Update: Belästigung in der Schule

Hallo ihr Lieben!
Ich möchte euch ein kurzes Update zu meinen Thread etwas weiter unten geben.
War ja heute beim Klassenvorstand (=Hauptansprechlehrer für die Klasse meines Sohnes) und der war wirklich schockiert über meinen Bericht. Es sind ihm anscheinend seit dem neuen Schuljahr schon mehrere Beschwerden über betreffenden Jungen zugetragen worden, er hat auch schon mit ihm - und auch der Klasse gesprochen, es ging dabei aber über allgemeine Dinge wie Schimpfwörter, Schlagen, und ähnliches. Das es auch zu sexuellen Belästigungen kommt, davon hörte er von mir das erste Mal. Ich glaub ihm das auch - er wirkte wirklich betroffen.
Da mir von euch jemand dazu geraten hat, alles aufzuschreiben, habe ich ein sehr genaues Gedächtnisprotokoll erfasst (alles was mir mein Sohn erzählt hat, was mir die Eltern von anderen Jungen berichteten, was ich meinem Sohn geraten habe, was meine Überlegungen sind und detailliert die Übergriffe der letzten Tage).
Der Lehrer fand das super, so hat die Schule etwas schriftliches in der Hand. Damit wollte er gleich nach dem Gespräch zur Direktorin gehen, um die weiteren Schritte zu besprechen.
Es werden auf alle Fälle die Eltern des Jungen zu einem Gespräch in die Schule beordert, es wird mit dem Jungen alleine und mit der gesamten Klasse gesprochen - er ist noch am überlegen, wie er das am Besten machen soll, weil ja offensichtlich die Kinder Angst vor dem Jungen haben und sich nichts sagen trauen, wenn er dabei ist.
Sollte das alles nichts bringen, und es weiter zu Übergriffen kommen, läuft es wohl darauf hinaus, dass er einen Schulverweis bekommt.
Mir hat er gesagt, dass ich weiterhin alles aufschreiben und mich sofort melden soll, sollte mein Sohn belästigt werden.
Mein Sohn erzählte mir, dass der Klassenvorstand sich heute den Jungen schon aus der Klasse gefischt hatte, dieser kam danach weinend zurück. Hat sich aber später dann schon wieder auf läppische Art darüber lustig gemacht. Den genauen Wortlaut weiß ich jetzt nicht mehr, aber anscheinend wurde ihm mit Schulverweis gedroht, wenn er so weitermacht.
Alles in allem habe ich ein gutes Gefühl und denke/hoffe dass die Schule da jetzt dahinter ist. Werde jetzt mal abwarten und jegliche kleinste Belästigung weiterleiten.
Vielen Dank nochmal an Alle die mir geholfen haben!
lg minitouch

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Hallo,

ich verstehe, dass es für gut befunden wird, dass der Lehrer gleich mit dem Schüler gesprochen hat usw. Und es steht natürlcih der Schutz der Kinder ganz vorne.

Ich möchte, und das im Blick zu haben ist nicht dein Part, aber ich möchte diesen Blick gerne in den Thread und die Köpfe bringen. Einfach um zu sensibilisieren, wie komplex das Thema ist und wie verzwickt...

Täter, grad Kinder, sind oftmals Opfer. Wenn ein Kind sich in so auffällig verhält muss man ( nicht du, aber ich finde die Lehrer) sich fragen "was ist da los?".
Auf der einien Seite steht der Schutz der anderen Kinder, auf der anderen Seite die Frage "wie gehe ich gut damit um? Wie rede ich mit dem Kind, wie trete ich an die Familie heran?" Gerade bei sex, Missbrauch wird eine Konfrontation der Eltern mit der Thematik (also entweder "wird haben Anzeichen, dass ihr Kind missbraucht wird", oder auch nur "ihr Kind ist sexuell Auffällig, wir müssen reden, es ist publik") als kritisch angesehen und sollte daher mit Fachpersonal vorbesprochen sein.

Es sollten alle Beobachtungen zuasmmengetragen und eingeschätzt werden. Lehrer haben z.B. Anspruch auf eine anonyme Gefährdungseinschätzung durch eine insoweit erfahrende Fachkraft. Das ist quasi ein zwischenschritt, bevor man ans Jugendamt herantritt. Da könnten Gefährungspunkte gesammelt und eingeschätzt werden. Wenn da dann rauskommt "hmm...viele Auffälligkeiten...es wirkt als wäre da was in der Familie nicht in Ordnung"..dann und bestenfalls auch so, mit einer spezellen Beratungsstelle sprechen...und fragen "wie ziehe ich das Gespräch auf?" "mit wem und in welcher Reihenfolge und über was spreche ich?".

