Neunjährige möchte nicht mehr in die Schule gehen, weil zu früh und zu laut

Hallo zusammen,
ich weiß gerade nicht so genau, was die beste Strategie wäre und würde deshalb gerne einfach eure Meinungen, Erfahrungen, Ideen... hören :-)

Meine neunjährige Tochter ist, wie meine anderen Kinder auch, ein eindeutiges "Eulen-Kind". Sie kann abends problemlos bis 23 Uhr aufbleiben, morgends früh aufzustehen fällt ihr dagegen schwer. Bei uns ist normalerweise 20.15 Uhr Zähneputzen, 20.30 Uhr im Bett und 21 Uhr Licht aus. Ihr fällt es allerdings schwer, um 6:30 Uhr aufzustehen. Ich muss dann mehrfach zu ihr ins Zimmer kommen und sie daran erinnern, dass gleich der Schulbus fährt (um 7:04 Uhr müssen die Kinder aus dem Haus zum Bus). Sie findet es fürchterlich unfair, dass der Schulbus bei uns schon so früh fährt, da die Schule auch schon um 7:45 Uhr beginnt. Zudem beschwert sie sich immer öfter, dass es ihr in der Klasse zu laut ist.
Ihre Lehrerin hat das im letzten Elterngespräch auch bestätigt: die Klasse ist definitiv sehr laut, meine Tochter gehört zu den ruhigen und vernünftigen Kindern, die dann darunter leiden müssen.

Die beiden Probleme, zu früh zum Aufstehen und Klasse zu laut, führen in letzter Zeit immer öfter dazu, dass sie morgens gar nicht in die Schule will, obwohl sie eigentlich eine gute Schülerin ist und mit den Lehrern gut zurecht kommt. Sie hat auch viele Freunde in der Klasse und in der Schule, Mobbing ist auch kein Thema. Ich habe allerdings fast jeden Morgen die Diskussion mit ihr, dass sie nicht in die Schule möchte und sie regelrecht ausrastet, also rumbrüllt und Sachen durch die Gegend wirft. Ich reagiere ruhig und sachlich, weiß mittlerweile aber auch nicht, was ich ihr noch anbieten könnte. Die Parallel-Klasse ist wohl genauso laut und die Lehrerin konnte auch keine wirkliche Lösung anbieten, wie man mehr Ruhe in die Klasse bekommt. Sie ist eine erfahrene Lehrerin und ich halte sie durchaus für kompetent, aber sie sagt selber, dass sie hier nicht mehr weiter weiß. Meine Tochter geht in die dritte Klasse. Sie ist dadurch, dass sie kurz nach dem Stichtag Geburtstag hat und in der Klasse viele Kann-Kinder sind, fast das älteste Kind in der Klasse und viele sind ein Jahr oder mehr jünger. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, noch einen Schulwechsel zur vierten Klasse zu versuchen, wenn zur fünften Klasse dann schon wieder ein Wechseln ansteht. Zudem gibt es ja auch keine Garantie, dass die neue Klasse dann ruhiger ist.

Ich denke, dass ihr das frühe Aufstehen grundsätzlich nicht leicht fällt, aber dass der eigentliche Grund für die Schul-Abneigung eher darin liegt, dass sie sich von der Lautstärke in der Klasse extrem gestresst fühlt und sie sich hier auch nicht mehr zu helfen weiß. Was würdet ihr mir raten? Hat vielleicht jemand eine ähnliche Situation zuhause? Wie habt ihr die gelöst? Danke für jeglichen Beitrag :-)

