Ist es noch möglich ohne geistige Störung durchs Leben zu gehen?

    • (1) 08.03.12 - 20:15

      Liebe Alle,

      Ist es heutzutage noch möglich, normal zu sein?

      In der neuen Ausgabe des DSM "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders" soll wieder einmal die Zahl der diagnostizierbaren Krankheiten erhöht werden. Angeblich zum Wohl der Patienten wird die Diagnostik "neuer" Erkrankungen als Fortschritt der Medizin gefeiert. Tatsächlich aber dient dies dazu, der Pharmaindustrie künstlich den Markt zu erweitern.

      Ich möchte hierzu auf einen interessanten Artikel in Spiegel Online verweisen (Wissenschaft /Medizin:ADHS, Burnout, Depression, Forscher warnen vor Millionen Scheinpatienten), sorry, ich kann den Link nicht kopieren.

      Beim Lesen so mancher Beiträge in Urbia habe ich den Eindruck, dass die Rechnung der Pharmaindustrie voll aufgeht und die Gesellschaft die zunehmende Pathologisierung erleichtert aufnimmt um sich damit von Verantwortung reinzuwaschen.

      Da werden schlicht unerzogene Kinder mit der Diagnose "ADHS oder ADS stigmatisiert und mit Psychopharmaka vollgestopft. Erschöpfte Arbeitnehmer werden zu Burn-out-Kranken gestempelt und wenn sich eine Userin über ihren faulen Sack von Ehemann der nur träge auf dem Sofa hockt, beschwert, dann wird von vielen Hobbypsychologen die Diagnose "Depression" gestellt und sie bekommt Vorwürfe zu hören, warum sie kein Verständnis für die Erkrankung hat.

      Um hier klar zu sein, natürlich gibt es Depression, und dies ist sicherlich eine schwere Erkrankung, und sicherlich gibt es ADHS Kinder und Burn-out-Kranke. Wogegen ich mich hier jedoch wende ist die Pathologisierung normalen Verhaltens die m.E. über die Medien von der Pharmaindustrie gepushed wird.

      Ist es denn noch möglich, normal zu sein? Muss ich wenn ich eine Lebenskrise durchmache gleich zum Psychiater? Müssen wir uns wundern wenn das kindliche Hirn nicht mehr in der Lage ist die Flut an Informationen zu verarbeiten wenn sie von klein auf vor dem Fernseher oder Computer sitzen? Ist es so abwägig dass Kinder aggressiv reagieren wenn sie von den Eltern keine Grenzen und kein Halt mehr erfahren?

      Wie seht ihr das?

      • Ist es denn möglich, ein paar mehr Kommas zu setzen? Ist natürlich dumm, dass die Lehrer den Schülern heutzutage nicht mehr den Grundstock der Grammatik beibringen können oder die Schüler nicht mehr so aufnahmefähig sind für die deutsche Grammatik, weil sie nur noch vor dem Computer sitzen oder sinnfreie SMS schreiben. Aber Spaß beiseite. ;-)

        Wenn ich Burn-Out lese, muss ich häufig lachen. Wenn ich AD(H)S lese, überkommt mich häufig das gleiche Gefühl.

        Mein Neffe zum Beispiel wurde im Kindergarten von seinen Lehrer-Großeltern (nicht meine Eltern) als hyperaktiv bezeichnet, nur weil er aufgeweckter und wissbegieriger als andere Kinder war. Hatte er ADHS? Nein, bei Weitem nicht.

        Aber, warum kann man einen erschöpften Arbeitnehmer nicht Burn-Out bescheinigen? Dann kann man ihn wenigstens in eine Schublade stopfen. Genauso kann eine Hausfrau Burn-Out bekommen, die mit 2 Kindern und ihrem Haushalt nicht klar kommt.

        Und das Thema Depression ist so breit gefächert, dass ein Laie wie die meisten hier, nicht urteilen sollte. Ein Psychiater hat schon vielen geholfen, auch wenn das Problem vielleicht nur kurzzeitig auftritt.

