Einschulung ja oder Nein?!

Hallo ihr,

Mein Kind ist für Sommer 2021 normalerweise schulpflichtig. Er ist aber ein Extremfrühchen und ist nur aufgrunddessen schulpflichtig. Sonst wäre er dies nicht gewesen und (so weit ich das nun beurteilen kann), hätten wir ihn erst ein Jahr später eingeschult.
Er hat sich gut entwickelt, man sieht ihm seinen frühen Start nicht an und er entwickelt sich weitgehend normal.
Er ist aber sehr schüchtern, vor allem Fremden gegenüber und generell unsicher und ängstlich. Trennungen fallen ihm ebenfalls sehr schwer und er weint sehr schnell. Zum Beispiel wenn er mit etwas überfordert ist oder sich nicht traut um Hilfe zu fragen. Hinzu kommt noch, dass er in eine Grundschule gehen muss, in der er niemanden kennt. Generell würde ich sagen, dass ihm das eine Jahr im Kindergarten noch guttäte, um noch mehr zu reifen. Der Kindergarten würde uns auch unterstützen, wenn wir das denn nun wollen.

Habt ihr Erfahrungen mit Kindern, die gerade mit 6 eingeschult wurden? Würdet ihr es wieder so tun? Oder würdet ihr im Nachhinein sagen, ein Jahr später hätte auch gereicht? Haben sich die Kinder im letzten Jahr im Kindergarten gelangweilt? (Vorschule gibt es bei uns nicht)

Vielen Dank für eure Erfahrungen und ich hoffe wir können uns bald entscheiden.

Grüße Anja

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Aus welchem Land oder Bundesland kommst du denn?

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Nachtrag. Prinzipiell denke ich, dass man als Mutter ein gutes Gedpür hat.

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Mein Mann und ich sind im September geboren und wurden mit 5, fast 6 eingeschult.
Für uns war das genau richtig.
Aber: Wir waren selbstbewusst und mutig und durch mehrere kleine Geschwister eher ein bisschen "bossy" und nicht auf die Schnauze gefallen. Wir kamen zusammen in eine Klasse (kennen uns seit der Geburt) und kannten echt viele andere Kinder aus der Schule und wir wollten in die Schule gehen.

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Hallo Anja,
Ich bin immer dafür Kinder dann einzuschulen wenn sie dafür bereit sind. Mein Bruder ist zb mit 5 Jahren in die Schule gegangen weil er einfach Mega weit war kognitiv und sich im kiga furchtbar gelangweilt hat. Wenn du selber das Gefühl hast dass dein Sohn noch nicht so weit ist, dann höre auf dein Bauchgefühl. Gerade jetzt mit corona ist das alles eh nicht so einfach mit dem kleinen in der Schule. Von daher ist es vielleicht sogar gut, wenn er ein Jahr später geht. Ich denke nämlich nicht dass an einer wieder normaler Unterricht läuft...
Liebe Grüße

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Hallo,
wir haben zu früh eingeschult. Er ist vom 30.8. und wegen 2 Tagen, mussten wir.

Es hat geklappt, weil er in einer Sprachheilschule war, mit nur 12 Kindern und 2 Lehrerinnen + FSJler oder Referend.

Ab dem 3. war er in der "normalen" Grundschule, mit 25 Kindern und 1 Lehrerin, also man merkt es bis in die 7. Klasse rein, das er der Jüngste war in der Klasse.

Der Kleine von Januar, hatte das Glück, in die Vorschule der Sprachheilschule, zu kommen, und dann auch, 12 Kinder, 2 Lehrerinnen + ............., meine waren spät Schulreif. Auch viel zu schüchtern und überhaupt.

Der Kleine hat noch AWVS dazu, der Große "nichts und doch was", also wenn Du schon meinst, das später besser ist, versucht ihn zurück zu stellen.

Alles Gute

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Mein Kind wäre kurz vor der Einschulung 6 gewesen.
Wir haben es zurückstellen lassen (ging ganz einfach).
Und ich bereue keine einzige Minute.

Es war einfach ein Bauchgefühl. Kognitive war er schon weit.hatte seine antennen aber immer überall.

I'm ersten halben Jahr war er den anderen Kindern schon voraus, konnte sehr gut lesen. Mathe ging auch gut.
Dann kam corona und home school. Und da war ich erst recht froh, dass er doch schon ein Jahr älter war. Klar hoffe ich, dass nächstes Schuljahr einfach mal wieder ganz normal läuft.

Wenn der Kiga dich auch unterstützt, dann würde ich ihn noch ein Jahr lassen. Sie sagen es schon ganz ehrlich wenn sie denken dass er sich jetzt schon langweilt.

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Ja, das ist immer eine schwierige Entscheidung- wobei ich denke, in der Regel liegt man als Eltern mit dem Bauchgefühl schon richtig...

