Der Fall Wulff - wer klärt mich auf?

    • (1) 14.12.11 - 09:28

      Hi zusammen!

      Auch wenn ich mich gleich als totaler Idiot oute, aber ich brauche ein wenig Eure Hilfe, sonst blick ich da nicht durch #schein

      Was ist denn so schlimm an dem Privatkredit den Wulff von Geerkens erhalten hat? ich meine, warum wird Wulff im Landtag gefragt ob er eine Geschäftsbeziehung zu Geerkens hat?
      Abgesehen davon weiss ich nichtmal wer Geerkens ist (Bildungslücke? ups)

      Dass er verneint hat, war natürlich nicht richtig. Aber was tut das zur Sache?

      Ich verstehe den Zusammenhang von Wulffs privaten Geldgeschäften und seiner Arbeit nicht?

      Ich google mich hier schon durchs Netz aber irgendwie werd ich nicht schlauer....

      Danke für Eure Hilfe!

      • Hi,
        Wulff war damals Ministerpräsident von Niedersachsen.

        Private Geschäftsbeziehungen zu Geschäftsleuten, die sich vielleicht irgendwie auf Entscheidungen in seinem Amt als Ministerpräsident auswirken können sind natürlich von Interesse für den Landtag (v.a. für die Opposition, die gerade bei beliebten Politikern gerne gaaaaanz tief gräbt, um am Ansehen zu kratzen - dabei ist es vollkommen egal wer Opposition ist, machen alle wenn sie die Chance haben, und bisweilen auch durchaus zu Recht).

        Wobei - "Dass er verneint hat, war natürlich nicht richtig."

        Wieso? er wurde gefragt, ob er Geschäftsbeziehungen zu HERRN Geerkens hat. M.W. nach war das der genaue Wortlaut der Frage. Und natürlich war sein NEIN dann vollkommen richtig, denn diese Beziehungen hatte er nicht. Er hatte eine private Geschäftsbeziehung zu FRAU Geerkens - nach der war er aber nie gefragt worden.

        Gestern im ZDF ein Rechtsexperte (frag mich nicht woher und wer das war, den Untertitel habe ich verpasst): Natürlich war seine Antwort korrekt. Wer so knappe Fragen stellt muss auch mit so knappen Antworten rechnen.

        Warum soll jemand mehr preisgeben als gefragt wird? Im Prinzip ist das genau meine Meinung zu dem Thema. Infostand von gestern abend.

        Und es ist ja nun nicht so, dass er den Kredit "für lau" bekommen hätte - 4% Zinsen sind mehr als wir für unseren (Bank-)Kredit zahlen. wobei ich keine Ahnung vom damaligen Zinsniveau habe. Ein "Geschenk" wäre wohl etwas anderes gewesen.

        Vielleicht sollte sich die (damalige) Opposition mal an die eigene Nase fassen und sich fragen, wenn ihnen das Thema "private Geschäftsbeziehungen" soooooo extrem wichtig war, warum sie dann so extrem knapp gefragt haben? Kann ja nicht so wichtig gewesen sein, wenn man es nicht nötig hatte, umfangreich nachzufragen, sondern sich auf eine so spezielle Frage beschränkt hat.

        Ich persönlich halte das ganze heute für den krampfhaften Versuch, das Ansehen von einem beliebten Politiker anzukratzen (und von anderen Problemen abzulenken). Eine ganz persönliche Meinung, die niemand teilen muss ;-).

        Viele grüße
        miau2

        • Tausend Dank für Deine Antwort.

          Also will man wieder mal jemanden ans Bein pi*****.
          Oh man, dann muss man die Frage halt ganz genau stellen...

          #winke

          • Hi,
            wie gesagt, das "anpinkeln" passiert bisweilen durchaus auch zu Recht - die Verstrickungen zwischen Politik und Wirtschaft (und die Beeinflussung von Politikern und deren Entscheidungen durch "milde Gaben irgendeiner Art") sind und sollten natürlich thema sein und bleiben.

            Aber gerade in diesem Fall halte ich die Reaktionen und Vorwürfe für vollkommen übertrieben. Wenn das, was mein stand von gestern abend ist alles ist.

            Viele Grüße
            miau2

        >> Und es ist ja nun nicht so, dass er den Kredit "für lau" bekommen hätte - 4% Zinsen sind mehr als wir für unseren (Bank-)Kredit zahlen. wobei ich keine Ahnung vom damaligen Zinsniveau habe. Ein "Geschenk" wäre wohl etwas anderes gewesen.<<

        Naja, der Kredit wurde wenige Wochen nach der Bankenpleite von Lehman gewährt. Zu einem Zeitpunkt also wo die Zinsen mit über 5 % sehr hoch waren. Familie Wulff hatte auf jeden Fall einen Vorteil aus dem Privatkredit.

        • hm, so hoch waren "nur" die sehr kurzfristigen Zinsen (Euribor), die bei variablen Zinssaetzen angewandt werden. Aber offenbar hatte er einen Festzins vereinbart. Daher war es dann, als die Zinsen wieder deutlich gefallen waren, sinnvoll, diesen Privatkredit durch einen Bankkredit abzuloesen.

          Vielleicht sollten Spitzenpolitiker doch etwas besser bezahlt werden, dann besteht auch keine Notwendigkeit, Kredite in dieser Hoehe von Privatpersonen zu akzeptieren...