        Also bitte, lasse deine Pauschalisierungen sein. Ist ja schön, wenn du keine Probleme hast mit Burn-Out, Depression und/oder ADHS-Kindern.

        Was ist denn normal?

        Und nur so ganz nebenbei, ich bin diese elenden Diskussionen nämlich inzwischen tatsächlich müde:

        >>Da werden schlicht unerzogene Kinder mit der Diagnose "ADHS oder ADS stigmatisiert und mit Psychopharmaka vollgestopft<<

        Da beschleicht mich das Gefühl, hier werden gerade Vorurteile deutlich.

        Gruß
        p

        ich finde, der Spiegelartikel bestaetigt mein Eindruck, dass viele ihren gesunden Menschenverstand nicht mehr gebrauchen (wollen) und sich lieber in ihrer Sucht nach Sicherheit an alle moeglichen "Experten" wenden, seien dies nun Aerzte oder Versicherungsmakler, Modeexperten oder Sexualberater.

      (7) 09.03.12 - 11:16

      Hi,

      bei uns war heute in der Tageszeitung ein ganz kurzer Artikel dazu und ich war schon am Überlegen, ob ich einen Leserbrief schreibe#schein.

      Es fängt doch schon mit den Erzeihern im Kiga an. Die diagnostizieren an Kindern ab 2 Jahren und Jünger ()" schon AHDS, weil die Kinder zu viel laufen, wild sind, Spaß haben etc. Was in diesem Alter eigentlich "normal" ist.

      Früher wurden Kinder auch im Kiga erzogen, heute wird die Verantwortung was im Kiga passiert auf die Eltern geschoben - die gar keinen Eingriff haben - und die Kids in Therapie geschickt, damit sie das Schubladendenken erfüllen.

      Es gibt Schaubilder was ein Kind zum gewissen Alter können müßte (und viele Bücher für Eltern) - wenn nicht - kommt es zur Logopädin, Ergo, Kinderpsychologen, etc. etc.

      Bestärkt wird das ganze vom Kindergarten und dann von der Schule.

      Der Leistungsdruck in der Schule ist heute in der Grundschule so enorm, das Kinder die nicht perfekt sind, schon Schwierigkeiten haben.

      Eine Kindergärterin oder Lehrerin bringt einem Kind die "perfekte" Stifthaltung nicht bei, sondern die Ergotherapeutin.

      Es geht nicht um Auflistung irgendwelcher modernen Krankheiten, es geht um perfekte Kinder. Jungs müssen sich auch den Mädchen anpassen.

      Rauferein verboten, AHDS Gefahr!

      Und ja, es gibt viele unerzogene Kinder. Mann muss sich hier nur die Postings anschauen, wenn Nachbarn, etc. zum Jugendamt gehen, weil die Mutter ihre Kinder anschreit. Oder ein Klaps auf den Fingern schon Körperverletzung ist.

      Haben nicht viele in der Öffentlichkeit schon Angst, ihre Kinder zu maßregeln, denn es könnte bei den Zuschauen schlecht aufstoßen?

      Und die Erwachsenen - ja - durch die schnelllebige Zeit ist sicherlich der ein oder andere Arbeiter,... schneller krank. Burn Out hört sich hier chick an - aber kaum einer weis, das hier Depressionen gemeint sind und nicht "Urlaubsreif".

      Ein einfacher Beweis ist, das oft die Pharmaindustrie dahinter steckt, sind die wunderschönen Plakate über Zeckengebiete in Deutschland. Wenn man sich hier beim Gesundheitsamt informiert, bekommt man ganz andere Daten, bzw. beim Robert-Koch-Institut.

      #winke

      Lisa

      • Entschuldige bitte, aber ich muß dich korrigieren. Mit Burn.out ist nicht die Depression gemeint. Burn-out ist nicht Depression. Diese kommt dann meist im späteren Verlauf der Erkrankung. Burn-out ist kein neues Wort das gewählt wurde weil es schicker ist, sondern eine Bezeichnung für eine Krankheit die in den letzten Jahren gehäuft auftritt. Und sie beginnt nicht mit Depressionen!