Das mit dem Kind gesprochen und ihm gedroht wird...ja verständlich. Aber, stelle ich mir vor, dass dieses Kind zu Hause, oder außerhalb selbst Missbrauch erfährt und das ein Ausdruck seiner traumatischen Erfahrungen ist....hmm....das wäre echt hart. Ich finde der Lehrer hätte hier nicht so schnell handeln, sondern nachdenken, seine BEratugsmöglichkeiten in Anspruch nahmen sollen (man muss auf diese Beratung nicht lage warten, das sind ja Krisengespräche, es ist eigentlich sichergestellt (soll sein), dass man am selben oder nächsten Tag zumindest eine telefonische Fallbesprechung bekommt).
ja uch auch die Konfrontation mit den Eltern müsste finde ich gut überlegt sein...

Dass die andere Kinder sofort geschützt werden müssen versteht sich von selbst. Und euer handeln, das handeln der Eltern, ist nachvollziehbar und richtig.

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Da stimme ich dir zu. Als Lehrerin wäre ich zuerst zum Abteilungsleiter/zur Schulleitung und zur Schulsozialarbeit gegangen. Wir haben in den Reihen des Jugendamtes eine Ansprechperson, die uns Feedback zu Verdachtsfällen der Kindeswohlgefährdung gibt.

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Ich würde auch vermuten, dass der Junge selbsterlebten sexuellen Missbrauch verarbeitet.

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Hey!

Das klingt schonmal gut.
Ich würde an deiner Stelle noch ein Mitglied der Schulleitung in den Gesprächen mit ins Boot holen.
Zumindest in Deutschland ist es aber so, dass Androhungen des Verweises von der Schule durch den Klassenlehrer wirkungslos sind. Diese Androhung muss im Rahmen einer Teilkonferenz durch ein Mitglied der Schulleitung erfolgen.

Ich würde an deiner Stelle wie ein Schießhund aufpassen, dass nach diesem Verhalten mehr passiert als "Dutschi Dutschi". Das Gespräch des Lehrers mit dem Schüler heute war Dutschi Dutschi.
Gibt es bei euch in den Klassen eine Klassenpflegschaft? Dem Vorsitzenden würde ich die Protokolle auch zukommen lassen.


Liebe Grüße
Schoko

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Hallo!
Ich weiß leider nicht was eine Klassenpflegeschaft ist, werd jetzt aber erstmal die Schule machen lassen. Ich hatte erst den Lehrer gebeten mich am Laufenden zu halten, dann aber gesagt, dass ich eigentlich nur möchte, dass diese Übergriffe aufhören und dass allen Kindern - auch dem Übergriffigen - geholfen wird.
Vielen lieben Dank für deine Einschätzung!!
lg minitouch

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Lieben Dank für dein Update-- ich finde es gut, dass der Lehrer auch Handlungsbedarf sieht und es nicht einfach abgetan hat-- gibt es ja leider auch immer wieder.
Wenn die Schule Psychlogen an Board hat ist das schon mal super.

Ich würde jetzt auch erstmal abwarten, was du für eine Rückmeldung von ihm bekommst--und halt weiterhin aufschreiben..

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Hallo!
Danke auch dir für dein Feedback, lg minitouch

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Ich habe deinen Ursprungs-Beitrag gelesen und war echt schockiert! Dass Kinder von ihren Mitschülern so belästigt werden geht gar nicht! Aber gleichzeitig dachte ich mir: WARUM macht ein Junge von 11 Jahren sowas??? Und anscheinend ja nicht nur einmal sondern mehrmals bzw. so oft???

Natürlich muss so ein Verhalten Konsequenzen haben und ich finde es gut, dass der Klassenleiter mit dem Schüler mal Tacheles geredet hat, man nun hoffentlich verstärkt ein Auge darauf hat und ggf. im Wiederholungsfall härtere Maßnahmen ergreift. Dennoch hoffe ich, dass es nicht nur dabei bleibt sondern man auch über den Tellerrand hinausschaut und hinterfragt woher dieses Verhalten kommt. Denn für einen 11jährigen Jungen finde ich das keineswegs normal, andere derart zu berühren - schon gar nicht mehrmals! Dass mal Sprüche geklopft werden - ja, aber mehrmaliges Anfassen von mehreren (!) Mitschülern ist da schon eine ganz andere Hausnummer. Ich wage jetzt einfach mal zu behaupten, dass der Junge nicht von alleine auf so ein Verhalten gekommen ist sondern womöglich sogar dieses Verhalten selbst erlebt hat oder sogar noch erlebt! Deshalb sollte man nicht nur dafür sorgen, dass die Mitschüler verschont bleiben, auch mal einen Blick auf den Jungen und dessen Familie werfen, ggf. unter Einbeziehung des Jugendamtes und eines Kinderpsychologen (die da ja entsprechend feinfühlig mit den Kindern sprechen und einiges ans Tageslicht bringen können).