Ich kann dir vielleicht erzählen, wie es bei uns war ( Sohn knappes Musskind, Geburtstag 3 Wochen vor Stichtag):
Er war immer schon als sehr intelligent aufgefallen, aber auch sehr sensibel, sehr schnell zu verunsichern. Die Einschulungsuntersuchung ist bei uns (Bayern) als Modellversuch schon mit ca 4,5 Jahren (freiwillig, mit dem Ziel Defizite früher zu erkennen), dort hat er mit 4,5 dann sogar die regulären Aufgaben für die 6jährigen alle ad hoc fehlerfrei gelöst.
Er konnte zwar nicht schreiben oder lesen, war kognitiv aber definitiv schulreif als er Vorschukkind wurde.

Aber er weinte und war kreuzunglücklich- er hat sich richtig reingesteigert, dass er nicht in die Schule will. Auch in der Vorschulzeit wurde es nicht besser. Alle freuten sich nur er nicht. Alle waren stolz auf die Schulranzen, nur er nicht. Dazu kam noch eine gewisse feinmotorische Schwäche, gepaart mit absolutem Perfektionismus... Er hat sich so reingesteigert, dass er das alles nicht kann, nicht in die Schule will etc, dass wir ihn letztendlich tatsächlich zurückgestellt haben.

Das ging bei uns auch recht leicht. Wir haben vorher mit ihm viel gesprochen, dass ein Jahr Kiga lang werden kann etc, aber er meinte, er will unbedingt im Kiga bleiben. Dieses Jahr hat ihm so unendlich gut getan. Er blühte förmlich auf, fand plötzlich Spaß an der Vorschule, begann gern zu malen, was die Feinmotorik verbesserte und stellte Richtung Frühling langsam fest, dass die Zeit im Kiga zwar wunderschön war, er aber langsam doch zu groß dafür wird. Und er begann sich richtig auf die Schule zu freuen.

Er wurde im September eingeschult und ist bisher jeden Tag mit einem Strahlen in die Schule gegangen und mit einem Strahlen heimgekommen. Jetzt zur Zeit vermisst er die Schule richtig und wartet schon sehnsüchtig darauf, dass er wieder hinauf.

Ich wage zu bezweifeln, dass es ein Jahr zuvor auch nur annähernd so glatt gelaufen wäre. Es wäre zwar schon gegangen, klar. Aber nur mit ziehen, schieben, ermahnen, motivieren, hinterher sein etc. Jetzt läuft es völlig von selbst super

Also: NEIN, ich habs nicht bereut-- und kenne auch keinen, bei dem es so war. Andersrum kenn ich allerdings sicherlich an die 10 Familien, die im Nachhinein lieber später eingeschult hätten (hab damals im ganzen Bekanntenkreis nach Erfahrungen gesucht😅). Wobei man einschränkend sagen muss, wir sind in Bayern, da ist Grundschule anscheinend eh etwas fordernder (wenn man die Beiträge hier so liest) - kann sein, dass es in einem anderen Bundesland mit anderem Schulsystem anders gewesen wäre...

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Bei uns (BW) war der Stichtag damals der 30.09. (ist mittlerweile anders) und unsere Tochter wurde eine Woche vor Einschulung (14.09.) 6 Jahre alt.
Sie kam gut durch die GS und ist mittlerweile in der 6. Klasse Gymnasium, ist aber die Zweitjüngste in der Klasse. Mit ihren 1.60 m Größe fällt das nicht auf. Auch sonst ist sie fit und eine gute Schülerin.
Bei uns war es also keine Frage ob sie noch ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben soll und für die Förder- und Diagnostikklasse (gibt es in BW, ob es das in anderen Bundesländern gibt, weiß ich nicht) gab es keinerlei Befund.
Förder- und Diagnosikklasse ist eine Art Vorbereitung für schulreife Kinder, die aber noch "Baustellen" haben und in einem normalen Klassenverband untergehen würden. Also gerade für schüchterne Kinder, Kinder die noch Konzentrationsschwierigkeiten haben, Kinder die evtl. sprachliche Defizite haben, etc.
Rückstellungen sind hier auch schwierig. Meine Freundin musste für die Rückstellung ihres Sohnes (wurde erst Ende September damals 6) sehr kämpfen.

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Hallo Anja,

je nach Bundesland ist eine Rückstellung aus den von Dir genannten Gründen leider gar nicht so einfach bewilligt zu bekommen.

Gerade die soziale und emotionale Reife ist eine wichtige Einschulungs-Voraussetzung, da gebe ich Dir völlig recht. Allerdings ist es bis zur Einschulung noch ein gutes halbes Jahr, Kinder in dem Alter machen in so einem Zeitrahmen oft große Entwicklungs-Schritte. Und sowohl Ihr als Eltern als auch der Kindergarten hätten die Möglichkeit, Euren Sohn dahingehend zu unterstützen. Fremden gegenüber darf- und sollte- er natürlich zurückhaltend sein, die Lehrer*innen werden aber nicht lange "fremd" bleiben und auch das "Loslassen" kann man in einem halben Jahr Schritt für Schritt üben bei einem Fünfjährigen. Ebenso die Frustrationstoleranz, nicht gleich zu "verzweifeln", wenn etwas nicht auf Anhieb gelingen will (andere Dinge klappen dafür super :-)!).