        LG
        Sabrina

    Hallo,

    ich sehe das anders. Warum sollte der Fortschritt nicht tatsächlich neue Erkenntnisse zu Krankheiten ect. bringen? Und wnen eine Krankheit bisher nicht als solche erkannt wurde, dann muss man ihr natürlich auch erstmal einen Namen geben.
    Wenn ich sehe, wieviele Menschen heute die Diagnose Krebs bekommen. Glaubst du tatsächlich, dass die Menschen früher deutlich weniger daran erkrankt sind? Oder nehmen wir mal Stalking oder Mobbing. Beides Begriffe, die erst in den letzten Jahren immer wieder thematisiert werden. Gab es das etwa früher nicht? Oder wurden die, die betroffen waren, einfach nicht erhört und suchten die Schuld bei sich?
    Gab es vllt früher schon Kinder, die an ADHS litten, es aber als "schlecht erzogen" abgetan wurde? Glaubst du tatsächlich nicht, dass auch Menschen früher an BurnOut litten es aber nicht erkannt wurde oder ganz einfach ein Tabuthema warl, nach dem Motto: "Nun reiss dich aber mal zusammen"?

    Ich denke es hat auch viel mit der gesellschaftlichen Akzeptanz solcher Krankheiten zu tun, dass diese immer populärer werden. Während man früher lieber nicht auffällig wurde, um nicht als "verrückt" bezeichnet zu werden, weiß man heute von der Existenz und man weiß, dass einem geholfen werden kann und Leidenswege hinter verschlossener Tür einem erspart werden können.
    Von daher lassen wir die Menschen doch zum Therapeuten rennen und den Fachmann feststellen, ob tatsächlich eine Krankheit vorliegt oder es einfach an Erziehung fehlt.

    vg, m.

    Hallo,

    Du sprichst einen wichtigen Punkt an, die gesellschaftliche Akzeptanz z.B. psychischer Erkrankungen, da stimme ich Dir völlig zu. Natürlich gab es auch früher schon Depression oder Krebs und es ist gut dass psychisch Kranke oder Mobbingopfer auf Verständnis treffen und Hilfe finden.

    Bei Burn-out oder AD(H)S bin ich mir nicht sicher ob dies nicht doch relativ "neue " Erkrankungen sind, ich glaube dies hat viel mit unserer Zivilisation zu tun (Computer, Fernsehen, Ernährung etc).

    Worum es mir geht ist die Pathologisierung normalen Verhaltens und die ständigen Versuche der Pharmaindustrie, neue Erkrankungen zu schaffen oder die diagnostischen Kriterien (Beispiel Cholesterin, Blutdruckwerte etc) künstlich zu verändern, damit ein neuer Absatzmarkt für Medikamente geschaffen werden kann. Ziemlich lächerlich fand ich zum Beispiel den Versuch, den Männern Wechseljahre anzudichten.

    Ich bin der Meinung dass Lebenskrisen etwas Normales sind, auch Depressionen oder Aengste sind in manchen Lebensphasen durchaus normal. Was mich stört ist die Pathologisierung, die m.E. stark zunimmt.

(15) 09.03.12 - 13:20

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,819842,00.html

Ich sehe das ähnlich wie mamavonyannick.
Die heutigen Erkenntnisse und auch Diagnosemöglichkeiten sind einfach nicht mit den früheren Zuständen vergleichbar.
Vieles gab es auch schon immer, es wurde nur anders betrachtet und beurteilt oder auch verurteilt.
Und man sollte auch berücksichtigen, daß sich die heutige schnelle Lebensweise und auch auch die höheren Umweltreize, anderen Emmisionen usw. auswirken können.

