Probleme beim Schreiben lernen 1. Klasse

Unsere Tochter ist letztes Jahr mit 5 eingeschult worden (Stichtag in NRW ist der 30.9, sie ist 3 Tage vorher 6 geworden. Eine Rückstellung ist hier bei einem gesunden Kind quasi unmöglich).
Kognitiv kommt sie gut mit, rechnen und lesen klappt wirklich gut. Was aber ein riesen Problem ist, ist das Schreiben. Das hätte ich nie erwartet, sie hat schon immer gerne gemalt und gebastelt, die richtige Stifthaltung hat sie ebenfalls schon sehr lange (laut den Erzieherinnen im Kindergarten). Sie konnte mit gerade 4 ihren Namen und Wörter wie Mama, Papa etc schreiben.
Aber jetzt wo es um große und kleine Buchstaben geht und auch etwas Zwang dahinter ist, funktioniert gar nichts mehr. Zahlen und Buchstaben sind oft spiegelverkehrt. Sie tut sich unheimlich schwer, auch nur eine einzige Zeile zu schreiben. Sie kann schlecht die Linie halten und manche Buchstaben kann man kaum erkennen. Matheaufgaben löst sie problemlos im Kopf, aber das Ergebnis aufzuschreiben ist ein einziger Kampf. Sie schafft es nicht, sich auf das Schreiben zu konzentrieren. Alles ist interessanter und es kann locker eine Stunde dauern, ein halbes Arbeitsblatt auszufüllen. Die Lösung weiß sie, aber sie schafft es nicht, diese aufzuschreiben. Dabei kann sie grundsätzlich alle Buchstaben. Wenn sie wirklich will, kann sie kurzzeitig schön und ordentlich schreiben. Aber das scheint sie unheimlich anzustrengen.
Wir versuchen, keinen Druck zu erzeugen. Bei Gelegenheit spielerisch zu üben. Sie hat diese Schreibpilot Hefte, wo Buchstaben und Zahlen vorgestanzt sind. Die Lehrerin ist noch einigermaßen entspannt und schiebt die Probleme auf das Alter. Sie meint, das verwächst sich noch. Die Lehrerin streicht jetzt bestimmte Aufgaben für sie und lässt sie den Rest mündlich machen , damit sie überhaupt die Chance hat, fertig zu werden.

Körperliche Ursachen lassen wir gerade abklären. Einen Augenarzt Termin haben wir aber erst in 3 Monaten. Der Kinderarzt empfiehlt auch nur einen Augenarztbesuch und schiebt es ansonsten ebenfalls aufs Alter.

Ich frage mich aber, ob ich nicht doch mehr Druck machen müsste und sie jeden Tag zwingen müsste, zu üben. Auch wenn das nur mit Zwang und Tränen funktioniert.
Außerdem mache ich mir Sorgen, dass was größeres dahinter stecken könnte, sowas wie ADS, da sie auch oft verträumt ist. Auf der einen Seite will ich meinem Kind nicht vermitteln, dass irgendwas nicht stimmt mit ihr und solange zu verschiedenen Ärzten rennen, bis jemand etwas findet. Auf der anderen Seite habe ich angst, vielleicht etwas zu übersehen, wenn wir jetzt einfach abwarten.
Hat jemand ähnliche Probleme mit seinem Kind?

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Hey,

Ich kann deine Sorgen voll verstehen. Natürlich ist es auch anstrengend. Aber ich muss auch sagen, dass die Kinder durch die ganzen Lockdowns und so viel unterrichtszeit verpasst haben die eigentlich sehr wichtig gewesen wäre. Gerade auch in der 1. Klasse. Ich merke es bei meinem Sohn. Er geht zwar schon in die 4. Klasse schreibt Satzanfänge aber immernoch klein. Jetzt erst klappt es so langsam das er es in seinem Kopf bekommen hat.

Ich würde immer spielerisch üben. Lass Sie Einkaufzettel schreiben ( Du kannst die Wörter ja buchstabieren und wenn sie was nicht weiß kannst ja du helfen) und für die Zahlen die Anzahl dahinter von den versch. Artikeln, schreibe gemeinsam mit ihr kleine Texte ab.
Auch lesen hilft da die Kinder so die Buchstaben sehen.