          • Zweischneidig!
            Über die gute Bezahlung soll eine Bestechlichkeit vermieden werden, ab welcher Höhe wären denn die Vergütungen hoch genug, um sagen zu können, dass private oder sonstige Kredite von einem Repräsentanten des Staates nicht bemüht werden dürfen?

            Da diesen Hintergrund bei der Bemessung der Diäten und Aufwandsentschädigungen für Politiker und Amtsträger offensichtlich die Mehrheit der Nutzer hier und wahrscheinlich auch der Bundesbürger nicht kennt, stellt sich mir die Frage, wie könnte man das den Bürgern nahe bringen, was müssten vielleicht die Bürger lernen, um diese Problematik bewerten zu können vor allem aber:

            Wie soll eine repräsentative Demokratie funktionieren, wenn die Basis die Regeln nicht ansatzweise kennt?

            Ganz wertfrei: Kann unser politisches System funktionieren, wenn die Mehrheit der Bürger nicht weiß, warum, wann, vor welchem Hintergrund welche Mechanismen instaliert wurden?

            Und: Ist es allein eine Bringschuld des Staates, die Bürger darüber zu informieren?
            Es wird immer -ganz pc- auf die Verantwortung der Politiker hingewiesen, selten lese ich Hinweise auf die Verantwortung jedes einzelnen Wählers, sich möglichst umfassend zu informieren, um die repräsentative Demokratie mit Sinn zu füllen.

            Das geht auf einen ganz simplen Satz zurück: "Information ist Hol- und Bringschuld".
            Beim Bringen seitens der Politik geht sicher einiges daneben, beim Holen aber ganz sicher auch .

            Beste Grüße
            l-c

            • Du wirst vielleicht ahnen, dass Du da bei mir offene Tueren einrennst. Neben den nicht ganz ernsthaften Gedanken, dass ich mir lieber eine Aristokratie wuensche, sage ich mir, dass letztlich jedes System seine Schwaechen hat. Noch weniger wuerde diese Demokratie funktionieren (jedenfalls im Sinne von "der Allgemeinheit dienen"), wenn wir statt einer repräsentativen Demokratie eine direkte Demokratie haetten....

      4% Zinsen wären heutzutage traumhaft und selbst damals lagen die Sollzinsen weitaus höher.

      Ein guter Deal war das allemal.

      Der Rest besteht aus Spitzfindigkeiten und Wortklaubereien bei dem man jemand gegen die Karre fahren will....und sich derjenige auf gleichem Niveau wehrt....nicht mehr und nicht weniger.

      Wirklich politisch korrekt war die Aktion damals dennoch nicht....und da muss man nicht versuchen die Dinge schön zu reden !

Hallo,
>> Dass er verneint hat, war natürlich nicht richtig. Aber was tut das zur Sache? <<

Doch es tut was zur Sache. Er hat ein angesehenes Amt inne (erst Ministerpräsident, jetzt Bundespräsident) und lügt vor einem parlamentarischen Ausschuss. Dadurch leidet seine Glaubwürdigkeit. Man könne schnell auf den Gedanken von Bestechlichkeit kommen.

Und warum nimmt ein Mann in solch einer Position einen Privatkredit auf, den er später durch einen Bankkredit ersetzt? Das erkläre mir mal einer.

C.

  • aber die Geschäftsbeziehung bestand doch zu Frau Geerkens #kratz Nach ihr wurde er ja nicht gefragt?

    • Stimmt schon. Kommt aber trotzdem irgendwie komisch rüber, als ob Frau Geerkens als Strohfrau fungierte.

      • (13) 14.12.11 - 16:23

        Das ist aber eine reine Unterstellung - gelogen hat er schlicht und einfach nicht.

        Wie hieß das in der Sesamstraße noch so schön - wer nicht fragt bleibt dumm.

        Warum wurde so gezielt, eingeengt gefragt und nicht allgemeiner? DANN könntest du ihm heute gerne Lügen unterstellen.

        So ist das schlicht und einfach falsch.

        Das er nicht von sich aus mehr erzählt hat als gefragt wurde - das kannst du ihm vorwerfen. Lügen sind für mich etwas anderes.

        Du hast doch selbst schon festgestellt dass die 4% offenbar günstiger als der damalige Bankzins waren. WARUM er dann lieber einen Privatkredit aufgenommen hat als einen Bankkredit ist doch dann eigentlich selbsterklärend.

        Wie hättest du denn gehandelt? Lieber mehr Zinsen bezahlt, obwohl dir jemand (warum auch immer, eine Antwort auf die Frage gab es m.W. nach bisher nicht, sondern nur irgendwelche Vermutungen) das Geld (legal) günstiger leihen würde?

        Man kann doch diese Frage recht einfach präzisieren:

        Ist es für einen politischen Repräsentanten erlaubt, privat einen Kredit aufzunehmen?
        Mithin: Gibt es eine Trennung zwischen dem öffentlichen Menschen und dem privaten?
        Noch andersherum: Ist ein Repräsentant des Staates allein Repräsentant, oder auch noch privater Mensch?

Die Frage war, ob Wulff eine Geschäftsbeziehung mit Herrn Geerkens hatte.

Die hat Wulff richtig mit nein beantwortet.

Über den Privatkedit von Frau Geerkens hat Wulff nichts erzählt. Das wirft man ihm jetzt vor.

Es ist häufig zu sehen, dass Politiker mit Vorwürfen angeschüttet werden. Es wird schon was hängen bleiben.

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