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Hallo,
hast du schonmal drüber nachgedacht das deine Tochter zu wenig schlaf hat und deswegen gereizt ist? 21 Uhr ist meiner Meinung nach definitiv zu spät. Meine Tochter, auch 9 Jahre,geht um 20 Uhr ins Bett und steht um 6.30 auf.
Ausraster am morgen würde ich mir von einer 9 jährigen auch nicht mehr gefallen lassen. Sie ist kein Kleinkind mehr das sich nicht regulieren kann. Außerdem würde ich sie früher wecken. 30 Minuten halte ich für sehr knapp. Vielleicht ist sie etwas entspannter wenn morgens nicht gleich Stress ist.
Ich würde an deiner Stelle erstmal die Schlafenzeiten anpassen bevor ich über einen Schulwechsel nachdenke.
Selbst wenn die Klasse laut ist. Das kann jede andere Klasse auch sein.
Ja die anderen Kinder sollten lernen sich leiser zu verhalten. Aber das liegt nicht in deiner Hand.

Bearbeitet von storch19
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Schlafenszeit kriegen wir leider kaum früher hin. Wenn sie um 20 Uhr oder um 20.30 Uhr ins Bett geht, dann kommt sie x-mal aus wieder raus und beschwert sich, dass sie noch nicht schlafen kann oder liest eben noch Bücher im Bett. Wir haben wirklich viel probiert, alle möglichen Abend-Abläufe, aber von der Veranlagung her sind meine Kinder wohl, wie mein Mann, Nacht-Eulen. Selbst im Kleinkindalter ist keins freiwillig vor 8 Uhr wach geworden, egal, wann sie im Bett waren ;-) Leider passt so ein Rythmus nicht zum deutschen Schulsystem.
Wenn ich sie um 6:30 Uhr wecke bleibt sie trotz mehrfacher Aufforderung aufzustehen meist bis 06:50 Uhr im Bett. Erst wenn es nicht mehr anders geht springt sie schnell in die Klamotten, schnappt sich Schultasche und ein Brot und rennt zum Bus. Daran ändert sich auch nichts, wenn ich sie früher wecke, hatte ich auch schon ausprobiert. #kratz

Bearbeitet von juppi-x
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Ich würde trotzdem dort absetzen. Sie wird nicht später aufstehen können. Das ist nicht zu ändern. Meine Tochter würde auch locker bis 22 Uhr aufbleiben wenn ich's erlauben würde.
Das aus dem Zimmer kommen und beschweren würde ich nicht durchgehen lassen. Es ist Schlafenszeit, Punkt. Vielleicht legst du dich für einen Moment dazu? Natürlich kann man niemanden zum schlafen zwingen. Aber das frühe aufstehen kannst du nicht ändern. Das ins Bett gehen schon.
Und wenn mein Kind erst 10 Minuten vor Abfahrt aufstehen würde, ja dann wäre es auch eine laufende Bombe. Da musst du wirklich konsequenter durchgreifen.

Bearbeitet von storch19
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Ich persönlich kenne das sehr gut aus meiner eigenen Schulzeit. Früh aufstehen (erst um 06:45 aus dem Haus, später auf der weiterführenden um 05:45) ist und bleibt für mich absoluter Folter.
Und ja, diese Brüllaffen die so rumschreien in der Klasse sind auch einfach nur anstrengend. Lösung haben wir damals keine gefunden und mir fällt leider auch keine ein. Schule beginnt halt wenn die Schule beginnt und wenn die Kinder laut sind und nicht durch die Lehrer gebändigt werden dann sind sie eben laut.

Ich würde einfach das Thema Lautstärke ansprechen regelmäßig, etwa bei Elternabende usw., die Lehrer weiter darauf ansprechen ob man die Störer nicht bändigen könnte - aber letztendlich heißt es wohl Augen (und Ohren) zu und durch, mit viel Disziplin und Leidensfähigkeit. Leider.