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In der neuen Ausgabe des DSM "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders" soll wieder einmal die Zahl der diagnostizierbaren Krankheiten erhöht werden. Angeblich zum Wohl der Patienten wird die Diagnostik "neuer" Erkrankungen als Fortschritt der Medizin gefeiert. Tatsächlich aber dient dies dazu, der Pharmaindustrie künstlich den Markt zu erweitern.
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Den Vorwurf, es ginge immer nur darum, daß man der Pharmaindustrie einen künstlichen (unberechtigten?) Markt liefern will, kann ich echt nicht mehr hören.
Mir ist das zu billig.
Wenn man wirklich mal betrachten würde, welche Medikamente auf den Markt kamen und welche Wirkung sie haben oder wo eingestezt wurden, dann würde man auch sehen, daß vieles tatsächlich wichtig ist und gebraucht wird.

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Da werden schlicht unerzogene Kinder mit der Diagnose "ADHS oder ADS stigmatisiert und mit Psychopharmaka vollgestopft. Erschöpfte Arbeitnehmer werden zu Burn-out-Kranken gestempelt und wenn sich eine Userin über ihren faulen Sack von Ehemann der nur träge auf dem Sofa hockt, beschwert, dann wird von vielen Hobbypsychologen die Diagnose "Depression" gestellt und sie bekommt Vorwürfe zu hören, warum sie kein Verständnis für die Erkrankung hat.
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Was ADHS angeht, halte ich es schon für wahrscheinlich, daß es oft zu schnell zu dieser Schublade kommt, daß auch unberechtigt Kinder so eingestuft werden, aber eben nicht alle.

Was den Burn-Out angeht, hast du wahrscheinlich noch nie jemanden kennengelernt, sonst würdest du das besser verstehen müssen.
Und ja, Burn-Out ist eben eine Erschöpfung, eine extreme, eine schon krankhafte. Das wird man eben nicht durch einen netten Kurzurlaub wieder los.

Und Depressionen wurden früher auch schon erkannt, wenn auch anders bezeichnet und man konnte weniger helfen.

Deine pauschalen und sehr unwissenden laienhaften Aussagen oder Urteile hier zeigen, daß du dich niemals medizinisch informiert hast. Depressionen können auch einfach aufrund chemischer Fehlprozesse entstehen, das ist dann pure Chemie, mehr nicht und da kann man mit Medikamenten eingreifen und ausgleichen.

Ob nun ein Ehemann auf dem Sofa faul ist oder aber depressiv, weiß hier sowieso keiner. Aber wird denn überhaupt eine Ferndiagnose getroffen, wie du behauptest?
Es werden doch nur Anregungen zu Überlegungen und Möglichkeiten gegeben, die andere vllt aus Erfahrungen ziehen.

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Um hier klar zu sein, natürlich gibt es Depression, und dies ist sicherlich eine schwere Erkrankung, und sicherlich gibt es ADHS Kinder und Burn-out-Kranke. Wogegen ich mich hier jedoch wende ist die Pathologisierung normalen Verhaltens die m.E. über die Medien von der Pharmaindustrie gepushed wird.
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Okay, aber wo oder wer schiebt denn deiner Meinung nach das normale Verhalten in solche Schubladen?
Die Medien?
Die Pharmaindustrie?

Das sehe ich anders.

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st es denn noch möglich, normal zu sein? Muss ich wenn ich eine Lebenskrise durchmache gleich zum Psychiater? Müssen wir uns wundern wenn das kindliche Hirn nicht mehr in der Lage ist die Flut an Informationen zu verarbeiten wenn sie von klein auf vor dem Fernseher oder Computer sitzen? Ist es so abwägig dass Kinder aggressiv reagieren wenn sie von den Eltern keine Grenzen und kein Halt mehr erfahren?
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Klar, kann man ganz normal sein.
Und bei einer Krise muß man nicht zum Psychiater, aber man könnte sich vllt von einem helfen lassen.

Bei einer Grippe muß ich auch nicht zum Arzt, aber ich könnte mich dort beraten lassen.

Beim thema Kinder denke ich, daß es schon immer solche Kinder gab.
Klar, ist so eine moderne Reizüberflutung eher negativ, aber "früher" gab es auch grausame und aggressive Kinder.
Durch die autoritäre Erziehung haben sie vllt nur eher gekuscht.

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