Vorbereitung auf die letzte Stunde

    • (1) 07.10.11 - 21:58

      Wenn eines im Leben sicher ist, dann dass für jeden für uns früher oder später die letzte Stunde kommen wird. Mich würde interessieren, ob Ihr Euch bewusst mit Eurer Endlichkeit auseinandersetzt bzw auf die letzte Stunde, den Prozess des Sterbens, vorbereitet.

      Verdrängt Ihr diesen Gedanken ? "Jeder andere stirbt irgendwann nur ich nicht" ?
      Glaubt Ihr, Ihr werdet eines Tages vom Tod überrascht und - zack - alles ist vorbei? Hofft auf einen Unfalltod? Als ob es keinen Sterbensprozess gäbe?
      Oder versucht Ihr jeden Tag in Vorbereitung auf den Tod zu leben, d.h. so zu leben, dass keine Schuldgefühle, keine offenen Kriege, keine verpassten Chancen, unerledigten Lebensthemen etc übrigbleiben ?

      Schaut Ihr Euer Leben an in Hinblick auf den Tod ? Euer Handeln und Denken? Eure Lebenslügen?
      Könnt Ihr guten Gewissens sagen: "wenn ich heute sterben werde, gehe ich in Frieden, mein Leben ist gut, so wie es ist und nichts Wichtiges ist unerledigt geblieben" ?

      • Ich habe im letzten Jahr meine Schwiegermutter sehr intensiv in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet und war auch da, als sie gestorben ist. Sie hatte ein gutes, erfülltes Leben und ich würde sagen, dass sie sehr reflektiert mit ihrem kommenden Tod umgegangen ist. Dennoch war es für alle unglaublich schmerzhaft - sie war ein wunderbarer Mensch und wir vermissen sie nach wie vor an jedem einzelnen Tag.


        Da ich persönlich aber sicher bin, dass der Tod nicht das Ende, sondern nur ein Übergang zu etwas Neues ist und man sich dort wiedertrifft, habe ich vor meinem eigenen Tod keine Angst. Egal, wann er kommt. Ich habe aber Angst vor dem Schmerz, den mir der Tod eines geliebten Menschen bereitet. Und auch Angst vor dem Schmerz, den mein Tod anderen bereiten würde.

        • Wenn man sich dort wiedertreffen würde, dann stellt sich mir die Frage, in welcher Form das sein sollte.In zeitlicher Reihenfolge betrachtet ist man dann ja gleichzeitig Enkel, Kind, Mutter, Großmutter wenn man alle seine Lieben wiederträfe. Oder man war dement zum Zeitpunkt des Todes.Ist man es dann auch?
          Und wenn es so sein sollte, stellen sich weitere Fragen: Sind dort(wo überhaupt?!) nur Menschen oder auch Tiere? Was werden all die Hühner sagen, die man gegessen hat? Oder sind dort doch keine Tiere? Aber dann muß das Jenseits ja irgendwann angefangen haben, denn irgendeiner deiner weit entfernten Vorfahren war ja der Übergang zum modernen Menschen.Und was macht "Menschen" aus? Bewußtsein? Was ist dann mit geistig behinderten Menschen oder verstorbenen Babies?
          Ich glaube eher an ein "Aufgehen im Gesamten". Die Atome aus denen ich bestehe, werden sich irgendwo wiederfinden- in einem Baum, in Tieren und in anderen Menschen....und alle, was ich in diesem Leben mache, jede Entscheidung, die ich treffe, alles, was ich mitanderen Menschen teile oder an sie weitergebe, verändert diese Welt- selbst wenn es nur minimal ist.Insofern ist jeder in gewisser Weise unsterblich.

          • Hallo,

            ich persönlich glaube daran, dass jeder Mensch eine Seele hat - die kann nicht behindert, dement o.ä sein. Ich denke, dass man nach dem Tod die Seelen der verstorbenen Menschen, die man während seines Lebens geliebt hat, wieder sieht - dabei ist egal, ob Oma, Tante, Enkel oder Mutter.

            LG

            P.S. Was ich in Bezug auf Tiere glaube, weiß ich nicht... Aber bisher hatte ich zumindest nicht die Vorstellung, dass man deren Seelen auch nach dem Tod wieder trifft.

            • Was ist denn die Seele? Das, was den Menschen ausmacht? Das ist aber doch in verschiedenen Lebensabschnitten sehr verschieden....
              Und wann ist man "Mensch"? Mit der Zeugung? Der Geburt? Ab wann gibt es überhaupt "den Menschen"?
              Lg Julia

      Hallo,

      das ist eine interessante Frage und auch ich mache mir diesbezüglich oft Gedanken.