Einiges ist Entwicklung und Erziehung (also die Haltung, mit der man sein Kind entsprechend seiner Entwicklung begleitet- das meine ich völlig neutral), anderes jedoch auch Charakter. Wenn Euer Sohn generell eher der zurückhaltende, schüchterne "Typ" ;-) ist, kann es durchaus sein, dass diese Eigenschaft im nächsten Sommer immer noch sehr "präsent" ist. Dann wäre es umso schwieriger, weil man an einen bereits siebenjährigen Schulanfänger in dem Kontext andere Ansprüche stellen wird als an ein regulär eingeschultes Kind. Oft erlebe ich es auch, dass eben diese schüchternen, zurückhaltenden Kinder an dem vermeintlichen "Sprung ins kalte Wasser" wachsen. Im Kindergarten werden sie ja entsprechend "behütet und betüddelt" und vielen Kindern tut es letztlich gut, wenn sie dann zu den (zwar immer noch ganz schön kleinen ;-)) "Großen" gehören und in die Schule gehen dürfen. Da zeigt sich dann, dass sie viel mehr "können" (sozial/emotional), als man bisher erwartet hatte.

Hattet Ihr schon die Schulanmeldung? Auch das KANN einen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und die damit verbundene emotionale Entwicklung eines Kindes haben. Es nimmt am Schulkinder-Programm in der Kita teil, war bereits mit den Eltern bei der Schulanmeldung- und dann "auf halbem Weg" heißt es plötzlich, "Nein, du kommst dieses Jahr doch noch nicht in die Schule!". Das kann einerseits ein Gefühl von Unzulänglichkeit vermitteln oder auch das Gefühl beim Kind verstärken, dass dieser neue Lebensabschnitt mit einer gewissen "Bedrohung" verbunden sein wird, da die Eltern selbst es auf einmal auch nicht mehr gut heißen, es "in die Schule zu schicken". Sprich', je nachdem, wie weit Ihr in der diesbezüglichen Planung/Vorbereitung seid, wäre es für Euren Sohn ggf. förderlicher, Ihr würdet den Weg auch konsequent (das geht ja in einem halben Jahr trotzdem langsam und mit dem nötigen "Fingerspitzengefühl) weiter gehen.

Möglicher Weise könnte Heilpädagogik/Ergotherapie helfen, aber das hattet Ihr vielleicht bereits?

Solltet Ihr als Eltern dennoch der Meinung sein, dass Euer Sohn eine Einschulung in diesem Jahr emotional überhaupt nicht schaffen könnte, dann besprecht das neben dem Kindergarten auf jeden Fall auch mit Eurem Kinderarzt sowie dem SPZ, falls Ihr dort aufgrund der "Frühchen-Zeit" angebunden ward/seid.

Letztlich ist kein Kind zu 100% "schulreif", ich finde diesen Begriff auch absolut antiquiert. Denn die allermeisten Kinder verfügen in dem Alter (also mit +/- 6 Jahren) über Ressourcen, die sie für die Schule gut nutzen können- und ebenso über kleinere Dinge, die dort vermeintlich erstmal "im Weg stehen" KÖNNTEN. Zu schüchtern, zu vorlaut, zu langsam, zu unruhig, zu ernst, zu verspielt, zu neugierig, zu unsicher, zu schnell, zu penibel, zu verträumt, zu fordernd, ... - was auch immer. Entscheidend ist, dass man seinem Kind zutraut, den Schul-Start gut zu schaffen.

Ja, das ist ein großer Schritt für alle Kinder, aber sie wachsen wie gesagt auch in den allermeisten Fällen daran. In den meisten Bundesländern gibt es inzwischen die Möglichkeit, die Schuleingangsphase in ein bis drei Jahren zu durchlaufen. Sprich', wenn ein Kind anfangs ein wenig länger braucht, um sich in der Schule zurecht zu finden, hat es alle Zeit der Welt, dort anzukommen. Gerade, weil die meisten Kinder inzwischen noch jung sind bei ihrer Einschulung, werden sie im Übergang gut begleitet und nach dem Schulstart adäquat "abgeholt" in den ersten Wochen/Monaten.

Ich hoffe, meine Überlegungen/Erfahrungen helfen Euch ein wenig weiter bei Eurer Entscheidung. Es ist richtig, auf das eigene Bauchgefühl als Eltern zu hören- man sollte aber auch ehrlich zu sich selbst sein, denn oft fällt Einem der große Schritt der Einschulung selbst auch ein wenig schwer, das ist völlig normal. Mir ging das weniger bei der Einschulung so, als vielmehr beim Wechsel unserer beiden älteren Kinder zur weiterführenden Schule. Beide waren noch sehr jung (da früh eingeschult) und mussten die "behütete Dorf-Grundschule" dann jeweils "mit dem Bus Richtung Großstadt verlassen", das fiel mir in den ersten Wochen richtig schwer #schein.

Letztlich kann beides Vor- und Nachteile haben, potentielle Langeweile im zusätzlichen Kindergarten-Jahr wäre aber wohl das geringste Übel.

Viele Grüße & alles Gute für Eure Entscheidungsfindung!