Was hat es mit dem Eurorettungsschirm auf sich und der Euro Krise?

    • (1) 28.10.11 - 15:17

      Hallo,

      also ich oute mich jetzt mal, ich hab von Politik nicht sehr viel Ahnung. Also ich schau schon die Nachrichten an und lese in der Zeitung immer den politischen Teil, ein Grundwissen besitze ich schon ;-) Aber es gibt viele Dinge die ich einfach nicht verstehe. Gerade so Dinge die mit dem Finanzmarkt zusammenhängen.

      Gerade zur Zeit die Sache mit dem Euro.

      Vielleicht kann mir hier jemand erklären, warum es so wichtig ist (laut Politker), das wir verschuldeten Ländern wie Griechenland helfen aus der Schuldenkrise zu kommen?
      Was würde passieren, wenn Deutschland und die anderen EU Ländern, nicht helfen würde? Was würde dann mit dem Euro passiern und was würde das für Deutschland bedeuten?
      Im Gegenzug, was bedeutet es für uns, das wir mit Milliarden einspringen? Deutschland verschuldet sich doch dann auch und das kann ja wohl auch nicht gut sein, ich meine könnten wir auch in so eine Situation kommen, wie es in Griechenland der Fall ist?

      Überall liest man vom Euro Rettungsschirm und wie enorm wichtig es ist und ich hab das Gefühl, gar nicht genau zu wissen warum, also die genauen Konsequenzen sind mir nicht klar. Auch auf die Gefahr hin, das ich mich jetzt als total dumm geoutet habe.....

      LG S.

      • Wer nicht fragt bleibt dumm #aha

        Wir haben in den USA und in der EU eine Schuldenkrise. Der Euro ist (noch?) stabil und steht im Vergleich zum Dollar gut da.

        "Überall liest man vom Euro Rettungsschirm und wie enorm wichtig es ist und ich hab das Gefühl, gar nicht genau zu wissen warum, also die genauen Konsequenzen sind mir nicht klar"

        Genau wissen es auch Wirtschaftsfachleute nicht.

        Hoch verschuldete Staaten bekommen auf dem Finanzmarkt keinen Kredit mehr. Sie könnten ihre Polizisten, Lehrer, Steuereintreiber etc. nicht mehr bezahlen. Das Chaos würde ausbrechen und viele Griechen, Portugiesen, ... würden in Deutschland, Österreich ua. Arbeit suchen oder betteln. Die Gläubiger müssten auf ihr Geld ganz verzichten.

        Der Euro Rettungsschirm soll diesen Zusammenbruch verhindern (aufschieben, wenn der Schirm zu klein ist) und den Griechen ua. Zeit geben, ihre Wirtschaft und Budgets zu sanieren. Das kann Jahrzehnte dauern.

        Die Misere begann damit, dass die Eurostaaten ihre selbst gegebenen Regeln brachen. Italien und Griechenland wären sonst bei ihren alten Währungen geblieben.

        Sind die heutigen Politiker mit mehr Weisheit gesegnet?

        Die Medienberichterstattung zu diesem Thema ist leider eine traurige Posse. Gute und fundierte Artikel zu diesm Thema lassen sich selbst in den normalerweise guten Tageszeitungen kaum finden. Man bekommt das Gefühl, dass es in Deutschland nur 5-6 Journalisten gibt, die das Thema überblicken und sich trauen auch kritisch zu berichten.
        Da hilft eigentlich nur der Blick in internationale Tageszeitungen, in denen zumindest nicht so einseitig berichtet wird.

        Zunächst mal muss man wissen, das die sogenannte Eurokrise eine völlig logische Folge dessen ist, was 2008 als Finanzkrise begann. Seit diesem Datum ist die Verschuldung in den "Problemstaaten, aber auch in anderen, noch nicht im Visier der Finanzmärkte stehenden Staaten massiv angestiegen. Das Hauptproblem der Griechen, Spanier, Iren und Italiener sind nicht aussufernde Sozialstaaten oder das Leben auf Kosten anderer, sondern einfach der Tatbestand, dass diese Länder von der Finanzkrise am stärksten betroffen waren.