Ich habe mit meinem Sohn so die Rechtschreibung gelernt. Und es hat super funktioniert.

Ich hoffe ich konnte dir kleine Tipps geben. Manche Kinder brauchen manchmal etwas länger und das ist gar nicht schlimm. Aber Druck würde ich hier keinen machen denn sie macht ja es nicht aus böser Absicht. Ich denke spielerisch lernen bringt hier mehr


LG und viel Glück 🍀

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wie gut ist dein Kind wenn es ums Balncieren geht?
Ich würde es mit èbungen aus der kinesiologie versuchen udn Schwungübungen mit den Armen machen.
Sieht sie gut?

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Hi,

das mit dem Spiegelverkehrten ist ganz normal und haben viele Kinder. Haben meine beiden auch gemacht. Spätestens mit der Schreibschrift hört das auf, da da ja in einem Zug durchgeschrieben wird. Da würde ich noch keine Panik schieben.

Augenarzt ist ein gute Idee. Wegen der Konzentration könnte man noch Ergotherapie machen. Es muss ja nicht gleich ADS sein, wenn sie nur etwas verträumt ist. Sie ist ja noch jung, da ist der Vogel vorm Fenster wesentlich interessanter.

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Ich würde da schon dem Lehrergefühl folgen.

Ich habe im Homeschooling (1. Klasse) mich immer wieder erwischt, dass mein Anspruch viel zu hoch war. Mir kam gar nicht in den Kopf wie anstrengend das Schreiben ist.
Seitens der Schule wurde mir immer gesagt mein Kind gehöre zu den guten bis sehr guten Schülern, angeblich sogar mit Ehrgeiz - davon merke ich bei der kleinsten Aufgabe zu Hause gar nichts.

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Klingt nach ganz normalem Theater in der ersten Klasse. - Da lagen meine zwei auch öfter mal jaulend unter dem Tisch oder sie haben für ganze 3 Zeilen eine Stunde gebraucht. --- das ist normal. Meine Tochter hat am 13.9. Geburtstag, war also auch ganz frisch 6. -- da war schon etwas mehr Begleitung und Motivation nötig als beim großen Bruder, der im Mai Geburtstag hat, aber auch er hatte im ersten Jahr Eingewöhnungssschwierigkeiten.

Bei jüngeren Kindern ist das zwar anstrengender aber ist eigentlich bei ganz vielen ERstklässlern so. Das ist ganz normal leider --
Versuche einfach die Laune hoch zu halten und zu motivieren, -- Aufgaben aufzuteilen.
Bei uns hat "Handeln" immer gut geholfen. Es wurde beim MIttagessen gefragt, WANN die Hausaufgaben dran sind und wenn es mal kurz vor dem Abendessen war, dann war es auch okay... und wenn man zu ner Freundin wollte, dann eben sofort. -- aber das Gefühl, die Kinder hätten es in der Hand, statt "Mama sagt, -und ich muss" ... hat viel Motivation gebracht.
Natürlich konnte ich dann immer sagen: hey: DUUUUU wolltest um fünf Uhr machen, -- also halte Dich auch dran und mach jetzt fix ... hättest du gesagt, "nach dem Essen", wärst du jetzt schon fertig...." -- nach ein paar Wochen haben sie ihre eigene Taktik entwickelt. -- Funktioniert beim Lernen auf ARbeiten übrigens bis heute (6+8 Klasse). -- Vorher Plan auf Zeit machen + einhalten.

wenn Motorisch alles okay ist, dann wird es einfach eine Masche sein, --- versucht mit guter Laune da durchzukommen, auch wenn es Dir schwer fällt.... sonst werden die Blockaden nur noch schlimmer.
Druck kannst Du für Dich mit Plan im Hinterkopf zwar machen, - aber versuche alles, durch Handelsgeschäfte oder guter Laune und lustigen Dingen die Motivation beizubehalten. Negativer Druck wird nur Gegendruck erzeugen.

Dass so kleine 6.-J.Kinder oft noch verträumt sind ist zu einem gewissen Maß norman. Auch dass sie das Schulpensum noch nicht so ganz schaffen. Das Problem ist das Schulpensum und teilweise straffe Lehrpläne ... -- da muss man auch erstmal ankommen dürfen...