      Vorab möchte ich jedoch sagen, daß ich weder den Gedanken an den Tod verdränge, noch jeden Tag so lebe, als ob es mein letzter wär.
      Ich mache mir da keine Illusionen, daß das irgendwann mal ganz schnell geht und ich davon überrascht werde. Schön wäre es natürlich. Mit zunnehmenden Alter gewinnt man diesbezüglich jedoch an Erfahrung dazu und wird oft eines besseren belehrt. Die Anzahl derer, mit deren Tod man sich auseinandersetzen muß, steigt ja schließlich auch mit dem eigenen Lebensalter. Ich kenne Fälle, da ging es ganz schnell, unerwartet und sie waren teilweise noch jung. Dann kenne ich Fälle von Leuten, die sich quälen mußten und teilweise nicht mehr der Mensch waren, den man vorher kannte.
      Ich habe für mich beschlossen, daß wenn es einmal soweit sein sollte, ich mich so gut es geht um meine Mutter kümmern bzw. dies pflegen werde. Ihr verdanke ich alles. Selbiges gilt für meinen Mann.
      Andererseits: Sollte es jedoch bei mir mal soweit sein, hoffe ich, daß ich im Kopf noch so klar sein werde, den entscheidenen Schritt zu gehen, um meinen Kindern nicht zur Last zu fallen. Sowohl psychisch, als auch finanziell. Sie sollen ihr eigenes Leben leben.

      -Könnt Ihr guten Gewissens sagen: "wenn ich heute sterben werde, gehe ich in Frieden, mein Leben ist gut, so wie es ist und nichts Wichtiges ist unerledigt geblieben" ?-

      Ich glaube, es gibt niemanden in unserer Generation, der diese Frage bejahen könnte. Hast Du Kinder, willst Du diese aufwachsen sehen. Oma willst Du auch noch werden, und was von Deinen Enkeln haben. Und dabei gesund sein und nur so vor Power strotzen.
      Mein Gewissen läßt sich gut mit meinem Handeln und Denken vereinbaren. Da habe ich mir nichts vorzuwerfen und Fehler macht schließlich jeder. Das gehört zum Leben dazu und läßt sich im Nachhinein sowieso nicht mehr ändern. Lebenslügen, was sind das? Meinst Du Geheimnisse, wo es besser ist, diese für sich zu behalten? Es kommt drauf an: wenn man weiß, man tut damit jemanden im letzten Moment noch weh, dann lässt man es bleiben, selbst wenn man sich einen kurzen Moment der Erleichterung verschaffen kann. Ist es wohlwollend, dann ist es gut. Schließlich bleibt der andere zurück, und muß damit dann leben, während ich gehe. Für die, die zurückbleiben, ist es sowieso schwerer. Darum denke ich eher an diese, für den Fall, daß mir morgen was passiert.
      Ich muß aber zugeben, daß ich mir um das Thema erst so richtig Gedanken mache, seitdem ich Verantwortung für zwei kleine Menschen übernommen habe: meine Kinder. Da verändert sich das Sichtfeld schon ziemlich. Aber das macht es bei weitem nicht einfacher.
      Tja, wahrscheinlich sind das jetzt die typischen Herbstgedanken...

      LG Sandra

      • Hallo Sandra,
        vielen Dank für Deinen Beitrag, eine interessante Sichtweise.

        Zu Deiner Frage, mit Lebenslügen meine ich, wenn Menschen sich selbst nicht treu sind und nicht authentisch leben. Der Mann dem Geld verdienen wichtiger ist als alles andere, bis sich die Frau scheiden lässt und die Gesundheit ruiniert ist.
        Die Frau die ihre eigenen Träume begräbt weil sie denkt, neben Mann, Kindern, Haushalt keinen Platz für die eigene Persönlichkeit zu haben.
        Alle die in für sich selbst eigentlich nicht erträglichen Lebenssituationen ausharren und sich dabei einreden, mit dem Leben zufrieden zu sein, weil der Mut fehlt zum Ausbruch.
        Alle, die sich selbst nicht mehr fühlen und gar nicht mehr wissen, wie die eigenen Gefühle, Träume etc eigentlich aussehen.

        • Ok, das habe ich wohl falsch verstanden. Ich dachte mehr an Lebenslügen im Sinne von: "Was ich Dir noch sagen wollte..."- und dabei sein Gewissen erleichtert.

