Wie kann man verhindern, dass ganze Stadtviertel und ihre Bewohner

    • (1) 03.02.12 - 15:58

      "verslumen".

      Sorry, mir fiel kein besseres Wort ein.

      Wir wohnen direkt an der Grenze zu einem sehr sozialschwachen Viertel und ich finde das, was ich beobachte, wirklich total erschreckend. Viele der Menschen dort sind absolut lethargisch, sie ziehen leider eine Generation heran, die mindestens genauso werden.
      Mir macht das wirklich Angst.

      GLG
      Miss Mary

      • Hallo,

        man muss nur für eine normale Vermischung der Einkommens- bzw. Bildungsschichten sorgen. Dies ist aber nicht gewünscht. Deswegen wurden vor einigen Jahren Maßnahmen zur Entmischung eingeleitet, deren Ergebnis du heute wunderbar beobachtest.

        Gruß

        • "man muss nur für eine normale Vermischung der Einkommens- bzw. Bildungsschichten sorgen. "

          Wie koennte dies praktisch aussehen? Gutverdienende Berliner von Zehlendorf nach Wedding umsiedeln? Oder Blankeneser Wohnungen fuer Geringverdiener subventionieren?
          Meiner Erfahrung nach beruht die Abneigung dieser beiden sozialen Schichten auf Gegenseitigkeit...

          • Ich wohne in einem gemischten Viertel (sozialer Wohnungsbau neben Einfamilienhaus-Straßenzügen, in denen mittelständische Familien wohnen).

            Ich finde es im Großen und Ganzen gut.

            Gibt natürlich auch Nachteile.

            Es gibt 1000 Förderungen für Sozialschwache, dass man sich manchmal fragt, ob man da nicht als "Normalo" auf der Strecke bleibt.

            Naja und in Sachen Kita und Grundschule finden muss man schon schauen, dass man was Vernünftiges auftreibt.

            Ansonsten ist es mir so lieber als zu homogen. Gerade bei uns in Hamburg gibt es viele Viertel, die mir auf Dauer vom Flair her zu snobby wären...

            • "vom Flair her zu snobby wären... "

              naja, als Arbeitertochter gehoerst Du da ja auch nicht hin...;-)

              Es gibt ja bekanntermassen Viertel, die voellig heruntergekommen waren und dadurch einen gewissen Charme auf wohlhabende Linke ausuebten...woraufhin dann die Wohnungspreise anzogen und die alteingessenen "armen" Mieter wegen Sanierung und Umwandlung in schicke Eigentumswohnungen "umgesiedelt" wurden...

              • Wenn man danach geht, passe ich in gar kein Viertel als Millieuhopper ;-)

                Also meins ist zumindest KEIN ehemaliges armes Viertel wie St. Pauli oder Schanze, in dem sich linke alternative Spießer festgesetzt haben, die die alten Hafenarbeiter mit Latte-Macchiato-Buden und Bioläden verdrängen...

                Es handelt sich vielmehr um eine Randlage, in der zuerst einige alteingesessene Bürger billige Grundstücke kauften, dann sozial Schwache angesiedelt wurden und schließlich wie überall in Hamburg die Preise stiegen (jetzt ca. 400 qm Baugrundstück = 150.000 Euro), sodass sich nun vermehrt Akademiker/Gutverdiener ansiedeln, die sich mit der Ur-Bevölkerung und dem Hochhauspublikum mischen.

                ICH persönlich finde es ganz charmant, wobei es ja wie angesprochen auch Probleme gibt.

      Hallo,

      ich habe jetzt schon etliche Beiträge von Dir gelesen.

      Bei mir schwingt irgendwie so ein wichtigtuerischer, dummschlauer Unterton mit.

      #kratz Liegt vielleicht an meinem neuen Internetbrowser.

      sbl

    Kommt darauf an, wen Du mit "man" meinst. Auf politischer Ebene wird mit dem Programm "Soziale Stadt" bereits seit mehreren Jahren versucht, solche Negativentwicklungen einzuschränken bzw. zu vermeiden. Mehr Infos dazu findest Du unter http://www.sozialestadt.de/programm/

    Du selbst kannst etwas tun, indem Du an Bürgeraktionen teilnimmst und Dich im Stadtviertel engagierst. Gerade in benachteiligten Stadtteilen werden oft vielfältige Angebote initiiert, um die Menschen zu mobilisieren und Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Arbeite in Jugendzentren, schreibe über Dein Stadtviertel in der regionalen Tageszeitung, sprich mit Politikern über Aktionen und Ideen, die das Außenimage des Stadtteils aufbessern, biete Nachhilfe für Schüler an. Aber vielleicht hast Du ja selbst noch andere und bessere Ideen.

