Stolz sein auf das Kind ...

Da ja nun die Halbjahreszeugnisse raus sind, lese ich des öfteren, wie stolz die Eltern sind ... Ist euch bewusst, was dies bedeutet für eure Kinder? Ich muss mir da mal Luft machen, sorry. Das nachfolgende ist meine Meinung.

1. Man kann nur selbst stolz auf sich sein, nicht stolz auf jemand anderen. Man kann sich jedoch durchaus für jemand anderes für seine Leistung mitfreuen. Wir sagen als Lob auch deutlich, dass unser Kind stolz auf SEINE/IHRE Leistungen sein kann und freuen uns für unser Kind mit.
2. Wenn man sagt, ich bin stolz auf dich, bedeutet das, dass man selbst ein großer Teil dieser Leistung ist und die Leistung des Kindes herabstuft. Ein Kind nimmt dies so wahr, auch wenn es das nicht sagt.
3. Es setzt ein Kind unglaublich unter psychischen Druck, weil es die Eltern nicht enttäuschen will. Es lernt somit für die Eltern und deren Liebe und Anerkennung nur zu lernen, nicht, dass es für sich selbst lernen und den richtigen Sinn dahinter versteht.
4. Was seid ihr, wenn es nicht gut bei eurem Kind läuft? Enttäuscht von euch? Ein Kind denkt dann, dass ihr es nicht mehr liebt, es ist ja schließlich eure Enttäuschung. Auch wenn ihr es so nicht meint, kommt es genau so bei eurem Kind an.

Ich gehöre zu den Kindern, die damit aufwuchsen, wie stolz Mama doch auf mich ist. Alle guten Leistungen war der Verdienst meiner Mutter, aber alles schlechte war ganz allein mein Verdienst. Je älter ich wurde desto deutlicher und bewusster wurde mir dies. Also habe ich nur meine eigenen Leistungen aufrecht erhalten, d.h., dass ich teilweise schlecht in der Schule wurde und keine Lust auf sonst was hatte, war ja nie mein Verdienst. Meine guten Leistungen habe ich verheimlicht, ich wollte nicht, dass sie mir aberkannt wurden.

Entschuldigt fürs Aufregen, musste mal raus! Danke fürs Lesen ;)

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Entwicklungsforscher haben festgestellt, dass Kinder bis zu einem bestimmten Alter noch keine "Einsicht in die Notwendigkeit" besitzen. Deshalb lernen sie natürlich nicht für sich, sondern für (Liebe und Anerkennung) ihre Eltern.

Semantisch macht es für ein Kind kaum einen Unterschied ob "ich bin stolz auf dich" oder "du kannst stolz auf dich sein" gesagt wird.

Hätte deine Mutter dein Versagen nicht allein auf dich zurück geführt, hättest du an ihrem Lob keinen Beanstandungen gehabt. Anderen Eltern darum zu sagen, sie würden ein Frevel an ihren Kindern begehen, wenn sie ihnen sagen, sie sind stolz auf diese, ist unsinnig. Wer sagt denn, dass die Eltern beim Versagen der Kinder ebenso wie deine Mutter reagieren? Die meisten sind sich schon bewusst, dass nicht allein das Kind daran Schuld ist.

Übertrage deine verletzten Gefühle nicht als allgemein Gültig auf die Gesellschaft oder alle Eltern.
Alles Gute für Dich

2

Mir bleibt nur ein müdes Lächeln wenn ich deinen Text lese.
Projiziere nicht deine Kindheit auf die Allgemeinheit.
Vielleicht solltest du mal mit deiner Mutter über deine Gedanken teilen, manchmal muss sowas einfach ausgesprochen werden.

Liebe Grüße von einer Mutter die wahnsinnig stolz auf ihre Kinder ist, nicht für irgendeine Leistung, sondern weil sie einfaxh tolle Menschen sind mit Herz!

3

Ich höre diesen Satz immer noch gern von meinen Eltern und er hat mich oft aufgebaut. Musste nicht im Zusammenhang mit Noten ausgesprochen werden ;) aber auch dann hab ich mich sehr gefreut und sehe daran nichts verwerfliches. Bei einem schlechten Verhältnisse zu den Eltern bzw der Mutter wird der Satz aber wohl auch nichts glatt bügeln.

4

Hallo meine Liebe,

es tut mir leid, dass du anscheinend keine schöne Kindheit hattest. Allerdings finde ich deine Gedanken nicht so ganz nachvollziehbar. Ich bin sehr stolz auf meine Kinder wenn sie sich anstrengen, ihr bestes Geben, versuchen sich durchzubeißen und sich schwierigen Situationen stellen. Daran finde ich nichts schlimmes. Es setzt sie nicht unter Druck, denn auch wenn es schief läuft und ich aber weiß sie haben ihr bestes gegeben, bin ich trotzdem stolz auf sie. Wenn sie aber faul und bequem sind, eine Null_Bock Einstellung an den Tag legen und ihnen einfach alles egal ist, ja dann sage ich ihnen schon dass ich enttäuscht von ihnen bin. Wieso auch nicht? Das bedeutet ja nicht dass man sie nicht trotzdem liebt, aber dass man ihr Verhalten nicht gut findet. Meine Älteste ist 18 und ich fand sicher nicht alles toll was sie in den letzten Jahren getan hat. Doch ich bin stolz auf sie, weil sie trotzdem alles gut gemeistert hat und sich in den letzten 2 Jahren doch sehr angestrengt hat um ihre Schule in eine gute Richtung zu lenken. Und ja sie hat es geschafft, klar bin ich stolz auf sie. Trotzdem fand ich die Zeit vorher schlimm, wo sie einige schwierige Jahre hatte.
Liebe Grüße
Juliane

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Hallo
Der Fehler liegt darin, dass „stolz sein“ nicht bei allen so aussieht,wie du es erfahren hast.
Wir waren schon bei einer 5 schon richtig stolz, weil wir genau wussten was dahinter steckte und was so los war ;-)
Die von dir beschrieben Problematik kann ich bei uns nicht feststellen.

