problem 2 Nachbarskinder ( 5 und 7). Die 5 jährige flippt total aus wenn auf der Strasse jemand ohne Maske läuft, da unsere Haustüren direkt nebeneinander liegen passiert es manchmal das wir gleichzeitig rein und raus wollen. Da wir das ausschließlich ohne Maske tun kommt es immer wieder zum Drama, sie hat Angst das sie und Oma und Opa sterben wenn irgendjemand ohne Maske läuft. Die Eltern versuchen es ihr zu erklären, der Kiga hat da aber wohl gegengearbeitet und den Kindern eingetrichtert das jeglicher Kontakt tödlich sein kann ( sagen die Eltern, Kind geht jetzt auch seid November nicht mehr in den Kiga) die andere ist dieses Jahr in die Schule gekommen und hat seid dem Angst vor Corona, da wurden wohl einige Sachen besprochen die bei ihr falsch angekommen sind. Sie hat bei allen Menschen die an ihr vorbei gehen Angst das sie sich ansteckt und krank wird, noch mehr Angst hat sie das sie ihre Oma ansteckt und diese stirbt, da sie oft bei der Oma ( die ist gerade mal 45) ist ist das immer wieder ein Drama.

Ich hoffe die Kinder tragen keine längerfristigen Probleme davon, ich denke gerade bei den jüngeren sollte man aufpassen was und vor allem wie man es sagt.

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Ähnlich wie wir mit Trauer umgehen.
Zuhören, annehmen, ernstnehmen, aufklären.
Wir fangen nicht sofort an, zu erklären. Erst mal sind wir nur da und hören und bestätigen sozusagen, dass er die Angst hat. Und wenn das gesackt ist, und unsere Kinder merken, dass wir die Angst anerkennen, dann versuchen wir, ihnen die Angst zu "nehmen", indem wir Abläufe erklären etc. Wo ist die Gefahr groß, sich anzustecken, wo ist sie geringer? Was können sie tun, um sich zu schützen? Wie wird es ihnen vermutlich gehen, wenn sie sich doch anstecken? etc.
Jede Angst kann ich meinem Kind nicht nehmen und das möchte ich auch nicht. Das halte ich auch nicht für richtig.

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Wir hatten eine ähnliche Situation im Sommer als nach dem ersten lockdown wieder mehr Kontakte möglich waren und mein Mann Geburtstag hatte. Eigentlich war meine Schwiegermutter zum Mittagessen da, meine Eltern sollten zum Kaffee trinken kommen und eine gut befreundet Familie abends. Am Ende lief das alles in einander über alle haben sich gefreut dass man wieder darf, es war schönes Wetter wie waren im Garten, wir hatten Abstand, die Kinder waren alle noch nicht wieder in der Kita oder der Schule, die Erwachsenen alle im homeoffice oder in Rente aber unser Sohn war total panisch. Ähnliche Situation als er in den Sommerferien nach langer Zeit mal wieder mit im Supermarkt war. Geholfen hat ihn wieder an Leute zu gewöhnen. Bisher passt es mal schauen wie es jetzt weiter geht wenn keine Schule ist und alles wieder sehr streng ist.

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Wichtig ist in dem Fall finde ich, dem Kind Verständnis für die vorhandenen Ängste zu zeigen. Denn ich empfinde seine Ängste nicht als unangemessen.

Normale Ängste entstehen zu Gefahrensituationen und beschützen einen vor dieser Gefahr durch Adrenalinausschüttungen, diversen anderen Körperreaktionen und dadurch schnelleres und aufmerksameres Handeln innerhalb der Gefahrensituation.
Das an sich ist nichts schlechtes sondern gut.

In dem Bereich ist es dann toll, wenn du ihn aufklären kannst, wie er sich denn vor einer Infektion schützen kann. Abstand halten, Maske tragen, Kontakte reduzieren, Regeln einhalten, Händewaschen und Desinfektionsmittel, damit er diese Ängste entsprechend gut nutzen kann um sich zu schützen. Sicherlich wird er dann nicht mehr so viel Angst haben. Dass Ängste aber in solch einer akuten Coronakrise immer wieder mal aufkommen, finde ich aber normal und haben wohl auch die meisten.
Ich würde das alles nicht so überbewerten.

Wenn er keine Vorerkrankungen hat, kannst du ihn zusätzlich damit beruhigen, dass er daran vermutlich nicht sterben kann.

Wichtig ist auch, offene und ehrliche Worte zu finden und keine verschleiernden Märchen zu erfinden.

Ängste sind erst dann behandlungsbedürftig, wenn sie unangemessen, übertrieben und unverhältnismäßig sind. Oder die Eltern dabei nicht richtig auf das Kind eingehen.