Gewerkschaft der ... macht mobil

    • (1) 03.08.11 - 15:03

      Das "..." könnt ihr nach Herzenslust ergänzen.

      Durch relativ kleine Berufsgruppen, die sich für unentbehrlich halten und betonen, welche Superverantwortung sie tragen.

      Lokomotivführer, die derzeit die diversen Konkurrenten der DB AG bestreiken. Vor ca. 4 Jahren haben sie genau diese DB AG mit einer 31%-Forderung überfallen.

      Fluglotsen, mit einem Durchschnittsgehalt von 10.000 € wollen jetzt, wo ganz Deutschland Schulferien hat, ihr Durchschnittsgehalt auf 11.000 € erhöhen.

      Wer kommt dann?

      Gewerkschaft der Narkoseärzte?
      Gewerkschaft der Ampelbediener?
      Gewerkschaft der Wasserversorger?

      Soll jetzt jede kleine Spartengewerkschaft mit absurden Forderungen das öffentliche Leben lahmlegen dürfen?

      Oder wird vielleicht doch das Streikrecht in erpresserischer Weise missbraucht?

      >... die sich für unentbehrlich halten... <

      So falsch scheinen die Fluglotsen dann damit ja nicht zu liegen, sonst würdest du darüber ja keine Stresspickel bekommen.

      Ansonsten hast du natürlich vollkommen recht, man sollte das Streikrecht auf Gewerkschaften mit mindestens 4 Millionen Mitgliedern beschränken und dann auch nur gewähren, wenn ein Streik zuvor von Bundestag, Bundesrat und durch eine Volksbefragung genehmigt wurde.
      Ach, ich vergaß, ein eigenes Streikrecht existiert ja in Deutschland gar nicht...

      • > So falsch scheinen die Fluglotsen dann damit ja nicht zu liegen, sonst würdest du darüber ja keine Stresspickel bekommen.

        Gegen die Stresspickel hilft

        a) dass ich mit dem Auto im Urlaub bin

        b) dass ich auf die Geiselnahme der Lokomotivführer mit der Anschaffung eines Zweitwagens reagiert habe - die können sich meinetwegen um ihren Job streiken. Und wenn ich erfahre, dass deren Streik von ver.di mit 0,01 € unterstützt wurde, kann sich ver.di meinen Mitgliedsbeitrag zukünftig von der Backe putzen.

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streikdrohung-zur-urlaubszeit-warum-die-fluglotsen-nicht-unverschaemt-sind-1.1127446

    Streikrecht ist ein Grundrecht. Ob nun von einer großen Gewerkschaft oder einer Minigewerkschaft organisiert.

    • Die Fluglotsen fliegen die Menschen zunächst mal in ihre Urlaubsorte - und lässt sie dann nicht zurückkehren.

      Der Lokomotivführer fährt die Leute morgens zur Arbeit - aber abends nicht wieder zurück.

      Wie ist das, wenn der Narkosearzt mich in Narkose versetzt, und dann nicht zurückholt - oder nur gegen 10% mehr Gehalt, die seine "Gewerkschaft der Narkoseärzte" verlangt?

      Ist das dann sein Grundrecht? Oder vielleicht doch eher Erpressung?

      • >Die Fluglotsen fliegen die Menschen zunächst mal in ihre Urlaubsorte - und lässt sie dann nicht zurückkehren. <

        Abgesehen von der etwas verqueren Grammatik (vielleicht doch Stresspickel?) kenne ich keinen einzigen Fluglotsen, der Menschen in einen Urlaubsort fliegt. (SCNR)

        Abgesehen davon, ist der Arbeitgeber im Falle eines Streiks verpflichtet, die Leistungen seines Unternehmens weiter zu gewährleisten.
        So leid es mir also auch tut, du wirst aus deiner Narkose wohl wieder erwachen ;-)

        • Ich dachte bislang, mein Sohn sei der größte Klugscheißer unter der Sonne. Habe ich mich tatsächlich geirrt.

          Aber auf deinen Hinweis gehe ich doch gerne ein. Selbstverständlich sind es nicht die Fluglotsen, die die Menschen von A nach B fliegen. Aber sie nutzen ihre Macht als kleine bedeutende Berufsgruppe aus, um zu verhindern, dass die Piloten die Menschen von A nach B fliegen können.

