Hat Wulff nun eigentlich....

    • (1) 20.01.12 - 15:14

      .....gegen das Gesetz verstossen oder nicht?

      Wulff windet sich besser als ein mit Schmierseife eingekleisterter Aal, redet anstatt endlich mal Tachesles, weiter um den heissen Brei herum, verweigert Aussagen, hat als einzigen Kommentar den Satz "kein Kommentar", versteckt sich hinter Geschäftspartnern und seinem Anwalt, und scheint doch tatsächlich damit durch zu kommen.

      Das hat in den 20er Jahren auch prima bei der Mafia geklappt.....aber heute?

      Wer will so jemanden als Bundespräsidenten....bzw. ist jemand der so unglaubwürdig geworden ist, moralisch noch für dieses Amt vertretbar? (Entschuldigt bitte, dass ich von Politik UND Moral rede.....das ist ja fast schon wieder Hohn)

      Momentan kommt ja auf Herrn Wulff eine Menge "Kleinkram" an Vorwürfen hinterher geschossen....was ja auch eine Art von Taktik sein kann....der unwichtige Mist wird entkräftet, diskutiert oder dementiert und die wichtigen Sachen werden nach ein paar Wochen vergessen, ohne dass nochmals darüber geredet wurde.

      Aus den Augen aus dem Sinn..............

      Was mich jetzt interessieren würde wäre, wie seht Ihr das, wenn z.B. die wichtigsten Fragen um die evtl. vorliegende Verletzung der Landesverfassung seitens Herrn Wulff offen bleiben.....einfach aus dem absolut selten dämlichen Grund, dass nur der niedersächsische Staatsgerichtshof darüber entscheiden dürfte, der aber nur bei einer 2/3 Mehrheit im Landtag einberufen werden kann....und eine Krähe wird der anderen nur selten ein Auge aushacken.....oder, wenn Wulff dies selbst wünschen würde....und hier dürfte die Wahrscheinlichkeit in etwa so hoch sein, wie die dass Wulff im schulterfreien rosa Abendkleid zum nächsten Empfang geht, und Herrn Westerwelle die Mandeln mit seiner eigenen Zunge untersucht.

      Ich selbst bin der Meinung dass solche Vorwürfe bei einer privaten Person diskutabel wären......bei einem Menschen in solch einer Position aber gar nicht erst aufkommen dürften....und zwar nicht weil es noch besser vertuscht wird, sondern weil dieses Amt eine gewissen Einstellung und Moral erfordert, die ich bei Herrn Wulff nicht mehr erkennen kann.

      Netter Artikel hierzu übrigens:

      http://www.ftd.de/politik/deutschland/:bundespraesident-was-von-der-wulff-affaere-uebrig-bleibt/60156584.html

            • *schmunzelt* Touche´ .....stell Dir einfach mal vor wir diskutieren im Pub bei Bier und Kräckern ausserhalb von Urbia......und hör auf der Bedienung auf den Hintern zu gucken !

              Du siehst also Wulff noch als den richtigen für diesen Job an, oder ist es eigentlich egal wer es macht....nach dem Motto "Was besseres kommt eh nicht nach"?

              • Ich muss sagen, dass nach Wochen von Dauerberieselung durch die Medien ich doch lieber der Bedienung nachschaue... ;-)

                Aber im Ernst: natuerlich hat er sich (und wahrscheinlich war dies schon vorher absehbar) als kein besonders vorbildlicher Praesident erwiesen, und er taete sich selber einen Gefallen, zurueckzutreten. Macht er aber nicht. Und solange ihm rein moralische oder besser pure Stilfragen ernsthaft vorzuwerfen sind, solange kann er weiterwursteln.... so what?

      << weil dieses Amt eine gewissen Einstellung und Moral erfordert, die ich bei Herrn Wulff nicht mehr erkennen kann >>

      Kann ich auch nicht.

      Wir in Ö hatten das Glück, dass die Gegenkandidatin weit abgeschlagen verloren hat.