Bearbeitet von MertE
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Zwei Ansätze:
1. Austehen: Eule hin oder her, selbst meine Frühaufsteherin ist ein absoluter Morgenmuffel....30 Minuten vom wecken bis zum Haus verlassen und ich könnte einen Exorzisten bestellen. Kenne das aber von mir selber. Versuche mal sie 30 Minuten früher zu wecken. Einmal wecken, noch 10 Minuten dösen, beim zweiten Mal muß sie aufstehen darf sich aber gerne auf dem Sofa einkuscheln (ja, hier löuft dann der Fernseher)....nach ca 20 Minuten kann sie dann was essen und wird langsam munter. Dann kann sie sich auch fertig machen, aber bloß keinen Streß aufkommen lassen. Der Ablauf ist immer derselbe, die Sachen liegen immer am selben Ort, Tasche ist fertig....ich bin mir sicher, das sie an der Bushaltestelle erst richtig munter wird.

2. Lautstärke: Sprich mal den Kinderarzt an, wir haben das auch und er hat sie zum Pädaudiologen geschickt. Schlußendlich kam raus, das sie keine Wahrnehmungsstörung hat, aber es ihr unsagbar schwer fällt, sich bei solcher Lautstärke zu konzentrieren. Sie geht jetzt zur Ergotherapie, denn das ist ein Problem, wo sie lernen muß dauerhaft mit umzugehen.

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Hallo,

eine halbe Stunde ehr aufzustehen bevor der Bus fährt, finde ich schon sehr sportlich. Frühstückt ihr morgens nicht?

Mein Sohn steht 5:30 auf, 6:20 müssen wir los. Er braucht immer ein bissl bis er wach wird, steht aber problemlos auf und geht ins Bad. Im Wohnzimmer wartet dann schon sein Frühstück und sein Tee auf ihn, dabei darf er noch ein bissl Fernsehen gucken. Hunde füttern, Zähneputzen, Ranzen schnappen und schon müssen wir los. In 30 Minuten würde er das nie schaffen.

Mein Sohn ist leider auch sehr gestresst von der Lautstärke in seiner Klasse. Er darf Kopfhörer aufsetzen. Vielleicht wäre das für euch auch eine Option.

LG

Bearbeitet von asl80
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Habe ich in der Schule immer so gemacht und meine Kinder jetzt auch.
Frühstück bedeutet eine kleine Schüssel Müsli, dafür braucht man 5-10 Minuten. Ist ja kein Brunch bei dem noch ein frisches Spiegelei gebraten und verschiedene Obstsorten aufgeschnitten werden...

10 Minuten anziehen und Zähne putzen, 10 Minuten frühstücken und 10 Minuten übrig fürs aufbrechen. Wir fahren nicht Bus, aber ich gehe mal davon aus dass der nicht 20 Minuten entfernt losfährt.

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Nur weil du das früher schon so gemacht hast, heißt es nicht, dass es bei deinem Kind auch klappt.

Sieht man ja, sie wird nicht wach und 30 min scheinen ihr einfach nicht zu reichen.

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Es gibt doch diese Kopfhörer für Kinder, die man bei lauten Veranstaltungen anzieht. Vielleicht mal damit probieren?

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Erstmal würde ich das Theater früh sein lassen mit dem „mehrmals ins Zimmer kommen“. Da gibt es bei mir eine klare Regel: Wer früh nicht aus dem Bett kommt, geht abends eher ins Bett. Das geht in 10-Minuten-Schritten. Und ganz schnell hat das Kind gelernt, dass man hier beim 2. Wecken aufzustehen hat.
Übrigens würde ich auch am Wochenende nicht erlauben, dass das Kind bis 23:00 Uhr munter bleiben darf. Der Wochenstart wird umso qualvoller. In den längeren Ferien ist das etwas anderes. Aber hier unbedingt wenigstens am letzten Wochenende in den Ferien wieder auf Schulzeiten „umstellen“.