LG

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Entschuldigung, aber was Du schreibst ist Grütze. Deine Eltern haben ein paar Dinge in Bezug auf nicht so positive Leistungserlebnisse auf Dich als Person gemünzt und dich in Frage gestellt. Das hat mir obigem Ausspruch von stolz absolut nichts zu tun. Stolz sein ist ein Lob. Das gewisse Dinge missbraucht werden können um zu etwas anderem geformt zu werden sei dahin gestellt.

Du hast das Vertrauen in deine Eltern verloren und deshalb hast du dich von ihrem Leistungsbild grundsätzlich abgewandt.

Deswegen sind Leistung und Stolz sein noch lange keine schädlichen und schlechten Aspekte.

Ich kann dir nur raten, die Probleme mit deiner Kindheit und Familie aufzuarbeiten und nicht weiter deine Wunden auf die Allgemeinheit zu übertragen. Damit schaffst du dir völlig unnötige Konflikte.

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1. Stolz ist laut Duden-Definition Freude und Selbstbewusstsein über einen Besitz oder eine Leistung. Das muss nicht zwangsläufig die eigene Leistung sein. Ich kann auch Stolz empfinden, wenn ein anderer Mensch eine besondere Leistung vollbracht hat oder irgendwie anders toll ist.

2. Nein, das bedeutet es nicht, weil man auch Stolz auf die Leistungen etc. anderer sein kann. Meine Eltern haben mir oft gesagt "Ich bin stolz auf dich" oder dann war mir immer klar, sie bewundern und freuen sich über MEINE Leistung.

3. Dazu gehört mehr als nur zu sagen: "Ich bin stolz auf dich." Meine Eltern haben mir das nicht nur bei einer 1 auf dem Zeugnis gesagt. Das haben sie auch gesagt, als ich verzweifelt geheult habe, weil ich nie wieder Cello spielen, die wieder Klettern, nie wieder selbst einen Zopf binden kann. Zumindest dachte ich das damals, als ich meine Hand verloren habe. Das war eine Zeit, in der ich nach meinem Empfinden keine einzige Leistung erbracht habe und sie waren trotzdem stolz darauf, wie ich mit allem umgehe.
Um dem Kind zu vermitteln, dass es nur für die Eltern lernt, braucht es mehr als den Satz "Ich bin stolz auf dich." Dann wäre auch jeder andere Satz wie "Ich freue mich" oder so unangemessen. Dann dürfte man nichts Positives mehr kommentieren.

4. Dann haben unsere Eltern uns Dinge gesagt wie: "Das kommt wieder in Ordnung" oder "Ich habe dich lieb" oder "Ich bin da für dich". Natürlich waren sie auch etwas traurig über schlechte Noten, schlechtes Benehmen und so weiter. Ist doch nur normal. Ich war über meine eigenen schlechten Noten auch traurig. Sogar trauriger als sie und sie haben mir erklärt, dass es nur eine Note ist.

Ich glaube, zwischen deinen Eltern und dir ist mehr schief gelaufen als dieser eine Satz.
Für dich ist der Satz an ein bestimmtes Verhalten gekoppelt, das muss er aber nicht sein.

Das, was du beschreibst, gibt es. Denk mal an die Schlagzeilen. "WIR sind Weltmeister" aber "DIE NATIONALMANNSCHAFT ist in der Vorrunde rausgeflogen".
Das ist aber nicht immer so.

Als ein Mensch, dem es schwer fällt, stolz auf sich selbst zu sein, war es für mich wichtig zu hören, dass andere es sind. "Du kannst stolz auf dich sein" - hm, ja, bin ich aber nicht, war doch gar nicht so wild. "Ich bin stolz auf dich" - wow, da ist jemand, der findet klasse, was ich getan habe!

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Dein Text hat mich richtig gerührt. Deine Eltern waren stolz auf dich als du nicht sehen konntest, was du leistest. Das zeigt, wie viel Positives in diesem Satz stecken kann.

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Oha, vielleicht solltest du dein Kindheit mal aufarbeiten, keine Ahnung was da schiief gelaufen ist.

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Ich sage meinem Sohn oft wie stolz ich auf ihn bin. Und das hat nicht nur was mit Leistung zu tun, sondern weil ich finde weil er einfach ein höflicher, aufmerksamer und herzenzguter Mensch ist. Auch wenn er etwas "schlimmes" getan, wo er weiss dass es von ihm nicht in Ordnung war,hat aber er es mir gesagt hat. In solchen Situationen bin ich stolz auf ihn weil er den Mut hatte es mir zu sagen.
Für mich hat stolz sein nichts mit Leistung zu tun.

Aber ich kann deinen Gedankengang nachvollziehen. Ich hatte als Kind oft das Gefühl, dass man nur stolz auf mich ist wenn ich was geleistet habe bzw gut in der schule war.