      Na ich antworte mal hier, obwohl das eigentlich besser in deinen Exkurs mit zeitblom passen würde.
      Im Artikel, den zeitblom verlinkt hat, wird die Bild ja so schön erwähnt, aber ganz prima passt dazu auch der (jetzt gerade aktuelle) Artikel auf der mittlerweile Schwesterplattform im Geiste SPON:
      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810338,00.html

      Einfach mal daraus zitiert:
      "Glaeseker war seinerzeit Wulffs Sprecher, ein enger Vertrauter des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten. Als Staatsbedienstetem war es ihm genau wie Wulff verboten, Geschenke mit Amtsbezug anzunehmen. Dieser Anfangsverdacht aber besteht nun, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bestechung und Bestechlichkeit, durchsuchte Häuser und Büros von Glaeseker und Schmidt."

      Vollkommen ok, es besteht also ein Anfangsverdacht gegen Glaeseker, was ja noch immer nicht den Grundsatz "in dubio pro reo" außer Kraft setzt, aber gleich im nächsten Satz heißt es dann:

      "Doch die entscheidende Frage, die in diesem Zusammenhang im Raum steht, ist: Was wusste Wulff?"

      Häh? Es ist zwar noch nicht erwiesen, ob es überhaupt etwas gegeben hat, von dem er was wissen musste, aber ob er davon etwas gewusst hat, ist die entscheidende Frage?
      Irgendwie fehlt mir hier wohl ein kleines Detail, oder möchte etwa der gute Journalismus die Vorverurteilung hier übernehmen und (um im Stil von SPON zu bleiben) Wulff in Sippenhaft nehmen?
      Gerade hier wäre dann ja die Rolle der Journallie interessant, deren Wissen über einen Anfangsverdacht gegen einen Mitarbeiter des Bundespräsidenten ausreichen würde, um "das Amt zu beschädigen", wie man so schön analysierte, als Köhler (im Übrigen sicher auch aufgrund medialen Drucks) zurücktrat. Wo ist da der Bock, wo der Gärtner?

      Das ist ja noch nicht alles, es geht weiter mit:
      "...dahinter verbargen sich Promi-Aufmärsche...", "Partymacher Schmidt...", "...von Wulff und seinem damaligen Amtskollegen Günther Oettinger..." (interessant hier, dass es unpersönlich "Wulff" ist und weder der Bundespräsident, noch der damalige Ministerpräsident!), "Schmidt gehört zum schillernden Freundeskreis Wulffs...", "...schmiss Schmidt in Berlin eine Luxusparty...", "...der Eventmanager Schmidt satte Gewinne eingebracht haben soll..."

      Im Prinzip alles inhaltsleer, aber der Freundeskreis, der Amtskollege, die schillernden Freunde, sollte das ganz im Stil der Springerpresse eine Assoziation zum Wort "Amigo" nahelegen?
      'Luxusparty', 'satte Gewinne', schürt ein bisschen Sozialneid, man nimmt halt auch gern schlichtere Gemüter mit, ist das guter Journalismus?

      Ich bin ganz mit der ZEIT der Meinung, dass sich die "Affäre Boulevardpresse vs. Bundespräsident" inzwischen zu einem ausgewachsenen Trauma der Medien entwickelt hat.
      Man will ihn absägen, man will das mit aller Macht, der Grund dafür ist mittlerweile unerheblich geworden. Leider ist der Spiegel und insbesondere seine Online Sparte in dieser Hinsicht momentan führend.

      Beide Seiten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert, aber wenn die Medien einen hohen Maßstab an den Bundespräsidenten anlegen, wäre es nur fair, an die eigenen Methoden und Formulierungen einen mindestens ebenso hohen Maßstab anzulegen.