Dann finde ich die Aufstehzeit bei euch nicht optimal. Wer 7:04 Uhr das Haus verlässt, kann nicht erst 6:30 Uhr geweckt werden. Und offensichtlich steht deine Tochter dann ja noch nicht einmal auf. Dein Kind hat keinen vernünftigen Tagesbeginn. Sie hetzt nur. Meine Kinder stehen auch 6:30 Uhr bzw. 6:45 Uhr auf. Aber die Beiden verlassen das Haus erst 7:50 Uhr. Meine Jungs würden durchdrehen bei so einem Tagesbeginn. Sie brauchen früh ihre Ruhe. Dazu gehört für meinen Ältesten eine Dusche und bei meinem Jüngsten ein gaaanz langsames Aufsteh-Ritual. Danach sind Beide fit für das Frühstück und danach kann der Schultag beginnen.
Vielleicht braucht dein Kind früh einfach nur mehr Zeit, statt mehr Schlaf.

In der Grundschule war es auch für meine Jungs immer schwer wegen der Lautstärke. Sie hatten daher Lärmschutzkopfhörer.

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"Wer 7:04 Uhr das Haus verlässt, kann nicht erst 6:30 Uhr geweckt werden."

Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Meinem Sohn reicht ne halbe Stunde morgens locker, meine Tochter (sie ist 13 und stellt sich seit der 6. Klasse den Wecker selbst) braucht 45 Minuten (inkl. Schminken ;-)). Gefrühstückt wird allerdings erst in der Schule, die beiden kriegen so früh noch keinen Bissen herunter und trinken daher nur etwas.

LG

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Genauso. Hier klappt es mit dieser halben Stunde am besten seit Kindergartenzeiten. Eben weil da keine Zeit zum trödeln gibt.
Hier funktioniert das schon immer herrvorragend so.

Bearbeitet von asturiana
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Bist du sicher das der Schlaf reicht? Wir haben ein Pflegekind (auch 9), und für ihn ist um 19 Uhr das Licht aus wenn es am nächsten Tag in die Schule geht. Wegen der WM wird es aktuell deutlich später, aber das ist dann auch die Ausnahme. Gerade morgens ist er dann gerne mal launisch, was wir alle zu spüren bekommen.
Ich würde auch die Klassenlehrerin auf das Problem ansprechen. Vielleicht geht es anderen aus der Klasse genau so? Ansonsten finde ich den Vorschlag mit den Kopfhörern nicht schlecht.

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Lautstärke in der Klasse war auch das Problem meiner Tochter.
Ich habe ihr dann den fettesten Kapselgehörschutz gekauft, den es gibt.
Mit der Lehrerin gesprochen, dass sie ihn aufsetzen darf in der Arbeitsphase. Und von Stund an, ging es besser.

Kauf nicht diese üpsigen Dinger für SuS, sondern die für den Presslufthammerführer.
https://www.testberichte.de/p/3m-tests/peltor-x5a-testbericht.html

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Mein Kind, auch 3. Klasse und auch Schulbeginn 07.45 Uhr, geht ähnlich schlafen wie dein Kind. Aber ich achte drauf, dass er spätestens um 20.15 Uhr um Bett liegt und liest. Das macht nämlich müde und wir schaffen es meist, dass um 20.45 Uhr das Kind auch schläft (außer Sonntag Abend, da ist der Rhythmus im Eimer).
Terz morgens würde ich auch nicht dulden. Schule ist Pflicht. Punkt. Vielleicht hilft es, wenn dein Kind früher aufsteht. Ich wecke meist das erste Mal gegen 06.10 Uhr und dann nochmal, wenn ich geduscht bin, dann bleib ich aber dabei bis Sohnemann aus dem Bett ist. Er muss 07.10 Uhr los.

Mich selbst stressen laute Hintergrundgeräusche auch sehr. Ich vermute bei mir da schon Tendenzen zur Hochsensibilität. (Kann aber auch sein, dass mein Gehör nachlässt, denn es wird immer schlimmer, dass ich Geräusche nicht mehr filtern kann.) Vielleicht kann dein Kind ab und an mit geräuschhemmenden Kopfhörern arbeiten? Da würde ich mit dem Kind und der Lehrerin sprechen. Und es auch durchaus beim Kinderarzt mal ansprechen, wenn ihr mal da seid.