Von "Aufgaben streichen" halte ich aber wenig. -- Aber aufschieben aufs Wochenende, wenn man mal am Tag nicht das ganze Programm schafft, halte ich für nötig, auch wegen der Fehlenden Übung. -- Da ist "Streichen" nicht der richtige Ansatz finde ich. -- Die Motivation, wenn man alles schafft und somit am Wochenende nicht nacharbeiten muss, ist dafür umso höher... --
ich würde eher das normale Schulpogramm komplett durchziehen, als irgendwelche Übe-Hefte zusätzlich zu machen. -- bleib einfach beim Schulprogramm und den Schulheften, -- diese dafür eben vollständig.

und sonst: --- abwarten... in einem halben Jahr passiert ganz viel .... und wenn mal alle Buchstaben da sind und man auch schreiben kann, was man will, wirds einfacher (oder falls ihr dieses System habt, wo man sofort alle Buchstaben mit Tabelle lernt, dann ist anfangs VIEL Frust und Überforderung ein Thema).

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Hast du es schon mit Schwungübungen versucht?
Gibt ja superviele tolle Hefte mit Schwungübungen.
Die haben meiner Tochter viel geholfen.
Ansonsten würde ich dem Kind wirklich noch Zeit geben, die Lehrerin scheint sich ja tatsächlich auch zu bemühen.
Bei meiner Tochter hab ich zu Anfang der 1.Klasse festgestellt, dass ihre Stifthaltung nicht ganz richtig ist (Daumen über dem Zeigefinger und nicht am Stift - schwer zu erklären). Ich hab sie von Anfang an der 1.Klasse immer mal wieder Worte extra schreiben lassen und immer wieder die Stifthaltung korrigiert (da gabs halt dann die ein oder andre Diskussion#schwitz). Mittlerweile (2.Klasse) hält sie den Stift richtig (manchmal noch etwas zu weit unten) und schreibt auch sehr schön. Wenn sie einfach so mal was für sich schreibt, hält sie den Stift noch manchmal "falsch" und das sieht dann halt schon sehr hingeschlampt und unordentlich aus. Die Lehrer in der Schule achten nämlich auch gar nicht so auf die Stifthaltung leider. Eingeschult wurde sie übrigens mit 6 1/4 Jahren.

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Prinzipiell würde ich sagen: Übung macht den Meister. Jeden Tag 10 Minuten Schwungübungen bis es flüssiger wird. Da gibt es so Hefte.

Überprüfen würde ich auch unbedingt die Augen, so richtig beim Augenarzt. Weitsichtige Kinder können z.B. die kleinste Ameise irgendwo paar Meter weg orten, aber sehen nicht gut, was auf ihrem Blatt passiert. Das fällt oft vorher nicht auf. Die Kinderarzt-Augenuntersuchungen sind oft auch sehr ungenau.

Dann würde ich schauen mit was sie schreibt. Müssen sie direkt mit Füller schreiben? Vielleicht kannst du mit der Lehrerin reden, ob fürs erste nicht ein Schreiblernstift reicht. Oder lass sie andere Füller ausprobieren. Manche schreiben sich wirklich leichter und besser als andere. Vielleicht sind auch Tintenroller eine Lösung.

Hast du sie mal probieren lassen ob sie mit der anderen Hand besser schreiben kann? Es gibt auch Beidhändigkeit, dass das Kind z.B. fast alles mit einer Hand macht aber bestimmte Dinge besser mit der anderen. Mein eines Kind schreibt am liebsten mit rechts, wobei links auch nicht sooo schlecht läuft, kann aber mit links am besten mit Besteck umgehen und zeichnet mit beiden.

Spiegelschrift ist ganz normal in dem Alter. Korrektur ja, aber kein Drama drum. Das gibt sich wirklich von selbst im Laufe der Zeit.

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Frag doch mal an der Schule nach der : sozialpädagogischen Fachkraft in der Schuleingangsphase. Wenn die nicht erst seid letztem Jahr dabei ist, kann sie dir sicher weiterhelfen.

Mein erster Gedanke war auch Augenarzt und dann in Kombi mit Ergotherapie.