          -Der Mann dem Geld verdienen wichtiger ist als alles andere, bis sich die Frau scheiden lässt und die Gesundheit ruiniert ist.-

          Da steck ich nicht drin, zum Glück. Du meinst, irgendwann irgendwas bereuen? Das wird sicher bei jedem so sein. Jeder nach seinen Prioritäten. Vielleicht frage ich mich auch irgendwann: Hättest Du nicht doch 2 Jahre mit Deinen Kindern zu Hause bleiben sollen? Hättest Du beruflich nochmal neu anfangen sollen (bin in meinem Job ziemlich unglücklich und hadere derzeit mit mir)? Und für manche ist eben Geld verdienen IHR Sinn des Lebens.

          -Die Frau die ihre eigenen Träume begräbt weil sie denkt, neben Mann, Kindern, Haushalt keinen Platz für die eigene Persönlichkeit zu haben.-

          Das hat heute (zumindest hierzulande) niemand mehr nötig. Das muß Frau auch selbst erkennen. Die Wege sind noch nicht ganz ohne Steine, aber zumindest geebneter, als noch vor ein paar Jahrzehnten. Sicher ist es immer noch schwerer für Frauen ihre Wünsche zu erfüllen, aber viele wollen es ja auch so haben und begeben sich "freiwillig" in solch finanzielle und mentale Abhängigkeit. Am Zugeben haperts dann aber. Es mag sein, daß solche Frauen ihren Way of Live auf dem Sterbebett bereuen, andere wiederum nicht.

          -Alle, die sich selbst nicht mehr fühlen und gar nicht mehr wissen, wie die eigenen Gefühle, Träume etc eigentlich aussehen.-

          Das sind dann wohl diese, die in Depressionen oder Burn-Out abrutschen . Oder einfach nur unglücklich sind und das schlimmste überhaupt: resignieren. Diese Erfahrung habe ich noch nicht gemacht. Wichtig ist es, sich in diesem Fall professionelle Hilfe zu holen. Und das derzeitige Leben zu überdenken. Man hat nur das eine. Und jeder geht so nackt, wie er gekommen ist. Und die Zeit dazwischen muß jeder nach bestem Wissen und Gewissen nutzen. Das muß man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen.

          Mein Sinn des Lebens sind meine Kinder. Ich dachte vorher, ich habe ein schönes Leben. Aber SIE sind die wirkliche Bereicherung. Alles was ich mache, mache ich für sie. Trotzdem lebe ich (mal mehr mal weniger) auch noch mein Leben. Aber es ist gut so wie es ist, und solange ich mit mir im Reinen bin...Wann ist schon alles perfekt? Jetzt bin ich etwas off topic, aber was solls.

          LG Sandra

          • Ich denke, Du hast es auf den Punkt gebracht, "mit sich selbst im reinen sein, es ist gut so wie es ist". Das ist für mich die Definition von Glück und wer das von sich sagen kann ist gut vorbereitet.

      ich bin schon im 4. Viertel meines Lebens und habe habe mich vor kurzem zum letzten mal von meiner Mutter verabschiedet. Wir hatten einander alles wichtige gesagt.

      Sie hatte keine Angst vor dem Tod und hat alles für ihr Begräbnis vorbereitet. Sie war bei klarem Verstand und hat zum Schluss Essen und Trinken verweigert.

      "... daß ich im Kopf noch so klar sein werde, den entscheidenen Schritt zu gehen"

      Was dürfen Menschen verlangen, wenn sie gelähmt sind und sterben wollen?

(11) 08.10.11 - 10:30

Es ist dein Schicksal, wenn du gehen mußt, deshalb hat man auch keine unerfüllten Aufgaben oder noch Dinge zu erledigen... Wenn die Zeit gekommen ist, ist deine Aufgabe hier abgeschlossen, dein Leben war nicht weiter geplant, niemand geht vor seiner Zeit.

  • Hallo!

    Glaubst Du wirklich an ein vorherbestimmtes Leben? An Schicksal? An einen "Plan", der Deinem Leben zugrunde liegt?

    Auf welcher Grundlage?

    Beste Grüße!

    -Wenn die Zeit gekommen ist, ist deine Aufgabe hier abgeschlossen, dein Leben war nicht weiter geplant, niemand geht vor seiner Zeit.-

    Sagst Du sowas dann auch zu einem alleinerziehenden Vater mit Kindern von 2 und 4 Jahren, dessen 30-jährige Frau (sagen wir mal an Brustkrebs) verstorben ist? Nicht wirklich, oder?

    • "Sagst Du sowas dann auch zu einem alleinerziehenden Vater mit Kindern von 2 und 4 Jahren, dessen 30-jährige Frau (sagen wir mal an Brustkrebs) verstorben ist? Nicht wirklich, oder? "

      Ich habe meine Meinung zu diesem Thema, ob ich sie jedem ins Gesicht sage, NEIN ! Aber ich habe selbst sehr schlimme Schicksalsschäge hinter mir, so viel zu diesem Thema!

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