Kind aufs Gymnasium schicken totz eingeschränkter Empfehlung?

Ich bin hin und hergerissen und weiß nicht so recht was ich tun soll. Mein Sohn hatte nie richtige Schwierigkeiten in der Schule aber ein Überflieger war er auch nicht wirklich. In der 3.klasse war sein Zeugnis hauptsächlich *befriedigend*

Jetzt steht er in den Hauptfächern auf "gut" hat trotzdem noch viele dreien auf dem Zeugnis deshalb ja nur eingeschränkt mit einem 2,5 Durchschnitt.

Das liegt daran, dass er nicht wirklich gerne lernt und ich ihn oft drängen muss, dann erledigt er die Sachen auch, aber erst auf Aufforderung. Er kommt meistens gut mit ist aber manchmal etwas langsam. Die Lehrerin meint auch dass er einiges auf den Kasten hat aber es nicht oft zeigt. Allem anschein nach hält sie auch viel von ihm, denn ihrer Meinung nach könnte er es schaffen wenn er sich anstrengt und auch ordentlicher wird.

Aber will man das wirklich? Einem Kind andauernd hinterherlaufen? Anderseits ist er gerade mal 10 Jahre alt, vielleicht entwickelt sich das noch mit der Zeit? Hat jemand sowas ähnliches erlebt und kann mir Tipps geben auf was man bei der Entscheidung achten soll?

1

Hallo,

das kann man nicht pauschalisieren. Je nachdem, wie die Lehrer die Einschränkung begründen, kann ein Kind damit trotzdem durchaus erfolgreich ein Gymnasium besuchen.

Du schreibst jedoch, dass Dein Sohn in der 3. und 4. Klasse mehrere 3en hat(te) und insgesamt eher unmotiviert ist, was das Lernen betrifft. Das sind leider keine guten Voraussetzungen für die am Gymnasium bestehenden Anforderungen. Vor allem kann es durchaus sein, dass die Kinder zunächst im einen oder anderen Fach eine Note "nach unten rutschen"- dann wäre Dein Sohn schon bei den ersten 4en und die 3en vielleicht seine bestmöglichen Noten. Damit würde er kaum die Erprobungsstufe überstehen und man würde Euch (falls es die in Eurem Bundesland gibt, sonst vielleicht bereits nach Klasse 5) im Anschluss wahrscheinlich raten, die Schule zu wechseln.

Auch, wenn Dein Sohn eine Real- oder Gesamtschule besucht, stehen ihm zunächst mal "alle Türen offen", um später ggf. Abitur zu machen. Nur, weil er zum heutigen Zeitpunkt noch nicht die erforderliche Anstrengungs-Bereitschaft besitzt, kann sich das ja im Laufe der nächsten Jahre durchaus noch ändern.

Viele Grüße,

Kathrin

2

Wie meine Vorschreiberin denke ich, pauschal kann man da gar nichts sagen.

Mein Jüngster hatte eine eingeschränkte Empfehlung. Die Intelligenz hoch, die Konzentration niedrig, und der Lernwille nicht so ausgeprägt.
Wir haben ihn also auf dem Gymnasium angemeldet und wie zu erwarten sind die Noten jedes Jahr nur mittelmäßig.
Aber der würde momentan auf keiner Schule mehr machen als unbedingt nötig, da wären die Noten auf der Realschule oder Hauptschule auch nicht besser.
Schauen wir mal, wie es wird. Wechseln kann man ja in alle Richtungen.

Mein Mittlerer ist ein ganz anderer Typ. Er hat auch ADHS und außerdem eine LRS, bemüht sich aber sehr und ist ein guter Realschüler. Meinen Jüngsten müsste ich an der Realschule genauso antreiben und kontrollieren.

3

Man kann einfach nicht sagen, ob sich Ehrgeiz oder eher Frust entwickelt. Das ist ja das Problem. Bei meinem Jüngsten war es ähnlich.
Er hatte bei der Entscheidung Gymnasium oder Gesamtschule das letzte Wort und hat sich die auch nicht leicht gemacht. Schlussendlich wollte er auf's Gymnasium.
Aber wir hatten auch den Riesenvorteil, dass wir eine gute Gesamtschule vor Ort haben, auf die 80% seiner Grundschulkumpels wechselten. Also der perfekte Plan B, falls das mit dem Gymnasium nicht hingehauen hätte.