        Es wird immer wieder über die zu hohe Staatsschuldenquote der Griechen als Ursache für Kreditaufschläge gesprochen. Das alleine kann es nicht sein, denn zum Beispiel Japan ist noch höher verschuldet. Hin und wieder spricht man dann auch von der zu hohen Neuverschuldungsquote. Das reicht allerdings auch nicht als Erklärung aus, denn die USA beispielsweise hatten zuletzt eine noch höhere Neuverschuldung.

        Selbst wenn bedenkt, dass Japan und die USA natürlich über sehr viel mehr Wirtschaftskraft als Griechenland verfügen - man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass die Einschätzungen der Märkte zuweilen sehr subjektiv sind. So verwundert es nur auf den ersten Blick, dass die Kurse für USA-Papiere kurz nach dem Verlust des AAA-Ratings anstiegen.

        Seit gestern berichten die Tageszeitungen von einem 50%-Schuldenschnitt für Griechenland. Stimmt das überhaupt so ?

        Was ist denn nun in dieser Woche passiert?

        Es wurde gar kein Schuldenschnitt – in welcher Höhe auch immer – beschlossen, sondern es wurde angekündigt, dass man die Banken und Versicherungen zu Verhandlungen einlädt.

        Am Ende soll ein Anleihentausch stattfinden, bei dem die Institute FREIWILLIG ihre Griechenlandanleihen gegen andere Anleihen eintauschen KÖNNEN.

        Dabei sollen sie – so ist es gedacht – einen Nominalwert von 50% abschreiben.

        Die Verhandlungen über diesen Anleihentausch beginnen in den nächsten Wochen und das Tauschprogramm soll Anfang des nächsten Jahres beginnen.

        Da die Details noch ausgehandelt werden, gibt es viele Möglichkeiten, wie die Banken diese 50%-Marke karrikieren können. Das wird ihnen gelingen, denn Josef Ackermann ist es in den letzten 3 Jahren stets gelungen, für die Banken ein optimales Ergebnis zu erzielen.

        Wenn man von den Abschreibungen der Papiere spricht, muss man Folgendes bedenken:

        Zunächst einmal ist bei der Berechnung festzuhalten, dass die Abschreibungen auf den Nominalwert und nicht auf den Buch- oder gar den Marktwert vollzogen werden sollen.

        Nehmen wir als Beispiel mal die 10-jährige Anleihe GR0124029639 :

        Nennwert: 100 EUR
        aktueller Marktwert: ca 32 EUR

        Wenn eine Bank diese Anleihe zum Marktwert bilanzieren würde, hätte sie bereits fast 70% des ursprünglichen Wertes abgeschrieben. Ein Tausch, bei dem sie stattdessen ein Papier im Wert von 50 Euro bekommt, ist ein sehr gutes Geschäft.

        Dabei ist unwahrscheinlich, dass die Banken im Tausch Papiere bekommen, die „nur“ 50 Euro wert sind. Sie werden auf dem Verhandlungsweg sehr viele bessere Papiere erreichen.

        Bei einem echten Schuldenschnitt von 50% würde sich Griechenlands Staatsverschuldung halbieren. Anstelle der momentanen Gesamtverschuldung von rund 355 Mrd. Euro wäre Griechenland nach dem Schnitt nur mit 177,5 Mrd. Euro verschuldet.
        Griechenland müsste nur noch halb so viel für Zinsen und die Kredittilgung zahlen.

        Aber so ist es aus Sicht der Griechen nicht. Selbst wenn man die Hälfte der ausstehenden Anleihen im Besitz von Banken und Versicherungen von der aktuellen Gesamtverschuldung abziehieht, käme man jedoch immer noch auf eine Schuldenhöhe von 307,5 Mrd. Euro. Aus Sicht des griechischen Staatshaushalts beträgt der „Schuldenschnitt“ nicht 50%, sondern gerade einmal 13,5%. Die damit verbundene Senkung des Zinsdienstes ist alles andere als substantiell, da man davon ausgehen muss, dass die frischen Gelder der EFSF höher verzinst sein werden als die Anleihen, die durch sie ausgelöst werden.