    Hallo!

    Ich denke, das ist eine Sache von Ursache und Wirkung.

    Arbeitslose verdienen nicht viel. Um diesen Menschen eine Wohnung bezahlbar zu machen, werden sogenannte "Plattenbauten" errichtet, die wegen ihrer "Hässlichkeit" und kleinen Größe billig genug sind, um für ALG II Empfänger bezahlbar zu sein. Das lässt sich schlecht umgehen, schließlich kosten neu-sanierte Einfamilienhäuser allein vom Grundstück (Stichwort: Lage) viel mehr und wären damit für Arbeitslose nicht erschwinglich. Es muss ja schließlich alles in einem Verhältnis stehen.

    Wenn nun in diese "Plattensiedlungen" viele ALG II Empfänger einziehen, verliert selbst die modernste Hochhausgegend mit Spielplätzen ohne Ende für den Bürger aus der Mittelschicht an Reiz, eben da es in diesen Siedlungen nicht nur, aber dennoch genug Langzeitarbeitslose gibt, die sich schlichtweg keine Arbeit suchen oder Bildungstechnisch (so traurig es auch ist) auf einem anderen Niveau sind. Und so ziehen auch keine Mittelverdiener in diese Gegenden.

    Mir erscheint das recht logisch.

    Würde man ein nettes Reihenhausviertel errichten, in dem die Arbeitslosen kostengünstig leben könnten, dann wären sie dennoch von den anderen isoliert, schlichtweg weil man als durchschnittlicher Arbeitnehmer ein anderer Typ Mensch ist als der durchschnittliche Arbeitslose (wir gehen hier von Langzeitarbeitslosen aus).

    Natürlich streben wir alle nach einem Ideal. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass nicht jedes dieser Ideale sich verwirklichen lässt.

    "Gleich und Gleich gesellt sich gern" sagt man so schön. Und da ist, zumindest was die Nachbarschaft angeht, wohl tatsächlich etwas dran. Man sucht sich meistens Menschen, die einem ähnlich sind.

    Verhindern kann man das nur mit besseren Bildungssystemen, längerer Schulbildung auch für Haupt- und Realschüler (so ein Irrsinn, die Lernschwachen schon nach 10 Jahren aus der Schule zu schicken).

    Vernünftige Ganztagsschulen für alle, Chancengleichheit, Integration usw. usw.

    Solange da aber nichts passiert, wird sich auch nichts ändern.

    Bei dir klingt aber eher Eigensorge mit als Empathie für sozial Schwache. Vielleicht interpretiere ich aber auch falsch.

    Falls du dich also in deiner Gegend nicht mehr wohl fühlen sollten, so steht es dir ja frei, in elitärere Gegenden zu ziehen (sofern es dein Geldbeutel zulässt)....

    LG
    Snickerdoodle#winke

    • Du meinst, Haupt- und Realschüler wären lernschwach.

      Wie kommst du darauf?

      Lernschwache Kinder gehen für gewöhnlich weder auf die Haupt- noch auf die Realschule.

      Gruß

      • Ich hab ja schon darauf gewartet, dass dieser Einwand kommt.

        Definiere es, wie du magst. Ich finde, dass Kinder in Haupt-, Real- und Gesamtschulen auch regulär 12 bis 13 Jahre zur Schule gehen sollten. Ich verstehe nicht, warum diese Kinder (die zweifelsohne häufiger aus bildungsferneren kommen als Gymnasiasten) einen kürzeren Zugang zur Bildung haben, also kürzere Schuldauer.

        Unser Bildungs- und Sozialsystem ist nicht durchlässig und wird es - solange diese Trennung (Haupt-, Real-. Gym) besteht auch nie sein oder werden. Ein Kind in Deutschland wird in den meisten Fällen (ja, ich weiß es gibt auch Ausnahmen..) den Bildungsstand seiner Eltern erreichen. Und das kann doch wohl nicht sein, denn es benachteiligt viele, die in bildungsfernen und/oder sozialschwachen Familien aufwachsen.

        LG
        Snickerdoodle#winke

        • Ich bin nicht ueberzeugt davon, dass ein hauptschueler nach 13 Jahren die Schule "gebildeter" verlaesst als nach 10 Jahren...und schon gar nicht zufriedener.

          "Ein Kind in Deutschland wird in den meisten Fällen (ja, ich weiß es gibt auch Ausnahmen..) den Bildungsstand seiner Eltern erreichen. "

          Das wird gern behauptet. Dann frage ich mich allerdings, weshalb wir heute deutlich mehr Studienanfaenger und deutlich weniger Hauptschueler haben. Und das, obwohl doch angeblich "bildungsferne" Schichten tendenziell mehr Kinder als Akademiker haben...

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