Denn als Eltern ein Kind durch's Gymnasium zu treiben, halte ich für absolut kontraproduktiv. Die Anforderungen dort steigen nach meiner Erfahrung stetig und bis Klasse 10 haben ein gutes Drittel der Kinder das Gymnasium wieder verlassen. Die Unglücklicheren unter ihnen extrem frustriert und trotz intensiver Nachhilfe.

Mein Jüngster ist nun in der 10. Klasse kommt ganz gut klar. Aber voraussehen konnten wir das in der 4.Klasse nicht.

Grüsse
BiDi

4

Ich erzähl kurz wie es bei uns war.

Unsere Tochter hat damals auch nur eine eingeschränkte Gymnasialempfehlung bekommen, die Lehrer rieten eindeutig zu einer Realschule.
Unsere Tochter wollte aber unbedingt auf ein Gymnasium u.a. weil dort wirklich 90% der Mädchen ihrer Grundschulklasse hin gingen.
Also meldeten wir sie auf dem Gymnasium an, wir erklärten ihr aber auch das es mehr Arbeit für Sie bedeuten kann und ein Erfolg dort nicht sicher ist.

Am Freitag gab es Zeugnisse, Sie besucht mittlerweile die EF des Gymnasiums und hat ein Notendurchschnitt von 2,5.
Das hat sie sich alles selbst hart erarbeitet.
Sie lernt Selbstständig und wirklich Hart...

Für Sie und uns war die Entscheidung also richtig.

11

an die TE: das Schüsselwort in dieser Antwort heisst "arbeitet hart". --- genau so ist es.

Meine Kinder hatten beide nur 1er und 2er im Zeugnis und selbst sie arbeiten jetzt auf dem Gymi wirklich nicht wenig. -- mein Vorteil: sie sind beide motiviert.

ich möchte nicht wissen, was passieren würde, wenn sie nicht motiviert wären oder schlechte Lerner wären.... sie zu DIESEM Pensum zu treten gäbe hier nur Konflikte und Stress.
Klar: manche nehmen das "anschieben" und Elterncoaching auf sich, wenn es mit der Motivation hakt und das kann im Gym. funktionieren... -- die Frage ist doch: möchte ich (als Mama) das, wenn ich schon weiß, dass ich ein Lernfaules Kind zuhause habe?
Wenn ja: dann kann das Kind der TE auch gut durchs Gymi kommen... --

5

Pauschal kann man das nicht sagen. Lasst euch Mal einen Termin am gymi geben und besprecht es auch dort Mal, was sie dazu sagen. Die haben da mehr Erfahrung.

Es ist zwar schon länger her, aber meine Freundin hatte eine Hauptschulempfehlung und ist trotzdem ans Gymnasium gegangen. Nicht einmal sitzengeblieben, aber sie hat es geschafft und hat jetzt ihren Master. Bei mir war in der 5. + 6. Klasse Realschule und Gymnasium zusammen und wir würden zur 7. Klasse getrennt (wäre für euch wahrscheinlich ideal). Bei uns sind nur wenige in die Realschule gewechselt. Es sind auch einige von der Realschule in die Oberstufe gewechselt.

Vielleicht ist auch eine IGS etwas.

6

Gibt es bei euch eine gute Gesamtschule?

7

Guten Morgen,
Ich würde es ehrlich gesagt davon abhängig machen, was mein Kind möchte.
LG

8

Ich würde in dem Fall sagen, dass er besser in eine Art Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe passen würde mit G9. Also eine Schule, die alle Abschlüsse anbietet und sich in Kurse nach der jeweiligen Leistungsfähigkeit gliedert. Da hätte er die Chance, wenn er sich entwickelt, trotzdem Abitur zu machen ohne die Schule zu wechseln, wenn er sich in diese Richtung entwickelt.