        Daran sollte man denken, wenn der Boulevard in ein paar Monaten wieder von den "verschwendungssüchtigen" Griechen berichet.

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        das hauptproblem heut wie 2008 ist, dass die geldmenge mit der gehandelt wird (die ja nicht der menge an geld entspricht die wirklich vorhanden ist) künstlich vergrößert wird um alle kosten abzufedern. insofern ist es eine logische konsequenz dass zumindest ein teil der blase platzt und das nicht vorhandene geld den finanzmarkt reinreißt.

        eine "pleite" griechenlands wäre ein problem das die gesamte weltfinanz in schwierigkeiten brächte, nicht nur die griechen da sämtliche schulden und anleihen uneintreibbar wären und die verunsicherung der privatanleger bei entsprechenden medienmeldungen möchte ich mir gar nciht erst ausmalen. happy black friday sozusagen.

        thore

      • Danke! :-)

        Finde es nach wie vor sehr kompliziert, aber ich verstehe nun viel, viel besser. Hat mir auf jeden Fall sehr geholfen!

        LG S.

        "die Griechen sind an der Misere ja nicht schuld.
        die Produkte kommen aus new york."
        original-ton helmut Schmidt bei Günther jauch.

        zuerst wurde z.b. mit ungedeckten Krediten in den USA gezockt.
        das heisst, es wurde mehr geld von der bank ausgeliehen als als Sicherheit real an wert vorhanden war.

        weiters kann man solche produkte neu verpacken.
        diese neuen Verpackungen wurden wieder neu verpackt etc.-

        irgendwann mal dann als besonders ertragreiche Finanz-produkte nach europa importiert.
        das heisst in europa an den mann gebracht.
        und zwar in verschiedener höhe an verschiedene Staaten.
        nicht nur an Griechenland, auch an Deutschland, Frankreich etc.

        das heisst, nicht nur Griechenland hängt da drin, sondern die gesamte EU.
        rettungsschirme sind reine Euphemismen, das heisst es wird gerettet und gerettet und gerettet, nur unterm strich wirkt es nichts.

        der schirm wird aufgespannt, ist aber undicht und es wird unterm strich gar nichts gerettet.
        was vor sich geht ist folgendes:
        einst bestimmte die Politik wo es langging.
        seit langem wird die Politik von der Finanz gesponsert.
        nun bestimmt die Finanz wo es langgeht.

        das geld der rettungsschirme bekommen die Banken von der Politik ( Europas).
        bezahlt wird das geliehene geld langfristig vom Volk.

        folgen des Einkaufs dieser Produkte:

        finanzkrise in europa.
        kopflose regierungen in europa.
        unwirksame rettungsschirme über rettungsschirme.
        keine durch Politik vorgenommene Regulation der europäischen Finanzmärkte.

        was finanztechnisch wahrscheinlich ist, ist starke Inflation ( Geldentwertung).
        viele menschen in europa mit grösseren Ersparnissen haben diese seit 2008 aus den Banken abgezogen und in Immobilien investiert.
        aus angst vor Verlust des Geldwertes und aus Hoffnung auf Stabilisierung ihres Besitzes durch den Gegenwert eines realen Besitzes unabhängig vom schlingerkurs der finanzmarktsituation.
        das heisst, es kam wieder geld aus den Banken weg.
        gerade das ist wieder für die Banken ein problem.
        denn sie haben sozusagen weniger Stroh in der hand das sie zu gold machen können.