          Und die Damen und Herren Lokomotivführer verhindern, dass die Passagiere von A nach B gelangen. Und sie verurteilen die Zugbegleiter zur Untätigkeit. Und am Ende sind nicht nur die Lokomotivführer ihren Job los, wenn z.B. der Metronom demnächst die Strecken verliert. Da fliegen dann die Zugbegleiter gleich mit raus. Oder wenn der Metronom nur noch 50% der Züge fahren muss, weil die Pendler dauerhaft auf den PKW umgestiegen sind.


          > Abgesehen davon, ist der Arbeitgeber im Falle eines Streiks verpflichtet, die Leistungen seines Unternehmens weiter zu gewährleisten.

          Jetzt bin ich total beruhigt. Ich werde dann auf Malle das Zimmer nicht räumen (mein "Nachurlauber" hängt ja glücklicherweise in Deutschland fest) und meine Kinder gehen einfach X Wochen später wieder zur Schule. Und ich komme endlich von meinen 100 Überstunden runter. Die kann ich schön wegen des Fluglotsenstreiks abbummeln. Aber das ist ja für eine gerechte Sache.

      Nicht jeder Vergleich der hinkt, ist auch ein guter.

      Dein Narkosearzt hat einen Eid geschworen, dem er verpflichtet ist. Er dürfte also gar nicht, z.B. aus eigennützigen Gründen, eine Notsituation zum Schaden des Patienten verwenden.

      Alle anderen Berufsgruppen, seien es Exoten wie Fluglotsen mit ca. 2000 Beschäftigten oder sehr umfangreiche und bekannte wie die, die den Metalltarifverträgen untersteht mit rund 3 Mio. Beschäftigten, nutzen ihre Machtposition vollumfänglich wie jeder andere das auch macht. das mag einem. je nach dem wo man steht, nicht gefallen, was ich auch verstehe aber so ist nun mal das System aufgebaut. (Arbeitgeber nutzen übrigens ihre Machtposition auch besonders gerne, wenn es in einigen Branchen darum geht, Menschen Lohndumping aufzuzwingen.)

      "Der Lokomotivführer fährt die Leute morgens zur Arbeit - aber abends nicht wieder zurück."

      Fällt für mich unter pP (persönliches Pech). Alternativ könnte mir auf der Heimfahrt auch das Auto verrecken. Wem gebe ich dann die Schuld?

      Außerdem wo steht es denn, dass ich ein Recht hätte, dass mich der Kutscher abends wieder heimfährt? Gibt es einen rechtsverbindlichen Vertrag zwischen mir und dem Lokomotivführer? Es ist, glaube ich, ein Dienstleistungsangebot der Bahn, was dann, wenn der gute Mann abends streikt, eben kurzzeitig nicht zur Verfügung steht.

      Wenn das zu oft passiert, suche ich mir andere, verlässlichere Beförderungsmittel.

      • "Wenn das zu oft passiert, suche ich mir andere, verlässlichere Beförderungsmittel. "

        Super! Wenn diese Idee sehr viele haben, dann werden die Lokführer arbeitslos. Und man könnte dann sagen, sie sind selbst dran schuld.
        Da aber die meisten derjenigen, die mit der Bahn fahren, sich z. B. kein eigenes Auto leisten können, wird es immer arme Säue geben, die trottelig am Bahnsteig rumstehen. Und warten, warten, warten.

        Streik ansich, ok. Aber er muß auch richtig eingesetzt werden. Ein Streik sollte diejenigen treffen, die damit getroffen werden sollen.

        • "Streik ansich, ok. Aber er muß auch richtig eingesetzt werden. Ein Streik sollte diejenigen treffen, die damit getroffen werden sollen. "

          Passiert doch. Oder glaubst Du ein potentieller Streik der Fluglotsen wäre seitens der Gewerkschaft gegen die Fluggäste gerichtet? Das ist bei kundennahmen Dienstleistungsunternehmen nun mal ein zwangsläufiger Nebeneffekt. Natürlich wissen die Gewerschaften um den Druck und die Verägerung der Kunden des Unternehmens, gegen die sich ein Streik richtet.

          Aber andersherum: Wenn ein Streik keinerlei Auswirkungen hätte, dann wäre er als Mittel zur Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen ohnehin überflüssig.

          Und das gleiche gilt auch beim Streik der Lokomotivführer. Den ich voll und ganz im Geiste unterstützt habe. Allerdings fahre ich auch nie mit der Bahn. Und wenn ich doch Bahn gefahren wäre, hätte ich mich sicher auch geärgert. Aber nicht zwingend nur über die Lokomotivführer.

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