Gymnasium - ich habe zwei Kinder ganz frisch drauf - das eine ist schlau und fasst schnell neue Inhalte auf, aber nicht gerade soooo strebsam. Wenn man mit weniger Arbeit durch kommt, passt das auch ;). Das andere lernt mehr, ist auch schlau, aber muss auch lernen, weil es nicht die schnellste Auffassungsgabe hat. Erarbeitet sich aber einiges.

Kind 1 ist ungefähr mit einem Gesamtschnitt von 1,9. Kind 2 ist mit einem Schnitt von 1,6 aufs Gymnasium gekommen und liegen jetzt ungefähr 0,7 - 0,9 Punkte darunter. Also im Prinzip eine Note runter. Bei vielen in der Klasse, war dieser Einbruch sogar noch größer, bei unseren ist er eher mild.

Wenn man jetzt auf die Noten deines Kindes trotz mehr lernen wegen Antreiben 0,8 oder 0,9 Punkte rauf zieht, dann sind wir bei 3,3 ....3,4 Gesamtschnitt. Danach müsste dein Sohn mehrere 4en auf dem Zeugnis haben und eben Dreien. Du könntest dann zwar sagen Du, möchtest ihn dort lassen, aber das Gym würde dir hier dann raten, dass dein Kind hier dauerhaft nicht so glücklich wird und das Kind müsste spätestens bei der Konstellation 2 5er wieder runter im ersten Jahr, auch wenn's irgendwo 2er schafft.

Sprich - wenn nicht wirklich irgendein Entwicklungswunder passiert - dann wird ihn sein bisheriger Leistungsstand am Gymnasium nicht unbedingt motivieren. Am Gymnasium muss man eigentlich eine Note rauf schlagen. Klar lernt man dazu und es geht wieder etwas nach oben. Das dauert aber oft mehrere Jahre und so viel Motivation und Selbstvertrauen muss man erstmal haben wenn dann am Ende oft nur die 4 rauskommt.

Bei uns wird gesagt, dass nach Möglichkeit keine Drei auf dem Zeugnis der Grundschule sein sollte und wenn dann nur in wenigen Fächern, weil man eben am Gym damit rechnen muss das aus allen 3en der Grundschule die 4 am Gym wird.

Ich glaube das Programm wäre nicht so ganz das richtige für ihn. Du musst ja auch einplanen, dass der Fachunterricht mit Bio und so, wo es ohne lernen gar nicht geht, erst noch kommt und dass noch die Kein-Bock-Pubertät kommt. Da sind wir gerade teils schon mitten drin und das ist anstrengend. Das wäre mir hier doch etwas zu viel Risiko.

Es gibt halt auch Kinder, die ohne dass sie viel lernen eigentlich nur 1en und 2en an der Grundschule bekommen und die kann man schon schicken. Die müssen dann halt am Gym doch etwas das lernen lernen. Aber wenn er eher 3er hat, würde ich sagen nein, das wird zu heiß. Auch wenn er es versteht, er muss es ja permanent zeigen und der Terminkalender am Gym ist wirklich dicht. Selbst wenn er sich vornimmt für jedes Fach zu lernen, schafft man das in den Hochphasen, wo Noten gesammelt werden, oft gar nicht für alles in dem Umfang in dem man gerne würde und muss sich entscheiden, wo man es wirklich braucht.

9

Will er aufs Gymnasium?
Wenn ja, warum?

Wenn es sein eigener Wunsch ist, kann es durchaus was werden. Dann kann es dazu kommen, dass er den Ehrgeiz noch entwickelt.
Z.B. weil dann die Inhalte interessanter werden, während er in der Grundschule auch so irgendwie duirchkommt.

Option wäre aber klar: bis Punkt x, probiert ihr es aus. Verlässt er sich weiterhin nur auf Mama, dann wird er eben nach einer "Probezeit" wechseln.


Wenn er nicht aufs Gymnasium will; wenn er es nur sagt, weil er glaubt, dass das so von anderen erwartet wird; glaubt er , dass es so weiter geht: Mama wird ihm schon sagen....
dann würde ich ihn auf die Realschule lassen.
Kommt dann später der Ehrgeiz doch noch, dann kann er Anschlussfymnasium machen.
Oder zu erst eine Ausbildung und Fachhochschulreife fachbezogen oben drauf.