        die politischen Auswirkungen halte ich für noch weit wichtiger und gefährlicher, nämlich:
        aufruhr in europa.
        nicht nur in den betroffenen Ländern, die einen harten sparkurs fahren müssen und ein Volk knechten müssen das für die Krise nichts kann.
        nein, es wird auch in den Ländern, die durch ihre starke Wirtschaft besser dastehen eine art gesellschaftspolitischer Brechreiz herbeigeführt, da diesen Ländern natürlich die Tatsache der rettungsschirme ( die sowieso nichts bewirken ausser: weitere Probleme)

        - die sie auch langfristig mit politischen sparmassnahmen im eigenen land bezahlen werden müssen -

        gewaltig stinkt....

        ich kann nur sagen:
        seit man zurückdenken kann lag europa immer wieder im krieg.
        zuletzt gab es im letzten Jahrhundert zwei unsagbar grausame kriege zwischen Ländern Europas,
        die die Völker Europas schrecklich ausgeblutet haben.

        genau damit das nicht mehr passieren kann, kam es zur Idee eines geeinten Europas.
        damit das europa auch wirklich miteinander nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und im Bewusstsein der menschen in den verschiedenen Ländern zu einer Einheit verschweißt wird, musste es zu einer gemeinsamen Währung kommen.

        wie in Deutschland in west und Ost geteilt wurde auch in europa klar,
        wenn ( sorry für die polemik) stark und schwach sich einen, dann wird das Ergebnis nicht so stark sein wie der starke vormals war, aber auch nicht so schwach wie der schwache vormals war.
        das Ergebnis wird eine art Mittelwert, d.h. durchschnitt von beiden, sein.

        auch in europa gab es Länder die besser oder weniger gut aufgestellt waren.
        es war von vornherein jedem denkenden menschen klar dass bei einer Einigung Europas die stärkeren verlieren und die schwächeren gewinnen würden.
        das ist an sich kein problem, sondern sogar wünschenswert.

        die Länder Europas haben das ganze auch nicht schlecht überlebt. seit Anfang des 21. Jahrhunderts nahm der euro in Bezug auf den Dollar soweit ich weiss stark an wert zu.
        bis die Finanzkrise kam.

        und nun ist folgendes szeanrio sehr wahrscheinlich:
        eine mehr oder weniger lange Phase des sich- aufbäumens aller Staaten der EU,
        um das Fiasko zu verhindern.
        Fiasko bedeutet: Aufruhr in der EU.
        Zerschlagung des gesellschaftspolitischen friedlichen Miteinanders.
        politische instabilität in sämtlichen Staaten Europas.

        daraus folgend:
        höchstwahrscheinlich ein langfristiges ausbrechen der schwächsten Länder aus der europäischen Gemeinschaft, d.h. Griechenland, portugal, Spanien, Italien.
        Schwächung der EU, Zerschlagung in kern-EU und lose involvierte Staaten.
        zerbrechen der sich gerade erst in den Kinderschuhen befindlichen europäischen Identität.

        ganze europa bricht auseinander und das geld verliert stark an wert.
        eigentlich wurde das Erdbeben das wie ein zweiter black friday auch uns wie eine tsunami-welle überschwemmen hätte müssen nur in seinen momentanen Auswirkungen etwas eingedämmt.
        langfristig wird es zu Geldentwertung, Arbeitslosigkeit etc.- sprich:
        griechischen zuständen :-) praktisch in der gesamten Staatengemeinschaft Europas kommen.

        die Intelligenz wird abwandern.
        europa wird wieder in sich im reinen Wettbewerb befindliche Einzelstaaten versinken.
        so stellt sich mir das ganze dar.
        die Auswirkungen werden nicht erklärt weil es auch zuviel Aufruhr geben würde.

        aber meiner Meinung nach ist der Effekt dass die Idee " vereinigte Staaten von europa"

        zerstört werden wird, die Wirtschaft unseres Kontinents am Boden liegen wird und

        wir froh sein müssen wenn es nicht zu Bürgerkriegen kommt.

        soweit so gut.das waren die Gedanken zum Sonntag.
        LG
        serafina.

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