      Der Link, den du gepostet hast, hebt sich davon ja immerhin ab, thematisiert er doch das Bobbycar, ich hatte mich schon lange gefragt, ob die Wulffs (also der ehemalige Ministerpräsident "und seine tätowierte Gattin" (Zitat aus einem älteren Artikel in SPON; man lenkt die Aufmerksamkeit eben gern auf das Wesentliche!)) nicht auch einen Hund haben oder eine Katze, und wann sich wohl herausstellen wird, dass sie kostenloses Futter für ein solches Tier in Anspruch genommen haben, was zum Verdacht des Amtsmißbrauchs wesentliche Momente beitragen würde.
      Dass die Bilder in dem Artikel sich auch leicht tendentiös anschauen, fällt da schon fast gar nicht ins Gewicht.

      Der langen Rede kurzer Sinn:
      Warum lese ich nirgendwo, welche Gegenleistungen Herr Ministerpräsident Wulff Herrn Gerkens damals für den günstigen Kredit (und natürlich dem edlen Spender des Bobby-Car) gewährt hat? Speziell das wäre doch eine Information, die bezüglich möglicher Bestechlichkeit und Amtsmißbrauch interessant wäre...

      Beste Grüße
      l-c

    Einer, der sich hinreichend auskennen sollte, sagt: Ja, er hat gegen das Gesetz verstoßen.

    http://www.lto.de/de/html/nachrichten/5306/diskussion-ueber-praesidentenanklage-drohanrufe-koennten-wulff-den-job-kosten/

    Ansonsten passt sein Verhalten zu keinem Politiker, schon gar nicht zu einem Bundespräsidenten. Das hat auch nichts mit Hetzkampagnen o.ä. zu tun - siehe mein Link.

    • Nun ja, das ist wohl richtig, bemerkenswert bleibt für mich aber, dass der Gesetzesverstoß erst in der Folge der ursprünglichen Anschuldigungen geschah.
      Dumm ist das allemal, da gibt es keinen Zweifel!

      Wir Deutschen hatten auch schon mal einen Präsidenten, dessen Frau plötzlich jünger war...

      Eine Frage, die ich in diesem Zusammenhang ja hochinteressant finde, ist, wie transparent ein Politikerleben in diesen bundespolitischen Sphären sein muss und vor allem, ob es tatsächlich Menschen gibt, die einem solchen moralischen Anspruch (wie er ja auch vom aktuellen Opfer selbst gefordert wurde) über eine hinreichend lange Zeit genügen könn(t)en?
      Man muss ja davon ausgehen, dass man um MdB zu werden schon einige Jahre politischer Aktivität mit der damit einhergenden Pflege von Kontakten und Netzwerken braucht.
      Nun ist es in der heutigen Zeit wohl noch um einiges komplizierter, weil die Kommunikationswege sich zunehmend auf das "durchschaubare" Medium Internet verlagern.
      Die Flut der Informationen, die Kritikern zur Verfügung stehen und vor allem auch die Geschwindigkeit, mit der diese Informationen den Kritikern zu Verfügung stehen, ist ebenso immens gewachsen wie die Verfügbarkeit dieser Informationen.

      Ein potentieller Bundespräsident ist also heutzutage sehr viel "durchschaubarer" als es ein Lübke oder Heinemann war.
      Wenn ich also (mal ganz so für mich) überlege, ob damals ein Lübke oder ein Heinemann nicht auch irgendetwas Schiefes durchgezogen haben, bin ich im Prinzip auf eine rein intuitive Einschätzung angewiesen, weil die Qualität der Überwachung durch Presse und Bürger damals nicht annähernd die Qualität von heute hatte.
      Ein Vergleich erübrigt sich damit.

      Wie aber setzt man heutzutage die Maßstäbe, womit ich zur Transparenz eines Politikerlebens zurückkehre?
      Adenauer hat mal auf einen Zwischenruf im Plenum reagiert mit der Aussage: "Herr Abgeordneter, weiß Ihre Frau überhaupt, dass Sie in Bonn ein Verhältnis haben?", das wäre heute dank(?) Twitter und Konsorten für jeden Politiker das Todesurteil (und würde noch mehr im Sinne Adenauers dann von den Sachfragen ablenken!).
      Segen oder Fluch?

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