Gedanken über den Tod

    • (1) 14.11.11 - 23:01
      Inaktiv

      An alle Sinnierenden!

      Ich bin des Öfteren mit Menschen in Kontakt, die unter Angst- und Panikattacken leiden, gehörte ich selber vor ein paar Jahren dazu. In diesen Gesprächen stelle ich immer wieder dasselbe verbindende Element fest: Die panische Angst vor dem Tod, vor dem STerben, vor Leid und Krankheit.

      Manchmal frage ich mich, ob nicht die Panikmacher - die sehr häufig Antidepressiva einnehmen, also als "krank" gelten - , die "Normalen" sind und diejenigen, die alles schön von sich schieben die "Gestörten". Leid und Sterben gehören zu unserem Leben dazu und wird bei uns herrlich verdrängt. Gestorben wird irgendwie nicht. Früher gehörte Tod, Leid und Krankheit ganz selbstverständlich zum Leben. Schon kleine Kinder wuchsen damit auf, dass der Tod immer und überall lauerte. In jeder Familie gab es Kinder, die verstorben sind oder auch Eltern. Bei uns ist es inzwischen die große Ausnahme und DAS Horrorszenario schlechthin. Man möchte dies nicht ERleben, weil man sich das ÜBERleben nach so einem Schicksalschlag nicht vorstellen kann. Natürlich sind wir alle über den medizinischen Fortschritt glücklich und auch darüber, dass niemand wegen einer einfachen Lüngenentzündung stirbt. Niemand wünscht sich diese Zeiten zurück. Aber wie und wo lernen wir mit diesem größten Ereignis im Leben umzugehen? Irgendwie erkenne ich hier keinen "normalen" Weg. Es gibt die Panik oder das Ignorieren. Wo liegt der gesunde Mittelweg?

      Nachdenkliche Grüße
      Luka

      • Natürlich gehören Leiden und Tod zum Leben- allerdings sind sie in den heutigen westlichen Gesellschaften kein zentrales Thema und der Umgang damit ist schwierig.
        Deine Sichtweise wirkt auf mich jedoch auch befremdlich, denn es ist NICHT normal, ständig ängstlich an das- nicht vorraussagbare- Ende zu denken.
        Der große Unterschied zu vergangenen Zeiten besteht nämlich darin, daß die Leute früher eben nicht panisch waren. Eingebettet in religiöse Vorstellungen wurde der Tod als Teil des Lebens akzeptiert- teil lustig, teils ernst.
        Memento mori, aber das Leben ist JETZT und HIER und wie es endet, weiß niemand..... Vom Bus überfahren und sofort tot, Herzinfarkt oder langes Siechtum. Laß es auf dich zukommen!

        • (3) 15.11.11 - 00:05

          "Vom Bus überfahren und sofort tot, Herzinfarkt oder langes Siechtum. Laß es auf dich zukommen!"

          #zitter

          ...na du hast Nerven...

          Okay, dann wähle ich den Bus! #putz

          Luka

          • (4) 15.11.11 - 00:15

            ...aber natürlich erst in 66 Jahren! Dann werde ich nämlich 100 und bekomme ein Präsentkorb vom Bürgermeister. Es erscheint auch ein Bild von uns in der Zeitung und ein Bericht, wo ich nach Tipps für ein glückliches Leben und einer glücklichen Ehe gefragt werde. Dann werde ich sagen: "Zur ersten Frage, habe ich vor 66 Jahren in einem Familienforum den entscheidenden Hinweis bekommen und auf die zweite Frage habe ich bis heute noch keine Antwort!"

            :-D

            Grüße
            Luka

      Hallo!

      Du unterscheidest hier nur zwischen Panik vor dem Tod auf der einen Seite und Verdrängung auf der anderen.
      Aber woher weißt du, dass derjenige, der keine Panik vor dem Tod hat und nicht in Depressionen verfällt, den Gedanken an den Tod verdrängt.

      Ich persönlich bin der Meinung, dass es ganz normal ist, Angst vor dem Tod zu haben, unnormal oder krankhaft ist es lediglich, wenn die Angst vor dem Tod soviel Macht über einen bekommt, dass man sein Leben nicht mehr leben kann - und das ist eben der Punkt, an dem Depressionen entstehen. Angst ist etwas völlig normales, und die meisten Menschen können mit ihren Ängsten hervorragend umgehen - ob sie nun den Tod oder die Spinne an der Wand fürchten. Nur wenige Menschen werden von ihren Ängsten so beherrscht, dass sie dadurch in ihrem Leben beeinträchtigt sind.

      Es hat aber in meinen Augen nichts mit Verdrängung zu tun, wenn man sich von seinen Ängsten nicht beherrschen läßt. In meinen Augen ist es nur der gesunde Umgang mit der Angst, wenn der Gedanke an den Tod nicht jeden anderen Gedanken verdrängt. Aber deswegen verdrängt man doch nicht den Tod an sich. In meinen Augen siehst du dass zu sehr schwarz-weiß, die vielen Grauschattierungen dazwischen siehst du gar nicht. Auch vor hundert Jahren hatten die Menschen Angst vor dem Tod, aber die meisten konnten mit der Angst gut umgehen, was vielleicht auch am damals deutlich stärker vertretenen christlichen Glauben lag.

      Liebe Grüße!

      Hallo,

      Panik oder Ignorieren?

      Ich glaube, es gibt noch einen dritten Weg. Den habe ich in mehr als 1/2 Jahr Therapie gelernt.

      Etwas annehmen, sich damit auseinanderzusetzen und umgehen zu lernen. Es ist ein schwieriger Weg, es ist ein harter Weg, aber ich glaube er lohnt sich.

      Leben und Tod gehören zusammen.

      Man muss lernen, zu trauern. Nicht gleich zur Tagesordnung übergehen und so tun, als sei gar nichts passiert. Das macht mehr an Körper und Seele kaputt, als man sich vorstellen kann.

      LG

Verdraengung ist ja auch "gesund", da sie eine Schutzfunktion ausuebt. Vielleicht bin ich noch nicht alt genug, um Angst vor dem Tod zu haben. Jedenfalls gibt es doch eine Reihe von Schicksalsschlaegen, vor denen ich deutlich mehr Angst habe, z.B. vor solchen, die einen den Tod sich herbeiwuenschen lassen.

"Aber wie und wo lernen wir mit diesem größten Ereignis im Leben umzugehen?"

Wohl nur durch Erfahrung (wobei allzu viel Erfahrung auch abstumpfen kann). Und vielleicht auch durch eine andere Bewertung des Todes: ob es wirklich das "größte Ereignis im Leben" im Leben ist, moechte ich bezweifeln. Geburt und Liebesglueck sind mindestens ebenso "grosse" Ereignisse.

Der eigene Tod dagegen ist eigentlich gar kein Ereignis, sondern lediglich der Schlusspunkt einer langen Reihe von Ereignissen. Der Tod anderer kann zwar Trauer ausloesen, ist aber letztlich "nur" Selbstmitleid, der den Verlust hoeher bewertet als das, was bleibt.

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